Kapitel 42

Wie nicht anders zu erwarten beherrschte der neue Unterricht den gesamten Gemeinschaftsraum, als sich die Siebtklässler am Nachmittag dort einfanden. Allerdings waren einige der Jungen sehr verdutzt, dass die Mädchen auf ihre Witze und Sticheleien gegen Damion und Blaise im Bezug auf die Instrumente nicht eingingen. Ein Großteil meinte sogar, dass dies cool sei und wollte unbedingt mal eine Kostprobe hören. Harry hingegen hatte schon kurz nach dem Unterricht aufgehört bei Ron und den Anderen mitzumachen, denn irgendwie hatten ihn die Worte von Professor Styls zum Nachdenken gebracht und in seinem Kopf formte sich die Erkenntnis, dass dieser Recht hatte. Besonders bestätigt wurde Harry aber, als Hermine zu den Jungen meinte, dass Männer mit ein wenig Kultur auch viel interessanter sein könnten und sie ebenfalls mal ein Musikinstrument gelernt habe.

Ron sah seine beste Freundin mit großen Augen an und fragte, was es denn sei, mit dem sie in einem Orchester mitwirken konnte. Hermine antwortete mit einem gewissen Stolz, dass sie früher Flöte gespielt hatte. Wenn der Lockenkopf aber geahnt hätte, wie sehr sie diese Antwort in Verlegenheit bringen würde, dann hätte sie wohl nie ein Wort verlauten lassen. Ron begann nämlich plötzlich in seiner ureigensten Art zu grinsen und sagte, „Oh Hermine, Harry wird das bestimmt irgendwann zu würdigen wissen. Auch wenn ich mir das Gepfeife nicht wirklich als unterhaltsam vorstellen kann, bietet doch das Erlernen dieses Instrumentes eine andere gewisse Grundfertigkeit."

Harry hustete entsetzt und sah mit weiten Augen erst zu Ron und dann zu Hermine. Letztere begann im ganzen Gesicht rot zu leuchten und eigentlich wäre es ja seine Pflicht gewesen, Hermine zu verteidigen, doch das übernahm dann schon Parvati, die ihren Liebsten nach Weasleymanier zusammenstauchte. Der Rest der Jungen lag auf dm Boden und konnte nicht mehr vor Lachen. Dies hielt auch noch eine Weile an, jedenfalls so lange, bis bei den ersten Gryffindors der Magen knurrte. Man beschloss nach unten in die Große Halle zu gehen, um dort dem Hunger Abhilfe zu leisten. Auf dem Weg dorthin fiel Harry dann auch auf, dass sie einen Punkt des neuen Unterrichts gar nicht diskutiert hatten. Obwohl, so konnte man es auch nicht sehen, denn alle Jungen hatten zugestimmt, dass Thema Tanzen nicht zu erwähnen da es Damions Idee war, die Mädchen zum Weihnachtsball zu überraschen. Professor Styls hatte nämlich eingebracht, dass auch die Direktorin ihren Schülern einige Schritte beibringen würde.

Kurz vor der Halle wurde Harry aber noch mal aus seinen Gedanken und Hermines Armen gerissen. Damion hatte ihn am Arm festgehalten und bedeutete Harry, er solle kurz zurück bleiben. Etwas überrascht sah der Gryffindor zu seinem Kumpel und dann zu Hermine. Da seine Freundin aber auch nicht zu wissen schien was Damion wollte, meinte sie nur, sie halte Harry einen Platz frei und ging mit den Anderen weiter. Harry überlegte nun fieberhaft, was dies hier sollte und musste sich dann der vorwurfsvollen Feststellung von Damion stellen.

„Du hast es gewusst, Harry." Sagte der Braunhaarige und sah dem Gryffindor fest in die Augen. Harry musste kurz überlegen und Damion hakte nach. „Du hast es gewusst, ich habe deine Reaktion gesehen. Da weißt also, für was das „M" in „EMS" steht."

Harry zuckte zusammen, als ihm bewusst wurde, worum es seinem Kumpel ging. Emily war das Problem oder vielmehr dass er, Harry, schon mehr wusste, als Styls eigener Sohn. Etwas verkrampft nickte Harry und sah dann unsicher in Damions goldene Augen.

„Und warum hast du..."

„Ich konnte nicht", unterbrach Harry rasch. „Es war ein Zufall und... und... er hat gedroht mich zu töten."

Etwas Blöderes konnte Harry ja nicht einfallen und er trat sich in Gedanken in den Hintern. Damion begann allerdings plötzlich zu grinsen und schüttelte den Kopf. Dann meinte er, dass er Harry nicht böse sei, denn sein Vater konnte sehr überzeugend wirken, wenn er solche Sätze verwandte. Dann verriet er Harry auch noch, dass er sich sogar für seinen Vater freute und er keine wirklichen Probleme mit Ems hatte, außer, wenn er sie sich im Bikini vorstellte. Harry sah seinen Kumpel an und grinste dann ebenfalls. Sie beendeten kurz darauf ihr kleines Gespräch und folgten den Anderen zum Abendessen.

‚Die letzten beiden Wochen sind ja wie im Nichts vergangen', dachte Harry bei sich, als er mit Hermine zusammen vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum lag. Seine Freundin hatte sich ganz eng an ihn gekuschelt, schien leicht zu dösen und Harry nutzte die Zeit um ein wenig zu grübeln. Er erinnerte sich an die letzten Wochen und Monate und versuchte sich ein Bild zu machen, was wohl noch so alles auf ihn und seine Freunde zukommen würde. Und dies sah er auch wirklich so, denn eines hatte sich in den letzten Wochen wohl sehr deutlich abgezeichnet. Er war nicht allein in seinem Kampf gegen den dunklen Lord.

Ja gut, die Prophezeiung besagte, dass er derjenige sein würde, der Voldemort besiegen musste, doch langsam machten in Harrys Kopf auch die Worte von Dumbledore immer mehr Sinn. Wie hatte sein alter Mentor doch gesagt? Man sollte nicht jeder Vorhersage zu viel Bedeutung beimessen, denn es seien schließlich die Menschen die sie betreffen die entscheiden, ob es so eintrifft oder nicht. Daher gab der Gryffindor immer weniger auf den genauen Wortlaut von Trelawnys Geschwafel. Doch eines war dennoch klar geworden. Er schien wirklich derjenige zu sein der Tom Riddle gefährlich werden konnte. Schließlich hatte er es geschafft, dass sich seine Freunde, Muggelgeborene und auch Reinblüter, ihm anschlossen und trainierten, um gegen die Todesser und damit gegen Voldemort zu kämpfen.

Das war also die Macht, die er besaß. Er konnte Leute aufrütteln und sie für ihre Ziele motivieren. Wie sonst konnte man erklären, dass Neville zum Beispiel fast genauso so bewandert mit dem Zauberstab war wie Ron. Oder wie kam es, dass Zabini an der Seite von Ginny und ihrem Bruder, die unter reinblütigen Familien und den Getreuen von Riddle als Blutverräter galten übte, sich gegen die dunklen Mächte zu stellen.

All diese Gedanken gingen Harry durch den Kopf und er fing an, sich an etwas anderes zu erinnern. Dieses Ereignis hatte allerdings neben einigen Erkenntnissen und Fortschritten auch wieder Rätsel aufgeworfen. Vom Schock den er Hermine dabei verpasst hatte ganz zu schweigen.

Flashback

Na Harry, schon ausgeschlafen?", fragte Damion, als er seinen Kopf durch die Tür zum Raum der Wünsche steckte.

Ja ja, es geht schon", erwiderte der Schwarzhaarige ein Gähnen aber nicht verhindern könnend. Harry stand vom Boden auf, wo er auf die Anderen wartete und musste feststellen, dass sein Kumpel der Einzige war, der offenbar den Weg hier her gefunden hatte.

Dad kommt gleich vermute ich mal", erklärte Damion. „Er ist bestimmt noch bei Ems und... Vergiss es Harry, der Mann scheint noch mal eine jugendlich Phase zu durchleben."

Harry konnte nicht anders als auf diese Bemerkung hin rot zu werden und dann zu grinsen. Damion stimmte mit ein und bedeutete Harry, dass sie doch zusammen auf die Anderen warten könnten. Der Gryffindor stimmte zu und bald kam man auf die verschiedensten Themen zu sprechen. Es fing an mit dem neusten Schultratsch, ging weiter zum Unterricht und endete dann irgendwie bei den Ereignissen vom Hogsmeadewochenende.

Allerdings war Damion hier besonders wissbegierig auf die Geschichte, als Harry Ginny und Hermine mit dem Feuer vor dem Werwolf gerettet hatte. Dann wechselte der Gryffindor blitzschnell das Thema und sprach Harry auf die Sache im Bad der Vertrauensschüler an. Hier konnte der Schwarzhaarige aber nicht anders als knallrot zu werden. Schließlich war dies doch ein sehr persönliches, intimes Erlebnis gewesen.

Ach komm schon Harry", drängte Damion auf die Reaktion des Schwarzhaarigen. „Wir sind beides Jungen und es muss dir nicht peinlich sein darüber zu sprechen. Außerdem wollte ich nicht hören wie es sich anfühlt, von Hermine einen runtergeholt zu bekommen, sondern ich wollte wissen was geschehen ist, als das Wasser zu kochen begann."

Harry schaute seinen Kumpel mit riesengroßen Augen an und verschluckte sich förmlich wegen dieser Direktheit. Dann fragte er sich im nächsten Moment, woher der Gryffindor diese ganzen Details wusste, denn Ron war ja der Einzige, dem Harry auch nur ansatzweise erzählt hatte, was im Bad geschehen war. Damion schien die Zahnräder in Harrys jedoch Kopf arbeiten zu hören und grinste.

Ach übrigens Harry, es gibt da so etwas wie Schweigezauber, die man benutzen kann, um delikate Informationen geheim zu halten. Unsere Vorhänge sind da nicht immer ausreichend."

Harry wurde von Sekunde zu Sekunde immer roter und wollte sich einmal mehr in den Hintern treten. Wie konnte er dies nur vergessen. Klar, sie hatten den Vorhang zugezogen als Ron ihn in seinem Bett besucht hatte, doch mehr auch nicht. Allerdings überraschte es Harry schon ein wenig, dass sein Freund so gute Ohren zu haben schien.

Um Harry aber nicht noch verlegener zu machen als Dieser ohnehin schon war, und weil er ja etwas ganz Anderes wissen wollte trieb Damion seine Fragen ein wenig voran. Er bat Harry, sich ganz genau zu erinnern was geschehen war, kurz bevor ihn Hermine aus dem Wasser gerufen hatte. Harry erinnerte sich und wurde erneut einen Tick roter. Ihm fiel Hermines atemberaubender Körper wieder ein und wie sie sich gebückt hatte. Allerdings versuchte er seine Worte mit Bedacht zu wählen, damit Damion nicht schon wieder Munition bekam.

Der Gryffindor grinste allerdings nur und schien dann zu überlegen. Sein Blick wurde plötzlich abwesend und Harry musste mehrfach fragen, ob Damion etwas fehlte. Schließlich schien sein Kumpel wieder in die Realität zurück zu kehren und meinte zu Harry, „Weißt du Harry, ich bin kein Experte was diese Dinge angeht, doch ich habe in Indien mal erlebt, dass dort einige Zauberer mit Hilfe der Elemente ihrer Arbeit nachgingen. Besonders ist mir dies bei einem alten Schmied in einem Dörfchen am Ganges aufgefallen. Dad und ich waren dort längere Zeit auf der Suche nach einem sehr seltenen Artefakt, welches im Verdacht stand, das Wasser zu bestimmten Jahreszeiten zu vergiften."

Und inwiefern betrifft das mich?", fragte Harry dazwischen. Damion hob jedoch abwehrend die Hände, bat um Geduld und fuhr fort. „Eigentlich gar nicht, wäre da nicht die Tatsache, dass der Schmied mich und einen Jungen aus dem Dorf dabei erwischt hat, als wir unsere Biologiestudien an einem Seitenarm des Flusses durchgeführt haben, oder besser gesagt dort, wo die Mädchen des Dorfes jeden Tag badeten."

Harry sah seinen Kumpel mit großen Augen an und wusste nicht, ob er lachen sollte oder nicht.

Na jedenfalls war es so, dass ich schon beobachtete hatte, dass der Schmied sein Feuer mit der bloßen Hand unter Kontrolle hatte, was mich damals doch sehr beeindruckte. Als er uns dann aber erwischte, da wurde mir erst so richtig bewusst, was es bedeutete, elementare Kräfte zu besitzen. Der alte Zauberer hätte uns nämlich in unserem Versteck, es war ein hölzerner, etwas erhöht gebauter Wasserspeicher, fast gekocht. Ähnlich wie es dir vielleicht ergangen wäre, hätte dich Hermine nicht aus deinen Gedanken gerissen."

Aus meinen Gedanken?", fragte Harry überrascht und Damion sah ihn nachdenklich an.

Na ja Harry, ist dir nie in den Sinn gekommen, dass möglicherweise du selbst das Wasser zum kochen gebracht hast, als dein Körper auf Hermine reagierte? Du hast doch gerade selber gesagt, dass dir mehr als nur heiß geworden war und Hermine, verzeih wenn ich dir das so sage, ist nun wirklich ein heißes Gerät."

Harry hustete und wusste im nächsten Moment nicht, was er darauf erwidern sollte. Ein komisches Gefühl beschlich den Gryffindor und sein Blick wurde Damion gegenüber um einiges härter. Styls Sohn reagierte aber sofort und versuchte Harry zu beruhigen.

Ho ho Brauner. Kein Grund zur Eifersucht, Harry. Ich habe eine Freundin, schon vergessen?"

Harry war selbst ein wenig über seine Reaktion überrascht, fragte sich, wieso er so reagierte und versuchte seine Gedanken wieder zu ordnen. Dann sah er Damion entschuldigend an und wollte auch etwas sagen, als sein Kumpel auch schon grinste. „Allerdings, Harry, musst du zugeben, dass ich Recht habe. Hermine sieht, wenn sie nicht gerade den schwarzen Zauberumhang träg, heiß aus und es gibt viele Jungen, die ihr sabbernd hinterher schauen. Und Einige haben selbst auch eine Kirsche."

Sollte mich das beunruhigen, Damion?", fragte Harry mit hochgezogener Augenbraue und das Grinsen seines Gegenübers wurde noch breiter.

Nein, nicht wirklich. Aber du kennst doch das Sprichwort. Man mag sein Essen gewählt haben, doch ein Blick auf den Teller der Anderen ist erlaubt."

Harry sah Damion skeptisch an und erwiderte dann, „OK, solange jeder sein Besteck auf seinem Teller lässt."

Ab hier konnte Damion sein Lachen nicht mehr zurück halten und klopfte Harry auf die Schulter. „Das ist die richtige Einstellung Harry. Und glaub mir, dein Essen sieht zwar lecker aus, doch ist es nicht nach meinem Geschmack. Und außerdem...", setzte der Braunhaarige nach, „... sollte ich jemals von einem anderen Teller kosten, würde mir mein eigenes Essen böse aufstoßen und tierische Bauchschmerzen verursachen."

Harry wusste sofort was gemeint war, denn er selbst hatte sich ja schon mal vom Weasleytemperament überzeugen können. Schließlich meinte der Schwarzhaarige jedoch, sie sollten vielleicht lieber das Thema wechseln, sonst würde er bei all den Worten, die mit dem Essen zu tun hatten Probleme bekommen, bis zum Frühstück durchzuhalten. Deshalb kam man wieder zum ursprünglichen Thema und Harry fragte sich, ob er es wirklich selbst gewesen war, der den Pool aufgeheizt hatte.

Na dann lass uns doch mal was probieren, Harry", sagte Damion und stellte sich seinem Kumpel gegenüber. Dann schien er nachzudenken und beschwor plötzlich ein Stück Pergament und eine Feder. Harry fragte sich was Damion vorhatte, wurde aber schon im nächsten Moment von Selbigem gebeten seinen Arm auszustrecken und auf gut Glück zu versuchen, ob sich nicht einfach durch Konzentration ein kleine Flamme beschwören ließe.

Harry war sichtlich überrascht wie enthusiastisch sein Kumpel plötzlich war, tat aber, wie ihn geheißen. Vielleicht wusste Damion ja mehr als er selbst. Schließlich hatte er ja gesagt, dass er schon mal einen Zauberer getroffen hatte, der das konnte. Doch Harry musste sehr schnell feststellen, dass die ganze Sache mit der Beherrschung der Elemente doch nicht so einfach sein sollte, wie sie Beide dachten. Sie standen gut zwanzig Minuten mitten im Raum der Wünsche und nichts war geschehen. Nicht mal das kleinste Rauchwölkchen hatte Harry zustande gebracht, doch das ließ bei Damion den Mut nicht sinken. Der Gryffindor schlug sich nämlich plötzlich vor die Stirn und grinste. „Na klar Harry. Oh man ich bin so ein Idiot. Du musst ja die Formel oder vielmehr die Beschwörung sagen. Wie konnte ich das nur vergessen?"

Harry sah Damion mit überraschtem Blick an und fragte ungläubig, „Beschwörung?"

Jepp Harry", erwidert Damion todernst und schrieb schnell was auf das Pergament. Dann reichte er es dem Schwarzhaarigen und erklärte. „ Und vor allem musst du laut und deutlich sprechen. Und du musst deinen ganzen Willen in die Worte legen, schließlich willst du ja das Feuer beherrschen und nicht andersherum."

Harry schaute vorsichtig auf das Pergament, las Damions Worte und seine Augen wurden immer größer. „Das ist nicht dein Ernst?", fragte er nach. Damion nickte jedoch nur mit dem Kopf. ‚Das ist lächerlich', dachte Harry, doch dann wiederum war es ja vielleicht seine Chance. Deshalb stellte er sich, zwar etwas unwohl, in den Raum, sah ein letztes Mal zu Damion, der ihm aufmunternd zunickt, hob seinen rechten Arm hoch und rief dann laut in den Raum.

Oh Mächte der Flammen, erhöret mein Flehen. Entfachet ein Feuer, lasst meinen Willen geschehen."

Harry stand da und starrte auf seine Hand. Dann wiederholte er den Satz und versuchte eine Veränderung auf der Haut zu spüren, doch nichts dergleichen stellte sich ein. Sein Blick ging unsicher und Hilfe suchend zu Damion und er bemerkte, dass der Gryffindor stark mit sich zu kämpfen hatte, nicht loszulachen.

Es klappt nicht, Damion. Die Beschwörung funktioniert nicht." Sagte Harry etwas niedergeschlagen. Das war dann der Punkt, wo Damion ganz offen anfing zu lachen und meinte, „Natürlich klappt es nicht Harry. Ich wollte ja auch nur mal sehen, ob du es machst. Und ich muss sagen, in einem Theater wärst du spitze."

Harry Augen fielen fast aus ihren Höhlen, als sein Kumpel anfing sich vor Lachen den Bauch zu halten. Damion hatte ihn doch tatsächlich verarscht und er stand nun da wie ein Depp. Dies konnte Harry doch nicht so stehen lassen und eine gewisse Anspannung baute sich in ihm auf. Er sah mit funkelnden Augen zu seinem Kumpel und sagte, „Arschloch". Dann hob er seine Hand, er tat es eher aus einem Reflex heraus, und tat so, als würde er etwas auf Damion werfen.

Das Resultat war aber alles andere als erwartet, denn plötzlich löste sich aus seiner Hand eine kleine, rot leuchtende Feuerkugel und raste auf Damion zu. Der Braunhaarige konnte gerade noch zur Seite springen. Doch damit war es leider nicht getan, denn kaum dass das Feuer ihn verfehlt hatte, änderte es auch schon seine Richtung, kam zurück und begann Damion zu verfolgen.

Scheiße Harry, was soll das?", rief Harrys Kumpel panisch und rannt kreuz und quer durch den Raum."

Ich weiß nicht Damion", kam es aus dem Mund des Schwarzhaarigen, der immer noch nicht glauben konnte, was er getan hatte. Und damit fingen die Probleme erst so richtig an, denn sie waren hier in einem Raum und nicht etwa auf weiter Flur und dies schränkte Damions Möglichkeiten in der Bewegung extrem ein. Zudem kam es auch noch, dass mit jeder Richtungsänderung, jedem Ducken hinter einem Möbelstück oder anderen Dingen, die Feuerkugel irgendwo aneckte und somit der Raum schon an mehreren Stellen brannte.

Mensch Harry, tu was!!!", rief Damion und richtete seinen Zauberstab auf die Feuerkugel. „Aquaticus!", rief er und ein Wasserstrahl schoss hervor. Doch außer einer kleinen Dampfwolke die entstand, als das Wasser die Flamme traf, war keine Wirkung zu erkennen. Scheinbar war das Feuer nicht mit Wasser zu löschen und Damion musste erneut seine Haut durch Flucht retten.

Schließlich mischte auch Harry mit und er versuchte, sich auf das Feuer zu konzentrieren. Sein Puls begann zu rasen und er überlegte krampfhaft, was er tun konnte. Dadurch schien die Flammenkugel aber nur zu wachsen und Harrys Blutdruck schoss ins Unermessliche. Schließlich, und da Damion mittlerweile schon zweimal mit dem Feuer Bekanntschaft gemacht hatte, tat der Gryffindor dann das Letzte, was ihm in den Sinn kam. Er sprang der Feuerkugel in den Weg und streckte seine Hand aus.

Zwei Sekunden später hielt er das Feuer in den Händen und schrie wie am Spieß. Das war dann auch der Moment wo die Anderen in den Raum kamen und augenblicklich ertönte Hermines Entsetzensschrei. Harry sah zu ihr rüber und der Blick, den ihm seine Freundin ihm zuwarf, ließ seine Gefühle noch mehr durcheinander kommen. Wie panisch versuchte er das Feuer abzuschütteln, doch es wollte nicht gelingen. Nein, es wurde eher noch schlimmer und so kam es, dass seine ganzen Sachen begannen, in Flammen aufzugehen.

Warte Harry, wir helfen dir...Du musst aber ruhiger werden...", rief Stephano Styls und schoss eine Salve Wasser auf seinen Schüler ab. Damion versuchte seinem Vater noch zu sagen, dass dies zwecklos war, doch zu spät. Der Raum war im nächsten Moment voller Wasserdampf und die Temperatur schoss in die Höhe. Gleichzeit hatten die Flammen nun Harry vollends umhüllt und der ganze Junge der lebt, brannte lichterloh. Seine Schreie halten immer lauter durch den Raum und Professor Styls und Harrys Freunde versuchten irgendwie dem Brennenden zu helfen. Doch das war gar nicht so einfach, wenn man anhand der orangenen Schimmer, die wie die Morgensonnen im Nebel schien, nur noch vermuten konnte, wo er war.

Schließlich wurde Harry immer panischer und wälzte sich auf dem Boden. Dann stand er wieder auf und schrie um Hilfe. Durch diese Rufe angelockt kam eine weitere Person in den Raum und dann rief jemand laut „STUPOR". Ein roter Blitz schleudert Harry quer durch den Raum und kaum dass der Gryffindor auf dem Boden zum Liegen kam, wirbelten auch schon alle Köpfe herum und mehrere Zauberstäbe waren auf den Angreifer gerichtet. Es war... Blaise Zabini.

Du Schwein", schrie Hermine und stürmte auf den ehemaligen Slytherin zu. Sie machte sich nicht mal die Mühe, einen Fluch auf ihn zu schleudern, sondern hämmerte mit ihren Fäusten auf die Brust des Jungen. Dieser wehrte sich kurz und fauchte den Lockenkopf an. „Schnauze Granger und dreh dich mal um."

Hermine erstarrte in ihren Bewegungen und ihr Freund kam ihr plötzlich wieder in den Sinn. Sie wandte sich um und die rehbraunen Augen wurden immer größer als sie sah, dass das Feuer, kaum dass Harry bewusstlos war, sofort begann kleiner zu werden und schließlich gänzlich verschwand. Was übrig blieb, war ein Häufchen Elend, Harry, der nun in den noch qualmenden, verkohlten Überresten seiner Sachen lag. Ohne zu zögern ließ Hermine von Blaise ab und rannte, ebenso wie Damion, zu ihrem Freund.

Dort schreckte sie allerdings noch mal zurück, denn die Klamotten ihres Liebsten waren noch extrem heiß. „Harry? Harry ist alles in Ordnung?", fragte Hermine immer aufgeregter. Dann bemerkte sie Damion, der anfing Harry auszuziehen. Da schien es bei ihr klick zu machen und sie schob den Brauhaarigen zur Seite. „Geh weg. Das ist alles deine Schuld", schrie sie den Jungen an und wurde im nächsten Moment von Blaise Zabini unterbrochen.

Granger denk nach. Damion hat überhaupt nichts damit zu tun, sondern dein Held hatte sich nicht unter Kontrolle. Er musste ja sämtliche Gefühle, seine völlig unberechtigte Angst, in das Feuer legen."

Die Gryffindor starrte den ehemaligen Slytherin an. Wie konnte er nur so etwas sagen? Ihr Freund lag hier, schwer verletzt und bewusstlos. Hermines Kopf schnellte herum und bedachte Blaise mit einem Blick, der in die Geschichte als Avada- Kedavra- Lächeln eingehen sollte. Der Junge blieb aber unbeeindruckt und kam einige Schritte näher.

Und schau mich nicht so an, Granger. Ich denke du weißt immer alles. Willst die beste Schülerin sein und erkennst nicht einmal, dass dein Freund nicht eine Schramme oder Brandblase hat. Es war schließlich sein Feuer."

Woher willst du das wissen Zabini? Es hat überall gebrannt und seine Sachen sind verkohlt."

Blaise schien sich über die Art von Hermine und ihr Unverständnis, welches übrigens auch Damion und seinen Vater umgab, nur noch mehr aufzuregen. Er blieb stehen, seine Augen wurden ernst und er fauchte, „Deshalb du Bücherwurm". Im nächsten Moment sah es so aus, als würde Blaise die Luft leicht einziehen und gab dann ein leichtes Pusten in Harrys Richtung.

Das dieses allerdings auf sein Ziel mit der Wucht einer kleinen Orkanböe traf, schockte die Anwesenden wohl mehr, als die Beleidigung gegenüber Hermine und ihrer Afrofrisur, die sie nun besaß. Allerdings fingen sich alle bald wieder und stellten mit Überraschung fest, dass Blaise Recht hatte. Nicht ein Haar an Harrys Körper war versengt und dass der Gryffindor nun, da alle verkohlten Überreste weg geweht waren, völlig nackt auf dem Boden lag, störte nicht wirklich Jemanden.

Hermine kniete sich neben ihren immer noch bewusstlosen Freund und untersuchte ihn ganz genau. Sie ließ sich nun sogar von Damion helfen, der eigentlich immer noch ein wenig geschockt war, dass ihn der Lockenkopf so angefahren hatte. Natürlich war ihm bewusst, dass er nicht ganz unschuldig war, doch dass die Reaktion von Hermine so heftig war, damit hatte er nicht gerechnet.

Tschuldigung", murmelte Hermine leise, als sie bemerkte, dass Damion ihr half. Auch sie war nun wieder etwas ruhiger geworden und hatte erkannt, dass sie überreagiert hatte. Damion nickte und zog dann seinen Umhang aus. Diesen legte er dann über Harry und wandte sich danach an seinen Vater.

Professor Styls hingegen war an Blaise heran getreten und fragte leise, „Mr. Zabini haben sie etwa auch elementare Kräfte?" Der ehemalige Slytherin verkrampfte sofort und starrte geradewegs in den Raum. Sein Blick traf auf den von Hermine, die sich auf die Frage des Professors hin umgedreht hatte und mit sehr schroffer Stimme sagte er, „Ja, na und? Es ist meine Sache und ich muss damit leben."

Durch den Ton des Jungen etwas alarmiert zuckten Alle ein wenig zurück. Doch das waren nicht die einzigsten Reaktionen der Anwesenden, denn während Damion und Hermine leicht entsetzt waren, schien Stephano Styls zu spüren, dass die Wut in der Stimme des Jungen nicht ihm galt, sondern Blaise auf sich selbst sauer war. Vermutlich wollte er, dass niemand von seinem Geheimnis wusste und Hermine ihn wohl eher unabsichtlich aus der Reserve gelockt hatte. Allerdings schwang in den Worten noch etwas mit und daher sprach der Professor seinen Schüler noch mal an.

Was meinen sie damit, dass sie damit leben müssen, Mr. Zabini?"

Augenblicklich wurde Blaise Gesicht ernst und nachdenklich und er sah dem Mann direkt in die Augen.

Das ist meine Sache, Professor. Das Einzige was ich ihnen verrate ist, dass die Magie der Elemente nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Sie kann gefährlich, ja sogar tödlich sein, und sie können jemanden damit ver...letz ...en."

Die letzten Worte brachte der schwarzhaarige Junge kaum über seine Lippen. Sein ganzer Körper schien sich zu verkrampfen und der Blick wurde starr. Damion und Hermine sahen Blaise mit großen Augen an und die Gryffindor glaubte sogar, einen leichten, feuchten Schimmer zu erkennen. Bevor sie sich aber vergewissern konnte, erklang aus Professor Styls Mund ein leises „Oh" und kurz darauf krachte die Tür, durch welche Blaise fluchtartig den Raum verlassen hatte, gegen die Wand.

Sie alle sahen dem Jungen hinterher und es war schließlich Damion der seinen Vater fragte, was dies zu bedeuten hatte. Styls schien kurz nachzudenken und meinte dann, dass es wohl um Blaise jüngere Schwester ging.

Seine Schwester?", fragte Hermine. „Ich wusste gar nicht, dass er noch Geschwister hat. Und warum ist sie dann nicht in Hogwarts?"

Damions Vater sah seine Schüler an und erwiderte, „Nun ja Ms. Granger, es ist wahr. Mr. Zabini hat noch einen zwei Jahre jüngere Schwester mit dem Namen Celine. Doch sie geht nicht hier in Hogwarts zur Schule, sondern wird zu Hause unterrichtet. Der Grund dafür ist, so steht es in Mr. Zabinis Akte, dass Celine an den Rollstuhl gefesselt ist."

Oh nein", entfuhr es Hermine und sie hielt sich die Hand vor den Mund. Professor Styls sprach aber weiter und meinte. „Nun Ms. Granger, dies ist sicherlich tragisch, doch ich denke, dass es kein Weltuntergang ist. Die Zabinis lieben ihre Kinder, so oder so, und da sie auch nicht unbedingt die Ärmsten sind glaube ich, dass es dem Mädchen den Umständen entsprechend gut geht. Mich bewegt vielmehr die Tatsache, dass ich glaube zu wissen, wie es überhaupt dazu kam."

Wirklich Professor?", fragte Hermine überrascht und sah dann nachdenklich in Richtung der Tür.

Ja Ms. Granger, denn soweit ich weiß und es in alten Berichten gelesen habe, sind die Umstände damals sehr verworren gewesen. Es heißt, dass es ein Unfall war, bei dem durch einen Sturm ein schwerer Ast durch die Luft gewirbelt wurde und Celine beim Herabstürzen unter sich begrub. Die Heiler hatten noch versucht ihre Beine zu retten, doch bei einer Querschnittslähmung sind auch der Magie Grenzen aufgezeigt."

Die beiden Gryffindors sahen ihren Professor an und ihre Gedanken schienen auf Hochtouren zu laufen. Styls hingegen wollte nicht weiter darauf eingehen und nach einem kurzen Moment der Ruhe sagte er, „So ihr zwei. Für euch heißt es nun Harry aufwecken und in den Gryffindorturm bringen. Dort erklärt ihr ihm in kurzen Zügen was geschehen ist. Dann sollte er duschen und danach geht es zum Frühstück. Das Training ist für heute gecancelt und ich vertraue darauf, dass ihr Stillschweigen bewahrt. Wir treffen uns heute Nachmittag hier, besprechen eure Bestrafung und werden weiter sehen."

Bestrafung?", fragte Damion, doch eigentlich wusste er, dass sein Vater Recht hatte. Allerdings wollte der Gryffindor noch wissen, was sein Vater vor hatte und warum nicht er Harry erweckte. Professor Styls machte daraufhin einen nachdenklichen Gesichtsausdruck und meinte nur, dass er mit Blaise reden wolle. Der Junge brauchte mit Sicherheit Hilfe und Diese durfte ihm nicht verwehrt werden.

Kurz darauf verließen alle den Raum der Wünsche in unterschiedliche Richtungen. Harry war noch ein wenig benommen und brauchte einige Zeit, um das erlebte zu verarbeiten. Daher, und weil der Gryffindor stank wie ein Krematorium, musste ihm Damion beim Duschen helfen. Zuerst hatte auch Hermine ihre Hilfe angeboten, doch der braunhaarige Gryffindor konnte ihren Enthusiasmus schnell bremsen mit dem Hinweis, dass wohl zwei Astralköper zu viel für ihr Herzen wären.

Flashback Ende

Harry war nun vollkommen in Gedanken versunken und erst die Stimme, oder besser die leise Bitte seiner Freundin ließ ihn in die Realität zurückkehren.

„Also Schatz, auch wenn ich es liebe, wenn du das tust, so denke ich ist es etwas, das wir nicht vor den Augen der jüngeren Schüler machen sollten."

Harry schreckte hoch und sah Hermine fragend an. Dann aber bemerkte er auch, was seine Liebste meinte und wurde leicht rot. Irgendwie war seine Hand, samt Arm, in der Zeit wo er nachgedacht und den Geruch von Hermines Haaren förmlich eingesogen hatte auf Wanderschaft gegangen und lang nun um den Körper seiner Freundin geschlungen und streichelte sanft ihr Brust.

Wie vom Blitz getroffen zog er sie wieder weg und sah sich suchend im Gemeinschaftsraum um. Sein Blick fiel auf zwei Viertklässlerinnen, die zu ihm herüber schauten und kicherten. Dies führte dazu, dass der Schwarzhaarige noch roter wurde und verlegen seinen Kopf wegdrehte. Hermine musste schmunzeln und küsste Harry liebevoll auf den Mund. Dies tat sie auch noch so lange, bis ihr Blick auf das Loch hinter dem Portrait der fetten Dame traf. Sie löste sich von Harry und ging rasch in Richtung des Eingangs zum Turm. Durch diesen führte eine sichtlich aufgeregte Parvati ihren Freund herein und der starre Blick und die überaus blasse Gesichtsfarbe von Ron konnte nichts Gutes bedeuten...

TBC

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