Kapitel 61

Es war wie es Ginny schon gesagt hatte. Harry musste seine ganze Kraft aufbringen, um Damion nicht zu bitten, mit der Erzählung aufzuhören, denn das letzte was der Gryffindor wollte, war zu hören, wie seine frühere Freundin und auch sein Kumpel ihr erstes Mal verbracht hatten.

Aber allein die Vorstellung, was die Beiden erlebt hatten, die Umstände, die im Spiel waren, und Harrys angeborene Neugier gaben ihm die Kraft, es nicht zu tun. Sein Blick ging, wenn auch von einem deutlichen Rotschimmer untersetzt, immer noch voller Unglaube zwischen den Beiden hin und her und besonders Ginnys Lächeln wurde von Harry besonders gemustert. Damions Liebste bemerkte dies und da sie schon lange nicht mehr das kleine schüchterne Mädchen war und nachdem sie sich kurz umgeblickt hatte, zuckte sie schelmisch mit der Augenbraue, öffnete leicht den Mund und binnen von Sekunden schoben sich ihre Eckzähne leicht nach vorn.

„Bei Merlin, Ginny deine Zähne", rief Harry leicht geschockt, doch seine Freundin grinste nur und nachdem sie dem Schwarzhaarigen kurz die Zunge heraus gestreckt hatte, ließ sie die Zähne wieder verschwinden. Dann trat sie ganz nah an Damion heran und küsste ihren Liebsten. Harry wandte kurz den Blick ab, denn einerseits wollte er die zwei nicht stören und auf der anderen Seite schossen ihm plötzlich unzählige Fragen durch den Kopf. Am meisten schockte ihn aber die Erkenntnis, dass Ginny und Damion nun etwas waren, das von der Akzeptanz der Zaubererwelt her noch skeptischer betrachtet wurde, als dies bei Remus Lupin der Fall war. Die Zwei waren Vampire und sie standen ihm direkt gegenüber und... Moment mal?

Harrys Augen weiteten sich von einer Sekunde zur anderen immer mehr und sein Blick ging an Ginny und Damion vorbei. Harry schaute aus dem Zug und direkt in die Sonne. Dann trafen seine Augen die von Damion und mit zittriger Stimme stellte der Gryffindor fest, „ Damion? Ginny? Die Sonne?"

Das Paar lächelte plötzlich mehr als nur geheimnisvoll und wollte gerade etwas erwidern, da wurde die Tür des Waggons aufgeschoben und Blaise Zabini kam in Begleitung von Hermine auf die Plattform.

„Hey ihr drei, was treibt ihr hier draußen so lange?" Blaise grinste übers ganze Gesicht, als er sah, dass sich die beiden Liebenden gerade erst getrennt hatten und dass Harrys Gesicht immer noch rot war. Allerdings bekam der ehemalige Slytherin den Blick, welchen Damion Harry zuwarf, und der bedeutete „später" nicht mit.

„Ach wir haben Harry Tipps gegeben, wie er Hermine dieses Glitzern, welches du ja bei ihr diagnostiziert hast, erhalten kann."

Damion war wie sein Vater und wusste, wie er es schaffte von etwas abzulenken und die Aufmerksamkeit vollends auf eine andere Person zu übertragen. Harry schenkte dem Gryffindor ein Gesicht aus Schock und Verlegenheit, doch da alle plötzlich über den Spruch lachten, tat er es ihnen gleich und sagte zu sich selbst, dass er noch lockerer werden musste. Kurz darauf ging es aber wieder ins Abteil zurück, da die alte Dame mit dem Süßigkeitenwagen am Ende des Ganges auftauchte.

„Mann bin ich voll", sagte Ron, als er den sechsten Schokoladenfrosch herunterschluckte und die anderem im Raum fragte, ob sie die Karte von Aggripina, die er ja schon mehr als einmal besaß, haben wollten. Keiner schien Interesse zu haben und so verstaute der Rothaarige die Sammelkarte in seinem Rucksack und wandte sich wieder den Gesprächen im Abteil zu. Hauptsächlich ging es dabei um die Ereignisse im Hause Zabini und während Blaise allen erzählte, was sein Vater mit seiner kleinen Ansprache gemeint habe, da fiel Harry etwas ein, dass ihn seit der Fernsehübertragung beschäftigt hatte.

„Du sag mal Blaise, dieser Tisch bei deinem Dad im Arbeitszimmer..."

„Ja Potter, was ist mit ihm?", erwiderte der Schwarzhaarige leicht überrascht, auch wenn es dem Jungen wahrscheinlich gefiel, das Harry fragte.

„Nun, ich weiß nicht so recht, Zabini. Es war etwas an ihm, dass mir ein Kribbeln beschert hat. Er strahlte so etwas... ich weiß nicht, wie ich es sagen soll..."

„... magisches aus?" Vervollständigte plötzlich Celine und zog damit die Aufmerksamkeit auf sich.

„Ja genau", kam es aus Harrys Mund und mit perplexem Gesicht sah er zu Blaise Schwester. Diese lächelte aber nur und schaute zu ihrem Bruder, der sich nun an Harry wandte.

„Tja Potter, das ist ja dann wohl so, weil es ein wirklich einzigartiges Stück ist. Du hast doch meinen Vater gehört. An diesem alten und wertvollen Tisch wurden wichtige Dinge beschlossen und Geschichte geschrieben."

„Das wurde es an McGonagalls Schreibtisch auch...", mischte sich Damion ein, „... aber es bleibt dadurch trotzdem nur ein Tisch. Und was sollte die Sache mit den Drachenkrallen. Ich meine, wie sagte dein Dad doch gleich? ‚...Sie gehörten dem letzten der alten Drachen.' Also mal ehrlich Zabini, wenn dies so wäre, dann hätte dein Dad immer damit zu rechnen, dass ihm seine Mahagoniplatte auf die Füße fällt."

Nun schauten alle etwas überrascht zu Damion. Nun ja, nicht alle, denn Ron schien zu wissen, was Ginnys Freund meinte. „Stimmt Damion, Drachenteile zerfallen zu Staub, wenn man einen Drachen tötet und nicht binnen kürzester Zeit einige Zauber über sie spricht. Charlie hat mir das mal erzählt."

„Na dann ist doch alles klar", meinte Blaise, doch Hermine machte ihm einen Strich durch die Rechnung bzw. widersprach ihm. „Nein, das ist es eben nicht, denn der Zauber den Ron meint, wurde erst vor siebenhundert Jahren entwickelt."

Harry sah erstaunt zu seiner Freundin und musste mal wieder zugeben, dass er sie für ihr Wissen bewunderte. Dann wurden aber alle kurz abgelenkt, da eine männliche Stimme über den Lautsprecher verkündete, dass sie Hogsmeade in etwa zehn Minuten erreichen würden. Ron streckte sich daraufhin genüsslich und beginnend mit einem langen Stöhnen sagte er, „Uuahhh, das wird aber auch Zeit. Ich kann kaum noch die Beine bewegen, geschweige denn, dass ich sie spüre."

Die Reaktion auf diese Aussage hin war aber alles andere als erwartet, denn während Harry und Co im letzten Jahr noch laut über ihren Freund gelacht hätten, entstand heute plötzlich eine gespenstische Stimme und man konnte sehen, dass alle irgendwie in Richtung Celine schielten. Selbst Ron schien seinen Fehler zu bemerken und wollte offenbar im Sessel versinken. Blaise Schwester hingegen begann plötzlich zu grinsen und meinte, „Ja Weasley, das kenne ich. Ist wirklich ein Scheißgefühl."

Es dauerte einige Sekunden bevor die geschockten Gesichter anfingen sich zu verändern und das Abteil mit lautem Gelächter erfüllt wurde. Harry schaute zu Celine und diese schüttelte den Kopf. „Eyh Leute, ich bin nur gelähmt, nicht tot. Und seht mich bitte nicht als Jemanden, der ins Glashaus muss. Das hatte ich zuhause zu Genüge. " Danach schaute das Mädchen zu Ron und als dieser ihr Lächeln sah, fühlte er sich um einiges erleichtert.

Kurz darauf kam der Hogwartsexpress zum Halten und die Schüler strömten aus den Abteilen. Jeder wollte sich einen Platz in den ersten Kutschen sichern, da dies bedeutete, man kam vor dem ganzen Tumult im Schloss an und hatte noch Zeit sich vor dem Essen ein wenig frisch zu machen. Auch Harrys Freunde wollten sich den Eiligen anschließen, bis dem Gryffindor Celine wieder in den Sinn kam. Vorsichtig schaute er zu Blaise und seiner Schwester und bemerkte, dass diese noch auf ihren Plätzen saßen. Harry fragte sich nach dem Grund, als Hermine ihre Hand auf seine Schulter legte und meinte, dass sie auch noch warten sollten. Auch Ron blieb noch zurück und bat Parvati, die blasenbedingt dringender Weise ins Schloss wollte, sie solle Damion und den anderen sagen, dass sie ein paar Plätze freihalten sollten. Rons Liebste küsste den Rotschopf noch kurz und verschwand hinter der nächsten Tür.

„So, ich denke, wir können los." Mit diesen Worten zog Blaise die Aufmerksamkeit auf sich und im nächsten Moment fragte er auch schon, ob Harry und Ron ihm etwas helfen könnten. Harry schaute ihn unsicher an, stellte aber dann fest, dass der ehemalige Slytherin wollte, dass sie seine und Celines Tasche mal kurz nehmen würden, denn Rucksäcke und Handtaschen wurden nicht von den Hauselfen transportiert. Als die beiden Junge dies dann auch taten, nickte Blaise dankbar und hob danach seine Schwester hoch. Er trug sie aus dem Abteil, dem Zug bis hin zur Kutsche und während er dies tat beobachtete ihn Harry mit einem sehr unsicheren Blick. Dem Gryffindor wurde beim Anblick von Celine, und ihrer Behinderung schlagartig klar, was für ein Glück man hatte, wenn die Gesundheit stimmte.

Die Fahrt mit der Kutsche wurde dann wieder eine lustige Sache, denn Celine schien in Anbetracht der nun nicht mehr ganz so zahlreichen Zuhörer etwas aufzutauen. Sie und Blaise erzählten von Weihnachten und auch von den Tagen danach. Schließlich kam ihre Kutsche als Letzte vor dem Schloss an und nachdem Blaise seine Schwester die lange Treppe zum Hauptportal hochgetragen hatte, wurden sie dort von Professor McGonagall und von Professor Flittwick begrüßt.

Die beiden Lehrer bedachten ihre Schüler mit einem Lächeln, traten danach etwas zur Seite und gaben somit den Blick auf etwas frei, dass sie mitgebrachte hatten. Es war eine Art Rollstuhl, doch sein Aussehen unterschied sich doch ein wenig von denen, die Harry aus dem Fernsehen kannte. Alles schien sehr alt zu sein, jedoch nicht alt im Sinne von verschlissen oder so. Nein, der Stuhl schien antik und war mit vielen filigranen Schnörkeln versehen. Am markantesten allerdings war die große rote Kristallkugel, welche am Ende der rechten Armlehne angebracht war.

„Guten Abend, meine Lieben", sagte die Direktorin und sie lächelte dabei ihre Schüler an. „Ich hoffe doch die Fahrt war angenehm und sie haben alle noch eine Menge Platz in ihren Bäuchen. Bevor wir aber dazu kommen, sollten wir uns jedoch zuerst Ms. Zabini zuwenden. Ich habe dazu Professor Flittwick mit hergebeten, da er sich um ihre Flexibilität kümmern wird."

Mit diesen Worten übergab sie an den kleinen quirligen Lehrer für Zauberkunst und dieser begann sofort zu erklären, was er vorhatte. Allerdings wurde Flittwick von Blaise ein wenig in seinen Ausführungen unterbrochen. Zabini setzte nämlich plötzlich ein leicht gequält wirkendes Gesicht auf und meinte mit einer Art die an Slytherin erinnerte, „Es ist ja schön und gut, was sie uns da so erzählen Professor, und kann mir vorstellen, dass besonders sie sich über diese Aufgabe RIESIG freuen. Doch meine verehrte Schwester konnte sich beim Weihnachtsbraten und auch beim darauf folgenden Tiramisu nicht beherrschen und daher wäre es nett, wenn sie zum Punkt kom... Autsch."

Harry wusste nicht, ob er amüsiert über Celines Reaktion oder schockiert über Blaise Worte wirken sollte. Hatte der Gryffindor gerade einen Professor angemotzt? Scheinbar sah dies die Direktorin genauso und wollte ihren Schüler dafür maßregeln. Professor Flittwick, dem eigentlich so gut wie niemand die Laune vermiesen konnte, lachte aber nur kurz auf und sagte mit quieksender Stimme, „Natürlich Mr. Zabini, sie haben recht. Aber nur was das Beeilen angeht, denn ihre Schwester ist nun wirklich nicht zu dick oder so."

Dann wandte sich der kleine Lehrer an die Direktorin und beide zogen ihre Zauberstäbe. Sie richteten sie auf den Rollstuhl und sagten einige Zaubersprüche in tiefstem Latein. Dann sollte Blaise seine Schwester auf dem Stuhl, der nun in einem grünlichen Licht erstrahlte absetzten und zurücktreten.

„Nun Ms. Zabini...", begann die Direktorin. „Zuerst möchte ich, dass sie folgenden Worte laut sagen und zwar in dieser Reihenfolge... Hoch... Runter. Stop ... Aus. Und während sie dies tun berühren sie die rote Kristallkugel."

Celine sah die alte Hexe ein wenig unsicher an, kam danach aber der Aufforderung nach. Harry verfolgte das ganze und fragte sich, was die beiden Lehrer damit bezweckten. Die Antwort auf seine Fragen kam von Professor Flittwick, als dieser erklärte, „Nun, Ms. Zabini damit dürften sie um einiges agiler hier in Hogwarts sein, denn mit den Zaubern, welche die Direktorin und meine Wenigkeit auf ihren nun persönlich auf das Schloss abgestimmten Rollstuhl gelegt haben, können sie nun die unzähligen Treppen überwinden."

Harry und auch die anderen Schüler sahen die Professoren überrascht an. Wie sollte dies denn möglich sein? Allerdings waren ihre Fragen in dem Moment, wo sie Celines glückliches Gesicht sahen egal. Professor Flittwick erklärte unterdes weiter, dass es sich bei der ganzen Sache um einen gedankengesteuerten Schwebezauber handelt, der das Problem mit den Treppen lösen sollte.

Harry hörte dem interessiert zu und fragte sich im nächsten Moment und in Anbetracht des eher antik wirkenden Rollstuhls, ob diese Methode der Fortbewegung schon etwas älter war und vielleicht schon mal genutzt wurde. Plötzlich wurde Harry von der Direktorin angesprochen und irgendwie schien die alte Hexe langsam Dumbledores Gespür für ihn entwickelt zu haben. Sie sagte nämlich, ohne dass Harry sie direkt gefragt hatte. „Ja Mr. Potter, es gab in der Geschichte von Hogwarts schon einige Absolventen, die auf die Hilfe dieses Stuhles angewiesen waren."

„Echt?", fragte Harry überrascht und Professor McGonagall nickte. „Ja Mr. Potter, nur ist es in den letzten Jahren und im Zuge, wie sich die Zauberergesellschaft verändert hat dazu gekommen, dass vor allem reinblütige Zaubererfamilien eine Behinderung als einen Makel ansehen und ihre Kinder lieber im eigenen Heim unterrichten, als ihnen die Möglichkeit der Ausbildung in Hogwarts und damit der Öffentlichkeit zu geben."

‚Aha', dachte Harry. Es war also ähnlich wie unter den Muggeln, da er selbst einst gesehen hatte, wie Dudley und seine Gang einen Jungen, der auf ein Paar Krücken angewiesen war gehänselt und dass umherstehende Passante nicht mal etwas deswegen unternommen hatten. Bevor der Gryffindor sich weitere Erlebnisse ins Gedächtnis rufen konnte merkte die Direktorin jedoch an, dass es Zeit fürs Abendmahl sei. Dass sie dabei aber einen sonderlich amüsierten und teilweise geheimnisvollen Ausdruck im Gesicht hatte, das bekam Harry nicht mit.

In der Großen Halle angekommen lagen natürlich alle Blicke auf Celine, die sich nun verständlicherweise ein wenig unwohl fühlte. Blaise stand seiner Schwester jedoch bei, legte ihr kurz beruhigend die Hand auf die Schulter und schob dann den Rollstuhl in Richtung Gryffindortisch. Dort angekommen sprang Ron sofort auf und rückte einen der Stühle zur Seite. Harry musste schmunzeln als er dies sah und erinnerte sich an etwas, das Blaise gesagt hatte. Der ehemalige Slytherin war nämlich vorhin im Zug aus dem Abteil gekommen, um mal aufs Klo zu gehen und meinte im Vorübergehen amüsiert, dass, wenn er nicht wüsste, dass Ron Parvati abgöttisch liebt, er glauben würde, dass Ginnys älterer Bruder mit seiner Schwester flirrten würde.

Harry hatte Blaise aber schnell beruhigen können und erwidert, dass dies nicht der Fall sei, sondern Ron nur scheinbar jemanden gefunden hatte, mit dem er auf einer Wellenlänge lag. Wahrscheinlich weil Celine auch schon nach zehn Minuten, in denen sie so in Erfahrung bringen wollte, wer jeder so war, Rons größte Schwäche angesprochen hatte und den Gryffindor zu einem Schachduell forderte. Ron hatte angenommen und damit würde wohl in den nächsten Tagen im Gryffindorturm schon eine Menge Spannung zu spüren sein.

Nun aber hieß es erst einmal, sich das Abendessen, welches ihnen die Hauselfen bereitet hatten, schmecken zu lassen. Harry setzte sich neben Hermine, küsste sie noch kurz und freute sich darauf, dass Professor McGonagall gleich die magischen Worte sprach. Dass die Direktorin dabei aufstand und wie es auch Dumbledore früher immer getan hatte, ihre Arme in Richtung Halle streckte, störte Harry nicht weiter. Was den Gryffindor allerdings aufblicken ließ, waren die Worte, welche die Direktorin nun anklingen ließ.

„Guten Abend liebe Schüler. Ich freue mich, euch alle gesund und wohlbehalten wieder hier in Hogwarts begrüßen zu können. Viel ist geschehen in der Zeit eurer Abwesenheit und Sachen sind passiert, die mir persönlich sehr große Sorge bereitet haben. Doch es zeigte sich, dass Mut und ein kühler Kopf imstande ist, so gut wie alles zu schaffen und das Blatt zum Guten zu wenden."

Harrys Blick wurde nachdenklich und er und auch seine Freunde schauten zum Lehrertisch hoch. War es das, was der Gryffindor befürchtete, was hier geschah? Gönnte ihm das Leben denn kein Glück, kein Erbarmen. Und wie Harry diese Gedanken so im Kopf umherschwirrten, sprach die Direktorin weiter.

„Ihr alle, egal aus welchem Haus wisst, wovon ich rede und es ist mir eine Freude, nein, ein Bedürfnis etwas zutun, was die Presse, und selbst das Ministerium in den letzten Tagen nicht geschafft haben. Doch hier in Hogwarts gibt es nun einmal kein Entrinnen und daher bitte ich nun folgende Schüler nach vorn..."

Harry stöhnte leicht auf und es half auch nicht, dass viele Bewohner der anderen Häuser auf Professor McGonagall Bemerkung hin, anfingen zu lachen. Glücklicherweise war aber Ron der erste, der aufgerufen wurde. Ihm folgten Parvati, Hermine, Ginny, Neville, Luna und Blaise und unter tosendem Applaus reihten sich Harrys Freunde vor dem Lehrerisch auf. Harry hoffte schon, er bleibe verschont, doch McGonagall wollte ihn nur in Sicherheit wiegen. Denn während sie Hermine und Co nur so zu sich rief, gab sie bei ihm und auch Damion einen gerafften Ablauf, von dem was die Zwei unternommen hatten, um die Schüler im Hogwartsexpress zu retten.

Harry war zu einem Mord bereit, wenn die alte Hexe sie noch weiter in den Himmel heben würde. Die Direktorin wurde aber vor diesem Schicksal bewahrt, da Harry in nächsten Moment mit Hermine gleich auf war und seine Liebste ihm beruhigend ihre Hand auf die Schulter legte. Schließlich stand der Gryffindor neben seinen Freunden und harrte der Dinge, die da kamen. Im Großen und Ganzen lief die Zeremonie darauf hinaus, dass alle eine Auszeichnung für Verdienste um die Schule bekamen und jeder für sein Haus, mit Ausnahme von Harry und Damion, welche vierzig bekamen, zwanzig Extrapunkte erntete. Dies wurde natürlich mit Beifall von den jeweiligen Häusern honoriert.

Bevor sich die Schüler allerdings endgültig wieder an den Tisch setzten durften, rief Professor McGonaghall Harry und Damion noch mit amüsierter Stimme hinterher. „Ach, und Mr. Potter und auch Mr. McKenzie, ich hoffe sie haben sich nicht zur sehr über ihre Punkte gefreut, denn Schulregeln sind Schulregeln und daher muss ich ihnen leider jeweils zehn Punkte abziehen. Der Hogwartsexpress ist schließlich Schuleigentum und wer dieses beschädigt muss mit den Konsequenzen leben."

Harry und Damion schauten die alte Hexe mit großen Augen an und glaubten zu träumen. Da aber die ganze Halle sah, dass sich die Mundwinkel der Direktorin zu einem Lächeln verzogen, wusste jeder, wie der letzte Satz zu verstehen war und ein allgemeines Gelächter brach aus. Als dieses sich wieder gelegt hatte erklangen dann endlich die von allen heiß ersehnten Worte „Haut rein" und das Abendessen konnte beginnen.

Es war ein wirklich langes und auch wohlschmeckendes Mahl, welches die Hauselfen den Schülern und Lehrern von Hogwarts bereitet hatten. Harry fühlte sich, als würde er gleich platzen und sein Magen sehnte sich sogar nach einem von Mr. Grangers Kräuterlikören, doch Alkohol in dieser Form war in Hogwarts strengstens verboten. Hermine lächelte ihren Freund an und strich ihm über den Bauch. „Na mein Bester, haben wir ein wenig übertrieben?"

Harry lächelte zurück und nickte. Dann ging sein Augenmerk zu den anderen am Tisch und ihm fiel auf, dass alle Blicke irgendwie auf Celine lagen. Blaise Schwester schien dies aber Gott sei dank nicht aufzufallen, oder es störte sie nicht. Allerdings fragte sich Harry warum dies so war und als sein Blick vom Gryffindortisch weg ging, sah er noch mehr neugierige Blicke.

Schließlich war das Abendessen zu Ende und Blaise schob seine Schwester aus der Halle in Richtung Gryffindorturm. Jetzt, und da plötzlich eine Menge Schüler ebenfalls rasch die Halle verließen, erkannte der Gryffindor auch, was so interessant an Celine war. Jeder hatte ihren Zustand bemerkt und den Stuhl auf dem sie saß. Genau aus diesem Grunde war wohl jeder gespannt, wie Blaise Schwester sich wohl nun zum Gryffindorturm bewegen würde. An der ersten Treppe angekommen hörte Blaise auf zu schieben und drückte Celines Schulter aufmunternd. Dann trat er zurück und unter den Augen von gut fünfzig Schülern legte das Mädchen ihre zarte Hand auf die rote Kristallkugel.

„Nur zu Ms. Zabini", erklang die aufmunternde Stimme von Professor Flitwick. Und dies schien Celine den nötigen Mut zu geben. Sie sagte laut und deutlich „hoch" und mit einem leichten Brummen, und wie von Zauberhand getragen, schwebte der Rollstuhl samt Celine die Treppe hinauf. Oben angekommen hört man ein deutliches „Stop" und danach den Applaus aller Zuschauer. Den Rest der Fahrt zum Gryffindor schaffte kaum ein Schüler mitzuhalten. Celine schien so glücklich und auf wundersame Weise beflügelt zu seine, dass sie mit ihren Händen die Räder des Stuhls immer schneller drehte. Einzigstes Hindernis war letztendlich noch der Eingang zu ihrem neuen Haus, dem Gryffindorturm, da sie einerseits das Passwort nicht kannte und andererseits da der Durchgang hinter dem Gemälde der fetten Dame eine Art Loch in der Wand war und somit einen kleinen Sockel hatte. Beide Sachen wurden aber durch Professor McGonagall binnen kürzester Zeit aus dem Weg geräumt und somit stand einer kleinen Feier, die Professor Styls genehmigt hatte, nichts mehr im Wege.

Wenn Gryffindor dem Hause Slytherin in einem nicht nachstand, so bemerkte es Blaise, dann war es das Feiern. Vor allem war dies noch ein Verdienst der Weasleyzwillinge, welche schon in ihren frühen Jahren, die Hauselfen auf ihre Seite gezogen hatten und es dadurch an Snacks, die man in Anbetracht des Abendessens zwar erst später wieder vertrug, und auch an Butterbier niemals mangelte.

Und es feierten auch wirklich alle mit, sei es Erstklässler oder baldiger Absolvent. Allerdings lichteten sich die Reihen zu späterer Stunde dann doch und somit saßen hauptsächlich die Siebenklässler und ein paar von Harrys Freunden aus den tieferen Jahrgängen zusammen vor dem Kamin und unterhielten sich über die Ereignisse der Ferien. Es war dann auch schließlich Damion, der sich plötzlich suchend umschaute und dann meinte, dass es Zeit sei, auf den Ausgang der Sache mit dem Express, mal so richtig anzustoßen.

Harry fragte sich wie sein Freund dies meinte und seine Augen wurden um einiges größer, als der Lehrersohn eine Flasche Feuerwhisky aus seinem Umhang zog und mit seinem Zauberstab ein Tablett mit leeren Gläsern beschwor.

„Sag mal Damion, ist es das, wofür ich es halte?"

Ron sah den Freund seiner Schwester mit fragendem Blick an und deutete dabei auf den Alkohol. Damions Grinsen wurde noch breiter und er nickte. „Jepp Ronald, ist es. Wir versaufen heute dein Erbe."

„Sein Was?", fragte Dean und Damion wandte sich an den schwarzen Gryffindor. „Sein Erbe Dean, sein Erbe. Der Whisky ist nämlich aus Arthur Weasleys Vorrat. Doch bevor mich Ron deswegen umbringt, nein, ich habe ihn nicht gestohlen, sondern Rons Dad hat mir die Flasche geschenkt."

Nachdem dies geklärt war, goss Professor Styls Sohn jedem etwas ins Glas, auch wenn die Blicke, welche ihm Ginny und vor allem Hermine zuwarfen, tödlich waren. Damion schien davon aber nicht beeindruckt und grinste die zwei Mädchen nur an. Als er dann aber die Runde machte, um jedem einen Becher zu reichen, da verweigerte zu aller Überraschung Seamus seinen Teil. Harry sah seinen irischen Freund mit großen Augen an, zumal Seamus sonst der letzte war, der bei so etwas nein sagte.

„Nö, nö Damion, ich lass mal lieber die Finger von Alkohol."

„Und warum? Ich meine, du bist doch sonst kein Verächter?" Fragte Damion mit einem schelmischen Grinsen.

„Das schon...", erwiderte Seamus, „... doch nach Sylvester. Ich meine, ich habe mit meinem Cousin gefeierte, und er hat mich zu so einer Muggelparty, so einer Schaumparty mitgenommen, wo es alles Mögliche zu trinken gab... na ja... und halt am nächsten Tag, da..."

Damion grinste plötzlich teuflisch und vollendete den Satz. „ ... da hattest du einen Kopf so groß wie ein Drachenei und hast geklebt wie nach der Gewinnausschüttung in ner Samenbank."

Das nächste was man hörte war das laute Prusten von Harry und der grelle Schrei von Ginny, die den Whisky, welchen der Gryffindor voreilig gekostet hatte, über ihrem ganzen Körper verteilt bekam. Harry war das Ganze mehr als nur peinlich und er versuchte, das Malheur wegzuzaubern, doch so recht wollte ihm das nicht gelingen. Glücklicherweise kam ihm aber Ron mit seiner Unwissenheit zu Hilfe, denn der Rothaarige fragte laut, was denn eine Samenbank sei. Damion begann zu grinsen, mehr noch als durch das Missgeschick seines Freundes und eigentlich hätte er ja Ginny helfen sollen, doch bei all den immer roter werdenden Gesichtern konnte Styls Sohn nicht anders.

„Also Ron, vielleicht hättest du doch irgendwann mal Muggelkunde belegen sollen, doch da dies nicht an dem ist, versuche ich es dir zu erklären. Also hergehört, mein Guter. Anders als wir Zauberer kennen die Muggel so etwas wie Fruchtbarkeitstränke nicht, und weil es dadurch oft zu kinderlosen Ehen kommt, weil der Mann unfruchtbar ist, kamen die Muggel irgendwann auf die Idee, Sperma zu spenden und es in Samenbanken einzufrieren. Und sollte es dann mal gebraucht werden, wird es aus der Bank geholt und verwendet."

Auch wenn Ron in den letzten Monaten um einiges reifer geworden war, so war dies nun Gehörte doch ein wenig mehr, als er verkraften konnte und sein Gesicht färbte sich knallrot. Allerdings fragte der Gryffindor im nächsten Moment, ob diese Sache nicht ein wenig blöd war und vor allem unangenehm für die Frau. Schließlich tut es doch schon weh, wenn man im Winter an einer vereisten Eisenstange leckt. Dass Damion nicht mehr dazu kam, vom gefrorenen Sperma und der Verwendung bei einer Frau zu sprechen, das dürfte wohl jedem klar sein. Der ganze Gryffindorgemeinschaftsraum fing an zu johlen und sich vor lachen den Bauch zu halten. Ron hatte es mal wieder geschafft und nur mit Mühe gelang es Damion die Sachen richtig zu stellen.

Allerdings rief der erhöhte Lärmpegel Professor Styls auf den Plan und somit endete die kleine Feier schneller als gedacht. Damions Vater betrat den Gemeinschaftsraum und erstarrte, als er seine Schüler mit den Whiskybechern in der Hand sah. Harry wusste, jetzt waren sie am Arsch, zumal sich Styls Gesicht verdunkelte und er zu seinem Sohne hinüber schritt.

„Ich glaub es nicht? Ich glaube nicht, was ich hier sehe. Whisky? Whisky in meinem Hause und ihr wolltet es vor mir geheim halten?"

„Professor...", versuchte Harry seinem Kumpel zu helfen. Doch Styls hob nur die Hand und bedeutete ihm, ruhig zu sein. Dann erreichte der Professor seinen Sohn und nahm ihm das Glas weg.

„Also Damion, ich bin enttäuscht. Nein, ich bin mehr als enttäuscht. Ich bin entsetzt. Du als mein Sohn solltest wissen, wie ich zu Alkohol im Algemeinen und Whisky im Besonderen stehe. Und aus diesem Grunde wirst du dieses Glas hier nicht trinken..."

Harry schaute zuerst den Professor an und dann in die Runde. Alle hatten ihren Blick gesenkt und wussten, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Doch dann erhob Professor Styls erneut seine Stimme und er sprach zu seinem Sohn. „Denn das hier ist mein Glas. Wenn du was trinken willst, hol dir ein neues."

Alle schauten schockiert auf und Styls grinste sie an. „Lasst das aber Minerva nicht hören und wehe dem, der mehr als ein Glas trinkt. Skoll".

Harry konnte es immer noch nicht fassen. Sie waren dem Professor auf den Leim gegangen. Und während alle leicht zögerlich am Whisky nippten, erklärte Styls ihnen, dass er auch gern mal einen guten Schluck zu sich nahm. Dann verlangte er aber, dass dies hier eine Ausnahme war und man es vor allem nicht in ganz Hogwarts verbreiten sollte. Danach schaute sich der Hauslehrer der Gryffindors um und schien jemanden zu suchen. Schließlich blieb sein Blick auf Blaise und seiner Schwester hängen und er lächelte.

„Ah gut, dass ihr zwei noch hier seid. Ich wollte doch noch was erledigen..." Und während er dies sagte, ging sein Blick nochmals suchend durch den Gemeinschaftsraum und er fuhr fort. „Und es ist auch schön, dass auch die Mädchen der höheren Jahrgänge noch anwesend sind, denn dann brauche ich euch das morgen nicht noch einmal erklären. Es geht nämlich um Ms. Zabini und darum, dass ich ihrem Bruder hiermit die Berechtigung erteile, die Treppe zu den Mädchenschlafsälen zu benutzen."

„Was?", fragte Lavender überrascht und auch einige andere schauten nun zu Blaise.

„Nun Ms. Brown, ich denke dass dies das Sinnvollste ist und ich denke auch, dass Mr. Zabini dieses Privileg nicht ausnutze wird, um vielleicht... " – Styls schaute nun zu seinem Sohn – „... um vielleicht magische Überwachungsgeräte an brisanten Orten zu verstecken."

„Natürlich nicht, Professor", begehrte Blaise auf. „Wo denken sie hin?"

„An meine Jungend", erwiderte Styls mit einem Grinsen, „und daran, dass ich auch mal jung war."

Nun lachte der ganze Raum und dies schien Blaise ein wenig zu verunsichern. Sein Lehrer und auch Celine kamen ihm aber zu Hilfe und vor allem Blaise Schwester erklärte, dass es manchmal ganze schön hilfreich sei, wenn Blaise beim waschen mit im Raum war, zumal es ja nicht immer sein sollte, sondern nur, wenn sie wirklich Hilfe bräuchte. Dies schienen die Mädchen dann irgendwie zu begreifen und einige boten auch ihre Hilfe an. Unter ihnen waren auch Ginny und Hermine, die beide allerdings ein seltsames Grinsen im Gesicht hatten und Blaise ein paar Blicke zuwarfen, wodurch dieser die Entscheidung seines Hauslehrers bereits ein wenig bereute.

Am Ende galt es nur noch, die magische Treppe zu den Mädchenschlafräumen auf Blaise abzustimmen und alles war der Gryffindor tun musste, war seine Hand auf eine rechts am Durchgang befindliche Steinplatte zu legen. Harry erinnerte sich, dass diese Platte auch immer von Professor McGonagall gedrückt wurde, wenn sie in Begleitung eines männlichen Kollegen, meist war dies Snape mit irgendwelchen Tränken, zu den Mädchen hochging.

Während Blaise die Platte drückte, richtete Professor Styls seinen Zauberstab auf die Mauer und sprach einige lateinischen Worte. Harry beobachtete die ganze Sache und war sich insgeheim sicher, dass wohl jeder Junge hier im Raum gern seine Hand unsichtbar für Styls mit auf die Platte gelegt hätte. Zwei Minuten später war alles vorbei und der Hauslehrer von Gryffindor erklärte, dass es Zeit fürs Bett war. Somit leerte sich der Gemeinschaftsraum und es blieben am Ende nur noch Harry, Damion und Ginny zurück. Und dies schien besonders Damion zu freuen, hatte er doch Harry noch einiges zu erklären.

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