Brian erstarrte urplötzlich. Er hätte nicht mit solch einer Aussage von Justin gerechnet.
Und nun wusste er nicht wie darauf antworten sollte.
Er konnte Justin doch nicht sagen, dass sie nie zusammen bleiben könnten! Und das es nur vorrübergehend wäre, bis er eine Lösung für sein 'ganz persöhnliches' Problem gefunden hätte.
Er könnte ihm nicht sagen, dass es auch so besser wäre. Das er seine Meinung geändert hätte.
Das seine Handlung eine Kurzschlussreaktion war.
Brian dachte fieberhaft nach, welchen Schritt er nun gehen sollte. Er durfte nun keinen Fehler machen.
Doch dies brauchte er auch nicht. Denn Justin schlief friedlich an seiner Brust geschmiegt ein.
Anscheinend hatte er sein Schweigen als ein "Ja" beurteilt.
Brian versuchte nicht weiter über den Vorfall nachzudenken, würde es doch sowieso nichts mehr bringen! Justin blieb nur vorrübergehend, und das war auch gut so!
Er sah den schlummernden Jungen an seiner Brust an und deckte ihn gut zu.
Kurz darauf war auch er im Land der Träume.
Dort, wo keine Sorgen exzestierten.
Genau dort... Mit Justin?
Der nächste Morgen kam viel zu früh, fand Brian, als er durch die Sonnenstrahlen, die seine Nase kitzelten wach wurde.
So wie auch zuvor, schaute er sofort nach Justin. Aber dieser schien noch immer zu schlafen.
Brian stand langsam vom Bett auf, und begab sich zur Küchenzeile.
Er machte sich dort einen Kaffee á la Brian. Und dies hieß, er holte eine Tasse heraus, kippte ein wenig Kaffee hinein, denn die Hälfte schwabte bei seinem Guss über.
Nahm Zucker und streute die Fälle ohne hinzugucken ebenfalls hinein... vielleicht auch etwas zu viel?
Nahm Marschmellos und warf auch diese achtlos in das dunkle Gebräu.
Zufrieden hob er seine Tasse an seinen Mund und trank seinen eigen kreirten Kaffee, während er an die Fensterfront schritt.
Das alltägliche, obligatorische Chaos was er dabei auf der Theke hinterließ, interessierte ihn nicht.
Wozu gab es den Putzdienste?
Er schaute auf die tiefen Straßen hinunter, und ganz zum Überfluss fing er nun schon wieder an über Justin nachzudenken!
Denn Brian war kein Mensch der viel nachdachte. Und schon garnicht um die Gefühle anderer!
Doch bei diesem Fall war es etwas komplett anderes! Er trug nun für Justin die Verantwortung. Selbst wenn es nur vorrübergehend war.
Er - trug - sie !
Und auch wenn Brian es nun nicht mehr wollte, musste er dieser Aufgabe nachgehen.
Die Gefühle die er dabei neu entwickeln wird, und die alten die sich nur noch verstärkten dabei völlig in den Hintergrund stellend.
Langsam aber sicher wachte auch Justin auf. Er wickelte sich in ein leichtes Laken. Er lächelte, dachte er nun, er würde ebenfalls wie ein Prinz aussehen, mit seinem langen Gewand.
Er schritt zu der Fensterfront, und sah Brian nur mit einer schwarzen Unterhose bekleidet.
Prinzen trugen also doch keine Gewänder?
Augenblicklich ließ er das Tuch fallen, und schritt ebenfalls nur mit grauer Unterhose zu seinem Prinzen.
Brian erschrack, als er Justins kühle Hand an seinem Oberarm spürte.
"Na, schon wach?" fragte Brian unnötigerweise. Warscheinlich um die Stille etwas aufzulockern... oder einfach nur um irgendetwas gesagt zu haben.
"Mhhh..." murmelte Justin und rieb sich seine vom Schlaf gekennzeichneten Augen.
Brian wusste nicht so ganz, wie er nun handeln sollte.
Sollte er sich mit Justin unterhalten? Oder ihn einfach in Ruhe lassen?
Aber als er Justin ansah, wusste er, was das Richtige zu tun war.
Denn der Junge sah verängstigt aus. Seine Haltung sehr unsicher.
Und selbst wenn Brian kein "Zuflüsterer" war, so kannte er einen Trick, den er nur bei Justin anwenden konnte.
Und zwar, seinen Instinkt. Den Verstand einfach mal für kurze Zeit auszuschalten.
Auch wenn es Bullshit war...
Brian nahm sich eine Zigarrete, zündete sich diese an und schritt zu Justin hinüber, nahm ihn bei der Hand und führte ihn zur Fensterfront.
Er positionierte ihn vor das abgesicherte Glas, und stellte sich hinter ihn.
"Schau hinunter." flüsterte der wunderschöne Prinz, und inhalierte einen kräfigen Zug seiner teuren Zigarrete.
Er stieß den Rauch seitlich aus, um Justin nicht stören.
Justin tat wie ihm gehießen und sah das volle Treiben der Straßen Pittsburghs.
Er war fasziniert. So einen Ausblick hatte er noch nie erlebt.
Brian lächelte unwillkürlich auf Justins erstaunten Blick, und nahm einen weiteren Zug. Er stieß den Rauch durch Zirkel wieder heraus, was Justin zum glucksen brachte.
Justin mochte zwar den Geruch nicht, den der Glimmstengel des Prinzens verursachte, doch er liebte die Art wie Brian ihn benutzte.
Vielleicht war dies ja Brians ganz persöhnliche 'Krone'? Denn diese hatte er ja schließlich immer dabei.
Justin beobachtete die milchigen Rauch-Zirkel die immer wieder gegen die Fensterscheibe verpufften.
Er fand dies aufregender als der Anblick der Straßen und der Menschen die von oben so klein aussahen.
Als Brian dies bemerkte fing er an zu lachen. Es war ein ehrliches, aufrichtiges lachen, was beiden gut tat.
"Du bist ja schnell von großen Dingen gelangweilt." schüttelte Brian den Kopf.
Justin verstand ihn nicht so recht. Die Zirkel waren doch viel schöner als der Anblick der Straßen?
Nicht zuletzt weil sie ja von Brian stammen... Und wenn er sich umdrehte konnte er sehen, wie Brian diese Kreise verursachte.
Er konnte seinen Mund, seine vollendeten Lippen beobachten. Und Justin wusste sich nicht zu helfen, doch da war schon wieder dieses Kribbeln im Bauch, gefolgt von einem unbändigen Drang, Brian nahe zu sein.
Und auch Brian spürte dies, wenn auch unfreiwillig.
"Justin, beeil dich verdammt noch mal!" Brian der nun voll angezogen war, mit dunkelblauer Hose, und einem weißen nicht vollständig zugeknöpften Hemd, wartete nun schon eine ganze Weile vor der Badezimmertüre, wo Justin verschwunden war.
Er stöhnte nochmal genervt auf, und zündete sich eine weitere Zigarrette an.
Von denen würde demnächst viel gebrauchen...
Brian beschloss kurzerhand Justin noch etwas Zeit zu geben, und ihm auch schonmal etwas zum anziehen herauszusuchen.
Viel Auswahl gab es nicht... . Brian suchte einen dunkelblauen Longsleeve und eine ebenfalls dunkelblaue Jeans heraus, die Michael damals bei ihm vergessen hatte.
Sie würde Justin sicherlich passen.
So hätte er vorrübergehend wenigstens etwas zum anziehen, bevor Brian ihn einige neue Sachen kaufen würde. Denn die anderen Teile die er kaufte, als er Justin zuvor bei augenommen hatte, waren wieder bei seinem Elternhaus verblieben.
Genauso wie Justins Märchenbuch... aber das brauchte er ja vorrübergehend nicht... er hatte ja dafür etwas besseres.
Oder?
"Justin ich komme jetzt rein." war Brians Warnung bevor er die Türe zum luxeriösen Bad aufriss und dort an der Schwelle entrüstet stehen blieb.
Das ganze Bad war voll mit Wasser bespritzt. Seine teuren Cremen lagen offen auf den Boden, der von Bodylotions und Zahnpastaklecksen überfüllt, ja fast schon vollständig überdeckt wurde!
"Justin! Was zur Hölle hast du angerichtet!" war Brians erster Impuls heraus etwas zu sagen, und er musste sich bei einem Verusch einen Schritt nach vorne zu gehen an der gefliesten Wand festhalten, um nicht noch durch den rutschigen Boden zu stürzen!
Doch Justins schaute ihn nur aus unschuldigen Augen an. Er hatte doch nur vorgehabt das Bad etwas zu verzieren, sodass er den Prinzen überraschen könnte.
Überrascht war auch Brian, aber alles andere als positiv!
Und dennoch versuchte er sich zu beherrschen. Justin hatte es nicht so gemeint, er war
ja schließlich -
Verdammt nochmal! Brian konnte sich fast nicht mehr zurückhalten als er nun auch noch seine neu importierten, teuren Gesichtscremen ausgeleert im Waschbecken sah.
"Justin!" Brian schaute ihn ernst an "Geh sofort ins Schlafzimmer!"
Justin schaute seinen Prinzen ängstlich an und verschwand daraufhin vorsichtig wegen den rutschigen Fliesen, in den Schlafbereich, sowie es Brian wollte.
Brian versuchte die meisten Sachen zu retten, doch es brachte nichts.
All seine überzogen teuren, wertvollen und seltenen Cremen, Lotionen, Shampoos, einfach alles war unbenutzbar geworden.
Brian wollte garnicht ausrechnen wie viel ihm dieser Schaden kostete! Er schritt zur Türe, schaute nochmal zurück und versuchte diesen Vorfall, sowie seinen Ärger im Bad zurückzulassen.
Tief ausatmend schritt er in den Schlafbereich, schloss die Badezimmertüre hinter sich und betrachtete sich die verunsicherte Gestalt auf dem Bett.
Rechnete Justin nun mit einer Strafe?
Brian seufzte. "Zieh dich an, deine Sachen liegen dort." damit zeigte Brian auf die andere Bettseite, und schritt zu den Stufen die zum Wohnzimmerbereich führten. "Beeil dich." schloss er noch an bevor er sich aufseufzend auf die Couch warf.
Justin schaute ihn aus großen Augen hinterher. Hatte ihm das Kunstbild etwa doch gefallen?
Brian hingegen hatte nun ganz andere Sorgen. Er müsste die Sachen sofort nachbestellen, schließlich achtete er sehr auf sein Aussehen, und da musste man eben auch für das ein oder andere mehr ausgeben als sonst.
Auch rief er sofort seine Putzfrau an, damit sie das Badezimmer säubern könnte, solange die beiden unterwegs waren.
Brian kannte sie schon lange, weswegen sie auch seine Loftschlüssel besaß.
"Bist du fertig?" rief Brian und schaute über seine Schulter.
Keine Antwort.
"Justin?" ertönte es nochmal nach einer Weile.
Doch wieder keine Antwort.
Brian ahnte schlimmes. Nach dem Vorfall im Bad musste man schließlich auf alles vorbereitet sein, Oder?
"Justin, ich komm mal nach dir sehen." gab Brian an, und schritt ohne lange zu zögern in den Schlafbereich und besah sich Justin, der mit seinem Oberteil zu kämpfen hatte.
"Das ist falsch herum." gab Brian schief grinsend zur Kenntnis. Manchmal war Justin aber auch tollpatschig!
Die einfachen Momente waren eben manchmal viel wert... .
Er half ihm sich anzuziehen, was Brian nun wohl oft tun müsste...
Im Dinner war es wieder einmal randvoll. Debbie hatte alle Hände voll zu tun.
"Sheyne, bedien die Süßen auf Tisch 3." Debbie knuffte dem Jungen der im Dinner aushalf in die Wange.
Grinsend ging sie wieder hinter die Theke.
"Schon etwas von Brian gehört?" fragte sie beiläufig Ted,Emmet,Lindsay und Melanie die an der Theke saßen, während sie frische Kaffebohnen in die Kaffeemaschine einarbeitete.
Als sie keine Antwort bekam wurde sie misstrauisch.
Sie stellte die Kaffekanne ab, schritt näher zur Theke und stützte sich mit einer Hand in ihrer Taile ab. Sie schaute alle aus ihrem das-gibt-Ärger Blick an.
Den sie eigentlich auch nur anwendete, wenn es um den berüchtigten Brian Kinney ging.
Wie sollte es auch anders sein...
"Er hat sich etwa nicht gemeldet? Dieser Idiot kann etwas erleben! Ich werde ihm eigenhändig seine -" Doch Debbies Rage wurde unterbrochen.
"Deb... er hat ihn wieder bei seinem Elternhaus abgegeben. Michael hat mir davon erzählt.." versuchte Lindsay die Situation aufzulockern.
"In Nacht und Nebel." Melanie hob dabei die Augenbrauen und trank dabei einen Schluck von ihrem Kaffee, um sich einen weiteren Kommentar zu ersparen. Sie wusste gegen Lindsay kam sie nicht an, wenn es um Brian ging.
Was fand sie an ihm so toll? Ein ewiges Rätsel...
"Und hat er danach noch etwas gesagt?" fragte Debbie, nun schon etwas ruhiger.
Denn wenigstens war Brian nun vorerst aus dem Ärger heraus... dachte sie zumindestens!
"Wir haben noch nichts gehört. Michael haben wir auch nicht gesehen, aber der Tag hat ja noch angefangen." Ted lächelte Debbie verunsichert an.
Was hatte dies denn nun schon wieder zu bedeuten?
Debbie wurde langsam aber sicher alarmiert. Sie schaute auf ihre Uhr. Brian hätte schon längst für seinen morgendliche, obligatorischen Kaffee im Dinner da gewesen sein! Er würde ihn normalerweise trinken, dann über den Geschmack nörgeln, ein paar Kommentare an seine Freunde abgeben, Mickey, der aber heute nicht anwesend war, einen Kuss auf die Wange geben und dann zur Arbeit gehen.
Aber wo steckte der Junge nun?
Es war zwar nicht das aller erste mal, dass Brian nicht zum Dinner kam, und dennoch beschlich Debbie ein ungutes Gefühl dabei.
Gerade heute, gerade jetzt.
Und als ob Debbie den Ärger nicht schon förmlich herausahnen könnte, wurde im nächsten Moment auch schon die Türe aufgestemmt und ein gutaussehender Mann kam mit einem jüngeren Blonden in das Dinner herein.
Brian und Justin!
Debbie hötte es wissen müssen!
Und auch Melanie schien bei dem Anblick nicht nur überrascht, sondern auch wütend zu sein. Wann lernte Brian aus seinen Fehlern?
Brian führte Justin zu einem freien Tisch gegenüber von der Theke. Die Blicke die er dabei von der Gang, und speziell von Debbie bekam völlig ausblendend.
"Brian Schatz komm doch mal her." ertönte Debbies gespielt versüßte Stimme.
Sie schritt zu den beiden herüber und knuffte Brian viel zu feste in die Wange. "Ich brauche dich mal in der Küche." mit den Worten packte sie ihn nicht gerade rücksichtsvoll, aber immernoch ruhig genug um Justin nicht zu beunruhigen, am Arm und führte den gutaussehenden Prinzen ohne zu zögern in die Küche.
Als sie dort angekommen waren, baute Debbie sich vor ihm auf.
"Du kleiner Scheißer, ich hätte es wissen müssen! Mit dir ist nur Ärger verbunden, dass wusste ich schon seit dem ich dich kennen gelernt habe, seitdem Mickey dich zu uns nach Hause gebracht hat-"
"Was hat das denn jetzt hiermit zu tun." unterbrach Brian sie mit seinem angewohnt arroganten Tonfall.
"Du kleines Arschloch achtest gefälligst auf deinen Ton gegenüber mir! !"
Okay, mit Debbie war heute keine Kirschen zu essen. War aber nicht zu verübeln, oder?
Doch Brian ließ sich nicht so schnell den Mund verbieten.
Hatte er noch nie, und tat er nun auch nicht "Debbie es ist verdammt nochmal meine Sache welchen Mist ich baue und welchen nicht!"
Debbie schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Ja, in der Tat ist es das. Hör dir doch mal an wie du redest! Wie ein Schuljunge! Brian, Verdammt nochmal! Wie oft müssen wir dieses Thema denn noch durchkauen? Ich habe dir mit Justin geholfen, du hast eingesehen, dass du einen Fehler gemacht hast! Und nun machst du ihn wieder? Wo ist der Brian hin den ich kenne? Wo ist der Brian hin der zwar nur Scheiße im Hirn hat aber sie dann wenigstens nicht zweimal baut?" hallte ihre Stimme während sie ihre Hände schalenförmig auf seine beiden Wangen legte, und ihn eindringlich anschaute.
"Was gedenkst du was du nur tust." fragte sie nun mit gebrochener Stimme.
Denn sie kümmerte sich um ihre Jungs. Sie konnte nicht mit ansehen wie sich einer von ihnen von dem einen Problem ins nächste ritt. Und schon garnicht so!
"Debbie, es ist nicht so wie du denkst, Verdammt nochmal lass mich doch erstmal erklären bevor du mir eine Schimpftriade vor den Kopf wirfst!" Brians Stimme klang zwar anfans ruhig wurde aber sofort wieder wütend und er schlug Debbies Hände unachtsam weg. "Seine Mutter hat seinen Vater zusammengeschlagen! Die Polizei ist gekommen und ich musste ihn mitnehmen."
"Musstest du nicht Brian. Hör auf mich anzulügen."
Brian schaute sie aus ragegefüllten Augen an. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre dies gelinde gesagt einer "Natürlich musste ich das!" seine Stimme wurde lauter, doch Debbie äußerte sich nicht deswegen.
"Du hast mit den Jungen nichts zu tun Brian. Er ist weder mit dir verwandt noch kann er dich zufrieden stellen."
"Was redest du verdammt nochmal da! Ich würde niemals einen Jungen-"
"Brian hör auf, sofort!" Debbie nahm ihn beim Kragen und stieß ihn sachte wieder gegen die Wand "Hör auf mich anzulügen." Sie atmete tief durch bevor ihre Stimme nun ruhiger wurde. "Du denkst du könntest jeden etwas vormachen. Jeden täuschen. Der herzlose, egoistische Brian. Der Hengst von Pittsburgh. Und du hättest nie gedacht das es auch dich treffen könnte, richtig?" ihre Stimme klang sanft, wissend.
"Es ist nicht wahr." Brian wusste nicht warum er sich rechtfertigte. Warum er alles abstritt. Er hätte sie einfach stehen lassen können und weggehen. Stattdessen aber schaute er auf den Boden.
Etwas was er sonst nie tat.
Doch irgendetwas sagte ihm, dass er sich Debbies Worte anhören sollte.
"Du denkst die Masche zieht bei jedem, richtig?" sie ließ ihm wieder etwas Zeit zum antworten. Doch als keine Antwort kam, sondern Brian nur aufblickte, wusste sie schon was er sagen wollte, aber nicht konnte. "Ich weiß.." sie lächelte und strich ihm über die Wange. Doch Brian wehrte ab. Und ging dennoch nicht weg.
Debbie hingegen lächelte weiter "Doch mich nicht." sie klapste ihm dreimal gegen die Wange bevor sie ihn stehen ließ.
Doch micht nicht die Worte hallten weiterhin in Brian Kopf nach.
Justin fühlte sich unwohl im Dinner. Es war laut und er fühlte sich unbehaglich bei den Blicken die er von den Menschen bekam die an der Theke saßen.
Sie schauten immer wieder zu ihm, die brünette Frau lächelte ihn einmal sogar an.
Als Debbie ausatmend aus der Küche kam, schaute sie zu dem blonden Jungen der noch immer in der gleichen, verunsicherten Position am Tisch saß, wie sie ihn verlassen hatte.
Sie schritt zu ihm herüber "Na, was darf es sein?" lächelte sie. Debbie wusste genau, dass Justin nicht antworten würde. Und dennoch wollte sie ihm das Gefühl von Normalität vermitteln. Das sich jemand um ihn kümmert.
Justin hingegen schaute die rothaarige Frau genau an. Er erkannte sie auf Anhieb wieder.
Und ohne es zu wollen, knurrte sein Magen auf einmal.
Justin erschreckte sich etwas. Er mochte dieses Grummeln nicht und er würde nun viel lieber wollen, dass es aufhört!
"Ich bereite dir etwas zu, Schätzchen." sie strich ihm kurz über die Wange und machte sich auch sogleich wieder an die Arbeit, während Brian wieder aus der Küche schritt und gegenüber von Justin Platz nahm.
Er schaute den Jungen nicht an, sondern versuchte erstmal seine Gedanken zu ordnen.
Von Debbie war er zwar viel gewohnt, aber so aufgedeckt zu werden nicht! Denn wann ergab sich auch in seinem vorigen Leben eine solche Situation dafür? War es doch das erste mal, dass Brian sich mit Gefühlen herumhadern musste.
Die Gang hingegen schauten Brian nur kurz an. Zu mehr waren sie nicht in der Lage, ohne das ihnen noch die Kinnladen herunterklappen würden.
Denn die einzige Frage die sie sich stellen konnten war Was war nur mit Brian los?
Brian merkte zwar die Blicke, äußerte sich dazu aber nicht.
Er hatte dafür einfach keine Nerven, viel mehr kümmerte ihn nun der Gedanke um den blonden Bengel der gegenüber von ihm saß.
Und ganz plötzlich beschlich ihm das Gefühl, dass es umso besser wäre, je schneller Jennifer die Sache geregelt hat und Justin wieder mitnahm. So absurd es auch klang, nach seinem Fluchtversuch der nicht mal einen Tag her war!
Justin aß sein Mahl zufrieden. Er merkte erst dann wie hungrig er eigentlich gewesen war. Und er freute sich umso mehr um das leckere Essen, dass die rootharige bunte Frau zubereitet hatte.
Ganz im Gegenteil zu Brian! Denn dieser rühte sein zubereites Essen nicht an. Er trank stattdessen nur seinen Kaffee und ganz zum staunen der anderen, äußerte er sich nicht einmal über den für ihn NIE passenden Geschmack!
"Bist du fertig?" fragte Brian als Justin seinen Teller wegschob.
Dieser nickte eifrig.
"Gut." murmelte Brian abwesend und wischte seinem 'Schützling' mit einer Servierte grob über den rosigen aber mit Schokoladenmilch verschmierten Mund.
Debbie schaute sich dieses Szenario nur seufzend an.
Und da sagte man also Brian Kinney hätte kein Herz? Und da sagte man also Brian Kinney würde es nie treffen... .
Und schneller als Debbie etwas sagen könnte war Brian auch schon mit Justin an der Hand aus dem Dinner verschwunden.
Die erstaunte Gang und eine wissende Debbie dabei zurücklassend.
Die beiden besuchten die Innenstadt für einen Einkauf.
Brian kaufte Justin Kleidung, natürlich nur von den besten Marken, damit er sich umziehen konnte.
Er kaufte ebenfalls auch alles was Justin noch so brauchen könnte wie Badeutensilien, Cremen, eine Zahnbürste, und alles was noch in einem Badezimmerschrank hingehörte, nachdem Justin diesen heute morgen freudig entleert hatte.
Und ganz nach Brian eigenen erstaunen blieb er bei einem Büchergeschäft stehen.
"Komm mit." Brian nahm Justin wieder bei der Hand und führte ihn in den Bücherladen.
Er schaute sich um. Mochte Justin nicht Märchenbücher? Vielleicht würden sie ja hier fündig werden, wober er das vielleicht streichen konnte, denn genau vor ihnen war eine Ladung voller neuer Märchenbücher.
Brian nahm gleich mehrere, natürlich nur von den teuren.
"Hier setz sich hin dann kannst du sie dir anschauen." Brian lächelte Justin an als dieser die Bücher mit großen Augen entgegen nahm. Anschließend setzte er sich auf eine Lesecouch und besah sich die Bücher.
"Bleib hier, ich muss kurz etwas holen." Brian wartete bis Justin nickte und verschwand dann in den Medizin Bereich des großen Buchhandels.
"Suchen sie etwas bestimmtes?" fragte eine freundliche Stimme hinter ihm.
"Oh... nein." antwortete Brian sofort und lächelte die ältere Dame dankbar an.
Brian schaute sich weiter um. Vor einer Bücherreihe die über Autismus handelte blieb er stehen.
Er nahm ein Buch was ihn sofort ins Auge stach in die Hand. Es hatte einen stolzen Preis, doch Brian bereute es auf keinen Fall als er an der Kasse stand und die Märchenbücher inklusive sein ganz persöhnliches Buch bezahlte.
Warum er es genau kaufte, außer der Tatsache, dass es mit Justin zu tun hatte, wusste er im nachhinein nicht mehr. Es war einfach wie ein Bedürfnis gewesen, die andere Seite des Lebens zu verstehen!
Und anders hätte er es nicht stillen können.
Auch wenn er im grundegenommen nie las...
Es war bereits Abends als sie von ihrer Rundtour durch die Innenstadt wieder zurück ins Loft ankamen.
Brian pustete die Luft aus, als er die Einkaufstüten auf die hölzerne Sitzablage neben den Stufen die zum Schlafbereich führte ablud.
Justin suchte stattdessen sofort das nun durch die Putzfrau, gesäuberte Badezimmer.
"Wehe du machst wieder so ein Chaos wie vorhin!" mahnte Brian ernst während er Justin hinterher schaute.
Er fing schonmal an die Kleidung in seinen Schrank einzuräumen.
Dann baute er sein Futon auf und platzierte es seitlich vor die Fensterfront. Er holte von seinem Bett ein paar Kissen und die große Steppdecke und warf sie darauf.
Als Justin aus dem Bad herauskam staunte er über den Futon der auf einmal da war.
Aber am meisten staunte er über Brian, der mit Achselshirt und Boxershort darauf lag und eine Zigarette rauchte.
Er war wunderschön... Justin gluckste. Natürlich war er wunderschön! Er war doch schließlich sein Prinz!
Brian bemerkte Justins Blick und winkte ihn zu sich.
"Leg dich hin." befiehl er und nahm derweil einen weiteren Zug aus seiner Zigarette.
Er überließ Justin den Platz der direkt neben der Fensterfront war.
"Gefällt dir der Ausblick?" fragte Brian als Justin sich neben ihn gelegt hatte.
Justin nickte und drehte den Kopf zur Seite, um den Ausblick weiterhin genießen zu können.
Es sprühte etwas beruhigendes auf ihn aus. Der Ausblick, der dunkle Himmel, die leuchtenden Straßen, das durch warme Farben bestrahlte Loft, Brian, sein Prinz neben ihn.
Und natürlich der Glimmstingel in Brians schönen Fingern.
Justin streckte seine Hand darauf aus. Doch Brian umfasste sie und legte sie wieder zurück aufs Futon.
"Nein!" war Brians erster Impuls heraus. "Das dürfen nur Prinzen, weißt du... ." fügte Brian ruhiger hinzu.
Justin nickte nur und schaute wieder weg. Er wunderte sich warum er wieder hier war, obwohl Brian ihn doch eigentlich nicht mehr da haben wollte.
Doch er hatte Angst zu fragen... würde der Prinz ihn wegschicken, wenn er ihn darauf ansprechen würde?
Justin wagte den Versuch, was für ihn eine menge an Mut zusammenbrachte.
"Zu... Zuhause?" fragte Justin unsicher.
Brian pustete den Rauch wieder heraus. Er blieb ruhig. Es war das erste Wort das Justin seither gesprochen hatte und er wollte den Jungen nun nicht verängstigen. Sonst würde er wohl seine Stimme nicht mehr zu hören bekommen.
"Du bleibst jetzt erstmal hier..." erklärte Brian schlicht. Er versuchte keine eindeutigen Emotionen in den Satz hereinzubringen. Versuchte sachlich zu bleiben.
Vielleicht war genau diese Art das falsche für Justin, doch er kümmerte sich jetzt nicht darum.
Justin nickte. "Für immer?" er schaute seinen Prinzen lange an.
Lange, wartend. Bis er eine eindeutige Antwort bekam.
"Nein."
Was? Aber Justin hatte doch ein Versprechen gegeben, eigentlich müsste sein Prinz ihn doch nun für immer bei sich leben lassen. Für immer in seiner Sicherheit. Für immer in seiner Obhut. Was war denn bloß los?
Doch ganz plötzlich wusste Justin warum sein Prinz ihn nicht für immer dabehalten konnte.
Es schmerzte Justin als er die Worte aussprach "Wegen... der Prin, Prinzessin?"
Brian hustete den Rauch diesmal aus. Was hatte der Bengel denn nun schon wieder für eine verrückte Fantasie? Erst war da der Prinz und nun auch noch eine Prinzessin?
"Was?" Brian inhalierte einen tiefen Zug aus seiner Zigarrete. Dies hatte er sich nun verdient nach diesem stressigen Tag.
"Du liebst... die, Prinz, Prinzessin!" gab Justin vermeintlich wissend zur Auskunft.
Doch Brian nahm es diesmal gelassener. Darauf wollte der Bengel also hinaus. "Nein."
Justin nahm Brians Antwort freudig entgegen. Also hatte er sich doch getäuscht und Brian liebte keine Prinzessin.
Aber... vielleicht durfte er trotzdem nicht bleiben weil Brian sein Geheimniss noch nicht wusste?
Er müsste es ihm sagen! "Ich lieb...liebe, auch keine, Prinze, Prinzessinnen!" Justin schaute Brian aus unschuldigen Augen an.
Brian drückte seine Zigarette aus und schaute Justin erstarrt an. Er hatte keine Ahnung wie, aber er wusste genau was Justin damit meinte!
Er wusste es genau! Er hätte es ahnen können... diese Blicke... diese Worte... Justin tat dies alles unbewusst und dennoch war es so eindeutig.
Justin war also schwul!
Für Brian war es nichts besonderes und er wusste nicht warum er diesmal so eine große Sache daraus machte... naja... vielleicht weil er diese, für ihn 'merkwürdigen' Gefühle für Justin empfand.
Aber das Wissen, dass Justin diese also auch für ihn empfand ließ Brian nicht kalt.
Es war also weitaus komplizierter als er sich anfangs gedacht hatte.
Justin merkte von Brians wirren Gedanken nicht viel. Er schaute wieder zur Seite, aus dem großen Panaromafenster und überlegte, wie wohl seine Eltern reagiert hätten würden sie sein Geheimniss wissen.
Denn in seinen Märchenbüchern war es nicht üblich, dass Prinzen keine Prinzessinen liebten. Und es war auch nicht üblich das die Prinzessinen nicht exestierten und stattdessen blonde Jungen diese Rolle einnahmen.
Er wusste es war nicht normal. Doch das Brian darauf kaum reagierte, beziehungsweise ihn nicht das Gefühl gab, anders zu sein, beruhigte Justin.
Dann war es wohl doch nicht so schlimm wie er es sich anfangs vorgestellt hatte.
Und selbst wenn es in keinem Märchenbuch stand wusste Justin, dass es nichts zu bedeuten hatte.
Denn schließlich schrieben sie hiermit ihr eigenes.
Ihr eigenes, ganz persöhnliches Märchen.
Brian schaute die schlafende Gestalt neben sich an.
Und das erste mal an diesen Abend dachte er nach wie es wohl sein würde, wenn sie wieder getrennt sein würden... .
Er deckte den zierlichen Jungen mit der Steppdecke zu und ließ ihn weiterschlafen. Derweil stand Brian leise auf und bewegte sich etwas im Loft um seine Muskeln zu lockern.
Eigentlich wäre er nun im Babylon und nagelte irgendwelche Twinks. Doch stattdessen war er hier im Loft, mit Justin... mit dem er keine sexuelle Beziehung hatte.
War dies denn zu glauben? Von den berüchtigten Brian Kinney?
Oh ja...
Das Telefonklingeln schreckte Brian aus seinen schwärmen nach dem beliebtesten Schwulenclub in Pittsburgh auf.
Er beeilte sich den Anruf entgegen zu nehmen, wollte er Justin doch nicht aufwecken!
Es war gut das er schlief... so hatte Brian wenigstens etwas Zeit für sich, und auch für seine Gedanken.
Doch der Anruf machte auch diese Hoffnung kaputt.
Denn es war Jennifer! Und sie hatte schlechte Nachrichten.
Brian lauschte Jennifers tränenerstickter Stimme nach und versuchte dabei seinen immer dicker werdenden Klos im Hals herunterzuwürgen.
"Verdammt!" mit den Worten legte Brian ohne sich zu verabschieden, ohne noch ein weiteres Wort an Jennifer zu widmen auf.
Er schaute auf die schlafende Gestalt und seufzte tief durch. Er strich sich fahrig über sein Gesicht.
"Verdammt!" schrie er auf, als er die bandbreite des Problemes wahrnahm!
Craig war tot! Jennifer angeklagt wegen Mord! Die Erklärung das es Notwehr war, wurde abgelehnt. Craig hatte weder irgendwelche Waffen dabei und laut der Aussagen der Nachbarn wurde ebenfalls keine Gefahr von Craig ausgesehen. Auch hatte Craig ein gutes Alibi und jeder beschrieb ihn als fürsorglichen Familienvater.
Wie konnte das blos sein! Waren dessen Nachbarn etwa blind und taub?
Doch Brian hatte keine Zeit mehr darüber nachzudenken. Denn das viel größere Problem war nun Justin!
Denn er hatte Jennifer bei seiner Kurschlussreakiton, Justin mitzunehmen versprochen, er würde auf ihn aufpassen bis sie ihn abholte!
Und dies würde wohl eine längere Zeit dauern, zumindestens bis die Verhandlung statt fand!
Brian brauchte auf jeden Fall Hilfe, juristische natürlich, von Melanie. Er musste wissen wie lange Justin bei ihm bleiben würde... .
Er schaute noch einmal zur schlafenden Gestalt herüber und musste auch diesmal hart schlucken.
Auf was hatte er sich da bloß eingelassen.
Wie war er bloß in diese Situation hineingeraten?
