Die Zeit schien still zu stehen!

Jennifer kam vom Hintergrund und zog einen Baseballschläger einmal quer über Craigs Hinterkopf.

Sie hielt es mit ihrem brutalen Ehemann einfach nicht mehr aus!

Und sie wusste keinen weiteren Ausweg mehr. Doch als sie sah, dass Craig bedrohlich näher zu Justin trat, konnte sie ihre Handlungen nicht mehr kontrollieren. Zu sehr hing sie an ihrem Kind.

Sie stieß ihn mit voller Wucht zu, sodass Craig die Stufen herunter fiel und unglücklicherweise nochmal hart mit den Kopf aufprallte.

Doch Jennifer genügte dies nicht. All die Jahre der Verzweiflung! Sie liebte ihren Ehemann schon lange nicht mehr wie zuvor. Zu sehr verletzte er sie. Zu sehr litt sie an seinem ständigen Alkoholepisoden. Und an seinem brutalen Dasein.

Sie schlug ihm immer wieder mit der Faust ins Gesicht. Selbst als er schon bewusstlos war. Ihre ganze Kraft wendete sie an.

Jennifer konnte in dem Augenblick nicht wirklich sagen, was sie fühlte! Es war einfach zu viel! Und es ging mit ihr durch.

Erst als Brian, der zuvor ebenso zu geschockt war um zu reagieren, zu ihr gestürmt war, und sie von Craig weg riss, schien sie wieder zur Besinnung zu kommen.

Sie schaute zurück zu Craig. Dieser lag mit Blut überströmten Gesicht, und einer Wunde am Hinterkopf auf den Boden. Seine Augen geschlossen. Kein Anzeichen von Leben.

Sie sog scharf die Luft ein und hielt sich beide Hände vor dem Mund. Sie wusste nicht, was sie geritten hatte, doch nun bereute sie es sogar! Sie hätte nie gedacht, zu so einer brutalen Tat fähig zu sein. Sie hätte nie gedacht, dass in ihr ein ebenso brutales Monster wie in Craig steckte. Doch nun... was nützte ihr das Wissen?

Brian hielt sie noch immer fest. Er drückte sie nicht an sich, noch redete er mit hielt sie nur an den Schultern fest. Weg von Craig. Weg von ihm. Zu geschockt war Brian. Was hatte das alles zu bedeuten? Was war nur vorgefallen? Warum hatte Jennifer dies getan? Fragen über Fragen, aber wo waren denn die Antworten?

Ben, der Justin noch immer dicht an sich gedrückt hielt, schien langsam zu realisieren was vorgefallen war. Er war zuvor zu sehr beschäftigt mit Justin, der sich in seinen Armen wand und immer wieder versuchte sich aus seinem Griff freizukämpfen.

Doch in dem Augenblick, wo er auf das Bild sah, was sich ihm vor der Treppe bot, da schien auch er geschockt zu sein!

"Ruft einen Krankenwagen verdammt!" rief Ben. In dem Moment, wo er um ehrlich zu sein, nicht wirklich auf Justin geachtet hatte, riss sich dieser los, und rannte zu Brian und seiner Mutter.

Als er seinen Vater auf den Boden sah blieb er erstarrt stehen. Er hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, und wusste nicht wie er reagieren sollte.

Warum bewegte sich sein Vater nicht? Schlief er? Aber warum das ganze Blut? Warum weinte Mama? Und wieso schaute Brian ihn nicht an? Wieso beachtete Brian ihn nicht?

Brian reagierte zwar etwas verspätet, doch sofort ließ er Jennifer los und ging zu Justin. "Geh wieder zu Ben, sofort!"

"Ne..Nein!" stotterte Justin. Es war dunkel, und das machte ihm Angst. Diese ganze Szene machte ihm Angst. Warum war Brian so wütend. Was ging hier vor?

Justin schien in dem Moment ganz zu vergessen, warum sie überhaupt hier waren. Brian wollte ihn eigentlich wieder zurückgeben, doch dies schien Justin in diesem Moment auszublenden.

In diesem Moment, wo er Brians Hand nahm und ihn bittend ansah. Er wusste nicht, wo er sonst Halt suchen sollte! Halt, den er nun so dringend brauchte.

Brian würde es nie zugeben, doch es versetzte ihm einen tiefen Stich in sein Herz, Justin so aufgelöst zu sehen. Er drückte die zierliche Hand kurz, bevor er Justin zu Ben brachte.

"Pass gefälligst kurz auf ihn auf!" Brian konnte seine Gefühle nicht kontrollieren. Und das effizienteste war immer, so zu tun als hätte er alles unter Kontrolle.

Doch stimmte dies?

Ben hatte inzwischen einen Krankenwagen gerufen. Er blieb jedoch mit Justin auf der Veranda stehen. Stellte den Jungen so hin, dass er das Szenario nicht sehen konnte und redete mit ihm. Versuchte es jedenfalls. Doch Justin schien wie im Schock nur einige undefinierbare Sätze, manchmal kam sogar ein "Brian" darin vor, zu stammeln. Mehr nicht. Er schaute Ben nicht mal an.

"Was wollen sie jetzt tun?" Brian schrie Jennifer an. "Was... was haben sie getan?" Dieses Mal etwas leiser. Er packte Jennifer bei den Schultern.

Niemand kümmerte sich um Craig. Was hätten sie auch tun können. Niemand wagte es, nach einem Puls oder einer Atmung zu suchen. Niemand.

Denn das Bild war zu schrecklich, und jeder hatte Angst damit konfrontiert zu werden... die Nachricht zu erhalten... Craig würde tot sein?

Zwar wäre es kein großer Verlust, zumindest für Brian und für Jennifer, doch Kein Mensch hatte das Recht, ein anderes Menschenleben zu nehmen! Sei es nun rein oder nicht.

"Gehen Sie! Schnell!" sagte sie plötzlich heiser. Was hatte dies zu bedeuten?

"Was?" Brian schaute sie ungläubig an. War diese Frau nun völlig verrückt geworden?

"Ich sagte Sie sollen gehen! Sofort! Nehmen Sie Justin mit! Bitte! Ich... Ich... Molly wird vorerst bei meiner Schwester bleiben! Ich werde sie anrufen. Gehen Sie! Bevor man sie ebenso verdächtig macht. Bitte! Und nehmen Sie Justin mit!"

Das war zu viel des Guten. Brian konnte zwang sich zu einer Antwort. Er wollte das doch alles nicht mehr! Diese Verantwortung, letztendlich wurde sie ihm zu viel, und nun wollte sie Jennifer ihm wieder auf bürden? Nein, er... er wollte Justin doch abgeben! Er wollte ihn... loswerden. Wollte sich nicht an binden. Und umgekehrt. Wollte alles wieder haben wie früher. So tun, als wäre nichts geschehen. Als wäre das alles nie passiert. Denn Brian Kinney kümmerte sich nicht um autistische Jungen... außer... um Justin?

"Nei..Nein!" stammelte Brian.

Doch Jennifer schien nicht locker zu lassen.

"Tun Sie es! JETZT! Der Krankenwagen wird gleich kommen, und die Polizei auch!"

"Warum Polizei?"

"Unsere Nachbarn! Sehen Sie das Licht da? Sie haben es mitbekommen, trauen sich aber bestimmt nicht heraus. Gehen Sie, bevor man Sie erkennt. Bitte! Tun Sie es für Justin!" Jennifer zog an ihrem letzten Faden. Sie hatte keine andere Hoffnung mehr. Sie setzte alles auf Brian. Er hatte doch zuvor alles getan, um Justin zu behalten. Was hatte sein Gewissen geändert? Warum wehrte er sich denn jetzt dagegen?

"Ich kann ihn nicht mitnehmen! Ich kann mich nicht um ihn kümmern, hören Sie?Ich bin nicht der Richtige! Justin bedeutet mir nichts, und ich werde ihn nicht bei mir behalten!" Brian versuchte seine Stimme stark klingen zu lassen. Schwer in einer solchen Situation, doch nicht unmöglich für Brian. Nach jahrelanger Übung kein Wunder. Eigentlich.

Doch nun hörten sie die Sirenen von weitem.

"Bitte, nur bis ich eine Lösung gefunden habe! Bitte!" Jennifer packte ihn fest bei den Schultern.

Brian konnte nicht lange überlegen. Die Sirenen kamen näher. Was sollte er denn anders tun.

"Okay!" Er hatte damit sein Schicksal unterschrieben.

Immer wieder beruhigte er sich damit, dass es nur vorübergehend war. Und... irgendwie... ja irgendwie konnte er Justin nicht im Stich lassen. Wer weiß, wo er sonst hinkommen würde. In ein Heim?Vielleicht nicht die beste Lösung, oder?

Brian wusste, Jennifer würde vom Gericht bestraft werden. Er hoffte nur, es würde nicht schwer ausfallen. Und im Hintergrund schien er auch erleichtert zu sein, dass seine Strafe vorerst weg war, oder wenigstens verschoben. Na ja... wer weiß wie Craig wohl reagieren würde wenn er wieder aufwachte... WENN er wieder aufwachte.

Brian rannte zur Veranda. Er nahm Justin hoch, der sofort zu schreien anfing. Doch Brian nahm darauf keine Rücksicht.

"Sei ruhig!" Etwas anderes fiel ihm in den Moment nicht ein. Er setzte Justin behutsam auf den Rücksitz, bevor er so schnell wie möglich auf die andere Seite der Rückbank Platz nahm. Ben stieg ebenfalls in Eile auf den Fahrersitz und fuhr, noch bevor der Krankenwagen und die Polizei ihre Parkposition gefunden hatte los.

Sie fuhren los, und hinterließen einen schwer verletzten Craig, und eine aufgelöste Jennifer.

Justin sprach die ganze Fahrt kein Wort. Doch als Brian ihn berühren wollte, schrie Justin auf. Versuchte zurück zu weichen. Versuchte sich dieser Berührung zu entziehen.

Er hatte Angst vor Brian! Angst vor allem! Angst vor dieser ganzen Situation. Er fühlte sich alleine und zurückgelassen. Wollte seine Mutter in den Arm nehmen. Doch stattdessen hatte er sie weinen gesehen, hatte sie neben seinem Blut überströmten Vater gesehen. Hatte den dumpfen Aufprall gehört, wahrscheinlich von Craig. Hatte die Schläge gehört. Und nun? Nun saß er im Auto. Sie fuhren weit weg. Weg von dem ganzen, und doch saß der Schock tief. Justin konnte sich kaum beruhigen. Zitterte und wimmerte die ganze Fahrt.

Er würde es jetzt vorziehen die Zeit zurück zudrehen! Wieder mit Brian auf dem Bett liegen. Sich mit Farbe zu beschmieren. Mit Debbie Bilder malen. Von Brian gehalten werden, nach seinem Albtraum im Loft. Und er würde es nun vorziehen statt seinem Schatz wieder sein Buch, seine Schatzkarte zu haben.

Denn im Moment würde er sich damit sicherer und geborgener fühlen.

Denn Brian, sein Prinz! Ja, sein Prinz, wollte ihn gerade eben eigentlich wieder nach Hause bringen. Obwohl er es versprochen hatte, nicht zu tun! Justin erinnerte sich schlagartig daran!

Und er weinte heftiger. Ließ seinen Tränen freien Lauf. Schaute wimmernd aus dem Fenster. Und wünschte sich, einmal in seinem Leben die Kontrolle zu haben! Einmal in seinem Leben, sich sicher zu fühlen! Einmal, nur einmal in seinem Leben etwas zu besitzen, was ihm danach nicht wieder weggenommen werden würde!

"Wohin soll ich fahren?" Bens Stimme war leise. Auch er war immer noch geschockt, und konnte seine Gedanken nicht ordnen. Doch er versuchte ruhig zu bleiben. Denn nun war der passende Zeitpunkt dafür bloß nicht durchzudrehen!

Brian gab keine Antwort.

"Brian!"

Dieser schreckte hoch. Er war zuvor tief im Gedanken gewesen. Hörte die wimmernden Laute von Justin, die langsam leiser wurden, zu. Hörte den regelmäßigen Schniefen, und sah ab und zu, zu der verängstigten Gestalt neben sich.

Er schien ganz gefangen von diesen Eindrücken zu sein. Sie nahmen ihn mit. Wie nie zuvor.

"Ins Loft." Brian schaute zu Justin. Er würde ihn wieder in sein Prinzenschloss bringen.

Sein verantwortungsloser, schuldiger Prinz.

Justin saß im Schneidersitz in der Mitte des Bettes. Er wollte nicht, dass Brian neben ihn kam. Doch er wollte ebenfalls nicht, dass dieser das Prinzenschloss verließ!

Nicht jetzt! Nicht in der Dunkelheit. Brian könnte etwas zustoßen... genauso... ja genauso wie seinem Vater.

Und das wollte Justin nicht. Nein!

Er versuchte sich sein Buch vorzustellen. Er faltete seine Hände auseinander, so wie er es immer tat, wenn er sein Buch hielt, um darin zu lesen. Dann versuchte er sich das geschriebene vorzustellen, was gar nicht so schwer war, so oft er das Märchenbuch schon gelesen hatte!

Er stellte sich die schönen Bilder vor. Rapunzel, mit ihren langen Haaren, Schneewittchen und die sieben Zwerge, er stellte sich seinen Prinzen aus Cinderella vor. Doch immer wieder musste er an Brian denken. Bei allem was er tat.

Und genau in diesem Moment kam Brian mit einem Tablett die Stufen zum Schlafzimmer hoch. Er schaute Justin vorsichtig an. "Was tust du da?" Er sprach mit einer ruhigen Stimme.

Dann stellte er das Tablett ab. "Hier, du magst doch Kekse richtig?" Er hörte sich von fast an wie ein Sugardaddy, doch das war ihm in den Moment egal! Er hatte Jennifer versprochen, die Verantwortung für Justin zu tragen. Er wusste selbst nicht, warum er dies getan hatte. Doch alles ging so schnell! Er hatte ja kaum Zeit zum nachdenken! Die Sirenen waren so nah, und er konnte Justin nicht dort zurücklassen. Er musste ihn einfach in Sicherheit währen. Musste einfach wissen, dass es ihm gut ging. Und selbst wenn nun wieder diese Verantwortung auf ihn lastete, so war diese es doch wert... oder?

Doch von Justin kam keine Antwort. Er schaute nicht mal zu seinem Prinzen hoch. Stattdessen schlug er demonstrativ sein vorgestelltes Buch zu. Brian dürfte es nicht lesen!

"Was tust du denn da?" Ein weiterer Versuch seitens Brian, den Jungen endlich zum Reden zu bewegen! "Möchtest du nicht lieber schlafen?"

Anscheinend nicht. Denn Justin stand auf und setzte sich auf das Sofa. Das Sofa, von seinem ersten Besuch.

Brian sah dies mit überraschten Augen zu, und ging Justin dann hinterher. Er kniete sich vor das Sofa und schaute ihm durchdringend an. "Was wird das? Es ist noch Nacht Justin, du musst jetzt schlafen!"

Nein! Justin wollte nicht. Er wollte nicht schlafen. Schon deshalb nicht, weil der Prinz es ihm befahl. Er wollte seinen eigenen Willen durchsetzen! Wollte nicht schlafen.

"Nein!" Seine Stimme zeigte keine Anzeichen von Unsicherheit. Justin versuchte Brians Art nachzuahmen. Vielleicht würde er dann auch ein Prinz werden. Würde alles bestimmen können?

"Was? Justin komm mit." Brian wollte Justins Hand fassen, doch dieser zog sie ängstlich zurück.

Und da war Justins wahres Gesicht wieder! Brian schien total überfordert mit der Situation zu sein! Warum hatte er Justin nicht einfach abgegeben, und wäre wieder weggegangen. Warum hatte er sich auf das ganze Spektakel eingelassen? Warum hatte er Jennifer zugehört?

"Was soll das Justin? Du bist müde und gehörst ins Bett! Hör auf dich gegen mich aufzuspielen." Brians Stimme klang noch immer ruhig, doch seine Fassade schien langsam zu bröckeln.

Es dauerte lange bis Brian Justins ins Bett trug. Dieser war vor Erschöpfung auf den Sofa eingeschlafen. Kurz nachdem Brian ihn in Ruhe gelassen hatte.

Sanft legte er in ins Bett. Zog ihm wieder bis auf die Unterhose aus, und deckte ihn anschließend gut zu.

"Dummer Bengel." flüsterte er fast schon liebevoll. Er konnte Justin ja auch in einer gewissen Hinsicht verstehen. Doch mit seiner eigentlichen "Brian Kinney Art" konnte er der Sache nicht ins Gesicht sehen! Er war einfach nicht der Mensch dafür! Er konnte ja im Normalfall nicht mal seinen eigenen Sohn trösten. Doch bei Justin war es manchmal anders. Er brauchte nur seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, und diese erledigten den Rest für ihn. Manchmal waren es dann "unsinnige" Entscheidungen, doch im Endeffekt, war es ja sein Wille! Mehr oder weniger. Aber dies war ja gerade das schwierige! Seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen! Brian war es sein ganzes Leben gewöhnt, eine Fassade um sich herum zu bauen. Bloß niemanden in sein Herz einzuschließen. Bloß niemanden zu nahe zu kommen, außer beim Sex.

Es war ein Wunder, dass Michaels Freundschaft so lange mit ihm hielt, obwohl Brian selbst bei ihm seine Fassade nicht oft herunter bröckeln ließ.

Denn die einzige Person die sein wahres "Ich" zu sehen bekam, war Justin!

Justins Schlaf wurde immer wieder von Albträumen gestört. Er träumte immer wieder von seinem Elternhaus. Verzerrte Bilder. Die Dunkelheit. Sein Blut überströmter Vater. Seine weinende Mutter. Der überforderte Brian. Ben, der ihn hielt.

Justin wachte schweißgebadet auf. Er hatte Probleme ruhig zu atmen. Sofort war auch Brian wach. Doch anstatt sich sofort in des Prinzens Armen zu werfen, schrie Justin herzzerreißend auf, als Brian ihn berühren wollte.

Justin wusste selbst nicht warum, doch er konnte es einfach nicht zulassen. Es fühlte sich plötzlich so anders an. Er fühlte sich bei Brians Berührungen nicht mehr sicher. Wollte ihn nicht noch einmal so mögen, nur um danach wieder von ihm getrennt zu werden.

Er versuchte seinen Prinzen die kalte Schulter zu zeigen. Nicht um ihn zu verletzen, nein! Sondern nur, damit dieses Gefühl wegging. Dieses Gefühl, was Justin nicht benennen konnte. Doch es ging nicht weg! Nein, es wurde nur noch schlimmer! Und er sehnte sich nach Brians Umarmungen, doch wenn es dann real war, dann ängstigte er sich auch wieder davor.

Es war ein kompliziertes Dilemma, dass nicht jeder verstehen konnte. Da musste man durchgegangen sein, um es nach zufühlen.

Justin weinte bei den Gedanken. Er mochte den Prinzen so sehr! So sehr, dass es schon weh tat! Und dennoch konnte er sich nicht so bedingungslos berühren lassen. Es verwirrte ihn. Er hatte so etwas noch nie zuvor gefühlt, diese ganzen Eindrücke waren so neu, und so ergreifend. Fast schon zu viel für ihn. Er legte sich wieder zurück. Drehte Brian den Rücken zu und schniefte in sein Kissen.

Wann würde es aufhören? Wann würde dieser ganze Schmerz aufhören?

Brian wusste zum ersten Mal genau was zu tun war. Er machte nicht das Licht an. Berührte Justin auch nicht. Stattdessen redete er einfach. Ließ sich von seinen Gefühlen steuern. Und dies tat er sonst schließlich nie! Außer wenn er mit Justin zusammen war. Denn es fühlte sich nur dann richtig an.

"Du hast Angst. Und es ist auch okay... du weißt schon...dann zu weinen." Er stoppte. Doch er ließ sich weiter fallen. Denn eine andere Möglichkeit hatte er nicht mehr. "Und... das Ganze ist auch verwirrend, da gebe ich dir Recht. Nur manchmal musst du stark sein. Stärker als alles, was dir zu schaffen macht! Denn erst dann kannst du gewinnen. Und du willst doch gewinnen, oder?"

Justin schniefte wieder. Er zog es vor nicht zu antworten. Stattdessen der wunderschönen Stimme des Prinzen zuzuhören. Die sanften Worte beruhigten ihn etwas und er entkrampfte sich. Sein Weinen hörte auf. Stattdessen lag er nur müde und erschöpft da. Doch er wollte noch nicht schlafen. Er musste da noch etwas loswerden! Musste den Prinzen etwas ganz wichtiges sagen!

"Brian!" Justin drehte sich auf Seite. Ebenso Brian und sie schauten sich aus aufrichtigen Augen an.

"Mhh?"

"Ich ... ich ... verlass-verlasse dich nicht!" Es klang ehrlich. Und völlig ernst.

Justin sagte es stolz heraus. Denn wenn er seinen Prinzen nicht verlassen würde, wie sollte der ihn verlassen? Justin hatte die perfekte Lösung gefunden für sein Problem! Er könnte so seinen Schatz behalten! Also brauchte er sein Märchenbuch ja auch nicht mehr!

Noch bevor Brian etwas sagen konnte setzte Justin noch schnell ein "Versprochen!" hinzu. Denn ohne dies würde es doch nicht gültig sein oder?

Justin fühlte sich nun befreit. Nun würden sie für immer beieinander sein. Für immer. Oder?

Und nun durfte er auch wieder seinen Prinzen mögen. Denn sie würden sich ja nicht verlassen.

Brian, der zuvor etwas erwidern wollte, blieben die Worte im Hals stecken.

Was hatte Justin da gerade gesagt?