Kapitel 63
Die ersten beiden Stunden am heutigen Tage hieß es Zaubertränke zu ertragen und Professor Slughorn konnte es nicht lassen Harry immer wieder auf die Quidditchnationalmannschaft anzusprechen. Mit jedem Male betonte der Mann mit dem Walrossbart, dass er ja fast jeden einzelnen Spieler persönlich kannte und dass viele ihm sogar so einiges zu verdanken hatten. Harry konnte es kaum noch hören und war richtig froh, als die Schulglocke das Ende der Zeit im Kerker einläutete.
Der nächste Unterrichtsblock sollte allerdings auch nicht einfach für den Gryffindor werden. Verwandlungen stand an und als Harry das Klassenzimmer betrat und Professor Stormfire offensichtlich noch nicht im Raume war, fiel sein Blick zuerst auf den Pulk von Gryffindor Siebenklässlerinnen, die alle um Hermine gedrängt standen und tuschelten. Harry legte seine Tasche vorerst bei Neville und Damion ab, denn auf gar keinem Fall wollte er sich jetzt diesem Pulk giggelnder Mädchen nähern. Er war ja nicht lebensmüde, auch wenn dies bedeutete, dass er sich von seiner Liebsten fernhielt.
„Ich denke mal, Harry, dass du gerade besprochen wirst. Lavender bearbeitet Hermine seit dem Frühstück. "
Mit diesem Satz meldete sich Damion lachend zu Wort. Er tat kund, dass es wohl um die möglichen Aktivitäten der Beiden an Weihnachten ging und Harry schoss ein leichter Rotschimmer ins Gesicht. Dann ging sein Blick zu den Mädchen und er bemerkte, dass einige von ihnen zu ihm rüber schauten und lächelten und dann auch einige Blick in eher tiefer liegende Regionen warfen. Das bescherte dem Gryffindor ein wirklich beklemmendes Gefühl im Bauch, von der totalen Verlegenheit gegenüber seinen männlichen Freunden wollen wir hier jetzt gar nicht mehr sprechen.
Der Hammer allerdings kam wenige Augenblicke später, als plötzlich Emily Stormfire hinter den Mädchen auftauchte und diesen, ohne dass sie bemerkt wurde, einige Momente zuhörte. Das war zuviel für Harry und er setzte sich abrupt hin und starrte gebannt zur Tafel. Damion und Neville kriegten sich nicht wieder ein und feixten, was das Zeug hielt. Schließlich aber, der Unterricht hatte längst begonnen und die Mädchen hatten die Glocke nicht einmal gehört, erhob die Professorin das Wort.
„So meine Damen, ich denke die Pause und auch die Zeit über Mr. Potters Qualitäten zu reden ist vorbei."
Harry starrte die junge Lehrerin mit schockierten Augen an und wäre am liebsten aus dem Raum gerannt, doch Damion hielt ihn fest und meinte, dass Harry damit leben müsse, dass EMS ein wenig von seinem Vater angenommen habe. Allerdings ahnte Harry nicht im Geringsten, wie viel dies war. Professor Stormfeier begann nämlich plötzlich teuflisch zu grinsen und wandte sich an Lavender.
„Ach und Ms. Brown, bevor wir uns dem neuen Stoffgebiet zuwenden, welches uns doch wohl einige Wochen beschäftigen wird, lassen sie mich eines sagen. Eine Erfahrung, wenn sie so wollen, die viele Frauen schon vor ihnen gemacht haben und die sich auf ihre doch sehr indiskrete Frage an Ms. Granger bezieht. Denken sie immer dran, es kommt nicht auf die Größe an,... schmecken muss' er."
Das war's. Harrys Stuhl kippte geräuschvoll nach hinten um und noch während der Gryffindor fiel, betete er, dass er sich den Kopf einschlug, denn dann hätte er es geschafft. Er wäre tot oder zumindest im Krankenflügel. Alles, aber nur hier weg. Doch diesmal blieb das Schicksal hart und Harry musste sich dem Feixen und den Blicken aller stellen.
Kurz darauf bat die Professorin allerdings um Ruhe und erläuterte das Thema, welches sie in der nächsten Zeit begleiten sollte. Es ging dabei um Animagie und dies rief doch das Interesse aller hervor. Stormy erklärte, dass es eine Anweisung des Ministeriums war, dass die Schüler lernten, wie man einen Zauberer in seiner tierischen Form erkannte. Außerdem wollte das Ministerium, dass alle Schüler zu Beginn der Studien einen Test machten, der aussagte, ob der jeweilige Hogwartsschüler eventuell das Zeug oder die Fähigkeiten zum Animagus hatte.
Dies ließ Harry natürlich aufhorchen und gleichzeitig drückte es auf seine Stimmung. Wie sollte er denn nun die Sache mit dem Phönix geheim halten? Harry musste unbedingt mit dem Gemälde von Albus Dumbledore reden. Glücklicherweise war eh für den Nachmittag ein Gespräch im Keller der Archive angesetzt und somit sah Harry diesem sehnlichst entgegen.
„Ach komm schon Harry...", sagte Hermine aufmunternd und versuchte mit ihrem Freund Schritt zu halten. „... so schlimm kann es doch nicht sein. Du kennst doch Lavender und wie sie nun mal ist."
„Ja aber das ist es ja eben. Kannst du dir vorstellen, wie mich spätestens heute Abend alle in der Großen Halle anstieren werden?"
Harry war nicht direkt böse auf Hermine und doch fragte er sich, warum seine Freundin nicht einfach nichts gesagt hatte. War es nicht ihre private Sache, wenn sie miteinander schliefen? Musste es denn gleich ganz Hogwarts erfahren? Allerdings brachte ihn der nächste Satz seiner Liebsten zum Nachdenken. Hermine meinte nämlich, dass Harry ja wohl auch mit Ron und Damion und all den Jungen im Schlafsaal über sie sprechen würde.
„Hab ich aber nicht", erwiderte Harry und wollte weitergehen. Dann blieb er aber stehen und ein teuflisches Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. „Noch nicht, bin halt noch nicht dazu gekommen."
Ab hier war es Hermine, die plötzlich rot wurde und ein flaues Gefühl im Bauch bekam. Bevor sie aber ihrem Freund sagen konnte, dass er sich unterstehen sollte, erreichten sie beide den Wasserspeier am Fuße der Treppe zu Professor McGonagalls Büro. Und sie waren nicht allein, sondern Stephano Styls schien schon auf sie zu warten.
„Oh schön, dass ihr da seid", sagte Damions Vater mit einem Lächeln. „Minerva muss noch einige Dinge in Büro erledigen und bat mich, schon mal mit euch runter zu Albus zu gehen."
Mit diesen Worten sagte er das Passwort „Nerhegeb" und die Treppe schraubte sich entgegen ihrer gewohnten Richtung nach unten. Fünf Minuten später betraten die Drei auch schon den Raum, welchen Dumbledore für Harry hinterlassen hatte und das Bildnis des alten Zauberers begrüßte seine Gäste.
„Oh schön, dass ihr mich besucht Harry... Ms. Granger und auch du Steph."
„Ist doch klar, Albus", erwiderte Professor Styls und schloss die Tür zum Archiv. Dann gesellte er sich zu den beiden Jugendlichen, die mittlerweile bis zu der Vitrine mit den vernichteten Horkruxen vorgegangen waren und sah vor allem Harry nachdenklich an.
Der Gryffindor bemerkte den Blick und auch, dass Styls Augen immer mal wieder zu Hermine wanderten. Schließlich schien er die Situation des Professors zu verstehen und während er seinen Arm um seine Freundin legte sagte er, „Professor, ich habe Hermine alles erzählt." Stephano Styls wurde leicht blass und dies änderte sich erst wieder, als Harry weiter sprach. „Ich habe ihr davon erzählt, was Severus Snape getan hat, habe ihr erzählt, dass es ein Plan von Professor Dumbledore war. Und ich habe sie gebeten, keinen Groll mehr gegen unseren früheren Professor zu haben. Severus Snape ist tot und soll nun in Frieden ruhen..."
Professor Styls sah seinen Schüler mit großen Augen an und nickte schließlich verstehend. „Ja, das soll er", kam es leise aus seinem Mund und Harry konnte spüren, wie dankbar ihm der Mann über die Wahrung seines Geheimnisses war. Schließlich kam man aber zum eigentlichen Grund dieses Treffens und wandte sich deshalb auch an das Portrait ihres alten Direktors. Dumbledore hatte das Gespräch im Stillen mit angehört und seine Augen funkelten, wie sie es auch zu Lebzeiten immer getan hatten.
„So Harry", begann das Gemälde, „ich denke, es wird Zeit, dass wir uns überlegen, wie wir in Zukunft vorgehen wollen. Es stehen, wenn ich richtig gezählt habe, mehrere große Aufgaben vor dir und uns und diese sollten wir langsam in Angriff nehmen."
„Mehrere?", fragte Harry überrascht und es war Professor Styls, der darauf antwortete.
„Ja mehrere, Harry. Zum einen wären da die Horkruxe, dann dein Training und schließlich auch die Schule. Du kannst nämlich nicht erwarten, dass das Ministerium bei dir ein Auge zudrückt. Daher sollten wir vielleicht einen Plan ausarbeiten, um alles unter den einen Hut zu bringen."
Die beiden Schüler sahen ihren Lehrer nachdenklich an und da auch Dumbledore zustimmend nickte, gaben sie Styls recht.
„So Harry, zuerst einmal wären da die Horkruxe." Professor Styls deutete auf die Glasvitrine und öffnete dann den kleinen goldenen Verschluss, welcher die obere Glasplatte hielt. „Ich denke, wir sollten unser aller Wissen erst einmal ein wenig ordnen und aufzählen, was wir haben und wo wir noch recherchieren müssen."
Harry stimmte dem zu und betrachtete die Relikte in der Vitrine. Sein Blick ging zu Salazars Ring, dann zur Kopie der Halskette und schließlich dem alten schwarzen Tagebuch. Dies waren die drei Aufbewahrungsorte von Voldemorts Seelenstückchen, die schon zerstört werden konnten. Und um einen Überblick zu behalten, zog Professor Styls plötzlich seinen Zauberstab und verwandelte ein kleines Stückchen Brennholz, welches neben dem Kamin hinter sich lag, in eine Fotographie von Harry selbst.
Diese legte er nun auch in die Vitrine und meinte nach längerem überlegen, dass nun nur noch Nagini, Voldemort selbst und irgendetwas von Helga Huffelpuff übrig sei, um zerstört zu werden. Harry hörte seinem Lehrer zu und verbesserte ihn, indem er sagte, dass es sich wahrscheinlich bei dem Horkruxe um den Kelch oder eine Tasse der vierten Gründerin handelte. Stephano Styls nahm dies dankbar zur Kenntnis und sein Blick ging danach zum Portrait Albus Dumbledore.
„Nun Albus, was meinst du, wo könnten wir den Kelch finden?"
Die Augen der drei Lebenden lagen nun gespannt auf dem Bildnis des alten Direktors und Harry bemerkte, dass den weißbärtigen Mann etwas bedrückte.
„Professor, was haben sie?", fragte Harry und Dumbledore sah ihn direkt in die Augen. Dann drehte er sich weg und meinte, ohne jemanden direkt anzuschauen, „Harry, es tut mir leid."
„Leid? Was tut ihnen leid, Professor?", fragte Harry überrascht und sah den alten Zauberer mit großen Augen an. Dumbledore schien in Gedanken zu gehen und erwiderte dann, nach gut zwei Minuten, in denen Harry seine Fragen nochmals wiederholt hatte, „Es tut mir leid, Harry, dass ich dir zu Helgas Kelch nichts sagen kann. Ich darf es einfach nicht und mein einziger Hinweis, den ich dir überhaupt zu geben im Stande bin, ist, dass du dich für die Lösung des Problems mit meinen Aufzeichnungen hier im Archiv beschäftigen musst."
Harry, Hermine und auch Professor Styls sahen den alten Zauberer auf dem Gemälde mit großen Augen an. Hatte Dumbledore ihnen eben gesagt, dass er ihnen nicht helfen... darf? Wie kam das denn? Und als würde der alte Zauberer ihre Gedanken lesen können, und da besonders Harry ein leicht enttäuschtes Gesicht machte, begann er und versuchte zu erklären, was er meinte.
„Harry, bitte hör mir zu. Ihr alle müsst zuhören und verstehen. Ich sagte, ich darf euch nicht helfen, weil die Konsequenzen, falls ich es tun würde,... und Harry du weißt, dass ich mir Nichts sehnlicher wünsche,... die Konsequenzen nicht auszudenken wären. Harry, ich habe mich schon zu meinen Lebzeiten sehr weit hinausgelehnt. Das dürftest du am allerbesten wissen, denn du stehst ja heute hier vor uns..."
„Ja aber...", wollte Harry einwenden, doch Dumbledore unterbrach ihn sofort.
„Kein aber, Harry. Es geht einfach nicht, denn mit dem Tod und dem Übergang in das, wie ich es immer das nächste große Abenteuer nannte, erschließt sich dir ein Wissen und Möglichkeiten, die niemals in die Welt der Lebenden gelangen dürfen. Ich weiß, du wirst es vielleicht nicht verstehen, aber ich versuche es dir einfach mal so zu erklären, Harry. Sagen wir einfach mal, ich dürfte dir von hier aus Grüße deiner Eltern übermitteln. Was ich aber nicht darf, ist dir zu verraten, wenn Sirius hier im Reich der Toten eine Freundin hätte..."
„Sirius? Er hat eine Freu..."
„Nein, nein, Harry, hat er nicht. Es war nur ein Beispiel. Doch genau so verhält es sich mit dem Wissen um bestimmte Dinge in eurer Welt, die ich zu Lebzeiten nie gekannt oder erfahren habe."
„Und warum können sie es uns nicht einfach jetzt sagen, Professor?" Fragte Hermine, die den Worten zwar gelauscht hatte, die Logik darin aber noch nicht verstand.
„Weil, Ms. Granger, es hier Regeln gibt, die von der Magie der Erde oder einer anderen Macht bestimmt wurden und bis heute und in die Ewigkeit auch überwacht werden. Außerdem kann durch mein Schweigen verhindert werden, dass auch andere auf die Idee kommen, diese Regeln zu brechen. Ich spreche hierbei von Verstorbenen wie zum Beispiel Barty Crouch jr., der immer noch felsenfest von Voldemort überzeugt ist und der, falls ich die Regeln bräche, nicht zögern würde, seinem alten Meister wertvolles Wissen zukommen zu lassen. Doch solange ich nichts dergleichen tue, wird er sich hüten, sich gegen die eben erwähnte höhere Macht aufzulehnen."
Harry, Hermine und auch Professor Styls sah nachdenklich auf das Gemälde von Dumbledore und nur ganz langsam drang es in ihren Geist ein, wie klein sie doch in Wirklichkeit waren. Schließlich aber beendeten sie das Thema, da sie hier wohl in einer Sackgasse steckten und einzig Dumbledore erinnerte Harry noch mal an seinen damaligen Abschiedsbrief an den jungen Gryffindor. Dann tauchte in Harrys Geist ein weiterer Gedanke auf und dieser war auch einer der Gründe, warum Harry das Gespräch mit dem alten Direktor heute so entgegen gefiebert hatte. Es ging um den Unterricht bei Stormy und der Sache mit den Animagies.
Harry erklärte rasch was ihn beschäftigte und hier schlich sich plötzlich ein wissendes Lächeln, ja fast ein Grinsen auf Dumbledores Gesicht. Auch Professor Styls schien etwas zu wissen und ging plötzlich von der Vitrine weg und in Richtung eines großen, schwer aussehenden Holzschrankes. Diesen öffnete er mit seinem Zauberstab und holte etwas heraus. In der Zwischenzeit wandte sich Dumbledore an den Gryffindor.
„So Harry, dies hier ist nun aber mal eine Sache, die ich darf, denn siehst du Harry, egal wohin dich deine Geschichte bisher geführt hat, unser gemeinsamer Weg begann an dem Tage, an dem Professor Trelawny ihre Prophezeiung machte. Seit diesem Tage versuchte ich alle Eventualitäten, jede Möglichkeit, die sich uns bot, mit zu berücksichtigen. Und im Zuge dessen habe ich auch etwas von dir aufbewahrt, was einzig und allein dir gehört. Es ist eine Wenig von deinem Blut und nur von deinem. Ich selbst habe es dir, mit Erlaubnis von Lily natürlich, entnommen, Monate bevor Voldemort auch nur daran dachte, etwas so grausames, wie das Töten eines Kindes zu vollbringen."
„Mein Blut?", fragte Harry überrascht und bemerkte, wie Professor Styls ihm eine kleine Phiole, gefüllt mit einer dunkelroten Flüssigkeit reichte.
„Ja dein Blut Harry. Das Blut von Harry James Potter, rein und noch unverfälscht durch Voldemorts Seele oder der von Arcan, dem Phönix."
„Und dies kann mir helfen, Professor?" Harry blickte fragend zum Gemälde hoch und Dumbledore nickte.
„Ja Harry, es wird dir helfen, wenn du einen Tropfen davon unbemerkt auf den Testbogen gibst, denn auch wenn du das vielleicht nicht hören möchtest, aber eines hattest du als Baby nicht und das war die Fähigkeit zum Animagus."
Harry hörte dem alten Zauberer genau zu und dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge, machte ihm doch die Erklärung auf der einen Seite klar, dass er den Phönix in sich geheim halten konnte, auf der anderen Seite sagte es ihm aber auch, dass er, wenn er ein normales Leben geführt hätte, niemals wie sein Dad ein Animagus geworden wäre. Doch die Erleichterung, den Test vorerst zu bestehen überwog und somit hängte sich Harry die kleine Phiole, welche mit einer silbernen Kette versehen war, um den Hals.
Kurz darauf wurde das Treffen dann für beendet erklärt. Es war schließlich Zeit fürs Abendessen und Hausaufgaben mussten die beiden Gryffindors ja auch noch machen. Rasch verabschiedeten sich Harry und Hermine von Professor Dumbledore und während Stephano Styls noch einige Minuten unter vier Augen mit dem alten Zauberer sprechen wollte, gingen sie in Richtung Treppe und dann in die Große Halle. Dort angekommen ließen sie sich das Abendessen schmecken und hörten dabei Ron zu, wie dieser seinen Quidditchmitspielern neue Taktiken verklickerte.
Die nächsten Tage gingen ins Land und allmählich kehrte der Schulalltag wieder ein. Heute war nun Donnerstag und heute hieß es in Verwandlungen für Harry auch aufzupassen und keinen Fehler zu machen. Professor Stormfire hatte mit der morgendlichen Post einen dicken Umschlag erhalten, in welchem sich ohne Zweifel die magischen Testblätter befanden, mit denen man feststellen konnte, ob eine Hexe oder ein Zauberer die Fähigkeit hatte, sich in ein Tier zu verwandeln.
Harry und Hermine waren ein wenig gehetzt auf dem Weg zum Klassenzimmer, in dem wie gewohnt der Verwandlungsunterricht stattfand. Irgendwie hatten sie die Zeit beim Frühstück vergessen, oder auch bei ihrem kleinen Knutschabstecher in einen der Besenschränke. Es war schon hart für Beide, wieder getrennt zu schlafen. Doch wie dem auch sei, jetzt waren es nur noch wenige Minuten bis zum Unterricht und die Zeit drängte. Bevor sie den Raum jedoch erreichten, stockten beide in ihrem Lauf, denn es bot sich ihnen ein Anblick, der Harry leicht rot werden und seiner Freundin den Kiefer nach unten schnellen ließ.
Es waren nur noch wenig Meter bis zur Tür, noch eine Biegung im Wirrwarr der Gänge Hogwarts und genau dort trafen die Zwei auf Professor Styls und auf Emily Stormfire. Beide standen eng beieinander und es sah so aus als wollte Damions Dad die junge Lehrerin küssen. Gut, Harry wusste ja von den Beiden, aber Hermine? Na ja jedenfalls beugte sich Styls immer mehr nach vorn, bat flehend um ein Küsschen und auch Ems schien nicht abgeneigt, obwohl sie den Mann leicht zappeln ließ. Dann aber kam ihr scheinbar der Unterricht wieder in den Sinn und sie wollte blocken.
„Nein Steph, nicht jetzt. Ich muss in die Klasse. Die Tests, du weißt doch..."
Dabei wedelte sie mit dem Umschlag vom Ministerium vor Styls Gesicht und als dieser sich wegdrehte, um nicht den ganzen Wind, den das Papier verursachte abzubekommen, bemerkte er Harry und Hermine. Das Nächste was die zwei Gryffindors sahen war, dass Styls ihnen plötzlich verschwörerisch zuzwinkerte, Ems Arme an ihren Körper drückte und seine Lippen den Mund der jungen Frau verschlossen.
Ems schien sich anfangs noch zu wehren, doch dann ließ dies nach und es sah fast so aus, als gäben ihre Beine nach. Hermines sah dies und Harry, der seine Liebste beobachtete, konnte förmlich ihre Gedanken lesen. Mit Sicherheit hallte im Kopf der Gryffindor gerade der Satz ‚Mann, muss Styls gut küssen können'.
Dann aber geschah das, was Harry später nur noch als wahren Glücksfall bezeichnen würde. Professor Stormfire schien so von Styls Kuss gefangen zu sein, dass sich ihre Finger lösten und das Paket mit den Testblättern zu Boden glitt. Dabei rutschten auch mehrere aus dem Umschlag und bevor Harry handeln konnte, tat dies ihr Lehrer für VgddK. Professor Styls griff von Stormy unbemerkt zu seinem Zauberstab und levitierte zwei Pergamente von Umschlag weg, so dass man sie nicht mehr sah. Dann verschwand sein Zauberstab wieder und er half der jungen Lehrerin sich höflichst entschuldigend, die verstreuten Sachen wieder aufzuheben.
„Steph du bist unmöglich." Sagte Emily und hob rasch die Blätter wieder auf. „Kannst du dich nicht beherrschen? Wie sieht dass denn jetzt aus?"
Dies war dann der Moment, wo Hermine ihren Freund zurück um die Biegung zog und dann überdeutlich sagte „Komm Harry beeil dich, wir kommen noch zu spät."
Durch diese Worte aufgeschreckt, erhob sich ihre Lehrerin für Verwandlungen und machte sich eiligen Schrittes auf den Weg zum Klassenraum. Kaum waren die zwei Gryffindors sicher, dass Stormy weg war, traten sie um die Ecke herum und sahen einen grinsenden Stephano Styls. Dieser hielt in seinen Händen zwei leere Pergamente und mit einem „viel Glück" reichte er diese an Harry weiter.
Der Rest war für den Schwarzhaarigen nur noch ein Klacks, da Dumbledore ihm verraten hatte, dass das Testpapier nur Auskunft geben würde, ob ja oder nein, aber nicht, ob der Name auch stimmte. Deshalb holte Harry die kleine Phiole aus seinem Pullover und tropft etwas Blut auf die beiden Pergamente. Dann reichte er eines an Hermine, die dieses auch gleich versteckte und sie machten sich auf den Weg zum Unterricht.
Im Großen und Ganzen klappte der kleine Schwindel wie am Schnürchen. Keiner bemerkte etwas, obwohl dies auch dem kurzen Durcheinander zuzuschreiben war, welches auftrat, als die Professorin verkündete, dass Ron vom Test befreit war. Harrys rothaariger Freund musste kein Blut opfern, da Professor McGonagall beim Ministerium die Bedenken geäußert hatte, dass das Testergebnis reell wird, da Ron ja mit einem Werwolf in Verbindung gekommen war. Irgendwie schien dies auch den Beamten einzuleuchten und so wurde beschlossen, dass Arthur Weasleys Sohn heute nicht getestet wird, dies aber zu einem späteren Zeitpunkt durchaus noch mal möglichen könnte.
Die Ergebnisse der Tests fielen von der Sicht des Ministeriums jedoch mager aus. Gerade mal zwei Personen schien auch nur ansatzweise die Fähigkeit zur Verwandlung zu haben. Und diese Beiden waren Ginny und Damion, doch es war zu bezweifeln, so meinte es Professor Stormfire, dass die Zwei jemals die Verwandlung schafften, denn das Pergament, welches sonst sofort und eindeutig beschrieb, welches Tier der jeweils Getestete später haben wird, gab nur an, dass geringe Anzeichen vorhanden seien, aber es spezifizierte nicht einmal die Gattung.
Harry sah seine beiden Freunde an und bedachte sie mit ein wenig Mitleid, denn der Gryffindor hatte die Zwei schon als Fledermauspaar um die Turmspitzen von Hogwarts fliegen gesehen. Nun aber war klar, dass er der einzige sein würde, außer natürlich Ron, der Wolf mit dem roten Rücken. Dem entsprechend sank auch die Stimmung im Klassenraum und es war nun an Professor Stormfire, ihre Schüler ein wenig aufzumuntern.
„Nun ja, es kommt halt nicht sehr oft vor, dass Menschen die Fähigkeiten zur Verwandlung haben und wie Ms. Granger es in einer unseren letzten Stunden schon gesagt hat, waren es in den letzten fünfzig Jahren gerade mal acht. Doch ich denke nicht, dass wir uns dadurch die Stimmung kaputt machen lassen sollten. Somit bleibt uns schließlich mehr Zeit um andere Stoffgebiete zu wiederholen, da ich denke, dass wir, weil ja keiner sich auf seine Tierstudien konzentrieren muss, nur das Grundwissen durchnehmen werden."
Harry sah zur Lehrerin vor und runzelte leicht die Stirn. Dem Rest der Klassen schien der Vorschlag Stormys allerdings zuzusagen, denn viele nickten zustimmend. Doch wieso sollte sich der schwarzhaarige Gryffindor beschweren? Er wusste ja von vornherein, dass seine Studien im Geheimen stattfinden mussten. Daher sah Harry dem Ende der Stunde entgegen und war schon gespannt, was wohl Professor Styls für sie auf Lager hatte.
„Oh man, ich glaube die dritte Rippe von oben hat's nicht ganz so gut aufgenommen...", stöhnte Ron und versuchte sich ein wenig zu strecken. Harry sah seinen Kumpel an und grinste. Dies wiederum brachte auch Ron zum Lachen und er warf ein Kissen nach dem Gryffindor.
„Du musst aber zugeben, dass deine Verwandlung von mal zu mal besser wird, Ron. Und wenn ich da an mich denke, dann..." Harry brach mitten im Satz ab, weil Ron mit der Hand abwinkte. „Das wird schon Kumpel. Du darfst es nicht so verbissen sehen. Komm schon, du und Hermine, ihr habt es doch fast geschafft. Ich meine, du hattest heute schon goldene Federn und auch dein Körper ist schon etwas geschrumpft. Und Hermine? Mein Gott, ich dachte sie hat ihren Eulenhelm auf."
„Lass sie das aber nicht hören", sagte Harry rasch und dachte dann bei sich, dass er vielleicht doch nicht soo schlecht war. Sein Dad hatte schließlich über drei Jahre gebraucht, um sich zu verwandeln und er und auch Hermine übten gerade drei Wochen. Nicht zu vergessen, dass ihr Unterrichtsplan vollgestopft war bis zum Getno. Allerdings brachten diese Gedanken auch wieder einige Erinnerungen hoch, die ihn schmunzeln ließen.
Flashback
„Kannst du das glauben, Harry? Nicht ein Animagus in allen vier Häusern. Gut, sie haben nur ab dem dritten Jahrgang getestet, aber ich hatte doch gedacht, dass wenigstens einer darunter ist. Außer dir natürlich..." Fügte Hermine noch leise hinzu, als sie am Abend, nachdem die Tests durchgeführt wurden gemeinsam mit ihrem Freund die große Halle verließ. Beide wollten noch ein wenig ungestört sein und daher führte sie ihr Weg in Richtung Wasserspeier.
Unten im Archiv angekommen, entfachte Harry ein Feuer im Kamin und kam dann zum Sofa, welches die Hauselfen vor zwei Tagen hier her gebracht hatten und auf welchem sich Hermine schon niedergelassen hatte herüber. Dort begann er sich an seine Freundin zu kuscheln in der Gewissheit, dass sie heute hier ungestört waren, denn die einzigen beiden Personen, die noch Zutritt zu diesem Raum hatten, mussten kurz nach dem Abendessen das Schloss verlassen, da im Grimmauldplatz ein Ordenstreffen anberaumt war.
Harry hatte also alle Zeit der Welt um seine Liebste zu verwöhnen und er hatte sich auch schon langsam bis zu Hermines BH vorgearbeitet, als sich plötzlich jemand hinter ihnen räusperte. Erschrocken fuhren beide hoch, Hermine ihre Hand vor der Brust, Harry seinen Zauberstab gezückt. Allerdings kam kein Angriff, sondern nur ein weiteres Geräusch, diesmal eher der belustigten Art und auch nicht von der Tür her. Nein, es war das Gemälde von Albus Dumbledore. Der alte Zauberer stand grinsend in seinem Rahmen und Harry hätte sich ohrfeigen können, nicht an seinen alten Mentor gedacht zu haben.
Dumbledore war aber ein Mann der wusste, was sich geziemt und wandte, nachdem er die Aufmerksamkeit seiner beiden jungen Freunde hatte, seine Augen ab, bis Hermine ihren Pullover wie an hatte und auch Harry sich ein wenig hergerichtet hatte. Und weil der alte Zauberer wusste, wie Harry nun mal war, ließ er dem Junge auch keine Chance zum verlegen werden und begann sofort mit einem anderen Thema, als das in flagranti ertappt zu werden.
„Nun Harry, wie ist es gelaufen? Hast du es geschafft, dein kleines Geheimnis weiter zu wahren?"
Harry nickte und die beiden Jugendlichen setzten sich erst mal richtig aufs Sofa. Dann erzählten sie Dumbledore von Styls Aktion und ein lautes Lachen erfüllt den Raum. Schließlich aber, und dies überraschte Harry dann doch ein wenig, meinte Dumbledore, dass es vielleicht ratsam wären, wenn er und Hermine mit ihrem Training so schnell wie möglich beginnen würden.
„Hermine?", fragte Harry überrascht und ein breites geheimnisvolles Lächeln erschien auf Albus Gesicht, welcher mit einer Gegenfrage antwortete.
„Nun sag nicht Harry, dass ihr zwei nicht Gewissheit haben wolltet und mit den zwei leeren Blättern, gegen die ihr die manipulierten eingetauscht habt, für euch selbst noch mal einen eigenen Test gemacht habt."
Hermine und Harry starrten sich gegenseitig an, bis Harry zu seiner Tasche ging und dort die zwei gelblichen Testpergamente hervor holte. Diese legte er auf die Glasvitrine und mit einem fragenden Blick und voller Neugier wartete er auf eine Reaktion seiner Liebsten.
Hermine brauchte aber noch einen Moment, um die Worte des Direktors sich setzen zu lassen. Dann aber flammte in ihren Augen die Neugier auf und sie sah sich suchend im Raum um. Ihr Blick blieb schließlich an einem kleinen Dolch hängen, welcher zu einer Art Wandschmuck gehörte, der aus verschiedenen alten Waffen bestand. Sie ging hinüber zum Dolch und holte ihn. Dann sah sie Harry sich vergewissernd ein letztes Mal an und als ihr Freund nickte, schnitt sie sich kurz in den Daumen. Sofort trat unter dem schmerzlichen Lufteinziehen etwas Blut hervor und tropfte auf eines der Pergamente vor ihr.
Harry tat es ihr nach und Hermine sprach danach einen einfachen Heilzauber, den sie bei Poppy gelernt hatte. Allerdings war dies das Letzte was sie tun konnte, bevor sie ohnmächtig wurde. Der Grund dafür war, dass das Testpergament im nächsten Moment blau aufleuchtete und binnen weniger Sekunden sich Konturen abzeichneten, die sehr stark an die einer Eule erinnerten. Das war offensichtlich zu viel für Hermine. Sie war also ein Animagus.
Harry fing seine Liebste auf und legte sie vorerst aufs Sofa. Dann erweckte er Hermine und sah in ihr fassungsloses Gesicht, doch dieses blieb nicht lange so, denn nachdem sich der Lockenkopf erholt hatte und nachdem auch Harry seine Bestätigung über seine Form bekam, da schien Hermine ein neues Ziel vor Augen zu haben und der Student brach bei ihr durch...
Flashback Ende.
Durch Ron wieder aus seinen Gedanken gerissen, erhob sich Harry von seinem Bett und streifte seine Sachen ab. Er wollte duschen gehen, denn die Verwandlungen waren wirklich schweißtreibend und das heiße Wasser würde vielleicht auch die Verspannungen lösen.
„Warte, ich komme mit Harry", rief sein rothaariger Freund und Harry stutzte. Nicht dass es ihn störte, doch in den letzten Tagen war Ron eigentlich mehr bei Parvati, als im Jungenschlafsaal. Gut, sie schliefen auch nicht im Mädchensaal, aber es gab ja da noch den Raum der Wünsche.
Im Bad angekommen, konnte Harry nicht anders und sprach seinen Freund auch darauf an. Er wollte wissen, ob es vielleicht Probleme gab. Ron drehte sich um und grinste. „Nein Harry, gibt es nicht. Jedenfalls keine ernsten Probleme. Es ist nur zur Zeit ein wenig schwierig."
„Ah Madame hat ihre Tage", sagte Harry mit einem Ton, der sagen sollte, DAS erklärt natürlich Alles. Zu seiner Überraschung schüttelte Ron jedoch den Kopf.
„Wohl eher umgedreht Harry. Parvati ist ja diejenige, die will und, um es mal auf die Tierwelt zu beziehen, läufisch ist. Das Problem liegt aber eher bei mir. Ich habe meine Tage, die Tage um den Vollmond herum, um genauer zu sein. Und weil ich Idiot vergessen habe Kondome zu besorgen, Parvati wiederum nicht auf ihren Zauber vertraut und besonders ich nicht weiß, ob ich mich in meiner derzeitigen Verfassung zurück halten kann, nun, deshalb haben wir beschossen bis nach dem Vollmond zu warten oder..." Ron grinste nun ein wenig verlegen „... bis Dad sich überwinden konnte, in London in einer Drogerie, oder wie das Ding heißt, eine Packung Gummis zu kaufen und sie dann, von Mum unbemerkt, hierher zu schicken."
Harry sah seinen Kumpel mit großen Augen an und schüttelte den Kopf. Konnte das Leben noch komplizierter sein? Und hier war nicht mal Voldemort involviert. Schließlich schafften es die beiden Jungen, sich endlich unter die Dusche zu stellen und in Ruhe das heiße Wasser zu genießen. Nun ja, so lange bis Damion sie störte. Auch er wollte sauber ins Bett und wenn Harry es richtig betrachtete, machte sein Freund auch einen ziemlich fertigen Eindruck, jedoch verbot sich der Gryffindor Styls Sohn danach zu fragen, hatte er doch gesehen, dass Damion vorhin mit Ginny verschwunden war. Sollte er dies nun zur Sprache bringen, würde wohl der ewige Streit zwischen Styls Sohn und Ron wieder entfachen, von wegen, „lass die Finger von meiner Schwester" oder „ich will gar nicht hören, was ihr getan habt". Ron konnte eben einfach nicht aus seiner Haut.
Eine halbe Stunde später lagen die meisten Schüler Hogwarts in ihren Betten und erholten sich vom Tagwerk. Auch der Schlafsaal der ältesten Gryffindors war ruhig, bis auf das leichte Schnarchen von Neville und das sachte Pfeifen von Ron. Dieses änderte sich jedoch um kurz nach Mitternacht, als Harry sich plötzlich unruhig in seinem Bett herumwarf und vor Schmerzen stöhnte und wimmerte...
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