Kapitel 67
Harry war wie vom Blitz getroffen und sah, wie die anderen im Raum auch, entsetzt auf den völlig aufgelöst wirkenden kleinen Professor Flitwick. Allerdings schien dieser so fertig zu sein, dass selbst die Direktorin mehrere Versuche starten musste, um zu erfahren, was ihr Kollege damit meinte, „dass es um Hogwarts ging".
Filius Flitwick schaute auf und wollte etwas sagen, doch dazu sollte es nicht mehr kommen, denn nun schritt Poppy zur Tat. Die alte Heilerin hatte nämlich beschlossen, dass für heute genug geschehen war, und dass auch Filius ein Recht zur Trauer habe und sagte daher: „ Minerva, das hat auch noch morgen Zeit. Und bevor ihr alle auf die Idee kommt, dass ihr euch mit diesem neuen Rätsel den Schlaf rauben könnte, bleiben die Schüler und auch Filius hier."
„Was? Aber Poppy, das kannst du doch nicht ma..." Wollte die Direktorin aufbegehren, doch die Heilerin hatte schon ein Tablett mit mehreren Schälchen herbei gezaubert. In den Schalen erkannte Harry eine blaue Flüssigkeit, den Traumlosschlaftrank. Und ohne weiter auf die Direktorin einzugehen reichte sie jedem eine Dosis. Als dies dann geschehen war, wandte sie sich endlich wieder ihrer Chefin zu und sagte, „Und ob ich das kann, Minerva. Die Jungen und auch die Mädchen haben ihren Schlaf nötig. Sie haben gekämpft und mussten mit ansehen, wie ein Mensch gestorben ist. Ein Mensch, ein alter Freund von uns, den auch du sehr gut kanntest und den ich heute Nacht auch noch untersuchen werde, bevor sich die Stümper aus dem Ministerium um ihn kümmern werden. Denn auch ich will schließlich wissen, warum Lewi sterben musste und wieso es auf so grausame Art geschah."
Direktorin schien jedoch nicht ganz ihrer Meinung zu sein und tat dies auch kund. Was war, wenn der Tod von Mr. Lewingston weitreichendere Konsequenzen nach sich zog? Wer zum Beispiel wollte das Geheimnis aus seinem Kopf haben? Und vor allem, was war dies für ein Geheimnis? All diese Fragen schwirrten nun im Raum und wurden durch die Direktorin aufgegriffen.
Allerdings traf die damit einen wunden Punkt bei Poppy, die zu oft mit Albus diese Diskussionen durchhatte und ihr Gesicht verhärtete sich um einiges. „Das sind alles wichtige Fragen und sie bedürfen auch einer Antwort, Minerva, nur nicht mehr heute Nacht, meine Liebe. Um halb Zwölf in der Nacht und den Krankensaal voller erschöpfter und leicht verletzter Schüler interessieren sie mich nun mal wie die Textsicherheit eines Pornodarstellers."
Das nächste was man hörte war, wie sich sowohl Stephano Styls, als auch Harry verschluckten und zwar nicht am Schlaftrank. Die beiden Männer schauten auf die Heilerin und sie wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Ihrer Freundinnen hatte es da leichter. Sie konnten ja einfach geschockt ihre Hand vor den Mund halten. Die Direktorin hingegen schien nun auch ein wenig ungehalten zu werden. Wieso verstand ihre alte Freundin denn nicht, dass Zeit in diesen Tagen ein entscheidender Faktor war? Vielleicht war sie aber auch selber durch die Ereignisse in Hogsmeade so sehr aufgeputscht, denn mit Sicherheit würde die alte Hexe heute Nacht kein Auge zukriegen und suchte somit vielleicht nach etwas, mit dem sie sich ablenken konnte. Und in einem letzten Versuch, und alle Bedenken fallend lassend, schwang zum ersten Male so etwas wie „Ich bin der Chef" mit in ihrer Stimme.
„Madame Pomfrey...", begann die Direktorin in einer Art, die Harry die Nackenhaarige aufstellte. „... es ist wichtig, dass wir Antworten bekommen. Und wenn schon nicht die Schüler dabei sein sollen, so erwarte ich zumindest, dass du Filius entlässt, damit er sich uns anschließen kann."
Im nächsten Moment erstarrte jeder Laut und jeder Bewegung im Krankensaal, ausgelöst durch eine simple Geste seitens Poppys. Die alte Heilerin stockte nämlich plötzlich in ihrer Bewegung, sprich auf ihrem Weg zum Medizinschrank und stellte die Flasche mit dem Schlaftrank geräuschvoll auf einen der Nachttische. Dann drehte sie sich um und blickte die Direktorin gefährlich an, bis ihre Stimme mit ungewohnter Härte erklang.
„Minerva Dorothea McGonagall, jetzt hör mir mal ganz genau zu. Weder Amando Dippet, noch Albus Dumbledore haben es auch nur gewagt, mir Vorschriften im Umgang mit MEINEN Patienten und in MEINEM Krankenflügel zu machen. Und allein die Tatsache, dass du meinem kleinen Bruder die Unschuld genommen hast, und wir fast so etwas wie eine Familie geworden wären, wird dieses Gesetz nicht ändern ..."
Harry hatte schon vom Schlammcatchen oder Frauenkämpfen gehört und wusste auch, dass Mädchen furchtbare Gegner sein konnten. Doch allein diese beiden Hexen, diese Urgesteine von Hogwarts sich gegenüber stehen zu sehen, jagte ihm einen Schauder über den Rücken. Harry wollte sich nicht mal ausmahlen, was gleich noch geschehen sollte. Und da war er nicht der einzigste im Raum. Jeder der anwesenden Zeugen schien ähnlich zu denken und wie, als würde sie alle eine unsichtbare Kraft lenken, beschloss jeder für sich, dass es nur einen Ausweg gab. Ab da ging es alles sehr schnell. Plötzlich erkor sich jeder Schüler und sogar die beiden männlichen Professoren ein Bett aus, ging zu selbigen und schluckte dann hastig den Trank. Jeder wollte der erste sein, der dem allen hier entschlief.
Es roch nach Desinfektionsmittel und Harry erkannte sofort, wo er sich befand. Doch noch viel schlimmer als die Feststellung wo er sich befand war die Erkenntnis, dass dann auch das, was er gestern erlebt hatte, wahr sein musste. Es war wirklich geschehen? Es war jemand auf grausame Art und Weise gestorben. Und dann der Kampf zwischen Poppy und der Direktorin, die sich vor ihren Augen gefetzt hatten? Wie war es ausgegangen? Harry versuchte seine Umgebung zu erkunden. Der Gryffindor ließ seine Sinne wandern und stellte leicht rot werdend als erstes fest, dass er nicht mehr seinen Umhang, sondern eines der Krankenstationshemden an hatte.
Poppy hatte den Kampf also überlebt, wenn nicht sogar gewonnen, bei dem Gesicht, welches sie der Direktorin entgegengebracht hatte. Harry war sich sicher, dass McGonagall es nicht gewagt hätte, ihn umzuziehen. Blieb also die Frage, was mit der Direktorin war. Harry öffnete seine Augen und schaute sich vorsichtig um. Sein Blick traf auf Hermine, Ginny und Damion, die allesamt noch schliefen und Harry stellte fest, dass keiner der Erwachsenen mehr im Raum war.
Fünf Minuten später, in denen sich Harry die Ereignisses von Gestern noch mal durch den Kopf gehen ließ, kam dann auch Madame Pomfrey in den Raum und weckte alle mit einem freudigen „Guten Morgen Herrschaften". Nun war sich der Gryffindor vollends sicher, wer den Kampf gewonnen hatte.
„Ich würde mich beeilen, meine Lieben, denn das Frühstück in der Großen Halle ist schon im vollen Gange." Mit diesem Hinweis trat Poppy etwas dichter an Harry heran und überreichte ihm ein Päckchen mit seinen Sachen. „Hier Mr. Potter, dass soll ich ihnen bringen. Obwohl ich mich frage, ob sie immer nackt unter ihrem Umhang sind, wenn sie das Schloss verlassen."
Harry nahm die Klamotten rasch und machte sich mit verlegener Miene auf ins Bad. Dort traf er auf Damion, der versuchte sich etwas frischer aussehen zu lassen und Harry bedauerte seinen Kumpel dahingehend, dass wohl wirklich jemand etwas gegen ihn haben musste. Sicher war, dass die „Kur", wie Professor Styls es genannt hatte, mit Sicherheit ausgefallen war.
Zwanzig Minuten später betraten Harry und seine Freunde die Halle und gingen rasch zu ihren Plätzen, um etwaigen Fragen und Blicken auszuweichen. Am Gryffindortisch angekommen fiel dem Schwarzhaarigen sofort aus, dass auf den Tellern, die auf ihren gewohnten Plätzen standen, kleine Zettel lagen. Rasch setzte sich Harry und betrachtete das Stück Pergament mit Anspannung. Natürlich schauten auch seine Mitschüler neugierig, hatte es doch keiner gewagt, einen Blick auf die Briefe zu werfen. Doch alles was die kleinen gelben Pergamente besagten war, dass er, und auch die anderen, sich nach dem Essen bei der Direktorin einfinden sollten.
Kaum fertig mit Lesen ging Harrys Blick zum Lehrertisch. Dort saß Professor McGonagall und alles was sie tat, war kurz zu nicken. Harry nickte zurück, als Zeichen, dass er verstanden hatte und widmete sich dann seinem Frühstück. Hermine, Ginny und Damion verhielten sich ähnlich, auch wenn sich Harrys Freundin fragte, ob es nicht vielleicht besser wäre, auch Ron nachher mitzunehmen.
Die Antwort auf diese Frage erübrigte sich jedoch schon wenige Minuten später, als Professor Styls an ihren Tisch kam und den rothaarigen Gryffindor bat, ihn zu begleiten. Erst schaute Ron zwar etwas verloren, da er glaubte einen Fehler gemacht zu haben, doch Damions Dad meinte, dass alles in Ordnung sei und somit folgte Ron dem Mann.
Harry und seine Freunde schauten den Beiden etwas unsicher hinterher. Sie konnte ja nicht ahnen, dass Styls den Rothaarigen nur ein wenig auf den neuesten Stand bringen wollte, um dann mit ihm zusammen bei Professor McGonagall im Büro aufzutauchen. Dort waren übrigens auch Harry und die drei anderen angekommen und sie alle schauten etwas angespannt auf den Schreibtisch, oder besser auf die dahinter sitzende Hexe. Nur zu klar waren ihnen die Umstände im Gedächtnis unter denen sie ihre ehemalige Hauslehrerin das letzte Mal gesehen hatten.
Minerva McGonagall schien dieses Erlebnis jedoch schon abgetan zu haben und schaute mit einem an Dumbledore erinnerndem Funkeln im Auge in Richtung ihrer Schüler. Dann bat sie darum, dass alle Platz nahmen und erhob das Wort.
„So meine Lieben, wir haben uns heute hier eingefunden, um einige Dinge zu klären und auch um einige Erlebnisse aufzuarbeiten. Ich weiß, sie werden dies vielleicht nicht so sehen, doch das gestern Erlebte war eine Tragödie und ein Unmaß an Grausamkeit, was in meinen Augen niemals ein Kind erleben sollte ..."
Bevor die alte Hexe jedoch weitersprechen konnte, hob Harry plötzlich den Arm und sagte, „Professor, ich denke, wir wissen, was sie meinen. Doch ich glaube, dass wenn ich sage, und ich gehe mal davon aus, dass es die anderen auch so sehen, dass wir zusammen sehr gut damit zurecht kommen. Es ist schlimm was geschehen und dass dabei ein Mensch gestorben ist. Doch verstehen sie bitte Professor, es ist ja nicht so, als hätte gerade wir nicht schon erlebt, wie grausam der Krieg sein kann. Ich meine, nehmen sie mich und Damion. Wir beide mussten selbst schon einmal töten. Oder nehmen sie Ginny und Hermine, die dabei waren und auch mit angesehen haben, wie Ron sich zum ersten Male verwandelte hat..."
Die vier Schüler nickten und stimmten Harry zu, bevor dieser fortfuhr. „Also Professor, ich denke, es ist für uns fünf hier wichtiger zu erfahren, warum dies alles geschehen ist und warum Mr. Baxter sterben musste? Und am wichtigsten, was Professor Flitwick damit meinte, dass es um Hogwarts ginge?"
Die Direktorin schaute Harry mit großen Augen an und verspürte plötzlich etwas wie Stolz. Wie konnte sie nur diese, ihre Schüler, so unterschätzen? Schließlich begann sie zu lächeln und nickte dem Schwarzhaarigen, der sie in diesem Moment so sehr an seinen Vater erinnerte, zustimmend zu. Dann bat sie Stephano Styls zu sich hinter den Tisch und wandte sich mit ernsterem Gesicht an die Schüler.
„Also Mr. Potter, Harry, ich denke sie haben ein Recht darauf, die Hintergründe und unsere Vermutungen im Bezug auf die Interessen von Vol...Voldemort zu erfahren. Bevor ich aber dazu komme, möchte ich mich noch in einer anderen Sache bei ihnen entschuldigen. Es ist mir gelinde gesagt ein wenig peinlich, doch mein Auftreten gestern im Krankensaal war mehr als nur unangemessen. Ich hoffe sie verstehen dies und auch, dass ich mich mit Madame Pomfrey wieder versöhnt habe. Ich war einfach zu sehr von der Gefahr, die durch Voldemort ausgeht eingenommen, dass ich sie alle und ihre Erlebnisse außer Acht ließ."
Harry schaute die alte Hexe mit großen Augen an und wurde leicht verlegen, zumal die Worte der Direktorin ihm wieder in Erinnerung riefen, was er eigentlich vergessen wollte. Es war aber weniger der Streit zwischen den beiden gewesen, sonder eher die Sätze und Fakten, die Poppy dabei verwandt hatte. Allein schon der Gedanke daran, dass McGonagall mit einer männlichen Version von Poppy zusammen war, ließ ihn sich schütteln. Die alte Hexe war in den letzten Jahren so etwas wie seine Mutter hier in Hogwarts gewesen und an seine Eltern beim Sex zu denken, dass… das durfte man einfach nicht.
Wenige Minuten später wechselte man aber glücklicherweise das Thema und man ging dazu über, von Lewingston Baxter zu sprechen. Es war dann auch Hermine, die als erste fragte und Harrys Freundin wollte wissen, wer Lewingston Baxter nun eigentlich war und woher die Direktorin und auch Poppy ihn so gut kannten. Es war jedoch nicht Professor McGonagall die antwortete, sondern Damions Vater.
„Nun Ms. Granger, um es mit einfachen Worten auszudrücken, Lewingston Baxter war zu seiner Zeit in Hogwarts, etwa in den späten Vierzigern, so etwas wie Harry, wenn man es im Verhältnis zwischen ihm und Professor Dumbledore sieht. Lewingston war Amando Dippets Zögling, sein Protege. Und noch wichtiger für uns, ist die Tatsache, dass Lewi ein Verrückter, ein Fanatiker der Geschichte war. Genau wie Direktor Dippet wandelte er ständig auf den Spuren der Vergangenheit. Und die ist in Hogwarts ja nun allgegenwärtig."
„Und dabei hat er etwas entdeckt, was Voldemort interessieren könnte?" Fragte Harry nachdenklich und sah in die Runde. Dabei fiel ihm auf, dass wohl jeder dasselbe dachte, doch erst Professor Styls bestätigte ein wenig Harrys Vermutung.
„Nun es könnte sein, Harry. Du musst wissen, dass Lewingston wohl der einzige Schüler seit mehreren Dekaden war, der neben euch die Erlaubnis hatte, in die Archive der alten Direktoren einzutauchen. Selbst Tom Riddle durfte dies nicht. Dafür hatte Albus Dumbledore schon in seinen Lehrerjahren gesorgt und dies war etwas, dass Voldemort bestimmt aufgestoßen ist."
Man merkte Damions Dad an, dass es ihm sehr leid um Lewingston tat und auch, dass den Mann auch noch was anderes bedrückte. Dann aber wiederum kam Harry in den Sinn, wie viel Zeit Snape oder jetzt Stephano Styls früher mit dem alten Zauberer verbracht haben musste. Ohne Zweifel hatte Harry da noch was aufzuholen, denn schließlich hatte er ja früher schon aus Dumbledores Erzählungen und Erinnerungen erfahren, dass Tom unbedingt wieder ins Schloss wollte. Vorerst gab es aber erst einmal den Tod von Lewi Baxter aufzuklären und deshalb hörte der Gryffindor seiner Liebsten zu, die sich an die Direktorin gewandt hatte.
„Nun Professor, sie sind doch als derzeitige Direktorin bestimmt schon mal unten in den Archiven gewesen. Ich meine nicht nur die paar Mal, wo wir auch da waren und haben vielleicht schon eine Ahnung, was Mr. Baxter dort unten gefunden haben könnte? Und was vor allem so wertvoll ist, dass man a) das Geheimnis mit einem Fideliuszauber schützt und b) dass Voldemort dafür töten würde?"
Nun lagen alle Augen auf Professor McGonagall und die alte Hexe schien ein wenig hilflos zu sein. Schließlich aber stand sie auf, ging zum Fenster und schaute hinaus auf die Ländereien.
„Nun Ms. Granger, wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, was Lewi gefunden haben könnte. Doch das ist bei der langen und legendenreichen Geschichte dieses Schlosses nicht wirklich verwunderlich. Bedenken sie bitte Ms. Granger wir reden hier von weit über tausend Jahren, welche Hogwarts schon steht."
Harry bemerkte sehr wohl, wie seine Liebste bei den Worten der Direktorin plötzlich aufhorchte und es sah so aus, als wollte sie die alte Hexe verbessern. McGonagall bekam dies auch mit und begann sanft über den Eifer ihrer Schülerin zu lächeln.
„Bevor du was sagst, Hermine..." – Harry war nun wirklich erstaunt über den plötzlichen Tonwechsel– „... lass mich bitte ausreden und erklären, denn da auch ich mich in all meinen Jahren hier doch ein wenig mit dem Schloss beschäftigt habe, bin ich der festen Meinung, dass Hogwarts weit älter ist, als der in den Chroniken angegebene Zeitraum. Ich meine, überall steht geschrieben, dass Hogwarts von den vier Gründern gegründet wurde, aber niemals wurde erwähnt, dass sie das Schloss auch gebaut haben. Oder noch viel wichtiger, wodurch alle vier so berühmt geworden sind."
Auf diese Aussage hin schauten alle die alte Hexe überrascht an. Es kam ja nicht sehr oft vor, dass vor allem Minerva McGonagall an den Geschichten, oder besser, der Geschichte Hogwarts zweifelte. Es war dann auch Hermine, die ihre Überraschung in Worte faste und die Direktorin fragte, was sie genau mit ihren Worten meinte. Professor McGonagall schaute ihre Lieblingsschülerin durch ihre viereckige Brille hindurch an und antwortete: „Was ich meine, Hermine, ist, dass ich mich frage, wie man den ersten Satz im ersten Eintrag der Geschichte Hogwarts im Bezug auf das Davor deuten sollte. Denn wie besonders du wissen solltest, lässt doch die Aussage, ich zitiere: „... und wir vier Gründer beschlossen in Hogwarts eine Schule für junge Hexen und Zauberer zu eröffnen, um unserer Zukunft eine friedliche Chance zu eröffnen. Das Volk sieht uns als ihre Erlöser. Doch Erlösung kommt nur durch Fortschritt und Fortschritt kommt durch Wissen. Darum sei es..." in meinen Augen sehr viel Spielraum für Spekulationen, was vor der Gründung geschehen ist. Es heißt immer und überall, die Gründer waren sehr mächtig. Doch wodurch zeichnete sich dies aus? Gut, jeder hatte so sein Steckenpferd, doch warum sahen die Leute sie als Erlöser?"
Harry schaute, ebenso wie Ron Damion und auch Professor Styls mit mehr als nur gebannten Blicken auf die Direktorin. Meinte McGonagall dies wirklich alles ernst, was sie da gesagt hatte? Und warum kam dem Gryffindor das Zitat so völlig unbekannt vor? OK, die Antwort auf diese Frage war leicht. Er hatte die Geschichte Hogwarts nie wirklich gelesen. Es reicht ja wenn eine Person in der Familie mit der Schwarte unterm Kissen schläft.
Dass bei diesem Gedanken Harrys Kopf unwillkürlich in Richtung Hermine wanderte bekam zum Glück niemand mit. Allerdings warfen McGonagalls Fragen neue auf, wenn man die Sache mal so betrachtete, wie die Direktorin. Bevor man sich aber damit beschäftigen wollte, blieb erst einmal der Tod von Lewingston Baxter zu klären und hier kam Professor Styls ins Spiel.
„Also Minerva lassen wir Hogwarts erst mal Hogwarts sein und hört euch mal an, was Lewingston angeht. Ich habe mit Poppy gesprochen und sie meinte, nachdem sie Lewi untersucht hat, dass es ein sehr alter und sehr grausamer schwarzer Fluch war, der den Fideliuszauber dazu gebracht hat, sich gegen seinen Geheimniswahrer zu stellen. Das Verwunderliche an diesem Fluch jedoch ist die Tatsache, dass der Sprecher des Fluches wissen muss, dass sein Opfer einen Fideliuszauber in sich trägt. Und, er muss annähernd wissen, was sein Opfer beschützt.
Allerdings bestätigt der Anschlag an Lewi unsere Vermutung, dass Voldemort sein Augenmerk lang- oder mittelfristig auf Hogwarts gelegt hat. Damit machen auch der Tod von Albus und der fast katastrophal ausgegangene Anschlag auf den Hogwartsexpress immer mehr Sinn."
„Was?", entfuhr es Harry und er sah seinen Lehrer mit großen Augenan. Professor Styls nickte aber nur leicht und schaute dann zur Direktorin, als wartete er auf ein Zeichen. Dieses kam dann auch in Form eines leisen Seufzens was ein wenig wie „OK, sag es ihnen" anhörte und Damions Vater wandte sich wieder seinen Schülern zu.
„Nun Harry, es schein so, als wollte Voldemort vor Weihnachten nicht wirklich nur dich erledigen, sondern sein übergeordnetes Ziel lautete, die Sicherheit der Schule und die der Schüler als nicht vorhanden darzustellen. Wir wissen dies, da Tonks und auch Arthur Weasley einige kleine heimliche Untersuchungen im Ministerium durchgeführt haben. Offenbar kam es schon kurz nach dem Zugzwischenfall zu Meldungen und Briefen seitens erboster Eltern, die sich beschwerten, dass ihre Kinder solchen Gefahren ausgesetzt seien und dass das Ministerium wieder mal versagt habe. Man sprach sogar davon, man solle Hogwarts in Hinsicht auf Sicherheitsmängel schließen."
Stephano Styls gab seinen Schülern einen Moment um das Gehörte sich setzen zu lassen, fuhr dann aber mit ein wenig Erleichterung in der Stimme fort. „Glücklicherweise hat Minister Scrimgeour dieses Mal aber eine von Fudges Angewohnheiten angenommen und sich nicht von diesen Briefen beidrucken lassen. Er hat sie laut Tonks regelrecht ignoriert und darüber können wir froh sein. Du hast nämlich sicher keine Ahnung, wie sehr die Lehrer und auch unsere Direktorin im letzten Sommer gekämpft haben, damit Hogwarts nicht geschlossen wird und damit für Voldemort angreifbar."
Es waren eine Menge Informationen, welche die Gryffindors verdauen mussten. Es war schließlich nicht alltäglich, dass ihnen Ordensangelegenheiten oder Hogwartsinterna offenbart wurden. Besonders Ron und Ginny sahen etwas unsicher aus, was den Umgang mit diesen Fakten anging. Damion und Hermine hingegen hielten es wie Harry und überlegten schon, wie sie an weitere Informationen kamen, wobei Styls Sohn seinem Vater einen fragenden Blick zuwarf und die Archive der Direktoren erwähnte.
Stephano Styls schaute nun nachdenklich zur Direktorin und diese zum Portrait von Albus Dumbledore. Der alte Zauberer schien zu schlafen, jedenfalls waren seine Augen geschlossen und der Atm ging ruhig und gleichmäßig. Doch dem war nicht so und schon in der nächsten Sekunde funkelte Albus seine alte Nichte an und nickte. Damit war es beschlossen und Damion und auch Ginny und Ron durften unter Beachtung einiger Regeln auch in die Archive.
Während dies alles so vor sich ging, hatte Harry sich ein wenig ruhiger verhalten und sich so seine Gedanken gemacht, was in den letzten Stunden geschehen war. Dabei kam ihm auch die komische Wolke wieder in den Sinn und dass sie ihm auch irgendwie bekannt vorkam. Und dann traf es ihn. Die Wolke, dieser schwarze Nebel, dieses Ding, was auf ihn zukam. Genauso war es doch damals auch, als er mit Stephano Styls in seinen Gedanken gesurft war. Konnte dies bedeuten...?
Harry schaute ruckartig auf, wodurch er natürlich die Aufmerksamkeit aller hatte. Als Hermine ihn daraufhin besorgt fragte, was er habe und er die Worte „Wolke" und „Fidelius" aussprach, da mischte sich Professor Styls ein. Er sah Harry nachdenklich an und sagte, „Weißt du Harry, ich denke wir beide haben eben die gleich Lösung auf unsere alte Frage gefunden. Doch bitte ich dich hiermit, noch einige Tage zu warten und keine Selbstversuche zu starten. Ich will mich noch mal mit Filius unterhalten, was er denkt. Und dann gehen wir zusammen auf eine kleine Entdeckungsreise."
Harry wollte zuerst protestieren, da er so schnell wie möglich Gewissheit haben wollte, doch da meldete sich das Gemälde von Albus zu Wort und der alte Zauberer bat Harry um etwas Geduld, da er sich sicher war, dass wenn es ein Fideliuszauber war, er nicht von ihm oder Arcan stammte.
Harry nickte geschlagen und machte ein Gesicht, als hätte man Weihnachten abgeschafft. Glücklicherweise hatte der Gryffindor im nächsten Moment aber schon eine neue Aufgabe. Der alte Direktor hatte nämlich mit seiner Aussage, dass der Zauber auch nicht von Arcan stammt dafür gesorgt, dass die anderen hellhörig wurden und Harry ihnen somit erklären musste, was es mit dem Namen auf sich hatte.
Die Reaktionen auf Harrys zweites Ich waren fast nicht zu unterscheiden. Die Direktorin war als ehemalige Verwandlungslehrerin natürlich besonders angetan, während Ron meinte, dass nun einige Dinge Sinn machten. Harry freute sich besonders, dass sein Kumpel nicht wie früher Anzeichen von Neid zeigte. Doch wieso sollte er auch? Ron selbst war doch was Besonderes nach seiner Heldentat im vergangenen Herbst. Allerdings brachte die Eröffnung von Harrys Geheimnis ein anderes Thema zur Sprache, welches Harry eigentlich unter vier Augen mit der Direktorin besprechen wollte. Doch da man einmal beim Thema war, fragte Harry direkt, ob er in den nächsten Tagen mal in die Winklegasse dürfte. Zuerst wollte Professor McGonagall sofort nein sagen. Doch zu ihrer Überraschung sprang Damions Dad für Harry in die Bresche und erklärte die Sache aus seiner Sicht.
„Siehst du Minerva, Harry will doch nicht durch die Winkelgasse schlendern, um zu bummeln. Nein, unser lieber Harry will lediglich zu Madame Malkine, weil ihm mit zunehmender Aktivität als Phönix, sprich seinen Verwandlungen, die Sachen ausgehen. Wir können ihm den Einkauf aber auch verwehren und Harry zieht sich vor jedem Üben, was übrigens meistens mit Ms. Granger zusammen geschieht, gänzlich nackt aus. Die beiden sind ja verantwortungsvoll genug, um nichts Schlimmeres passieren zu lassen und was die anderen Schüler angeht, die sollen sich halt um ihre Dinge kümmern und nicht darüber reden..."
Harry, der eigentlich sich selbst verteidigen wollte, schaute mit offenem Mund zu Professor Styls und dann mit immer roter werdendem Kopf zur Direktorin. Diese sah ihn aber nicht an, sondern musterte ihren Lehrer für VgddK mit strengem Blick. Dann stöhnte sie leicht genervt auf und sagte, „OK, du hast gewonnen Steph. Harry darf gehen, jedoch nur in deiner Begleitung. Merlin allein weiß, was du dir sonst noch einfallen lässt. Du hast dich wirklich nicht geändert."
Damit war die Sache klar. Auch wenn Hermine und die anderen auch gerne mitgegangen wären, so wünschte sie ihrem Kumpel viel Spaß. Allerdings hieß es ja nicht, dass Harry nichts mitbringen durfte und so sollte sich der Gryffindor schon mal bereit machen, am Abend noch eine Menge Zettel mit Einkaufswünschen zu erhalten. Kurz darauf beschloss man, die Sicherheit von Hogwarts ein wenig zu verstärken und Neuankömmlinge und Besucher besonders zu überprüfen. Danach wurde das kleine Treffen für beendet erklärt und Harry und seine Freunde konnten das Büro der Direktorin verlassen. Allerdings schnappte Harry noch auf, dass Stephano Styls noch kurz zurück bleiben sollte, da die Direktorin noch eine Auskunft von ihm brauchte, die mit ihrem letzen Thema zu tun hatte.
TBC
