Kapitel 65
Unmerklich zuckte Harry ein wenig zurück, als Damion ihn ansah. War da nicht ein hungriger Glanz in seinen Augen? Harry war sich nicht sicher und wusste nicht, wie er reagieren sollte. Damion stutzte bei der Reaktion seines Kumpels und hob dann abwehrend die Hände.
„Ho ho nein Harry, nicht wie du denkst... Oh mein Gott, lass das niemanden gehört haben...", versuchte Styls Sohn den Schwarzhaarigen zu beruhigen. „Ich meine kein Blut von Fremden. Ich meine das Blut von Ginny."
Harry sah Damion immer noch skeptisch an und überlegte, wie er dies nun wieder verstehen sollte. Hatten die beiden denn nicht erst letzte Woche gesagt, dass sie kein Blut zum Überleben bräuchten? Hatten Ginny und Damion ihm nicht versichert, dass sie der Fluch des Blutsaugens nicht ereilt hatte? Was sollte dann dieser Satz aus dem Mund des Braunhaarigen.
Damion sah Harry nachdenklich an und ließ sich seine letzten Worte nochmals durch den Kopf gehen. Dann begann er plötzlich zu grinsen und schließlich zu lachen. „Oh man, ich habe heute wirklich kein Gefühl für die passenden Worte, oder?"
Harry schüttelte den Kopf und wollte Wissen, wie es Damion denn nun richtig meinte, worauf Styls Sohn plötzlich ein wenig rot wurde, aber er entschied sich, seinem Freund die Wahrheit zu sahen.
„Was ich meine Harry ist, dass es mir nicht so gut geht, da ich jetzt seit gut vier Wochen meinen Bund mit Ginny nicht mehr erneuern konnte. Du musst wissen, dass wahrhaft liebende Vampire einen sehr starken Bund mit ihrem Partner eingehen, einen Bund, der ihre Macht stärkt und ihnen wahnsinnige Kraft gibt. Nur muss dieser Bund, diese Vereinigung, die durch die Bluthochzeit entstanden ist, gewissermaßen gepflegt werden." Damion grinste plötzlich so als hätte er sich an was erinnert. „Nenn es eheliche Pflichten, wenn du willst, doch irgendwie hat Hogwarts was dagegen, dass ich denen hier nachkomme. Jedes Mal wenn ich mit Ginny ein stilles Örtchen gefunden habe, taucht irgendeine Störung auf..."
„Häh", kam es geistreich von Harry und Damion schaute kurz genervt.
„Meine Güte Harry, bist du so naiv? Wir haben beim besten Willen keinen Platz zum poppen gefunden. Mann, da war's ja unter Mollys Dach einfacher..."
Harry verschluckte sich mörderisch und hustete lauthals los. Damion konnte daraufhin nicht anders und musste einfach lachen. Schließlich hatte sich sein Kumpel aber wieder etwas gefangen, bekam wieder Luft und fragte ungläubig, „Und was hat das mit Ginnys Blut zu tun? Bei näherer Betrachtung der Lage und vor allem Damions Gesicht, kamen dem Gryffindor dann aber Zweifel, ob er die Antwort auf diese Frage wirklich hören wollte. Doch es war zu spät und Damions Gesicht glich jetzt dem eines Teufels.
„Oh Harry, so verschieden sind wir dann doch wieder nicht von den normalen Vampiren. Die Macht, die Kraft von der ich sprach, kommt aus dem Blut des Partners. Am stärksten ist die Konzentration halt kurz nach dem Höhepunkt. Ganz zu schweigen vom herrlichen Geschmack, den die ganzen Glückshormone so mit sich bringen..."
Harry schaute seinen Kumpel mit offenem Mund an und sein Kopf schien kurz vorm Platzen zu stehen. Sooo offen wollte er es dann doch nicht wissen. Allein schon der Gedanke daran, dass sich seine beiden Freunde beim Liebesspiel bissen tat weh. Schließlich aber verstand Harry, was Damion von ihm wollte und dass es wirklich nur um ihn und Ginny ging. Daher beschloss der Gryffindor das Thema zu wechseln und vom heutigen Unterricht zu sprechen. Damion schloss sich dem an, obwohl er merkte, dass Harry nicht nur von seinem Liebesleben weg wollte, sondern selber etwas verbarg und versuchte abzulenken, doch das musste warten, denn auch die anderen Jungs kamen ins Bad und freuten sich, dass es Harry offensichtlich wieder besser ging. Harry nutzte die Zeit, wo Neville und Co im Bad waren, um Hermine zu wecken. Allerdings schien der Lockenkopf die Chance eines freien Zimmers schon genutzt zu haben. Ihre Sache waren weg und somit würde Harry wohl bis zum Frühstück warten müssen, um sich für den Beistand und das liebevolle Kümmern während seiner schweren Stunden zu bedanken.
Nach dem Frühstück mussten die Gryffindors einen sehr straffen und mit Aufgabe voll gestopften Stundenplan über sich ergehen lassen. Harry fragte sich, ob die Direktorin ihre Lehrer irgendwie antrieb. Jedenfalls kam es einem so vor, wenn man bedachte, dass selbst Professor Styls bis zum Unterrichtsstundenende durchzog und so ging das fast den ganzen Rest der Woche. Eine Woche, in der Harry und Hermine nicht mal dazu kamen, in ihr Archiv zu gehen, um weiter nach möglichen Hinweisen im Bezug auf das letzte Horkruxe, das von Helga Huffelpuff zu suchen.
Doch Harry hatte noch Glück, wenn er es genau nahm. Damion und Ginny fühlten sich von Tag zu Tag mieser und der Schwarzhaarige fragte sich, warum sein Kumpel nicht einfach mal mit seinem Dad redete. Die zwei hatten doch sonst so ein gutes Verhältnis und es kam Harry so vor, als könnte Damion auch mit diesem brisanten Thema zu seinem Vater kommen. Einen Unterschied gab es allerdings zwischen den beiden liebenden Blutsaugern. Wo Damion sich krank fühlte und sich etwas zurückzog, da kam bei Ginny ihr Temperament durch dies kostete Gryffindor einiges an Punkten.
Der Höhepunkt war dann am Freitagabend im Gryffindorgemeinschaftsraum erreicht. Harry saß mit seinen Freunden vorm Kamin und alle stöhnten noch ein wenig über den Verlauf der anstrengenden Woche und so gegen neun Uhr schickte sich Damion an aufzustehen, um sich ins Bett zu machen. Dem Gryffindor ging es wirklich nicht sehr gut. Und während Harry ja wusste wieso und weshalb, fanden es die anderen ein wenig merkwürdig, dass sich Ginny und Damion nicht wie gewohnt mit einem langen Kuss verabschiedeten. Styls Sohn hatte Harry als einzigem verraten, dass er sich schon zu schwach fühle, um dem Drang seine Liebste zu beißen, in ihrer Nähe zu widerstehen.
Da dies aber der Rest im Raum nicht wusste, und vor allem Lavender Brown sich schon so einiges im Kopf zu Recht gelegt hatte, was möglicherweise mit dem Pärchen los war, da dauerte es auch nur wenige Augenblicke nachdem Damion den Raum verlassen hatte, dass das größte Tratschmaul der Schule ihre Klappe aufmachte und ihre Meinung kundtat. Dumm war nur, dass sie Ginny scheinbar gar nicht mehr für voll nahm und es kam zu Eklat.
Binnen weniger Sekunden hatte Mollys Tochter den Gemeinschaftsraum durchquert und mit Mordlust in den Augen schrie sie Lavender an, sie solle aufhören solchen Mist zu erzählen. Immer wieder fauchte sie und ihre Gegnerin fing sich eine Ohrfeige nach der anderen. Der Rest der Schüler war geschockt von Ginnys Ausbruch und erst Harry, der befürchtete, dass seine rothaarige Freundin vielleicht noch weiter in ihrem Zorn ging, schritt ein. Er schnappte sich Ginny und während er Lavender selbst bitterböse anfunkelte, ein guter Beobachter hätte sogar das Feuer hinter den Pupillen gesehen, führte Harry die Rothaarige mit Mühe in eine der entlegenen Ecken des Gemeinschaftsraumes.
„Lass mich los", fauchte Ginny, während Harry mit seiner Hand schnell einen Zauber wirkte, der die anderen nicht hören ließ, was er zu seiner besten Freundin sagt. Dann drückte er Ginnys Arme, welche anfingen auf seine Brust zu trommeln, an den Körper des Mädchens und er versuchte sie zu beruhigen.
„Komm runter Ginny, oder willst du, dass die anderen euer kleines Geheimnis mitkriegen."
Die Rothaarige schien aber noch so in Wut zu sein, dass sie sogar ihre Zähne zeigte. Das war dann der Moment, wo Harry auch stärkere Geschütze auffuhr und in seinen Augen die Flammen zu lodern begannen. Zusätzlich griff das Feuer auch auf seine Haare über, doch glücklicherweise konnte dies nur Ginny sehen, weil Harry es so wollte.
Diese kleine Aktion erzeugte dann auch die gewünschte Wirkung, denn Ginny hörte auf und sah den Gryffindor mit großen Augen an. Harry spürte, wie sich ihr Puls beruhigte und nahm Ginny dann in den Arm. „Ist schon gut Gin.", sagte Harry und strich ihr über den Rücken. Ginny schien dies sehr gut zu tun, auch wenn sie plötzlich anfing zu weinen.
„Sie... sie... die dumme Kuh... sie weiß gar nicht was mit uns los ist... sie... "
„Schsch Gin... ich weiß. Doch du darfst auf so etwas nicht hören...", beruhigte Harry seine Freundin weiter mit sanftem streichen über den Rücken. Es war lange her, dass er sie so gehalten hatte. Doch dann wiederum war es auch ein ganz neues Gefühl. Es war keine Liebe mehr, es war Freundschaft und es tat Harry in der Seele weh, das Mädchen so zu sehen. Daher, und weil er nicht noch mehr Punkte verlieren wollte und weil Harry merkte, dass die beiden sich doch schwerer mit ihrer neuen Situation taten, fasste er einen Entschluss und sagte leise zu ihr. „Ginny, auch wenn mich manche für irre halten werden, und Ron mich dafür umbringen wird, denke ich, dass es Zeit wird, dass wir etwas für euch tun. Ich weiß, dass du Blut brauchst und..."
Mit einem Ruck wurde Harry im nächsten Moment weggestoßen und Ginny sah den Gryffindor mit entsetztem Gesicht an. „Du bist irre, Harry, wenn du glaubst, dass ich das tue. Hast du eine Ahnung, wie weh das tut, welche Konsequenzen dies für dich haben würde? Ganz zu schweigen von dem, was ich Hermine damit antäte! Nein Harry, ich kann und werde dich nicht beißen. Ich nehme keine Tropfen deines Blutes."
Nun war es Harry, der überrascht schaute. Doch dann verstand er, wie sein Satz auf Ginny gewirkt haben musste und begann zu lachen. „Oh Shit nein, nicht das was du denkst. Meine Güte, daran habe ich nicht einmal gedacht, Ginny. Ich meinte eigentlich, du sollst nachher im Gemeinschaftsraum zurück bleiben..."
„Und wieso?", fragte die Rothaarige, worauf Harry nur geheimnisvoll grinste. „Wirst du schon sehen."
Damit drückte er Damions Freundin noch mal fest und hob dann den Stillschweigezauber wieder auf. Dann schubste Harry seine rothaarige Freundin noch in die richtige Richtung und beide traten wieder zu ihren Freunden, die nun neugierig blickten. Nun gut, nicht alle. Lavender schaute eher mit einer gewissen Furcht zur Rothaarigen herüber, was bei Ginny Ausbruch durchaus verständlich schien. Letztendlich entschuldigte sich Rons Schwester aber dafür und auch Lavender schien es ein Bedürfnis zu sein, ihren Fehler einzugestehen. Was Harry nicht wusste war, dass während er mit Ginny in der einsamen Ecke war, so ziemlich jeder im Raum dem Tratschmaul klar gemacht hatte, wie blöd ihre Worte waren.
Zwanzig Minuten später dann hieß es für alle ab ins Bett und Harry konnte Ginnys Neugier förmlich spüren. Was hatte ihr Freund vor? Diese Frage schien im Kopf der Rothaarige herum zu spuken, zumal Harry schon kurz nachdem sie den kleinen Kampf als Geschichte angesehen hatte, kurz im Schlafsaal der Jungen verschwunden war und mit der Nachricht, dass Damion schon schlief zurückgekehrt war.
Schließlich war es soweit. Harry hatte sich von Hermine mit einem langen Gutenachtkuss verabschiedet und nun waren nur noch er und Ginny im Raum. Langsam schritt er auf die Rothaarige zu und während er dies tat zog er etwas aus seinem Umhang. Es war... sein Tarnumhang. Ginny schaute überrascht auf das ungewöhnlich schimmernde Stück Stoff. Klar hatte sie von Ron schon mal gehört, dass Harry einen solchen Umhang besaß und sie hatte auch mitbekommen, wie froh der Gryffindor nach dem Angriff, dem Attentat von Snape gewesen war, dass sein Koffer die Explosion damals nahezu unbeschadet überstanden und er nur seinen Zauberstab eingebüßt hatte. Doch was hatte Harry heute damit vor?
Die Antwort war ganz einfach, er warf den Umhang über Ginny und meinte dann, sie solle ihm folgen. Ihr Weg führte in Richtung Treppe zu den Jungenschlafsälen und Ginnys Augen weiteten sich. Zuerst wollte sie Harry noch fragen, ob dies sein Ernst war, doch ein Blick in das Gesicht des Gryffindors ließ sie dies lieber bleiben lassen. Harry schien sehr mit sich zu kämpfen und immer wieder kamen leise Fragen aus seinem Mund. Meist beinhalteten sie Themen, wie „Warum tue ich das?" oder „Wie schmerzhaft ist es eigentlich von Ron erwürgt zu werden?"
Den ganzen Weg ging das so und Ginny begann zu schmunzeln. Schließlich waren sie beim am höchsten gelegenen Turmzimmer angekommen und Harry öffnete vorsichtig die Tür. Ein rascher Blick und kurz darauf wurde Ginny auch schon ins Zimmer geschoben. Allerdings merkte Harry im nächsten Moment, dass das Zimmer doch nicht so leer war, wie er erhofft hatte. Zwar sollten alle Jungen gerade unter der Dusche sein, ein leicht fauchendes Zählen zeugte aber von noch einer Person im Raum.
„ Achtunddreißig... neununddreißig... uff... vierzig"
Mit einem lauten letzten Stöhnen richtete sich ein völlig durchgeschwitzter Neville Longbottem hinter seinem Bett auf und sah in Richtung Harry. ‚Zu spät', dachte dieser und schaute sich rasch nach Ginny um und auch, ob sie sein Umhang vollständig verhüllte. ‚Mist', war dann Harrys nächster Gedanke. Wie konnte er nur Neville vergessen und seine neuerdings täglichen Sit' ups vor dem Schlafengehen.
„Oh hey Neville, hab dich gar nicht gesehen", versuchte Harry abzulenken und deutete hinter seinem Rücken nur für Ginny sichtbar, sie solle langsam in Richtung Damions Bett gehen. Welches es war, wusste die Rothaarige ja. Und wenn nicht, so konnte sie es wenigstens vermuten, denn es gab nur ein Bett bei welchem die Vorhänge schon zugezogen waren. Harry spürte noch, wie die Rothaarige an ihm vorbei schlich, wurde dann aber abgelenkt, da Neville, der mittlerweile vollständig aufgestanden war, plötzlich laut fluchte.
„Oh Shit, schon fast zehn".
Und bevor Harry sich fragen konnte, was seinen Freund mit einem Male so hektisch werden ließ, begann Neville auch schon sich sämtliche Klamotten vom Leib zu reißen. Die Uhr neben seinem Bett ertönte etwas lauter als gewohnt und begann die letzten Sekunden bis zehn Uhr herunter zu ticken Und mit dem letzten Gong stand Neville auch schon so wie Gott, und auch das Training der letzten Monate, ihn geschaffen hatte im Raum und sämtliche Sachen landeten mit einem gezielten Wurf in einem großen geflochtenem Korb in der Nähe der Tür.
Kurz darauf geschahen mehrere Dinge im Schlafraum der Gryffindors. Das erste war, dass der Wäschekorb plötzlich rotgelb aufleuchtete und sein Inhalt binnen eines Augenblickes verschwand. Aber auch nur, so wusste es Harry durch Hermines Erzählungen, um bei den Hauselfen unten in den Gewölben des Schlosses wieder aufzutauchen. Der Korb gehörte zum internen Wäschereisystem von Hogwarts, welches kurz nach Hermines Belferaktion, oder vielmehr ihrem Sachen verstecken, um die Elfen zu befreien, eingerichtet wurde. Es funktionierte ähnlich wie eine Rohrpost bei den Muggeln und jeder Schüler, der seine dreckige Wäsche bis zehn Uhr in den Korb warf, bekam sie am nächsten Morgen sauber und gebügelt zurück.
Das Zweite was den Raum durchfuhr war ein lautes Lufteinziehen seitens Ginny. Harry vermutete, dass die Augen der Rothaarigen nun an Nevilles Körper klebten, da dieser in voller Pracht durch den Raum schritt, ohne auch nur zu ahnen, dass Damenbesuch anwesend war. Doch Ginny war nur unsichtbar, nicht unhörbar und daher zog auch Harry geistesgegenwärtig auch die Luft ein und tat so, als hätte er sich an Rons Bett gestoßen.
Doch Neville war nicht blind und fragte seinen Kumpel, was er habe. Und mit einem skeptischen Blick machte er Harry auch klar, dass er das mit dem Fuß nicht glaubte. Nein Nevilles Blick ging vielmehr zum Kopf des Gryffindors und zur dort befindlichen Narbe. Wahrscheinlich glaubte Neville, dass sie mal wieder wehtat, doch das war schon lange nicht mehr geschehen. So viel konnte Harry seinen Freund beruhigen. Und wenn er es recht bedachte, war der letzte Schmerz seines Geschenkes von Voldemort mit Snapes Sommersüppchen von ihm gegangen.
Nun galt es aber erst einmal, Neville aus dem Raum zu bekommen, um Ginny aus der Gefahrenzone zu kriegen. Daher sah Harry seinen Kumpel musternd an und tat dann so, als fröstelte ihm. „ Uah Neville, du solltest nicht vollkommen nackt hier im Raum stehen. Es ist doch wirklich nicht mehr sehr warm hier oben."
Neville sah ihn lächelnd an und erwiderte, „Ach das stört mich nicht Harry. Ich bin abgehärtet und brauche auch nur noch kurz um mich zu akklimatisieren." Damit machte der Gryffindor noch schnell ein paar Dehnungsübungen, wobei er sich so streckte, dass Ginny wieder leicht zu hören war. Harry musste also stärkere Argumente vorbringen und meinte daher, „Ja aber trotzdem, Neville. Was ist, wenn jemand hereinkommt? Hermine? Oder Parvati? Oder sogar Ginny, um nach Damion zu schauen?"
Neville wurde nicht einmal verlegen bei Harrys Aufzählung und grinste nur. „Ach mach dir da mal keine Sorgen Harry. Ich hätte kein Problem damit. Außer vielleicht, wenn Professor McGonagall durch die Tür käme. Oder aber auch Ginny..."
Harry konnte förmlich spüren, wie sich die Rothaarige unter dem Umhang verspannte. Allerdings konnte er seinen Mund nicht halten und fragte überrascht, „Ginny?"
Neville grinste noch breiter. „Jepp Ginny, bei ihr wäre ich mir nicht so sicher, nach dem, was wir vorhin erlebt haben. Meine Güte, ich dachte Ron Schwesterlein bringt Lavender um. Mann, so gereizt habe ich sie noch nie gesehen. Sie hat bestimmt ihre Tage..."
Harry sah seinem Kumpel noch kurz fassungslos an, wandte dann seinen Blick aber ab und in Richtung Ginny. Er aktivierte dabei seinen Blick so, dass er durch den Zauberumhang schauen konnte, wie es Dumbledore wohl auch immer getan hatte und schaffte es gerade noch stablos zu verhindern, dass sich die Rothaarige auf Neville stürzte.
Ginny sah Harry wütend an und bedeutete ihm den Zauber zu lösen. Dabei machte sie eine Geste, die so aussah, als hätte sie schon Nevilles Hals zwischen den Händen. Harry kam nicht umher zu schmunzeln und sein Kumpel bekam dies mit.
„Das ist nicht lustig, Harry. Luna ist dann auch immer ganz sonderbar." Sagte Neville mit einem Lächeln, da er wusste, dass Harry, auch wenn er es nicht böse meinte, sich gerade im Kopf fragte, wann es die Ravenclaw mal nicht war. Harry grinste leicht und sah seinem Kumpel, der mittlerweile ein Handtuch auf dem Arm und das Duschbad in der Hand hatte, ins Gesicht.
„Vielleicht liegt Ginnys Stimmung aber auch an Damions Zustand. Vielleicht kommt unser Freund seinen Verpflichtungen nicht nach und lässt die Erziehung seiner Freundin etwas schleifen."
„Erziehung", kam es überrascht aus Harrys Mund und Neville grinste plötzlich teuflisch, so wie es sonst nur Damion tat.
„Na du weißt schon Harry. Liebevolles Streicheln, zusammen Essen gehen, körperlich Züchtigung mit der Fleischpeitsche... "
Das Nächste war den Raum erhellte war der leuchtend rote Kopf von Harry. Neville sah das Gesicht und lachte lauthals los. Dann verschwand er aber durch die Tür zum Bad und das war dann auch der Moment, wo Ginny sich den Umhang herunterriss und ihre Hände in ihre Seiten stemmt.
„Tage... meine Tage? Erziehung? Oh Neville warte nur, bis wir uns allein treffen..."
Das Gesicht der Gryffindor funkelte und Harry bekam schon Mitleid mit seinem Kumpel. Dann aber kam ihm in den Sinn, dass es nun sehr schnell gehen musste. Rasch schnappte er sich Ginny und drängte sie in Richtung Damions Bett. Er schubste sie einfach hinein und meinte mit roten Ohren, dass sie von nun an auf sich allein gestellt sei. Ginny, immer noch angespannt, nickt nur und das war das Letzte was Harry von ihr und einem etwas verwirrt und verschlafen aussehen Damion sah.
Doch Harrys Arbeit war noch nicht beendet. Er musste noch dafür sorgen, dass die Beiden ungestört blieben und auch dass man von ihnen nichts mitbekam. Daher konzentrierte er sich darauf, einen sehr starken Stillezauber über Damions Bett zu wirken. Und dies keine Sekunde zu früh, denn Ron und Dean kamen als erste aus dem Bad. Harrys Kumpel sah zwar etwas fragend in seine Richtung, doch der Gryffindor meinte, dass er nur noch mal nach Damion geschaut und auch einen Schallschutz gezaubert habe, damit sie sich alle noch unterhalten konnten, ohne ihren kranken Freund damit zu stören. Die anderen nahmen Harry die kleine Flunkerei ab und somit klang der Abend auch kurz darauf aus. Einzig Harry hatte leicht Probleme beim schlafen, da ihm unentwegt Bilder von sich beißenden Vampiren durch den Kopf schwirrten.
Der nächste Morgen kam dann schneller als Harry es sich gewünscht hätte, doch da Samstag war konnten die Schüler von Hogwarts gewohnheitsgemäß länger schlafen. Harry war dieses Glück jedoch nicht vergönnt. Nein, seine Augen wollten einfach nicht geschlossen bleiben und deshalb stand der Gryffindor, wie er es gewohnt war, ziemlich zeitig auf. Ein kurzes Training, ein paar dumme Sprüche aus dem Spiegel im Bad und die Zeit war reif für das Frühstück.
Unten in der großen Halle traf er dann auch auf Hermine und begrüßte sie erst mal mit einem langen Kuss. Dann sagte er auch den anderen Gryffindors hallo, wenngleich zwei seiner Freunde noch fehlten. Jene hießen Ginny und Damion und die Beiden kamen auch erst so gegen Ende des Frühstücks. Das Pärchen trat an den Haustisch heran und sofort fiel jedem auf, dass vor allem Damion um einiges besser aussah. Parvati meinte sogleich, dass Gesundschlafen die beste Medizin sei und Harry hatte plötzlich mit dem Drang zu kämpfen, nicht rot zu werden, geschweige denn loszulachen.
Schließlich aber schien es Ginny egal zu sein, ob die anderen wussten, was Harry getan hatte oder ab es eine Strafe gab. Sie lehnte sich zu Hermines Freund herüber und mit einem leisen Danke, drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange. Sofort zog Hermine die Stirne kraus, doch ein Blick von Harry, der ihr sagte ‚später', ließ sie sich wieder entspannen. Außerdem half es, dass Damion auch irgendwie gut drauf war, denn Styls Sohn grinste plötzlich teuflisch, kam immer näher an Harry heran und mit einer überschwänglichen Geste und ohne dass sich Harry verteidigen konnte sagte der Gryffindor, „Oh ja, danke Harry" und drückte ihm ebenfalls einen feuchten Schmatzer ins Gesicht.
Die rief natürlich die Neugier und das laute Lachen die Gryffindors in der Nähe hervor. Es war dann schließlich Ron der das Wort ergriff und fragte, was denn Harry so gutes getan habe, damit er diesen Dank verdiente. Die einzige Antwort, die Ginny und vor allem Damion von sich gaben war, dass es ein Geheimnis war und besonders er, Ron, dies nicht erfahren möchte. Harry konnte der ganzen Sache nur stumm beiwohnen und wurde immer kleiner auf seinem Stuhl. Schließlich beendete Professor McGonagall das Frühstück und Harry floh aus der Halle. Ihm folgte jedoch Hermine und so erfuhr sie dann auch unten am See, was eigentlich los war.
Der Rest des Tages war heute von allen zum Faulenzen bestimmt worden. Fast jeder tat etwas, dass sehr wenig mit der Schule zu tun hatte und Harry ging es da nicht anders. Er verbrachte fast die ganze Zeit außerhalb des Schlosses und nach einigen Minuten auf dem Besen, einer ausgiebigen Schneeballschlacht und zwei Stunden in der Bibliothek machte sich der Gryffindor auf den Weg zum Abendessen. Unterwegs stockte er allerdings, als er Damion und Ginny, beide in lange, schwere Umhänge gewickelt, bei Damions Dad stehen sah und dieser seinem Sohn einen kleinen Beutel mit Geld zusteckte.
Was hatte das zu bedeuteten? Mit dieser Frage näherte er sich den Dreien und bekam noch mit, wie sich Damion bedankte und versprach zum Frühstück wieder da zu sein. Kurz darauf waren er und Ginny auch schon verschwunden und Professor Styls bemerkte Harry. Er winkte ihn heran und seufzte gespielt „Oh ja, die junge Liebe."
Da dies aber Harrys fragenden Blick nur noch mehr bestärkte, wurde Stephano Styls wieder etwas ernster und erklärte Harry, dass sein Sohn und dessen Angebetete mal einen schönen Abend und dann auch die Nacht miteinander verbringen wollten. Harry wurde leicht rot und war sich eigentlich sicher, dass er nichts weiter hören wollte, doch Styls hatte kein Einsehen und erzählte weiter, dass er von Damion wusste, was Harry letzte Nacht für ihn getan hatte und das sein Sohn ihm dafür sehr dankbar war. Allerdings sei die Nacht nicht so verlaufen, wie Harry sich dies vielleicht ausgemahlt habe, denn Damion war durch seine Schwäche lediglich in der Lage gewesen, etwas von Ginnys Blut zu nehmen und wollte die eigentliche „Kur" heute durchführen.
Harry fragte sich als Styls mit seinen Ausführungen fertig war, warum immer er? Wieso war jeder zu ihm immer so offen und bescherte dem Gryffindor damit rote Ohren. Glücklicherweise stürmten im nächsten Moment eine Menge Schüler durch den Gang in Richtung große Halle und so wurde Harry ein wenig vor Professor Styls gerettet.
Zwei Stunden später saßen Harry und Hermine im Gemeinschaftsraum vorm Kamin und während der Lockenkopf ihrem Liebsten die Haare kraulte und immer wieder davon schwärmte, wie romantisch es war, was Ginny und Damion taten, fasste Harry den Entschluss, dies auch irgendwann für seine Freundin zu tun. Bis dahin hieß es aber erst einmal sich verwöhnen lassen und die Augen zu schließen.
Das dies aber zu etwas ganz anderem, unerwartetem führte, konnte der Gryffindor natürlich nicht ahnen, denn kaum war Hermine aus Harrys Blickwinkel verschwunden, änderte sich auch schon die Umgebung um ihn herum. Es war so, als würde ihm Arcan wieder eine Art Erinnerung zeigen, doch war es dies wiederum nicht, denn mit Erschrecken stellte Harry fest, dass er die Wirklichkeit sah. Und noch schlimmer, sie handelte von Ginny und Damion.
Beide Gryffindors spazierten gerade durch Hogsmeade, engumschlungen und sich küssend. Harry konnte ihre Umrisse deutliche sehen, auch wenn es so schien, als würde er von oben auf sie herabblicken wie ein Vogel, der auf der Dachrinne saß. Das an sich wäre ja nicht so schlimm, wären da nicht die in schwarze Umhänge gehüllten Gestalten, welche sich den beiden näherten und zwar aus allen Richtungen. Offenbar verfolgten sie jemanden, eine Person, die schon sehr angeschlagen wirkte und sich Harrys Freunden immer weiter näherte. Es würden nur noch Sekunden vergehen und Jäger und Gejagter trafen auf die Zwei. Mit einem Schrei wachte Harry auf...
TBC
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