Kapitel 68

Die paar Tage nach dem Gespräch im Büro der Direktorin waren für Harry zum einen sehr schön, da er eine Menge Zeit mit Hermine verbringen konnte. Doch dann waren sie auch sehr ereignisreich, wobei Ginny, Damion und vor allem Neville den wohl größeren Part spielten.

Alles begann am Montagmorgen in der Früh. Der Unterricht sollte heute für die Siebenklässler erst gegen elf Uhr beginnen, da verschiedene Lehrer einige Mitarbeiter des Ministeriums zu betreuen hatten. Es war die Zeit der Orientierungsphase für die Schüler des fünften Jahrgangs und Harry erinnerte sich noch genau an das damalige Gespräch mit Professor McGonagall und an Dolores Umbrigde, und wie er sich damals gewünscht hatte einmal ein Auror zu werden.

Na jedenfalls hieß es in den nächsten Tagen sehr viel Stoff sich selbst zu erarbeiten, doch das war nicht der Grund für die Aufregung von Neville und Harry. Nein dies begann wie schon gesagt am frühen Montagmorgen und es spielte sich hauptsächlich im Bad der Siebenklässler ab. Harry war wie gewohnt ziemlich zeitig auf den Beinen und hatte sein Training, seinen allmorgendlichen Lauf am See, absolviert. Nun hieß es zu duschen und ohne weiter darauf zu achten, ging der Gryffindor ins Bad und in Richtung Dusche.

Was es da allerdings erblickt, ließ ihn sofort rot werden. Unter normalen Umständen hätte er auch sofort seinen Blick abgewandt, doch der Anblick von Ginnys sich windendem Körper, und wie Damion hinter ihr stand und seine Liebste immer näher in Richtung Höhepunkt trieb, nun dieser Anblick verlängerte die Reaktionszeit des Schwarzhaarigen ein wenig und so blieb Harry doch einige Momente im Raum, bis er schließlich mit einem „Oh Entschuldigung" rasch die Tür hinter sich schloss.

Vor dem Bad angelangt, musste Harry erst einmal tief durchatmen, um wieder zu Luft zu kommen und lehnte sich benommen an die steinerne Mauer. Wie verdammt sollte er jemals wieder diesen Anblick aus seinem Kopf bekommen. Und wie er so nachdachte und vor seinem inneren Auge immer wieder sah, wie Ginny sich an der gefliesten Wand abstützte, und wie Damions nicht gerade winziger Riemen immer wieder schmatzend in die feucht glänzende Spalte hinein fuhr, da schossen Harry plötzlich nicht nur die komischsten Fragen durch den Kopf. Nein, auch das Blut drängte gen Süden.

Verzweifelt versuchte er die Bilder der sich Liebenden und auch die wachsende Beule in seiner Hose zu unterdrücken. Dabei fragte er sich mit zunehmender Verzweiflung, warum immer er? Was würde noch geschehen, wenn die beiden da drin ihren Höhepunkt hatten? Könnte er sie jemals wieder anschauten? Wo war Hermine, wenn man sie mal brauchte? War das eben Neville, der an mir vorbei ins Bad gegangen ist?

Harry schaute sich gar nicht um, denn sein Körper widerstrebte ihm vollends und hatte durch die Gedanken daran, was Damion gerade erlebte, und er in den letzten Tagen nicht, eine doch eher eindeutige Reaktion und diese galt es zu bekämpfen. Bevor der Gryffindor aber beschließen konnte, seine Freundin kurz zu besuchen, wurde er sich der letzten Frage wieder bewusst. Harrys Augen weiteten sich und er stieß ein entsetztes „Shit Neville" hervor.

Selbiger kam auch schon zwei Sekunden später kreideweiß aus dem Bad gerannt und Panik schien ihm ins Gesicht geschrieben. Der Blonde nahm Harry gar nicht mehr wahr und wollte gerade losrennen, als Harry ihn an der Schulter berührte. Panisch schrie Neville auf und rief lauthals, dass Damion ihn in Ruhe lassen, ihn nicht töten solle.

Harry, kurz überrascht, griff nun mit beiden Händen zu und wirbelte seinen Kumpel gegen die nächste Wand. Dann stellte er sich ihm gegenüber und versuchte Neville wieder zur Besinnung zu bringen. „Neville, ich bin's, Harry", rief er, doch der Junge schien immer noch so voller Panik zu sein, als hätte er den Leibhaftigen gesehen. Harry sah keinen Ausweg und klatsche Lunas Freund rechts und links eine. Dies schien zu wirken und Neville schüttelte kurz den Kopf so, als wolle er klar werden.

Schließlich erkannte er Harry vor sich und mit ängstlicher Stimme stotterte er, „Harry, oh mein Gott... Wir... wir müssen... Pro... Styls... Damion... Ginny... überall Blut... ein Vampir ..."

Daher wehte also der Wind. Harry hatte eine Antwort auf die Frage was wohl nach dem Sex kam, allerdings war sein „Aha" nicht gerade glücklich gewählt, klang es doch so, als wäre es etwas natürliches, wenn sich zwei Menschen nackt unter die Dusche stellen und sich das Blut aussaugen. Nevilles Reaktion auf diese Aussage hin war daher verständlich und er schaute Harry an, als hätte dieser auch nicht alle an der Mütze. Rasch wollte er sich befreien, um Hilfe zu holen. Vielleicht konnte man ja noch etwas für Ginny tun?

Doch umso geschockter war der Gryffindor, dass Harry ihn nicht losließ und meinte, dass Alles in Ordnung war. „Bist du verrückt?", rief Neville aufgebracht und verstärkte sein Bemühen, sich den Händen seines Kumpels zu entziehen. Harry dachte aber nicht daran, sondern er entschloss sich, dass es Zeit für die Wahrheit war. Rasch konzentrierte er sich darauf, über seine Hände eine leichte Ganzkörperklammer zu wirken und als Neville mit Entsetzen bemerkte, was Harry getan hatte, sah er den Jungen mit einer Mischung aus Angst und Wut an.

Dies wurde dann auch noch schlimmer, da Harry plötzlich an die Badezimmertür ging, diese einen Spalt öffnete und leise aber deutlich fragte, ob die beiden fertig seien. Hier war es dann soweit, dass Neville fast ohnmächtig zusammen gebrochen wäre. Der Zauber verhinderte dies aber und so musste der Gryffindor mit ansehen und anhören, wie Harry noch meinte, die Beiden sollten wenigstens ihre Sauerei noch wegmachen und dann begann mit seinem Zauberstab, ihn, Neville, ins Bad zu levitieren.

Die Tür noch sorgfältig schließend, bedachte Harry seinen blonden Freund mit einem Schmunzeln und es kam ihm in den Sinn, wie ungewöhnlich die ganze Situation war. Nicht nur, dass er eben noch seine beiden Freunde beim Sex erwischt hatte, nein, er zwang jetzt auch noch einen weiteren Kumpel dazu, zusammen mit den beiden Vampiren, die übrigens gerade eine nicht mehr ganz so blasse Gesichtfarbe besaßen, in einem Raum zu verweilen, damit die beiden Neville erklären konnten, wie alles zusammenhing und dieser keine falschen Schlüsse zog und etwas Dummes tat.

Mit einem, „Kümmert euch um ihn. Es ist schließlich euer Fehler, die Tür nicht zu verschließen", verschwand Harry aus dem Bad. Er wollte auf gar keinem Fall dabei sein und an die Bilder von Ginny und Damion erinnert werden. Nein, sein Ziel war nun das Bad der Vertrauensschüler. Vielleicht hatte er ja Glück und es war frei. Oder noch besser, es war nicht frei und Hermine hatte ihre Angewohnheit früh ab und an zu baden, beibehalten.

Harry hatte jedoch heute kein Glück was seine Freundin anging und somit musste er allein Baden und seine immer unzüchtiger werdenden Gedanken mit Fräulein Faust diskutieren.

Beim Frühstück in der Großen Halle trafen sich dann alle Gryffindors wieder und so wie es aussah, hatte Harry richtig gehandelt. Neville saß heute neben Ginny und Damion und gab ihm zu verstehen, dass die drei es geklärt hätten und auf den Blonden Verlass sei. Damit war Harry beruhigt und die Sache abgehakt. Die neue Schulwoche konnte kommen und damit auch sein Besuch in der Winklegassen. Damions Dad hatte ihn für Mittwoch angesetzt und allmählich füllte sich auch Harrys Hosentasche mit Zetteln seiner Mitschüler.

„Guten Morgen Harry"

Stephano Styls lächelte, nein er grinste seinen Schüler förmlich an, als dieser sich nach einem kurzen Frühstück und einen langen Kuss von Hermine am Gryffindortisch erhob. Es war in den letzten Tagen ein offenes Geheimnis geworden, dass sich der Junge der lebte heute mal kurz aus der Schule fortstahl.

Zuerst hatte dies der Direktorin nicht gefallen, doch ihr junger Freund hatte schnell die Gerüchte, dass er zum Bummeln ging zerstreut. Wie hatte Harry doch denen am Slytherintisch, die mal wieder unkten, dass Harry seine Berühmtheit hat spielen lassen, doch an den Kopf geworden?

„…wenn dieser geisteskranke Penner Voldemort nicht die Welt verpesten würde, und meine Eltern noch leben dürften, dann müsste ich als Jugendlicher mich auch nicht hin und wieder um die Familienangelegenheiten kümmern..."

Damit waren eine Menge Stimmen verstummt und der Weg frei für einen Tag, den Harry eigentlich genießen wollte, auch wenn es hieß, Klamotten kaufen zu müssen. Kurz darauf hatten er und Professor Styls das Hauptportal von Hogwarts auch schon hinter sich gelassen und waren auf dem Weg zur Appariergrenze. Damions Dad fand es so sicherer, als dass man einen Portschlüssel benutzte, der vom Ministerium erschaffen und möglicherweise auch verfolgt werden konnte.

Nach dem kurzen Marsch und dem sekundenlangen eher unangenehmen Gefühl der Apparation tauchten Harry und Professor Styls im Tropfenden Kessel auf und gingen rasch durch den Hinterhof in die versteckte und immer wieder faszinierende Einkaufsmeile der Zaubererwelt,...die Winkelgasse.

Dort angekommen führte sie der erste Weg zu „Madame Malkine's Anzüge für alle Anlässe" und dort verabschiedete sich Professor Styls auch kurz von seinem Schüler, da er selbst auch noch einige Besorgungen tätigen wollte. Harry war dies nur recht, denn er brauchte nicht unbedingt einen Aufpasser, wenn es um den Kauf von Unterwäsche ging. Und wo er gerade beim Thema war, bildete sich auch schon ein Klos in seinem Hals, denn im Laden und hinter dem Tresen stand nicht wie gewohnt Madame Malkine, sondern ein Mädchen in seinem Alter. Dies machte sie Sache in seinen Augen ein wenig komplizierter. Doch Harry faste sich ein Herz und betrat den Laden.

„Guten Morgen Sir", begrüßte ihn die junge Verkäuferin. „Wie kann ich ihnen helfen?"

Harry schaute sie kurz musternd an und versuchte nicht zu versnobt zu wirken. Das Mädchen hatte langes blondes Haar, welches zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden war und von der Statur her kam sie Hermine sehr nah. Harry atmete also noch mal tief durch, lächelte und trat an den Verkaufstisch heran.

„Ihnen auch ein guten Morgen, Miss. Ich bin hier, da ich meine Garderobe ein wenig aufstocken will und dies mit etwas... nun ja... eher ungewöhnlichen Materialien."

„Ungewöhnlich?", horchte die junge Frau auf und musterte nun Harry ein wenig genauer. Allerdings reagierte sie nicht auf seine Narbe und dafür war ihr der Gryffindor mehr als nur dankbar, da im selben Moment zwei weitere Kunden den Laden betraten.

„Nun ja Miss, ich dachte dabei an Stoffe und Materialien die eher magischer Natur sind."

Durch diese Aussage hin verunsichert schaute das Mädchen sich etwas im Laden um und wollte dann wissen, warum dies so sei. Bevor Harry aber antworten musste, kam Madame Malkine durch einen roten, samtenen Vorhang ins Geschäft und fragte, ob es ein Problem gab. Simone, wie die junge Frau hieß, und welche wie sich herausstellte die Enkelin von Madame Malkine war, erläuterte ihr Problem und nun musterte die alte Hexe Harry genauer.

Als sie dann schließlich bei Harrys Narbe angelangt war, überrascht ihn die Reaktion dann doch ein wenig. Madame Malkine lächelte nämlich mit einem Male ganz sanft und mütterlich und bat zuerst Simone sich um die anderen Kunden zu kümmern und dann Harry, ihr hinter den Vorhang zu folgen. Selbiger schloss sich auch gleich nachdem Harry ihn passiert hatte und die Sinne des Gryffindors schärften sich um einen Tick.

„So Mr. Potter, sie brauchen also Sachen, die durch ihren magischen Ursprung ihre Verwandlung mitmachen?"

Diese Frage, nein Feststellung der gut siebzig Jahre alten Hexe schlug bei Harry ein wie eine Bombe und er ging auch sofort in eine eher abwehrende Haltung. Das er seinen Zauberstab vorsichtig aus dem Umhang angelte brachte Madame Malkine dann schließlich zum Lachen.

„Oh nein, Mr. Potter. Es besteht kein Grund zur Sorge. Ihr Geheimnis bleibt unter uns. Ich wollte ihnen auch nicht zu nahe treten. Nur kann ich mich noch genau daran erinnern, wie vor vielen Jahren ein gewisser James und sein Freund Sirius sich ähnlich wie sie nach magischen Stoffen erkundigt haben. Und diese Stoffe, da sehr selten und daher auch nicht wirklich billig, wurden bisher nur von Leuten erbeten, welche die Fähigkeit zum Animagus haben."

Harry sah die alte Hexe verblüfft an, nickte dann aber als Zeichen, dass er ihr vertraute und man kam zum Geschäftlichen. Zwar wollte Harry nicht offenbaren, in welches Wesen er sich verwandeln konnte, doch wenn er richtig beraten werden wollte, müsste er wohl doch einige Zugeständnisse machen. Vorerst hörte er aber der alten Hexe zu, wie sie die verschiedensten Stoffe beschrieb.

„Also Mr. Potter, zum Einen wäre da nepalesische Dreihornwolle. Sie verwandelte sich mit, egal ob ihre Form Federn oder Fell trägt, da sie sich eh wie eine zweite Haut dem Zauberer anpasst. Und dann hätten wie noch einen Stoff aus bei Vollmond gebürsteten und mit Salamanderblut gebeizten Einhornhaaren. Dieser hat ähnlich Eigenschaften wie die Dreihornwolle, kann aber auch bei Zauberer mit maritimen oder amphibischen Eigenschaften verwandt werden..."

„Sind diese Stoffe auch feuerfest?", brach es aus Harry hervor, da dies wohl die wichtigste Eigenschaft in seinen Augen war und Madame Malkine sah den Jungen plötzlich mit großen Augen an.

„Leider nicht, Mr. Potter. Doch wozu sollten die Stoffe denn feuerfe...oh bei Merlin nein. Sagen sie nicht...kann es sein?"

Das Gesicht der alten Hexe sprach Bände und Harry wurde es immer unwohler in seiner Haut. Schließlich war er soweit, die ganze Sache zu vergessen, doch da fand Madame Malkine ihre Stimme wieder und sie fragte nur zwei Worte „Leder oder Federn?" Harry brauchte kurz um zu begreifen, was die Frau meinte, erwiderte dann aber „Federn".

Das war dann der Moment wo die Hexe vor ihm aussah, als wolle sie ohnmächtig werden. Doch es sah nur so aus, denn Madame Malkine zückte schon im nächsten Augenblick ihren Zauberstab und richtete ihn auf den Vorhang, der sie beide vom Rest des Ladens trennte. Harry erkannte einen Schweigezauber und sah die alte Hexe mit fragendem Blick an.

„Oh keine Sorge Mr. Potter, es ist nichts. Nur denke ich, dass wir bei ihrer Kleidung ganz andere Maßstäbe ansetzen müssen. Es geht hier nicht mehr nur um ein paar Hemden oder Hosen. Nein, wenn ich die Sache richtig sehe, umfasst ihr Auftrag dann wohl auch ihre Schuhe und das, was sie normalerweise unter ihren Tagessachen tragen."

Harry mochte den musternden Blick, welchen er nun über sich ergehen lassen musste nicht wirklich und vergaß darüber sogar, leicht rot zu werden. Doch Madame Malkine schien davon unbeeindruckt. Sie bedachte den Jungen weiter mit einem durchdringenden Blick und schrieb so ganz nebenbei diverse Daten auf. Harry erkannte sie als Maße und fragte sich insgeheim, ob Madame Malkine ähnlich wie Dumbledore Menschen auf besondere Weise einschätzen konnte.

Wenige Minuten später war das Vermessen seines Körpers fertig und Madame Malkine bat Harry doch Platz zu nehmen. Der Gryffindor kam der Bitte nach und beobachtete die alte Schneiderin, wie sie einen sehr alt aussehenden Ordner aus einem Schrank holte, welcher einem antiken Muggeltresor sehr gleich kam.

„Nun Mr. Potter, dann lassen sie uns doch mal schauen, was wir da für sie machen können." Harry verfolgte die Bewegungen ihrer Augen genau und versuchte einige der für ihn auf dem Kopf stehenden Worte, die Madame Malkine von Zeit zu Zeit aufschrieb zu lesen. Letztendlich musste der Gryffindor aber erkennen, dass die alte Hexe eine noch schlimmere Handschrift hatte als Ron. Somit blieb ihm nur zu warten und mit interessiertem Blick ihrer Suche zu folgen.

„So, das hätten wir dann. Mr. Potter. Ich habe einige Materialien herausgesucht, die für ihre Kleidung in Frage kommen und die man, und das ist ja wohl der wichtigste Aspekt, auch noch bekommt. Zuerst hätten wir das Drachenleder und Drachensehnen für ihre Schuhe, den Gürtel und vielleicht eine schicke Kombination aus Hose und Weste..."

Harry hörte ihr genau zu und versuchte sich in diesen Sachen vorzustellen. Vorsichtig nickte er dann und die Schneiderin fuhr fort. „Für die restlichen Sachen bleibt die Auswahl dann nicht wirklich groß, da es nur noch zwei oder besser gesagt drei Stoffe gibt, die dem Feuer widerstehen. Das wären zum einen Acrumantulaseide und zum anderen eine besondere Baumwolle, die es aber nur in den Staaten gibt und die speziell für die dort vorkommenden Waldbrandbekämpfungsmagier gezüchtet wurde. Und deren Ausfuhr wird sehr streng kontrolliert."

Madame Malkine bedachte Harry nun mit einem Blick, der sie zweifeln ließ, ob der junge Gryffindor nun noch wirklich an seinem Plan festhielt, sich solche Sachen zuzulegen. Schließlich hatte sie Harry noch nicht einmal die Preise für diese Materialien genannt. Denn auch wenn sie den Jungen irgendwie mochte, war sie auch Geschäftsfrau und musst zumindest ein wenig an ihrer Arbeit verdienen.

Harry hingegen hatte an den Preis noch gar nicht gedacht, sondern stellte sich schon seine Kleidung vor. Dabei kam ihm zum ersten Male auch in den Sinn, dass eine solche Garderobe sicher etwas hermachte und vielleicht auch einige Extras brauchte. Daher sah er Madame Malkine an und fragte, „Nun Mrs. Malkine, ich denke das hört sich doch sehr gut an. Allerdings hätte ich da noch eine Frage, was etwaige Details angeht. Nehmen wir doch mal die Gürtelschnalle oder vielleicht die Knöpfe und Reisverschlüsse."

Die alte Schneiderin sah ihren jungen Kunden nun mit großen Augen an und brauchte einen Moment, um mit der Detailversessenheit des Jungen fertig zu werden. Allerdings fiel ihr dann aber auf, dass Harry Recht hatte und sie schaute mit einem Lächeln auf ihren kleinen Spickzettel.

„Sie haben wohl an alles gedacht Mr. Potter, oder?", fragte sie amüsiert. „Nun, für diese Dinge gibt es nur zwei Materialien und zwar Drachenhorn für die Knöpfe und Adamantium, ein magisches Metall für sämtliche sonst silbernen oder goldenen Teile."

„Ich verstehe Madame Malkine und würde nun gern wissen, bis wann sie mir einige Sachen herstellen könnten."

„Herstellen Mr. Potter? Wir haben noch nicht mal über den Preis gesprochen, geschweige denn, dass ich diese Stoffe hier im Laden vorrätig habe." Die alte Hexe sah aus, als bekäme sie gleich einen Herzkasper. Harry hingegen, der eigentlich nie sehr viel auf das ganze Geld in seinem Verlies gegeben hatte, bemerkte erst jetzt, dass er sich ein wenig wie Lucius Malfoy benommen haben muss, dem Armut niemals ein Begriff gewesen war.

„Oh Madame Malkine", versuchte er die alte Schneiderin zu beruhigen. „Ich möchte nicht, dass sie mich falsch verstehen. Aber Geld spielt in diesem Falle keine Rolle. Die Sachen sind für den Schutz meines Lebens und dafür bin ich gern bereit etwas mehr auszugeben, denn mitnehmen kann ich das ganze Gold im schlimmsten Falle ja eh nicht. Außerdem vertraue ich ihnen und wenn es nötig sein sollte, zahle ich auch einen gewissen Betrag an."

Dieser Satz schien die alte Hexe allerdings ein wenig zu treffen, auch wenn Harry das nicht gewollt hatte. Madame Malkine atmete kurz durch und schaute danach noch mal auf ihre Liste. „Nun Mr. Potter anzahlen brauchen sie nicht. Wir Zauberer sind nämlich nicht wie manche Muggel und sehen gleich das Böse in einem Menschen. Außerdem gehen sie ja einen magischen Vertrag mit mir ein und ich könnte mir meine Forderungen auch direkt bei Gringotts holen."

Nun war Harry überrascht und zeigte dies auch. Er fragte die alte Hexe ob dies wirklich möglich sei und dass wenn es so wäre, er gleich damit einverstanden sei, wenn die ganze Sache bargeldlos abgewickelt würde. Schließlich saß er sozusagen in Hogwarts fest und könnte sich damit einen Weg sparen. Zehn Minuten später war der Auftrag für seine neuen Sachen unterschrieben und Harry wollte gerade gehen, da kam dem Gryffindor ein Satz von Madame Malkine in den Sinn, den er vorher nicht so recht verstanden hatte. Daher sah er sie an und fragte direkt.

„Ma'am, sie erwähnten doch vorhin, dass es drei Stoffe für die Kleidung gibt. Bei näherer Betrachtung jedoch haben wir uns aber nur mit zweien wirklich beschäftigt."

Die Besitzerin des Ladens stockte in ihrer Bewegung und schaute nun Harry mit leicht überraschten Augen an. „Nun ja Mr. Potter, es gibt da noch einen anderen Stoff. Doch ich habe ihn nicht erwähnt, weil ich es für ein wenig pietätlos gehalten habe. Besonders vor ihnen."

Harry schaute sie nun ebenfalls überrascht an, fragte aber trotzdem, um was für einen Stoff es sich handele. Madame Malkine wurde immer unsicherer und sogar etwas rot, antwortete aber, „Nun Mr. Potter in früheren Zeiten würden oft Krawatten oder Fliegen oder sogar Bauchbinden aus gewebten Phönixfedern hergestellt. Doch diese Möglichkeit wollte ich ihnen nicht an den Kopf werfen, obwohl die Farben sehr zu ihrem Haus in Hogwarts gepasst hätten."

Harry hörte die Worte der alten Hexe und verstand auch, warum sie es hatte verschweigen wollen. Er sagte aber nichts weiter dazu, sondern bat Madame Malkine nur, die Sachen so schnell wie möglich anzufertigen. Damit verließ er das Geschäft nach gut drei Stunden und war überrascht, wie schnell doch die Zeit beim Einkaufen vergehen konnte. Nun hieß es sich zu sputen, um die ganzen Wunschzettel abzuarbeiten.

Harry kam gerade aus der magischen Apotheke, wo er sich um Seamus Bestellung gekümmert hatte, da gesellte sich auch Professor Styls zu ihm. „Na Harry, alles gekriegt?", fragte er mit einem Lächeln und Harry nickte, obwohl er seinem Lehrer auch sagte, dass seine Sachen erst irgendwann nach Hogwarts geliefert werden würden. So gegen zwei Uhr und nach einem ausgiebigen Mittagsmahl im tropfenden Kessel sollte es eigentlich wieder nach Hogwarts gehen, doch Professor Styls meinte, dass er noch etwas im Muggellondon erledigen wollte und Harry vielleicht auch dort mal Bummeln wollte.

Etwas überrascht sagte Harry ja, fragte aber auch gleich, was Damions Dad denn in London wollte. Normalerweise ging es ihn ja nichts an und er rechnete auch damit, dies von seinem Professor an den Kopf geworfen zu bekommen, aber Styls grinste nur und machte ein geheimnisvolles Gesicht als sie den tropfenden Kessel verließen. Schließlich sagte er aber doch etwas, etwas, dass Harry wenn er ehrlich zu sich war, nicht wirklich hören wollte."

„Nun Harry, ich will noch zu Harrods, besser gesagt in die Juwelierabteilung und ein kleines Geschenk für Ems kaufen. Du weißt ja, dass ich sie mag und vielleicht...vielleicht erhört sie mich ja eines Tages und ich kann mein Versprechen an Severus Snape halten."

Harry schaute den Mann vor sich zuerst verwundert an, wurde danach aber rot und rief damit ein Lachen bei Damions Dad hervor. „Oh man Harry", sagte dieser. „Wir sind zwar erwachsen, aber nicht tot. Und ein Kind, einen Stammhalter zu zeugen ist in der Zauberergesellschaft sozusagen ein Muss für einen Mann. Das Blut muss fortbestehen ..."

Harrys Augen wurden immer größer, denn da war es wieder, die Sache mit dem Blut. Der Gryffindor hatte eigentlich geglaubt, dass wenigstens Professor Styls ein wenig modernere Ansichten vertrat, doch da hatte er sich wohl getäuscht. Professor Styls hingegen bemerkte Harrys Blick und zog den Jungen mit einem Male plötzlich nach rechte und in ein kleines Pub. Dort steuerte er einen kleinen Tisch an und während er Harry dort platzierte und dem Kellner zu verstehen gab, dass er zwei Ale haben wollte, sah er seinen Schüler mit ernster Miene an.

„So Harry, ich denke, es wird Zeit, dass wir beide uns mal unterhalten und etwas für dich klarstellen, bei dem ich denke, dass du es bisher nicht so recht verstanden hast."

Harry war immer noch etwas verwirrt ob der kleinen Aktion seines Lehrers und wusste auch nicht genau, was dieser nun von ihm wollte. Naturgemäß sah er den Mann daher etwas unsicher an und wartete darauf, dass dieser zum Punkt kam. Styls tat dies dann auch, nachdem er dem Kellner rasch etwas Geld in die Hand gedrückt hatte und Harry bedeutete etwas zu trinken.

„Siehst du Harry, wie es scheint, fehlt dir aufgrund deiner Zeit bei den Muggeln und der eher laschen Traditionslehre in Hogwarts ein gewisses Grundwissen, was die Herkunft und die Verbundenheit der Zaubererwelt mit dem eigenen Blut angeht."

„Ja aber ...". wollte Harry aufbegehren, da ihm nicht wirklich danach war, dieses Thema jetzt und hier durchzunehmen. Styls war da aber anderer Ansicht und gebot dem Gryffindor zu schweigen.

„Nein Harry, ich habe einige kurze Sätze loszuwerden, die du in deinem Bewusstsein speichern solltest und danach bist du auch schon entlassen."

Harry sah seinen Lehrer an und gab sich geschlagen. Vielleicht sollte er ihm wirklich zuhören und daher nickte der Schwarzhaarige kurz. Styls lächelte dankbar und begann zu erzählen.

„Harry die Sache mit Blut und der Nachkommenschaft bei Zauberern und Hexe ist so alt, wie die Menschheit selbst und du darfst sie nicht verwechseln mit den Dingen und Ansichten, die Voldemort und die meisten Reinblüter vertreten. Was ich meine ist das Fortbestehen der magischen Welt an sich, egal ob eine Hexe oder ein Zauberer ein Kind mit Seinesgleichen oder einem Muggel bzw. einem Muggelgeborenen zeugt. Es geht ausschließlich darum, dass überhaupt ein Träger der Blutlinie entsteht, da so viele Dinge in unserer Welt im Laufe der Zeit vom Blut abhängig gemacht wurde."

„Das verstehe ich nicht wirklich Professor." Erwiderte Harry und hoffte, dass Styls ein wenig ins Detail ging. Dieser tat es dann auch und erklärte.

„Nun Harry, nehmen wir das Beispiel Gringotts. Du wirst dich vielleicht nicht daran erinnern, aber schon kurz nach deiner Geburt waren deine Eltern in der Bank und haben dort eine winzige Probe deines Blutes hinterlegt, damit du, falls ihnen etwas passiert, als ihr Erbe akzeptiert wirst. Bedenke doch, dass sowohl Gringotts als auch das Ministerium viele alte Prozessionen nur durch die eindeutige Identifizierung des Blutes durchführen können und auch werden. Klar gibt es auch adoptierte Kinder. Doch diese haben es meist sehr schwer und was das Schlimmste, das Verwerflichste seitens des Ministeriums ist, diese Behörde ist berechtigt, dass, sollten mal beide Elternteile sterben und ihr Kind, obwohl geliebt doch nicht ihr leibliches, kann seine Erbberechtigung nicht eindeutig beweisen, sämtlich Besitztümer als Ministeriumseigentum zu deklarieren."

„Echt", fragte Harry, der den Sinn oder Irrsinn eines solchen Handelns nicht sofort erkannte und Professor Styls nickt betroffen.

„Ja Harry so ist es und daher auch die Bitte, nein das Verlangen von Severus Snape. Versteh Harry, die Familie Prince ist eine sehr alte Familie. Und auch wenn Severus dies nie zur Schau getragen hat, war sie sehr vermögend."

Allmählich sickerte bei Harry die ganze Tragweite des von Styls angesprochenen Themas durch und ihm wurde mal wieder bewusst, wie verklärt die Welt doch war und wie wenig er doch wusste. Als Damions Dad ihm dann auch noch erzählte, dass es sogar vor mehreren hundert Jahren soweit ging, dass nicht ganz gesetzestreue Zauberer sogar mittels schwarzer Magie zeugungsunfähig gemacht wurden, da fielen dem Gryffindor fast die Augen aus. Rasch trank Harry einen Schluck seines Bieres und bedachte dann den Mann vor sich mit einem nachdenklichen Blick.

„Nun Professor, eine Sache verwundert mich dann aber doch. Wenn sie auch so viel auf die Sache mit den Nachkommen geben, sich aber dafür entschieden haben in Professor Snapes Körper weiter zu leben und Damion ja eigentlich Draco ist, wie verkraften sie die Tatsache, dass dann doch eigentlich die Blutlinie Styls ausstirbt?"

Wenn Harry gedacht hätte Betroffenheit bei seinem Gegenüber zu sehen, dann wurde er hier enttäuscht. Stephano Styls schien in Gedanken zu gehen und diese waren wohl eher lustiger Natur. Schließlich formte sich sogar ein Grinsen aus seinem Gesicht und er antwortete, „Nun Harry, klar habe ich mich in der Nacht wo Severus aufhörte zu existieren auch mit diesem Gedanken beschäftigt, doch lass es mich einfach mal so ausdrücken. Nach dem Tod von Damions Mum bin ich kein Mönch geworden. Sprich es gibt noch mindestens einen Nachkommen von mir. Und bevor du heute Abend zu Damion rennst oder dich irgendwann verplapperst. Mein Sohn weiß davon und er hat es akzeptiert, auch wenn er mit seinem Halbbruder keinen Kontakt hat."

Dass Harry so viel Infomaterial bekam, nun damit hatte er nicht gerechnet. Andererseits ging es ihn aber auch nichts an und somit wurde das Thema fallen gelassen. Auch rückte der Nachmittag immer näher und Professor Styls hatte ja noch etwas vor. Auf dem Weg zu Harrods jedoch machte sich Harry so einige Gedanken und fragte seinen Lehrer, ob dieser ihn etwas allein lassen könnte. Auf Styls Frage nach dem Warum sagte der Gryffindor, dass er sich auch noch um ein Geschenk für Hermines kümmern oder besser sich darüber erkundigen wollte und somit gingen die zwei ihrer Wege.

Zwei Stunden später trafen sich ein äußerst zufriedener Professor für VgddK und ein eher entspannt wirkender Schüler von Hogwarts wieder in dem kleinen Pub, wo sie sich getrennt hatten und beide apparierten zurück in ihre Schule. Nach einem kleinen Fußmarsch endlich wieder im Schloss angekommen und mit Taschen bepackt, wurde Harry von Hermine schon erwartet und mit einem Kuss begrüßt. Allerdings schaffte es Harry nicht mehr in die Große Halle zum Abendessen, denn die Direktorin kam ihm schon entgegen und hinter ihr ein junger Mann, so etwa um diefünfundzwanzig Jahre alt. Dieser trug einen schwarzen Anzug und machte einen eher distanzierten Eindruck.

„Guten Abend Mr. Potter, ich denke, sie sollten mir in einen etwas privateren Bereich folgen, da Mr. Goldwing hier etwas mit ihnen besprechen muss..."

TBC

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