Sooo, der Weihnachtsbraten ist verdaut, der Blutfettwert wieder unter der Decke und es fehlt nur noch eine zufriedenstellende Anzahl von Reviewes. Doch um diese zu erhalten, braucht es eines neuen Caps. Hier ist es und ich wünsche euch neben dem Spaß beim Lesen auch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Euer Mr. Figgs

PS: Sauft nicht so viel zu Silvester, denn bedenkt, auch auf Aspirin kommen die neunzehn Prozent Märchensteuer. ( grins )

Kapitel 31

Harry und Damion sahen sich den Rest des Tages nur noch selten. Der Brauhaarige wurde von vielen Schülern so mit Fragen bombardiert und war dadurch letztendlich ins Quartier seines Vaters geflüchtet. Harry erzählte unterdes Hermine und Ron, was im Unterricht bei Styls geschehen war und die Reaktionen seiner beiden Freunde waren sehr unterschiedlich.

Ron meinte, dass die Malfoys vielleicht was mit dem Tod von Damions Mutter zu tun hatten. Ihm kam die Sache mit Bus, von dem er immer noch nicht so recht wusste, was das eigentlich ist, schon komisch vor. Hermine hingegen wusste nicht so recht, was dies bedeuten konnte. Sie sah Harry nachdenklich an und fragte, ob ihm, als Damion ihn nach Malfoy gefragt hat, irgendetwas aufgefallen war.

Harry überlegte und stellte sich alles noch mal im Geiste vor. Wie war das doch gleich? Er sah den Irrwicht und danach die Szene, wo sie den Raum verließen. Schließlich kam die Frage von Styls Sohn und Harry konnte in den goldenen Augen und dem sie umgebenden Gesicht nichts weiter feststellen, als große Verwirrung. Damion schien wirklich nicht zu wissen wer die Person war, die der Gestaltwandler angenommen hatte.

Etwas ratlos saßen die drei Gryffindors im Gemeinschaftsraum und überlegten, wie sie sich Damion gegenüber verhalten sollten. Sie kamen dabei erst einmal zu dem Schluss, dass sie Damion nicht als Bedrohung ansahen. Vielleicht gab es ja eine plausible Erklärung.

Schließlich verabschiedete sich Ron aus ihrer Runde, denn Parvati war gekommen. Harry und Hermine saßen dadurch nun allein im Gemeinschaftsraum und Harry wurde neugierig zu einem ganz anderen Thema befragt. Hermine wollte wissen, ob Harry etwas über die Rüstungen erfahren hatte.

Leider hatte Harry nicht wirklich was finden können und so sah er etwas niedergeschlagen in Hermines rehbraune Augen. Die Gryffindor bemerkte dies und schaute zurück. Daraufhin machte Harry ein ertapptes Gesicht und war im nächsten Moment heilfroh, dass sich das Portrait der fetten Dame bewegte und jemand herein kam. Es war Blaise Zabini, der immer noch leicht unsicher durch den Gemeinschaftsraum schritt. Er kam schließlich an Harrys Platz heran und fragte, ob Harry wüsste, wo Damion steckte.

„Warum willst du das wissen Zabini?" Fragte Harry leicht schroff, da er seinem Freund eigentlich versprochen hatte, niemandem zu verraten, wo er war. Durch Harrys Art und Weise schien beim ehemaligen Slytherin eine Art Schalter umgelegt worden zu sein, denn aus der eben noch deutlich sichtbaren Unsicherheit wurde binnen Sekunden die typische Slytherinarroganz.

„Das geht dich nichts an Potter", blaffte Zabini zurück und Harry sprang auf. Glücklicherweise gab es da ja noch Hermine, die sich plötzlich zwischen die zwei Streithähne stellte und beide zu einem vernünftigen Benehmen anhielt. Überraschenderweise hörten beide Jungen auf die Gryffindor und aus Zabinis Mund hört man wieder um einiges ruhiger, dass er Damion sehen wollte, um sich zu bedanken. Schließlich habe ihm der Gryffindor das Leben gerettet und bisher hatte sich noch keine Gelegenheit ergeben, dass Beide mal ein Wörtchen wechseln konnten.

Harry wog die Worte des schwarzhaarigen Jungen ab und sah ein, dass er wohl überreagiert hatte. Mit weitaus freundlicherem Ton verriet er, wo man Damion finden konnte und Zabini tat etwas, dass Harry nie geglaubt hatte, bei einem Slytherin jemals zu erleben. Er bedankte sich und verließ danach rasch wieder den Gemeinschaftsraum. Harry und Hermine schauten sich an, grinsten kurz und verfielen dann wieder in belanglose Gespräche.

Die Jagd auf Damion ließ glücklicherweise sehr schnell nach, auch wenn vereinzelt immer noch Schüler dies oder jenes von ihm wissen wollten, doch der Gryffindor hörte die Fragen kaum noch, galt es doch etwas Wichtigeres zutun. Schließlich stand das erste Hogsmeadewochenende vor der Tür und es mussten allerlei Pläne geschmiedet werden, was man im Zaubererdorf denn so alles machen wollte.

Der Samstag war aber noch zwei Tage hin und somit galt es nebenbei noch zwei volle Unterrichtstage zu überstehen. Harry und seine Freunde ließen sich am Donnerstagmorgen gerade das Frühstück schmecken, als ein sehr ungewöhnlicher, bunter Vogel in die Halle geflogen kam. Harry glaubte, so ein Tier schon einmal gesehen zu haben, denn wenn er sich recht erinnerte, hatte ihm Sirius, als er sich im Süden versteckte, auch mal so einen Exoten als Briefzusteller geschickt.

Die gesamten Schülerköpfe verfolgten die Flugbahn des sonderbaren Gastes und ein lautes, neugieriges Getuschel erklang, als der Vogel schließlich mit seinem Päckchen vor Damion landete. Der Gryffindor lächelt vergnügt und warf dem Tier eine Scheibe Toast hin. Dann erlöste er es von seiner Last und besah sich seine Post genauer. Damion suchte nach dem Absender, doch es schien keinen zu geben. Harry überlegte schon, ob es wirklich ratsam war, das Päckchen zu öffnen, wenn man nicht wusste, von wem es stammte. Damion schien seine Sorge jedoch nicht zu teilen und riss das Papier auf.

Zum Vorschein kam ein grüner Karton und als dieser seines Deckels entledigt wurde, erkannten alle die etwas näher saßen einen Brief, zwei zitronenähnliche Früchte, ein Gläschen mit etwas weißem, kristallinem und eine kleine Flasche mit einem komischen roten Verschluss und klarer Flüssigkeit. Damion grinste, als er die Dinge sah und nickte seinem Vater, der scheinbar ähnlich besorgt war wie Harry, entwarnend zu. Dann riss er den Brief auf und las ihn ohne auf die fragenden Blicke der Gryffindors zu reagieren.

Das Ganze dauerte gute fünf Minuten, denn es waren gut vier voll beschriebene Pergamente. Harry beobachtete Damion genau und konnte sehen, dass sich sein Gesichtsausdruck sehr oft änderte. Einmal schlich sich ein Lächeln ins Gesicht des Gryffindors und dann schien ihn wieder etwas zu bedrücken. Harry wurde aber durch Ginny in seinen Beobachtungen unterbrochen, denn sie sagte erklärend. „Also, wer immer unserem Mr.- mich –kann- gar nichts- erschrecken schreibt, ist weiblich. Es ist so offensichtlich, dass die betreffende Person einen sehr ungewöhnlichen Parfumgeschmack hat."

Harry sah Rons Schwester mit großen Augen an und versuchte etwas zu riechen. Doch alles was seine Nase auffing, war der Duft dieser zitronenähnlichen Früchte. Allerdings hörte Damion kurz mit dem lesen auf und sah direkt in Ginnys Gesicht.

„Weasley, das geht dich überhaupt nichts an."

Harry bemerkte, dass diese Worte Ginny ein wenig vor den Kopf stießen, doch irgendwie hatte Damion diesmal Recht. Harry schaute zu ihm hinüber und hörte dann, wie Hermine, die wohl den Duft ebenfalls wahrgenommen hatte, Damion fragte, was sie denn schrieb. Harry konnte es nicht fassen, dass seine beste Freundin Damion einfach so auf diese weibliche Person hin ansprach. Styls Sohn hob den Kopf und schaute Hermine direkt ins Gesicht.

„Sie schreibt, dass es ihr gut geht und dass sie zurzeit eine Menge Spaß hat. Und SIE hat auch einen Namen, nämlich Eve. Sie ist meine Freundin..."

„Deine Freundin?", fragten mehrere Gryffindors ungläubig und auch Harry sah Damion mit großen Augen an.

„Ähm ja. Ich meine, habt ihr niemanden dort, wo ihr normalerweise wohnt? Sie ist eine Freundin in Australien. Schon vergessen? Ich habe dort gelebt."

Damion grinste übers ganze Gesicht und sah in die Runde. Sein Blick blieb dabei auf Ginny liegen und die Gryffindor schien zu überlegen. Dann aber bemerkte sie den Blick des Braunhaarigen und sagte mit leicht abfälliger Stimme, „Und was schreibt sie so? Womit hat sie denn so ihren Spaß?"

Ein jeder verstand, wie diese Frage gemeint war und Harry fragte sich einmal mehr, was nur mit Rons Schwester los war. Allerdings schien ihn die Antwort von Damion auch zu interessieren und somit wandte er sich wieder dem Gryffindor zu. Dessen Gesicht hatte sich jedoch in der Zwischenzeit leicht ins nachdenklich-traurige gewandelt und er sagte lediglich mit leiser Stimme, „Sie schreibt, dass die Frühjahrsstürme derzeit sehr heftig sind und sie mich deshalb bedauert und vermisst."

„Die Frühjahrsstürme? Wie soll ich das denn verstehen?" Erwiderte Ginny und sah Damion forschend an. Der Gryffindor jedoch schaute nur immer unglücklicher und alles was er Ginny noch antwortet war, dass sie das nicht verstehen würde. Danach packte er seine Sachen zusammen und verließ den Tisch. Die Gryffindors sahen ihm nach und bedachten im nächsten Moment Ginny mit einer Mischung aus Unverständnis und Ärger. Ginny hingegen schien sich keiner Schuld bewusst und machte sich auf den Weg zum Unterricht.

Wenn Harry nun gedacht hatte, dass der Brief, den Damion vor zwei Tagen bekommen hatte, die Stimmung des Gryffindors zum Tiefpunkt gebracht hatte, so wurde er heute eines Besseren belehrt. Und dass, obwohl man Damion, außer vielleicht zum Essen und den Unterrichtsstunden, nur noch am Fenster sitzen und auf den See starren sah.

Es war kurz nach Ende des Frühstücks und jeder Schüler kannte nur noch ein Thema. Gut, nicht jeder, denn was die ersten und zweiten Klassen betraf, so durften diese ja noch nicht ins Zaubererdorf. Die allgemeine Aufregung wurde allerdings kurz unterbrochen, als eine große Eule durch den Saal flog und vor der Direktorin landete. Professor McGonagall befreite das Tier rasch von seiner Last und las den Brief mit aufmerksamen Augen durch. Danach reichte sie ihn an Professor Styls weiter, erhob sich und begann eine kleine Ansprache.

Im Endeffekt wünschte die Direktorin allen Schülern ein angenehmes Wochenende, bat aber gleichzeitig Harry und Damion noch kurz zurück zu bleiben. Der Rest der Schüler applaudierte und die Halle leerte sich rasch. Zurück blieben lediglich einige Gryffindors. Namentlich waren dies sowohl Harry, Damion und Hermine, als auch Ron, Parvati und Neville. Sie alle sechs schauten zum Lehrertisch und Harry bekam ein ungutes Gefühl, als mehrere der Lehrer, angeführt von Professor McGonagall, auf sie zuschritten. Die Direktorin machte ein leicht betrübtes Gesicht und sagte mit mitleidiger Stimme.

„Harry, ich habe gerade eine Mitteilung von einem unserer Leute im Ministerium erhalten, wonach unser lieber Minister der Meinung ist, dass es ihm leichter fällt, dich in die Hände zu bekommen, wenn du nicht im Schloss, sondern in Hogsmeade bist."

„Was? Ist der denn völlig übergeschna... Verzeihung Professor", fuhr Harry auf und sah die alte Hexe entgeistert an.

„Ganz deiner Meinung Harry", erwiderte Professor McGonagall überraschenderweise mit einem Lächeln. „Doch du kannst dir sicher auch vorstellen, was dies für dich bedeutet?"

Harry war im nächsten Moment nur zu klar, was gemeint war und dies steigerte seine Wut auf Scrimgeour noch um Einiges. Er hatte sich so sehr auf Hogsmeade gefreut und nun durfte er nicht hin. Mit gesenktem Kopf nickte Harry und schaute dann kurz zu seinen Freunden. Fast in jedem Gesicht erkannte er Mitleid und bei Ron und Hermine sah es sogar aus, als würden sie angestrengt darüber nachdenken, auch im Schloss zu bleiben. Bevor Harry aber sagen konnte, dass die Zwei nicht mal daran denken sollten, hörte er Damion fragen, warum er noch zurück bleiben sollte.

Hier war es nun Professor Styls, der das Wort übernahm. Er sah seinen Sohn direkt ins Gesicht und sagte,

„Nun Damion, Harry ist nicht der einzige hier, den der Minister will. Scheinbar hat Mr. Greenstone sehr gute Beziehungen und beim Verhör angegeben, dass du ihn zwingen wolltest, sich selbst zu vergiften."

„Was?", fragten mehrere Personen und es waren nicht nur Schüler unter ihnen. Styls hielt seinem Sohn den Brief hin und sprach weiter.

„Aus diesem Grund, Damion, wirst auch du das Schloss in den nächsten Tagen nicht verlassen."

„Das kannst du nicht machen, Dad." Erwiderte der Gryffindor entsetzt und sah Hilfe suchend in die Runde. Allerdings konnte keiner so recht etwas darauf antworten und es war die Direktorin, die versuchte es Damion verständlich zu machen.

„Verstehen sie doch bitte, Mr. McKenzie. Es ist zu ihrer eigenen Sicherheit." Sagte Professor McGonagall in ruhigem Ton, doch plötzlich war es so, als hätte man bei Damion einen Schalter umgelegt. Er sah nun auch die Direktorin mit funkelnden Augen an und sein Ton wurde härter.

„Meine Sicherheit? Das ich nicht lache. Sie wollen mich einsperren, genau wie mein Vater. Hat er sie endlich soweit?"

„Bitte?", kam es überrascht aus dem Mund der Direktorin und auch Harry war geschockt über Damions Worte. Einzig Professor Styls ermahnte seinen Sohn, zu überlegen, mit wem er hier sprach. Dies schien aber nur Öl ins Feuer zu sein. Damion trat einige Schritte zurück und sah leicht wütend in die Runde. „Und was ist mit euch, habt ihr auch noch ein paar Ketten, die ihr mir anlegen wollte?"

„Damion, das reicht", fuhr ihn sein Vater an, doch diesmal wich der Gryffindor nicht wie auf dem Quidditchfeld zurück, sondern schrie den Professor vor den Augen aller an. „Ja es reicht Dad. Es reicht mir schon lange. Ich habe es satt, dein Gefangener zu sein."

In Damions wütende Stimme mischte sich nun auch leise Trauer und Verzweiflung. Harry wurde diese Sache immer verwirrender und er sah zwischen Damion und seinem Vater hin und her. Natürlich hatte er die Spannungen zwischen den beiden bemerkt, doch worum es dabei ging, dass hatte Harry bisher nicht erfahren. Allerdings schien es ihm da nicht allein so zu gehen, denn Professor McGonagall, wenn auch ein wenig über das Verhalten ihres Schülers empört, fragte Damion, wie er dies meinte. Dem Gryffindor liefen nun sogar Tränen übers Gesicht und mit etwas leiserer Stimme sagte er, „Wissen sie Professor. Es gibt Gefängnisse aus kaltem Stein und Gittern und es gibt welche, die brauchen keine Mauern."

„Damion...", versuchte Styls zu sagen, doch der Junge würgte ich ab. „Nein Dad, du scheinst es nicht zu verstehen. Ich brauche meine Freiheit. Etwas, das du mir seit meinem Unfall verwehrst. Alles was ich tun will, was mir einen Sinn im Leben gibt, was mir die Kraft zur Heilung gibt, all das unterbindest du irgendwie. Ich darf kein Quidditch mehr spielen... weil du es für zu gefährlich hältst. Meinen Zauberstab... hast... hast du teilweise geblockt, damit ich mich nicht verbrennen kann. Wusstest du, dass ich deshalb angefangen habe zu lernen, ohne ihn auszukommen..."

Harry sah geschockt auf Vater und Sohn. Was war nur zwischen den beiden los. Dann ging sein Blick zu Hermine und Ron, doch den Zweien schien es nicht anders zu ergehen. Hier taten sich Dinge auf, die sie nie für möglich gehalten hatten. Es war schließlich Professor McGonagall, die ihren Kollegen ungläubig ansah und leise fragte, „Stimmt das Steph? Hast du seinen Stab geblockt?"

Stephano Styls sah die alte Hexe an und sein Gesicht wurde nachdenklich. Dann nickte er und mit leiser, schuldiger Stimme sagte er. „Ja, habe ich. Ich wollte doch nicht, dass es sich verletzt. Er ist doch alles, was mir noch geblieben ist. Und die Erinnerung daran, dass ich ihn fast verloren hätte... Ich... ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn ihm was geschieht. Ich liebe ihn doch so sehr..."

Nun hatten sich auch bei Professor Styls Tränen gebildet und Harry, der sich kurz mal in die Halle gedreht hatte, war heilfroh, dass es nur ein paar Personen waren, die dies hier alles mitbekamen. Damion allerdings schien noch eine Weile zu brauchen, um seinen Vater zu verstehen. Er sah ihn nur an und sagte, „Ich liebe dich ja auch, Dad. Doch das, was du machst, tut mir weh. Ich weiß, dass ich schwer verletzt, ja fast tot war. Ich weiß auch, dass du jede Nacht an meinem Bett gewacht hast. Doch du kannst mich nicht ewig vor allem beschützen. Es sind mein Leben und meine Erfahrungen. Es... es sind meine Fehler und blauen Flecken, die ich sammle. Du weißt, ich bin dir nicht wirklich böse weil ich nicht mehr auf den Besen darf. Aber... aber hast du gelesen, was Eve geschrieben hat? Hast du gelesen, was dort unten gerade los ist? Oder hast du den See da draußen gesehen? Dad, das ist es, was mir fehlt. Das Gefühl der Freiheit, die Gischt unter meinen Füßen zu spüren..."

Die letzten Worte schienen jedoch nur eine Person hier im Raum zu verstehen. Und es war genau die Person, der plötzlich eine riesige Erkenntnis ins Gesicht geschrieben stand. Professor Styls wurde immer blasser und sank sogar auf seine Knie. Und dies war ein Anblick, den Harry nicht wirklich gebrauchen konnte. Immerhin war dies hier sein Lehrer und bisher hatte er geglaubt, nichts könnte diesen Mann erschüttern. Doch ihn nun hier so zu sehen, brach sogar Harry ein wenig das Herz. Er schaute zu Damion und war gespannt auf dessen Reaktion.

Der Gryffindor jedoch schien nicht so recht zu wissen, was er tun sollte. Seinen Vater zu umarmen, nachzugeben und ihm aufzuhelfen oer stur zu bleiben und für seine Wünsche einzustehen. Es dauerte auch noch einige Sekunden, doch dann fiel Damion seinem Vater um den Hals und den beiden liefen die Tränen übers Gesicht.

Harry und seine Freunde standen, zusammen mit den Lehrern da und wusste nicht so recht, was sie sagen sollten. Und auch die Direktorin schien krampfhaft zu überlegen, ob sie Damion für seine Entgleisung noch bestrafen sollte, doch sie wurde vorerst von Styls Stimme abgelenkt und sah ihren Kollegen verwirrt an. Damions Vater war nämlich aufgestanden und hatte seinen Sohn ebenfalls hoch gezogen. Sie schauten sich beide tief in die Augen und der Ältere sagte plötzlich, „Damion, ich glaube, ich habe verstanden. Und auch wenn ich dir nicht erlauben kann, ins Dorf zu gehen, so ist Hogwarts jederzeit für dich offen."

Damion nickte leicht und ließ seinen Vater los. Dann drehte er sich um und ging in Richtung Hallentür. Scheinbar musste er hier raus, musste den Blicken der anderen entfliehen. Harry vermutete, dass er seinen Freund nachher im Schlafsaal, zurück an seinem Lieblingsplatz am Fenster zum See finden würde. Warum es Damion dieser aber so angetan hatte, das verstand Harry leider immer noch nicht wirklich.

Auf dem Weg aus der Halle, rief Professor Styls seinen Sohn aber noch mal kurz zurück und als sich dieser umdrehte, sagte er mit lächelndem Gesicht. „Aber drei Meter ist das Höchste, was ich dir erlaube. Hagrid bringt uns sonst um."

Damions Gesicht wurde auf diesen Satz hin voller Unglauben und er sah seinen Vater mit riesigen goldenen Augen an. Als ihm Styls dann zunickte und bedeutete, dass er richtig gehört hatte, drehte sich der Gryffindor blitzschnell um, sagte überglücklich danke und rannte aus der Halle. Das letzte Zeichen dafür, dass Damion gerade noch hier in der Großen Halle gestanden hatte war das Geräusch der zuschlagenden Türflügel. Kaum war dieses verklungen wurde Professor Styls, allen voran von Harry, mit der Frage bombardiert, was der letzte Satz zu bedeuten hätte. Stephano Styls grinste aber nur und meinte zu Harry und seinen Freunden, da müssten sie schon zum See hinunter gehen.

Dies ließen sich Harry und Hermine nicht zweimal sagen. Sie drehten sich um und wollte schon losrennen, als sie von Ron zurück gehalten wurden. Harry sah seinen Freund an und ihm fiel im nächsten Moment wieder ein, dass dieser ja eigentlich mit Parvati nach Hogsmeade gehen wollte.

„Nun geht schon", rief Harry seinem Freund zu. „Ich werde euch sagen, was mit Damion los ist. Doch bringt mir aus dem Honigtopf was Leckeres mit, verstanden?"

Ron und Parvati nickten eifrig mit den Köpfen und sahen dann nur noch, wie Harry und Hermine Damion aus der Halle folgten. Die Beiden rannten geradewegs in Richtung des Sees und stoppten erst kurz vor dessen Ufer. Allerdings mussten sie überrascht feststellen, dass von Damion keine Spur zu sehen war. Die Gryffindors schauten sich unsicher an und dann in Richtung Schloss.

Dort bemerkte Harry eine Person, die gerade durch das Hauptportal gerannt kam. Bei näherer Betrachtung konnte man Damion erkennen und dass er etwas in seinen Händen hielt. Harry vermutete, dass sein Freund dies erst aus dem Gryffindorturm geholt hatte und sie ihn dadurch überholt hatten.

„Was hat er da in der Hand?" Fragte Hermine, die den Braunhaarigen ebenfalls erkannt hatte. Harry konnte ihr aber nur antworten, dass er keine Ahnung hatte. Es dauerte auch noch gute zwei Minuten bis Damion so nahe gekommen war, dass Harry überrascht aufstöhnte, denn er erkannte jetzt nicht nur das kleine bunte Holzbrett, welches er in Damions Koffer gesehen hatte. Nein er bemerkte auch, dass Damion etwas an seiner Kleidung verändert hatte. Der Gryffindor trug jetzt nicht mehr seinen langen Zaubererumhang, sondern irgendetwas eng anliegendes. Es sah aus wie eine knielange Hose und auch die Ärmel des Shirts endeten kurz über den Ellenbogen.

Damion schien Harry und Hermine nicht zu bemerken, oder doch erst sehr spät. Na jedenfalls kam er erst kurz vor dem Wasser in ihre Richtung gelaufen. Allerdings war sein Blick auf den See gerichtet und er schien ihn mit seinen goldenen Augen zu begutachten. Dann galt sein Blick Harry und Hermine. Er winkte den Beiden kurz zu und begann danach seine Schuhe auszuziehen.

„Harry, was hat Damion vor?" Fragte Hermine und ließ keinen Blick von Styls Sohn. Harry hatte aber nun einen leisen Verdacht, für was das Holzbrett gut sein konnte. Vielleicht war es ja eine Schwimmhilfe. Denn auf den maximal dreißig Zentimetern konnte der Gryffindor auf keinem Fall stehen.

Dann war es soweit und Damion rannte schnurstracks in Richtung Wasser. Er sprang, mit dem Brett auf seinen Rücken geschnallt in die leichten Wellen und paddelte, nachdem sein Kopf erst gut zwanzig Meter weiter draußen wieder aufgetaucht war, immer weiter in Richtung Seemitte. Harry fror schon beim Gedanken daran, sich jetzt, da der Sommer längst seinen Abschied eingereicht hatte, im See zu tummeln. Hermine schien es da ähnlich zu gehen, doch sah man ihr das leichte Frösteln nicht sofort an. Viel zu gespannt darauf, was Damion vorhatte, blickte sie dem schwimmenden Jungen hinterher.

Als dieser schließlich gute dreihundert Meter weit draußen war, stoppten seine Schwimmbewegungen und die Wellen trugen einen lauten Schrei, der sehr nach einem „Engorgio" klang zum Ufer herüber. Harry und Hermine klappte der Mund auf, denn soweit sie es von ihrer Position aus erkennen konnten, wuchs das bunte Holzbrett um ein Vielfaches und Damion kletterte mit einer sehr geschmeidigen Bewegung darauf. Dann stellte er sich hin und begann etwas zu machen, was vom Ufer her aussah, wie Gleichgewichtsübungen.

Harrys Verdacht von vor ein paar Minuten erhärtete sich langsam. Doch ihn Hermine mitzuteilen, dafür war jetzt keine Zeit mehr, denn Damion stand nun still und so wie es über die Distanz zwischen ihm und Harry aussah, begann seine rechte Hand zu leuchten. Drei Sekunden später war Damion vor ihren Augen in den aufkommenden Wogen verschwunden. Hermine stöhnte überrascht auf und griff nach Harrys Hand, doch das bekam der Gryffindor nicht wirklich mit, denn seine Gedanken betrafen einzig und allein den Verbleib seines Freundes.

Damion tauchte aber schon im nächsten Moment wieder auf, doch die Art und Weise ließ nun auch Harry einen Laut der Überraschung hervorbringen. Damion stand zwar immer noch auf seinem Brett, doch wurde dieses durch eine gewaltige Wassersäule empor gehoben. Das Wasser um den Gryffindor herum schien förmlich zu pulsieren und stieg in die Höhe. Und während sich den beiden Beobachtern am Ufer dieses Schauspiel bot, bemerkte keiner von Beiden, wie sich die auslaufenden Wellen vor ihren Füßen immer weiter zurück zogen.

Erst als der Wasserspiegel soweit entschwunden war, dass man die runden Steine, über welche die Hogwartsschüler im Sommer geradeso drüberschwammen, ganz deutlich auf dem Trockenen erkennen konnte, stieß Hermine einen kurzen spitzen Schrei aus. Das war dann auch der Moment, wo die Wassersäule ihren scheinbaren Höhepunkt erreicht hatte und Damion mit dem, was er gerade machte, aufhörte.

Harry war nun gespannt was geschehen würde und presste seinen Augen leicht zusammen, um besser sehen zu können. Das Leuchten an Damions Hand verlosch und kaum war dies geschehen, fiel die Säule in sich zusammen. Dabei entstanden aber einige sehr große Wellen und das Nächste was man hörte, war Damion, der sich die Seele aus dem Leib schrie und mit seinem Brett über eben diese Wellen sauste.

Das war es also, was der Gryffindor so sehr vermisst hatte und auf einmal machten auch all die Sätze des Braunhaarigen einen Sinn. Natürlich hatte Harry schon mal im Fernsehen Berichte über diese fanatischen Muggelsurfer in Florida oder Australien gesehen. Doch dass er mal einem gegenüberstand, damit hatte er nicht gerechnet. Ebenso wenig damit, dass ein Zauberer an so etwas Interesse haben könnte.

Doch bei Damion war es nun offensichtlich und immer waghalsiger wurden die Sprünge und Überschläge des Jungen. Allerdings merkten Harry und Hermine auch sehr schnell, dass das Board, welches unter Damions Füßen die so vermisste Gischt produzierte, auch zu einem Teil magisch sein musste. Viel zu ungewöhnlich hoch und lang flog der Gryffindor manchmal, bis er schließlich mit einer riesigen Wasserfontäne, die Harry nur mit einem gezielten „Protego" abhielt ihm und Hermine ein Vollbad zu verpassen, zum Stehen kam.

Damion grinste übers ganze Gesicht, als er die letzten Schritte aus dem Wasser ging. Harry sah ihn mit großen Augen an und konnte das Glück, welches der Junge versprühte, regelrecht fühlen. Es musste Damion in diesem Moment genauso gehen wie Harry, wenn er auf seinem Besen saß.

Hermine hingegen begann ihren Mitschüler mit Fragen zu bombardieren und Damion musste abwehrend die Hände heben. Er meinte, Hermine solle langsam machen, er würde ihr schon alles erzählen, doch dies müsse warten. Erst wollte Damion noch so viele Durchgänge wie möglich machen und die Zeit nutzen. Hermine verzog daraufhin leicht das Gesicht, sah es aber im nächsten Moment ein.

Damion pausierte etwa zehn Minuten und schwamm danach erneut auf den See hinaus. Harry und Hermine beobachteten ihn noch ein zwei Male und beschlossen dann, ins Schloss zu gehen, denn erstens wurde es ihnen ein wenig frisch und dann stand das Mittagessen an. Der einzige, den dies aber überhaupt nicht interessierte, das war Damion. Er würde bestimmt erst zur Dämmerung vom See und von seinem Surfbrett ablassen.

Harry war ein wenig traurig, dass er nicht mit nach Hogsmeade gehen konnte, denn es war ja schließlich ihr letztes Jahr hier in Hogwarts. Und da scheinbar wirklich jeder diese Chance noch mal zu nutzen schien, waren Harry und Hermine auch die beiden ältesten Schüler zum Mittagessen in der Großen Halle.

Es kam Harry daher auch ein wenig komisch vor und so beeilte er sich mit seinem Eintopf. Danach verabschiedete sich der Gryffindor von Hermine und beeilte sich, seinen Besen zu holen, denn dass er nicht ins Dorf durfte hieß ja nicht, das Quidditchfeld nicht zu nutzen. Harry brauchte einfach ein paar Minuten, um einen klaren Kopf zu bekommen. Hermine sah ihrem besten Freund hinterher, entschied sich aber dann, in die Bibliothek zu gehen.

Lange war sie dort aber nicht allein, denn schon kurz vor dem Mittagessen hatten sich dunkle Regenwolken angekündigt und so kam es, dass Harry ihr bald Gesellschaft leistete. Allerdings setzte sich der Gryffindor nur auf eines der bequemen Lesesofas und blätterte etwas in einem der Bücher aus der verbotenen Abteilung. So richtig konzentrieren konnte sich Harry jedoch nicht, denn sein Blick ging immer öfter zu Hermine herüber.

Mit einem amüsierten Lächeln stellte er fest, dass sich seine beste Freundin wieder einmal in ihre Arbeit vertieft hatte und nachdenklich auf ihrem Bleistift herumkaute. Allerdings begannen Harrys Gedanken beim beobachten zu kreisen und verschiedene Erinnerungen kamen nacheinander hoch. Sie alle hatten irgendwie mit Hermine zutun und Harry fragte sich langsam, wieso dies immer so war. ‚Mensch Potter, sie ist deine beste Freundin'. Sagte eine Stimme in Harrys Kopf, doch gleich darauf meldete sich eine andere und fragte leise, ‚Ist das denn so'?

Harrys Blick ging zu Hermine hinüber und folgte dort den Linien ihrer Silhouette. Das einst so kleine Mädchen mit dem buschigen Haar hatte wirklich an Schönheit zugelegt und Harry kam plötzlich der Gedanke in den Sinn, wie es denn wäre, sie in den Armen zu halten. Im nächsten Moment versuchte Harry diese Ausschweifung seines Geistes jedoch zu stoppen. Dabei achtete er aber nicht auf seine Umwelt und sagte aber laut, und vor allem für Hermine gut hörbar,

„Warum ?"

Hermine schaute Harry verwirrt an und fragte erstaunt „Was? Warum?"

Harry sah ihr in die Augen, wurde etwas unsicher und mit leiser Stimme fragte er,

„Warum tust du das, Hermine?"

Überrascht schaute sich Hermine in der Bibliothek um und antwortete, „Na weil wir den Aufsatz schon am Dienstag abgeben müssen. Vielleicht solltest du dich auch langsam hin..."

„Nein Hermine, das meine ich doch gar nicht." Unterbrach sie Harry. Sein Gesicht wurde nun leicht rot und er hätte so viele Möglichkeiten gehabt, etwas anderes zu antworten, doch es brach einfach aus ihm heraus.

„Ich meine, warum tust du das alles für mich? Du bist heute hier mit mir im Schloss geblieben. Du hast letzten Sommer auf den Urlaub mit deinen Eltern verzichtet, um mir zu helfen. Ich frage mich, warum du das alles tust? Nicht mal Ron und Ginny sind soweit gegangen."

Harry sah mit einem mehr als nur fragenden Gesicht Hermine an und versuchte eine Regung bei ihr zu erkennen, doch da war vorerst nichts. Hermine legte lediglich, wenngleich ebenfalls rot werdend, ihr Buch sorgfältig auf den Tisch und stand auf. Was Harry allerdings nicht sah oder spürte war der Kampf, welcher tief im Innersten des Mädchens zwischen ihrem Herzen und ihrem Verstand tobte. Einzig das Ergebnis sollte der Gryffindor nach unendlichen Augenblicken der Stille erfahren, denn Hermine bekam plötzlich einen sehr entschlossenen Gesichtsausdruck, der Harry sagte, dass er wohl etwas in Gang gesetzt hatte, vor dem er sich auf der anderen Seite irgendwie fürchtete. Sie kam ganz nah an Harry heran und sagte leise „deshalb".

Die nächsten Sekunden schienen für Harry eine Ewigkeit zu sein und wie durch einen Nebel nahm er war, wie sich Hermines Lippen auf seine zu bewegten und diese zaghaft und ein wenig unbeholfen küssten. Harry war wie erstarrt und seine Gedanken begannen zu rasen. ‚Was macht sie da'? Fragte jede einzelne Gehirnwindung. ‚Sie ist doch deine beste Freundin'. Harry konnte nicht glauben, was hier geschah. Doch dann war es, als würde man Harry einen Schleier vom Gesicht nehmen. Plötzlich machten all die komischen Gefühle der letzten Zeit einen Sinn. Harry Potter hatte sich in Hermine Granger verliebt. Deshalb erwiderte Harry den Kuss ebenfalls zaghaft, denn wenn man mal ehrlich war, so hatte er bis auf die paar Küsse, die es zwischen ihm und Ginny gegeben hatte, auch nicht so viel Erfahrung damit. Dann legten sich Harrys Arme wie von selbst um Hermines Hüfte und zogen sie ganz nah an ihn heran. Harrys Gedanken begannen zu rasen und das fast so schnell, wie Hermine anfing zu zittern. Beide schlossen ihre Augen und der Kuss wurde immer intensiver. Schließlich war das Gefühl welches Harry in seiner Brust spürte so stark, dass er sich sicher war, dass wenn es ein Gegenstück zu Cruciatusfluch gäbe, es sich so anfühlen müsste.

Sämtliche Fasern seines Körpers schienen zu brennen, doch keine tat ihm wirklich weh. Nein, Harry wollte mehr von diesem unbeschreiblichen Gefühl. Langsam wanderten seine Hände Hermines Rücken hinauf, damit er sie noch fester halten konnte. Dann öffneten beide ihre Augen wieder und sie strahlten vor Glück.

Doch wie es mit selbigem nun mal ist, hält es nicht ewig. Harry wollte sich gerade wieder vor beugen, um Hermine erneut zu küssen und um ihr zu sagen, wie sehr er sie mochte, ja liebte, da verwandelte sich das Gesicht der Gryffindor. Ihre sonst so rehbraunen wunderschönen Augen wurden plötzlich scharlachrot und das Gesicht wurde schlangengleich. Dann begann sich alles zu drehen und der Raum um ihn herum verwandelte sich. Harry erschrak, denn vor ihm stand nun sein größter Feind... Voldemord. Seine Fratze sprang Harry mit ihrem kalten Lachen ins Gesicht und als Harry sich abwenden wollte, fiel sein Blick nach unten und sein Gesicht erstarrte. Voldemord hatte seinen rechten Fuß auf Hermines leblosen Körper gestellt.

„Du hast sie getötet, Potter", rief der dunkle Lord und sein Lachen wurde immer lauter.

„NEIN... ", schrie Harry und wurde in die Realität zurück gerissen. Sein Blick traf auf den entsetzten von Hermine und im nächsten Moment fielen all seine glücklichen Gedanken in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Es durfte nicht sein, durchzuckte es Harrys Kopf. Er stieß Hermine von sich und floh aus der Bibliothek. Dabei rannte er sogar zwei Erstklässler um, doch das war ihm egal. Er musste hier weg, musste hier raus. Zurück blieb nur ein geschocktes Mädchen, für das wohl im selben Augenblick ebenfalls eine Welt zusammenbrach. Hermine sank zitternd auf ihre Knie und begann bitterlich zu weinen. Tief im Innersten wusste sie, sie hatte mit ihrem Kuss, der ihr doch so viel bedeutet hatte auch das wichtigste was sie auf der Welt besaß zerstört.

Gehetzt vom Bild der toten Hermine, dem kalten Lachen Voldemords und dem Schmerz in seiner Brust hastete Harry durch die Gänge des Schlosses. Er wusste, wenn er stehen blieb, würde es sein Herz auch tun. Er schien im Moment alles verloren zu haben, sei es seine Zukunft oder auch der Wille, weiterhin gegen Riddle anzukämpfen. Denn wofür nur sollte er kämpfen? Für eine Liebe die niemals sein könnte?

Unbewusst hatten Harrys Schritte ihn auf den Astronomieturm geführt und kaum dass er aus der Tür war, peitschten ihm auch schon die kalten Regentropfen ins Gesicht. Doch wenn Harry ehrlich war, so störten sie ihn nicht. Ebenso wenig wie die Blitze am Himmel, die das Schloss nun in einem sehr düsteren Licht erstrahlen ließen. Aber irgendwie passte es auch zu seinem Gemüt, dachte Harry plötzlich sarkastisch.

Er trat immer näher an die Brüstung heran und starrte in die Tiefe. Harry sah die kalten Mauern und den Regen, der glänzend über den Fels hinab lief. Schließlich erkannte Harry den Boden, der so weit unter ihm lag und Gedanken, die er bisher noch nie in seinem Geiste zugelassen hatte, breiteten sich wie eine Krankheit aus. Schließlich stellte Harry sich die Frage, ‚Was wäre wenn' und seine Hände lockerten etwas den Griff, der ihn an die Brüstung band.

Bevor Harry aber weiter in seinen depressiven Gedanken versinken konnte, verwandelte sich die Umgebung um ihn herum. Plötzlich war er wieder da, der bunte Strudel und immer schneller schien sich die Welt um den Gryffindor herum zu drehen. Das Nächste was Harry sah war, dass er fiel. Sein Körper raste in die Tiefe, nur um sich im letzten Augenblick abzufangen und wieder an Höhe zu gewinnen. Harry war wieder der Phönix und glitt über die Landschaft hinweg.

Vorbei ging es in rasender Geschwindigkeit an Muggelstädten, Dörfern und Seen. Schließlich erkannte Harry Hogsmeade und wenig später den Verbotenen Wald samt See. Als dann schließlich Hogwarts über der stark aufgewühlten Wasserfläche auftauchte, änderte sich auch das Wetter schlagartig. Nun blitze es auch in Harrys Erinnerung.

Doch war es auch eine solche, denn im nächsten Moment schien es so, als würde der Gryffindor alles aus zwei Blickwinkeln sehen. Auf der einen Seite stand er wieder auf der Brüstung und schaute in die Tiefe und dann war er wieder der Phönix, welcher gegen den Regen ankämpfte und in Richtung Astronomieturm flog. Immer verrückte kam Harry die ganze Sache vor, bis er schließlich vor sich etwas rotgoldenes Aufblitzen sah und erschrocken von der Brüstung zurück wich. Harry schien seinen Augen nicht zu trauen, denn ein lauthals kreischender Phönix schien etwas gegen die Art und Weise wie er am Rand des Abgrundes stand zu haben.

„Fawks?", fragte Harry überrascht. Doch eigentlich wusste Harry es besser. Dieser Phönix konnte nicht Fawks sein, denn der war ja von Snape ermordet worden.

Der rotgoldene Vogel jedoch flatterte immer weiter vor Harry herum, bis dieser mindestens vier Meter Abstand von der Turmbrüstung hatte. Dann begann sein Gefieder zu leuchten und während dies geschah, kam es Harry so vor, als würde er durchdrehen. Seine Sinne spielten verrückte und immer wieder wechselten die Bilder vor seinen Augen. Er sah den Phönix und dann sich selbst, wie er sich mit fassungslosem Gesicht selbst anstarrte. Die ganze Sache wechselte immer schneller, bis sich Harry vor Schmerzen an den Kopf fasste.

Schließlich wurde sein Blick wieder klar und seine Augen immer größer, denn der rotgoldene Vogel begann sich zu verändern. Sein Federkleid nahm überall einen dunkellila Farbton an und lediglich das Kopfgefieder färbte sich schlohweiß. Bevor Harry dies aber alles so richtig begriff, wuchs der Phönix auch noch um fast das Dreifache und zwei Sekunden später stand vor Harry jemand, der den Gryffindor zum Zittern brachte.

„Hallo Harry", sagte eine weiche, gelassene Stimme und der nächste Ton, der zu hören war, war der Aufschlag des ohnmächtig nach hinten umgefallenen Jungen, der lebt...

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