Kapitel 34

Harry wurde schnell auf die Schlagzeile im Propheten gelenkt, da sie vielen Schülern in der Halle ein freudiges Gesicht zauberte. Scheinbar war es dem Ministerium gelungen einige bekannte Todesser zu schnappen und die Straßen ein wenig sicherer zu machen. Allerdings schrieb die Zeitung auch, dass es erneut Verluste durch Werwolfangriffe gab. Dies schockte Harry nur bedingt, denn nachdem er vor einigen Tagen mit Ron ein sehr aufschlussreiches Gespräch geführt hatte, wusste der Gryffindor, dass die Opfer wohl eher zu den Bösen als zu den Guten zu zählen waren. Ron hatte ihm leise und mit ein wenig Stolz verraten, dass sich der Orden, und dies sehr zu Mollys Entsetzen, entschieden hatte, Bill grünes Licht zu geben und somit nutzte der älteste Sohn der Weasleys seine neu erworbenen Fähigkeiten, um effektiv in den Krieg einzugreifen.

Harry las den Bericht rasch zu Ende, beobachtete noch etwas seine Mitschüler und verschwand dann zügig aus der Großen Halle. Er wollte heute, es war ja schließlich Sonntag, erst einmal mit Hermine allein sein, um sich so wirklich richtig mit ihr auszusprechen. Dies war ja nach den gestrigen und heutigen morgendlichen Ereignissen nicht mal annähernd möglich gewesen. Deshalb holten die beiden rasch ihre Umhänge und machten sich dann auf den Weg zum Astronomieturm, wo sich ja auch so einiges in den letzten Stunden zugetragen hatte.

Harry erzählte Hermine zuerst davon, was geschah, nachdem er vor ihr weggelaufen war und von seiner Begegnung mit Dumbledore, Merlin und seinen Eltern. Hermine spürte, als sie Harrys Erzählungen lauschte, förmlich, wie glücklich ihr Freund wurde und wie sehr ihn diese Dinge bewegten. Allerdings wollte Harry danach auch wissen, wie es zu der Wette mit Damion gekommen war und so verbrachten die Zwei fast den halben Tag auf dem Turm. Sie ließen sogar das Mittagessen aus und kamen erst wieder zum Abendmahl in die große Halle.

Dort mussten sie allerdings erleben, und dies gleich nach ihrem Eintreten, dass Ron noch nicht so wirklich erwachsen geworden war. Ihr Freund saß an seinem Platz, drehte sogar Parvati den Rücken zu und schmollte wie ein Kleinkind. Er warf Harry sogar vor, dass er es ihm hätte eher sagen, ihn hätte warnen müssen. Zuerst wusste der Gryffindor, ebenso wie Hermine, nicht einmal, worauf sein Freund hinaus wollte. Doch dann bekam Harry allmählich mit, dass Ron erfahren hatte, wer sich um Ginny nach ihrem Abgang beim Frühstück gekümmert hatte und wie dieses Gespräch endete.

Natürlich hatte sich Ron, wie er nun mal war, sofort auf die Suche nach den Beiden gemacht und Damion zur Rede gestellt. Allerdings unterschätzte der Rothaarige hierbei das Mitspracherecht seiner jüngeren Schwester und durfte ihren vollen Zorn erfahren.

Es dauerte daher auch noch einige Tage, bis der Rothaarige endlich einsah, dass es nicht seine Angelegenheit war, sondern Ginnys und diese wiederum mit ihrem Bruder sprach. Harry nutzte die Zeit, um sie mit Hermine zu verbringen und ließ daher auch das Lernen ein wenig schleifen. Komischerweise schien aber auch Professor Styls Harry eine Auszeit zu gönnen, denn er sagte die Stunden für Okklumentik vorerst ab und meinte, er würde sich melden. Der Gryffindor vermutete jedoch, dass es vielleicht eher mit einem gewissen weißbärtigem Zauberer zutun haben könnte, denn so wie Harry es gehört hatte, war der Lehrer für VgddK nun des Öfteren im Büro der Direktorin und tauschte alte Geschichten mit Dumbledore aus.

Doch wie alles Schöne und Erholsame nun mal ist, es dauert nicht ewig und so kam es, neben den Zusatzstunden bei Styls, auch bei unserem jungen Pärchen zur ersten Unstimmigkeit. Alles fing mit der Tatsache an, dass es zwar den Jungen, mit Ausnahme der Lehrer, unmöglich war in die Mädchenschlafräume zu gehen, andersherum aber nicht. Dies war übrigens auch so eine Sache, bei der sich Harry fragte, wie er es damals geschafft hatte zu Hermine zu gelangen.

Doch war nicht Hermine diejenige, die heute in den Jungenschlafsaal gekommen war, sondern Parvati. Das indische Mädchen kam in den Raum und ging schnurstracks auf Rons Bett zu. Harry lag derweil auf seinem eigenen und las in seinem Zaubertranklehrbuch etwas nach. Er brauchte unbedingt noch ein paar Informationen über Zutaten für einen Trank, den sie zur Zeit behandelten und was noch wichtiger war, er wollte es unbedingt ohne Hermines Hilfe herausfinden.

Harrys Freundin hingegen hatte ihre Hausaufgaben schon erledigt und spielte nun mit Ron eine sehr spannende Runde Zaubererschach. Sie war sogar so interessant, dass Ron sich nicht davon trennen konnte und seine Freundin daher allein in den Jungenschlafraum schickte, damit sie sich ein von ihm geborgtes Buch zurück holen konnte.

So stand Parvati nun bei Harry im Raum und öffnete den Nachttisch ihres Freundes. Harry sah kurz zu ihr herüber und stutzte, als er sah, dass sich das Gesicht des Mädchens, kaum dass sie in das kleine Schränkchen geblickt hatte, verdunkelte. Dann bemerkte der Gryffindor, dass sie etwas heraus nahm und danach weinend aus dem Zimmer rannte.

Harry sprang sofort auf und folgte ihr. Was war denn nur geschehen? Mit dieser Frage stürmte er die schmale Treppe hinab und sah als erstes, wie Parvati nun mit zunehmender Wut und vor allen Anwesenden im Gemeinschaftsraum, Ron die Schachtel Kondome, die Harry ihm zu Schuljahresbeginn ins Schloss geschmuggelt hatte, unter die Nase hielt.

„Erkläre Ron, du Mistkerl", spie sie ihm ins Gesicht. Ron hatte aber erst mal Probleme damit zu verstehen, was seine Freundin von ihm wollte und danach sein immer roter werdendes Gesicht unter Kontrolle zu bringen. Der Rothaarige stand daher erst einmal auf und wollte Parvati die Packung aus der Hand nehmen. Es musst ja nicht jeder bis hin zum Erstklässler sehen, was seine Freundin in den Händen hielt. Parvati stieß ihn aber von sich und fragte den Tränen immer näher weiter, „Warum nur Ron? Ich dachte du liebst mich?"

„Aber Schatz, Pav, das tue ich doch... me... mehr als mein Leben", versuchte sich Ron mit entsetztem Gesicht zu verteidigen und seine Freundin an sich zu ziehen.

„Ach wirklich Ron? Dann sag mir warum? Und sag mir auch, wer es ist? Wer ist die Schlampe, mit der du mich betrügst?"

Nun stöhnten alle im Raum auf und Ron sah so aus, als würden ihm die Augen aus dem Kopf fallen. Dann stammelte er, dass es kein anderes Mädchen gab. Doch dies schien bei Parvati allerdings noch mehr Wut zu schüren und sie warf Ron die Schachtel Kondome an den Kopf.

„Und das soll ich dir allen Ernstes glauben? Dann verrat mir doch, du Mistkerl, warum die halbe Packung schon verbraucht ist?"

Im nächsten Moment konnte man sehen, wie Ron erst kreidebleich wurde und danach seinen Blick senkte. Diese Reaktion schien aber genau die Falsche gewesen zu sein, denn besonders den Mädchen kam sie wie ein Schuldeingeständnis vor. Sie alle bedachten den rothaarigen Jungen, der nun selbst ein paar Tränen der Verzweiflung in den Augen hatte, mit mörderischen Blicken.

Einige Sekunden später schaute Ron aber wieder auf und seine Augen gingen suchend durch den Raum. Doch die Person, der sein Blick galt, die Person, die ihm unter Umständen helfen konnte, war, so wusste es Harry jedoch augenblicklich, nicht anwesend. Daher überlegte der Schwarzhaarige krampfhaft, wie er Ron helfen konnte, denn dass die Beiden sich trennten war das Letzte, was er wollte, und mehr aus der Verzweiflung heraus sagte Harry daher, „Parvati, er ist unschuldig. Das musst du mir glauben."

„Ach und wieso sollte ich das tun, Harry. Ich weiß doch, dass ihr Jungen immer zusammenhaltet." Fauchte Parvati den Schwarzhaarigen an, worauf Harry und auch ein paar Andere im Raum ein wenig zurück wichen. Die nächsten Sekunden schienen für Harry dann eine Ewigkeit zu sein und während ihm Hermine, die eigentlich auch ganz tief in ihrem Herzen auch wusste, dass Ron unschuldig sein musste, noch kurz einen fragenden Blick zuwarf, traf Harry eine Entscheidung und sagte plötzlich, „Weil er es nicht war, der die ganzen Kondome gebraucht hat, sondern ich."

Von einer auf die andere Sekunde war der Gemeinschaftsraum der Gryffindors totenstill und nur das Herunterfallen einer der Schachfiguren war zu hören. Dann brach plötzlich die Hölle los und es geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Ron und Hermine sahen den Schwarzhaarigen fassungslos an. Parvati stand die Erkenntnis ins Gesicht geschrieben, dass sie ein Riesenfehler gemacht hatte und sie versuchte sich sofort bei Ron zu entschuldigen.

Der Rothaarige brauchte aber noch einen Moment und war kurz davor Harry zu wiedersprechen, doch der Gryffindor brachte seinen Freund mit einem scharfen Blick zum Schweigen. Danach sah Harry Ron nicht mehr, da dessen Freundin ihm einen dicken Kuss auf den Mund drückte. Doch es dauerte noch einige Momente, bis Ron diesen erwiderte und Parvati dann in Richtung Ausgang dirigierte. Ohne Zweifel hatten die Zwei was zu besprechen und Harry war gespannt, was dabei raus kam.

Doch dies sollte jetzt nur sein geringstes Problem sein, denn als sich der Gryffindor umdrehte, um den Anderen zu sagen, sie sollten mit ihren Sprüchen aufhören, sah er sich Hermine gegenüber und die sah nicht wirklich glücklich über seine Tat aus. Bevor sie aber etwas dazu sagen konnte, und die anderen Gryffindors noch größere Ohren bekamen, schnappte sich Harry seine Freundin und drängte sie in seinen Schlafraum hoch. Dort angekommen konnte Hermine dann ihren ganzen Fragensturm loslassen.

„Sag mal Harry, bist du irre? Was sollte das da unten? Hast du eine Ahnung, wie wir jetzt dastehen? Mein Gott, ich dachte, wir hätten es geschafft, dass die Gerüchte aufhören?"

„Hermine... ", versuchte Harry zu ihr durchzudringen, doch dies stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht.

„Wieso nur hast du gerade das zu Parvati, und nein, nicht nur zu ihr, sondern auch zu jedem anderen Gryffindor gesagt... "

„Hermine hör doch mal zu...", Harry wurde langsam ungeduldig und versuchte ihr daher das Wort abzuschneiden. „Ron... Ron ist mein Freund und..."

„Und...", schrie Hermine nun, „... das heißt, du musst für ihn Lügen, nur weil er seinen Schwanz nicht unter Kontrolle hat. Also, wirklich Harry, das habe ich nicht von dir erwa..."

Der Lockenkopf brach seine Tirade plötzlich ab, als er sah, dass Harry anfing zu grinsen und sich sein Gesicht dabei immer schmerzhafter verzog. „Sag mal, lachst du über mich, Harry?"

„Nein Hermine", versuchte Harry zu sagen, doch sein Gesicht entsprach dem ganzen Gegenteil. Das Nächste was man dann sah war, wie Hermines Gesicht immer roter wurde und sie kurz darauf wütend aus dem Raum schritt. Und genau in diesem Moment wusste Harry, dass er zu weit gegangen war. Schnell versuchte er seine Erinnerungen, die durch Hermines Worte hochgekommen waren, zu verbannen und rannte ihr nach. Allerdings schaffte er es diesmal nicht, ihr in den Mädchenschlafsaal zu folgen und blieb nunmehr selber frustriert am Fuße der Treppe stehen.

„Fuck", sagte er und schlug mit seiner Faust gegen die Holzvertäfelung. Dann drehte er sich um und warf allen im Raum einen bösen Blick zu, worauf die Anwesenden sich aufgrund der nun gefährlich grün leuchtenden Augen schnell wieder ihren ursprünglichen Arbeiten widmeten. Es war einfach irgendwie alles schief gegangen, erkannte Harry und machte sich daher erst einmal auf den Weg zu seinem Bett, um sich eine Strategie auszudenken, wie er Hermine wieder besänftigen konnte.

Es war kurz vor Sieben als Harry, immer noch nicht so recht wissend, wie er Hermine besänftigen konnte, vor der Großen Halle stand und noch mal tief durchatmete. Dann schritt er in den Raum und in Richtung Gryffindorhaustisch. Dort setzte er sich neben seine Freundin und wollte seinen Arm um sie legen, doch Hermine blockte ab und zeigte ihn die kalte Schulter. Dies versetzte Harry natürlich einen Stich ins Herz und er überlegte, ob er sie vielleicht doch erst einmal eine Nacht darüber schlafen lassen sollte.

Was Harry allerdings nicht mitbekommen hatte war, dass scheinbar die ganze Halle schon wusste, dass sie beide sich etwas gezankt hatten und somit nun alle mit Argusaugen zum Gryffindortisch herüber schauten. Einzig Neville und Luna, die heute mal wieder mit bei ihrem Freund am Tisch saß, schienen nicht ganz so auf dem Laufenden zu sein und sahen mit Neugier und auch ein wenig besorgt zu Harry herüber.

„Was ist denn los Harry? Ist was passiert? Ich meine, scheinbar hat nicht nur Ron heute so seine Probleme mit der holden Weiblichkeit."

Auf diese Bemerkung hin bekam Neville von Hermine einen bösen Blick und von Luna einen Ellenbogen in die Seite. Harry sah seine Mitschüler an und sagte, „Ach, es ist nichts Ernstes Neville, sondern nur eine kleine Unstimmigkeit."

„Eine Unstimmigkeit? Harry du hast über mich gelacht und dies, obwohl ich im Recht war." Fauchte Hermine und hatte nun die vollständige Aufmerksamkeit der Großen Halle. Harry versuchte sie zu beruhigen und bat sie leiser zu sprechen. Doch er sagte auch, dass er nicht über Hermine, sondern über ihre Worte hatte lachen müssen.

Nun schien Neville ganz und gar verwirrt und wollte schon fragen, was Hermine denn gesagt hatte. Doch hier blockte Harry und meinte, dass dies nicht am Essenstisch geklärte werden könnte. Dann schnappte er sich seinen Teller und verließ die Große Halle. Zurück blieben eine Menge fragender Gesichter und Hermine, der langsam wieder Tränen in die Augen schossen.

„Ich glaub es nicht", schluchzte sie und wischte sich kurz über die Augen. Doch als sie von ihren Freundinnen angesprochen wurde, ob sie Hilfe bräuchte, da wehrte Hermine nur ab. Sie wollte lediglich ihre Ruhe und so kam es, dass sich der Haustisch langsam wieder leerte. Als Hermine schließlich ihren Blick wieder ein wenig von der Tischplatte hob, erkannte sie, dass nur noch Luna und Neville geblieben waren und der Gryffindor fragte noch mal, was denn geschehen sei.

Hermine überlegte kurz, schaute sich um, dass auch kein Anderer mit zuhörte und erzählte den Beiden, da sie ja auch eine tiefere Freundschaft verband, was am Nachmittag geschehen war. Als Hermine aber zu der Stelle kam, wo sie Harry vorwarf, Ron zu decken und ihre Worte über das beste Stück des Rothaarigen genau so verwendete wie vorher bei Harry, bekam sie den zweiten Schock des Tages verpasst. Neville lachte nämlich genau so dämlich los, wie ihr Harry es getan hatte und der Gryffindor entgleisten die Gesichtszüge. Allerdings verliefen die folgenden Momente anders als im Schlafsaal der Jungen, denn Neville ließ Hermine gar nicht erst zu Wort kommen oder sie gar gehen, sondern er sagte mit immer noch grinsendem Gesicht. „Oh mein Gott, dümmer hätte es nicht laufen können Hermine. Und ich hätte niemals gedacht, dass ihr euch wegen so etwas streitet, doch Harry ist, was das Lachen angeht, nur bedingt schuldig. Es waren deine unglücklich gewählten Worte, die mit dem wahren Grund für Harry Verhalten zu tun haben. Ich finde daher, du solltest ihn eine Chance geben und es dir erklären lassen. Frage ihn doch nach dem wirklichen Grund, warum er für Ron gelogen hat. Ich denke, ich weiß wieso. Er wollte Ron bestimmt nicht blamieren und wenn ich es richtig gehört habe, wäre dies in Anbetracht der vielen Schüler im Gemeinschaftsraum auf alle Fälle geschehen."

„Ron blamieren? Wie das denn?" Fragte Hermine verständnislos, doch ab hier hob Neville seine Hände und erwiderte mit einem Seitenblick zu einer ebenfalls grinsenden Luna, „Es ist nicht meine Sache, das zu erzählen, Hermine. Da musst du schon mit Harry ins Reine kommen. Doch sollte er sich sträuben, weil er meint, Ron oder mich nicht bloßstellen zu dürfen, dann sag ihm, dass es mir persönlich egal ist und Ron halt damit leben muss. Du wirst das schon machen."

Auf diese kryptische Antwort hin drehte sich Neville zu seiner Freundin und drückte ihr einen Kuss auf. Hermine erkannte, dass die blonde Ravenclaw eindeutig mehr wusste und eingeweiht war. Doch Hermine war auch klar, dass Luna, wenn es darum ging persönliche Dinge nicht zu verraten, eisenhart sein konnte. So blieb ihr nur die Flucht nach vorn und sie machte sich auf den Weg, ihren Freund zu suchen. Sie wollte Antworten und zwar noch bevor die Schlossuhr Zwölf schlug.

Mühsam pulte Harry die Sonnenblumenkerne aus seinem Brot und steckte sie dann langsam in den Mund. Irgendwie hatte er plötzlich überhaupt keinen Hunger und die Reaktion von Hermine schmerze umso mehr. Was hatte er nur falsch gemacht? War es denn nicht richtig, für seinen besten Freund dazusein, für ihn einzuspringen? Und hätte sie ihn doch erklären lassen, warum er so lachen musste? Also irgendwie musste er sich unbedingt mal mit dem Thema ‚Mädchen und ihre Denkweisen' näher auseinandersetzen.

Frustriert warf Harry den Rest seines Käsebrotes auf den Teller zurück und versuchte sich nun auf sein Zaubertrankbuch zu konzentrieren. Vielleicht konnte ihn dies ja ein wenig von Hermine ablenken. Doch es dauerte etliche Minuten, bis er sich wieder in den letzten Absatz reingelesen hatte und so bekam er sehr rasch mit, dass sich jemand seinem Bett näherte. Dann spürte er, wie der Vorhang langsam zurück geschoben wurde und Sekunden später blickte er in Hermines wunderschöne rehbraune Augen.

„Harry? Bitte sprich mit mir?", sagte sie, doch ihre Art war ein wenig mehr als nur bittend. Harry war über Hermines Art überrascht und demzufolge schaute er sie unsicher an. Was sollte er nur tun? Harry strich sich durchs Haar und legte erst einmal das Buch bei Seite. Dann setzte er sich auf und sah seiner Freundin tief in die Augen.

„Hermine…"

„Harry…"

„OK, du zuerst", meinte der Schwarzhaarige und bedeutete Hermine, sie solle doch anfangen. Hermine stockte kurz und kroch dann aufs Bett.

„Harry, ich weiß jetzt, dass du nicht über mich gelacht hast."

„Ehrlich?", fragte Harry, da er sah, dass sie auf ihrer Unterlippe kaute und nach den nächsten Worten suchte.

„Ja... ähm nein... verdammt noch mal. Jaaa Harry, ich weiß es nicht, Zufrieden? Doch Neville sagte, ich soll dir keinen Vorwurf machen und dass... dass du nur Ron helfen wolltest."

Nun konnte Harry nicht anders und musste schmunzeln, denn irgendwie sah Hermine immer so süß aus, wenn sie mal einen ihrer Wutausbrüche hatte, der durch Ratlosigkeit hervorgerufen wurde. Rasch legte er seinen Arm um sie und erwiderte entschuldigend, „Und ich wollte nicht über dich lachen. Doch es waren nun mal deine Worte und..."

„Ja aber was habe ich denn gesagt?" Fragte Hermine nun leicht verstört und versuchte sich selbst an ihre eigenen Sätze zu erinnern. Doch nach all der Aufregung schaffte sie es nicht wirklich und ihr Frust nahm dementsprechend zu. Sie sah Harry direkt in die Augen und sagte,

„Ich möchte nun aber wirklich wissen, was für ein Geheimnis ihr habt."

Jetzt begann Harry leicht zu schwitzen, wurde unruhig und versuchte seiner Freundin klar zu machen, dass es etwas sehr persönliches sei, es auch Neville mit betraf und da sie ja auch mir Parvati und Ginny und all den anderen Mädchen zusammen in einem Raum schlief, er es ihr auf gar keinem Fall verraten konnte. Auf diese Aussage hin wuchs die Neugier in Hermine um ein Vielfaches. Sie erinnerte sich an Nevilles Worte und sagte, „Aber Neville hat gesagt, du kannst es mir ruhig sagen und dass Ron halt damit leben muss."

Nun klappte Harry der Kinnladen herunter. Er wurde leicht rot und fühlte sich arg in die Ecke gedrängt. ‚Bitte lieber Gott, lass sie es vergessen. Bitte zwinge mich nicht, es sagen zu müssen'. Hermine schien Harrys inneren Kampf zu spüren und verstärkte ihren Druck. „Ach komm schon, Harry. Ich verspreche dir auch, es nicht weiter zu verraten." Dem Gryffindor wurde klar, dass ihr eigentlicher Streit nun vergessen war und für seine Freundin jetzt nur noch eines zählte. Sie musste es einfach wissen, sonst platzte sie. Dies sagte ihm nämlich auch die Tatsache, dass Hermine anfing, ihm verführerisch über die Brust zu streicheln. Sie wollte ihn locken und hatte schließlich auch Erfolg. Harry sah kurz nachdenklich zu Rons Bett hinüber und fing dann an, ohne Hermine direkt anzuschauen zu erzählen.

„Es geht darum... es liegt schon etwas zurück... Ach man, ist das schwierig...", stotterte Harry und strich sich nervös durch die Haare. „Es war Ron... und... und na ja Hermine, du weißt doch, dass... dass er Parvati über alles liebt und... und immer versucht, sie ein wenig zu beeindrucken... "

„Na und? Dass ist nun mal seine Art. Doch das weiß ich ja Harry. Ich verstehe nur nicht, was das mit der halbleeren Schachtel Kondome zu tun hat?" Fragte Hermine dazwischen und bemerkte, dass Harry immer verlegener wurde.

„Eine ganze Menge, Hermine", erwiderte Harry. „Es war so, dass Parvati irgendwann gesagt haben muss, sie möchte in ihrer Beziehung weiter gehen. Und du kannst dir sicher vorstellen, was das zu bedeuten hat."

„Nun ja, ich denke mal Sex." Sagte Hermine und nun war sie es, die Harry süß fand. Irgendwie war es doch schon komisch, dass ihr Freund in der DA die schwierigsten Zaubersprüche und Formeln einer dreißigköpfigen Mannschaft erklären konnte, doch beim Thema zwischenmenschlicher Aktivitäten nicht mal in ihr Gesicht blickte. Allerdings versuchte Harry nun seine Verlegenheit zu überspielen, indem er schnell weiter sprach.

„Und weil Ron nicht wollte, dass er sich während ihrem ersten Mals blamiert, wollte er vorher üben..."

„Aha", kam es von Hermine, doch Harry fiel ihr ins Wort.

„... wollte er üben, wie man diese Kondome richtig benutzt."

Harry atmete tief aus und war froh, dass es endlich raus war. Allerdings hatte er nicht mit Hermine gerechnet, die neben einem Lächeln und einem immer tiefer werdendem Rot in ihrem Gesicht, auch noch eine weitere Frage im Gepäck hatte. „Und dafür brauchte er eine halbe Packung Harry? Ich meine, es fehlten gut zehn oder zwölf Stück."

Harry sah Hermine nun direkt an und mit verzweifelter und auch leicht ungeduldiger Stimme, sagte er, „Hermine wir reden hier von Ron, Ron wie Arthur Weasleys Sohn. Hast du eine Ahnung, wie ähnlich sich die beiden geworden sind? Bei Merlin, er hat allein drei Kondome wie Ballons aufgeblasen und war fasziniert, wie viel Luft da rein passt..."

Nun konnte Hermine nicht mehr und während sie bisher alles versuchte hatte, bei Harry sichtlicher Verlegenheit nicht loszulachen, so brach es jetzt mit doppelter Macht heraus. Sie stellte sich geradezu bildlich vor, wie ihr rothaariger Freund, als kleiner Arthur dasaß und sich freute, was die Muggel nur alles erfanden. Dann aber kam ihr jedoch eine andere Frage in den Sinn und diese betraf nicht unbedingt nur Ron.

„Nun Harry, ich glaube, ich verstehe jetzt, warum du Ron im Gemeinschaftsraum helfen wolltest. Doch ich verstehe nicht, warum du gelacht hast? Und was Neville mit der ganzen Sache zu tun hat? Und vor allem, woher weißt du das alles? Hat Ron es dir etwa gesagt?"

Harry überlegte kurz, blickte sich im Raum um und sah seine Freundin eindringlich an. Dann zog er sie etwas näher und seine Stimme war mehr nur ein Flüstern. „Nein Hermine, er hat es mir nicht gesagt. Und es war auch mehr ein Zufall, dass ich es erfahren habe."

„Ein Zufall?", fragte Hermine überrascht.

„Ja Hermine, denn eigentlich waren Neville und ich, der zufällig auch mal musste, auf dem Rückweg vom Klo ins Bett, als wir Ron durch einen Spalt in seinen Vorhang gesehen haben. Irgendwie konnten wir nicht anders, blieben stehen und beobachteten, wie klein Ronny mit seinem Spielzeug hantierte. Neville hat sogar einen Schweigezauber auf uns gelegt, damit Ron nicht unser krampfhaftes Kichern gehört hat. Kannst du dir vorstellen, wie tief der Krater sein müsste, in den unser Freund springt, wenn er gewusst hätte, dass er Zuschauer hatte?"

Hermine schien in Gedanken zu gehen und neben ihrem Lächeln spiegelte sich nun auch ein Gesichtsausdruck wieder, der eindeutig sagte, dass sie Ron nicht so wirklich verstand. Er musste doch wissen, wie sehr ihn Parvati liebte und einmal mehr kamen ihr ihre Worte wieder in den Sinn, die sie Harry auf der Zugfahrt in die Ferien, im Bezug auf den Rothaarigen gesagt hatte.

Dann aber fragte sich der Lockenkopf, was es nun mit Neville zutun hatte. Schließlich hatte der Gryffindor gesagt, es würde ihm nichts ausmachen, wenn sie es wüsste. Doch bisher konnte Hermine nichts erkennen, dass Neville irgendwie kompromittieren würde. Sie sprach Harry daraufhin an und ihr Freund wurde nun noch roter, als er es eh schon war. Der Gryffindor spürte regelrecht, dass seine Handflächen erneut zu schwitzen begannen und er rutschte unsicher hin und her. Schließlich, und nach einem ermunternden Kuss seiner Freundin, atmete es aber tief durch und sagte, „Weißt du Hermine... ähm... als Ron dann schließlich weiter war, als nur Ballons zu produzieren, da... schien er irgendwie die Anleitung verlegt zu haben und versuchte... Oh man Hermine, muss ich es sagen? ... Du bist schließlich ein Mädchen..."

„Harry...", sagte Hermine nachdrücklich und küsste ihn noch mal sanft auf den Mund, „keine Ausflüchte."

„Also, na gut. Aber denk daran, du hast es versprochen. Also, Ron hat versucht es über... überzuziehen und zwar... und zwar, als ‚ER' noch normal war und Neville konnte das Elend dann irgendwann nicht mehr mit ansehen und meinte, unser Freund brauche Hilfe. Dass war dann der Moment, wo ich raus war und während ich mich zurück gehalten habe, hat Neville unter Seamus Bett einige Hefte vorgeholt und mit Ron eine kleine Lehrstunde durchgeführt."

„Er hat was?", kam es überrascht und ein wenig lauter aus Hermines Mund und Harry hielt ihr vorwurfsvoll seine Hand darüber.

„Ja Hermine, er hat Ron gezeigt, wie es richtig geht und dadurch sind halt ein paar Kondome mehr unbrauchbar geworden."

„Oh mein Gott", sagte Hermine, deren Gehirn nun auf Hochtouren arbeitet, sei es, um das Gehörte zu verarbeiten, oder auch, um ihr Lachen zu unterdrücken. Schließlich kam dann aber die Frage, mit der Harry hundertprozentig gerechnet hatte und sie lautete. „Heißt das, Harry, dass Neville... na ja... ähm homosex..."

„Du meinst schwul Hermine? Nee glaub ich nicht", antwortete Harry rasch. „Aber ich denke, er hat nicht wirklich ein Problem mit dem gleichen Geschlecht. Ihm schien es auch richtig Spaß zu machen, Ron zu helfen. Doch mehr kann dir leider nicht sagen, weil ich dann irgendwann ins Bett zurück bin, da Professor Styls gleich ganz früh auf dem Plan stand."

Die Stimme von Harry sagte Hermine allerdings, dass das Thema nun vorerst beendet war und somit war sie an der Reihe, sich ein wenig um den doch sehr angeschlagenen und immer noch knallroten Gryffindor zu kümmern. Sie lehnte sich vor und küsste Harry erst mal, sozusagen als kleines Dankeschön, ganz sanft auf den Mund. Dann wanderten ihre Hände durch seine wirren Haare und ihre Berührungen wurden leidenschaftlicher. Bevor die Beiden aber vollkommen ihre Umwelt vergessen konnten, grinste Hermine noch mal schelmisch und fragte, „Aber eines musst du mir noch verraten, Harry. Wie sind Ron und Neville so? Ich meine biologisch gesehen. Werden Luna und Parvati sich auf was freuen können."

Der nächste Moment war durchsetzt mit einem lauten Husten seitens Harrys, der sich so dermaßen verschluckte, dass es ihm die Tränen in sein purpurnes Gesicht trieb. Die Antwort auf Hermines Frage kam dann aber von der Tür her und in Form von Nevilles Stimme. „Aber natürlich Hermine, Mutter Natur war nicht geizig. Doch wieso willst du das wissen? Solltest du dich nicht besser mit den Körperteilen anderer Personen beschäftigen?"

Harry, der sich ein wenig erholt hatte, sah nun, wie Hermines Gesicht zu leuchten begann und der Lockenkopf sprang verlegen vom Bett auf. Dies nahmen die beiden Jungen als Zeichen, nun mal selber zu lachen und kurz darauf erschienen auch die restlichen Gryffindors, um sich zur Nachtruhe zu begeben. Allerdings brachte eine letzte Geste seitens Hermine Seamus erst ins Grübeln und dann ins Schwitzen. Harrys Freundin deutete nämlich mit ihrem Finger in Richtung dessen Bett und sagte, „Also Mr. Finnegan, Lesematerial, egal welcher Art, hat nichts unter dem Bett zu suchen."

Damit war sie auch schon verschwunden und ließ eine Gruppe Gryffindors, mit Ausnahme des zuletzt Angesprochenen, lachend zurück.

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