Hey Leuters,

es wird mal wieder Zeit für ein neues Cap. Hat zwar etwas gedauert, doch ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, zumal ich zeitweise fast soweit war, die Löschtaste zu drücken. Nehmt das Cap also einfach mal so hin und ich werde mich bemühen, die nächsten wieder besser zu schreiben.

Euer Mr. Figgs

Kapitel 57

„Was ist geschehen?", fragte Harry mit schockiertem Gesicht und Hermines Onkel, der wohl sehr häufig die Nachrichten verfolgte und somit am ehesten zu wissen schien, was los war, antwortete als Erster.

„Nun Harry, es sieht wohl sehr nach einem Bandenkrieg aus. Jedenfalls kam es heute Morgen in London zu einer Schießerei im Haus des Oberhauptes der FAMILIE."

„Familie?", fragte Harry nach und sah Ben mit nachdenklichem Gesicht an.

„Ja Harry, du weißt schon, die Mafia. Und wenn das stimmt, dann steht uns eine Menge Angst und Ärger bevor, denn Don Guillano ist einer der mächtigsten und gleichzeitig mysteriösesten Mafiabosse, welcher dem alten Geschlecht der Zabinis entsprungen ist."

„Zabini?" Wenn Harry bisher nur zugehört hatte, war er nun hundertprozentig hellhörig, denn der Name Zabini sagte dem Gryffindor doch schon eine Menge mehr, als die Bezeichnung Don Guillano. Allerdings wurde seine Aufmerksamkeit im nächsten Moment auf den Fernseher gezogen, wo der Nachrichtensprecher etwas abgelenkt schien, aus der Regie einen Zettel zugesteckt bekam und mit seiner Stimme eifrig verkündete, dass sie Neuigkeiten hätten.

„... Oh meine Damen und Herren, so wie es aussieht, war dieser furchtbare Angriff nur ein Teil von verschiedenen Anschlägen auf Mitglieder der Unterwelt. Wie wir gerade erfahren hat es auch in Italien Übergriffe gegeben und diese sollen noch blutiger gewesen sein, als es dies bei uns in England der Fall war."

Dies überraschte Harry nun doch ein wenig und er ließ seine Badesachen zu Boden gleiten und setzte sich, wie David und Hermine gleich nach ihm, neben Onkel Ben aufs Sofa. Was hatte dies zu bedeuten? Doch um eine Antwort zu erhalten, musste sie weiterschauen. Auf den Tagespropheten konnte man sich nicht mehr verlassen, geschweige denn, dass er einen zur Hand hatte.

„... Meine Damen und Herren, wir schalten nun zu unserer Reporterin Stacy Miller. Sie ist in Italien vor Ort und steht vor dem Familienanwesen von Don Guillano, dem wohl bisher zurückhaltendsten und daher auch geheimnisvollsten aller Mafiabosse..."

Das Fernsehbild veränderte sich und zeigte im nächsten Moment ein wirklich riesiges Anwesen, welches leicht erhöht gelegen über dem Meer thronte. Die Villa war umgeben von hohen Zäunen und Hecken. Und vor eben diesen eisernen Wällen warteten unzählige Reporter und Kamerateams. Unter ihnen auch das von Stacy Miller, einer jungen Reporterin mit wallend rotem Haar und einem Gesicht, das einem sofort sagte, dass diese Frau weiß, was sie will.

„Ja Gorden, ich stehe hier vor dem Haus des Dons und es scheint so, als würde die Polizei mit ihrer Arbeit hier langsam fertig zu werden. Wir konnten noch nicht viel erkennen, außer, dass es ungefähr zehn bis zwölf Tote gegeben haben muss. Außerdem geht das Gerücht herum, dass Don Guillano persönlich in das Geschehen mit eingegriffen hat, ihm und seiner Familie aber nichts geschehen ist..."

Harry fiel in gewisser Weise ein Stein vom Herzen, bedeutete dies doch, dass Blaise nichts geschehen war.

„...Allerdings, Gordon, sprechen wir hier von Verhältnissen, die wir uns nur wage vorstellen können. Auch habe ich nicht gesehen, dass irgendjemand verhaftet worden ist. Etwas, das mir persönlich etwas komisch vorkommt. Und noch etwas ist offensichtlich,... wer immer die Angreifer auf das Anwesen waren, sie haben die Familie sehr wütend gemacht, mehr noch, als sich das einige von euch vielleicht vorstellen können. Jedenfalls munkeln dies die Einheimischen, welche die Familie von früher her kennen, denn wenn ihr mal nach hinten seht, erkennt ihr, dass während drei der Opfer, es werden höchstwahrscheinlich Leute von Don Guillano sein, mit je einer Limousine und von Bodyguards begleitet vom Anwesen gebracht werden, die Restlichen alle, ja man möchte fast meinen achtlos in einem Transporter landen. Und dies will schon was heißen, denn egal, wie die Geschäfte von Guillano, oder auch sein Auftreten, bisher auch aussehen mochten, war er doch immer, so sagen es auch seine Feinde, ein Mann, der Ehre und des Respekts."

Die Grangers schauten auf den Fernseher und verfolgten die ganze Sache aufmerksam. Auch wenn Hermines Verwandte vielleicht nur am Rande mitbekamen, dass hier auch Zauberer involviert waren, schien ihnen die Sache, schon allein dass organisierte Verbrechen, wie es die Medien immer so schön nannten, doch einiges an Unbehagen zu verursachen. ‚Nun, man kann es ihnen nicht verübeln', dachte Harry, denn die Übergriffe auf Muggel und die ungeklärten Naturphänomene nahmen in letzter Zeit zu. Wenn man dann noch bedachte, was alles in der Zaubererwelt geschah, so musste man einfach ein wenig Angst bekommen. Plötzlich wurde es im Fernsehen etwas lauter und Harry schaute rasch zurück auf die Mattscheibe.

„... habt ihr das gesehen?", rief der Nachrichtensprechen und sein Gesicht war mehr als nur aufgeregt. Harry verfolgte die Bilder und sah, wie ein schwarzer Kleinbus mit verdunkelten Scheiben durch das schwere eiserne Tor des Zabini Anwesens gefahren kam und auf die Reportermeute zuhielt. Kurz vor Stacy Millers Team bremste er stark und drei Männer in schwarzen Anzügen sprangen aus der hinteren Tür. Sie bauten sich vor der Reporterin und ihrem Kameramann auf und kurz darauf wurden die Beiden auch schon in den Wagen gedrängt.

Die anderen Kamerateams filmten die ganze Sache und nicht eines machte Anstalten Stacy und ihrem Kollegen zu helfen. Harry hörte wie der Nachrichtensprecher rief man sollte doch was tun, doch allen war klar, dass dies von London aus nichts brachte. Im nächsten Moment brach das Bild kurz ab und alles was man sah waren die fassungslosen Gesichter des Nachrichtenteams. Der Sprecher schien aber dann doch Profi durch und durch zu sein, fing sich schnell wieder und auch die Regie schien geschaltet zu haben. Man zeigte kurz darauf im Hintergrund ein etwas älteres Bild der Reporterin.

„Oh mein Gott. Sie haben sie entführt.", rief Jane Granger und sah jeden fassungslos an. Ihre Schwiegermutter war dann aber wohl die einzige im Raum, die nicht ganz so entsetzt schien, denn ihrer Meinung nach hatte sich die junge Frau auch schon früher sehr weit hinaus gelehnt. Bevor man aber diese Meinung diskutieren konnte, kam wieder Bewegung auf den Bildschirm und der Sprecher war mehr als nur aufgeregt.

„Meine Damen und Herren, es ist unglaublich, was ich gerade aus der Regie höre, doch wie es scheint haben wir noch Kontakt zu unserer Kollegin. Offenbar ist die Kamera noch eingeschaltet und sendet uns Bilder und auch Ton aus dem Auto der Entführer. Ich hoffe daher, dass sie Verständnis haben, wenn wir unser Programm etwas abändern und versuchen herauszufinden, was mit Stacy und ihrem Kameramann ist. Sollte es aber doch zum Äußersten kommen, brechen wir, mit Rücksicht auf die Beiden, ab."

Harry und all die anderen vor dem Fernseher im Granger- Haus starrten nun gebannt auf den Bildschirm, hieß es doch durch die Tatsache, dass der Name Zabini involviert war, etwas zu erfahren, was möglicherweise mit der Zaubererwelt zu tun hatte. Kurz darauf verändertes ich auch das Bild ein wenig und man musste als Zuschauer etwas umdenken. Man sah nämlich vorerst nur das nackte Knie von Stacy und hörte leise Worte.

Obwohl leise konnte man sie nicht wirklich nennen, denn die Reporterin verlangte immer wieder, dass man sie und ihren Kollegen frei ließ. Dann hörte man einen der Männer was sagen und es kam Bewegung ins Spiel. Die Kamera war nun nach oben gerichtete und zeigte das Gesicht der Reporterin. Stacy wirkte angespannt und schienen einen bestimmten Punkt im vorderen Teil des Wagens zu fixieren. Es musste der Mann der sprach gewesen sein, denn erst als seine Stimme verhallte, brach sie den Kontakt ab und schaute nach unten, direkt in die Kamera.

Und in dem Moment wurden ihre Augen wieder starr und gingen ruckartig zwischen der Linse und eine Punkt über ihr hin und her. Offensichtlich wurde Stacy bewusst, dass sie noch auf Sendung waren und sie versuchte dem Kameramann dies auch klar zu machen. Ruben, so hatte es Harry im Laufe des Berichts herausgehört, schien nach zwei Minuten geschnallt zu haben, was Stacy mit all ihren Blicken und ungewöhnlichen Zeichen von ihm wollte, denn die Kamera wurde kurz darauf vorsichtig bewegt und machte einen kleinen Rundblick durch den Wagen. Harry konnte sich bildlich vorstellen, mit wie viel Sorgfalt Ruben sich bewegte, um nicht aufzufallen. Glücklicherweise war der Weg, den sie fuhren etwas holprig und so wurde das Ausrichten etwas getarnt. Letztendlich sah man mindestens einmal das Gesicht jedes einzelnen Entführers und keiner wirkte wirklich freundlich.

Kurz darauf kam der Wagen vor dem Haupteingang des Hauses zu stehen und zwei der Männer stiegen aus, wobei man ganz deutlich ihre Waffen sehen konnte. Danach dauerte es noch geschlagene fünf Minuten und die hintere Tür des Kleinbusses wurde geöffnet. Stacy und der Kameramann wurde aus dem Wagen und durch die große Eingangstür des Zabini- Wohnsitzes gedrängt, einem Ort, den noch nie ein Reporter jemals betreten hatte.

(Hinweis: ich schreibe ab hier, als wären man mit im Raum. Ich erspare mir einfach mal die Hinweise wie, „die Kamera drehte nach rechts", usw.)

Das Gebäude war wirklich riesig und es wimmelte überall von Sicherheitsleuten. Man konnte dies besonders gut erkennen, da sich ihre schwarzen Anzüge stark vom weißen Marmor oder den Uniformen der Polizisten, die jedoch keinerlei Interesse an Stacy und ihrem Kameramann zeigten, abhoben. Es ging vorbei an mehreren Türen, einen breiten Gang entlang zu einer sehr weit ausladenden steinernen Treppe, die offenbar das Zentrum des Hauses bildete. Und eben die weißen Marmorstufen wurden die beiden Reporter hoch geführt und Stacy flüsterte immer wieder, dass Rubens ja alles aufnehmen solle. Schließlich kam man an einem offenen Zimmer vorbei, in dem wohl der Hauptkampf stattgefunden haben musste. Zwar hatte man auf dem Weg hier her schon vereinzelte Einschüsse in den Wänden oder umgeworfene Einrichtungsgegenstände gesehen, doch dieser Raum glich wahrlich einem Trümmerhaufen.

Der Weg endete schließlich im bisher beeindruckendsten Raum der Villa... in der Bibliothek. Wenn Stacy und ihr Begleiter bis hierher von vier Bodyguards geführt wurden, so zogen sich diese Männer plötzlich zurück und gaben nun den Blick auf das große Zimmer frei.

„Wow" klang leise die Stimme von Stacy aus dem Fernseher. Und auch wenn die Lage ernst war, man immer noch nicht wusste, was die ganze Entführung zu bedeuten hatte und dass das Schicksal der zwei Reporter mehr als nur fraglich schien, so musste man doch den Moment ihres Erstaunens in Kauf nehmen, wenn man die überragende Pracht und die meterhohen Regale mit gesammeltem Wissen sah. Schließlich befreite sich Stacy aber aus ihrer mentalen Starre und verschaffte sich einen kleinen Überblick über ihre Umgebung.

Der Raum war wie gesagt sehr groß, hell und hatte eine breite Fensterfront, die für eben jene unglaubliche Helligkeit verantwortlich war. Zu Stacy rechten bemerkte die Reporterin eine der beiden weiteren Personen, die sich im Raum befanden. Sie zählte die zwei Bodyguards, die sich außen vor die offene Tür gestellt hatten einfach mal nicht mehr dazu. Und eben jene fremde Person, ein Mann Anfang fünfzig, gekleidet in einen dunklen maßgeschneiderten Anzug, schaute aus dem Fenster. Offenbar beobachtete er die Reporter, die immer noch das Anwesen belagerten und seine Abneigung gegen die Presse zeigte sich auch in einem leicht angewiderten Rümpfen der Nase.

Dann aber wurde die Aufmerksamkeit der Reporterin auf eine weitere Person im Raum gelenkt. Es war ein älterer Herr mit weißem Haar, der gleichfalls einen Anzug trug, seine Jacke aber war offen und teilweise von Blut durchtränkt. Dieser Mann saß hinter einem großen Schreibtisch in einem alten Ledersessel und nahm die Umgebung, so kam es Stacy vor, noch nicht wirklich richtig wahr. Das Gesicht war von Trauer gezeichnet, aber dies verlieh ihm nicht unbedingt den Anschein von Schwäche. Stacy wurde bewusst wem sie da gegenüber stand und als der alte Mann auch noch seinen Blick hob und sich ihre Augen trafen, da wich die sonst so forsche junge Dame dann doch ein wenig zurück. Schnell wandte sie ihren Kopf ab, um ihre Lage nicht noch schlimmer zu machen.

Sie schaute zurück zum Mann am Fenster, der sich aber mittlerweile umgedreht hatte und die beiden Reporter mit seinen markanten Augen musterte. Danach ging er ohne ein Wort zu sagen zu einem kleinen Servierwagen und füllte etwas Cognac in sein Glas. Stacy beobachtete die ganze Sache und mit welcher Ruhe der Mann dies tat und beschloss, wie es ihre Art nun mal war, dass Angriff die beste Verteidigung war. Sie fragte den jüngeren, der ohne Zweifel so etwas wie ein Vertrauter und Sekretär des Dons war, was die Entführung zu bedeuten hätte.

„Entführung?", erwiderte der Fremde mit einem leichten Lächeln, das aber in Anbetracht der Ereignisse leicht gespielt wirkte. „Welche Entführung Ms. Miller?"

„Wollen sie mich verarschen?" kam es empört aus Stacys Mund und sie legte sogleich ihre Hand darüber, denn sie merkte, dass sie wohl ein wenig zu weit gegangen war. Der Don richtete sich nämlich auf und schien etwas erwidern zu wollen, doch dies übernahm sein Sekretär. Dieser nämlich begann sichtlich amüsiert zu lächeln und erwiderte, „Nun Ms. Miller, sie haben eine sehr flinke Zunge. Und auch wenn einige meiner Freunde so etwas ohne Zweifel mögen, weise ich sie darauf hin, dass in diesem Hause nicht geflucht wird, jedenfalls nicht in dieser Art und Weise. Und um ihre, wenn auch etwas unschön gestellte Frage zu beantworten, nein, es war kein Scherz. Offenbar handelt es sich hier um ein kleines Missverständnis, denn es lag der Familie Zabini nichts ferner, als jemandem seiner Freiheit zu berauben. Sie wurden lediglich hergebracht, weil sie von der Presse sind und unsere Organisation es als das Beste sieht, einige Aussagen zu treffen, bevor sie und ihre Kollegen da draußen anfangen mit falschen Mutmaßungen mehr Schaden als Nutzen für uns anzurichten. Und um ihnen noch einen Tipp zu geben, Ms. Miller. Wenn es sich hierbei wirklich um eine Entführung gehandelt hätte, dann hätten wir wohl als Erstes ihrem Freund Ruben die immer noch laufende Kamera abgenommen."

Harry hörte den Worten des Mafioso aufmerksam zu und konnte sich förmlich vorstellen, wie blass der Kameramann im nächsten Augenblick ausgesehen haben muss. Allerdings änderte sich die Einstellung im Fernseher nicht und dies bedeutete, dass Ruben weiter filmte. Doch dann wurde der Gryffindor von seinen Beobachtungen etwas abgelenkt, da die anderen lauthals diskutierten und meinten, dass dies alles Gewäsch war. Harry hingegen bekam das Gefühl, dass der Mann es ernst meinte und auch das Gesicht im Fernseher kam Harry irgendwie vertraut vor und so hoffte er, dass sich die anderen schnell wieder beruhigten, damit er weiterhören kann.

„Klarstellen? Heißt das, dass sie ihre Morde auch noch verteidigen wollen?" Fragte Stacy überrascht und sah dann provokativ zu dem Mann hinterm Schreibtisch. „Glaubt Don Guillano wirklich, dass es damit getan ist? Ich habe gehört, ihr Boss soll selbst mindestens drei der Männer getötet haben? Und als Beweis nehme ich dafür mal das Blut auf seinem Hemd."

Stacy schien sich regelrecht in Rage zu reden und Harry rechnete fest damit, dass sie im nächsten Moment für ihr Verhalten die Quittung bekommen würde. Sie sprachen hier schließlich von der Mafia und davon, dass diese auch noch Zauberer waren, darüber wollte Harry noch nicht mal nachdenken. Der jüngere der beiden Männer im Raum hingegen schaute für einige Augenblicke verwirrt zwischen Stacy und seinem Partner hin und her. Dann schlich sich aber plötzlich ein Grinsen in sein Gesicht, dass Harry leicht aufstöhnen ließ, denn er kannte dieses Grinsen.

Der Mann trank seinen Cognac aus und sagte, „Ähm Ms. Miller, dass Don Guillano und auch seine Freunde heute einiges getan haben, worauf sie nicht unbedingt stolz sein können, darüber besteht kein Zweifel, denn es sind Menschen gestorben. Doch um darüber zu richten, dafür fehlen besonders ihnen die Fakten. Wir reden nämlich bei den Ereignissen von heute von einem Angriff auf die Familie Zabini, mit dem Ziel sowohl den Don, als auch seine Frau und seine beiden Kinder zu töten. Und wenn man dies berücksichtig, dann reden wir hier einzig und allein von Selbstverteidigung."

Der Vertraute des Dons hatte sich mittlerweile gänzlich aufgerichtet und seinen Worten mit einem sehr ernsten, ja fast zornigen Gesicht Nachdruck verliehen. Dies nahm Stacy ein wenig den Wind aus den Segeln und auch Ruben schien sich ganz still zu verhalten. Schließlich aber beruhigte sich der Mann wieder und auch das Lächeln schlich sich von der einen auf die andere Sekunde wieder in sein Gesicht. Der Grund hierfür war wahrscheinlich, dass Stacy versuchte zum Don herüber zu schauen und eine Reaktion von ihm zu ergattern.

Unterbrochen wurde dieser Versuch allerdings vom Sekretär und dieser fragte, „Nun Ms. Miller, sie haben doch vorhin, draußen vor unserem Haus, ihren Zuschauern so eindrucksvoll berichtet, was ihre Vermutungen über die heutigen Ereignisse sind. Es war, glaube ich, von aufkommenden Bandenkriegen die Rede, oder so. Dabei kommt es mir nun aber gerade so vor, als wüssten sie nicht wirklich viel über Don Guillano, seine Geschäfte oder gar seine Familie."

Stacy betrachtete den Mann nun mit gemischten Gefühlen und schien in Gedanken zu versinken. Dann entschloss sie sich aber, nicht zurück zu stecken und mit forscher Stimme und einem Blick zum Schreibtisch erwiderte sie, dass er sich da mal nicht täuschen solle. Sie habe sich schon länger mit der Familie Zabini beschäftigt und wüsste vieles, wovon ihre Kollegen nur träumen würden.

Harry sah auf den Bildschirm und da sich in seinem Kopf schon einige Vermutungen im Hinblick auf das Auftreten des Mannes angesammelt hatten, so wurden diese nun bestätigt, da der Sekretär, den Harry allerdings ab diesem Moment nicht mehr wirklich als einen solchen ansah, begann noch breiter zu grinsen. Er machte nun auf Harry den Eindruck, dass er ein Wolf war, der Blut geleckt hatte. Schließlich drehte sich der Mann sogar ein wenig weg, lächelte in sich hinein und ging zu Servierwagen zurück

„Nun Ms. Miller, was halten sie von einem Drink? Was darf ich ihnen im Namen von Don Guillano anbieten? Tee? Kaffee? Oder vielleicht einen guten Schluck aus ihrer Heimat? Ich glaube, ich habe noch einen Whisky der älter sein dürfte, als sie selbst."

Stacy war ein wenig verwirrt. Zum einen, weil die plötzliche Gastfreundschaft sie überraschte, doch dann auch, weil der Sekretär etwas im Ton hatte, als er den Namen „Don Guillano" nannte, was ihre sämtlichen Alarmglocken zum Schellen brachte. Schließlich nickte sie aber zustimmend und das klirrende Geräusch von Eiswürfeln, die in ein Glas fielen, hallte durch den Raum. Danach plätscherte der goldgelbe Whisky in den Kristallbecher und mit einem Lächeln wurde Stacy ihr Drink überreicht. Ruben hingegen war nicht nach Alkohol zumute und er fragte nach einer Coke. Da diese aber nicht zur Hand war, schickte sich der Sekretär an, das Zimmer zu verlassen. Dies rief nun endgültig den älteren Mann am Schreibtisch auf den Plan.

„Nein Sir, das geht zu weit." Kam es mit müder Stimme und der Jüngere hielt in seiner Bewegung inne. „Schon gut Anthony, ich kann dies auch mal selbst tun. Du und die anderen hatten heute schon genau zu tun."

Stacy, die gerade das Glas ansetzen wollte, erstarrte. Sie schaute ihr Gegenüber an und plötzlich schien die Erkenntnis wie ein mittlerer Kleinwagen auf sie einzustürzen. Und wo wir mal beim Stürzen sind, ihr Whiskybecher schepperte auch nach wenigen Sekunden zu Boden und die junge Reporterin verlor jegliche Farbe aus dem Gesicht. Der Don, also das wirkliche Oberhaupt der Familie war nun kurz davor lauthals loszulachen.

„Sie? ... Sie... oh mein Gott... sie sind der Don..."

Der Mann nickte erhaben und der ehemals perfekte Teint der Reporterin wechselte nun jede Sekunde die Farbe. Es gab Töne von leichenblass bis hin zu Im- Boden- Versinken- Rot. Schließlich war Stacy so weit, voller Furcht vor dem Kommenden aus dem Zimmer zu rennen, um ihre Haut zu retten. Doch dann brachte sie das Lachen des Don wieder in die Realität. Blaise Vater beobachtete seinen Gast und ging dann zum Schreibtisch hinüber. Dort hob er den Hörer des Telefons ab, drückte einige Tasten und sprach mit sichtlich amüsierter Stimme. „Isabelle, komm doch bitte mal kurz in die Bibliothek und bring einen Eimer mit. Ms. Miller hat trotz ihrer zarten Füße ein riesiges Fettnäpfchen mitgenommen und dabei auch etwas von ihrem Drink verschüttet."

Stacy spürte, trotzdem sie hoffte, dass die Stimmung des Dons nicht gleich wieder umschlug, wie ihr Gesicht erneut anfing zu glühen. Sie schaute zu Ruben, der es irgendwie schaffte nicht auch zu lachen und dann zum Schreibtisch, wo sie noch mitbekam, wie Don Guillano noch schnell die Cola für den Kameramann bestellte. Und spätestens hier war Harry sich sicher, dass Blaise und der Mann im Fernseher miteinander verwandt waren. Sie hatten den gleichen Humor im Umgang mit ihren Mitmenschen.

„So Ms. Miller, jetzt wo wir die personellen Fragen geklärt haben, können wir vielleicht zum Grund ihres Besuchs kommen."

Stacy schaute immer noch leicht benommen zwischen dem Don und dem Mann namens Anthony hin und her.

„Miss Miller? Können sie mir folgen?"

Die junge Reporterin nickt abwesend und im nächsten Moment wurde ihr bewusst, wie unbeholfen sie nun gerade vor ihrem Publikum wirken musste. Sie erinnerte sich, dass sie ein Profi sein sollte, straffte ihre Brust und machte sich bereit dem Don zuzuhören. Blaise Vater schenkte vorerst aber nur noch ein weiteres Glas des Cognacs ein und reichte es seinem Partner.

„Dies ist übrigens mein alter Freund und Mentor Anthony Benedetto. Meine rechte Hand, wenn sie so wollen, doch wir werden ihn heute entschuldigen müssen, denn der Angriff hat ihn schwer getroffen, da einer seiner Söhne dabei starb, als er sich vor seinen Vater warf, um diesem das Leben zu retten."

Der alte Mann seufzte und nahm das Glas entgegen. Dann nickte er seinem Boss dankbar zu und Don Guillano bedeutet Stacy und Ruben ihm zu folgen. Sie bekamen noch kurz mit, wie eine junge Frau in einem schwarzen Kostüm den Raum betrat. Es musste wohl Isabella sein, denn sie reichte einem der Bodyguards eine Flasche mit rotem Etikett und schickte sich dann an, Stacys Malheur zu beseitigen. Dann aber verschwand die junge Frau aus dem Blickfeld der Reporterin und sie standen auch schon in einem weiteren Zimmer der Villa, einem, dass die Bibliothek noch um ein vielfaches übertraf.

In diesem Raum, nein, man konnte es schon Salon nennen, war all das vorhanden, was ein normaler Mensch als ungewöhnlich und dekadent bezeichnen würde. Er strahlte voller Prunk, den, so dachte sich Harry, nur ein reinblütiger Zauberer ertragen konnte. Die Decken und Wände waren aus weißem, an manchen Stellen sogar mit Silber durchzogenem Marmor. Gepaart wurde dies mit edlen Hölzern, deren Reliefs allein schon zu den Meisterwerken zählen sollten. Auch hier gab es Regale voller Bücher. Doch das beeindruckendste waren die Bilder, welche von längst vergangenen Epochen zeugten. Dies alles aber war bedeutungslos, wenn man sah, worauf sich die ganze Kunst zu konzentrieren schien. Es war ein Punkt in der Mitte des Raumes. Es war der größte und außergewöhnlichste Schreibtisch den Harry je gesehen hatte. Nicht mal Dumbledores in Hogwarts reichte an ihn heran und seine rot schimmernde Mahagoniplatte warf ein nahezu magisches Licht in den Raum.

Stacy klappte der Mund auf und sie wusste nicht, wohin sie zuerst schauen sollte. Waren es die Bilder namhafter Maler? Die mystischen und für Muggel ungewöhnlich anmutenden Skulpturen magischer Tiere, bei denen man den Eindruck haben konnte, dass der Herr dieses Reiches auf schlangenähnliche Geschöpfe stand? Oder war es eben jener Schreibtisch, der das Zentrum des Raumes bildete und hinter dem sich der Don nun niedergelassen hatte?

Harry selbst war erstaunt über solche Pracht und gleichzeitige Dekadenz. Allerdings sagte ihm und auch jedem anderen Mitglied der magischen Welt das Aussehen des Zimmers, wo und in welchem Hause der Don zur Schule gegangen war. Slytherin schien allgegenwärtig.

„Ich sehe Ms. Miller, dass ich sie auf ein Neues überraschen konnte. Besonders scheint es ihnen ja mein Arbeitsplatz angetan zu haben? Nun, der Tisch ist schon seit Generationen in unserer Familie und viele wichtige Entscheidungen wurden an ihm getroffen. Legenden ranken sich um ihn, denn er soll weit über tausend Jahre alt sein. Die Füße sollen sogar vom Letzten der alten großen Drachen stammen."

Nun war es Stacy, die plötzlich ihr Gesicht nicht im Zaume hatte und leicht auflachte. Doch schon im nächsten Moment hielt sie sich Hand vor den Mund und sah erschrocken zum Don. Der jedoch schmunzelte nur und erwiderte, „Keine Sorge, Ms. Miller, ich kenne diese Reaktion und nehme es niemandem übel, wenn er lächelt. Sie brauchen sich nicht immer verstecken, denn ich mag Leute, die so bleiben wie sie sind. Ich verstelle mich ja auch nicht und stehe dazu, dass ich Dinge mag, die von Magie her zeugen."

Nach diesem Satz schien der Don aber an etwas erinnert worden zu sein und sein Gesicht wurde wieder ernst. Während Harry immer noch seine Augen auf die riesigen graugrünen Krallen gerichtet hatte, welche die schwere Holzplatte stützten, begann Blaise Vater mit wohl gewählten Worten zu erzählen.

„Nun Ms. Miller, sie sind heute hier, weil ich mich nach dem Angriff auf meine Familie an die Welt, und ich meine nicht nur die, welche sie kennen, richten möchte, um eine Art Erklärung abzugeben..."

„Die Welt, die ich kenne? Gibt es denn noch eine?", fragte Stacy dazwischen und der Don sah sie lächelnd an.

„Ja Stacy Miller, es gibt noch eine Welt, die im dunklen und geheimen lebt. Eine Welt die sie nicht verstehen würden und in der mehr Menschen leben, als sie es sich vorstellen."

„Sie meinen die Unterwelt, richtig?" Hakte Stacy nach, wie es eine ordentliche Reporterin nun mal tun sollte. Harry wusste aber, trotzdem der Don nun leicht amüsiert nickte, dass er die Zaubererwelt meinte.

„Ja. Miss Miller die meine ich. Und eben aus jeder Welt kamen die Leute, die meine Familie und Freunde heute angegriffen haben. Sie gehören einer, wie sie sagen würden, Sekte an und folgen einem Mann, der meint, dass Menschen wie sie nicht würdig wären, auf dieser Welt zu existieren."

„Und wer ist dieser Mann?"

„Nun Stacy, er ist ein Fanatiker, ein Mann, der bisher so im geheimen gearbeitet hat, dass man ihn nur als ein Rätsel, ein Riddle; bezeichnen kann. Doch nun, nach so vielen Jahren, in denen er verschwunden war, ist er wieder da und versucht seine kranken Pläne erneut umzusetzen."

„Und der Angriff auf sie, Don Guillano, war der Anfang?"

„Was? Wie? Oh nein, Stacy. Der Angriff heute sollte mir und auch anderen Familienchefs sagen, dass Mr. Riddle mit meiner Entscheidung, ihn nicht mit Leuten und Geldern zu unterstützen, nicht sehr zufrieden ist. Doch dies war ein Fehler, ein großer, den er noch bereuen wird. Ab heute, so sage ich es ganz deutlich, sind alle Anhänger dieses Mannes meine persönlichen Feinde und nicht nur meine, sondern nach einem Gespräch mit anderen Familienoberhäuptern wurde beschlossen, dass die Todesser, so Miss Miller nennen sich nämlich diese Verbrecher, die vor allem in England ihr Unwesen treiben, als vogelfrei gelten."

Wenn Harry mit vielem gerechnet hatte, so war dies, was er eben gehört hatte, mehr als nur schockierend. Dass danach auch noch der Bild- und Tonkontakt mit der Zabini- Villa abbracht, und die Nachrichtensprecher aufgeregt spekulierten, was das ganze sollte, machte es Harry auch nicht leichter, die Ereignisse zu verarbeiten. So kam es, dass im Hause Granger noch lange keine Ruhe einkehrte. Hermine und Harry versuchte allen wenigsten ein wenig zu erklären, was sie nach dem Fernsehbericht vermuteten. Doch so richtig sicher war sich wirklich keiner.

Es wurde dann schließlich fast Zwei, als man beschloss ins Bett zu gehen. Maggie musste man sogar mit einem Schwebezauber befördern, da sie es sich auf Davids Schoss gemütlich gemacht hatte und wie ein Baby schlief. Letztendlich fand dann aber jeder sein Zimmer und Harry zog sich um. Er legte sich schon ins Bett und wartete darauf, dass seine Liebste aus dem Bad zurückkam. Als dies dann geschehen war, küsste er sie noch mal liebevoll und beide fielen, dank der mehr als nur ereignisreichen Tages, in einen tiefen Schlaf.