Kapitel 35

Am nächsten Morgen erwachte Harry wieder einmal sehr früh und schickte sich schnell an, den Schlafsaal der Jungen zu verlassen. Frühsport stand auf dem Programm und da ihm Professor Styls einen ziemlich vollgepackten Plan zu Stärkung seiner Ausdauer gegeben hatte, machte sich Harry auch gleich auf den Weg hinunter zum Schlosstor. Dort angekommen wartete der Professor auch schon und mit einem Lächeln begrüßte er seinen Schüler.

„Na Harry, wieder alles in Ordnung bei euch beiden?"

Harry nickte, obwohl er sich insgeheim fragte, warum es den Mann, der doch eigentlich nur ein Lehrer sein sollte, so interessierte. Dann aber wischte er diese Gedanken weg und konzentrierte sich auf das Laufen. Irgendwie war es schon merkwürdig, doch die Bewegung, auch wenn sie nach den ersten beiden Malen, einen mörderischen Muskelkater verursacht hatte, bescherten ihm fast so ein Gefühl von Freiheit, wie er es sonst nur beim Fliegen hatte. Und während er so lief kamen ihm die Gründe wieder in den Sinn, warum Styls von ihm verlangte, sportlich aktiver zu werden.

Der ehemalige Artefaktsucher hatte ihn vor gut einer Woche zu sich gerufen und Harry erklärt, dass sie sich nun ein wenig intensiver mit dem Thema Okklumentik beschäftigen wollten und auch der stablosen Magie sollte mehr Aufmerksamkeit zuteil werden. Und genau dafür musste Harry mehr Ausdauer besitzen und daher das Training.

Gute anderthalb Stunden später war es für heute genug und Harry kam völlig durchgeschwitzt im Gemeinschaftsraum der Gryffindors an. Dort wartete Hermine bereits auf ihn und begrüßte ihren Freund mit einem langen Kuss. Danach ging Harry schnell duschen und als dies erledigt war, konnte das Frühstück kommen.

Der Unterricht hingegen schleppte sich heute träge dahin und es machte für Harry alles noch ein wenig schlimmer, da er schon kurz nach den ersten beiden Sunden das ihm wohlbekannte Kribbeln im Zeigefinger spürte, welches bedeutete, dass Dumbledores Zauber ihn für bereit hielt, eine weitere Erinnerung, die ihm auf dem Weg zu Tom Vernichtung helfen sollte, zu sehen.

Es war nun fast fünf Uhr und die Sonne ging langsam unter, als sich Harry auf de Weg zum Raum der Wünsche machte. Lange hatte er darüber nachgedacht, ob er Hermine mitnehmen sollte. Doch dann spürte er innerlich, dass er noch nicht bereit war, seine Freundin dem Risiko, welche die Informationen bedeuten konnten, auszusetzen. Zwar konnte Hermine sich mit Sicherheit verteidigen, doch wir sprachen hier auch von Voldemort und da lag die Sache schwieriger, als bei seinen Todessern.

Harry betrat den Raum der Wünsche, nachdem er sich dreimal vorgestellt hatte, wie er diesmal sein sollte und stellte das von Dumbledore geerbte Denkarium auf den Tisch in der Mitte. Dann nahm er auf dem bequemen Sofa platz und zog die kleine Phiole mit der silbrigen Erinnerung aus seiner Umhangtasche. Er schüttet sie in die steinerne Schale und begann diese dann leicht zu schwenken. Harry machte alles so, wie er es schon die letzten Male auch gemacht hatte und fand sich im nächsten Augenblick in Dumbledores Büro wieder.

Auch dieses Mal war der Direktor nicht allein, denn ein weiteres Mal schien sich die Erinnerung auf ein Gespräch zwischen ihm und Snape zu beziehen. Dieses Mal sah Snape allerdings noch schlimmer aus, als die anderen Male und sein Gesicht war nahezu leichenblass. Harry ging einige Schritte durch den Raum und schaute sich, unbeachtet von den beiden Anderen um, da Dumbledore selbst noch über ein Pergament gebeugt saß und es aufmerksam studierte. Dies rief natürlich Harrys Interesse hervor und er versuchte etwas vom Geschriebenen zu lesen. Doch die Seite schien überraschenderweise leer zu sein. Etwas frustriert drehte sich Harry wieder in Richtung Snape und begutachtete den ehemaligen Todesser genau. „Ehemalig?", dachte Harry plötzlich und ihm wurde bewusst, warum der Zauber ihm erlaubte dies hier alles zu sehen. Auch wenn er es niemals öffentlich zugeben würde, so schien sein Geist allmählich die Worte von Dumbledore zu akzeptieren und Snape in Frieden ruhen zu lassen.

Harry wurde aus seinen Gedanken gerissen, als der Direktor das Pergament weglegte und sich an seinen Zaubertranklehrer wandte.

„Severus, ich habe dich heute hier her gebeten, da mich einige sehr beunruhigende Nachrichten erreicht haben. Wie du vielleicht weißt, habe ich begonnen, Harry von Toms kleinen Lebensversicherungen zu erzählen..."

„Potter? Er weiß also davon?" fragte Snape mit seinem ihm ureigenen verachteten Ton und Dumbledore nickte.

„Ja Severus, ich versuche Harry ganz langsam an diese Sache heranzuführen und zeige ihm hauptsächlich erst einmal die Erinnerungen aus Toms Vergangenheit. Er muss erst einmal verstehen, wie unser grausamer Freund denkt, damit er später das fortsetzten kann, was ich wahrscheinlich nicht mehr schaffen werde."

Snape sah den alten Zauberer nun nachdenklich an, wandte seinen Blick dann auf den verkohlten Arm und Harry kam es so vor, als würde in seinen schwarzen Augen so etwas wie Trauer aufflackern. Dann fragte Snape, warum es unbedingt Harry sein musste, doch Dumbledore antwortete nicht wirklich auf die Frage. Scheinbar wollte der Ältere vor seinem Zaubertranklehrer noch nicht alles, möglicherweise sogar die Prophezeiung Preis geben. Daher fragte Snape nun nach dem Brief und Dumbledores Gesicht wurde mit einem Male extrem müde.

„Der Brief, Severus, ist von einem guten Freund, einem ehemaligen Schüler, der sich in den letzten Jahren auf meinen Wunsch hin viel mit Hinweisen auf die Verwendung schwärzester Magie beschäftigt hat. Und eben dieser sehr beeindruckende junge Mann hat mir mitgeteilt, dass er ein weiteres Horkruxe finden konnte. Allerdings birgt dessen Vernichtung ein sehr hohes Risiko, mehr noch als beim Ring Salazars. Daher habe ich mir in den letzten Stunden einen Plan ausgedacht, wie wir beide es vielleicht gemeinsam schaffen könnten, einen weiteren Schritt in Richtung Freiheit zu gehen..."

Harry war so gespannt auf das, was er nun hören würde, dass die Enttäuschung ins Unermessliche stieg, als er plötzlich bemerkte, wie alles um ihn herum verschwamm. Dumbledore verschwand in einer Art Nebel, genauso wie Snape und das ganze Büro, doch Harry musste mit einem gewissen Maß an Sorge feststellen, dass er nicht in den Raum der Wünsche zurückkehrte, sondern sich wenige Augenblicke später immer noch im Büro des Direktors befand. Und dann traf Harry die Erkenntnis, dass er so etwas schon einmal erlebt hatte und zwar damals im sechsten Schuljahr bei Professor Slughorns Erinnerung. Nur war diese damals manipuliert worden und Harry befürchtete, dass dies hier auch der Fall war und sein Magen verkrampfte sich.

Bevor Harry sich aber weiter mit der ganzen Sache beschäftigen konnte, holten ihn Snapes Worte zurück in die Realität, oder besser gesagt in die Erinnerung. Sein ehemaliger Zaubertranklehrer saß nun fast beängstigend weiß und zitternd auf seinem Stuhl, starrte Dumbledore an und stotterte, „Nein... nein Direktor, dass können sie nicht ernst meinen? Was sie da sagen ist krank und was sie von mir verlangen, ist unmenschlich. Bitte zwingen sie mich nicht es zu tun."

Entsetzt über Snapes Reaktion und leicht wütend auf den, der die Erinnerung manipuliert hatte, sah Harry zwischen den Beiden hin und her und sein Blick verweilte dann auf Dumbledores Gesicht.

„Es muss aber getan werden, Severus. Für unser aller Wohl und du hast es mir geschworen. Und, mein Freund, ich gebe dir recht, dass die ganze Sache moralisch gesehen krank ist. Doch im nächsten Moment auch wieder nicht, denn es geht hier um Tom und unsere Traditionen. Überlegt doch mal Severus, wenn man es nämlich von dieser Warte aus sieht, dann ist es ein geradezu genialer Plan, krank aber genial."

Snape starrte Dumbledore an als hätte dieser drei Köpfe und suchte immer wieder nach Möglichkeiten, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Doch er schien in die Ecke gedrängt und schließlich glaubte Harry in den schwarzen Augen von Snape etwas zu erkennen, dass er schon einmal, nämlich in der alles verändernden Nacht, als Dumbledore starb, gesehen hatte. Es waren Hass und Abscheu und sie blitzten kaum merklich auf. Doch dann verschwanden sie auch wieder genauso schnell, wie sie gekommen waren und Snape versuchte erneut, einen Einwand loszuwerden.

„Aber Direktor, wenn ich das, was sie von mir verlangen, mache, wäre es Verrat, Verrat an einem Freund und mein Tod. Ich weiß nicht, ob ich dass tun kann. Ich will nicht als Verräter sterben."

Snape sah den alten Mann vor sich schon fast flehend an und Harry hatte nie gedacht bei diesem stets düster wirkenden Mann, einmal eine solche Regung zu sehen. Daher war er nun gespannt, ob Snapes Worte den Direktor umstimmen könnten.

„Severus, bitte glaub mir, dass das, was Wurmschwanz konnte, für dich nicht im Geringsten ein Problem sein sollte. Du bist viel mächtiger und bewanderter im Umgang mit der schwarzen Magie. Doch du hast auch Recht. Severus Snape sollte nicht als Verräter aufhören zu existieren. Nein, dafür werde ich schon sorgen und die entsprechenden Personen verpflichten, sich nicht ihrer verständlichen Wut hinzugeben und unmenschlich zu werden. Es steht zu viel auf dem Spiel und daher bitte ich dich, denk darüber nach und vielleicht solltest du dir auch vor Augen halten, dass du es nicht nur für mich tust, sondern auch für Harry. Harry, der nicht nur James Potters Blut in sich hat, sondern in dessen Adern auch das von Lily Evans fließt."

Das Letzte was Harry sah, bevor ihn ein Ruck wieder in den Raum der Wünsche schleuderte war, dass Snape seinen Kopf auf seine Hände stützte und anfing zu weinen. Das war dann auch für Harry zu viel und fassungslos sackte er auf dem Sofa zusammen. So bemerkte er auch nicht, dass jemand neben ihm saß und besorgt dreinschaute. Erst als sich der Gryffindor wieder etwas gefangen hatte und er spürte, wie ein Arm um seine Schulter gelegt wurde, zuckte er zusammen und hob den Kopf. Sofort wurde sein Mund mit einem paar warmer, weicher Lippen verschlossen und Harry, der nun realisierte, dass Hermine ihm in den Raum der Wünsche gefolgt war und auf ihn gewartet hatte, erwiderte die Liebkosungen seiner Freundin.

Einige Minuten später trennten sie sich wieder etwas, um auf der einen Seite Luft zu holen, aber auch, da Hermine wissen wollte, ob mit Harry alles in Ordnung war. Schließlich sah er bei seinem Wiederauftauchen so aus, als hätte er einen Geist gesehen. Harry versicherte Hermine aber schnell, dass es ihm gut ging, erwähnte jedoch nicht, was er gesehen oder gehört hatte. Auch jetzt, nach dieser letzten Erinnerung war der Gryffindor noch nicht bereit, sich ihr zu öffnen. Somit kuschelten die Zwei noch eine Weile auf dem Sofa, bis es schließlich Zeit wurde, zum Abendessen zu gehen. Auf dem Weg dorthin hielt Harry seine Freundin aber plötzlich fest und schaute sie an, als wäre ihm etwas eingefallen.

„Du Hermine, ich weiß, dass ich dir noch nichts erzählt habe, von dem, was mir Professor Dumbledore mit den Erinnerungen klar machen will. Und doch haben sie bei mir einige andere Ereignisse, wie es scheint aus meiner Vergangenheit, wieder hochgewühlt."

„Und welche, Harry?", fragte Hermine, die den plötzlichen Sinneswandel ihres Freundes nicht ganz verstand. Vielleicht hoffte sie aber auch, etwas Neues zu erfahren, doch dem sollte nicht so sein, sondern vielmehr bemerkte sie, dass Harry im nächsten Moment an sie heran trat und an ihr roch.

„Du Hermine, dieser Duft, dieser Geruch nach Mandeln und Rosen. Ich glaube, den habe ich schon mal gerochen."

Hermine sah Harry auf diese Aussage hin verwundert an, begann danach zu lächeln und erwiderte: „Natürlich hast du das. Es ist schließlich dein Geschenk, welches du mir zum Geburtstag gemacht hast."

Harry schaute ungläubig zur ihr zurück und nickte. Innerlich jedoch wusste er, dass Hermine zwar recht hatte, es dann wiederum nicht so nicht sein konnte, denn schließlich ging es damals in der Winklegasse alles so schnell, dass er gar nicht so recht darauf geachtet hatte, was er da gekauft hat. Nein, die Erinnerung an diesen Duft musste woanders herkommen. Das Auftauchen seiner Freunde und der anderen Mitschüler, die ebenfalls zum Abendessen wollten, rissen den Gryffindor allerdings aus seinen Überlegungen und somit vergaß er es auch wieder sehr schnell. Was blieb war eine andere Erinnerung, nämlich die an ein sehr leckeres und ausgelassenes Abendmahl.

Zwei Tage danach, Harry spürte langsam, dass sich sein Training auszahlte, intensivierte Stephano Styls dann auch seine Vorgehensweise im Bezug auf Harrys Okklumentikunterricht. Und hier stellte der Professor fest, dass sich der Geist von Harry seit Beginn des Schuljahres um Einiges verändert hatte. Es waren nun nicht mal annähernd so viele freie Erinnerungen mehr vorhanden und Styls war mächtig Stolz auf Harry, zumal dieser nun wirklich eine Menge Ablenkungen erfahren hatte. Dies sagte Damions Vater seinem Schüler auch, als er Harrys Geist nach einem von ihm zugelassenen Eindringen wieder verließ und meinte, dass der Gryffindor nun bereit sei, die nächsten Stufen in Angriff zu nehmen. Er bat Harry daher, sich zu konzentrieren und selbst einmal in seinen eigenen Geist einzudringen.

Harry sah Styls ein wenig unsicher an und überlegte, wie dies geschehen sollte. Dann kam ihm aber seine Brille wieder in den Sinn und er versuchte es, wie er es beim inneren Kern auch getan hatte. Harry sah in der verspiegelten Brille das Grün seiner Augen, spürte den Ruck, so als würde er nach vorn gezogen, und ließ sich danach langsam treiben. Fest hielt er sich übrigens an einer Erinnerung, die ihn zusammen mit Hermine auf dem Sofa im Raum der Wünsche zeigte.

Doch dann spürte Harry, wie sein innerer Alarm anging und er schaute sich rasch nach einem möglichen Angreifer um, doch es war kein Feind im eigentlichen Sinne, sondern Professor Styls, der ihm irgendwie gefolgt war.

„Wie ich sehe Harry, hast du es schon geschafft." Sagte das Abbild seines Professors wieder mit einem gewissen Stolz, der passender weise auf einer Erinnerung surfte, die Harry und Damion zeigte, wie sie sich das erste Mal trafen.

„So Harry, und nun sollten wir uns überlegen, wie wir den Rest deines Geistes schützen."

Harry sah Styls an und fragte, ob man nicht eine Art Mauer um sie herum bauen konnte, doch Stephano erwiderte, dass dies nicht so einfach sei, da man eine Mauer ja ständig aufrechterhalten müsse und dies sogar Dumbledore nicht geschafft hatte. Vielmehr bräuchte man etwas Flexibleres, dass sich zu jeder Zeit um einen Angreifer kümmern konnte, eine Art Wächter.

Harry fragte natürlich warum und was man dafür nehmen konnte, doch auch hier hatte der Lehrer für VgddK eine passende Antwort, auf die Harry, wenn er ehrlich zu sich war, niemals gekommen wäre.

„Nun Harry, das Was kann ich dir noch nicht sagen, da sich dies erst entwickelt, sich noch zeigen muss, doch das Warum ist aber umso einfacher. Es dient zu deiner eigenen Sicherheit, denn es gibt Zauber der schwärzesten Magie, die nicht unbedingt darauf abzielen, in deinen Geist einzudringen, sondern es kann auch vorkommen, dass diese Zauber dich selbst in deinem Geiste einsperren."

„Einsperren?", fragte Harry überrascht und Styls sagte mit ernster Stimme: „Ja Harry, einsperren. Und dies ist auch ein Grund, warum schon viele mächtige Okklumenten vor uns von der Idee mit der Mauer abkamen. Denn sie, sollte die Barriere stark genug sein und durch die Macht des jeweiligen Zauberers ständig aufrechterhalten werden, wäre von beiden Seiten nicht zu bezwingen. Daher ist ein Wächter viel sicherer und effektiver, denn ihn wiederum kannst du so instruieren, dass eine bestimmte Person, der du bedingungslos vertraust und die dieses Vertrauen auch nie ausnutzen würde, unbehelligt und unbeschadet an ihm vorbei kommt. Von ihr könnte dann auch eine gewisse Hilfe ausgehen, sollte man dich einmal mental angreifen und verletzen."

Harry sah seinen Professor erstaunt an, wurde aber im nächsten Moment abgelenkt, da hinter Styls etwas Riesiges, Dunkles auftauchte. „Da Professor, sehen sie", rief Harry und Styls drehte sich um. Sofort bemerkte Harry, dass Damions Vater die Gesichtszüge entgleisten und er rasch versuchte, Harry wegzustoßen. Das Letzte, was Harry dann noch hörte, waren Styls Worte, Harry solle sofort erwachen und kurz darauf sah der Gryffindor, sich noch leicht die Stirn reibend, wie sein Professor quer durch das Klassenzimmer flog.

Instinktiv riss Harry seine Hand hoch und rief „Aresto Momentum". Daraufhin verharrte Styls augenblicklich regungslos in der Luft und wurde somit vor einer sehr schmerzhaften Bekanntschaft mit der steinernen Wand hinter sich bewahrt. Leicht blass landete Styls kurz darauf wieder auf festem Boden und bedankte sich bei Harry für sein schnelles Handeln. Der Gryffindor hatte aber im Moment eine viel wichtigere Frage.

„Professor, was war das da eben?"

Styls schüttelte nur den Kopf und sagte: „Harry, das weiß ich nicht. Ich habe so etwas noch nie gesehen, geschweige denn davon gehört, doch glaub mir, ich werde es herausfinden." Mit diesen Worten setzte sich ein sichtlich geschockter Professor in seinen Sessel und bat Harry, sich ebenfalls zu setzen. Dann beschwor er zwei Flaschen Butterbier und reichte eine an Harry weiter, der selbst fieberhaft überlegte, was da in seinem Geiste umher schwirrte. Da man aber auf keine Lösung kam, beendete Professor Styls die heutige Sitzung und bat Harry, niemandem von ihrem kleinen Erlebnis zu erzählen.

Zwei Wochen waren vergangen seit den sonderbaren Vorkommnissen in Harrys Geist und noch immer hatte Professor Styls nicht die geringste Ahnung, um was es sich bei diesem dunklen Gebilde handeln könnte. Einzig die Tatsache, dass, und dies hatte Harry in einem Selbstversuche herausbekommen, sich die Erscheinung solange ruhig verhielt, wie man ihr nicht zu nah kam, beruhigte den Gryffindor ein wenig.

Heute war nun Samstag und ein weiteres Hogsmeadewochenende stand an. Zwar hatte sich Harry schon damit abgefunden, dass er auch dieses Mal nicht mit in das Zaubererdorf gehen durfte und einige Bücher für den Nachmittag besorgt, doch innerlich hoffte er, dass es vielleicht doch einen Gott gab. Ron und die anderen Jungen im Schlafsaal waren schon sehr zeitig auf, so stellte es Harry fest und jeder der Fünf schien sich so seine eigenen Pläne für den Trip ins Dorf gemacht zu haben. Eines allerdings hatten alle gemeinsam und das war ein Besuch in Madame Malkins Zweitladen, denn die Zeit verrann und der von Professor McGonagall angekündigt und von Albus Dumbledore befürwortete Weihnachtsball rückte immer näher. Somit hieß es, sich eine neue Festrobe zuzulegen und hier war besonders Ron aus dem Häuschen, denn seine Eltern hatten ihm aus genau diesem Grunde ein wenig mehr Geld zukommen lassen.

Das Frühstück war dementsprechend schnell vorbei und nun drängelten sich die ersten Schüler vorbei an Filch, in der Hoffnung so viel Zeit wie möglich, außerhalb des Schlosses zu verbringen. Als fast alle Schüler auf ihrem Weg waren und Harry sich anschickte in den Gryffindorturm zu gehen, erklang hinter ihm die Stimme von Professor McGonagall.

„Mr. Potter, bitte warten sie noch einen Moment." Die alte Hexe überbrückte die kurze Distanz zwischen dem Lehrertisch und Harry und sagte dann in einem merklich leiserem Ton: „Ich hoffe, sie haben heute keine all zu dringenden Aufgaben zu erledigen und würde sie nun bitten, in den Gryffindorturm zu gehen und ihren Umhang zu holen. Wir treffen uns in zehn Minuten am Tor und sehen weiter."

Etwas überrascht sah Harry seine alte Hauslehrerin an, doch dann beschleunigte er seine Schritte immer mehr und kam auch nur knapp eine Minute vor verstreichen der Frist am besagten Treffpunkt an. Dort schluckte er ein weiteres Mal, denn er war nicht der einzigste Gryffindor, der dort hinbestellt war. Nein, auch Hermine, von der er sich eigentlich schon verabschiedete hatte, da er ja darauf bestand, dass sie ins Dorf ging, war dort und neben ihr Ginny, Damion und Professor Styls.

„Professor, was ist denn los?" Fragte Harry verständlicherweise und bemerkte gleichzeitig das Lächeln in Hermines Gesicht.

„Nun Mr. Potter, die Sache ist ganz einfach. Sie gehen heute auch nach Hogsmeade, vorausgesetzt sie möchten dies auch, und werden dort ihren Spaß haben. Und was dieses kleine Theater hier angeht? Nun, es war Professor Dumbledores Idee, so wenig wie möglich Leuten zu sagen, dass sie gehen."

Harry glaubte sein Herz würde im nächsten Moment vor Freude aus seiner Brust springen und er dankte der Direktorin vielmals. Dann umarmte er Hermine und küsste sie leicht auf die Wange. ‚Hogsmeade, wir kommen' war wohl der nächste Gedanke eines jeden Schülers der kleinen Runde, doch bevor sie losgehen konnten, bemerkte Harry, wie Professor Styls seinen Sohn noch mal umarmte. Dabei legte er seinen rechten Arm etwas ungewöhnlich auf den Rücken von Damion und nickte dann kurz, als wollte er sagen, ‚Ich verlass mich auf dich'.

Harry überlegte, was dies bedeuten sollte, doch dann kam ihm in den Sinn, dass Styls vielleicht wollte, dass er ein Auge auf ihn warf. Dem Gryffindor sollte es nur recht sein. Er verstand sich sehr gut mit Damion und wusste, dass dieser wohl eher mit Ginny unterwegs sein würde, als penibel die Anweisung seines Vaters zu befolgen. Fünf Minuten später hatten sie das Schloss hinter sich gelassen und ein entspanntes Wochenende konnte kommen. Oder nicht?