Hey Leuter´s , ich lebe noch. Auch wenn dies in den letzten Tagen vielleicht nicht so aussah. Aber ich habe es doch geschafft, was neues zu schreiben und mein Beta meinte sogar, dass nicht mal halb so viel Fehler drin waren, wie ich befürchtet habe. Allerdings gleich vor weg, es könnte trotzdem nun länger dauern, denn die Ärzte meinten, mir meinen Finger noch mal zu richten zu müssen und daher ... Knack, die zweite.

Jetzt aber viel Spaß und denkt dran, ein Review kann die Heilung beschleunigen.

Euer Mr. Figgs

Kapitel 47

„WAS", rief Harry und auch die anderen waren sofort bei der Sache. Hermine atmete aber erst noch mal durch und erwiderte, „Blut ... Harry ... es kommt unter der Tür hervor. Und ich komme nicht durch die Tür." Sofort zogen alle ihre Zauberstäbe und Harry und Damion waren die ersten, die Hermine zur Lok vor folgen wollten.

Allerdings sollte dies im nächsten Moment gar nicht mehr so einfach sein. Harry hatte Recht und der Hogwartsexpress fuhr heute wirklich schneller als sonst und schien auch noch zu beschleunigen. Dadurch begannen die Räder allmählich immer unruhiger in den Schienen zu laufen und es begann laut und beängstigend zu rumpeln. Nach mehreren Minuten, in denen es Harry und seine Freunde des Öfteren nicht gelang auf den Beinen zu bleiben, erreichten sie schließlich die Tür zur Lokomotive. Zwischendurch trafen sie immer wieder auf vereinzelte Schüler, die Harry und seine Freunde unsicher und leicht verängstigt ansahen. Hermine versuchte sie zu beruhigen und sagte, dass sie sich schon darum kümmerten.

Allerdings kam ihr dabei auch die Frage in den Sinn, wo denn die zwei Auroren steckten, die zum Schutz des Zuges abgestellt waren. Da man aber nun erst einmal vor der Loktür stand, musste diese Frage warten. Harry versuchte nämlich gerade selbige zu öffnen, doch nichts bewegte sich. Ja selbst nach mehreren Versuchen und schließlich verschiedenster konzentrierter Zauber aller zusammen, bewegte sich das Blatt nicht einen Millimeter. Harry versuchte es sogar mit einem Reduktorfluch, doch zu seinem Entsetzen wurde dieser sogar auf ihn zurück geschleudert und nur seinen Reflexen gedankt wich er aus.

Als dies geschah stutzte Damion plötzlich und hielt seinen Kumpel im nächsten Moment davon ab, es mit weiteren Flüchen zu versuchen. Harry sah den nachdenklichen Blick und unter dem Rattern der Zugräder fragte er Damion, was dieser habe. Sein Kumpel schien aber noch einige Sekunden zu brauchen, dann aber wandte er sich direkt an ihn.

„Harry, kannst du ...", - Damion schaute sich plötzlich zu Blaise um und überlegte, ob er den Schwarzhaarige dies in Gegenwart des ehemaligen Slytherins fragen konnte. Doch sein Entschluss hieß schon nach Bruchteilen einer Sekunde ja. – „Kannst du nicht versuchen, mit deinen Augen etwas hinter der Tür zu erkennen? Ich meine, vielleicht ist da ja irgendetwas, dass diese ungemein starke Magie für den Schildzauber ausstrahlt."

Harry sah Damion überrascht an, da er eigentlich immer gedacht hatte, dass außer Remus, Hermine und einigen seiner älteren Freunde niemand etwas von seinen Augen wusste. Na ja, eigentlich überraschte es ihn mehr, dass erst sein Kumpel ihn daran erinnern musste. Und dann wiederum auch nicht, denn es war ja Damion, Professor Styls Sohn. Natürlich hatte ihm sein Vater von Harrys Augen erzählt. Daher nickte Harry verstehend, drehte sich dann in Richtung Tür und konzentrierte sich auf die verdunkelte Glasscheibe. Seine Freunde konnten ab da nur abwartend zuschauen, denn alles was sie sahen war, dass sich die Brillengläser bei Harry schwarz färbten. Oder zu mindestens sah es für die so aus, die nicht seitlich von ihm standen, wie Hermine oder Damion. Den beiden entging nämlich nicht das grüne Leuchten hinter der Brille.

Harry war unterdes in eine andere Welt eingetaucht. Er sah nur noch Farben und Lichterscheinungen um sich herum, ähnlich dem Infrarotblick einer Schlange, doch stellten die verschiedenen Muster und Farben keine Wärmequellen dar, sondern Magiemuster. Harry sah den Umriss der Tür und den der ganzen Lok und war überrascht, wie voll von Magie der Hogwartsexpress war. Dann drang sein immer konzentrierter werdender Blick durch die Tür hindurch und suchte systematisch den Raum ab. Schließlich blieb sein Blick auf einem runden Gegenstand hängen, der einzig und allein eine Art schwarzes, fast alles andere überblendendes Licht ausstrahlte. Nur mit viel Mühe konnte Harry erkennen, dass sich dieses halbkreisförmig in seine Richtung ausbreitete und somit einen Schild produzierte. Scheinbar erstreckte sich der Schild aber nicht nur über das Innere des Zuges, sondern auch gut sechs Meter nach recht und links, sowie nach oben, was ein lockeres Umgehen immer unwahrscheinlicher machte.

Harry drehte sich zu seinen Freunden zurück und wollte ihnen sagen, dass sie ein riesiges Problem hätten, doch es verschlug ihm die Sprache und gebannt schaute er auf die Auren der anderen. Es war einfach faszinierend, denn zum Beispiel Hermine strahlte in einem leuchtenden Weiß und auch Ginnys Aura schien noch unberührt. Allerdings gab es hier und da einen leichten Grauschimmer und Harry musste an die Sache mit der Besenkammer denken. Allerdings war dies alles nichts im Vergleich zu dem was Blaise und Damion ausstrahlten.

Besonders Letzterer von Beiden hatte wohl die interessanteste Aura, die Harry bisher gesehen hatte, denn in ihr spiegelten sich so viele verschiedene Farben wieder, dass Harry im Moment nur zwei definitiv bestimmen konnte. Es war zum einen Gold und dieser Schimmer ging von seinem Herzen aus. Und zum anderen ein sehr tiefes Blau, welches sich besonders im Bereich des Kopfes mit dem Gold mischte. Bevor sich der Gryffindor aber die Aura von Ron, der ja durch den Werwolf etwas Besonderes darstellte näher ansehen konnte, riss ihn sein bester Freund aus seinen Gedanken.

„Ich hoffe doch mal Harry, dass du mit deinen Augen nur unsere Auren liest und nicht irgendeinen Röntgenblick drauf hast."

Die Augen des Jungen der lebt wurden wieder normal und da sie gerade auf Parvati hingen, als Ron ihn angesprochen hatte, brauchte Harry wahrlich keine Extrakräfte um zu wissen, wie er jetzt strahlte, denn knallrot wäre noch untertrieben gewesen.

Doch im Angesicht der Gefahr in der sie schwebten musste dies jetzt erst einmal zurück gestellt werden und Harry erklärte seinen Freunden, was er gesehen hatte. Allerdings schienen alle außer Damion nicht wirklich was damit anfangen zu können. Styls Sohn hingegen murmelte etwas davon, dass sie unbedingt an dem Ding vorbei müssten. Ron fragte daraufhin, ob sie nicht in die Lok apparieren konnten, doch Hermine sah ihn nur vorwurfsvoll an und meinte, dass man a ) seit zwei Jahren nicht mehr aus dem Zug apparieren konnte und b) selbst wenn es noch ginge, dass die Lok nicht zu erreichen war, weil sich der Hogwartsexpress bewegte.

Harry sah Hermine bewundernd an und musste ihr danach unglücklicherweise Recht geben. Schließlich konnte es lebensgefährlich sein, in ein bewegtes Ziel zu apparieren. Allenfalls Dumbledore hätte dies vielleicht versucht, doch da Albus maximal noch als Bild hilfreich sein konnte, mussten sie sich von dieser Lösung wohl verabschieden.

Fieberhaft überlegten die Freunde, was sie tun konnten und Harry stellten sich die Haare zu Berge, als ihm bewusst wurde, dass London immer näher kam. Schließlich fragte auch er sich, wo die Auroren waren, doch die leicht verängstigte Frage einer Erstklässlerin, was denn los sei, riss ihn aus seinen Gedanken und hielt ihm eine noch viel entsetzlichere Erkenntnis vors Auge. Was würde mit ihnen geschehen?

Doch auch den anderen schien dieser Gedanke gerade gekommen zu sein und so sah man neben ein wenig Furcht auch plötzlich Entschlossenheit in manchen Gesichtern. Insbesondere Ron schien sich seiner Aufgabe als Vertrauensschüler bewusst geworden zu sein und wies die Erstklässlerin plötzlich an, sich sofort in ihr Abteil zu begeben, ihre Freunde zu holen und ganz weit hinter in den Zug zu laufen. Dann schaute er Harry an und meinte, dass sie dort am sichersten wären und dass man versuchen müsste, die Waggons abzukoppeln.

Harrys Gesicht erhellte sich, denn sein Freund hatte Recht. Bevor er aber was sagen konnte, hörte er Damions Stimme. „OK, das übernehmen wir." Damit zückte der Braunhaarige seinen Zauberstab, zog Blaise am Ärmel und beide verschwanden in Richtung des nächsten Waggons, da ja die Kupplung am Ende der Lok nicht zu erreichen war.

Blieben also Harry, Hermine und Ginny, die sich erst mal die Aufgabe gestellt hatten, Ron zu helfen und nun begannen, die einzelnen Abteile des Wagens hinter der Lok zu öffnen und die darin befindlichen Schüler nach hinten zu schicken. Als dies erledigt war trafen sie auf Damion und sein Gesicht sah nicht wirklich glücklich aus. „Harry, es ist noch viel schlimmer, als wir dachten, denn wer auch immer das hier war, er hat ganze Arbeit geleistet. Selbst die Hängerkupplungen sind geschützt und nicht mal ein Reduktor kommt durch."

„Shit", dachte Harry und sah nun ein wenig ratlos in die Runde. Dann tauchten Ron und Parvati wieder auf und riefen, dass sie ein wenig Hilfe bräuchten. Zu ihrem Glück und zu Harrys Entlastung kamen aber Neville und Luna aus einem der Abteile und boten ihre Hilfe an. Damit konnte der Rest versuchen, eine Lösung zu finden. Schließlich brachte Damion den Vorschlag, dass man in die Lok müsste, notfalls auf einem Besen und Harry horchte auf. Und da war er nicht der Einzige, denn auch Hermine machte große Augen, allerdings eher aus Entsetzen, da sie wusste, was jetzt kam.

„Harry denk nicht mal dran", rief sie, doch ihr Freund gab Damion Recht und war schon auf dem Weg zu ihrem Abteil. Styls Sohn folgte ihm und kam dazu, als Harry seinen Koffer öffnete, um den Feuerblitz heraus zu holen.

„Und meinst du wirklich, du schaffst es Harry?", fragte er, wurde aber unterbrochen von einem erneuten lauten Rattern des Zuges. „Ich muss, Damion", erwiderte Harry leicht verzweifelt, „ London kommt immer näher und was das bedeutet, kannst du dir vorstellen."

Der braunhaarige Gryffindor nickte in Anbetracht der vorbei rasenden Bäume und Häuser geschlagen und öffnete das Fenster. Dabei stellte er aber fest, dass durch die Geschwindigkeit des Zuges. Harrys Manöver wohl eher in der Katastrophe enden würde. So viel Erfahrung hatte Styls Sohn schon in seinem Leben sammeln können und er wusste, dass auch der beste Rennbesen hier nichts ausrichten konnte. Dann kam auch Hermine durch die Tür und hinter sich schleifte sie Ron mit, der ihr Rückenhalt geben sollte, wenn sie Harry von seinem Wahnsinn abbrachte.

Harry schaute auf und merkte sofort, was los war. Dementsprechend, und auch die Gedanken auf die unzähligen Toten und Verletzten, die es geben würde gerichtet, fauchte er seine Freundin etwas ungehalten an. „Hast du eine bessere Lösung?" Hermine war für den ersten Moment verdattert, konnte danach aber nur mit dem Kopf schütteln. „Na siehst du Hermine, wir müssen in die Lok und das um jeden Preis."

„Ja aber ...", Harrys Freundin brach den letzten Versuch ab, denn sie erkannte, dass ihr Liebster Recht hatte und die Furcht trieb ihr Tränen in die Augen. Dann sah sie hilflos zu Ron und Damion und bemerkte, dass der Braunhaarige fieberhaft zu überlegen schien. Dann plötzlich sprang er auf und riss seinen eigenen Koffer aus der Ablage. „Leute, ich hab da eine Idee. Harry wir fliegen beide vor zur Lok."

„Was? Damion, bist du irre. Du hast noch weniger Besenflugerfahrung als Harry und selbst der bricht sich zweifellos das Genick." Rief Ron entsetzt und meinte zu Hermine, dass sie was tun sollte.

„Hey Ron, ich habe nicht gesagt, dass ich einen Besen benutze. Und Harry wird dies auch nicht tun. Besen sind viel zu instabil bei dieser Geschwindigkeit." Erwiderte Damion und bekam einen überraschten Blick zugeworfen. Doch der Gryffindor kümmerte sich nicht weiter darum. Nein, er öffnete nur seinen Koffer und dann die Abteiltür. Danach meinte er, dass er kurz Platz brauche und ehe sich die anderen versahen, hatte Damion sein kleines buntes Surfbrett in der Hand und vergrößerte es.

„So Harry, darf ich vorstellen, Damions Taxidienst."

Die anderen sahen erst auf das Brett und dann in Damions Gesicht. Der Junge grinste aber nur und bat Harry plötzlich um seinen Besen. Überrascht entfuhr dem Schwarzhaarigen ein lautes „Was?", doch Damion gab keine Antwort, sondern griff sich den Feuerblitz einfach selbst und bevor Harry auch nur etwas tun konnte, hatte Styls Sohn auch schon seinen Zauberstab in der Hand, richtete ihn auf Surfbrett und Besen und rief „Integrius". Kaum waren die Worte verhallt, schienen die beiden Gegenstände zu verschmelzen.

„Sag mal spinnst du?", rief Harry, bekam aber nur ein „Du kriegst ihn ja wieder" als Antwort. Dann fordert Damion Harry plötzlich auf, sich auf das Surfbrett, welches nun wie von Zauberhand in der Luft schwebte zu setzen und sich an den vorderen Fußschlaufen festzuhalten. Dann stieg Damion ebenfalls auf das Brett, setzte sich eine Brille auf die Nase und wandte sich an Ron und Hermine.

„So ihr Zwei, ich denke damit haben wir eine Chance, in die Lokomotive zu gelangen, ohne dass wir irgendwie unter die Räder kommen. Und wenn wir dort sind, sehen wir weiter."

Damit wollte Damion das Brett auch schon durch das Fenster, aus dem Abteil manövrieren, wurde aber von Harry noch mal kurz abgehalten. Der Gryffindor rief nämlich nach einer kurzen Eingebung, dass Ron sich ebenfalls seinen Besen schnappen sollte, damit einen sicheren Standort finden, um dann nach Kings Cross zu apparieren. Die wartenden Eltern dort mussten gewarnt werden für den Fall, dass sie es nicht schaffen würden. Sein Freund sah ihn entgeistert an, erkannte dann aber, dass Harry Recht hatte und nickte. Zehn Sekunden später stand nur noch Hermine im Zugabteil und wischte sich die Tränen weg. Sie beschloss auf Harry zu vertrauen und machte sich auf den Weg zur Lok. Dort angekommen wartete sie auf Ginny und den Rest, der dann auch nicht lange auf sich warten ließ.

Harry hatte sich schon immer gefragt, was es für ein Gefühl war, zu surfen. Dass er es jedoch auf diese Weise herausfinden musste, passte dem Gryffindor weniger. Krampfhaft klammerte er sich mit seinen Beinen an das Brett und griff in die Fußschlaufen. Immer wieder wich Damion mit einem kurzen Schlenker den Signalen und Bäumen aus. Harry fragte sich schon, wie sein Kumpel es nur schaffte aufrecht auf dem Brett zu stehen, doch nun wusste er auch, woher Damion seine kräftigen Beine hatte.

Rechts, links, hoch und runter glitt das Board durch die Luft und Harry musste zugeben, dass er dies mit einem Besen wirklich nicht hinbekommen hätte. Und auch wenn, so wusste der Gryffindor, das, wenn sie endlich bei der Lok angekommen wären, sie es niemals geschafft hätten, auf den Hogwartsexpress überzusetzen. Bei Damions Board schien dies aber möglich zu sein, denn unaufhaltsam schob sich das bunte Brett nach vorn, gelenkt von jemandem, der scheinbar wirklich mit dem Board eins war und schon nach gut fünf Minuten schwebten sie auf gleicher Höhe mit dem Einstieg zur Lok.

Dort machte Damion jedoch nicht halt, sondern legte sich noch mehr nach hinten, um das Surfbrett noch schneller zu machen. Schließlich setzte er sie beide sogar vor die Lok und Harry dachte nicht mal im Traum daran nach hinten zu schauen, denn wenn er es getan hätte, wäre ihm die Angst in die Hose gefahren. Vor Wut schnaubend verfolgte sie das rote Ungetüm von Lok und jeder Fehler hätte den Tod bedeutete. Harry blickt angespannt in Damions Gesicht, der voll konzentriert das Board manövrierte und dem die Schweißperlen auf der Stirn standen, bevor sie der Fahrtwind wegwehte.

Schließlich gab Damion Harry ein Zeichen und das Surfbrett wurde langsamer. Dadurch holte sie die Lok ein und Harry konnte mit einem kurzen Sprung auf das stählerne Monster rüberspringen. Zwar etwas unsanft, aber sicher landete der Gryffindor neben dem mächtigen, zylindrischen Kesselkörper und sah sich sofort nach Damion um. Sein Kumpel stand immer noch auf dem Board und es sah so aus, als zöge er seinen Zauberstab. Harry verstand den Spruch aufgrund des Windes nicht, doch ein langes Seil erschien und knotete sich wie durch Zauberei erst am einen Ende des Surfbrettes und dann am Geländer der Lok fest.

Zwei Sekunden später riss die Konzentration von Damion plötzlich ab und er sprang. Sofort wurde das Board weggerissen und sauste an Harry vorbei. Doch darum konnte sich der Schwarzhaarige nicht kümmern, denn Damion hatte bei seiner Landung nicht ganz so viel Glück wie er gehabt und lief Gefahr von der Lok zu rutschen. Augenblicklich reagierte Harry und griff nach dem Umhang seines Freundes. Er zog ihn hoch und hielt ihn fest. „Danke", sagte Damion daraufhin schwer atmend und schaute in Richtung Schienen. Scheinbar wurde ihm klar, dass Harry ihm das Leben gerettet hatte.

Doch sie waren noch nicht am Ziel und somit beschlossen die zwei Jungen erst einmal ihre Aufgabe zu erledigen. Langsam hangelten sie zur Loktür und konnten sie auch ohne Probleme öffnen. Was sich ihnen aber im Inneren der Lokomotive bieten sollte, konnten die beiden Jungen vorerst nur erahnen, denn aus irgendeinem Grund war es extrem dunkel im Führerstand. Keine einzige Lampe brannte und da es kurz vor sechs Uhr war und es bekanntlich im Winter sehr zeitig dunkel wurde, musste Harry seinen Zauberstab ziehen und den Raum mit einem „Lumos" erhellen.

Doch das Licht erlosch sofort wieder, denn Harry zitterte am ganzen Körper und der durch das magische Leuchten in ein bizarres Licht getauchte Raum brachte den Gryffindor fast dazu, sich zu übergeben. Damion schien nicht ganz so viel Kontrolle über seinen Körper zu haben und mit einem Würgen steckte er den Kopf wieder aus der Tür. Der Anblick war einfach zu grausam und Harry war im nächsten Moment froh darüber, dass es Hermine nicht bis hierher geschafft hatte. Überall auf dem Boden floss Blut und es gab nicht einen Zentimeter, wo man nicht in die rote Flüssigkeit trat. Mit einem erneuten „Lumos" erhellte Harry den Raum erneut, schloss dabei aber ein wenig die Augen. Ingesamt fanden sie nicht weniger als vier total verstümmelte Leichen vor. Drei gehörten den Auroren, denen aber der Schock in den toten Augen stand und eine war wohl mal der Lokführer gewesen. Letzterer saß immer noch auf seinem Stuhl, den Kopf nach hinten hängend und Blut floss langsam aus der Wunde am Hals.

„Oh mein Gott, was ist hier passiert?", fragte Damion entsetzt und wischte sich die Reste seines Erbrochnen mit dem Ärmel weg. „Keine Ahnung", erwiderte Harry, ignorierte den leicht ekligen Geruch und trat vorsichtig über einen der Körper hinweg. Seine Aufmerksamkeit galt nun vielmehr den vielen Hebeln und Ventilen und sein einziger Gedanke bestand darin, den Zug zu stoppen, um Hermine und alle anderen zu retten.

Allerdings musste er sehr schnell feststellen, dass dies auch von hieraus, nach alle den Gefahren und Strapazen, die sie mit dem Herkommen eingegangen waren, nicht mehr möglich war. Offenbar war dies alles hier von langer Hand geplant und durchdacht, denn der Attentäter, wenn man ihn so bezeichnen wollte, hatte mehrere Armaturen zerstört, die wohl am Ehesten für das Verlangsamen und das Stoppen des gesamten Zuges verantwortlich waren.

„Shit", rief Harry und zeigte für Damion sichtbar auf die verbogenen und abgerissenen Hebel. Sein Kumpel, der bis dahin sich mehr für die Leichen interessierte hatte und sie auf Lebenszeichen untersuchte, drehte sich herum und sein Gesicht wurde ebenfalls einen Tick besorgter. Doch diese Besorgnis wandelte sich im nächsten Moment in Entsetzen und mit einer hastigen Bewegung deutete der Braunhaarige auf eine Stelle hinter Harry. Dieser schnellte herum und bemerkte den Körper des Lokführers, der plötzlich zu zittern begann und laute, von Schmerzen zeugende Töne von sich gab. „Er lebt noch" rief Harry aus und wollte dem Mann helfen. Doch ein panischer Schrei seitens Damions brachte ihn zum Stehen.

„NEIN", schrie der Gryffindor und rannte in ungewöhnlicher Geschwindigkeit auf Harry zu. Sein Freund drehte sich alarmiert um und bemerkte den Überrest einer Armlehne, ein abgebrochenes, gut dreißig Zentimeter langes Stück Holz, in den Händen von Styls Sohn. Was hatte Damion vor? Doch noch bevor sich der Gedanke im Kopf des Gryffindors manifestiert hatte, rammte Damion das Holz mit voller Wucht in die Brust des Lokführers. Harry sah ihn entsetzt an und wich zurück. Blut spritzte erneut auf den Boden und Damion drückte die Lehne immer tiefer in die Brust des Mannes, bis dieser kein Lebenszeichen mehr von sich gab.

Schließlich ließ sein Freund ab und erhob sich. Er streifte den nun von Blut durchtränkten Umhang ab und kam auf Harry zu, der noch ein Stück weiter zurück wich. „Harry es ist gut. Er hat es überstanden." Sagte Damion, doch der Gryffindor nahm die Worte nur wie durch einen Schleier war. Warum hatte Damion das getan? Er hatte einen Menschen getötet. Sie hätten ihm doch helfen können? Immer noch lagen Harrys Augen auf dem Körper des Lokführers und erst wenige Sekunden später, als er die spitzen Zähne und die sich immer weiter verwandelnde Haut des alten Mannes bemerkte, wurde Harry bewusst, was geschehen war.

„Vampire", diese Erkenntnis schlug in Harrys Geist ein wie ein Blitz und Damion hatte es glücklicherweise erkannt. Dies hier war das Werk eines Vampirs oder mehrerer und scheinbar war der Lokführer gerade dabei gewesen, sich zu verwandeln. Damion hatte ihn also gerettet und den alten Mann nicht ermordet, sondern seine Seele erlöst. Langsam drehte sich der Gryffindor um und wollte sich bedanken, doch Damion, der selbst erst mal durchatmen musste, meinte, dass sie nun quitt seien.

Nachdem die zwei Jungen tief durchgeatmet hatten, konnten sie sich ihrer eigentlichen Aufgabe wieder zuwenden. Beide schauten sich suchend im Führerstand um, in der Hoffnung etwas zu finden, das ihnen helfen konnte. Als erstes kam ihnen dabei diese magische Energiequelle die Harry von der anderen Seite gesehen hatte in den Sinn und sie fanden sie auch nur wenige Augenblicke später.

Von dieser Seite der Tür sah die Quelle allerdings viel anders aus. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Harry sie nun mit seinem gewohnten Blick begutachtete. Na jedenfalls konnte man nun lediglich eine Art Kugel sehen, die in eine Richtung ein blaues Licht ausstrahlte. Damion, dem bewusst wurde, wie wenig Zeit sie noch hatten, griff nach der Kugel, um sie aus dem Zug zu schmeißen, doch der starke Schmerz, den die Berührung auslöste, ließ ihn seine Hand rasch wieder zurückziehen.

„Oh Scheiße, tut das weh", rief Damion und presste sich seine Hand an den Körper. Harry sah ihn besorgt an und dann auf die leuchtende Kugel. Scheinbar hatte derjenige, welcher hierfür verantwortlich war, an alles gedacht. Damion fluchte in der Zwischenzeit lauthals über seine eigene Unachtsamkeit und begutachtete die starke Rötung auf der Handfläche. Dann ließ er Wunde aber Wunde sein und sah zu Harry.

„Mensch wie kriegen wir das Ding den nur hier weg?" Fragte er und Harry antwortete, „Gar nicht, Damion. Vielleicht brauchen wir es aber auch nicht." Dem Gryffindor war nämlich wieder in den Sinn gekommen wozu die Kugel doch eigentlich hier war. Sie sollte Leute abhalten, in die Lok zu gelangen. Doch er und Damion waren ja in der Lok und daher ging Harry schnurstracks zum Ende des Führerstandes und bückte sich. Er hob die schwere Eisenabdeckung über der Hängerkupplung des Tenders mit beiden Händen hoch und legte somit die massiven Eisenkettenglieder frei.

„Ist doch manchmal vorteilhaft, heimlich vom Baum aus, Fernsehen zu kucken", meinte Harry in Damions Richtung und dieser lächelte leicht. Die Ernüchterung traf die zwei Gryffindors jedoch, als sie versuchten die Ketten zu berühren. Scheinbar hatten sie sich zu früh gefreut, denn auch hier hielt sie ein Zauber davon ab die Hänger von der Lokomotive zu lösen. Vor Wut schleuderte Harry einen Reduktorfluch auf die Kette, doch das massive Metall lächelte nur zurück.

„Harry ... Harry seid ihr drin?"

Hermines Stimme drang leise von hinten zu ihnen durch und Harry rief ihr zu, dass sie es geschafft hätten und nun an einer Lösung für das Abkoppeln arbeiteten.

„OK Harry, die anderen Schüler sind soweit vorbereitet", erklang es erneut jedoch voller Sorge. Harry allerdings fragte sich, ob man einen Menschen, besonders Kinder, überhaupt auf so ein Unglück vorbereiten konnte. Sie sprachen hier schließlich von über zweihundert Tonnen Stahl, der sich, wenn ihnen nicht bald eine Lösung einfiel, ungebremst ihren Weg durch Kings Cross suchen würden. Und in der Hoffnung, dass es wenigstens Ron geschafft hatte, die Leute am Bahnsteig zu warnen, malte er sich Bilder aus, die eigentlich nur einem Alptraum entspringen konnten. Überall sah er vor seinen Augen Trümmer, tote und verletzte Menschen und Feuer, Feuer das alles vernichtete.

„Scheiße, ich habs ... Feuer", rief er in den Raum.

„Feuer Harry? Wie soll uns das helfen? Hast du nicht bemerkt, wie viel Druck auf dem Kessel ist? Der brennt noch bis Paris."

„Stimmt Damion, doch ich meine nicht den Kessel, sondern die Ketten. Lass mich doch versuchen, sie zu schmelzen."

„Genial..." war das einzige, was Harrys Kumpel herausbekam und keine zwei Sekunden später hockten Harry und Damion auf der Kupplung und der Schwarzhaarige konzentrierte sich darauf, das heißeste Feuer zu beschören, was er sich vorstellen konnte. Dies schien auch zu klappen, denn Damion musste schon wenige Sekunden später Abstand nehmen und kletterte wieder hoch in die Lok.

Harry bekam dies aber nur am Rande mit, genauso wie die unbeschreibliche Hitze, der er ausgesetzt war. Für ihn galt es nur Hermine und seine Freunde zu retten und so biss er die Zähne zusammen und stellte erleichtert fest, dass sich das Metall langsam rötlich färbte. Dann wurde es immer heller und das schwere Kettenglied streckte und bog sich allmählich immer weiter auf. Schließlich gab es einen knall und etwas schoss an Harrys Kopf vorbei. Die Kette war gerissen und die beiden Pufferpaare von Lok und Tender trennten sich.

„Du hast es geschafft Harry", sagte Damion und wollte seinem Kumpel auf die Schulter klopfen. Doch Harry hielt ihn davon ab, mit dem Hinweis, dass seine Kleidung allein schon Brandblasen verursachen dürften.

„Uih Glück gehabt", rief Damion mit einem Grinsen und der Erinnerung an seine verletzte Hand. Blitzschnell zog er sie wieder weg und gab Harry lediglich ein Daumen hoch.

„Harry? Harry ist alles in Ordnung?" Hermine stand gut Zehn Meter von ihnen entfernt und sah besorgt zur Lok vor. Scheinbar hatte der schon entstandene Abstand zwischen der Lok und dem Rest des Zuges dafür gesorgt, dass der Lockenkopf erst die Waggontür öffnen und dann das kleine schmale Podest entlang zum Tenderanfang laufen konnte.

„Ja Schatz, es ist alles OK. Ich bin nur ein wenig außer Puste und muss mal durchatmen." Erwiderte Harry und warf seiner Liebsten ein Lächeln und einen Kuss zu. Dann wurde sein Blick allerdings wieder ernster und er stellte fest, dass a) die Waggons immer noch zu schnell waren und b) sie irgendwie die Lok davon abhalten mussten, sich durch London zu arbeiten.

Ersteres konnte Harry von hier aus jedoch nicht bewerkstelligen. Nein, der einzige, der dies konnte war aber auf der richtigen Seite und das war Blaise. Harry rief seiner Liebsten zu, sie solle den ehemaligen Slytherin holen. Dies dauerte auch gar nicht lange, da Ginny und Blaise wohl gerade nach Hermine schauen wollten. Harry sah den Gryffindor und rief ihm zu, dass er die Waggons stoppen soll. Als Blaise fragte wie, meinte Harry, er soll sich auf seine Kräfte konzentrieren und eine Art Gegenwind oder Luftpolster erschaffen, welches den Waggons entgegenwirkt.

Erst machte Blaise den Anschein, als würde er Harry für verrückt halten, doch dann nickte er und begann sich zu konzentrieren. Er stellt sich an die Spitze der Waggons und hob die Hände nach vorn. Danach spürte Harry, wie sich etwas vor seinem Gesicht veränderte. Doch dieses ungewöhnliche Gefühl lies schnell nach, da sich die Lok zunehmend vom Rest des Zuges entfernte. Das letzte was er noch sah war, dass sich Hermine und Ginny etwas von Blaise entfernten und da er von hier nichts mehr tun konnte und ihn Damion rief, drehte sich der Gryffindor um und ging zurück in die Lok.

Hermine sah ihrem Freund hinterher und bekam ein ungutes Gefühl. Warum waren die Jungen noch nicht von der Lok. Die Lokomotive verschwand jetzt hinter der nächsten Biegung. Ginny legte ihr ihre Hand auf die Schulter und versuchte Hermine zu beruhigen, doch das sollte im nächsten Moment hoffnungslos werden, denn Hermine schrie laut auf und deutete nach vorn. Ginny folgte ihrem Finger und erstarrte. Denn keine hundert Meter vor ihnen schoss die gewaltige Lokomotive des Hogwartsexpresses mit ohrenbetäubendem Lärm von dem Gleisen und bohrte sich mit unbändiger Kraft in einen Erdhügel, dessen grüne, ehemals von Schnee bedeckter Oberschicht nun wie bei einer Explosion durch die Luft gewirbelt wurde...

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