Hey Leuters, ich bin´s mal wieder und im Gepäck ein neues Cap. Allerdings wird es womöglich das letzte für eine ganze Weile werden, denn mit einem gebrochenen Zeigefinger ... autsch schon wieder dran gekommen ... geht es halt nicht ganz so schnell. Ich verspreche aber, dass ich mein Bestes geben werde.

Nun aber zum letzten Cap, bei dem ich mich frage, ob ich stolz auf mich oder traurig über euch sein soll. Niemand, nicht eine Seele hatte auch nur ansatzsweise die richtige Lösung. Und dies, obwohl sogar ein Leser, der bisher nur Band eins verschlungen hat, darauf hätte kommen können. Ich hatte sogar anfangs befürchtet, dass mein Hinweis mit der Randbemerkung von Dumbledore sogar alles verraten würde. Aber vielleicht denke ich auch zu verdreht.

Nichtsdestotrotz kommt aber hier das neu Cap mit der Lösung und ich wünsche euch viel Spaß.

Euer Mr. Figgs

PS: die paar Zeile gerade haben mit dem Ein-Finger-Tipp-System ungefähr zwanzig Minuten gedauert.


Kapitel 46

Zwei Tage war es nun schon her und noch immer hatten Harry und Hermine keine Lösung gefunden. Ja, selbst die Direktorin wirkte immer ratloser und es kam sogar dazu, dass Harry bei der sonst so souveränen Lehrerin einige Eigenschaften bemerkte, die doch eher zu den Standartvorgehensweisen von Snape gehörten. Es war richtig erschreckend, denn es wurden sogar zwei Ravenclaws in einer Verwandlungsstunde plötzlich Punkte abgezogen und dies nur, weil diese, während Professor McGonagall über einem Buch brütete, beim Vorbeigehen zu laut aufgetreten waren.

Harry hatte dies mit Entsetzen registriert und er verstärkte seine Bemühungen. Der Gryffindor ließ die Erinnerung an dieses Ereignis fallen und konzentrierte sich wieder auf den Brief von Dumbledore. Immer und immer wieder las er den Wortlaut und selbiger schien sich immer tiefer in seinen Geist zu brennen. Ron hatte ihn sogar schon heute Morgen danach gefragt, weil Harry laut im Schlafe gesprochen hatte. Doch als er seinem Freund den Brief zeigte und Ron ihn las, konnte sich sein bester Freund darauf auch keinen Reim machen.

Auch wollte Harry Ron im Moment nicht wirklich damit belasten, hatte dieser doch sehr mit der Mannschaft zu tun und Harry war Ron wirklich dankbar, dass ihm sein Freund die Arbeit mit dem Training abnahm. Wenn er ehrlich war, hätte sich Harry auf seine Traineraufgaben im Moment nicht wirklich konzentrieren können. Nein, Ron half ihm damit wirklich sehr und irgendwie passte sein rothaariger Freund, mit all seinen Erfahrungen und seiner Begeisterung für Quidditch, doch viel besser hinter das Abzeichen des Kapitäns.

„Hey Schatz", sagte Hermine und riss damit Harry aus seinen Gedanken. Sie drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. Der Gryffindor konnte gar nicht schnell genug reagieren und stolperte sogar etwas rückwärts. Glücklichweise waren seine Reflexe immer noch ausgezeichnet und Harry fing sich wieder. Und dass auch nicht wirklich jemand in der Großen Halle von seinem kleinen Unfall mitbekam, verdankte er Ron, der mit all den anderen von der Hausmannschaft zum Abendessen kam. Seine Kumpel jubelten lautstark, als hätten sie das nächste Spiel schon in der Tasche.

„Oops Harry, das wollte ich nicht." Entschuldigte sie Hermine dafür, dass sie ihren Liebsten erschreckt hatte, doch Harry sah dies nicht so und nahm sie in den Arm. Er drückte sie fest an sich und küsste seine Freundin liebevoll auf den Mund. Dann setzten sie sich an den Gryffindortisch und warteten darauf, dass das Essen erschien.

Während sie dies taten, beobachtete Harry Ron, wie dieser immer wieder voller Enthusiasmus verschiedenste Manöver erklärte, welche die Mannschaft den ganzen Nachmittag geübt hatte. Harry konnte nicht anders und musste einfach schmunzeln, als er sah, wie glücklich sein bester Freund in diesem Moment wirkte. Ron hob sogar plötzlich seinen Trinkkelch hoch und rief etwas davon, dass sie den Cup dieses Jahr gewinnen würden. Harry sah diese Geste, stockte in seinen Gedanken und seine Augen wurden im nächsten Moment immer größer.

„VERDAMMTE SCHEIßE, ich hab es!" rief er in den Saal und schlug mit der Faust laut auf den Tisch. Natürlich verstummte jedes Geräusch im Umkreis von dreißig Metern und nahezu jedes Augenpaar in der Halle ruhte jetzt auf Harry. Nun ja, mit Ausnahme jenem, welches der Direktorin gehörte. Professor McGonagall sah vielmehr auf ihren Umhang und den riesigen Rotweinfleck, der sich immer weiter auf dem hellgrünen Samtstoff ausbreitete. Verursacher war übrigens Professor Flittwick, der sich so über Harrys Ausbruch erschreckt hatte, dass ihm der Schwebezauber, mit dem der kleine quirlige Lehrer für Zauberkunst jedem seinen Wein einschenkte versagte.

Nicht weiter auf die Entschuldigungen ihres aufgeregten und peinlich berührten Kollegen achtend, wandte sich die Direktorin zu Harry um und warf dem Gryffindor einen strengen Blick zu. Dann erhob sie sich und fragte mit etwas härterer Stimme. „Und was, Mr. Potter, haben sie herausgefunden?"

Natürlich ahnte sie, worum es ging doch davon sollten die Anderen im Saal nichts erfahren. Harry war unterdes knallrot geworden und sah entsetzt in die Runde. ‚Wie konnte ihm dies nur passieren?' dachte er und sein Geist suchte rasch nach einer Lösung für diese Situation. Schließlich straffte er seine Brust und sah zum Lehrertisch hoch. „Nun Professor, ich weiß endlich, warum ich bei diesem Umkehrzauber immer Probleme habe."

Professor und Schüler sahen sich für einen Moment an und die Direktorin erwiderte. „Das ist sehr löblich, Mr. Potter, doch sollten sie ihre Begeisterung meines Erachtens lieber im Unterricht ausleben. Hier in der Halle gilt nach wie vor, dass ich beim Essen Ruhe erwarte. Das macht somit fünf Punkte von Gryffindor und Mr. Potter, sie werden nach dem Essen in mein Büro kommen. Dort können sie mir beweisen, wie gut sie mit Reinigungszaubern sind."

Dabei hob sie ihren rechten Ärmel hoch und deutete auf den Weinfleck. Harry nickte immer verlegener werdend und setzte sich rasch wieder hin, um die Aufmerksamkeit nicht noch mehr auf sich zu ziehen. Schließlich hörte er noch, wie die Direktorin alle aufforderte, mit dem Essen fortzufahren und sah, dass einige der Anderen an den Tischen fröhlich feixten. Die Einzige, die vorerst nichts sagte, war Hermine. Sie schaute Harry nur an und fragte flüsternd, ob Harry es wirklich herausgefunden habe. Ihr Freund nickte und meinte, dass sie unbedingt nachher mitkommen sollte.


Eine halbe Stunde später war es dann soweit und Harry, Hermine und Professor McGonagall trafen sich vor dem steinernen Wasserspeier. Wenn man behaupten würde, dass die beiden Hexen aufgeregt wären, dann war dies die Untertreibung des Jahrhunderts. Ja selbst Harry schien angespannt wie ein Flitzebogen, auch wenn er sich zu neunundneunzig Prozent sicher war, dass er die Lösung hatte. Der Gryffindor sah Hermine und die Direktorin an, zog den Brief von Dumbledore aus seinem Umhang und sagte mit freudiger Stimme. „Oh Professor, Albus Dumbledore war wirklich ein Genie, denn sein Rätsel konnte wirklich nur von mir gelöst werden."

„Ach ja, Mr. Potter? Und wie kommen sie zu dieser Auffassung?" Erwiderte McGonagall mit skeptischem Blick. Vielleicht war sie aber auch ein wenig beleidigt, weil Harry sich so ausdrückte, als hätte sie als Direktorin von Hogwarts nicht das Wissen, ein Rätsel zu lösen.

„Ganz einfach Professor, weil die Hinweise alles Dinge sind, die mich betreffen oder die ich vor langer Zeit, ja manche liegen sogar Jahre zurück, mit dem Professor besprochen habe."

Da die Direktorin aber immer noch nicht zu verstehen schien und auch Hermine ihren Freund unsicher ansah, entschloss sich Harry den beiden ein wenig Erleuchtung zu geben. Er faltete den Brief mit dem Rätsel auf und meinte, „Sehen sie hier Professor, der Teil von Sieben in diesem Rätsel ist kein Horkruxe, wie wir erst gedacht haben. Nein, es ist Ron, der immer im Schatten seiner älteren Brüder stand und dessen sehnlichster Wunsch es einmal war, ihnen ebenbürtig in Form des Schulsprechers und des Mannschaftskapitäns zu sein."

Die beiden Hexen sahen Harry überrascht an und Hermine fragte sogar mit hoher Stimme, „Ron?" Harry nickte aber nur bestätigend und fuhr fort. „Ja Hermine. Oder nehmen wir den Teil von Dreien, wo zwei nicht mehr sind. Dort bin ich gemeint und wie ich mich immer nach meiner Familie, meinen Eltern gesehnt habe. Professor Dumbledore meinte damals, ich solle viel lieber leben und nicht meinen Träumen nachlaufen. Doch der eigentlich Hinweis auf das Passwort ist der dritte Vers..."

„Der Dritte?", fragten nun McGonagall und Hermine zeitgleich. „Ja", erwiderte Harry erneut. „Es geht dabei um keinen speziellen Menschen. Oder vielleicht doch, und zwar um den allerglücklichsten Menschen der Welt und dass er nur sein eigenes Abbild sehen würde..."

Die Direktorin schien immer verwirrter zu werden und Harry hielt es nun für das Beste, die Zwei richtig aufzuklären. Er begann plötzlich zu lächeln und drehte sich zum Wasserspeier um. Dort drückte er, wie in der Erinnerung gesehen, seine Finger in die Augen der steinernen Statue und sagte mit lauter Stimme, „NERHEGEB"

Die Silben hallten laut wie Donnerschläge durch den Gang und übertönten sogar das Aufstöhnen von Hermine und der Direktorin. Beide Hexen sahen fassungslos auf den schwarzhaarigen Jungen mit seinen leuchtenden Augen und ihre Überraschung wurde noch größer, als sich der Wasserspeier plötzlich mit einem lauten Grollen zur Seite bewegte und den Weg zur Treppe freigab.

„Ich fass es nicht", waren die ersten Worte aus Professor McGonagall Mund und die alte Hexe legte sogar ihre Hand auf ihre Brust, um ihr Herz zu beruhigen. Sie sah zu Harry und fragte leise, „Woher?", doch alles was Harry antwortete war, „Aus meinem ersten Jahr und der Jagd nach dem Stein der Weisen, Professor. Der Direktor hat mir damals den Spiegel Nerhegeb gezeigt und erklärt, was dieser macht."

McGonagall sah Harry leicht bewundernd an und zückte dann ihren Zauberstab. Schließlich hieß es nun in die Geheimnisse ihres alten Freundes einzutauchen und dann gab es da noch etwas anderes zu tun. Sie bat Harry noch einen Moment zu warten und als ihr Schüler sich zu ihr umdrehte, sagte sie mit einem breiten Lächeln, „Nun Harry, ich denke dreißig Punkte für Gryffindor sind angemessen genug."

Hermine stöhnte auf und lächelte ihren überrascht schauendem Freund an. Danach nahm sie seine Hand und die beiden Gryffindors folgten der Direktorin die magische Treppe hinab in die Archive. Es war kein sehr bequemer Weg musste Harry feststellen, denn jede Menge Staub und Spinnweben, abgebröckelter Putz, ja sogar Überreste von kleinen Nagern zierten die schmale Treppe und zeugten davon, dass selbst sie Hauselfen hier keinen Zugang hatten. Professor McGonagall sagte aber leise, dass sie mal mit Dobby reden würde und überging dabei geflissentlich das leichte Schnauben ihrer Lieblingsschülerin. Harry grinste nur leicht, denn beim Thema Hauselfen schien Hermine keinen Unterschied zu machen, sei es nun Voldemort, Malfoy oder eben halt Professor McGonagall.

Etwa zehn Minuten später erreichte die keine Gruppe schließlich eine Tür, an der ein kleines Bildnis von Dumbledore hing. Allerdings war es kein Gemälde, sondern eine Fotographie, die wohl mit einer Muggelkamera erschaffen wurde. Sie war scharz-weiss und der Albus Dumbledore darauf bewegte sich keinen Millimeter. Scheinbar diente das Bildnis wirklich nur als Hinweis und daher versuchte auch keiner, mit ihm zu sprechen. Außerdem waren die drei viel zu neugierig auf das, was hinter der Tür lag und so wurde selbige auch rasch geöffnet.

Zum Vorschein kam ein mittelgroßer Raum, der wie fast alle hier in Hogwarts durch jede Menge magischer Fackeln erleuchtet wurde. Harry erkannte einen großen Tisch im rechten Teil des Zimmers und eine Menge Regale mit Büchern zu seiner Linken. Das Zentrum des Raumes bildete jedoch so etwas wie eine Vitrine und diese zog nun die meiste Aufmerksamkeit von Harry und seinen Begleiterinnen auf sich. Rasch überwanden sie ihr Erstaunen und die wenigen Meter bis zur Raummitte, aber nur, um dort ein weiteres Mal vor Erstaunen aufzustöhnen. Die Hexen mehr als Harry, da dieser einige der Dinge im Innern der Vitrine sofort erkannte.

„Harry, was ist das hier?", fragte Hermine und ihr Freund trat ganz nah an sie heran. „Das hier Schatz sind die Horkruxe, die schon zerstört wurden." Sein Blick ging dabei auch zur Direktorin und Harry musste feststellen, dass die alte Hexe ihm und auch seiner Liebsten ein Lächeln zuwarf. Harry wurde leicht rot, da er vermutete, dass sich das Amüsement der Professorin auf seine Anrede „Schatz" bezog. Rasch versuchte er sie abzulenken und erklärte den Beiden worum es sich hier alles handelte. Harry berichtete vom Tagebuch des jungen Tom Riddle, der Kammer des Schreckens und deutete dabei auch auf den breiten Riss im Leder, welchen er dem Horkruxe mit dem Basiliskenzahn zugeführt hatte.

Als Nächstes, erkannte man den Ring der Gaunts, den Dumbledore im letzten Jahr zerstört hatte und der ihm seinen Arm gekostete hatte. Hierbei blickte Harry zur Direktorin und er erkannte einige Tränen, die langsam über die Wangen der alten Hexe flossen. Schließlich kam man zu einigen freien Plätzen und Harry vermutete, dass der Direktor hier die nächsten zerstörten Horkruxe unterbringen wollte. Allerdings musste Harry im nächsten Moment feststellen, das zwei der Plätze doch nicht ganz so leer waren. Nein, auf ihnen lag Papier, oder besser gesagt, auf einem ein Brief und auf einem anderen nur ein Stück Pergament.

Auch Hermine und der Direktorin schien Harrys Verwunderung aufgefallen zu sein und sie fragten, was Harry habe. Der Gryffindor antwortete jedoch nicht und öffnete lediglich den gläsernen Deckel der Vitrine. Zwar wollte Professor McGonagall ihn davon abhalten, doch Harry war schneller und somit hielt er als Erstes das einfache Stück Pergament in seinen Händen. Harry betrachtete es ganz genau und sein Gesicht verdunkelte sich sofort, als er die einzigen zwei geschriebenen Worte las.

„Harry, was ist?", fragte Hermine besorgt und nahm ihrem Freund den Zettel ab. Sie schaute ihn an und ein ungläubiges „Oh" kam über ihre Lippen. Sie reichte das Pergament an eine nun sichtlich neugierig gewordene Professorin McGonagall weiter und sie war es dann auch, die schockiert die Worte, den Namen laut aussprach, ... „Severus Snape".

Harrys Gedanken rasten und er versuchte sich zu beherrschen, doch die Wut auf den ehemaligen Zaubertranklehrer wuchs von Sekunde zu Sekunde. Weg waren all die Gespräche mit Albus und die Erlebnisse in den Erinnerungen. Alles was Harry jetzt noch sah war, dass Snape sie alle betrogen hatte. Natürlich hatte ihm Albus gesagt, dass Snape auch ein Horkruxe zerstören sollte. Doch für Harry war nun klar, dass dieser Mistkerl es nicht getan hatte. Nein, vielmehr hatte Snape Voldemort von Dumbledores Forschungen berichtete und dann den alten Mann eiskalt ermordet.

Kurz darauf wurde Harry aus seinen Gedanken gerissen, da Hermine ein Geräusch der Überraschung von sich gab. Die Gryffindor hatte sich nämlich sehr viel schneller aus ihrer Starre gerissen und sich den Brief aus der Vitrine geangelt. Sie hielt ihn nun zitternd in den Händen und starrte Harry mit großen Augen an.

„Hermine, was ist?", fragte Harry und nahm den Brief aus den zitternden Händen seiner Freundin. Rasch versuchte er heraus zu finden, was seine Liebste so geschockt hatte und las die Worte auf dem alten, leicht zerknitterten Pergament. Doch schon bei den ersten Worten, gingen auch dem Gryffindor die Augen über.

An Sirius Orion Black, meinen Bruder...

stand dort geschrieben und Harry war plötzlich hin und her gerissen zwischen vor Neugier weiter lesen oder das Papier einfach wegwerfen. Letztendlich siegte der Durst nach Wissen und somit las Harry voller Anspannung weiter.

... es sind Monate vergangen, da wir das letzte Wort gewechselt haben und unser Auseinandergehen war auch nicht das, was Brüder tun sollten. Ich weiß, dass ich in meinem Wunsch unseren Eltern zu gefallen und um die Familienehre zu wahren, den wohl größten Fehler meines Lebens beging, doch in den vergangenen Wochen habe ich erkannt, wie verblendet ich war, als ich mich dem dunklen Lord anschloss. Ich habe erkannt, dass der Weg des Lords nicht meiner sein kann und fand auch Dinge heraus, die mir Riddle in einem Lichte zeigten, das selbst für Zauberer mit Macht und reinem Blute ein Verrat an unserer Gesellschaft darstellt.

Aus diesem Grunde habe ich auch begonnen, für meine Taten Sühne zu tun und eines von Voldemorts heiligen Artefakten an mich genommen, um es zu vernichten. Sollte es mir gelingen, sollte der Weg zum Ende des dunklen Lords ein wenig kürzer geworden sein. Auch wenn es wohl das letzte Lebenszeichen meiner Person sein wird, so denke immer daran, mein Bruder, dass ich dich liebe und schätze.

Möge das Blut der Blacks ewig währen

Regulus A Black

Immer noch zitterte das Pergament in Harrys Hand und es bedurfte mehrerer Versuche von Hermine, die auch vor einem langen Kuss nicht zurück schreckte, um den Schwarzhaarigen seiner Starre und ihm den Brief zu entreißen. Harry sah seine Liebste an und konnte die Worte nur langsam in seinen Geist eindringen lassen.

Professor McGonagall hingegen ging ein wenig nüchterner an die Sache heran und meinte, dass sie jetzt zwar wüssten, dass es Regulus Black war, der die Kette ausgetauscht hatte, doch hundertprozentig sicher, dass sie auch zerstört war, konnten sie nicht sein. Harry sah die alte Hexe daraufhin an und ihm kam in den Sinn, mit dem Portrait von Albus Dumbledore zu sprechen. Vielleicht konnte sein Ich im Reich der Toten ja versuchen etwas aus dem von Regulus herauszuholen, zumindest, wenn seine Seele es überhaupt dorthin geschafft hatte.

Die Drei sprachen noch eine ganze Weile über die Kette von Slytherin und Harry erzählte der Direktorin auch endlich genau, was damals auf dem Astronomieturm geschehen war. Dann legte er das falsche Medaillon in die Vitrine und man wandte sich dem großen Schreibtisch zu. Hier fand man alte Dokumente und Karten, auf denen der Direktor mehrere Punkte markiert hatte. Eine war zum Beispiel die Höhle, wo Harry mit Dumbledore in besagter Nacht gewesen war und andere zeigten Städte. Harry wollte gerade hinter dem Schreibtisch auf dem bequemen Sessel Platz nehmen, da sprach ihn die Direktorin an.

„Mr. Potter... Harry, ich denke, wir wissen nun, wo wir weiter suchen müssen, doch es gibt da noch etwas, dass mir Albus über sein Portrait ausrichten ließ."

„Ja?", fragte Harry kurz in der Hoffnung noch mehr Informationen zu bekommen.

„Ja, Harry. Albus meinte, dass, auch wenn du den Raum nun gefunden hast, ich dir die Erlaubnis hierher zu kommen erst nach Weihnachten geben soll. Albus meinte, du sollst erst dein Weihnachtsfest genießen und auf andere Gedanken kommen."

Harry sah die Direktorin mit großen Augen an und wollte etwas sagen, doch da sprang Hermine für ihre Lehrerin ein und sagte, „Harry, Albus Dumbledore hat Recht. Lass uns ein paar Tage ausspannen und Kräfte sammeln. Dann können wir uns nach den Ferien konzentriert hier unten mit den Horkruxen beschäftigen."

Harry sah seine Liebste an und nickte wenige Augenblicke später. Dann lächelte er Hermine an, küsste sie kurz und meinte, dass sie natürlich Recht habe. Nach etwa zehn Minuten weiterem Herumstöbern machten sich die Drei wieder auf den Weg nach oben. Professor McGonagall hatte nämlich auf ihre Uhr geschaut und überrascht festgestellt, dass es schon Zeit fürs Bett war. Sie verabschiedete sich von ihren beiden Schülern, als sie den Wasserspeier erreicht hatten, wünschte ihnen eine gute Nacht und konnte sich plötzlich die kleine Spitze, dass jeder in sein Bett gehen sollte nicht verkneifen. Harry und Hermine sahen die Lehrerin entsetzt an, merkten aber schnell wie es gemeint war und hielten sich auch daran. Jeder ging in seinen Turm, auch wenn Beide nicht sofort zum schlafen kamen. Zu sehr beschäftigten sie die Erkenntnisse der letzten Stunden.


„Meine Güte, was kann da nur so lange dauern?" Blaise Zabini stand mit nichts an, außer seinen Boxershorts und extrem genervt vor der Dusche im Jungenschlafsaal und schaute auf seine Armbanduhr.

„Tja Blaise", antwortete Harry mit einem Grinsen. „Ron will halt hübsch sein für Parvati. Und du hättest ja auch nicht bis zum letzten Moment warten müssen." Der ehemalige Slytherin machte eine eindeutige Geste in Richtung seines Klassenkameraden, von der Harry niemals gedacht hätte, dass sie sich ein Reinblüter von den Muggeln abguckt. Dann aber ging die Badtür auf und Blaise drängte sich an Ron vorbei.

„Ich frag mich, was er hat. Sind doch noch zwanzig Minuten." Grinste Harrys bester Freund und hatte damit die Lacher der Anderen auf seiner Seite. Kurz darauf schienen die Gryffindorjungen allerdings doch ein wenig in Hektik zu verfallen und jeder half jedem irgendwie, die letzten Kleinigkeiten an ihren Festumhängen gerade zu rücken. Es sollte halt alles perfekt sein. Jedenfalls hatten sich die Jungen das geschworen.

Harry überprüfte ein letztes Mal seine Fliege und reichte dann Neville die Tube Haargel zurück. Ron legte noch ein wenig Aftershave auf und Dean zauberte auf seine schwarzen Tanzschuhe einen Glanzzauber. Schließlich war dann auch Blaise fertig und stockte ein wenig, als ihm der Kontrast zu seinen Klassenkameraden auffiel. Irgendwie hatte er vergessen, sich einen neuen Festumhang zu besorgen und damit stand es nun im Jungensaal sechs zu eins, oder besser sechsmal Rot-Gold zu einmal Grün-Silber. Doch bei näherer Überlegung störte es ihn nicht im Geringsten. Slytherin gehört zu seiner Vergangenheit und er war ja auch irgendwie stolz darauf gewesen.

Bevor die sieben Jungen aber nun endgültig in den Gemeinschaftsraum runter gingen rief Blaise Ron noch einmal zurück und fragte den Rothaarigen, ob er mal eines von den Kondomen bekommen könnte. Natürlich verstummte sofort jedes Geräusch und man sah den Schwarzhaarigen überrascht an.

„Wozu willst du es denn haben?", Fragte Neville das wohl Offensichtlichste und Blaise sah den Gryffindor leicht hämisch an. „Na ja Neville, vielleicht klappt es ja und ich knacke Chantal heute noch."

„Knacken?", rutschte es Harry raus und Blaise wandte sich an ihn. „Ja knacken, flachlegen oder wie du es nennen würdest." Da Harry aber eher rot wurde und entgeistert zu seinem Zimmerkollegen schaute, als etwas Ordentliches zu erwidern, fuhr Blaise fort. „Also Potter ehrlich, manchmal tut deine Naivität schon weh und wenn ich sie mit Gold aufwiegen müsste, wäre ich pleite."

Nun feixten die anderen Jungs und Harry sah sie verwundert an. Hatte Blaise etwa Recht? War er naiv und etwas schwer von Begriff? Aber er hatte mit Hermine doch noch nicht einmal darüber gesprochen, über ihren jetzigen Stand ihrer Beziehung hinaus zu gehen. Sein Blick ging von den lachenden Gryffindors zu Blaise und dann zu Ron, der sich in Richtung seines Nachttisches begeben hatte. Dort holte er ein kleines Päckchen hervor und warf es dem ehemaligen Slytherin zu.

„Hier Blaise, viel Spaß und schieb nen schönen Gruß mit rein." Dann wandte sich der Rothaarige an Harry und sagte mit einem breiten Grinsen, „Und du Kumpel, werd lockerer. Denk an Casanovas Devise, dass die holde Weiblichkeit bis zum sechzehnten Geburtstag vom Gesetzt geschützt ist und dass dies ab dem Sechsundsechzigsten von der Natur übernommen wird und dass Alles was dazwischen liegt, sich selbst verteidigen muss."

Harry sah entgeistert zu Ron und nur die Stimme von Neville, der nun ein wenig drängte, bewahrt ihn davon, noch blöder aus der Wäsche zu schauen. Der versammelte Schlafsaal der Siebtklässler brach nämlich festen Schrittes auf und machte sich bereit, die Mädchen in Empfang zu nehmen.

Ein kollektives „Wow" hallte durch den Gemeinschaftsraum und dies nicht nur bei den Jungen der obersten Klassenstufe. Nein, auch die Sechst- und Fünftklässler konnten ihre Augen kaum von den Mädchen nehmen, die Alle ausnahmslos in ihren Ballkleidern den Raum zum strahlen brachten. Dass natürlich für jeden Jungen sein Mädchen, seine Begleitung, die schönste war, verstand sich ja von selbst und so konnte Harry seine Augen kaum von Hermine lassen.

Die Gryffindor sah heute einfach umwerfend aus, wie sie die Treppe in ihrem schwarzen schulterfreien Kleid die Treppe herab schwebte. Harry glaubte einen Engel vor sich zu sehen und dahin war seine Deoschutz, denn seine Hände schwitzten schlimmer als vor einer Prüfung. Glücklicherweise erging es ihm aber nicht alleine so, wenn man mal einen Seitenblick zu den anderen Jungs riskierte.

Schließlich standen ihnen die Mädchen gegenüber und während dort selbst einige kicherten oder verlegen zu Boden schauten, lächelten zum Beispiel Ginny und Hermine nur voller Liebe in Richtung Harry und Damion, die daraufhin dieses erwiderten und auch etwas lockerer wurden. Es war dann schließlich Ron, der sich als Erster aus seiner Starre löste und während er auf Parvati zuschritt, ließ Harrys bester Freund hinter seinem Rücken gekonnt, und ohne dass Parvati den Zauberstab bemerkte, eine Rose erscheinen, die farblich einwandfrei zum Kleid seiner Liebsten passte. Er überreichte sie ihr mit einer Verbeugung und gab ihr als Krönung noch einen sanften Kuss. Die anderen Siebtklässler taten es ihm nach, mit Ausnahme von Blaise und Neville, die sich diese Zeremonie für später, wenn sie Luna und Chantal gegenüberstanden, aufheben mussten.

Die Große Halle war einmal mehr ein Traum in Weiß geworden, auch wenn es dieses Jahr nicht die riesigen Eisskulpturen gab, wie es in Harrys viertem Jahr, zum Ball des Trimagischen Turniers der Fall gewesen war. Und doch hatten sich die Hauselfen wieder übertroffen und auch Hagrid hatte ein paar prächtige Weihnachtsbäume aus dem verbotenen Wald besorgt. Diese standen nun in der Halle verteilt und glänzten in voller Pracht.

Anders als damals ging es heute sehr viel lockerer zu und so konnte Harry einfach mit Hermine und seinen Freunden in der Halle erscheinen und musste nicht als Hogwartschampion einmarschieren. Auch konnte er sich seinen Platz an einem der zahlreichen runden Tische wählen und so versuchten die Siebtklässler, dass sie alle zusammen einen Tisch bekamen. Dies klappte auch und so harrten Harry und seine Freunde, der Dinge, die da heute noch kamen.

Bis es soweit war, nutzte Harry die Zeit, sich ein wenig umzuschauen. Sein Blick ging zum Lehrertisch, wo Professor McGonagall auf ihrem Stuhl saß und mit einem heute etwas lockererem Knoten und nicht ganz so strengem Blick ihre Schüler beobachtete. Neben ihr saßen Styls und Stormy und all die anderen Lehrer, denen Harry, wenn sie zu ihm sahen, einen herzlichen Gruß zunickte.

Zwischendurch hörte Harry aber auch den Gesprächen am Tisch zu, die sich bei den Mädchen hauptsächlich um die Kleider der anderen Schülerinnen drehten und er horchte auch, was seine Kumpel so alles zur holden Weiblichkeit abließen. Dabei ging sein Blick immer mal zu Hermine und mit einem kleinen Kuss besänftigte er seine Liebste, wenn er mal wieder mit den Anderen über Rons oder Damions Lästerei gelacht hatte.

Doch dann geschah etwas, bei dem sicherlich mehr als nur ein Kuss von Nöten war, denn plötzlich tauchte Dobby mitten auf dem Tisch auf und zwar im Zentrum, auf einer runden Holzplatte, die von zahlreichen Blumen umrandet war.

„Guten Abend Harry Potter Sir", rief der kleine Hauself voller Freude und seine Augen glänzten.

„Guten Abend Dobby", erwiderte Harry überrascht und sah seinen kleinen Freund mit ein wenig Unbehagen an. „Was machst du hier Dobby?"

„Oh Harry Potter Sir, Dobby ist heute Abend für ihren Tisch verantwortlich und sorgt dafür, dass es Harry Potter Sir und seinen Freunden an Nichts fehlt." Dabei verneigte sich der kleine Kerl so sehr, dass Harry sich zum ersten Mal der Kleidung seines Freundes bewusst wurde. Sie bestand doch tatsächlich aus einer kleinen schwarzen Hose, einem winzigen Hemd und einer Jacke. Im Großen und Ganzen ähnelte sie einem Frack und Harry musste zugeben, dass Dobby damit nicht mal schlecht aussah und als Diener was her machte.

Dies würde er jedoch niemals laut aussprechen, denn Hermine sah schon beim Auftauchen von Dobby so aus, als würde sie jedem am Tisch einen B.E.L.F.E.R.-Anstecker an die Brust hexen. Harry nahm daher erst einmal sachte die Hand seiner Liebsten unter dem Tisch in die Seinige und drückte diese sanft.

„Las gut sein Hermine, Dobby liebt es, uns zu bedienen und vertrau mir, er bekommt ein wirklich schönes Geschenk zu Weihnachten."

Hermine sah Harry fest in die Augen und schließlich entspannten sich ihre Gesichtzüge wieder. Sie lächelte und nickte leicht. Dann wandte sie sich an Dobby persönlich und äußerte ihren Wunsch nach einem Kelch Kürbissaft. Harry sah dies mit Wohlwollen und war ein wenig erleichtert. Dann bestellte er sich auch etwas zu trinken und führte seine Beobachtungen fort.

Seine Aufmerksamkeit galt hierbei nun Ron, der mit gerunzelter Stirn die Menükarte studierte. Harry tat es ihm gleich und merkte sehr schnell, was seinen Freund beschäftigte. Der Gryffindor schaute wieder zu Ron und es entging ihm nicht, dass sich das Gesicht seines Freundes von der einen Sekunde, in welcher es regelrecht voller Vorfreude gestrahlt hatte, zu einem ehe resignierendem Ausdruck wandelte. Daher schaute Harry in die Runde und seine Augen trafen dabei auf die von Parvati. Rons Freundin schenkte Harry ein Lächeln und dann Ron ein bedauerndes Kopfschütteln, welches dieser aber nicht bemerkte. Was Parvati damit meinte erkannte Harry aber erst, als Dobby wieder am Tisch erschien, die Getränke abstellte und nun jeden nach seinem Essenswunsch fragte. Hierbei war Ron der Erste.

„Nun Dobby, ich nehme den pochierten Wildlachs an Kerbel-Weißweinschaum und die Reisvaria... "

„Nein Dobby, mein Freund, dass nimmt Ron nicht...", unterbrach Parvati plötzlich den Gryffindor mit bestimmender Tonlage, worauf dieser sie entgeistert ansah. „...sondern mein Liebster nimmt das Steak, ein riesiges Steak, rare als wäre es gerade nur von der Flamme geküsst worden."

„Aber Parva...", kam es aus Rons Mund und sein Blick ging durch das Verhalten seiner Freundin verunsichert in die Runde.

„Nein Ron", erwiderte das indische Mädchen energisch. „... versteh doch endlich, dass ich dich liebe, wie du bist, was du bist, und ich nicht will, dass du auf etwas verzichtest, nur um mir zu gefallen oder weil du denkst, ich würde es nicht mögen. Du möchtest ein blutiges Steak essen? Dann tu es auch!"

Harry und die anderen Jungs waren gelinde gesagt geschockt und nicht nur sie. Parvati hatte nämlich ein wenig lauter gesprochen, um ihrem Liebsten endlich klar zu machen, dass er sich nicht verstellen muss und damit die Aufmerksamkeit der halben Halle auf ihren Tisch gelenkt. Schließlich, und auch sehr zur Erleichterung von Harry, schien dies auch in den Dickkopf von seinem Kumpel einzusickern. Ron sagte leise „Danke" und küsste Parvati liebevoll auf den Mund. Dann bestellte er sich sein Steak und wenige Minuten später konnte man sehen, wie Ron selbiges auch mit Wonne vertilgte.

Eine gute Stunde später waren auch die letzten Schüler in der Großen Halle gesättigt und die Tische reinigten sich wie durch Zauberei selbst. Weg waren nun die Krümel vom Brot oder der ein oder andere Rotweinfleck. Harry konnte es immer noch nicht glauben, dass Professor McGonagall ihnen erlaubt hatte Alkohol, der stärker war als Butterbier, zu konsumieren. Gut, eigentlich durften es ja auch nur die Siebtklässler, doch Damion und auch einige Andere hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren Freundinnen einen Schluck abzugeben.

Nun stand aber der nächste Höhepunkt auf dem Plan und somit rief die Direktorin alle zum Tanz auf. Anders aber als beim Trimagischen Turnier gab es heute keine Champions, die diesen eröffneten und daher verstrich das erste Lied auch, ohne dass etwas passierte. Harry sah sich in der Halle um und bemerkte, dass selbst die Mädchen nicht so recht wussten, was sie tun sollten. Daher schaute der Gryffindor zu seinen Kameraden und nickte für die holde Weiblichkeit unbemerkt.

Dies war schließlich das Zeichen, worauf die Jungen gewartete hatten und der versammelte siebte Jahrgang der Gryffindors erhob sich. Harry wandte sich an Hermine, verbeugte sich tief vor ihr und bat sie um den nächsten Tanz. Ron, Damion und auch die Anderen taten es ihm nach und riefen damit zum Teil Verwunderung, als auch einige Lacher in den tieferen Klassenstufen hervor. Einzig Professor McGonagall lachte nicht, sondern sah die ganze Sache mit einem bewundernden Blick an. Als die Jungen ihre Begleiterinnen dann auch noch stilvoll und voller Eleganz über die Tanzfläche bewegten, da bildete sich sogar eine kleine Träne in ihren Augen.

Stephano Styls bemerkte dies und trat ganz nahe an seine Kollegin heran. „Siehst du Minerva, mit ein wenig Hilfe und Führung bekommt man alles hin. Und dass es dich zu einer Träne rührt, macht mich noch ein wenig stolzer."

„Ach ja Steph? Und es sind nicht die drei Galleonen, die ich dir nun schulde?" Auf diese Aussage der Direktorin hin mussten beide Lehrkräfte lachen und sie schauten danach ihren diesjährigen Absolventen wieder beim tanzen zu.

Für Harry schien sich die Welt vollkommen verändert zu haben. Er schwebte mit Hermine, die anfangs wirklich überrascht war, über den Parkettboden und fühlte sich wie in einem Traum. Nichts schien mehr zu zählen außer dem Lächeln seiner Freundin und dem Glück, was der Gryffindor damit verband. Weg waren Voldemort und seine Schergen. Weg war auch die Angst, sich zu blamieren. Es gab nur noch ihn und Hermine. Ja, Harry merkte nicht einmal, dass sich die Tanzfläche immer mehr füllte und wurde erst aus seinen Träumen gerissen, als ihm jemand auf die Schulter klopfte.

Harry schaute sich überrascht um und sah in das Gesicht von Stephano Styls, der abklatschen wollte, um einige Schritte mit Hermine zu tanzen. Und so ging es wohl auch noch die nächste Stunde. Soweit sich Harry erinnern konnte, tanzte er letztendlich mit fast jedem Mädchen aus seinem Jahrgang und Haus und sogar einen Tanz mit Professor McGonagall, die ihn lobte und schließlich mit seinem Vater verglich. Harry war über diesen Vergleich besonders stolz und tat dann das Nächste wohl eher mit einer gewissen Sorge.

Neville stand nämlich plötzlich hinter ihm und bat um einen Tanz mit der Direktorin. Die alte Hexe sah ihren Schüler daraufhin sehr skeptisch an. War dann aber umso überraschter, da Neville mit ihr über die Tanzfläche glitt, als wäre er dort geboren. McGonagall wollte dem Gryffindor sogar unterstellen, dass sein Ausrutscher von vor ein paar Tagen Absicht gewesen sei, damit sie die kleine Kontrolle im Fach Etikette nicht schrieben, doch im Endeffekt lachten Beide dann über die Sache.

Der einzige negative Punkt an diesem Abend ereignete sich dann schließlich zu fortgeschrittener Stunde und war wohl dem Alkohol, der irgendwann doch in größeren Mengen getrunken wurde, zu schulden. In ihn verwickelt waren Damion und ein Slytherin- Sechstklässler, der wohl einiges intus hatte und alles begann damit, dass Harrys Freund wohl ein wenig zu lange mit der Begleitung eben jenes Slytherins getanzt hatte. Dies rief wohl dessen Eifersucht hervor und da Damion auch schon einige Schoppen hatte, wich dieser auch nicht zurück. Harry stand sogar neben seinem Freund, als Damion angemacht wurde.

„Lass deine Griffel von meiner Freundin", fauchte der Junge, den Harry bisher nur als Mark... irgendwas kannte und er versuchte das Mädchen, welches dem aber gar nicht positiv entgegen sah, aus Damions Armen zu reißen. Styls Sohn drängte den Slytherin daraufhin zurück und lächelte leicht hämisch, was er wohl aus Harrys Sicht hätte nicht tun sollen. Doch wie gesagte, Damion war auch nicht mehr der Nüchternste und somit reizte er seinen Gegner mit diesem Verhalten nur noch mehr.

Es ging dann schließlich sogar soweit, dass der Junge einen kleinen Dolch zog und ihn in Richtung Damion hielt. Hier war dann der Punkt erreicht, wo Harry einschreiten wollte, oder sich zumindest fragte, wo die Lehrer waren. Damion hingegen schaute nur auf die Waffe und lachte noch mehr. „Sie da, der kleine Slytherin hat seinen Schlangenhäuter mit."

Die Augen von Mark begannen zu funkeln und er fauchte, „Du hast ganz schön die große Klappe, McKenzie."

„Stimmt", erwiderte Damion mit einem breiten Grinsen. „Ich habe aber auch einen großen Schwanz in der Hose und damit stimmt die Relation wieder."

Dies wollte Mark wiederum nicht auf sich sitzen lassen und mit einem ebenso breiten Grinsen und der Unterstützung seiner Schlangenfreunde sagte er spitz, „McKenzie, ich habe gehört, es kommt nicht auf die Größe an."

Damion schien aber auf diese Antwort regelrecht gewartet zu haben und zog schelmisch die Augenbrauen hoch. „Nun, mein Gutester, dann würde ich mal sagen, SIE wollte nur nett sein und hat gelogen. So und nun packst du deinen Apfelschäler weg und benimmst dich wie ein zivilisierter junger Mann. Was heißt, geh in dein Zimmer weinen."

Harry glaubte nicht, was er da hörte und es bestärkte ihn nur in seiner Annahme, dass Damion wohl einen zuviel getrunken hatte. War dem Gryffindor denn nicht bewusst, wer hier die Waffe in den Händen hielt? Offenbar nicht, denn sein Kumpel, durch das Lachen der Umherstehenden noch angeheizt, warf dem Slytherin immer mehr Spitzen entgegen. Allerdings war nun auch die Aufmerksamkeit der Lehrer geweckt und Harry sah, dass die Direktorin und Damions Vater sich in ihre Richtung bewegten.

Damion sah dies nicht, denn sein Blick galt nun einzig und allein Mark, dessen Wut kurz vorm explodieren schien. Allerdings sah er die beiden Lehrer kommen und tat plötzlich etwas, dass Harry als sehr mutig und dumm zugleich empfand. Der Slytherin griff sich nämlich plötzlich an den Gürtel und nahm einen der weißen Handschuhe. Diesen warf er vor Damion auf den Boden und meinte mit überheblicher Stimme, dass er den Gryffindor zum Duell fordere.

Sofort verstummte jeder Laut und nur die ungläubig wütende Stimme der Direktorin war zu hören. Sie verlangte, dass die Beiden mit diesem Unsinn aufhörten, doch Harry erkannte anhand ihrer Gestik auch, dass sie wusste, dass wenn Damion den Handschuh aufhob, sie auch nichts mehr tun konnte, außer später vielleicht ein paar Punkte abzuziehen. Schließlich hatte sie selbst erst in einer ihrer letzten Stunden die Sache mit den Duellen erklärt und hierbei waren die Jungen besonders aufmerksam gewesen.

Stephano Styls versuchte noch, Damion davon abzuhalten, doch sein Sohn grinste nur und nahm den Handschuh auf. Dann fragte er den Slytherin mit amüsierter Stimme, wann er denn gedenke, seine vernichtende Niederlage zu erleiden und Mark, der den Zustand des Gryffindors, welcher jetzt sogar schon glasige Augen bekam, genau beobachtete, entschied sich, es hier und jetzt geschehen zu lassen.

Dass dies jedoch ein riesiger Fehler gewesen war, musst er allerdings auf die schmerzhafte Art und Weise erfahren. Im Großen und Ganzen dauerte das Duell vom Verbeugen bis hin zur Aufgabe ungefähr zehn Sekunden. Mark hatte es, kaum dass sie sich verbeugt hatte, sofort mit einem Expelliarmus versucht und Damion erwiderte diesen, nach einem kurzen Ausweichen, was wohl eher einem Torkeln glich, mit einer Ganzkörperklammer.

Nun stand der Gryffindor über den Slytherin gebeugt und grinste. Harry sah erst ihn und dann Professor Styls an und fragte sich, was wohl im Inneren seines Lehrers vorging. Klar würde Styls ein wenig Stolz sein, doch dann bestimmt auch wütend, dass sein Sohn nicht auf ihn gehört hatte. Letzteres ließ er seinen Sohn dann auch spüren und meinte, dass Damion sich sofort auf sein Zimmer begeben sollte. Für ihn war der Ball beendet, auch wenn dies wohl eher für Alle galt. Man hatte schließlich Mitternacht erreicht und somit war eh Zapfenstreich. Lediglich Damions besiegter Gegner musste sich noch eine Tirade von Professor McGonagall anhören...


Harry saß auf seinem mit rotem Stoff bezogenen Platz im Hogwartsexpress und ließ die Erinnerungen an den Ball noch mal Revue passieren, während die Landschaft am Fenster vorbei flog. Hermine, Ron und die anderen Gryffindors waren alle noch mal eingenickt und versuchten die Anstrengungen des gestrigen Abends zu verdauen. das war eine Sache, die Harry nicht konnte, denn das Treffen mit Hermines Eltern rückte mit jeder Sekunde näher und näher und dies konnte man wörtlich nehmen.

Was sollte er bloß zu ihnen sagen? Was würden sie von ihm denken? Und am wichtigsten, was hatte Hermine ihnen schon über ihn geschrieben? Mit all diesen Fragen wuchs der Kloß in seinem Hals immer mehr. So kam es sogar, dass der Schwarzhaarige auf dieser Heimfahrt nun schon zum dritten Mal aufs Klo musste und sich dann wieder wie ausgekotzt auf seinen Platz fallen ließ. Die Stunden flogen dahin und Hermine hatte sich ganz an Harry gelehnt. Offenbar spürte sie, was in ihrem Freund vor sich ging und drückte ihm aufmunternd die Hand.

Es war nun fast nur noch eine dreiviertel Stunde bis sie in London ankamen, als Harry, der seine Stirn an die Fensterscheibe gedrückt hatte und die Landschaft an sich vorbei fliegen ließ, hoch schreckte. Grund hierfür war ein entgegenkommender Zug und dies ließ aus irgendeinem Grund die Alarmglocken des Gryffindors schrillen. Nicht dass sie dem Zug sonst nicht begegneten, waren sie doch schon lange nicht mehr in den dünner besiedelten Gebieten Großbritanniens, doch jetzt wo sich Harry so erschreckt hatte und darüber nachdachte, erinnerte sich der Gryffindor genau an die anderen Fahrten nach Hause und dass dieser bestimmte Zug sonst immer in der Bahnstation stand, die sie vor gut fünf Minuten passiert hatten.

Harry schaute dem Zuge nach, der schon längst wieder aus seinem Blickfeld verschwunden war und plötzlich kam es ihm auch so vor, als würde sich der Hogwartsexpress heute irgendwie schneller bewegen. Harry sah zu Hermine und seine Liebste bemerkte den nachdenklichen Gesichtsausdruck ihres Freundes.

„Harry, was ist los? Fliegt dir die Zeit zu schnell dahin?", fragte Hermine mit einem Lächeln, war aber überrascht, dass ihr Freund dies bejahte und es gar nicht so lustig fand. Deshalb wollte Hermine, die wie die Anderen jetzt langsam erwachenden Mitinsassen lachte, ihren Liebsten beruhigen und meinte, sie gehe als Vertrauensschülerin mal zum Lokführer vor. Und ehe Harry was erwidern konnte, war Hermine auch schon aus dem Abteil.

Die Abwesenheit von Harrys Freundin dauerte allerdings nicht sehr lange und Harry sprang auf, als Hermine völlig außer Atem in das Abteil zurückkehrte. „Harry ...", rief sie. „Harry... ich… ich komme nicht in die Lok... und... und unter der Tür läuft Blut hervor..."

TBC