Kapitel 30
Harry und seine Freunde schauten ihrem Professor hinterher. Was war geschehen? Ging es Damion schlechter? Harry bekam ein ungutes Gefühl im Bauch und wollte ebenfalls in den Krankenflügel rennen, doch Professor McGonagall hielt ihn, und auch die anderen Schüler davon ab. Sie forderte alle auf, sich schleunigst in die Gemeinschaftsräume zu begeben und wies die Vertrauensschüler an, darauf zu achten, dass auch wirklich jeder Schüler sich daran hielt.
Einzig das Haus Slytherin durfte die Große Halle nicht verlassen und dies aus einem Grund, der der Direktorin ebenso widerwillig, wie im Moment auch wichtig vorkam. Denn während mehrere Lehrer die Schlangen beaufsichtigten, begab sich der Rest des Kollegiums hinunter in die Kerker um etwas zutun, was in der jüngeren Geschichte der Schule eigentlich nie mehr vorgekommen war ... sie durchsuchten die Räume und auch persönlichen Sachen der Schüler nach verdächtigen Gegenständen.
Harry sah kurz noch mal in Richtung der Lehrer und bog wenige Schritte später mit Ziel Gemeinschaftsraum im Korridor ab. Auf dem Weg dorthin stellten er und auch seine Freunde mehrere Theorien auf, was mit ihrem Mitschüler los sein könnte. Und es ging dabei nicht nur um die Sache mit dem plötzlichen Zusammenbruch. Nein, Harry fragte sich auch, warum sein Freund so ausgetickt war.
Doch Antworten auf ihre Fragen bekam keiner am heutigen Abend mehr. Deshalb gingen sie alle schon sehr früh ins Bett und hofften, dass es morgen einige Antworten gab. Und während Harry so da lag und versuchte einzuschlafen kam ihm, genau wie Damion in der Halle, die Frage nach dem Warum in den Sinn. Wie konnte man nur daran denken, einen Menschen, einen Mitschüler zu töten, nur weil dieser nicht die Meinung von Riddle vertrat.
Es wollte Harry einfach nicht in den Sinn. Und da Harry die Sache so sehr beschäftigte, bemerkte der Gryffindor nicht, oder erst einige Minuten später, dass der Schmerz an seinen Fingerkuppen wieder zunahm. Harry versuchte es durch Rubbeln oder kratzen abzustellen, doch es gelang ihm nicht. Also bleib nur eine Möglichkeit. Er musste zu Madame Pomfrey. Und zum ersten Male, so musste Harry leicht grinsen, war ihm der Gedanke in den Krankenflügel zu gehen, nicht ganz so wider. Vielleicht konnte er ja einige Informationen über Damion in Erfahrung bringen und somit Ron, Dean und den anderen am Morgen schon ein wenig mehr sagen.
Somit stand Harry leise auf, zog sich seinen Umhang über und schlich in Richtung Tür. Dann noch schnell die Gänge entlang und aufpassen, dass ihn auch keiner bemerkte und schon stand der Gryffindor vor der Tür, die er sonst nur hinter seinem Rücken wissen wollte. Er klopfte sachte und drückte die Klinke hinunter. Danach betrat er den Raum und musste feststellen, dass es hier noch ein sehr reges Treiben gab.
Poppy wuselte um Damion herum und tupfte dessen Stirn mit feuchten Tüchern ab, während Professor Styls mit besorgtem Gesicht dasaß und wie eine Mutter die Hand seines Sohnes hielt. Wenn die Sache nicht so ernst gewesen wäre, hätte Harry bestimmt gelacht. So aber ging er nur vorsichtig in den Raum und versuchte etwas mehr von Damion zu erkennen.
„Oh nein Steph, da kommt noch einer", sagte Poppy aufgeregt und schon im nächsten Moment bäumte sich Damion voller Schmerzen auf. Er schien einen Krampf zu haben und offenbar war sein ganzer Körper davon betroffen. Dann, kaum zehn Sekunden später, sackte der Braunhaarige, ohne dass die Heilerin etwas getan hatte aufs Bett zurück und warf seinen Kopf hin und her. Jetzt schien er einen Alptraum zu haben und Harry hörte seinen Freund Worte sagen „nein, tu es nicht" oder „das werde ich nicht zulassen".
Harry konnte sich keinen Reim auf diese Worte machen und trat daher noch ein paar Schritte näher an die drei heran. Dadurch bemerkte ihn Professor Styls und zum ersten Mal sah Harry in den sonst so souveränen Augen seines Lehrers so etwas wie Unbehagen.
„Harry, was machst du hier?" Fragte Styls und sah den Gryffindor mit aufmerksamen Augen an.
„Ich ... ich wollte zu Madame Pomfrey", erwiderte Harry unsicher und hob zur Unterstützung seiner Aussage die geröteten Finger hoch. Die Heilerin kam auch gleich angewuselt und begutachtete die Hand. Dann deutete sie auf ein Bett zu ihrer Rechten und sagte, „na dann Mr. Potter, legen sie sich gleich mal in ihr Lieblingsbett". Zu Harry, und auch Poppys Überraschung erhob sich aber Professor Styls.
„Nein Poppy, bitte gib ihm nur eine Salbe oder einen Trank. Ich möchte nicht, dass jemand bei meinem Sohn bleibt, wenn er seine Alpträume hat."
Geschockt über diese Aussage schaute nicht nur Harry, sondern auch Madame Pomfrey mit großen Augen in das Gesicht von Stephano Styls. Dieser blickte immer noch besorgt kurz zu Damion aufs Bett und sprach danach weiter.
„Bitte versteht mich nicht falsch. Damion braucht seine Freunde und Gesellschaft. Doch er hat auch Schlimmes erlebt und es sollte ihm überlassen sein, wann er jemandem davon erzählt. Von dir Poppy ...", Styls blickte Madame Pomfrey direkt in die Augen, „... weiß ich, dass du einen Eid zur Verschwiegenheit geleistet hast und dass Mr. Zabini noch mindestens bis morgen schläft. Doch bei Harry glaube ich nicht, dass dies der Fall ist. Ich hoffe ihr verstehet mich?"
Harry ließ sich die Worte durch den Kopf gehen und sah nachdenklich zu Damion, der nun am ganzen Körper schwitzte. In seinen Gedanken versuchte sich Harry vorzustellen, was sein Freund nur Alles erlebt haben musste. Und daher, und da er selbst nicht so oft über die Qualen durch Snape sprach, kam Harry zu dem Schluss, dass sein Lehrer recht hatte. Damion würde ihm vielleicht irgendwann mal erzählen, was ihn so sehr beschäftigte und nicht nur das Wenige, dass Harry eh schon durch ihre Gespräche wusste.
Deshalb ließ sich der Gryffindor nur schnell von Poppy verarzten und machte sich wieder auf den Weg zum Gemeinschaftsraum. Bis er dort war, so versprach es die alte Heilerin, würden die Schmerzen schon weg sein und er könnte den Rest der Nacht ruhig durchschlafen.
Harry wusste nicht, was ihm die alte Heilerin da eingeflößt hatte, doch so gut geschlafen wie den Rest der Nacht hatte er schon lange nicht mehr. Ja, er musste sogar von Ron wachgerüttelt werden, damit er nicht das Frühstück verpasste und so blieb nur noch wenig Zeit, um pünktlich in der Großen Halle zu erscheinen. Rasch zog sich Harry an und rannte hinter Ron hinterher.
In der Großen Halle angekommen setzte sich Harry auf seinen Platz und freute sich gerade auf den erste Toast, da bemerkte er Hermines besorgten Blick und ihm wurde klar, dass irgendwer aus dem Jungenschlafsaal mitbekommen haben musste, dass er nachts noch bei Poppy gewesen war. Harry lächelte Hermine zu und sagte,
„Ist alles in Ordnung, Hermine. Es war nur noch eine kleine Reizung der Haut. Nichts Schlimmes, wirklich."
Der Lockenkopf sah Harry noch einige Augenblicke skeptisch an und schielte auch auf seine Hände. Doch schließlich entspannte sich Hermines Gesicht und sie erwiderte das Lächeln mit einem „na dann ist ja alles Ok."
Gegen Ende des Frühstücks erhob sich dann Professor McGonagall und bat alle Schüler um ihre Aufmerksamkeit. Augenblicklich kehrte Ruhe ein und die Direktorin versuchte den vier Häusern einen Überblick über den Stand der Dinge zu geben. Harry erfuhr dadurch, dass es Blaise Zabini wieder etwas besser geht und er vielleicht schon zum Mittag die Gesellschaft der Halle genießen konnte. Aber sie hörten auch, dass Damion noch eine Weile bräuchte, um sich zu erholen. Zwar sei er aus dem Schlimmsten raus, doch habe sein Körper auch eine gewisse Menge Gift absorbiert und dieses könnte man nicht auf dieselbe Weise herausholen, wie bei Blaise.
Harry runzelte etwas die Stirn und blickte zu Professor Styls, der ruhig neben der Direktorin saß. Damions Vater fing den Blick des Gryffindors auf und nickte leicht. Harry nickte zurück und kam zu dem Schluss, dass es wohl bedeuten solle, „ich weiß, du kennst die Wahrheit, aber nimm es erst mal so hin. Wir sprechen später". Daher beließ es Harry dabei und hörte der Direktorin weiter zu.
Diese wurde aber im nächsten Moment unterbrochen, da sich die Tür zu Großen Halle geräuschvoll öffnete und eine Gruppe Uniformierter hereinmarschiert kam. Es waren gut zehn Auroren und ihnen folgten weitere Personen, von denen Harry gehoffte hatte, sie nicht so bald wieder zu sehen. Es waren zum einen Minister Rufus Scrimgeour und dann mehrere Personen von der Presse.
Harry fragte sich, was diese hier wollten und bekam das ungute Gefühl, dass der Minister seinem Vorgänger immer ähnlicher wurde. Und so war es dann auch. Scrimgeour baute sich vor dem Lehrertisch auf und fragte Professor McGonagall nach Gideon Greenstone. Die Direktorin erklärte dem Minister, dass sich der Slytherin im Gewahrsam in einem der alten Verliese befand und sofort machten sich mehrer Auroren in Begleitung von Professor Slughorn auf den Weg, den Jungen zu verhaften.
Scrimgeour wies seine Leute nochmals lauthals an, in voller Härte, jedoch mit dem nötigsten Respekt gegen den Gefangenen vorzugehen. Sofort blitzten mehrere Kameras auf und einige Reporter schrieben hastig was auf ihre Blöcke. Der Minister quittierte dies mit einem zufriedenen Lächeln und nahm dann plötzlich Harry ins Visier. Nun bekam der Gryffindor wirklich ein blödes Gefühl im Bauch und sah sich unsicher bei seinen Freunden um. Scrimgeour hatte sich derweil wieder an die Direktorin gewandt und fuhr fort.
„Nun Professor McGonagall, wie es mir scheint, ist Hogwarts doch nicht mehr so sicher, wie sie und auch der leider schon verstorbene Albus Dumbledore es immer annahmen. Was wäre gewesen, wenn es noch weitere Schüler hier getroffen hätte ...?"
Harrys Gesicht nahm einen entsetzten Ausdruck an, genau wie auch beim Rest der versammelten Schülerschaft. Was hatte der Minister vor? Wollte er Hogwarts nun doch schließen? Harry Gedanken begannen zu rasen und so bekam er die nächsten Worte des Ministers erst mit, als Professor McGonagall ungläubig, „Wie bitte?", sagte.
Scrimgeour lächelte überlegen und wiederholte, „Ich sagte Professor, dass ich es nicht verantworten kann, den Jungen in dieser Gefahr zu lassen und dass ich daher Mr. Potter mitnehme, um ihn an einen sichereren Ort zu bringen. Nun erwachte Harry aus seiner Starre und rief laut, „Das, können sie getrost vergessen Minister. Ich habe es ihnen schon einmal gesagt, ich werde mich nicht zur Galionsfigur des Ministeriums machen lassen, die rumgezeigt wird, damit die Öffentlichkeit glaubt, es ist alles in Ordnung."
Der Minister schien mit einer solchen Reaktion seitens Harrys gerechnet zu haben und sagte weiter mit überlegener, väterlich anmutender Stimme, während all die Kameras blitzten, „Mr. Potter, Harry, ich glaube du verstehst nicht so recht. Es ist meine Pflicht als Minister, dich, als eine Person, die so stark im Interesse der Öffentlichkeit steht, durch das Ministerium beschützen zu lassen."
„Öffentlichkeit? Ministerium?", schrie Harry nun laut in die Halle und die anderen Haustische blickten überrascht auf. „Dieselben beiden, die mich und Professor Dumbledore vor zwei Jahren als Lügner und Sensationssüchtige dargestellt haben? Das selbe Ministerium, dass damals versucht hat mich zu brechen, indem ich mit einer Blutfeder immer wieder schreiben musste, ich solle nicht lügen?"
Die gesamte Halle stöhnte überrascht auf und die Reporter sahen plötzlich so aus, als sein Weihnachten. Scrimgeours Augen blitzen ein wenig und man konnte leichte Schweißperlen auf seiner Stirn erkennen. Harry war aber noch nicht fertig und wurde immer lauter.
„Oooder Minister, ... meinen sie die Öffentlichkeit, die mich, seit ich ein Jahr alt bin, seit dem Tage, an dem Tom Riddle dachte, er müsste auf eine sinnlose Prophezeiung hören und meine Eltern tötet, als ihren Erlöser hochjubelt. Soll ich ihnen mal sagen, Minister, dass es nur wenig Menschen gibt, die mich wirklich kennen. Und genau diese Menschen sollten sie vielleicht beschützen und nicht die Person, die vielleicht ihre nächste Wiederwahl sichert."
Die ganze Halle wurde augenblicklich mucksmäuschenstill und beobachtete nun das Gesicht von Minister Scrimgeour. Dieses wandelte sich nämlich ganz langsam von eben noch überlegen zu nun leicht angepisst, da sein Plan, Harry endlich in die Finger zu bekommen, nach hinten loszugehen schien. Mit einem letzten Versuch, das Ruder noch mal rumzureißen, wies er die restlichen Auroren an. „Nun Mr. Potter, da sie scheinbar die Wichtigkeit ihrer Sicherheit nicht erkennen, bleibt mir keine andere Wahl, als sie in Schutzhaft zu nehmen. Auroren, ihr kennt eure Befehle und führt sie dementsprechend aus."
Eine Welle der Empörung durchfuhr die Große Halle, als die Auroren auf Harry zuschritten und vor allem die Lehrer, angeführt von Professor McGonagall brachten ihren Unmut darüber zum Ausdruck. Harrys alte Hauslehrerin ging sogar schnellen Schrittes auf ihn zu, um ihn zu schützen. Doch zwei Auroren machten sich daran, dies zu unterbinden. Erfolg hatten sie damit aber nicht, denn ein lauter Gong ertönte aus den Tiefen des Schlosses und ließ alle im Raum erstarren. Scrimgeour sah sich überrascht um und bemerkte, dass auch Professor McGonagall nicht so recht wusste, woher das Signal kam.
Dieses ausnutzend ging der Minister selbst rasch zu Harry und wollte ihn, in Anbetracht der Unschlüssigkeit der meisten Anwesenden, persönlich aus der Halle führen. Aber ein lautes metallenes Geräusch ließ ihn stocken und aufhorchen. Dieses wurde nämlich immer lauter und klang in einem sehr monotonen Takt durch die Luft. Schließlich sah man auch den Ursprung des Lärms, denn die Tür zur Halle wurde erneut aufgestoßen und fast zwanzig Rüstungen kamen herein marschiert. Die erste schien aus Gold zu sein und bildete den Anführer der Gruppe. Sie war es auch, die sofort auf den Minister zuging und diesen mit dem Schwert solange bedrohte, bis er Harry losließ. Die restlichen sich magisch bewegenden Rüstungen, bei denen man offensichtlich sah, dass sie keinerlei Innenleben hatten, trugen mit ausgestreckten Armen die Auroren und Gideon Greenstone vor sich her. Sie alle versuchten sich aus den eisernen Griffen zu befreien, aber dies war ebenso sinnlos, wie auch gefährlich, wenn man mal bedachte, dass alle Rüstungen mit gewaltigen Waffen bestückt waren, welche wirklich böse Verletzungen verursachen konnten.
„Damit sind sie zu weit gegangen, Direktorin", schrie Scrimgeour wütend auf und warf Professor McGonagall einen tödlichen Blick zu. Die alte Hexe jedoch, schaute nur geschockt auf die Rüstungen und ihr Blick verriet, dass sie selber nicht so recht wusste, was hier sich vorging. Als Rufus Scrimgeour dann auch noch seinen Zauberstab zog, um die goldene Rüstung anzugreifen, drehte diese sich zum Minister um und trat gefährlich nahe an den sonst so souveränen Mann heran. Dann leuchtete sie kurz auf und eine nicht menschliche, stark verzerrte Stimme drang aus der eisernen Hülle.
„Minister, sie ... sie und ihre Leute haben heute einen schwerwiegenden Fehler gemacht. Sie haben versucht einen Schüler dem Schutze Hogwarts zu entreißen und damit den Zorn der Gründer heraufbeschworen. Ich rate ihnen, das Schloss und seine Liegenschaften sofort zu verlassen. Geht, ... geht, nehmt eure Leute und den Verräter mit und wagt es niemals wieder hier zu erscheinen."
Dann hob die Rüstung beide Hände in die Luft, klatschte dreimal und es bildeten sich über den Köpfen der Auroren, Greenstone und dem Minister selbst kleine Feuerbälle, in denen das Wappen Hogwarts brannte. Alle Schüler sahen dem Schauspiel gebannt zu und lediglich die Lehrer schienen zu verstehen was hier geschah. Obwohl, nach den Gesichtern der Erwachsenen zu urteilen, so stellte Harry fest, hatten sie wahrscheinlich auch nur einmal davon gehört.
Ein entsetztes Keuchen von Hermine ließ Harry kurz seinen Blick vom Minister nehmen und der Gryffindor fragte seine beste Freundin, ob sie denn wüsste, was dies zu bedeuten hätte. Hermine sah Harry mit einer Mischung aus Unglaube und Enttäuschung an. Letztere brachte sie dann auch mit den Worten, er sollte endlich mal die Geschichte Hogwarts lesen zum Ausdruck und verriet im nächsten Moment, dass die brennenden Zeichen bedeuteten, dass Hogwarts selbst, oder besser die Magie der vier Gründer, Minister Scrimgeour und den anderen lebenslanges Hausverbot erteilt hätten. Etwas, dass bisher nicht einmal die mächtigsten Direktoren beschwören konnten.
Harry sah den Lockenkopf ungläubig an und sein Blick wanderte dann zum Minister und der Direktorin. Die alte Hexe hatte sich wieder ein wenig gefangen und beschwor, trotz ihrer offensichtlichen Wut auf den Mann, den Minister, so schnell wie möglich zu gehen. Andernfalls könnte sie nicht für seine Sicherheit garantieren. Scrimgeour wollte sich gegen diese Art der Behandlung wehren, doch das war ein weiterer Fehler und die Rüstungen schritten zur Tat. Binnen weniger Sekunden hatten die eisernen Wachen alle Feinde des Schlosses in ihren stählernen Fängen und beförderten sie unsanft in Richtung Ausgang.
Harry sah ihnen hinterher und dann zu Professor McGonagall. Er konnte in den Augen der alten Hexe eine gewisse Erleichterung erkennen, doch auch ein wenig Sorge spiegelte sich hinter den viereckigen Brillengläsern wieder. Fünf Minuten später kehrte wieder Ruhe im Schloss ein und die Schüler überlegten, was wohl eben geschehen war und wie sie den Tag angehen wollten. Allerdings bat die Direktorin, wie schon am Abend zuvor, nicht in wilde Spekulationen zu verfallen und irgendwelche Gerüchte zu verbreiten.
Harry nutzte die freie Zeit um ein wenig zu lesen. Er saß in der Bibliothek und studierte das Buch der Bücher, denn wenn er ehrlich zu sich war, so beschäftigte ihn die Sache mit den Rüstungen doch schon ein wenig mehr. Ihm kam dabei einmal mehr die Aussage von Dumbledore in den Sinn, dass es in Hogwarts Geheimnisse gab, die nicht mal er als Direktor kannte. Doch um vielleicht irgendeinen Hinweis zu bekommen, musste die Geschichte Hogwarts durchgearbeitet werden.
Außerdem konnte sich Harry dadurch ein wenig von Damion ablenken. Noch immer durfte keiner zum ihm und somit wusste niemand so richtig, was mit ihm los war. Nicht mal Blaise, der wirklich noch am Tage von Scrimgeours Besuch entlassen worden war, konnte ihnen etwas verraten. Und dies wäre durch ein weiteres ungewöhnliches Ereignis, das dem versuchten Mord am Slytherin folgte, ohne weiteres möglich gewesen. Denn nach einer kurzen Lehrerkonferenz und in Absprache mir Zabinis Eltern wurde der Siebenklässler gefragt, ob er das Haus wechseln wolle und da sich der sprechende Hut weigerte, ihn neu zu sortieren, kam er auf Wunsch von Professor Styls für den Rest des Jahres nach Gryffindor.
Dort wurde er zwar nicht mit offenen Armen empfangen, doch man begegnete ihm auch nicht mit bösen Blicken. Es war halt so und nun musste man sich halt arrangieren. Einzig Harry bekam dies nur am Rande mit. Er war viel zu sehr mit der Geschichte Hogwarts beschäftigt. Harry hatte mit dem studieren des Buches fast zwei Tage, sprich das Wochenende zugebracht und war heute, da der Unterricht wieder weiterging, gerade auf dem Weg zum Frühstück, als ihm Hedwig im Korridor zur Großen Halle entgegen geflogen kam. Etwas verwundert hielt der Gryffindor seinen Arm ausgestreckt hin, damit seine treue Weggefährtin landen konnte.
„Oh hallo Hedwig", sagte Harry leise und strich der Schneeeule übers Federkleid. „Hast du was Wichtiges für mich?", fragte er das Offensichtlichste, da ja ein kleiner Brief am Bein des Vogels hing. Doch was wollte er machen. Harry wollte nun mal mit ihr reden, denn er fühlte sich etwas schuldig, da er in letzter Zeit sehr wenig schrieb und Hedwig dadurch etwas in Vergessenheit geriet.
Ein leise „Schuhu" erklang. Es sollte wo „ja" heißen und Harry band den Brief ab. Dann durchsuchte er seine Umhangtasche nach einem Eulenkeks, die er ja eigentlich immer irgendwie dabei hatte und hielt ihn Hedwig hin. Die Schneeeule schnappte sich das Leckerli und flog damit als wäre es Beute davon. Harry lächelte ihr nach und schickte sich dann an, den Brief zu öffnen. Er war von Madame Pomfrey und sie bat Harry, da Professor Styls sich schon mit seiner Unterrichtsvorbereitung beschäftigte, Damion ein paar Kleidungsstücke zu bringen, da man die alten wegen des Giftes vernichten musste.
Harrys Gesicht hellte sich schon beim Lesen auf, bedeutete es doch, dass sein Freund möglicherweise entlassen wurde. Rasch ging Harry noch einmal zum Gryffindorturm hoch und fischte ein paar Klamotten aus Damions Schrankkoffer. Dabei fielen seine Blicke auch auf die doch sehr ungewöhnlichen Besitztümer des Braunhaarigen. Harry erkannte die Stimmungsheber, einige sehr wertvoll aussehende Schreibutensilien, zu denen auch Federn zählten, die von Vögeln stammten, die es keinesfalls in England gab und ein buntes, etwa dreißig Zentimeter langes Holzbrettchen.
Zwanzig Minuten später erreichte Harry mit einem Umhang, Unterwäsche, Jeans und einem Pullover den Krankenflügel und wurde auch schon sehnsüchtig erwartete. Irgendwie schien es Damion im Bezug auf diesen Trakt des Schlosses genauso zu gehen wie Harry und somit beeilten sich beiden diesen Ort so schnell wie nur möglich zu verlassen.
„Danke noch mal Harry für die Klamotten", sagte Damion, als sie durch die Gänge des Schlosses gingen.
„Keine Ursache, Kumpel. So was mache ich doch gern. Besonders, wenn ich dadurch ein wenig später zu Sluggy und seinen Tränken komme."
Beide Gryffindors lachten laut durch den Gang und Harry bemerkte, dass Damion, als dieser sich etwas streckte, einige Kilo verloren hatte. Es lag wohl daran, dass Poppy nicht wirklich kochen konnte, oder aber an seiner Vergiftung. Allerdings beschlichen Harry einige Fragen zu den Vorkommnissen mit Blaise und er wusste nicht, ob er den Braunhaarigen jetzt schon darauf ansprechen sollte.
Bevor er sich aber weitere Gedanken darüber machen konnte, stoppte Damion vor einer Klassenraumtür und Harry erkannte sie als die, hinter der Stephano Styls unterrichtete. Der Braunhaarige klopfte und nach einem „Herein", betraten beide Jungen das Zimmer. Harry schaute sich rasch um und erkannte ein paar Drittklässler aus Gryffindor und andere trugen die Farben von Huffelpuff. Dann fiel ihm auf, dass es scheinbar eine praktische Stunde war, denn alle Bänke standen zur Seite gerückt da.
Professor Styls blickte seinen Sohn überglücklich an und kam rasch auf ihn zu. Er zog ihn in eine Umarmung und Harry wurde es etwas komisch. Es lag wohl daran, dass er nie daran gedacht hatte, dass Lehrer, auch wenn sie streng waren und Schülern versuchten etwas beizubringen, auch Menschenwaren. Somit war diese Umarmung doch eigentlich was total Normales. Die Drittklässler schienen dies nicht ganz so zu sehen und begann leise zu lachen.
Styls löste sich von seinem Sohn und warf den Jungen und Mädchen einen angriffslustigen Blick zu, der nichts Gutes verhieß. Nicht, dass Styls die Schüler bestrafte, doch irgendetwas ließ er sich bestimmt noch einfallen. Schließlich aber kehrte der Professor zum Unterrichtsstoff zurück und da Harry, kurz bevor sie den Raum verlassen konnten, ein lautes „Riddikulus" hörte, wusste er auch, was die Drittklässler gerade durchnahmen. Es waren Irrwichte.
Sofort erinnerte Harry sich an seinen damaligen Unterricht bei Remus und war gespannt, vor was wohl die kleine Gryffindor, Alice hieß sie, so glaubte Harry, Angst hatte. Gespannt sah Harry auf den Schrank in der Mitte des Raumes und wartete, wer wohl herauskam. Im Endeffekt war es eine riesige, rotäugige Ratte und die Gryffindor, völlig gebannt auf das Nagetier starrend, begann zu zittern. Sie schaffte es im nächsten Moment nicht einmal, ihren Zauberstab richtig zu halten oder zu zielen.
Harrys Blick ging zu Professor Styls in der Annahme, dass dieser eingriff. Doch Styls wartete noch und beobachtete die ganze Sache nur aufmerksam. Schließlich schien die Angst von Alice so groß zu werden, dass sie vom Spruch „Riddikulus" abließ und nur noch verzweifelt rief „Expelliarmus". Der Irrwicht wurde von Entwaffnungszauber getroffen und flog durch den Raum. Er landete schließlich direkt vor Damion und Harry, blieb kurz in der Rattenform dort liegen und rappelte sich dann wieder auf. Doch die Gestalt, die er dabei annahm ließ bei Harry das Blut immer schnelle durch seine Adern fließen. Denn direkt vor ihm stand plötzlich ein lauthals kalt und überlegen lachender Draco Malfoy.
Harry sah das blonde Frettchen mit wütenden Augen an und überlege, ob er einen Fluch losfeuern sollte. Doch dann kam ihm in den Sinn, dass Malfoy nicht echt war. Doch warum war er erschienen. Harrys Kopf flog zu Damion herum und der Braunhaarige starrte fassungslos auf den toten Slytherin. Seine Augen leuchteten unentschlossen und so war es schließlich das „Riddikulus" von Professor Styls, der dem Irrwicht ein Ende bereitete.
Professor Styls sah die beiden Siebenklässler an, überlegte kurz und bat dann Harry und Damion zu gehen. Allerdings wies Styls seinen Sohn noch an, nach dem Unterricht noch mal zu ihm zu kommen. Die Gryffindors verließen langsam den Raum, wobei Damion wohl eher nach draußen geführt werden musste. Im Gang vor dem Klassenzimmer allein stehend brannte Harry nur noch eine Frage im Kopf. Was hatte Damion mit Malfoy zu tun? Er musste es wissen und dabei half es gar nicht, dass der braunhaarige Gryffindor sich plötzlich zu Harry umdrehte und mit großen Augen fragte,
„Harry, wer war dass da eben? ...
TBC
Na denn, viel Spaß und ein besinniches Weihnachtsfest
Euer Mr. Figgs
