Kapitel 56
Harry erwachte am nächsten Morgen und war sich sicher, dass nicht einmal drei Wochen in einem von Poppys Betten ihm so ein Gefühl des ausgeschlafen seins vermitteln konnten. Auch hatte er keine Ahnung wie spät es war, doch da er allein im Bett lag und die Sonne schon etwas höher zu stehen schien, hatte er die Zeit des Frühstücks wohl hinter sich gelassen. Oder etwa nicht? Der Duft von Kaffee erreichte und umspielte seine Nase. Rasch sprang der Gryffindor auf, zog sich etwas an und auch er bemerkte das Fläschchen nicht, bevor er aus dem Zimmer stürmt.
Unten im Wohnzimmer angekommen war der Tisch reich gedeckt und man schien sich auch gerade hingesetzt zu haben. ‚Glück gehabt', dachte Harry und drückte seiner Liebsten einen Kuss auf die Lippen. „Morgen Schatz" sagte er vergnügt und Hermine lächelte ihn an. „Auch dir einen guten Morgen."
Als die Herzlichkeiten ausgetauscht waren, erinnerte sich Harry allerdings an den letzten Abend und sein Gesicht machte einen leicht schuldigen Ausdruck. „Oh und Hermine, ich weiß nicht wieso, aber ich bin gestern irgendwie eingeschlafen. Ich hoffe du hast nicht mehr all zu lange gemacht."
Also eigentlich wollte Hermine ja erwidern, dass es nur noch ein paar Minuten waren, doch da Mr. Granger plötzlich seinen Kaffee über den Tisch prustete, ging dies unter. Ben Granger musste seinem jüngeren Bruder sogar auf den Rücken klopfen, so sehr hatte sich dieser verschluckt. Harry hingegen überlegte, was er denn falsches gesagt haben könnte. Es war auch nicht Henry Granger, der ja immer noch hustete, welcher den Gryffindor mit einer möglichen Antwort erlöste, sondern Hermines Onkel.
„Also Harry, beim besten Willen, tu so etwas nie wieder. Frag so etwas nie wieder, nicht am Frühstückstisch und schon gar nicht, wenn du am Morgen neben einer Frau aufwachst. Es könnte deine letzte Frage sein."
Harry sah den Mann etwas verwirrt an und ließ sich seine Worte noch mal durch den Kopf gehen. Dann aber schoss ihm das Blut in den Kopf und ein Blick zu den Grangerfrauen sagte ihm, dass diese kurz davor waren, vor Lachen zu platzen. Das sagte dem Gryffindor, dass es Zeit war, im Boden zu versinken. Letztendlich rettete ihn Hermine und lenkte ihren Freund mit einem Kuss ab. Danach wurde der Tisch ein wenig von Mrs. Grangers Kaffee befreit und das Frühstück konnte beginnen.
Nach dem Essen, bei dem David immer noch versuchte Hermines Blick auszuweichen, machte Mrs. Granger den Kindern den Vorschlag, welchen sie auch schon am Vorabend ihrer Tochter unterbreitet hatte. Maggie war natürlich sofort begeistert und auch Harry schien nicht abgeneigt zu sein, ein wenig Ablenkung zu erfahren. Daher blieb den anderen Zweien gar nichts anderes übrig und der Termin wurde fest gemacht. Bis dahin hieß es aber erst einmal noch einige Sachen zu erledigen und daher gingen Hermine und Harry auf ihr Zimmer.
Allerdings schauten die beiden überrascht, als ihnen das Fläschchen endlich auffiel und Harry fragte sich, von wem es stammen könnte. Der einzige, der ihm einfiel, war Professor Styls. Doch auf die Frage, ob dieser noch mal bei Harry gewesen war, konnte Hermine nur mit den Schultern zucken. Harry hob den beigelegten Brief hoch und öffnete das Wachssiegel indem er es zerbrach. Dann entfaltete er das gelbliche Pergament und siehe da, er hatte richtig gelegen. Der Text war unterschrieben mit Stephano Styls. Allerdings stellte dies den Gryffindor nun vor ein kleines Problem, denn Hermine schaute ihn erwartungsvoll an und war sogar soweit, über seine Schultern zu schauen.
Harry blickte auf und hielt den Brief so, dass ihn seine Liebste nicht lesen konnte. Doch was sollte er ihr sagen? Was, wenn Styls ihm Informationen gab, die auf sein früheres Ich bezogen waren? Denn schließlich hatte Harry Hermine noch nichts von alledem verraten. Harry saß wirklich in der Zwickmühle und Hermine schien dies zu spüren. Etwas enttäuscht schaute sie Harry in die Augen und es brach dem Jungen fast das Herz.
„Hermine bitte, ich ... ich ..."
„Schon gut Harry", erwiderte der Lockenkopf und Harry war froh so etwas wie Verständnis bei seiner Freundin zu hören. Er nickte ihr dankbar zu, setzte sich aufs Bett und versuchte den Brief zu lesen und dabei sein schlechtes Gewissen zu ignorieren. Hermine ging derweil an ihren Schrank und suchte ihre Badesachen zusammen.
Harry,
ich weiß, dass nach dem gestrigen Tag nichts mehr zwischen uns so ist, wie es einmal war. Und es ist mir klar, dass sollten wir jemals versuchen wieder etwas derartiges zu erreichen, was wir hatten, dass dann ein harter Weg vor uns liegt.
Doch für alles braucht es einen Anfang und daher hoffe ich, dass dir der Schlaf und die Hände von Ms. Granger ein wenig Kraft zurück gegeben haben, damit du dir vielleicht eine letzte Erinnerung ansiehst. Eine, nein die letzte Tat von Severus Snape bevor seine Seele gänzlich aufgehört hat zu existieren.
Ich hoffe, du wirst danach verstehen,
gez. Stephano Styls
Harry las den Brief noch zweimal durch und in seinem Kopf entwickelten sich die wildesten Fantasien, was ihn möglicherweise erwartete, wenn er in die goldene Erinnerung eintauche. Sein Blick ging zu Hermine, die ihn nachdenklich anschaute, und dann zu seinem Koffer, wo das Denkarium nur darauf zu warten schien, herausgeholte zu werden.
„Ist es sehr schlimm Harry?"
Der Gryffindor schüttelte den Kopf und faltete den Brief zusammen. „Nein Schatz, ist es nicht, nur kompliziert und verwirrend." Auf diese Antwort hin nickte Hermines und fragte dann vorsichtig und im vollen Bewusstsein, dass Harry sich nicht traute, sie dies zu fragen aus Angst sie zu verletzen, ob er etwas Zeit für sich brauchte. Ihr Freund sah sie an und nickte dankbar. Bevor Hermine aber das Zimmer verlassen konnte, rief Harry sie noch mal zurück und sagte leise „Ich liebe dich". Danach war der Gryffindor allein im Zimmer, versiegelte stablos die Tür und holte sein von Dumbledore geerbtes Denkarium hervor. In dieses gab er die golden schimmernde Flüssigkeit und tauchte nur Sekunden später hinab in die Erinnerung des Mannes, den er wohl niemals wieder so richtig verstehen würde.
Es war dunkel, dunkel und trotz des warmen Sommers kalt, als Harry wieder Herr seiner Sinne wurde. Der Gryffindor schaute sich suchend um und kam zu dem Schluss, dass er sich irgendwo in einem Keller befand. Möglicherweise ja in Snapes Haus in Spinners End, von dem Remus gesprochen hatte. Allerdings konnte Harry dies wirklich nur vermuten, doch da es hier unzählige Regale mit Zaubertrankzutaten gab, lag dies nahe. Schließlich bemerkte Harry auch die anderen Akteure der Erinnerung und mit neugierigem Blick und einem doch eher beklemmendem Gefühl auf das Kommende im Bauch sah er zu, wie Snape, der nun noch schwächer wirkte, als in der letzten Erinnerung, Draco Malfoy aus seinen Sachen befreite und den nackten Körper des blonden Slytherin in Richtung eines großen Kessels levitierte.
„Müssen es denn immer Kessel sein?" mit dieser Frage im Kopf trat Harry etwas näher an das Geschehen heran und er ertappte sich dabei, den Körper seines ehemaligen Feindes ein wenig zu mustern. Sein Blick ging dabei über die blasse Haut, zum dunklen Mal, bis hin zu den gebrochen wirkenden Augen. ‚Bei Merlin', dachte Harry, als er an das Schicksal des Jungen dachte und daran, wie sehr Draco doch mit sich gerungen hatte, um nicht seiner Angst vor Voldemort zu erliegen und zum Mörder zu werden. Nun aber schien es, als hätte Tom Riddle so oder so gewonnen.
„So Draco, dies hier ist mit Abstand der schwierigste Trank, den ich je gesehen geschweige denn gebraut habe. Hoffen wir, dass Dumbledore mit all seinen Forschungen richtig liegt."
Mit diesen leisen und voller Hoffnung getränkten Worten schüttete Snape ein bis aufs Hundertstel genau abgewogenes dunkelblaues Pulver in den Kessel und rührte den Trank dreimal im Uhrzeigersinn um. Dann nahm er aus seinem Umhang einen der zwei Kristalle. Es war der Kleinere wie es Harry bemerkte. Snape schlug es mit voller Wucht gegen den Kesselrand, der Kristall zerbarst und das weißliche Licht, welches wohl die Seele von Damion darstellte, versuchte sofort zu verschwinden. Allerdings tauchte aus dem Kessel plötzlich so etwas wie eine Hand auf, nebelhaft und mit Krallen, und zog das Licht in den Trank.
Severus Snape beobachtete das Geschehen und schien nun immer unruhiger zu werden und auf etwas Bestimmtes zu warten. Harry konnte jedoch nicht erkennen, was es war. Doch irgendwann war es wohl soweit. Der einstige Meister der Tränke hob seinen Zauberstab und ließ Draco in den Kessel schweben. Und kaum berührten sich Trank und Körper, da begann der ehemalige Slytherin auch schon aus Leibeskräften zu schreien. Doch so schnell wie er aufschrie, so schnell verstummte er auch wieder und versank im brodelnden Kessel.
Hätte Harry nicht gewusst, dass das, was Snape vorhatte, geklappt hatte, dann wäre er versucht gewesen, alles zu unternehmen, um Draco zu helfen. Doch dies hier war eine Erinnerung und alles war ja schon geschehen. Und letztendlich konnte der Gryffindor nur zusehen und abwarten, was geschah.
Es vergingen einige Minuten bis Snape das Feuer unter dem Kessel löschte und Draco aus selbigem zog. Allerdings war die Person, die nun auftauchte nicht mehr Draco Malfoy, sondern der Körper, wenn auch von jeder Menge Wunden überzogen, hatte schon sehr große Ähnlichkeit mit dem späteren Damion McKenzie. Harry klappte der Mund auf, auch wenn er es eigentlich schon hätte wissen müssen.
Bevor Harry aber einen weiteren Blick auf den Jungen werfen konnte, schien die Erinnerung eine Art Zeitsprung zu machen. Jedenfalls ging durch Harry ein Ruck und als er sich wieder fing, erkannte der Gryffindor gerade noch, wie Severus Snape den zweiten Kristall in einen nun etwas größeren Kessel zerbrach, sich dann seiner Kleidung entledigte und schließlich mit Hilfe einer Leiter in den Zaubertrank kletterte.
Auch hier waren die Schreie laut und unmenschlich. Allerdings war es doch nicht so wie bei Malfoy, denn Harry spürte neben den Schmerzen, die in sehr abgeschwächter Form über seine Haut wanderten auch noch, wie ihn ein beklemmendes Gefühl und eine zunehmende Dunkelheit umspülte. Schließlich kam es dem Gryffindor so vor als würde er durch einen Nebel laufen.
Immer weiter führten ihn seine Schritte und dann nahm er vor sich eine Kontur war. Es war die Rückseite von Snape. Doch der Extodesser war nicht nackt, wie man es hätte vermuten können, nein, er trug seinen gewohnten Umhang und bewegte sich vorsichtig immer weiter in den Nebel. Harry fragte sich, was dies alles sollte und wo sie waren, wurde aber abgelenkt, als vor ihnen eine Stimme mit dazugehöriger Person auftauchte.
„Severus? Severus Snape?", fragte die Person überrascht und Harry erkannte Professor Styls.
„Ja Stephano", erwiderte Snape und schien ein wenig erleichtert zu sein.
„Severus, wo sind wir? Was ist geschehen?"
Doch Snape brauchte noch einige Sekunden bis er antworten konnte. Denn so wirklich einleuchtend oder gar banal war die ganze Situation ja nun auch nicht. Und wenn man daran dachte, dass er Styls nun auch noch erzählen musste, dass dieser und auch sein Sohn ja eigentlich tot waren und dann doch wieder nicht, dann machte dies die ganze Sache nicht gerade einfacher. Schließlich schien sich Snape seine Worte zurechtgelegt zu haben und sah auf.
„Nun Stephano, die einfachste Erklärung ist wohl die, dass du tot bist, oder zumindest dein Körper. Du, nein ihr, habt den Dementorenangriff im letzten Frühjahr leider nicht überlebt, doch Albus konnte eure Seelen glücklicherweise davor bewahren, von diesen Monstern als Nahrung missbraucht zu werden. Er hat sie dem Dementoren entrissen und geschützt."
Harry, der diese Worte ganz langsam durch seinen Geist sickern ließ, sah zwischen Snape und Styls hin und her und erkannte, dass sein neuer Lehrer immer blasser wurde. Schließlich schien dem Mann sein Sohn in den Sinn zu kommen. Er schaute sich um und wollte schon fragen, wo Damion war, doch Snape hob die Hand und sprach schnell weiter.
„Nein Stephano, ich bin nicht hier, um dir zu sagen, dass er tot ist. Ich bin hier, um nach einer Menge Dinge, die in den letzten Stunden und Tagen geschehen sind, als letzte Tat dafür zu sorgen, dass du und auch dein Sohn, dass ihr weiterleben könnt."
„WAS? WIE?"
Die Verwirrung bei Styls war nun überdeutlich zu sehen und zu hören und Snape brauchte einige Zeit, um seinem Gegenüber zu erklären, was er vor hatte. Er berichtete im Groben, was er getan hatte und Styls hörte mit immer größer werdenden Augen zu. Schließlich aber sah er Snape etwas misstrauisch an und fragte,
„Nun Severus, ich denke, ich beginne zu verstehen. Albus war ja schon immer ein weit voraus denkender Mann. Doch was springt für dich dabei heraus? Ich meine, du gibst in gewisser Weise freiwillig dein Leben auf, um mir meines zu ermöglichen. Und bedenke, bevor du antwortest, ich war auch in Slytherin. Ich weiß, dass Leute aus unserem Hause nichts tun, wenn nicht auch für uns was rausspringt."
Harry sah verwirrt dabei zu, wie sich Snapes Gesicht kurz nachdenklich verzog und sein ehemaliger Lehrer danach die Augenbraue überlegen hob. „Wie kommst du darauf, dass ich genauso bin wie die Leute, die für ein wenig Macht, dem dunklen Lord gefolgt sind?"
Stephano Styls lachte plötzlich auf und erwiderte, „Ganze einfach Severus, weil es nun mal in deiner Natur liegt. Oder hast du vergessen, was du alles in deiner Schulzeit von deinen Mitschülern verlangt hast? Meine Güte, Severus, du wolltest, dass dir James Potters Cousine Cynthia einen bläst, damit du ihr beim Examen hilfst."
Harry klappte den Kiefer in Richtung Boden und Styls Gesicht umspielte etwas, dass eine Mischung aus Amüsement und Vorwurf darstellte. Doch der Hammer kam bei Snape zum Vorschein, denn unter seiner Hakennase bogen sich die dünnen Lippen plötzlich nach oben und er grinste gedankenverloren. „Oh ja, das war einer der Momente, wo ich diesem arrogantem Besserwisser mal so richtig was zeigen und er nichts wusste bzw. dagegen tun konnte."
Allerdings begann Professor Styls plötzlich zu lachen und sah Snape ein wenig mitleidig an. Snape bemerkte dies und fragte, was sein Gegenüber habe. Stephano Styls jedoch antwortete mit einer Gegenfrage.
„Jetzt sag nicht Severus, du weißt es nicht?"
„Was? Was weiß ich nicht?", kam es skeptisch aus dem Mund des Extodessers.
„Na ja, dass James es gewusst und auch, dass er den Spieß umgedreht hat."
„Umgedreht?", fragte Snape und Harry kam langsam nicht mehr mit.
„Ja Severus, das hat er. Und er hatte dabei sogar Hilfe von einer Person, die heillos in dich verliebt war und deren Liebe du nie erwidert hast."
„Liebe? Welche Liebe meinst du?"
„Nun, ich meine...", - Styls hob geheimnisvoll seine Stimme ein wenig- , „ ... den kleinen Ravenclaw, Nigel Young war glaube ich sein Name."
„Was der ...?", fragte Snape voller Unglaube. „Der kleine warme Wicht hat doch tatsächlich geglaubt, ich wäre auch schwul ... auhhh."
Professor Styls musste über das Benehmen seines Gegenübers ein wenig schmunzeln, denn auch wenn es in der Zaubererwelt des öfteren vorkam, dass sich gleichgeschlechtliche Paare bildeten, so waren diese dann doch nicht so gerne gesehen, da es bedeutete, dass der Nachwuchs nicht gesichert war, Zauberei hin oder her. Doch manche biologischen Gesetze waren nun mal unumstößlich, zumal die magische Welt von der Muggelforschung nicht wirklich viel hielt. Da Snape es aber immer noch nicht zu raffen schien meinte Styls nach wenigen Augenblicken nur noch. „Und eben jener kleine Ravenclaw hat ohne zu zögern bei James Gegenplan mitgemacht. Ich sage jetzt nur noch die Worte Baumschlangenhaut, Florfliegen und ein Haar von James Cousine."
Harry kamen diese Sachen, es waren ja alles Zaubertrankzutaten, sehr bekannt vor und so bildete sich in seinem Kopf nur noch ein Wort „Vielsafttrank". Und da Snape ja ein Meister der Zaubertränke war, brauchte er auch keine zwei Sekunden und dies zu erkennen. Seine Reaktion war dementsprechend und die Luft erfüllten nur wenige Augenblicke, und trotzdem Snape eigentlich nur noch wenig Zeit hatte, die furchtbarsten Bezeichnung, die man je für James Potter verwendet hatte. Und wenn man dann die Häufigkeit der Todesdrohungen bedachte, so war sich Harry sicher, dass sein Vater ein ganzes Heer von Horkruxen hätte erschaffen müssen, um da raus zu kommen.
Schließlich war es Professor Styls aber ein wenig zu viel und er fuhr mit einem leicht lachenden Unterton Snape an. „Ich denke es reicht jetzt, Severus. James ist ja schon tot und damit sollten wir vielleicht wieder zum meiner ursprünglichen Frage kommen. Was verlangst du dafür, dass ich in deinem Körper weiterleben darf?"
Harrys Blick ging zu Snape und dieser war immer noch rot im Gesicht. Nun ja, Harry konnte es ihm diesmal nicht wirklich verdenken. Doch dann fiel dem Gryffindor auf, dass diese Röte zum Teil aber auch aus einer bei Snape nie gekannten Verlegenheit herrührte. Der Extodesser blickte nämlich plötzlich zum Boden und antwortete.
„Ich will einen Erben."
„Was? Einen was willst du?" Fragte Stephano Styls verdutzt und Snape wiederholte, nun mit deutlicher bestimmenderer Stimme. „Ich will, dass du mit meinem Körper noch einen Erben zeugst. Meine Seele mag zwar sterben. Doch das Blut der Familie Prince darf nicht so einfach aus der Geschichte verschwinden. Bitte Stephano, dies ist das einzige, was ich verlange."
Die beiden Männer standen noch gute zwei Minuten stumm im Raum, bis Stephano Styls seine Hand hob und die Bitte des sterbenden Severus Snape mit einem Schwur besiegelte. Und als Snape nach der Hand von Styls griff, um den Schwur anzunehmen, da geschah es. Ein goldenes Leuchten bildete sich an der Stelle, wo sich die Finger berührten, Snape verblasste immer mehr und Harry spürte, wie ihn eine gewaltige Macht nach hinten schleuderte. Das nächste was der Gryffindor sah, war das überrascht Gesicht seiner Liebsten, die voller Sorge über ihm kniete und ins eine grünen Augen blickte.
„Harry, ist alles in Ordnung?" Mit dieser Frage half Hermine dem Schwarzhaarigen auf, denn die Wucht schien ihn von den Beinen gerissen zu haben. „Ja, es geht Schatz", antwortete der Gryffindor, sah dann aber überrascht seiner Liebsten ins Gesicht und dann zur Tür.
„Hermine, wie kommst du..."
Mit einer unguten Vorahnung schaute Harry zwischen seiner Freundin, der Tür und schließlich dem Denkarium hin und her. Was hatte Hermine vielleicht gesehen? Und wie kam sie hier herein? Und dass der Lockenkopf plötzlich fragte, was denn mit Snape sei, bestärkte Harrys Befürchtung nur noch mehr. Auch war der Gryffindor ein wenig enttäuscht von seiner Freundin, doch dies verschwand im nächsten Augenblick, da Hermine sagte, „Ich meine Harry, du hast die ganze Zeit nichts gesagt, kein Lebenszeichen von dir gegeben. Und als ich die Tür nicht aufbekommen habe, bin ich halt hier rein appariert..."
„Und hast in das Denkarium geschaut", wollte Harry den Satz vervollständigen, doch Hermine schüttelte den Kopf. „Nein Harry, habe ich nicht. Ich wollte es zwar, doch man konnte nichts erkennen."
„Echt?", fragte Harry leicht skeptisch. „Und wieso fragst du dann nach Professor Snape?"
„Na weil du seinen Namen immer wieder gemurmelt hast, und ... Moment mal, seit wann heißt es Professor Snape? Harry, was ist los? Was ist mit Snape?"
Harry konnte im nächsten Moment nur über die Scharfsinnigkeit seiner Freundin schmunzeln. Und es freute ihn, dass er das Geheimnis von Professor Styls doch noch eine Weile vor ihr verbergen konnte. Daher küsste er Hermine kurz auf den Mund und antwortete, „Nun Schatz, es sieht so aus, als wäre Severus Snape doch nicht so böse gewesen, wie wir dachten und er hat laut einer der Erinnerungen Dumbledore auf seinen eigenen Wunsch hin vor einem viel schrecklicherem Schicksal bewahrt. Ich denke, wir sollten es dabei belassen und Severus Snape ist nur noch eine Erinnerung."
Hermine sah ihren Freund an, als hätte er zwei Köpfe. Wie konnte Harry nur so schnell seinen Frieden mit dem Mann schließen, der in den letzten Jahren sein Leben zu einem nicht unerheblichen Teil erschwert hatte. Doch weitere Gedanken konnte sich der Lockenkopf dann nicht mehr machen, denn mit einem Wandel von hundertachtzig Grad stand Harry auf, suchte seine Badesachen und meinte, dass sie spät dran seien, wenn sie noch baden wollten.
Harry war heilfroh, dass Maggie und vor allem auch ihre Mutter so einiges aus der Muggelwelt wussten. Allein die Vorstellung, mit Ron oder gar seinem Vater die Bustour durch die Stadt bis hin zum Freizeitbad durchzustehen, jagte Harry einen Schauer über den Rücken. Nun aber waren sie da und nachdem Harry den Eintritt für alle bezahlt hatte, etwas das er sich nicht nehmen lassen wollte, teilten sich die Vier auf. Hermine nahm Maggie mit in die Umkleide und Harry und David gingen in die ihre.
Harry war schon ein wenig angespannt, denn er wusste zwar, dass er schwimmen konnte, doch ein gewisser Zweifel, dass dies vielleicht auch mit dem Dianthuskraut zusammenhing und er heute wie ein Stein untergehen würde war immer noch da. Als Harry allerdings unter der Dusche stand, fiel ihm zum ersten Mal auf, dass etwas mit David nicht stimmte. Irgendwie wich der Junge Harrys Blicken aus und so fragte der Gryffindor frei heraus, was denn los war. David wurde nun noch unsicherer und sah zu Boden.
„Weißt du Harry, es geht um Hermine. Ich ... ich meine da gestern Abend. Ich wollte wirklich nicht starren. Ich ... ich meine ... sie ist doch meine Cousine und ich kenne sie schon seit ich denken kann. Aber als ich sie so sah ... da ... da..."
„Hast du ein Horn gekriegt", erwiderte Harry mit einem Schmunzeln und musste fast loslachen, als er sah, wie Davids Augen fast heraus fielen. Eigentlich hätte er ja sauer auf Hermines Cousin sein müssen, doch wusste der Gryffindor nach einem Plausch mit seiner Freundin um das Gespräch zwischen dem Lockenkopf und ihrer Mutter. Und sich gegen die zwei Grangerfrauen zu stellen, nein so dumm war auch Harry nicht.
„Na dann warte mal ab, wenn du Hermine nachher siehst. Ich glaube sie hat für ihren Badeanzug ... halt falsch, für ihren Bikini sämtliche Verbandskästen im Haus geplündert. Du weißt schon, diese kleinen, schwarzen Augenklappen."
Schon allein diese Worte schienen zu viel für David zu sein. Und als Hermine dann wirklich in einem Hauch von Nichts auftauchte, da hatte auch Harry so seine Probleme. Allerdings trug der Enthusiasmus und die Vorfreude von Maggie einen Großteil dazu bei, dass sich die Jungen ein wenig von Hermine ablenken konnten. Zwei Stunden später lagen Harry und David am Beckenrand, ließen die Luftdüsen ihre Rücken massieren und taten das, was alle männlichen Teenager tun, wenn die Freundin außer Sichtweite ist... Sie schauten in die „Speisekarte".
Doch nach unzähligen Vergleichen kam Harry allerdings zu dem Entschluss, dass sich keine mit seiner Liebsten messen konnte. Und da auch David nicht mehr jedem Hintern hinterher schaute, kam Harry in den Sinn, den Jungen etwas auszufragen.
„Sag mal David", fragte Harry vorsichtig und eher nebenbei, „hat Maggie recht gehabt. Ich meine im Bezug auf Angelina."
Sofort verkrampfte sich Hermines Cousin und wagte es nicht in Harrys Gesicht zu blicken. Seine Augen fixierten einen Punkt ganz weit hinten im Schwimmbad und es dauerte auch noch mehrere Sekunden bis er überhaupt was erwiderte.
„Ähm ... na ja ... ich mag sie schon Harry. Doch es ist nicht ganz so einfach. Sie ist schließlich eine Hexe und kann so viel. Und ich bin ein Muggel und ..."
„Und mag sie dich? Ich meine, hast du das Gefühl, dass sie an dir interessiert sein könnte?"
Harry kam sich selbst ein wenig komisch vor, wie ein Therapeut zu sprechen. David schien jedoch in Gedanken zu gehen und ein Lächeln schlich sich in sein Gesicht. „Ich glaub schon. Doch so wirklich bin ich mit ihr noch nicht ins Gespräch gekommen. Ich meine, es dreht sich bei ihr zu siebzig Prozent alles um Quidditch. Ich habe zwar durch Viktoria und Maggie schon was über Quidditch gehört, und ich glaube, ich würde das Spiel auch lieben, doch bisher weiß nur das, was in den Büchern und Magazinen steht."
Harry hörte David aufmerksam zu und musste erneut schmunzeln, diesmal aber über seine frühere Mitschülerin. Angelina Johnson war zu ihrer eigenen Schulzeit ja auch in der Gryffindorhausmannschaft und Quidditch ging ihr damals über alles. Kurz darauf wurde Harrys Gesicht aber nachdenklich und er sah sich suchend um. Schließlich erblickte er Hermine und Maggie und die Beiden kamen zu ihnen herüber. Wenig später endete der Badetag. Allerdings wurde Hermine etwas unruhig, als die Jungen fast eine Stunde brauchten und ewig nicht aus ihrer Umkleide kamen. David entschuldigte sich, da er irgendwie unter der Dusche die Zeit vergessen habe und Harry dafür, dass er David nicht gedrängt hat, fertig zu werden.
Wieder bei den Grangers angekommen, rannte Maggie sofort zu ihrer Mutter und wollte ihr erzählen, was sie alles gemacht haben und wie oft sie die große Rutsche herunter gerutscht war. Doch die Erwachsenen beachtete die Kleine nicht wirklich, denn wie Harry bemerkte, waren all ihre Blicke auf den Fernseher gerichtet. Harry wollte noch fragen, was geschehen war, doch dann hörte er den Nachrichtensprecher sagen, dass es sich bei dem Vorfall um ein regelrechtes Massaker gehandelt habe...
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