Kapitel 64

„Scheiße Harry", schrie Ron leicht panisch und war keine zwei Sekunden später zum Bett seines Freundes geeilt. Dort allerdings wich er unter einem schmerzhaften Stöhnen wieder zurück, denn eine gewaltige Hitze prallte ihm entgegen.

Auch die anderen Jungen waren aufgesprungen und wollten ihrem Freund helfen, doch so wirklich kam keiner durch und es wusste auch niemand, was man vielleicht tun könnte, nicht mal Damion. Dann wiederum tat der Braunhaarige das einzig sinnvolle und alarmierte seinen Dad.

Professor Styls kam auch wenige Minuten später in den Jungenschlafsaal gestürmt und sah mit großen Augen auf seinen Schüler. Harry wälzte sich hin und her. Er stöhnte vor Schmerz, doch zu erwachen schien er nicht. Auch schien die Hitze um ihn herum noch größer geworden zu sein, denn das Laken und Harrys Überdecke begann zu qualmen. Dies allerdings zauberte ein Lächeln auf das Gesicht von Stephano Styls und während Ron, Damion und die anderen Junge sich entsetzt fragten, was den so lustig sei, wandte sich Styls lediglich an Blaise.

„Mr. Zabini, ich habe einen Auftrag für sie..."

„Ist klar, Professor, ich gehe und hole Madame Pomfrey."

Zu aller Überraschung war dies aber nicht das, was Styls wollte. Nein, Blaise sollte sein Privileg nutzen, um in den Mädchenschafsaal hinauf zu gehen und Hermine her zu holen. Dies brachte ihm natürlich das Stirnrunzeln seiner Schüler ein und um aus der Sache heraus zu kommen überlegte Styls, ob man Neville, Dean und Seamus trauen konnte. Sie waren ja die einzigen Jungs hier, die nichts von Harrys Tierform wussten. Schließlich fasste er den Entschluss, dass seine Siebtklässler vertrauenswürdig waren und erzählte ihnen in groben Zügen von Harrys Animagustraining.

Besonders Neville war beeindruckt und schaute fassungslos auf Harrys sich windenden Körper. Blaise führte die Anweisungen von Styls aus und machte sich auf den Weg.

„Aber Dad, wieso meinst du, dass dies hier mit dem Phönix zu tun hat?" Diese Frage schien allen Jungs auf der Seele zu brennen, doch nur Damion schien den Mut zu haben, sie auch auszusprechen. Stephano Styls sah seinen Sohn an und grinste. „Weil ich denke, dass der Phönix selbst, Harry ein wenig bei seiner Verwandlung helfen will. Phönixe sind magische Wesen und um sich in sie zu verwandeln, braucht es vor allem Ruhe, eine Ruhe, die Harry während seines Trainings durch sein eigenes Verschulden, seinen Ehrgeiz, nie hatte."

Die Gryffindors schauten ihren Lehrer nachdenklich an, gaben sich dann aber mit der Erklärung zufrieden. Dies ließ Styls innerlich aufatmen, denn so brauchte er ihnen nicht zu erzählen, dass er das hier gerade Geschehende nur erkannte, weil ihm eine kleine Geschichte wieder ins Gedächtnis kam. Es war wohl die Geschichte, welche Dumbledore den meisten seiner Schüler erzählte, wenn sie ihn darauf ansprachen, in welches Haus er früher gegangen sei. Der alte Direktor antwortete dann immer „Gryffindor" und gab dann auch die Anekdote zum Besten, dass ihm aber die Vorhänge am Bett nie gefallen hätten und er sie deshalb auch mal in Brand gesteckt hatte.

Stephano Styls, oder besser Severus Snape, wusste es aber besser, hatte ihm doch Dumbledore selbst den Tipp gegeben, dass dies irgendwann geschehen konnte, sei es ihm doch auch so ergangen. Irgendwann würde Harry sich verwandeln, würde seine Form „auferstehen" und dies nun mal in der Art, wie es für die Phönixe typisch war. Allerdings hatte ihm Dumbledore auch geraten, dass Harry dabei nicht allein sein sollte und dass für die Person, die ihn unterstütze auch keine Gefahr bestand. Daher kam auch seine Anweisung, Hermine zu holen und Stephano Styls schaute so wartend zur Tür.

‚Man, was hat Potter denn nun schon wieder angestellt?'

Mit dieser Frage im Kopf rannte der ehemalige Slytherin die Treppe hinunter in den Gemeinschaftsraum. Von dort aus ging es dann sogleich die Treppe zu den Mädchenschlafräumen wieder hoch und ab hier ermahnte sich der Gryffindor, dass er nun ein wenig langsamer gehen musste, wollte er niemanden unnötig aufwecken. Schließlich erreichte Blaise die Tür der Siebenklässlerinnen und horchte kurz, ob noch Stimmen zu hören waren.

Die Mädchen schienen aber alle zu schlafen. Es war ja auch spät genug. Blaise überlegte, ob er klopfen sollte. Seine Erziehung gebot ihm dies schließlich. Allerdings hätte dies wahrscheinlich viele der Mädchen geweckt. Er wusste ja, wo Hermines Bett stand und so vergaß er daher mal seine gute Kinderstube. Rasch glitt er durch die Tür und den breiten Gang entlang, an welchen rechts und links die Betten aufgereiht waren. Musste Granger unbedingt ganz hinten schlafen ? Dies war die nächste Frage, die dem Jungen durch den Kopf schoss. Als sein Blick jedoch auf die großen Fenster fiel, durch welche der Mond herein schien und dadurch den breiten Tisch davor, so stark ausleuchtete, dass man an ihm sogar jetzt wunderbar hätte lesen können, nun, da kam Blaise nur eines in den Sinn. ‚War ja klar'.

Langsam und mit Bedacht schlich der Gryffindor den Gang entlang, immer darauf hoffend, dass keines der Mädchen erwachte. Und dies war auch deshalb so wichtig, weil, hätte man ihn erwischt, dann wären rote Köpfe an der Tagesordnung gewesen. Blaise konnte es nicht fassen, wie die Mädchen schliefen. Nicht nur dass keine es scheinbar für nötig hielt, ihren Bettvorhang zu schließen, Nein, zwei störte offenbar sogar der Stoff des Nachthemdes, oder der Stoff war so dünn, dass man ihn auch hätte weglassen können. Alles in allem bescherte der Mond und sein Licht dem Gryffindor eher einen Spießrutenlauf der Gefühle. Glücklicherweise hatte er aber einen Auftrag und was ihm noch mehr zusagte war die Tatsache, dass wenigstens Hermine, das Ziel seines Auftrages, bedeckt und züchtig schlief.

Fünf Sekunden später war die Gryffindor auch schon wach. Sie sah Blaise zwar etwas verstört an, doch als dieser ihr einigermaßen ruhig beigebracht hatte, was denn los sei, da gab es kein halten mehr. Hermine griff nach ihrem Morgenmantel und rannte mit besorgtem Gesicht aus dem Schlafsaal. Blaise folgte ihr ohne auch noch einen Blick auf die anderen Mädchen zu werfen und zwei Minuten später waren sie auch schon zurück bei den Jungs.

„Ah gut, dass sie gekommen sind", rief Professor Styls Hermine entgegen, musste allerdings noch mal in seiner Erklärung stoppen, da Dean leise an Neville gewandt fragte, woher der Professor dies denn wissen wollte. Styls warf dem nun ertappt blickenden Schwarzen einen vernichtenden Blick zu und erklärte dann leise, was er von Hermine wollte.

Alles in Allem lief es darauf hinaus, dass sich Harrys Freundin zu ihrem Liebsten legen sollte, da ihr die Hitze wohl am wenigsten etwas ausmachen sollte und danach war es ihre Aufgabe, ihren Freund zu beruhigen. Auch wenn, so vermutete Styls, der Gryffindor vielleicht nicht hören würde, was seine Freundin zu ihm sagte, war es jedoch nicht ausgeschlossen, dass Harry ihre Anwesenheit spürte. Bevor Hermine sich aber zu ihrem Freund legen konnte, wandte sich Styls die anderen Jungs.

„So, und ihr Möchtegernmänner, von euch erwarte ich, dass dies hier unter euch bleibt und dass ihr euch allesamt sofort umdreht."

„Umdrehen?", fragte Damion auf die letzte Aussage seines Vaters hin und auch Dean, Neville und Ron schauten überrascht.

„Natürlich. Es ist nicht schicklich eine junge Lady zu beobachten, wenn sie sich komplett auszieht."

„Was?", rief nun Hermine überrascht und ein leichter Rotschimmer zog sich über ihre Wangen. Professor Styls lächelte jedoch nur amüsiert und meinte, „Ja Ms. Granger, es wäre doch schade um ihr schönes Nachthemd, wenn dieses Feuer fängt."

Hermine sah Styls noch einige Sekunden an, wartete darauf, dass auch er sich umdrehte und wandte dann ihren Blick zu den grinsenden Gryffindors. ‚Jungs', dachte sie und schüttelte den Kopf. Kurz darauf blickte jeder in eine andere Richtung und Hermine entledigte sich ihrer Kleidung. Dann kroch sie zu Harry, der immer noch stöhnte unter die Decke und sofort schien der Gryffindor etwas zu spüren, jedenfalls wurde seine Atmung ruhiger.

Als man nichts mehr von Hermine sah, konnten die anderen wieder herschauen und Styls bat sie, ihm zu helfen, die Vorhänge zu schließen. Dann legte er noch einen Schallschutzzauber über Harrys Bett und ließ sich von seinem Sohn das magische Babyfon geben. Dieses reichte der Professor dann durch den schweren Vorhang an Hermine, mit dem Hinweis, sie solle es sofort aktivieren und ihn rufen, wenn etwas passiert. Danach hieß es auch für die anderen Jungen ab ins Bett und auf den Morgen warten.

Harry bekam von der ganzen Aufregung überhaupt nichts mit. Der Geist des Gryffindors war dieser Welt entrückt und er schwebte, wie es eigentlich schon lange nicht mehr geschehen war, als Phönix übers Land. Kristallklare Seen und gerade abgeerntete Felder rauschten unter ihm vorbei und vermittelten pure Freiheit. Bauern und Ochsenkarren sahen verwundert zu ihm auf und winkten ihm zu, als wäre er ein Bekannter. Doch das Merkwürdigste an Harry Flug war das Gefühl in seiner Brust. Alles kam ihm so vor, als würde er dies hier zum letzten Male sehen und dass er irgendwie Abschied davon nahm.

Schließlich landete Harry am Ufer eines kleinen Weihers und in dem Moment, wo seine Füße, oder besser gesagt Krallen, den sandigen Boden berührte, da fühlte sich der Gryffindor schlapp und unendlich müde. Vielleicht lag es aber auch am Durst und so tippelte Harry, als Phönix in Richtung Wasser. Dort angekommen senkte er seinen Kopf und zuckte in nächsten Moment erschrocken zurück. Denn das, was der Gryffindor im Wasser sah, war nicht der wunderschöne Anblick, den ein Phönix sonst bot. Nein, der Kopf sah gelinde gesagt furchtbar aus. Federn fehlten, der Schnabel war stumpf und hatte nicht in Geringsten den sonst so schönen rotgelben Glanz.

Harry fragte sich, was mit ihm passiert war. Hatte er vielleicht einen Kampf gehabt, an den er sich nicht erinnerte? Doch dann kam ihm in den Sinn, was mit Fawks in seinem zweiten Jahr geschehen war und dass Dumbledores Phönix, oder besser sein eigentlicher Bruder, damals seinen Tag des Feuers hatte und ähnlich aussah. War es hier heute bei ihm auch so?

Was würde geschehen? Tat es weh, in Flammen aufzugehen? Harry wurde zunehmend unruhiger und wollte, dass er erwachte, doch irgendwie schaffte er den Sprung in die reale Welt nicht und dies schürte die Panik im Innersten des Gryffindors noch mehr. Schließlich begann der Phönix, und Harry kam sich vor, als würde sein Körper seinem Willen nicht mehr gehorchen, in Richtung Norden zu laufen, hin zu einem großen schwarzen Felsen. Dort erblickte er eine Art kleine Höhle, er schleppte sich die letzten Schritte förmlich hinein. Kurz darauf wurde es dunkel um ihn herum.

Doch dies blieb nicht so, denn ein Licht erhellte den Raum. Es war ein ein magisches Leuchten und es ging von seinem eigenen Körper aus. Es erhellte die kalten, steinernen Wände und tauchte alles in ein bizarres Licht. Dann begann auch die Temperatur merklich zuzunehmen und er bildete dabei das Zentrum. Es war also soweit, erkannte Harry und seine Furcht vor dem Unbekannten stieg, genauso wie seine Unruhe. Dann aber, es mussten schier unendliche Minuten gewesen sein, fühlte der Gryffindor, wie sich etwas anderes um ihn legte. Es war das Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit. Etwas, das ihm bisher nur Hermine gegeben hatte und da wusste er, dass alles gut werden würde. Somit ließ er seinem Feuer, oder halt dem des Phönix seinen freien Lauf.

„Meinst du, er hat es überstanden?"

Es war Deans Stimme, die an Harrys Ohr drang und er war versucht, seine Augen zu öffnen und dem Jungen zu sagen, dass es ihm gut ging. Da aber erklang eine weitere Stimme, die von Damion und sein Freund meinte ziemlich müde, dass alles in Ordnung sei und der Schwarze sich wieder hinlegen solle. Es war ja schließlich erst sechs und demzufolge mitten in der Nacht. Dean knurrte zwar, fügte sich dann aber, ließ von Harrys Vorhang ab und fünf Minuten später lag der Schlafsaal wieder in absoluter Stille.

Harry, seine Augen nun magisch angepasst, verschaffte sich erst mal einen Überblick. Zuerst fiel ihm das leichte Gewicht auf seiner Brust auf und dann kitzelten ihn die weichen Haare seiner Liebsten. Harry schmunzelte und erkannte nun auch, woher das Gefühl der Geborgenheit gekommen war. Dann aber drängte sich ein anderes Gefühl in seine Körper und um dieses abzustellen bedurfte es eines kleinen keramischen Beckens. Vorsichtig löste sich der Gryffindor aus der Umarmung seiner Freundin und schlich leise in Richtung Bad.

Dort allerdings, und es war mehr so im Vorbeigehen an einem der Spiegel, erlitt Harry den nächsten Schock seines jungen Lebens, denn auch wenn sich die magischen Spiegel manchmal einen Spaß gönnten, so ließ ihn dieser Anblick, nachdem Harry blitzschnell wieder vor dem Spiegel stand, seine Augen vor Horror heraustreten.

Das, was die silberne Scheibe reflektierte, das war nicht er. Ja, es hatte seine Konturen und auch Gesichtszüge, doch der Rest? Allein schon die Haare waren ein Schock, bestanden sie doch aus lodernden Flammen, ebenso wie seine Augenbrauen. Dann waren da seine einst so wundervoll grün leuchtenden Augen, Sie kamen nun denen von Damion gleich und glänzten golden. Den größten Schock erlebte Harry in anbetracht seiner Hautfarbe. Sie wies alle möglichen Nuancen der Farben rot und gelb auf.

Harry starrte auf den Spiegel und fuhr dann mit seinem Finger über sein Gesicht. Er musste es einfach fühlen, wollte das Feuer ertasten. Doch als seine Zeigefinger noch oben wanderten, trafen sie nur auf weiches Haar.

„Bist du bald fertig mit dem Grübeln, ob das St. Mungos nicht noch einen Platz frei hat?"

Harry klappte der Mund vor Entsetzen auf und er sprang zur Seite, sodass er den Fremden im Spiegel nicht mehr sehen konnte und umgedreht, dass dieser ihn auch nicht mehr sah. Was war hier los? War es ein Scherz seines Kumpels? Oder erlaubte sich der magische Spiegel selbst einen Solchen? War er es leid immer nur Sprüche darüber zu klopfen, dass der Gryffindor grässliche Haare habe? Zwei Minuten später, in denen sich der Gryffindor an die geflieste Wand neben dem Spiegel presste erkannte Harry allerdings, wie lächerlich dies aussehen musste. Rasch sammelte er seinen ganzen Mut zusammen und trat wieder ans Waschbecken heran.

„Na fertig mit dem Darstellen des totalen Geschockt seins?", fragte der Fremde mit leicht genervter Stimme. Harry starrte ihn an und brachte nur zaghaft seine erste Frage auf den Weg.

„Wer bist du?"

Das Abbild im Spiegel verdrehte genervt seine goldenen Augen. „Na wer wohl? Du natürlich, Harry."

„Aber... aber... oh mein Gott, sehe ich wirklich so aus?"

Nun lachte der fremde Junge.

„Natürlich nicht. Wäre ja noch schöner, wenn es neben mir ein weiteres Lebewesen mit dieser vollkommenen Schönheit auf der Welt gäbe. Nein Harry Potter, du siehst noch ganz normal aus, na ja wenn man mal von deiner Frisur absieht..."

„Aber wer bist du? Wer, wenn ich mich doch nicht verändert habe?" Harry überging geflissentlich den Kommentar zu seinen Haaren oder gar die geradezu narzisstische Bemerkung des Flammenkopfes und schaute sein Spiegelbild mit fragendem Blicke an.

„Wenn du es genau wissen willst, dann kannst du mich Arcan nennen."

„Arcan? Arcan, der Phönix?", entfuhr es Harry überrascht und sein Gegenüber begann zu lächeln. Ein Lächeln, das doch sehr stark an Dumbledore erinnerte. Harry wischte sich diesen Gedanken jedoch schnell wieder aus seinem Geiste, denn eine andere Befürchtung machte sich breit. Wie sollte es nun weitergehen? Wie sollte er leben, wenn sein Körper nun zwei Seelen beherbergte? Bevor der Gryffindor sich allerdings weitere Gedanken machen konnte, sprach Arcan ihn an.

„Harry, vergiss, was du eben gedacht hast. Du bist nicht besessen oder so. Ich bin du und nicht irgendeine andere Seele, mit der du deinen Körper teilen musst. Ich rede dir nirgends rein oder bestimme gar deinen Weg. Sie mich eher so, wie du es gerade tust, als Spiegelbild."

„Als Spiegelbild?"

„Jepp Harry, denke von mir als dein Spiegelbild, mit dem du manchmal redest. Menschen tun so etwas glaube ich ... manchmal."

„Und du mischt dich nicht ein oder so? Und warum dann die äußerliche Veränderung?" Harry musste diese Fragen einfach loswerden und hoffte, dass er von Arcan auch eine ehrliche Antwort bekam. Und dieses tat er dann auch.

„Nein, ich mische mich nicht ein, denn wie schon gesagt, ich bin du. Allerdings, und das will ich dir nicht verheimlichen, kann es vorkommen, dass du in bestimmten Situationen plötzlich instinktiv reagierst und dass kommt dann dadurch, dass ein gewisser Teil von dir ja über eine fast tausendjährige Erfahrung verfügt."

„Und das Aussehen?", hakte Harry nach, während er versuchte das eben gehörte zu verdauen.

„Nun meine Erscheinung ist deine Erscheinung, und zwar wenn du mit den Kräften des Phönix hantierst und zauberst. Doch keine Angst, keiner kann dich so sehen, wenn du es nicht willst oder zu viel Magie verwendest."

„Phönixmagie? Heißt das, dass ich sie nun benutzen kann? Dass ich mich verwandeln kann?"

Arcan sah Harry mit einem wissenden Grinsen an. Allerdings versteckte sich in dieser Geste auch etwas, dass so etwas wie Unglaube ausdrückte. Bevor das Spiegelbild aber weiter darauf eingehen konnte stellte Harry, den nun die Neugier gepackt hatte, alle möglichen Fragen.

„Heißt das, ich kann nun auch teleportieren, unglaubliche Lasten tragen und habe heilende Tränen? Wann kann ich mich in meine Animagusform verwandeln? Und wieso kommt das alles so plötzlich."

Arcan wurde regelrecht mit Fragen bombardiert und musste den passenden Moment abwarten, um überhaupt mal ein Wort sagen zu können. Schließlich holte Harry Luft und das Spiegelbild ergriff seine Chance.

„Also Harry, wieso jetzt, ist einfach. Es kommt durch die letzte Nacht, in der ich, oder besser wir gemeinsam unseren ersten Tag des Feuers hatten. Dadurch wurde dein Körper erst so richtig angepasst und auch das nötige Wissen frei. Du kannst es wie eine Art Pubertät für neugeborene Phönixe sehen, nur halt ohne die lästigen Nebensachen wie Gefühlschaos, Dauerständer und klebriger Schlafanzugshose am Morgen. Ach und was deine komische Frage mit der Animagusform angeht, so kann ich nur sagen, Harry, du bist kein Animagus..."

Zuerst wollte Harry rot werden, doch dann trafen ihn die letzten Worte seines anderen Ichs wie ein Schlag. Harry taumelte etwas zurück und schüttelte ungläubig den Kopf.

„Aber... aber Dumbledore... er... er hat doch gesagt, dass ich die Fähigkeit habe."

Arcan begann zu lachen und dies schürte ein kleines bisschen Wut in Harrys Kehle. Bevor diese aber noch weiter wachsen konnte und vielleicht der Spiegel was abgekriegt hätte, versuchte Arcan ihn zu beruhigen, auch wenn er dies in einem sehr lehrerhaften Ton tat.

„Also Harry, ich sagte zwar, dass du kein Animagus bist, doch das heißt nicht, dass du nicht die Erscheinung eines Phönix annehmen kannst. Bevor ich dir das aber genauer erkläre, überlege bitte kurz, denke an das Gelernte, und sagen mir, wie bei euch Menschen die Definition für das Wort Animagus lautet."

Harry sah sein Spiegelbild überrascht an, versuchte sich danach zu erinnern, was sie bei Stormy gelesen hatten und antwortet dann wortwörtlich, wie es im Buche stand.

„Als einen Animagus bezeichnet man eine Hexe oder einen Zauberer, der die magische Eigenschaft besitzt, sich nach langem Training in ein bestimmtes Tier zu verwandeln. Dabei spielt die jeweilige Macht und der Charakter der betreffenden Hexe oder Zauberers eine große Rolle."

„Oh war das aber schön aufgesagt", kam es voller Sarkasmus triefend aus dem Spiegel. „Doch du kannst getrost dieses Gewäsch im Bezug auf dich vergessen, Harry. Denn wie ich schon versuchte dir klar zu machen, hast du nicht die Animagusform eines Phönix, sondern Harry ... du bist ein Phönix."

„Und das heißt?", fragte Harry, der noch immer nicht zu verstehen schien.

„Das heißt, du brauchst kein Training. Du brauchst keine Zauberformel oder gar einen Trank. Nein, sondern du musst es nur wollen, deine Erscheinung zu verändern. Du hast die ganzen Eigenschaften des Phönix in die dir, seit dieser Nacht."

Harry hörte die Worte, allein es fehlte das letzte Quäntchen, damit er es auch richtig verstand und dieses kleine Bisschen kam dann auch, als sich der Gryffindor im Unterbewusstsein vorstellte, wie er wohl als Phönix aussah. Das Nächste, was das Bad im Gryffindorturm durchfuhr war eine Stichflamme und dann der goldene Schimmer, welchen Harrys Federkleid abstrahlte. Harry konnte es nicht fassen. Er war verwandelt und schlug nun mit den Flügeln, um weiter vor dem Spiegel zu schweben und Arcans Grinsen zu sehen. Dann überkam ihn ein anderer Gedanke und mit ein paar mühelosen Schlägen, drehte Harry einige Runde im Bad, bevor er wieder an seinen menschlichen Körper dachte und auf zwei Beinen vor dem Spiegel landete.

Allerdings brachte die Verwandlung eine Veränderung mit sich und dies rief ein lautes Lachen seitens Arcans hervor. Harry stand nackt vor dem Spiegel und seine Füße berührten die verkohlten, schwarzen Überreste seines Schlafanzuges.

„Ach ja Harry, eines noch. Du solltest dir neue Kleidung zulegen, wenn du dich öfters und öffentlich verwandeln willst. Normaler Stoff hat keine Magie und hält das Feuer nicht aus. Acrumantulaseide wäre da nicht schlecht oder sogar Drachenleder. Jedenfalls können diese beiden Stoffe sich mit verwandeln und so bleibt dir in späteren Zeiten vielleicht erspart, dass dich die Direktorin oder andere, völlig fremde Personen, in voller Pracht sehen.

Harry wurde bei diesen Worten rot und sah sich rasch suchend nach einem Handtuch um. Schließlich fand er eines und wickelte es sich um die Hüfte. Dann wandte er sich wieder an Arcan und wollte noch so vieles von ihm wissen. Sein Spiegelbild hingegen hob abwehrund die Hände und meinte, „Harry, lass es fürs Erste gut sein. Leb dein Leben und lerne. Und solltest du wirklich mal Fragen haben, dann denke ich, dass du bestimmt mal die Zeit findest, eher aufzustehen und ein gepflegtes Gespräch mit mir hier vor diesen Spiegel zu führen. Für heute ist Schluss, denn deine Freunde wachen langsam auf."

Kurz darauf veränderte sich Harrys Spiegelbild und zeigt ihm sein altes, jenes mit den grünen Augen und den schwarzen verstrubbelten Haaren. Und das Gespräch endete keine Sekunde zu früh, denn die Tür zum Bad wurde aufgestoßen und Damion trat ein. Styls Sohn sah Harry skeptisch an und dann hinab zu Harrys Füßen. „Sah mal Harry, hast du geraucht? Es riecht hier so komisch."

Harry konnte nur den Kopf schütteln und suchte nach einer Ausrede, doch scheinbar brauchte er diese auch gar nicht, denn während er Damion so anschaute, bemerkte er den Zustand seines Kumpels und wenn Harry ehrlich war, so sah Damion scheiße aus. Um abzulenken sagte er dies Styls Sohn auch. Damion nickte nur mit dem Kopf und stellte sich dann an das Waschbecken neben Harry. Dort spritzte er sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht und atmete tief durch. Danach drehte er sich in Richtung Harry und sah diesen mit leicht rot leuchtenden Augen an.

„Harry, ich weiß, dass ich nicht gut aussehe und ich fühle mich auch nicht wirklich blendend. Ginnys Nähe in der Nacht fehlt mir. Und was noch schlimmer ist, mir fehlt Blut..."

TBC

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