Hey Leuters,

es geht mal wieder weiter und ich hoffe ihr werdet mich nicht wegen meiner Erklärkunst lynchen. Außerdem denke ich, dass die Länge dieses Cap´s nicht der Standart wird. Ich hab halt keinen Punkt für einen Cliffi gefunden und wollte es außerdem nicht zerreißen.

Was nun das Posten angeht, da wird es wohl ein wenig ruhiger werden. Arbeit bei mir und Uni bei meiner lieben Betaleserin Ginny, gehen nun mal vor und ich möchte ja auch nichts überstürzen. Was übrigens den SdG angeht, ich schreibe derzeit an den letzten beiden Caps und denke, nächste Woche könnte da noch was kommen.

Ansonsten gilt wie immer. Viel Spaß und sagt uns eure Meinung

Tschau Mr. Figgs

Kapitel 20

Wie auf ein Zeichen, ertönte die Schulglocke und kaum, dass sie verklungen war, rannte Damion auch schon aus dem Zimmer. So blieb also nur noch Professor Styls zurück, den man fragend ansehen konnte. Er schaute nun leicht entschuldigend in die Klasse und Harry glaubte zu erkennen, dass der braunhaarige Mann sich selbst ein bisschen schallte, vielleicht ein wenig übertrieben zu haben.

Allerdings fragte sich der Schwarzhaarige auf der anderen Seite auch, wieso Damion es ihnen verheimlichen wollte. Schämte er sich wirklich für seinen Vater ? Und als Harry sich so seine Gedanken darüber machte, ergaben auch die Blicke von gestern abend auf einmal einen Sinn. Schließlich hatten er und Ron und auch Hermine nicht gerade gut über den Mann mit dem breiten Lächeln gesprochen.

Aber um die ganze Sache zu klären und auch, um einige Antworten zu erhalten, musste man erst einmal Damion finden. Deshalb packte Harry rasch seine Unterrichtssachen in seine Tasche und machte sich schleunigst auf den Weg, dem Braunhaarigen zu folgen. Dicht hinter ihm liefen auch Hermine und Ron. Die beiden waren wohl zu der selben Erkenntnis gekommen wie Harry und wollten daher ihrem Freund bei seiner Suche helfen.

„Damion... Dam... verdammt, warte doch mal." Leicht außer Atem erreichte Harry den Braunhaarigen schließlich kurz vor der Großen Halle. Ihm war eigentlich klar gewesen, dass der Gryffindor hier her rennen musste. Denn so wirklich viele Orte im Schloss konnte er ja noch nicht kennen. Und da die Siebenklässler eh in der nächsten Stunde keinen Unterricht hatten, war die Große Halle ja geradezu perfekt für ein Gespräch.

Harry trat ein und blickte sich um. Damion war einfach weiter gegangen, saß nun am Gryffindortisch, auf seinem Platz von gestern abend, und hatte seinen Kopf auf die Hände gestützt. Der Schwarzhaarige glaubte schon der Junge weinte, denn sein Körper zitterte auch ein wenig. Deshalb unterließ es Harry laut zu rufen und er, und seine beiden Freunde, gingen langsam zu Damion hin.

„Damion wa...", wollte Hermine sagen, doch ein wütendes „Was ?" fauchte ihr entgegen. Dann hob der Braunhaarige den Kopf und seine goldenen Augen funkelten giftig, worauf der Lockenkopf ein wenig zurück zuckte.

„Dürfen wir uns setzen ?", versuchte es nun Harry mit ruhigen Worten, auch wenn ihn das Anfauchen seiner besten Freundin etwas gegen den Strich ging.

„Warum ?", fragte Damion kalt zurück. „Damit ihr mehr Energie habt, um mich als Lehrerkind zu hänseln ? Um mir zu sagen, ihr seid meine Freunde und dann jedes Mal zu verstummen, wenn es um meinen Vater geht ? Nein, das brauche ich nicht."

Die drei Gryffindors schauten den Braunhaarigen geschockt an und wussten im Moment nicht so recht, was sie sagen sollten. Nichts lag ihnen ferner, zumal sie ja nicht einmal so recht wussten, was Damion damit meinte. Bisher hatten nicht einmal Harry oder Hermine, die ja in den Genuss einer Muggelgrundschule gekommen waren, überhaupt mit Jungen oder Mädchen zu tun gehabt, deren Eltern Lehrer waren.

„Aber das wollen wir doch gar nicht, Damion. Ey Mann, ich persönlich finde es sogar cool, dass dein Dad unser Lehrer ist. Vielleicht wird dann das Jahr ja ein wenig lustiger."

Nun war es Damion, der große Augen machte und zwar in Richtung Ron. Der Rothaarige sah seinen Mitschüler an und dessen Gesicht strahlte förmlich vor Interesse und was viel wichtiger war... Ehrlichkeit.

„Echt ?", fragte Damion verdutzt.

„Klar", grinste Ron, „ich meine, dein Dad ist ja nun wirklich nicht so krass drauf, wie Snape es immer war. Oder so streng wie Mc Gonnagal. Also echt, stell dir vor, SIE wäre deine Mutter. Ich glaube, ich würde Selbstmordgedanken haben."

„RON"

Hermine sah den Rotschopf mit bösen Augen an und war empört darüber, dass er ihre inoffizielle Lieblingslehrerin hier ins Spiel brachte. Doch diese kleine Einlage lockerte auch die allgemeine Stimmung ein wenig und Damion bedeutete den Dreien sogar, sich zu setzen. Harry und seine Freunde kamen dem nach und es war schließlich der Schwarzhaarige, der seinen neuen Mitschüler fragte, wieso er es nicht gleich gesagt hatte. Damion meinte daraufhin, dass er noch einige Tage warten wollte. Denn es gab da einige nicht ganz so lustige Erinnerungen an seine letzte Schule.

Harry verstand dies und auch die anderen Beiden schienen sich vorstellen zu können, worum es ging. Danach war Hermine an der Reihe, ihre Frage zu stellen und diese befasste sich mit einer Tatsache, welche Damions Geheimnis, sofern dieses nicht vorhanden wäre, gar nicht erst als solches hätte aussehen lassen. Der braunhaarige Lockenkopf sah Damion direkt ins Gesicht und fragte,

„Sag mal, wieso kommt es, dass du Mc Kenzie heißt und dein Dad aber Styls? Sollte das nicht anders sein ?"

Harry schaute seine beste Freundin mit großen Augen an. Daran hatte er noch gar nicht gedacht, aber es stimmte. Deshalb wanderte sein Blick zu Damion und der braunhaarige Gryffindor schien kurz in Gedanken zu gehen.

„Oh das, na ja ist ne lange Geschichte. Hängt aber wohl damit zusammen, dass Dad bis zu meinem dritten Lebensjahr nichts von mir wusste. Und dass es dann, als er wieder bei meiner Mum war, alles ein wenig zu schnell ging."

Beim letzten Satz konnte man eindeutige Trauer heraushören, doch so richtig verstanden hatten es die drei Gryffindors nicht. Damion schien dies zu bemerken und fing nach einem Moment des Nachdenkens von vorn an.

„Also, alles was ich über die Beziehung meiner Eltern weiß ist, dass sie früher, während ihrer Schulzeit, die besten Freunde waren. Danach haben sich ihre Wege jedoch verlaufen, da Dad ein Auror wurde und Mum eine Ausbildung zur Heilerin begann. Aber wie es manchmal im Leben kommt, trafen sie sich wenige Jahre später kurz mal wieder und haben, wie mein Dad es immer so schön sagt, ihre Freundschaft stärker vertieft, als sie es zu Schulzeiten war. Und aus dieser Vertiefung... nun ja... bin ich halt entstanden. Allerdings ist Dad schon wenige Tage später wieder zu einer Expedition aufgebrochen und hat erst fast vier Jahre später von mir erfahren. Warum ? Das weiß ich nicht. Ich meine es gab Eulen und andere Wege..."

Harry sah den Jungen vor sich an und spürte, dass ihn diese Fragen sehr beschäftigten mussten und auch nahe gingen. Aber eines beantworteten sie noch nicht, nämlich Hermines Frage. Damion sah auf und kehrte zurück in die Realität.

„Oh, was nun die Frage mit dem Namen angeht! Nun, als Dad und Mum sich wieder trafen und er von mir erfuhr, da wollte sich mein Vater, überglücklich wie er war, in England niederlassen. Die Hochzeitspläne waren sogar schon fertig und die Ringe bestellt. Und Alles hätte so schön werden können, aber nein... - Damions Blick verhärtete sich plötzlich und seine Augen fingen an zu leuchten-... dieser verdammte Muggelbus musste ja von der Straße abkommen..."

„Oh nein", hörte Harry Hermines entsetzt sagen und spürte, wie sie seine Hand in schmerzhafter Art und Weise zusammendrückte. Ron hingegen hatte mit der Aussage insofern ein Problem, da er nicht wusste, was ein Bus ist. Doch er spürte, dass es nichts Gutes war und so waren auch er und Harry von Damions Verlust betroffen.

Bevor man sich aber weiter mit der Geschichte des Jungen auseinandersetzen konnte, trafen ihre Mitschüler in der Großen Halle ein. Es war Zeit fürs Mittagessen und danach hieß es zum ersten Male Verwandlungen bei Professor Stormfire. Jetzt waren es dann vor allem die Jungen, und hier besonders Dean und Seamus, die sich sehr zum Unverständnis der Mädchen, darüber freuten. Hermine murmelte etwas von Hormonen. Doch selbst Harry überhörte dieses Mal die Worte seiner besten Freundin geflissentlich. Denn er musste zugeben, dass die junge Professorin von Erscheinungsbild nicht unbedingt hässlich war.

Der Unterricht war allerdings gelinde gesagt, nicht ganz das, was sie alle erwartet hatten. Professor Stormfire, gestern noch der Traum aller pubertierenden Jungen, kam in einem sehr konservativen, manche würden sagen zugeknöpften, Outfit in den Raum und Harry glaubte seinen Augen kaum, als er bemerkte, dass die junge Hexe ihre gestern noch locker wehenden Haare doch tatsächlich zu einem Dutt hochgesteckt hatte. Dies passte nun wirklich nicht zu ihr. Außerdem schien sie Professor Mc Gonnagal imitieren zu wollen und alles was man von ihr hörte waren überzogen strenge Worte wie „Lehrplan", „Disziplin" und „Hauspunkte".

Dass sie allerdings nicht vor Erstklässlern stand, musste Professor Stormfire sehr schnell feststellen. Besonders da die Slytherins, aber auch einige Gryffindors, sie frontal gegen eine Wand laufen ließen. Der Unterricht wurde zu einem Fiasko, wie es Hogwarts noch nie gesehen hatte und am Ende sah es fast so aus, als würde die junge Lehrerin losheulen. Ausschlaggebender Punkt hierfür kam sogar aus den Reihen der Gryffindors, genauer gesagt, von Ron. Der Rothaarige, der jetzt wo er eine Freundin hatte und auch sonst in den Ferien ein wenig mehr zum Rebell mutiert war, hatte es eigentlich gar nicht so direkt zu Professor Stormfire gemeint. Doch seine Stimme war halt mal wieder ein wenig lauter, als die der anderen. Und so hörte die Lehrerin, wie der Rothaarige zu Harry und den andern Gryffindors sagte,

„Also Harry, ich weiß nicht so recht. Mit Stormy stimmt doch was nicht. So steif war ja nicht mal Mc Gonnagal in ihren schlimmsten Zeiten,... oder ich heute morgen. Aber wenn das ganze Schuljahr so bleiben sollte, dann sehe ich schwarz. " Danach drehte sich der Gryffindor grinsend zu Seamus, meinte, dass ihr vielleicht ein Mann fehlte und bat den irischen Jungen doch tatsächlich um etwas Opferbereitschaft im Namen des guten Unterrichts.

Harry sah seinen besten Freund mit großen Augen an und selbige wuchsen noch mal, als er mitbekam, dass Professor Stormfire es auch gehört hatte. Allerdings konnte Harry Ron ab hier nicht mehr helfen, denn die zehn Punkte Abzug für Lehrerbeleidigung waren jetzt sein kleinstes Problem. Es waren eher Hermine, Parvati und so gut wie jedes Gryffindormädchen, welches dem Rotschopf nun die Leviten lasen.

Alles in allem war der erste Schultag ein sehr aufregendes Eröffnungsspiel gewesen und Harry war froh, als die letzte Stundenglocke verhallte. Der Schwarzhaarige saß nun leicht geschafft im Gemeinschaftsraum und las mühsam in seinem Lehrbuch für Verwandlungen das erste Kapitel über die Transfiguration von Lebewesen nach. Die Gryffindors, aber auch die Slytherins hatte es geschafft und mussten nach Rons kleinem verbalen Übers-Ziel-Hinaus-Schiessen einen dreiseitigen Aufsatz zu diesem Thema schreiben. Harry war sich insgeheim sicher, dass sich der Rothaarige noch auf den Dank seiner Mitschüler freuen durfte.

„Mann, was für ein Tag", sagte Hermine und ließ sich neben Harry nieder. Auch sie schien im Moment nicht unbedingt der Elan in Person zu sein und daher kam es zum ersten Male vor, dass es der Lockenkopf war, der meinte, man sollte für heute mit dem Lernen Schluss machen. Harry schaute auf und sah seine Freundin überrascht an.

„Sag das noch mal, Hermine", kam es gespielt ungläubig. Hermine blickte zu Harry und wollte den Satz schon wiederholen. Doch dann bemerkte sie, dass hinter Harrys Augen der Schalk saß. Sie sog die Luft scharf ein und kam dem Schwarzhaarigen immer näher. Schließlich waren ihre Gesichter nur noch gut einen halben Meter entfernt und sie sahen sich direkt in die Augen.

Harry bekam ein komisches Gefühl in der Magengegend. „Was hatte sie vor ?", fragte er ich. Doch bevor irgendetwas geschehen konnte, was dieses Gefühl verschlimmern konnte, begannen Hermines Augen, die wie Harry feststellte rehbraun waren, zu funkeln und der Lockenkopf tippte mit ihrem spitzen Zeigefinger auf Harrys Brust.

„HARRY JAMES POTTER, wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst keine Scherze über das Lernen machen."

Durch die Laute Stimme von Hermine alarmiert, schauten nun auch andere Schüler zu den beiden Gryffindors herüber oder kamen aus dem Schlafsaal gerannt. Der Anblick, welcher sich ihnen dabei bot, konnte allerdings in nichts anderem, als einem Lachen enden. Schließlich sah man nicht jeden Tag, wie Harry Potter, „der Auserwählte" versuchte sich vor seiner besten Freundin in Sicherheit zu bringen.

Vorbei waren die Momente, wo sich Hermine schlapp gefühlt hatte. Vorbei war dies auch bei Harry, denn so ein Mädchenzeigefinger konnte wahre Wunder bewirken. Schließlich schaffte es Harry, nachdem ihn der Lockenkopf durch den halben Gemeinschaftsraum gejagt hatte, und sie nun in einer etwas abseits gelegenen Ecke standen, Hermines Hände zu greifen und er drückte sie mit lächelnd schmerzverzogenem Gesicht an die Wand.

„Hermine hör auf... Bitte... du hast ja keine Ahnung, wie weh das tut..."

„Aber genau das sollte es ja auch, meine lieber...", lachte Hermine zurück und funkelte Harry immer noch leicht an. „Du weißt genau, wie gern ich nun mal lese und ich diese Spitzen von euch hasse."

„Natürlich weiß ich das", sagte Harry, der nun wieder direkt vor Hermine stand. „Und es ist auch der Grund, dass ich noch lebe. Denn wie oft hat uns dein Wissen schon gerettet ? Denk an die Teufelsschlinge, der Zeitumkehrer oder all die Zauber, die wir in der DA gelernt haben. Es bist nun mal du und dafür mag ich dich..."

Bei Harry letztem Satz klappte dem Lockenkopf der Mund auf und auch Harry fühlte sich plötzlich so, als hätte er was Falsches gesagt. Verdammt, dachte er. Das kannst du doch nicht zu deiner besten Freundin sagen. Und um die plötzlich Stille zu überbrücken, sprach der Schwarzhaarige auch schnell weiter.

„Und weil das so ist habe ich eine kleine Überraschung für dich. Nenn es eine Wiedergutmachung für meinen Scherz. Aber es ist halt so, dass wir beide seit gestern die uneingeschränkte Erlaubnis für die Bibliothek haben."

Hermine schaute den Jungen vor sich immer noch mit großen Augen an. Harry dachte schon, der Lockenkopf sei wieder versteinert. Doch dann kam Leben in die rehbraunen Augen und ein lautes „GESTERN" hallte durch den Raum.

„Gestern Harry ? Du weißt es seit gestern und hast es mir nicht gesagt ?"

Irgendwie kam Harry der Gedanke, er hätte vielleicht doch ein wenig Seherblut in seinen Adern und die erste Bewegung, die er machte, war mit beiden Händen seine Brust zu schützen. Man konnte ja nie wissen. Doch zu einer weiteren schmerzvollen Begegnung mit Hermines Zeigefinger kam es nicht. Denn alles was der Lockenkopf tat, war sich kurz mal zu entschuldigen und danach aus dem Gemeinschaftsraum zu stürmen. Harry konnte nur noch grinsen und ging zurück zu seinem Platz. Allerdings kam ihm ein Gedanke nicht mehr aus dem Sinn. Braun, sie hat braune Augen. Wieso ist dir das früher nicht so aufgefallen ?

Man traf Hermine erst wieder zum Abendessen an. Und wie konnte es auch anders sein, war sie beladen mit jeder Menge Bücher. Harry grinste, während er so durch die Halle schaute und nebenbei etwas vom kalten Schweinebraten auftat. Man hätte wirklich wetten sollen, kam ihm in den Sinn. Und dabei war nicht nur Hermine und ihre Liebe zu den Büchern gemeint. Nein, auch was Damion betraf, wussten dank Lavender und Parvati bis zum Abendmahl alle im Schloss über die Beziehung zwischen dem Jungen mit den goldenen Augen und dem neuen Lehrer für VgddK Bescheid.


Der nächste Unterrichtstag ging bedeutend schneller rum. Sei es, weil man bei den allbekannten Lehrern hatte. Oder da es nur fünf Stunden gab. Harry jedenfalls kam es so vor, als wäre er gerade erst aufgestanden und hatte sein Frühstück beendet, als die Uhr Acht zeigte und er sich auf den Weg zum Raum der Wünsche machen wollte. Im Gemeinschaftsraum hielt ihn jedoch Hermine noch kurz zurück und fragte ihn, wohin er wolle.

„Extraunterricht", antwortete Harry leise und erklärte dem Lockenkopf, was Dumbledore wieder mal eingerührt hatte.

„Okklumentik? Meinst du, dass es wirklich ratsam ist, jemanden, den du gerade mal zwei Tage kennst, in deinem Kopf herumsuchen zu lassen."

Klar hatte sich Harry diese Frage auch schon gestellt. Doch was sollte er machen ? Dumbledore hielt es für wichtig. Und wenn man bedachte, was geschehen war, als Harry es in seinem fünften Schuljahr nicht geschafft hatte, seinen Geist zu verschließen. Nein, daran wollte er jetzt nicht denken, schallte sich der Gryffindor und schnell verbannte er die Bilder von Sirius, und wie dieser durch den Vorhang fiel, aus seinem Kopf.

„Es muss aber sein Hermine. Professor Dumbledore hält es für ratsam und wer weiß, vielleicht kann es mir später mal von Nutzen sein."

Mit diesen Worten drehte sich Harry um und ging in Richtung Portrait der fetten Dame. Hermine sah ihm sorgenvoll hinterher und setzte sich schließlich wieder in ihren Sessel, um weiter zu lesen.

Harry jedoch beschleunigte, nachdem er den Gemeinschaftsraum endlich hinter sich gelassen hatte, seine Schritte. Es galt ja schließlich die paar Minuten aufzuholen, die er bei den eben gewechselten Worten verloren hatte. Denn eines wollte Harry nun wirklich nicht. Und das war, gleich bei seiner ersten Stunde zu spät zu kommen. Beim Raum der Wünsche angelangt, musste der Gryffindor jedoch feststellen, dass man Styls wirklich nicht mit Snape vergleichen konnte. Denn sein neuer Lehrer war selbst noch nicht da. Jedenfalls war der Raum, oder besser gesagt seine Tür noch nicht sichtbar und so wartete Harry erst einmal.

Die Minuten verstrichen und Harry begann sich zu fragen, was den Professor nur aufgehalten haben könnte. Die Nachricht auf dem Pergament sagte eindeutig wann und wo sie sich treffen wollten und erst die leisen Stimmen, die hinter der nächsten Ecke leise zu hören waren, ließen den Schwarzhaarigen aufschauen. Langsam bewegte sich Harry in ihre Richtung, um zu erkennen, wer sich dort im Schutze des eigentlich dunklen Ganges befand.

„Ach komm schon Ems. So schlimm können sie doch nicht gewesen sein ?"

Harry erkannte die versucht beruhigend wirkende Stimme von Professor Styls und ward umso überraschter, als die zweite Person, eine leicht schluchzende Emily Stormfire antwortete. „Oh doch, waren sie. Besonders Arthur Weasleys Sohns Worte haben mich getroffen."

Harry ging noch ein paar Schritte weiter vor und versuchte um die Ecke zu blicken. Dabei bemerkte er, wie nah die beiden Erwachsenen zu ihn, und was viel ungewöhnlicher war, zueinander standen. Styls hatte doch tatsächlich seine Hände rechts und links vom „Stormys" Kopf an die Wand gestützt und es sah so aus, als wenn die beiden sich nicht wirklich fremd waren.

„Stephano, bitte nicht hier. Es könnten Schüler kommen." Flehte Professor Stormfire, als es so aussah, als wollte er sie küssen. Styls hielt in seiner Bewegung inne und lächelte leicht.

„Ok, Ems. Doch dann musst du mir versprechen, nicht aufzugeben und ab morgen wieder du selbst zu sein. Dieser Dutt steht dir nicht wirklich. Und auch die Schüler wollten eher die heiße Emily Stormfire sehen, als eine verjüngte Minerva. Mein Gott Ems, ich war selbst richtig geschockt, als ich dich so sah. Was hast du dir nur dabei gedacht ?"

Emily Stormfire atmete tief ein und Harry hörte etwas von, sie wollte doch nur auch so eine respektierte Lehrerin sein, wie die Direktorin. Styls grinste darauf und sagte, dass er das hier aber niemals mit Minerva Mc Gonnagal tun würde. Zwei Sekunden später berührten sich ihre Lippen und Harry wurde schlagartig klar, dass es Zeit zum Gehen war. Er versuchte sich so unauffällig, wie nur möglich, zu entfernen. Erstarrte aber, als er die nächsten Worte seines Lehrers hörte.

„So Ems, ich muss hier leider aufhören. Ich habe noch ein Treffen mit Harry Potter und wenn ich ihn noch länger warten lasse. Dann wird er Damion womöglich sagen, wir hätten noch ganz andere Dinge getan, als uns nur kurz zu küssen. ... ODER SIND SIE SCHON REIF GENUG; DIES HIER FÜR SICH ZU BEHALTEN ?"

Shit, ertappt, dachte Harry und überlegte, was er als nächstes tun sollte. Die Antwort auf diese Frage nahm ihm aber Professor Styls ab, als er den Schwarzhaarigen einholte und mit stechendem Blick fast durchbohrte. Harry begann darauf zu stammeln,

„ ent ... entschuldigen sie Professor ... ich woll ... wollte nicht wirklich lauschen."

Scheinbar stimmte diese von Unsicherheit strotzende Reaktion des Gryffindors Professor Styls etwas gnädig, denn seine Gesichtszüge wurden wieder etwas weicher und sogar das Lächeln kam zurück.

„Wissen sie Mr. Potter...", sagte er mit erhobenem Finger, „... ein guter Freund von mir, den ich auch gern als Mentor bezeichnen würde, hat einmal zu mir gesagt, dass Neugier eine gute Sache ist, wenn man sie vorsichtig dosiert."

Harry nickte leicht, da ihm diese Worte bekannt vorkamen und er war innerlich froh, dass Styls nicht so reagierte, wie seinerzeit Snape, als er in dessen Erinnerung gelangte.

„Und sie glauben gar nicht, wie recht mein Mentor hatte. Ich Trottel habe mich doch tatsächlich hinreißen lassen und bin neugierig und naiv wie ich war, an seine Zitronendrops gegangen. Uuaaah, eine Erfahrung die mich geprägt hat."

Beide mussten etwas lachen, zumal Harry nun auch wusste, wen Professor Styls gemeint hatte. Kurz darauf erschien auch die Tür zum Raum der Wünsche Harry folgte seinem Lehrer hinein.

„So, Mr. Potter, Albus wollte also, dass ich mich mit ihnen über Okklumentik unterhalte."

Mit diesen Worten, und Harry nicht wirklich dabei anschauend, ging Styls zum Kamin und entfachte ein Feuer. Harry nutze dies und schaute sich ein wenig um. Wie hatte der Raum sich wohl verwandelt ? Was würde auf ihn zukommen ? Und mit den Erinnerungen an Snapes Unterricht stellte sich Harry gerade hin und wartete darauf, dass Professor Styls sich ihm gegenüber aufbaute. Doch nichts dergleichen geschah. Damions Vater kam nur vom Kamin zurück und blickte fragend.

„Ähm Mr. Potter, wollen sie tanzen, oder so ?" Lachte er kurz auf und bedeutete Harry sich in die Mitte des Raumes zu begeben, wo man nun einen Haufen dicker Kissen sehen konnte. Harry stutzte ein wenig und sah Styls leicht verwundert an.

„Aber bei Snape..."

„Professor Snape", verbesserte Styls und Harry dachte, er stehe mit einem Male seinem alten Mentor gegenüber.

„Ok, Professor Snape", verbesserte er sich widerwillig und fuhr dann fort. „Aber bei ihm standen wir uns immer gegenüber, bevor er..."

Harry stockte ein wenig, als er an seine schmerzhaften Versuche, sich gegen Snapes mentalen Angriff zu wehren, erinnert wurde. Professor Styls schien dies zu bemerken und versuchte Harry zu beruhigen.

„Nun Harry... Ich darf dich doch so nennen ?" –Harry nickte kurz- „Nun Harry, bei mir wird es ein wenig anders laufen und das wichtigste wird sein, dass wir beide entspannt sind. Also komm rüber, zieh deine Schuhe aus und schmeiß dich irgendwo auf die Kissen."

Harry sah seinen Lehrer mit großen Augen an und wusste nicht so recht. Dies sollte doch Unterricht sein ? Er sollte doch endlich lernen, seinen Geist zu verschließen ? Harry tat aber wie ihm geheißen und bemerkte, dass Styls seine schwarzen Lederschuhe abstreifte. Dann schwang er seinen Zauberstab und auf einem kleinen Tischchen zwischen all den Kissen erschien ein Tablett mit mehreren Butterbierflaschen..

„Auch eins ?", fragte Styls locker und öffnete sich ein Bier in Maurermanier. Harry starrte ihn an, ließ sich allerdings auch zu einem Schluck überreden.

„Richtig so, Harry. Denn wenn wir schon zusammen den Abend verbringen sollen, dann nicht so steif, wie im Unterricht."

Nun war Harry so richtig baff und nahm noch einen kräftigen Schluck vom Butterbier. Professor Styls tat ihm es nach und dann schien er Harry zu mustern. Dies blieb dem Schwarzhaarigen jedoch nicht verborgen und so schaute dieser ein wenig unsicher in den Raum.

„So Harry, du hast also schon mal Okklumentikunterricht gehabt ?" Dies war die erste Frage und Harry erinnerte sich zurück an sein fünftes Schuljahr. All die Bilder seiner Stunden bei Snape kamen wieder hoch und sein Gesicht verdunkelte.

„Stop es Harry", sagte Styls plötzlich. „Stop deine Wut und entspann dich wieder."

Harry sah den Mann an und wie ein wildes Tier brach es aus ihm heraus.

„Stoppen ? Ich kann es nicht stoppen, Professor. Es sitzt zu tief drinnen. All die Sachen, die Snape getan hat. Ich werde es nie vergessen. Er ist Schuld am Tod meiner Eltern. Er ist Schuld am Tode von Dumbledore und auch von Sirius..."

Harry begann seiner Wut freien Lauf zu lassen und schrie in den Raum. Doch aus der Wut wurde kurz darauf Verzweiflung und Harry begannen die Tränen übers Gesicht zu laufen.

„Wenn... wenn er mir nur einmal gesagt hätte, wie es funktioniert ? Wenn er... dann würde er vielleicht noch leben ? Alles was Snape gemacht hat war, mich für meine Vater zu hassen und zu brüllen, ich soll meinen Geist leeren... "

Professor Styls saß dem Schwarzhaarige gegenüber und tat nichts, außer dem Jungen freien Lauf zu lassen. Und es dauerte auch noch gute fünf Minuten, bis sich Harry beruhigt hatte und seinen Lehrer nun leicht beschämt ansah. Wie konnte dies nur eben geschehen ? Dieser Mann war doch ein Fremder, dachte er plötzlich. Was sollte er nun von ihm denken ? Professor Styls sagte oder tat jedoch nichts, was Harry spüren ließ, dass er einen Fehler gemacht hat. Nein, Damions Vater nahm nur einen weiteren Schluck und stellte die Flasche neben sich ab.

„Aber Harry, das mit dem Geist leeren ist nun mal das A und O beim Thema Okklumentik. Allerdings war Severus schon zu Schulzeiten ein Sonderfall, der viele Sachen einfach wusste und annahm, dass andere es ebenfalls taten."

Harry schauet den Mann vor sich mit nachdenklichem Gesicht an und fragte leise.

„Sie kannten ihn also ? Ich meine Snape... und wie er früher war ?"

„Ja, ich kannte ihn Harry. Er war ja nur zwei Jahre jünger als ich und da wir ja beide im Hause Slytherin waren, läuft man sich halt auch über den Weg."

Harry nickte verstehend und überlegte, ob es ratsam war, weiter mit einem ehemaligen Slytherin zu reden.

„Ach, und noch eines Harry. Ich bitte dich, Severus in der Zukunft als Professor Snape zu bezeichnen. Ich weiß zwar, was er getan hat. Doch wie schon unsere liebe Direktorin es zu mir gesagt hat. Ist der Tod von Professor Dumbledore zu mysteriös, als dass man damit leichtfertig umgehen sollte. Und außerdem hat Severus nach all den Jahren an dieser Schule und all den Jahren der Forschung den Titel „Professor" verdient."

Harry wollte schon auffahren, doch Professor Styls unterbrach es sofort.

„Nein Harry, egal was Severus Snape in den letzten Monaten getan hat, du bist zu sehr voreingenommen, was ihn angeht. Genauso wie er es immer bei dir war, nach seinen nicht ganz so erfreulichen Erlebnissen mit deinem Vater."

Harry starrte den braunhaarigen Mann mit großen Augen an und konnte nicht glauben, was er da hörte. Styls verlangte doch tatsächlich, Snape von aller Schuld frei zu sprechen. Hatte der Mann überhaupt eine Ahnung, welche Schmerzen und Qualen Harry durch Snape zugeführt worden waren ?

Eine Minute später schien Professor Styls das Thema dann aber doch zu viel zu werden und es kam auf ihren eigentlichen Grund des Treffens zurück. Er sah Harry wieder musternd an und begann mit ruhigen Worten.

„Ok Harry, wie schon gesagt, ist das Leeren deines Geistes die Grundvoraussetzung für die Kunst der Okklumentik. Denn für einen Zauberer, der in Leglimens bewandert ist, und der sich auf diese Kunst der Informationsbeschaffung spezialisiert hat, braucht es nicht einmal den von Severus mit Sicherheit angewendeten Zauberspruch. Nein, er wird die Informationen bekommen, ohne dass du etwas davon merkst."

Harry sah den Mann mit großen Augen an und wollte Fragen, wie das gehen soll. Styls lächelte daraufhin jedoch nur leicht und hob seinen Zauberstab. Er richtetet ihn auf sich und sagte mit fester Stimme.

„Ich Stephano Styls, Lehrer von Harry Potter, schwöre hiermit feierlich, dass ich das Vertrauen meines Schülers nie wieder missbrauchen werde und nur im Notfall, oder zu Übungszwecken, in seinen Geist eindringe."

Danach bedeutete Damions Vater Harry, er solle seinen Zauberstab ziehen und das sich an seiner Zauberstabspitze gebildete Glühen zu löschen. Harry überlegte kurz wie und warum und sagte dann leise „Nox". Der Stab erlosch und nun konnte Harry Professor Styls mit allen Facetten eines fragenden Blickes bedenken.

„Was sollte das ?" Frage er leise und bekam beim näheren Überlegen des Wortlautes des Schwures ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Professor Styls hingegen legte seinen Zauberstab beiseite und lächelte Harry an.

„Nun Harry, ich denke dies könnte ein wenig deine Furcht, ich könnte etwas über deine intimsten Gedanken erfahren, mindern."

Harry wusste nicht so recht, was gemeint war, wurde aber trotzdem rot. Daraufhin lachte Styls noch ein wenig lauter und bedeutete Harry sich wieder zu setzen.

„Harry, du hast eben vorgehabt, mich zu fragen, wie man in die Erinnerungen eindringen kann, ohne den Zauberspruch zu sagen."

„Ja, Professor. Denn ich dachte, man spürte zumindest ein leichtes Ziehen im Auge. Oder man bemerkt, wie sich der Eindringling auf die ganze Sache konzentriert."

Damions Vater sah Harry abschätzend an und fragte ihn, ob es so bei Severus Snape immer gewesen war. Harry antwortete daraufhin mit einem leichten Nicken und Styls lächelte.

„Ja ja, Severus war immer ein wenig stürmisch und hat es nie geschafft, unbemerkt wieder aus dem Kopf zu verschwinden."

Nun war Harry leicht irritiert und fragte, wie dies gemeint war. Professor Styls sah daraufhin Harry tief in die Augen und fragte, ob er wirklich nichts in den letzten Minuten gespürt hat. Harry Augen weiteten sich und ein ungläubiges „Nein, das haben sie nicht..." entkam seiner Kehle.

„Doch Harry. Ich war kurz mal in deinem Kopf und habe versucht deine Grenzen zu testen."

„Das glaube ich aber nicht. Ich meine, sie haben mich nur kurz angeschaut, mit mir geredet und sich auch gar nicht auf mich konzentriert."

Harry versucht zu erkennen, ob sein Lehrer bluffte. Und umso so erschreckender war die Antwort, die er erhielt.

„Du kannst mir aber glauben Harry. Ich habe es getan und deshalb auch der Schwur. Und falls du wirklich einen Beweis brauchst ? Nun, dann bring mir doch zu unserer nächsten Stunde das Buch des Halbblutprinzen mit."

Harry riss die Augen auf und wich ein paar Zentimeter zurück. Professor Styls hatte es tatsächlich geschafft. Und wenn er von Snapes Buch wusste, was hatte er noch alles gesehen ? Wusste er nun von den Treffen mit Dumbledore, von den Horkruxen und ihrer Bedeutung ? Oh mein Gott, dachte der Gryffindor. Ich hatte es Dumbledore versprochen. Ich hatte versprochen, es keiner Menschenseele zu sagen.

Harry fühlte sich plötzlich so schwach. Konnte er nicht einmal den Wunsch von Dumbledore erfüllen und versagte gleich in den ersten Tagen, hier in Hogwarts ? Wie sollte er es dann schaffen, Voldemord zu besiegen ? Sein Blick ging zu Professor Styls und er verdunkelte sich. Damions Vater bemerkte dies und versuchte Harry ein wenig aufzumuntern.

„Ach komm schon Harry. Nimm es nicht so schwer. Dumbledore war der einzigste Zauberer, den ich kenne, der mir wiederstehen konnte. Ich Hab nun mal diese Begabung und deshalb hat mich der alte Mann auch aus Australien zurück geholt. Er wusste, dass du Hilfe brauchst und ich meinerseits war froh, Damion mal seine Ursprünge wieder zu zeigen."

Harry sah den Zauberer vor sich immer noch mit gemischten Gefühlen an und sein Verstand begann zu rattern. Dumbledore hatte ihn schon vor seinem Tod als Lehrer im Sinn ? Aber das war doch unlogisch, dachte Harry und fragte Professor Styls daher, ob er wüsste, was Professor Dumbledore vorgehabt hatte. Styls grinste.

„Also hier arbeitet dein Kopf wieder richtig und du erkennst manche Zusammenhänge sehr rasch. Denn es stimmt, Harry. Severus sollte wirklich nur ein Jahr die VgddK unterrichten. Das hatten die zwei irgendwie abgesprochen, oder besser, Severus hatte es vom Direktor verlangt, im Gegenzug für etwas anderes. Etwas, dass ich Albus noch fragen wollte, doch nie erfahren habe."

Nun war sich Harry sicher, dass seine ehemalige Hauslehrerin recht hatte und der Tod von Albus Dumbledore ein Mysterium war. Aber was sich dahinter verbarg, dass würde er wohl nie erfahren. Denn die beiden einzigsten Personen, die hätten Aufschluss geben können, waren ja tot.

Mit diesen Gedanken wandte Harry seinen Blick vom Kamin, in dem nun friedlich die letzten Holzscheite dahinglühten, wieder in Richtung Professor Styls und ward gespannt, wie sie nun das Thema Okklumentik angehen würden. Harry hoffte insgeheim, dass ihm den Professor vielleicht ein Buch geben würde und er es in den nächsten Tagen lesen konnte. Doch da hatte sich der Gryffindor getäuscht.

Professor Styls sah Harry nämlich nachdenklich an und erhob sich danach von seinem Kissen. Er ging schnellen Schrittes zu einem Schrank an der Wand und Harry spürte plötzlich, als wenn sich in der Ecke, wo sein Lehrer jetzt war, etwas veränderte. Er konnte es zwar nicht genau beschreiben, doch es fühlte sich an, als knisterte die Luft ein wenig. Harry kam zu der Vermutung, dass der Raum der Wünsche etwas für den Professor erschuf und war gespannt, was dieses Etwas wohl sein könnte.

Zwei Minuten später kam Stephano Styls zurück an seinen Platz und hielt in seinen Händen etwas, dass aussah, wie ein rundes Aquarium. So eines, wie man es aus Filmen kannte und in dem meistens Goldfische gehalten worden.

„So Harry, eigentlich hatte ich vor, dir ein bestimmtes Buch ans Herz zu legen. Doch ich denke mit Etwas ein wenig anschaulicherem kommen wir weiter."

Mit diesen Worten stellte Professor Styls das mit Wasser gefüllte Aquarium auf den Boden zwischen sie und zog zusätzlich eine kleine bunte Tüte aus der Umhangstasche.

„Dann wollen wir mal, Harry. Ich nehme mal an, du weißt, was Liebesperlen sind ? Wenn nicht ? Es sind kleine leckere, bunte Zuckerkügelchen, auf die ich schon als Kind stand. Doch heute dienen sie uns nicht als Süßigkeit. Nein, heute sind es sozusagen deine Gedanken und Erinnerungen."

Harry sah den Mann groß an und bemerkte erstaunt, wie die ganze Tüte Liebesperlen im Aquarium verschwanden. Dann begann Professor Styls mit seinem Zauberstab kräftig in der „Suppe" herum zu rühren und grinste Harry an.

„So Harry, ich versuche dir nun zu erklären, was Severus meinte, als er sagte, leere deinen Geist."

Harry nickte leicht und war gespannt, was Damions Vater wohl vorhatte.

„Also Harry, dieses Wasser hier ist dein Geist und die verschiedenen Farbe der Kugeln stehen für unterschiedliche Erinnerungen und Gedanken in deinem Leben, welche ständig in deinem Geiste oder Unterbewusstsein umherschwirren . Sagen wir blaue Perlen steht für wichtig Daten, wie Geburtstage und jährlich Feste. Grün sind schlimme Erfahrungen und rot Kugel logischerweise steht für die Liebe und schöne Erlebnisse... "

Plötzlich grinste Styls ein wenig und meinte, dass Harry ja ein Tier sein muss, wenn man mal die Anzahl der roten Perlen gerade im im Becken bedachte. Der Gryffindor wurde daraufhin knallrot und wandte seinen Blick ab.

„War doch nur ein Witz Harry, nur ein Scherz. Doch andererseits ist es doch was Schönes, wenn die Farbe rot überwiegt. Oder etwa nicht ?"

Nun sah Harry seinen Lehrer wieder an und begann leicht zu lächeln. Styls nahm dies als Zeichen fortzufahren und erklärte weiter.

„So Harry nun zur Veranschaulichung. Das ganze Becken hier stellt also deinen Geist dar. Er ist, wie du siehst, voller Gedanken und deiner persönlichsten Erinnerungen, mit denen du die unbewusst immer wieder mal beschäftigst. Und wenn nun ein Legliment in irgendeiner Art versucht in deinen Geist einzudringen, dann macht er dies, indem er sich an eine dieser Perlen, sprich Erinnerungen, heftet und so durch die gesammelten Werke deines Kopfes surft, bis er gefunden hat, was er sucht."

„Ja aber wie soll man sich dagegen schützen ? Ich meine, es sind do so viele Perlen." Fragte Harry unsicher, als er verstand, wie Professor Styls dies meinte.

„Nun Harry, darin liegt die Kunst, seinen Geist aufzuräumen und es hat noch nicht mal direkt was mit Okklumentik zu tun. Nein, vielmehr mit Konzentration und einem gesunden Verstand. Deshalb sieh her Harry."

Damions Vater richtete nun seinen Zauberstab auf und murmelte einige leise Worte. Daraufhin begannen die Liebesperlen herum zu wirbeln und einige setzten sich am Rand des Aquariums ab. Meistens waren es blaue Kügelchen.

„So Harry, dies war der erste Schritt, denn du in den nächsten Stunden lernen wirst. Sprich du hast, wenn wir damit fertig sind und mit ein wenig Übung alle Geburtstage deiner Freunde in deinem Kopf an den richtigen Stellen untergebracht. Sie schwirren so nicht mehr in deinem Unterbewusstsein herum und..."

„und der Legliment kann nicht mehr auf ihnen umhersurfen" Vervollständigte Harry den Satz seines Lehrers, als er verstanden hatte.

„Richtig Harry, du lernst wirklich schnell. Denn seinen Geist leeren heißt, zuerst einmal keine Dinge vor ich her zu schieben. Denn Dinge nicht zu erledigen bedeutet, man muss sich mit ihnen immer noch auseinandersetzen. Und so bleiben sie nun einmal im Geist frei schwimmend und somit eine Schwachstelle."

In den nächsten Minuten erklärte Professor Styls Harry, was er alles tun konnte, um die Anzahl der freien Erinnerung in seinem Geiste zu verringern. Es fing damit an, dass Harry meditieren könnte. Oder, dass er sich Eselbrücken baute. Allerdings kam Harry bald die Frage in den Sinn, was man nun mit Erinnerungen machen muss, die man nicht so einfach bannen konnte. Oder was war mit Dingen, mit welchen man sich nun mal zur Zeit beschäftigte.

„Nun Harry, hier kommt dann später das spezielle Training ins Spiel. Es handelt sich dabei um eine Art Schutzwand, die deine wichtigsten Gedanken schützen. Doch zuerst wollte ich dir zeigen, warum es so wichtig ist, so viele Erinnerungen wie nur möglich an den Beckenrand zu bringen, also den Geist zu leeren."

Professor Styls schwang seinen Zauberstab und löste einige der am Glas klebenden Kügelchen wieder ab. Es schwirrten somit nun eine ganze Menge mehr „Gedanken" wieder im Wasser herum und als Harry genau hinsah, bemerkte er, dass ausschließlich die blauen Perlen zurückgeblieben waren. Harry fragte sich, was nun kam und hörte, wie Styls sagte,

„LEGLIMENS".

Ein schwacher Lichtblitz durchzuckte die Luft und wie, als hätte jemand in das Wasser geschlagen, begannen die roten, die grünen und auch die gelben Liebesperlen wie irre umher zu wirbeln und man sah, dass sie jede Menge der blauen von der Wand mitrissen.

Harry klappte der Mund auf, als er das sah und mit einem Male verstand er, warum das Leeren des Geistes vor allem für diese Art des Angriffes auf seinen Geist so wichtig war. Denn wenn es keine Gedanken zum Rumwirbeln gab, konnte man die anderen Gedanken nicht erreichen. Doch auch nach diesem kleinen Experiment hallte in Harrys Kopf wieder die Frage, was zu tun ist, um die Gedanken zu bannen, die nicht aus dem Geiste zu verdrängen waren. Doch hier wiegelte Professor Styls plötzlich ab.

„Das Harry, behandeln wir, wenn du soweit bist. Zuerst gilt es deinen Geist zu schulen und dafür denke ich, brauchen wir gute sechs Wochen."

„Sechs ?", fragte Harry leicht entsetzt.

„Natürlich Harry. Zauberer zu sein, heißt nicht, einfach nur mit dem Finger zu schnippen. Es bedeutet auch, die Arschbacken zusammen zu kneifen und zu büffeln. Und um dies zu schaffen, heißt es für heute Schluss und ab ins Bett."

Harry sah seinen Lehrer mit großen Augen an und dann auf seine Uhr. Es war wirklich schon sehr spät und morgen hieß es wieder, früh aufzustehen. Allerdings konnte sich Harry nicht verkneifen, Styls zu sagen, dass sein Geheimnis bei ihm gut aufgehoben sei. Damions Vater hob daraufhin seine Augenbrauen leicht an und grinste.

„Na das hoffe ich doch, Harry. Ich wäre zutiefst betrübt, wenn ich dich in einer unserer nächsten Stunden töten müsste."

Harry sah ihn entsetzt an und wollte etwas sagen, doch Styls sprach schnell weiter.

„War nur ein Scherz, Harry. Doch ich finde es nett von dir, mich und Ems erst einmal nicht zu verraten. Denn selbst Damion weiß noch nicht wirklich bescheid."

Harry atmete tief aus und entspannte sich wieder. Allerdings fragte er sich leise, wieso der Professor sie immer Ems nannte und was dies für ein Spitzname sei. Styls schien allerdings, zu Harrys Pech, sehr gute Ohren zu haben und sagte daher.

„Oh Harry, da liegst du falsch. Ems ist kein Spitzname, jedenfalls nicht so wie du denkst. Es sind vielmehr ihre Initialen. Sie heißt nämlich vollständiger Weise Emily Martinique Stormfire. Und daher halt E M S."

Harry sah seinen Lehrer mit großen Augen an. Dies hätte er nicht gedacht, doch dann kam ihn eine weitere Frage in den Sinn, die eigentlich in die Rubrik „das geht dich gar nichts an" gehört hätte. Und Harry wusste selbst nicht, wieso er seine Zunge nicht stoppte, doch er fragte Styls freiweg heraus, ob es nicht ungebührlich sei, dass zwei Lehrer was mit einander haben.

Nun war es an Professor Styls der nächsten Schritt zu tun und Harry rechnet fest damit, angeschrieen und aus dem Zimmer geworfen zu werden. Aber nichts dergleichen geschah. Styls begann nur zu grinsen und fragte Harry.

„Jetzt sag nur, Harry, du willst sie mir streitig machen ?"

„Nein", entfuhr es Harry entsetzt und wie aus der Pistole geschossen.

„Dann ist ja gut, mein Gutester. Denn ich wäre bereit für sie, wie schon früher auch, zu kämpfen."

„Wie früher ?"

„Jepp Harry, wie früher. Ich kenne Ems schon seit sie hier in Hogwarts ihren Abschluss gemacht hat. War damals noch in der Ausbildung und musste eine Art Praktikum machen. Ems kam dann immer zu mir, wenn sie von Charlie Weasley geärgert wurde."

Harry sah Styls erstaunt an und verstand im nächsten Moment auch, warum Professor Stormfire sich die Worte von Ron so zu Herzen genommen hatte. Allerdings schien Damions Vater wirklich ein Händchen für seine Gedanken zu haben. Er grinste und sagte dann zu Harry.

„Aber mach dir wegen deines Freundes keine Sorgen, Harry. Ems und Charlie sind in den letzten zwei Jahren kaum noch zu trennen gewesen. Ich glaube sogar sie verband am Schluss des siebenden Jahres noch mehr als nur Freundschaft. Jetzt aber denke ich, ist es wirklich Zeit fürs Bett. Harry... Harry?"

Mit einer gewissen Sorge sah Professor Styls im nächsten Moment den schwarzhaarigen Jungen vor sich an. Denn Harry stand plötzlich da und rief sich seinen rechten Zeigefinger.

„Harry, was ist los ? Ist Alles in Ordnung ?"

Doch der Gryffindor konnte diese Frage nicht beantworten. Harry wusste selbst nicht, was los war. Sein Zeigefinger fühlte sich an, als wäre er in warmes Wasser getaucht und fing an im Innersten immer stärker zu kribbeln. Ja selbst eine leichtes Kratzen linderte es nicht.

Es war dann letztendlich Professor Styls, der Harrys Hand nahm und diese mit seinem Zauberstab berührte. Danach sah er Harry tief in die Augen und meinte, dass ein Zauber auf der Hand lag. Und in diesem Moment traf es Harry. DUMBLEDORE. Rasch entschuldigte er sich und machte sich danach auf den Weg zum Gryffindorturm.

Harry hatte da so eine Ahnung, was los war. Doch um diese zu bestätigen musste er an seinen Nachttisch. Er beschleunigte daher seine Schritte noch ein wenig mehr und kam schließlich vor dem Portrait der fetten Dame an. Dort allerdings ließen ihn die Geräusche hinter dem Bild stutzen und er bewegte sich von einer auf die andere Minute vorsichtiger.

„Mut zur Wahrheit", flüsterte Harry nun und das Bild schwang zur Seite. Was er allerdings erblickte, ließ dem Gryffindor aus einem ihm nicht verständlichen Grund innerlich unwohl werden. Sein Blick fiel auf Damion und Hermine. Beide saßen sehr eng zusammen und waren lachend über ein dickes Buch gebeugt. Ja, sie schienen ihn nicht einmal zu bemerken. Und dies trotz, dass das Portrait eigentlich mal einen Tropfen Öl benötigte.

Es dauerte schließlich mehrere Sekunden, bis Hermine aufblickte und Harry zuwinkte. Dies ließ allerdings bei Harry das Fass überlaufen und er stürmte ohne beide noch mal anzuschauen in den Schlafsaal hoch.

„Was war das denn ?" Fragte Damion und sah in das fragende Gesicht des Lockenkopfes.

„Ich weiß nicht, Damion. Doch hoffentlich lag es nicht seinem Extraunterricht. Ich weiß noch, wie fertig Harry jedes Mal bei Snape gewesen war. Bitte sag mir, dass dein Dad nicht so ist, wie er."

Damion schien allerdings eine andere Vermutung zu haben. Er kannte ja schließlich seinen Vater und daher blickte er Harry nur nachdenklich hinterher...

TBC