Kapitel 69
Harry schaute etwas verwirrt, denn er hatte sich nichts vorzuwerfen. Hilfesuchend blickte er zu seiner Freundin und dann zu Professor Styls, doch auch die konnten sich keinen Reim drauf machen.
„Professor McGonagall, was ist den los?"
„Nicht Schlimmes Mr. Potter. Nichts was sie beunruhigen sollte." Beantwortete der fremde junge Mann Harrys Frage und bedeutete dem Gryffindor, dass er ihm folgen sollte. Der Weg führte sie aus der Eingangshalle des Schlosses in eines der unten gelegenen Klassenzimmer. Dort angelangt sorgte die Direktorin noch für etwas Licht und ließ dann Harry mit dem Fremden, den der Schwarzhaarige nun genauer im Auge behielt, allein.
„Wie schon gesagt, Mr. Potter, besteht kein Grund zur Sorge. Mein Name ist Alexander Goldwing und ich bin einer der Juniorverwalter ihrer Verliese und Investments bei Gringotts."
„Gringotts?" fragte Harry mehr so für sich. Doch da er es laut gesagt hatte, nickte Mr. Goldwing und lächelte.
„Ja Gringotts und ich bin heute hier, da wir vor einem kleinen Problem stehen. Mr. Potter. Sie wissen, wir von Gringotts haben sehr viele Vollmachten von ihnen bekommen und ihr Vermögen wird von uns nach bestem Wissen und Gewissen verwaltet, was auch ihre jährlich enormen Zuwächse belegen. Doch nun gibt es bei einer ihrer Beteiligungen eine Sache, die nur sie persönlich bearbeiten können."
„Welche Beteiligung?", fragte Harry, da er sich noch nicht wirklich mit jeder seiner geerbten Investitionen beschäftigt hatte. Umso überraschter war der Gryffindor jedoch, als Mr. Goldwing den Namen Grunnings in den Raum warf.
„Grunnings? Die Firma meines Onkels? Was ist mit ihr? Geht es nicht gut mit den Geschäften?"
Harry interessierte nicht wirklich das Befinden seines Onkels, doch Grunnings war nun mal etwas, dass ihm seine Mutter hinterlassen hatte. Somit schaute Harry doch ein wenig besorgt. Sein Gegenüber versuchte seinen Klienten jedoch rasch zu beruhigen.
„Nein, nein Mr. Potter. Der Firma geht es gut, wenn nicht noch besser seit einigen Tagen, denn wie sich herausgestellt hat, ist Grunnings bei einem Großprojekt Englands mit ins Boot genommen wurden. Es handelt sich dabei um ein riesiges Tunnelvorhaben, für das ihre Firma das gesamte Bohrerequipment liefern soll."
„Und wo liegt nun das Problem Mr. Goldwing? Braucht Grunnings Geld, um investieren zu können?"
„Nein Mr. Potter, das Problem liegt wohl eher darin, dass die Schirmherrschaft und der Hauptgeldgeber aus den Reihen der Royals kommen. Oder genauer gesagt, es ist die Queen persönlich, die das Projekt als eines der ihren ansieht. Und im Zuge dessen hat sie alle beteiligten Firmen bzw. deren Teilhaber zu einem Bankett eingeladen. Sie möchte einfach wissen, mit wem sie es zutun hat."
Harry sah den jungen Mann mit großen Augen an, konnte aber immer noch nicht das Problem sehen. Klar, es ging um die Königin von England, aber Gringotts arbeitet seit Jahrhunderten im Geheimen mit vielen Muggelinstitutionen zusammen und würde das hinkriegen. Und genau hier lag Harry falsch, denn als er Mr. Goldwing sagte, dass er kein Problem damit habe, wenn sie einen Mitarbeiter der Bank zum Bankett schickten, sah ihn der Bankangestellte mit vorwurfsvollem Gesicht an.
„Aber Mr. Potter, da liegt ja unser Dilemma. Man schickt keinen Stellvertreter in den Buckingham Palace. Und so gern wir sie vor dieser Pflicht bewahren würden, wir können es nicht und sie haben beim Bankett zu erscheinen. Alles Andere wäre ein Affront gegen die Krone."
Harry schaute seinem Gegenüber mit offenem Mund an und musste einmal mehr feststellen, dass er Politik hasste. Schließlich willigte der Gryffindor jedoch ein, sofern ihm die Direktorin dafür die Erlaubnis gab. Mr. Goldwing lächelte etwas, meinte, dass dies wohl nicht das Problem sein dürfte und überreichte dem Gryffindor dann die königliche Einladung für ihn und seine Begleiterin. Harry nahm das Pergament entgegen und während er innerlich aufstöhnte, da es nun wieder einzukaufen galt, bemerkte er gar nicht, wie Mr. Goldwing sich dezent verabschiedete und zurück zog.
Ein Knurren riss Harrys Gedanken vom gelben Pergament mit dem königlichen Siegel zurück in die Realität. Rasch packte er seine Sachen zusammen und hoffte auf dem Weg zur Großen Halle, dass das Abendessen noch nicht vorbei war. Doch die einzigen Personen, welche er noch dort antraf, waren die Direktorin, Professor Styls und der kleine Professor Flitwick.
„Pech gehabt", dachte Harry und sah etwas missmutig zum Lehrertisch. Sollte er vielleicht doch noch schnell einen Abstecher zur Küche hinunter machen, oder eher seinen Hunger mit Süßigkeiten stillen? Die Antwort auf diese Frage stellte sich allerdings als „Nein" heraus, denn die Direktorin winkte ihn zu sich und beschwor dann einen Teller voller belegter Brote. Harry nahm sie dankbar an und wollte sich gerade auf den Weg zum Gryffindorturm machen, da fiel ihm die Einladung wieder ein und er informierte die Direktorin darüber. Professor McGonagall, wenn auch zeitlebens kaum in der Muggelwelt zuhause gewesen, sah die Einladung als große Ehre an und gab natürlich ihre Zustimmung. Harry dankte und machte sich dann schleunigst auf den Weg zu seinen Freunden und noch viel wichtiger, zu seiner Freundin.
Natürlich wollte jeder wissen, wie Harrys Tag war und wer der Mann im Anzug gewesen sei. Harry kam gar nicht dazu, etwas zu verheimlichen. Glücklicherweise konnte der Gryffindor alle Erklärungen beschleunigen, indem er sie gab, während er die Einkäufe verteilte. Schließlich blieben dann nur noch Harrys engste Freunde um ihn versammelt und Harry nutzte die Gelegenheit Hermine etwas genauer zu betrachten. Irgendwie sah seine Freundin so aus, als wartete sie noch auf etwas und Harry hatte keine Ahnung auf was. Ihm blieb daher nur der Frontalangriff und so fragte er sie frei heraus, auch wenn er damit ein Fettnäpfchen erwischen sollte.
„Du Hermine, mir scheint, ich habe was übersehen?"
„Scheint das so?", fragte der Lockenkopf und man spürte, dass die Gryffindor nun ein wenig verlegen war, sah es doch so aus, als würde sie Harry testen wollen. Zunehmend nervöser schaute Hermine zwischen den anderen hin und her, bis Harry sie erlöste und seine Freundin bat, mal mit ihm hochzukommen.
Im Schlafsaal der Jungen war die Anspannung verflogen und Harry schaute in ein Paar Augen voller Vorfreude. Allerdings brachte ihn dies wieder zum Schwitzen, denn Harry wusste nicht, was seine Liebste von ihm erwartete. Schließlich dachte Hermine offenbar, sie müsste Harry ein wenig mehr reizen, damit sie ihr Ziel erreichte und so drückte sie ihren Freund auf sein Bett und obwohl es eigentlich nicht ihre Art war, strich sie mit ihrem Zeigefinger verführerisch über Harrys Brust und fragte immer hibbeliger werdend, „Was ist es?"
„Was ist was?", fragte Harry überrascht zurück und sah, wie sich in Hermines Augen Enttäuschung breit machte. Was hatte er denn nun schon wieder verbrochen? Vorsichtig richtete Harry sich auf und sah seiner Freundin tief in die Augen.
Hermine hingegen drehte sich weg und schmollte plötzlich. Harry hielt es nicht mehr aus und drehte ihren Kopf wieder so, dass sie ihn ansehen musste. „Schatz, was ist was? Ich meine, was erwartest du von mir?"
Mit einer Antwort seitens einer schmollenden Hermine hatte er zwar nicht gerechnet, aber umso überraschter war der Gryffindor wegen der Antwort. Seine Freundin funkelte ihn nämlich plötzlich an und sagte etwas von einem Geschenk. Harrys Augen wurden immer größer, denn er hatte gar keine Ahnung, was sie damit meinte. Valentinstag war noch einige Tage hin und irgendeinen Jahrestag, den man vergessen konnte hatten sie auch nicht? Und auch auf die Gefahr hin, die nächste Zeit die kalte Schulter gezeigt zu bekommen, fragte Harry, wie Hermine darauf komme, dass er ein Geschenk für sie habe.
Die Reaktion seiner Freundin allerdings brachte ihm ein Stirnrunzeln ein, da der Lockenkopf plötzlich mehr als nur verlegen war. Schließlich kam sich Hermine wohl wirklich dumm vor, auch wenn sie Harry erzählte, dass sie vorhin, als er mit dem Mann von Gringotts unterwegs war, durch Zufall gehört hatte, dass Professor Styls der Direktorin als Grund für ihr spätes Zurückkommen angegeben hatte, dass er, Harry, noch ein Geschenk besorgen wollte.
In Harrys Kopf rauschten die Gedanken und Blitze schlugen von innen gegen die Gehirnwand. Gönnte ihm das Schicksal nicht mal eine kleine Sache, die nur ihm allein gehörte? Klar hatte er etwas gemacht, was mit Hermine zutun hatte, doch dieses Geschenk war nicht für die nähere Zukunft gedacht, wenn überhaupt einmal. Allerdings musste nun rasch eine Lösung her und die raschelte zum Glück im nächsten Moment in Harrys Umhang. Es war die Einladung zum königlichen Bankett und sie brachte Harry auf die Idee.
„Ach so Hermine, DAS Geschenk", sagte Harry mit weit ausholender Stimme. „Nun eigentlich solltest du es erst zum Valentinstag bekommen."
„Oh", entfuhr es Hermine und sie wurde leicht rot.
„Aber weil du es bist, und..." - Harry küsste seine Freundin kurz auf den Mund- „... und weil wir eine Einladung nach London bekommen haben, bekommst du es schon etwas eher. Obwohl geben kann ich es dir nicht, da es eigentlich erst in ein paar Tagen mit der Post kommen sollte. Doch ich verrate dir schon mal um was es sich handelt..."
„Um was? Um was?"
Hermine klatschte in die Hände und schien in der letzten Minute solch eine Spannung aufgebaut zu haben, wie ein kleines Kind, das vor dem Weihnachtsmann stand und darauf wartete, dessen Sack zu plündern.
„Es ist..."- Harry streckte die Anspannung noch ein wenig. – „... ein magischer Gutschein für Madame Malkines Geschäft. Ich habe sie nämlich gebeten, ein paar Kleider für dich zu entwerfen, von denen ich dir das, welches dir am besten gefällt schenken möchte."
„Oh danke Harry", rief der Lockenkopf und warf sich dem Gryffindor an den Hals. Sie musste ihren Freund einfach küssen und Harry war dem nicht abgeneigt. Hatte er doch die Kurve bekommen und alles war wieder gut. Mädchen waren in manchen Dingen doch alle gleich. Alles was er jetzt nun noch tun konnte, war die Küsse seiner Liebsten zu genießen, den Vorhang am Bett magisch zu schließen, hoffen dass McGonagall nichts mehr von Hermine wollte und beten, dass seine Kumpels sie beide in Ruhe ließen. Denn dann wäre es für ihn wie Weihnachten. Und wie war das noch gleich ... den Sack plündern?
Das Aufwachen am nächsten Morgen war so schön wie lange nicht. Und auch wenn Harry am gestrigen Abend am liebsten noch ein paar Flüche durch den Vorhang gefeuert hätte, da Ron und Damion so ihre Sprüche losgelassen hatten, jagte ihm die warme Haut seiner Liebsten schon wieder einen wohligen Schauer über den Rücken.
Einige Minuten genoss Harry das Gefühl noch und beobachtete dabei Hermines Schlaf, bevor er dann doch vorsichtig aufstand und ins Bad ging. Dort schnell ein wenig erleichtert, trat Harry vor den Spiegel und sah sich etwas überrascht Arcan gegenüber.
„Ein magischer Gutschein?", fragte sein flammenköpfiges Spiegelbild und zog dabei die brennende Augebraue hoch. „Also an deiner Fantasie müssen wir noch arbeiten."
„Was sollte ich denn machen? Ich konnte Hermine ja schlecht sage, dass ich... ich mich um Erbschaftsangelegenheiten gekümmert habe." Harry sah sein Phönixselbst an und wollte das Thema beenden, da ihm der Spruch des Flammenkopfes ein wenig gegen den Strich ging Und um diesem auch Nachdruck zu verleihen, fragte er sein Gegenüber auch schnell etwas, dass wahrscheinlich nur Arcan ihm beantworten konnte.
„Du Feuerlocke, schön dass ich dich treffe. Wie du mit Sicherheit mitbekommen hast, habe ich mich mit Madame Malkine über die besonderen Stoffe unterhalten, welche meine Verwandlung mitmachen und das dabei vorhandene Feuer auch überstehen können. Und dabei kamen wir auch auf das Thema Phö..."
„Ja, ja ich weiß es und wenn du Unwissender dir endlich mal ein Buch nehmen und es auch lesen würdest, wüsstest du auch die Antwort auf deine Frage."
Harry schmunzelte leicht, da ihn das Spiegelbild mit seinem etwas leiser hinterher geworfenem „Ignorant" irgendwie an Hermine erinnert. Allerdings kam ihm dann in den Sinn noch ein wenig weiter zu gehen. Daher stellte sich Harry dumm und fragte, „Und wenn ich kein Buch zur Hand habe, dann könntest doch du mir, mit all deiner Weisheit, einen Tipp geben."
„Schleimer", kam es kurz aus der silbernen Scheibe und beide lachten kurz. Schließlich erbarmte sich Arcan und erklärte mit lehrerhaftem Ton die bisher unausgesprochenen Fragen des Gryffindors. „Natürlich tut es weh, wenn man dir mit Gewalt die Federn ausreißt, aber nur dann Harry. Was anderes wäre es, wenn du darauf vorbereitet und völlig entspannt bist. Hermine könnte dir dabei sehr behilflich sein und die Federn, die du brauchst ganz sanft herausdrehen."
„Aha", sagte Harry erleichtert und so, als wäre es die Lösung für alle Probleme. „Und das Nachwachsen? Wie lange denkst du, würde ich wie ..."
„Wie ein gerupftes Huhn aussehen?" Vollendete der Phönix lachend die Frage und antwortete dann. „Nun, ich denke da so an zwei oder drei Tage, mehr nicht. Beim Tag des Feuers wachsen die Federn ja auch ziemlich schnell nach. Phönixe sind halt einzigartig. Und wenn man mal meine Erfahrung mit nimmt, so denke ich immer an die Regel, die da heißt. Ein Tag schwach und alt, ein Tag zum Brennen verdammt und dann noch ein Tag zum Auferstehen."
Harry hörte dies mit Wohlwollen und fasste einen Entschluss, den er unbedingt noch seiner Freundin mitteilen wollte. Daher dankte er Arcan für die Informationen, duschte rasch und schlich zurück in den Schlafsaal, wo die Jungen Hermine schon ein wenig mit ihren zerzausten Haaren aufzogen. Harry musste auch schmunzeln und vergaß darüber seine Kumpel zu maßregeln. Prompt quittierte Hermine dies mit einem unsanften Stoß in die Rippen und dem Weglassen des Gutenmorgenkusses. Mit einem „pmff" hob sie ihren Kopf demonstrativ nach oben, was allerdings ihre Haarpracht noch voluminöser wirken und die Jungs johlen ließ und stampfte aus dem Schlafsaal.
Harry sah ihr nach und überlegte, mit seiner Bitte an seine Liebste, ihm bei den Federn zu helfen, noch zu warten. So wie Hermine gerade aussah, glaubte der Gryffindor, war an sanftes Herausdrehen wohl nicht zu denken. Glücklicherweise war die Laune seiner Freundin beim Frühstück dann wieder besser und sie akzeptierte auch den Begrüßungskuss seitens Harrys.
Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge und Harry wartete nun auf Post von Madame Malkine. Die alte Schneiderin wollte ihm seine Sachen schicken und auch den Gutschein für Hermine. Glücklicherweise hatte sich Harrys Freundin sehr schnell bereit erklärt, ihm zu helfen und so konnte der Gryffindor schon am Folgetag seines Einkaufs, gleich noch spät abends, der alten Hexe eine ganze Tüte voller Phönixfedern schicken. Da sich Harry eh nicht verwandeln konnte, oder besser die Verwandlungen üben, da seinen Klamotten langsam zur Neige gingen, konnte er auch die Sache mit dem Rupfen in der Zeit bis zu seiner neuen Garderobe durchziehen.
Das ganze war nun schon wieder zwei Tage her und gespannt und auch mit neuer Federpracht wartete Harry auf seine Sachen, doch als die Eulen am Samstagmorgen durch das große Loch im Deckengewölbe hereinschwebten, sah der Gryffindor sofort, dass keine Pakete für ihn dabei waren. Etwas enttäuscht sagte er sich, dass sie dann morgen oder am Montag kommen würden. Hermine bemerkte den Blick ihres Freundes und legte ihren Arm um ihn. Ein kleiner Kuss und das Gesicht von Harry hellte sich wieder auf.
„Nimm's nicht so tragisch, Harry. Qualität braucht ihre Zeit. Und sei doch mal ehrlich. Du wolltest doch die neuen Sachen nicht wirklich tragen, wenn wir nachher hinunter in die Archive gehen?"
Dies war natürlich ein Zauberwort gewesen und Harry schaute auf. Natürlich wären sie dafür zu schade gewesen und außerdem hätten sie nur abgelenkt. Heute war es nämlich soweit und er, Ron, Hermine und alle, die davon wussten, würden zum ersten Mal zusammen hinunter in die Katakomben des Schlosses gehen und anfangen nach Hinweisen außerhalb von Harrys Raum zu suchen.
Naturgemäß waren alle Schüler ein wenig angespannt als die Direktorin sie kurz nach dem Abendessen, und in Begleitung von Professor Styls, in Richtung ihres Büros führte. Heute war ja Samstag und somit Wochenende. Damit gäbe es keine Probleme wenn man etwas länger hier blieb und könnte morgen immer noch ausschlafen.
Besonders Damion und Ron waren mehr als nur aufgeregt, ging es doch darum in die Geschichte einzutauchen. Harry schmunzelte zwar etwas über seinen besten Freund, da lernen und Geschichte sonst nicht so die Stärken des Rothaarigen waren. Dann wiederum war dies hier aber auch eine Art Abenteuer und da standen die Dinge bei Ron ja anders.
Schließlich erreichte man den Wasserspeier und während Hermine, die einen dicken Stapel blanker Pergamente und mehrere Federkiele mit sich trug, laut überlegte, ob sie auch alles habe, sagte Harry laut das Passwort „Nerhegeb". Der Wasserspeier gab geräuschvoll die Treppe nach unten frei und die Suche konnte beginnen.
In den Tiefen der Katakomben angekommen machte die Direktorin den Vorschlag sich mit den wirklich ältesten Niederschriften zu beschäftigen, wo man vielleicht am ehesten was darüber erfahren könnte, wonach Voldemort sucht. Allerdings sollte sich dies nicht wirklich als einfach darstellen, denn, und hier merkte man unverblümt, dass Hogwarts nicht immer so straff durchorganisiert war, während es ab dem fünfzehnten Jahrhundert, etwa die Zeit einiger schwere Kämpfe auch um das Schloss herum, sich jeder Schulleiter zur Eigenart gemacht hatte, sich durch einen Raum, und sei es nur eine kleine Nische, in Erinnerung zu halten, schienen die Direktoren davor alles was ihre Vorgänger betraf nur hier unten in einen großen Raum verfrachtet zu haben.
Vor diesem Raum standen nun die fünf Schüler und zwei Lehrer und sahen auf einen Berg von Pergamenten, Artefakten und vor allem Staub. Das dann auch noch unzählige Spinnen und Käfer sich flink im Lichtkegel der Fackeln bewegten, machte die Sache besonders für Ron zu einem Graus.
Schließlich aber kam man zu dem Schluss, dass man einfach anfangen musste und so begannen alle sich jeweils einen Stapel Pergament zu schnappen, mit einem Wink des Zauberstabes einen Tisch zu säubern und auf Spurensuche zu gehen. Die Hauptarbeit des Lesens übernahmen dabei die Schüler, da Professor McGonagall und Professor Styls sich eher um die Artefakte kümmerten. Wer wußte denn schon, was so alles hier unten lag. Manches sah wirklich gefährlich aus und strahlte auch dunkle Magie ab. Die Direktorin hatte daher alle gebeten, vorsichtig zu sein und sofort zu rufen, sollte ihnen was komisch vorkommen.
Zuerst hatten Harry und Damion noch gelacht und geflachst, sie wären schon groß und passten schon auf. Doch spätestens als Ron, nachdem er einen alten Spiegel eigentlich nur zur Seite legen wollte, aufschrie und sich dann plötzlich im Spiegel befand, wurden die beide Jungen um einiges ernster. Ron konnte zum Glück aus dem gläsernen Gefängnis befreit werden und meinte, dass er so etwas beim besten Willen nicht noch einmal durchmachen wollte.
Mit der Zeit fuchsten sich die fünf aber schnell ein und durchforsteten Stapel für Stapel. Harry las ein Menge über die Zeiten nach den Gründern und dass sich das Ministerium schon in seinen Anfängen versuchte hier einzumischen. Dabei fand er auch einiges heraus, bei dem er stark überlegte, ob er es seiner Freundin sagen sollte. Die Entscheidung darüber wurde dem Gryffindor jedoch abgenommen, als Hermine eher zufällig einen Stapel den Harry durchgelesen hatte, mit sich nahm und kurz darauf ihr schriller Schrei durch die Katakomben ging.
Natürlich unterbrach jeder sein Tun und kam mit gezücktem Zauberstab zum Arbeitsplatz des Lockenkopfes gerannt. Hermine saß da und zitterte, während ihr kleine Tränen übers Gesicht liefen. „Schatz, was ist?", fragte Harry besorgt und versuchte seine Liebste in den Arm zu nehmen. Dabei bemerkte er den Stapel Pergament und seinem Mund entfuhr ein leises „Oh".
Diese Bemerkung rief natürlich ein Stirnrunzeln bei allen hervor und es war dann auch Professor McGonagall die fragte, was denn passiert sei. Hermine schien nicht antworten zu wollen und war überrascht, als ihr Freund dies tat.
„Nun Professor, ich denke Hermine wurde gerade in ihren Grundfesten erschüttert, ausgelöst durch einige Dokumente, die uns erzählen, wie Hogwarts zu seinen fleißigen Helfern, den Hauselfen gekommen ist."
„Echt?", kam es völlig untypisch aus dem Mund der alten Hexe und Harry rang sich ein Lächeln ab.
„Ja Professor, denn wie es aussieht, sind nicht Zauberer, wie es Hermine immer glaubte daran schuld, dass die Elfen den Status eines Sklaven haben, sondern sie haben es selbst verschuldet."
Die Augen aller wurden immer größer und gingen zwischen Hermine und Harry hin und her. Ron fragte dann voller Neugier, wie dies denn geschehen sei und Harry zog rasch ein paar Seiten Pergament aus dem Stapel auf Hermines Tisch. Mit diesen wedelte er Allen vorm Gesicht herum und fuhr dann fort.
„Nun, so wie es hier steht, gab es früher, also bis gut zweihundert Jahre nach den Gründern, niemals und nirgends so etwas wie die heutigen Hauselfen und die Zauberer machten viele der Dinge, welche die Elfen heute erledigen noch selbst. Ja, es gab zu dieser Zeit auch nicht wirklich viele von Dobbys und Winkys Vorfahren und die, die es gab, das war eine von den hohen Elfen, die damals noch in unseren Gefilden lebten, ausgestoßene Gruppe, die sich durch ihre eher kriegerische und manchmal auch falsche Art auszeichnete. Und eben jene Gruppe war irgendwann in Hogwarts erschienen mit dem Vorschlag, hier zu dienen und das Schloss zu beschützen..."
„Ja aber nun bin ich ein wenig verwirrt", sagte die Direktorin, da sie nicht sah, worauf Harry hinaus wollte und was ihre Lieblingsschülerin so aus der Bahn warf.
„Nun Professor, die Elfen taten ihren Dienst nicht uneigennützig. Nein, sie arbeiteten nur zur Tarnung hier. Ihr eigentliches Ziel war damals das Ausspionieren der Schule und ihrer Bewohner für das in diesen Jahren gerade an die Macht kommende Ministerium für Zauberei. Dies allein war laut eines Zitates des damaligen Direktors noch kein Grund gewesen, um sie dermaßen zu bestrafen. Doch durch ihr hinterlistiges Handeln und das Weitergeben wichtiger Informationen an die falschen Personen wäre Hogwarts fast in einem der Kriege, welcher sehr stark mit den frühen Koboldkriegen in Verbindung stand, gefallen. Und das, genau das, sah man in Hogwarts, welches stets souverän war als Verrat an."
„Und daher die Bestrafung?", fragte Ron als Harry sich schnell mal einen Schluck Kürbissaft gönnte.
„Ja Kumpel. Der damalige Direktor, zusammen mit den Schulräten, beschloss, dass dies nicht ungesühnt bleiben dürfte. An das Ministerium kam man nicht heran. Also beschloss man seine Schergen zu bestrafen. Die Elfen wurden ihrer Rechte, die bis zu diesem Tage denen der Zauberer in Nichts nachstanden beraubt und ihre Magie mittels sehr alter Zauber minimiert. Und damit man sie auch immer ein wenig unter Kontrolle hatte, musste sie nun das tun, wofür sie sich in Hogwarts beworben hatten."
Alle klebten förmlich an Harrys Lippen und dies bleib auch noch so, selbst als der Gryffindor mit seinen Worten geendet hatte. Jeder schien in Gedanken zu sein und das Gehörte zu verarbeiten. Es war schließlich die Direktorin, welche allen eine Antwort auf die noch ungestellte Frage gab, warum nach all den Jahrhunderten die Strafe immer noch galt.
„Nun, dies erklärt so einiges, wenn man bedenkt, dass unsere Hauselfen gerne Dienen. Sie, die Nachkommen der Verräter sehen es scheinbar als ihre Aufgabe, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Und bevor sie mir an den Hals springen, Ms. Granger ..." – die Direktorin blickte lächelnd zu Hermine, die wirklich gerade was sagen wollte. –„... viele der alten Hauselfen, manche von ihnen sind bereits lange verstorben, meinten immer, dass sie selber Schuld an ihrem Sklavenstand seien, man ihnen aber auch einen Sinn gegeben habe, weiter zu leben. Früher habe ich dies nie verstanden, doch jetzt macht es Sinn. Und Ms. Granger, seien sie ehrlich, unsere Hauselfen sehen nicht so aus, als gehen es ihnen schlecht..."
Auch diese Worte ließen die Anwesenden langsam in ihren Geist eindringen, bevor man sich wieder daran machte, eine Spur oder einen Hinweis zu finden. Letztendlich war es kurz vor Mitternacht, als die beiden Lehrer beschlossen, dass es Zeit fürs Bett war. Allerdings kam gerade in dem Moment, wo die Direktorin dies ihren Schülern verkünden wollte, Ginny aus ihrer Ecke und hielt in den Händen ein sehr altes, ja fast völlig zerfledertes schwarzes Büchlein.
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