Kapitel 71

Nervös? War er nervös? Natürlich nicht, sagte sich Harry leise und strich trotzdem zum wiederholten Mal durch sein Haar. Damion bedachte ihn daraufhin mit einem vernichtenden Blick, hatte der Gryffindor doch die letzte Stunde damit zugebracht, die Haare seines Kumpels zu bändigen. Denn auch wenn Harrys Stirn eine Narbe zierte mit der Form eines Blitzes, durfte man der Königin nicht mit einer Frisur entgegentreten, die sagte, man wurde von selbigem getroffen.

Aber warum war Harry nur so angespannt? Als Zauberer sollte ihn doch die Monarchin der Muggel ein wenig ungerührter lassen. Und außerdem hatte er doch die letzten Tage mit Professor Styls noch ein wenig höfische Etikette gepaukt. Harry wusste nun, welche Gabel für welchen Gang war, wie tief er sein Haupt senken musste und auch, wen er wie ansprechen durfte. Es sollte schon alles schief gehen. Das war auch Damions Meinung und der braunhaarige Gryffindor klatschte seinen Kumpel ein letztes Mal wie eine Mutter auf die Hand, damit dieser seine Frisur in Ruhe ließ.

Zwanzig Minuten später betrat Harry dann den Gemeinschaftsraum und wartete auf Hermine. Der Lockenkopf brauchte auch nicht sehr lange. Dafür dauerte es aber, bis Harry beim Anblick seiner Liebsten, und ihrem schwarzen, seidenem Abendkleid, wieder zu Atem kam. Er küsste seine Freundin und hielt ihr dann den Arm hin. Hermine hakte sich ein und es ging zum Büro der Direktorin, wo selbige ihnen einen angenehmen Abend wünschte und dann den Kamin entfachte.

Ihr erstes Ziel war das Gebäude des Zaubereiministeriums, von wo es dann mit dem Wagen weiter ging. Es handelte sich dabei um eine schwere Limousine deutschen Fabrikats und Harry schüttelte in Gedanken den Kopf, ob so viel Dekadenz, sagte aber nichts, da es auf der anderen Seite ein sehr angenehmes Reisen war. Schließlich bog der Wagen in den riesigen Hof des Buckingham Palace ein und ein Schwarm von Reportern versuchte Fotos von ihnen zu machen. Harry verzog das Gesicht und Hermine streichelte beruhigend die Hand des Gryffindor.

Schließlich kam die Limousine zum Stehen und ein Diener öffnete die schwere Tür. Harry stieg aus und hielt seiner Liebsten den Arm hin. Zusammen gingen sie dann durch das große Portal und beide mussten ihre Augen ein wenig zusammen kneifen, da der ganze Glanz und die unzähligen Lampen und Leuchter fast schon weh taten.

Empfangen wurden die beiden Schüler von einem älteren Mann im schwarzen Anzug, um dessen Hals eine schwer anmutende goldene Kette hing. Es schien so etwas wie ein offizieller Empfangschef zu sein und bat auch gleich, und mit einer tiefen Verbeugung, dass man ihm folgte. Harry runzelte ein wenig die Stirn, denn er war es nicht gewohnt, dass man sich vor ihm verbeugte. Dobby zählte er heute mal nicht mit dazu.

Die Pracht und der dargestellte Luxus erstaunten Hermine und Harry von Zimmer zu Zimmer immer mehr. Allerdings erreichten sie kurz darauf ihr Ziel. Es handelte sich dabei um eine Art kleinen Ballsaal, in welchem eine Kapelle sanfte Musik spielte und die schon anwesenden Gäste ein wenig Small Talk praktizierten.

„Ladys und Gentlemen, Mr. Harry Potter, in Begleitung von Ms. Hermine Granger."

Was hätte Harry gegeben, wenn ihr Führer sie nur in den Raum geleitete hätte und dann wieder stillschweigend gegangen wäre. Aber nein, nun mussten alle Blicke auf ihnen liegen, wobei zwei Augenpaar weniger Neugier, sondern eher Mordlust widerspiegelten. Sie gehörten Onkel Vernon und Tante Petunia. Beide kamen auch wenige Augenblicke später zu ihnen herüber und Harrys walrossgleicher Onkel, in einem wirklich fürchterlichen braunen Anzug den wohl nicht mal Hagrid anziehen, obwohl er passen würde, blaffte ihn auch sofort an.

„Potter, was suchst du hier? Willst mir den Auftrag ruinieren?"

„Vernon bitte, nicht so laut, die Leute", versuchte Tante Petunia ihren Mann zu beruhigen. Doch dieser stand schon wieder kurz vorm Infarkt. Harry überlegte, wie er es am besten anging und erwiderte in ruhiger, sachlicher Form.

„Nein Onkel Vernon, das möchte ich natürlich nicht. Ich bin hier da ich eine Einladung aus dem Palast bekommen habe. Gringotts ist nämlich aufgrund der Besonderheit des Auftrages nicht in der Lage, die öffentliche Arbeit, wie so etwas hier, abzudecken. Und außerdem, wäre es auch für mich nicht von Vorteil, wenn Grunnings den Auftrag verlieren würde. Du weißt schon ... dreißig Prozent ..."

Zwar spürte Harry Hermines Hackenschuh, doch einmal in seinem Leben konnte er sich nicht zurück halten und wenn man nun Vernons Gesicht betrachtete, so war es den kleinen Ausrutscher auch wert. Allerdings war Harry dann aber überrascht, als er Tante Petunias Gesicht sah. Sie stand etwas hinter ihrem Mann und wenn es früher so gewesen war, dass sie ihren Neffen für solche Worte mit einem bitterbösen Blick gestraft hätte, so sah es nun fast so aus als grinste sie. Ein wirklich ungewöhnlicher Anblick.

Bevor Harry sich aber weiter damit beschäftigen konnte, geschahen mehrere Dinge. Zuerst hatte der Gryffindor das Gefühl beobachtet zu werden und zwar von oben. Als er aber hinauf auf die Galerie schaute, war das einzige, was er noch mitbekam ein blonder Haarschopf. Dann wurde sein Name gerufen und zwar von einer Person, die Harry gehofft hatte, hier nicht zu treffen. Es war Rufus Scrimgeour, der Minister für Zauberei. Harry fragte sich, was dieser hier tat und bekam die Antwort auch schon im nächsten Moment brühwarm serviert.

„Schön dass ich sie hier treffe Mr. Potter. Wie geht es? Irgendwelche Probleme bei denen wir helfen können?"

„Minister", erwiderte Harry förmlich und bemerkte, wie Scrimgeour leicht zusammen zuckte.

„Nicht so laut, Mr. Potter. Es muss doch keiner wissen, wer ich bin."

„Und warum nicht?" Fragte Harry spitz, worauf ihn der Mann mit der Löwenmähne etwas zur Seite zog.

„Na weil...weil...Mr. Potter, ich muss ihnen doch nichts über das Geheimhaltungsabkommen sagen. Und was meine Anwesendheit betrifft, nun, ich werde nicht mehr lange bleiben. Meine Aufgabe ist erledigt."

„Aufgabe?", fragte Harry mit ein wenig mehr Neugier, als er eigentlich wollte, worauf der Minister grinste.

„Ihnen kann ich es ja verraten. Ich habe Kingsley Shacklebolt hier her begleitet, um ihm seinen neue Aufgabenbereich nahe zu bringen. Er ist unser fähigster Auror und wird in nächster Zeit den Muggelpremierminister beschützen. Natürlich können sie auch zu ihm gehen, sollte etwas sein."

Mit diesem Zusatz und einem seiner väterlichen Lächeln verabschiedete sich der Minister und ließ die beiden Schüler leicht verwirrt zurück. Harry, aus seiner Starre erwacht, schaute sich um und fand auch bald den schwarzen Auror, welcher diskret einige Meter hinter einem Mann stand, welcher sich gerade vor einer älteren Dame tief verbeugte.

Oh verdammt, die Königin´, dachte Harry. Irgendwie waren ihm durch die Sache mit Scrimgeour die Ankündigung und das Eintreten ihrer Majestät entgangen. Rasch reihte sich Harry in die Schlange der Gäste ein, die alle nun mehr oder weniger ihre Aufwartung machten. Allerdings war das ganze dann doch nicht so ruhig oder langweilig, wie Harry es vermutet hätte, denn es war Onkel Vernon, der fast auf seiner eigenen Schleimspur weg gerutscht wäre, als er sich vor der Queen verbeugte.

Harry musste sich stark zusammenreißen und blickte rasch zur Decke, um den Anblick nicht vor Augen zu haben. Dabei bemerkte der Gryffindor wieder, wie jemand seinen Kopf in Eile zurückzog. Dieses Mal jedoch waren die Haare nicht blond, sondern leicht rötlich. Allmählich bekam Harry ein ungutes Gefühl. Fünf Minuten später verneigten sich dann schließlich auch Harry und Hermine vor der Königin und wurden ihr auch noch einmal offiziell vorgestellt. Kurz danach bat man alle Anwesenden in den nächsten Raum, wo eine riesige Tafel aufgebaut war.

Auf dem Weg dahin zwinkerte Kingsley Harry kurz zu und der Gryffindor erwiderte den Gruß mit einem Nicken. Dann wurden beide, und zu Harrys Erleichterung sehr weit weg von seinem Onkel, platziert. Harry hatte keine Ahnung wieso, aber er saß keine drei Meter vom Platz der Königin entfernt und fühlte sich ein wenig unwohl, als ihn die Monarchin musterte. Bloß nicht rot werden, betete er und das Schicksal schien gnädig.

Einige Minuten später dann begann der wohl schlimmste Teil des Abends. Harry hatte schon in der Einladung etwas vom Programm gelesen und so hieß es nun, sich einen Vortrag zum geplanten Projekt anzuhören. Redner waren zwei wichtig klingende Professoren für Tunnelbau, ein Finanzier und oh Graus, Onkel Vernon. Harry konnte sein Pech nicht fassen und war froh, dass ihn Hermine mit sanftem Händedrücken ein wenig ablenkte und wieder aufmunterte.

Allerdings stellten sich die Beiträge der ersten Redner als sehr aufgelockert heraus, da diese Männer wohl nicht wirklich Furcht vor ihrer Gastgeberin hatten. Onkel Vernon hingegen war eine Katastrophe und Harry wandte lieber seinen Blick ab, um beim Auftritt seines Onkels nicht loszulachen. Immer auf der Suche nach etwas, worauf er sich konzentrieren konnte, um sich abzulenken, landete Harrys Blick schließlich auf dem Kristallkelch vor ihm. Der Gryffindor musterte das Trinkgefäß aufmerksam, ohne aber für die anderen abgelenkt zu wirken. Allerdings fing sich im Schliff des Kelches, das Kerzenlicht so, dass Harry plötzlich regelrecht gefangen war. Als er dann auch noch sein Spiegelbild ausmachte und sich darauf konzentrierte, dieses noch besser zu sehen, da geschah es. Harry kippte plötzlich nach vorne über.

Allerdings nicht körperlich, sondern nur im Geiste und mit einem Male tat der Gryffindor etwas, dass er lange nicht mehr gemacht und wovor ihn Professor Styls gewarnt hatte. Er surfte durch seinen Geist und seine Erinnerungen. Erschrocken zuckte Harry zusammen und schaute sich um. Wie war das denn nur wieder passiert? Die Antwort musste er sich selber schuldig bleiben, den dem ersten Schrecken folgte die Neugier.

Harrys Kopf drehte sich suchend in jede Richtung, denn im Vergleich zu seinem letzten Mal, wo er dies hier getan hatte, gab es zwei entscheidende Unterschiede. Der eine war, dass sich das Okklumentiktraining ohne Zweifel ausgezahlt hatte. Es gab kaum noch Erinnerungen, die sozusagen wahllos im Raum herum schwirrte. Der zweite Unterschied allerdings war, dass Harrys Sinne mehr als nur alarmiert waren, wusste er doch nun um die Bedeutung der schwarzen Wolke in seinem Geist.

Und kaum dass er an dieses gedacht hatte, schien es auch so, als würden einige seiner Erinnerungen, beispielsweise das Gesicht einer leicht gelangweilt dreinblickenden Königin, sich plötzlich von ihm entfernen, ja förmlich flüchten. Und dieses geschah nicht etwa ziellos, denn alle Erinnerungen zogen sich in seinem Sichtfeld zurück, als wäre etwas hinter Harry aufgetaucht.

Der Gryffindor brauchte sich nicht wirklich umzudrehen, um zu wissen, was das war. Harry tat es aber doch und sah kurz darauf wie alles um ihn herum dunkler wurde, als würde die Wolke sämtliches Licht absorbieren. Nun sollte eigentlich der Punkt erreicht sein, wo ein jeder seine Beine in die Hand nahm und abhaute. Nicht so aber Harry Potter. Der Schwarzhaarige wusste selber nicht, ob es Mut, Neugier oder die von Snape viel gelobte Dummheit war, doch er blieb diesmal stehen. Er wollte wissen, welches Geheimnis die Wolke barg. Und dies ging nun mal nicht, wenn man wegrannte.

Immer dichter umschloss den Gryffindor die Dunkelheit und Kälte überzog jeden Zentimeter seines Körpers. Harry rührte sich aber trotzdem nicht. Irgendetwas musst noch kommen und er hoffte, dass diese Kälte, dieses Gefühl, welches einen sonst nur noch bei der Anwesendheit eines Dementoren umgab, das dies nur ein Schutz war, der Fremde abschrecken sollte.

Schließlich veränderte sich etwas und es kam Harry so vor, als würde der Boden unter ihm sich langsam nach vorn bewegen, hin zu einem kleinen hellen Punkt. Dieser Punkt stellte sich mit jedem Meter, den man näher kam, als etwas Lebendes heraus. Und nicht nur das. Es waren zwei Lebewesen, zwei Tiere, von denen eines Harrys Herz höher schlagen ließ. Es war ein weißer Hirsch, der den Jungen in einer leichten Drohgebärde musterte. Das zweite Tier hingegen, eine leuchtend weiße Hirschkuh, sah den Schwarzhaarigen eher neugierig mit ihren grünen Augen an.

„Mum? Dad?", fragte Harry vorsichtig und ging einige Schritte auf die Tiere zu. Seine Eltern schienen ihn zu erkennen und nachdem der Gryffindor vor allem seine Mutter fest umarmt, und seinen Vater, oder besser dessen Animagusgestalt, ihn auch kurz mit einem Stupser begrüßt hatte, traten die beiden hell leuchtenden Tiere plötzlich zur Seite und gaben den Weg frei.

Harry schaute sie überrascht an und ging dann durch sie hindurch in die Richtung, die der Hirsch ihm wies. Seine Füße bewegten sich nun fast wie von alleine und schließlich stand der Gryffindor vor einer bunt schimmernden und in der Luft schwebenden Kugel. Harry fühlte sich an sein Erlebnis in der Mysteriumsabteilung des Ministeriums zurück erinnert und griff vorsichtig nach der Kugel. Das nächste was er spürte war ein Ruck, der durch seinen Körper ging und dass sich alles um ihn herum rasend schnell drehte.

„Meine Güte Harry, du hast die Blase deiner Oma."

Es war die Stimme seiner Mutter die Harry hörte, als er wieder zu sich kam, und selbige klang komischerweise amüsiert. Wo war er? Was war hier los? Doch als Harry die Fragen laut stellen wollte, kamen nur leise Schreie aus seinem Mund. Dann plötzlich spürte er, wie zwei Hände mit etwas warmem, weichem, in seinem Schritt hantierten. Junge war das peinlich und der Gryffindor wäre am liebsten gestorben. Noch immer war ihm nicht klar, was hier vorging. Dann aber wurde er leicht hochgehoben und nach zwei Sekunden, in denen Harry einen Blick auf das Gesicht seiner Mutter werfen konnte, wieder abgelegt.

Zu sagen, dass er wegen der jungen Erscheinung seiner Mum verwirrt war, wäre eine Untertreibung gewesen. Immer wieder versuchte sich der Gryffindor umzuschauen, bis ihn die Stimme seiner Mutter zur Ordnung rief. „Jetzt halt doch mal still, Harry, sonst sitzt die Windel nicht und dein Popochen wird ganz wund." Harry wusste, dass, wenn er in seinem Körper steckte, er knallrot geworden wäre. „Windel? Er wurde gerade gewindelt?"

Mit Entsetzen stellte Harry fest, dass es stimmte. Kurz darauf wurde das kleine Harrybaby hochgehoben und somit hatte er zum ersten Male die Möglichkeit sich umzusehen. Harry sah seinen Vater, sah Wurmschwanz die verräterische Ratte und er sah Dumbledore. Sie alle drei saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa und warteten offensichtlich darauf, dass sich Lily wieder zu ihnen gesellte. Schließlich war Harrys Mutter mit ihrem Sohn auf dem Arm wieder bei ihnen und Albus Dumbledore erhob das Wort.

„Also James, wie ich euch schon erklärt habe, ist der Fideliuszauber eine der wirksamsten Möglichkeiten, euch vor Voldemort zu verstecken. Es gäbe noch andere, doch diese wären zu kompliziert..."

„Aber warum ist er denn so wirksam?", fragte Lily und warf einen besorgten Blick auf ihr Baby. Man konnte sehen, wie sehr sie die Nachricht, dass Voldemort auf der Suche nach ihnen war, mitnahm. Und folglich war es verständlich, dass Harrys Mum nochmals nachfragte.

„Nun Lily mein Kind", begann Dumbledore mit seiner seit jeher bekannte Art. „Der Fideliuszauber ist sehr alte Magie und daher so wirksam, weil er eine Kombination mehrerer Zaubersprüche ist. In ihm vereint sind unter anderem eine starke Version eines Tarnzaubers, der jedem, der nicht das Geheimnis kennt, etwas zeigt, was gar nicht da ist. Voldemort könnte durch dieses Fenster schauen und würde uns alle hier nicht sehen. Und dann umfasst er auch noch einen Gedächtniszauber, der jedem Menschen, der sich nicht beim Aussprechen des Fidelius im selben Raum aufhält, vergessen lässt, wo sich das geschützte Objekt befindet. Diese Wirkung hängt allerdings von der Macht des Sprechers ab."

James sah Dumbledore überrascht an, worauf dieser lächelte und meinte, dass seine Macht wohl ausreichen sollte, dass die Wirkung für ganz England galt. Dies schien die jungen Eltern ein wenig zu beruhigen und man schritt zur Tat. Harry hörte ab da aber nur noch Dumbledore reden und zaubern, da seine Mutter ihn wieder in die Wiege gelegt hatte. Und so fragte sich der Gryffindor, wieso er überhaupt hier war, wenn er eh nichts weiter mitbekam.

Die Antwort darauf erhielt Harry nach den unendlichen Minuten, in denen er zum Nichtstun verdammt war. Denn kaum dass Peter sich verabschiedet hatte, und Lily ihren kleinen Liebling wieder im Arm hielt, sprach James Potter seinen alten Freund und Lehrer nochmals an und sagte: „Nun Albus, ich bin froh, dass der Zauber so gut geklappt hat. Doch es gibt da etwas, dass wir noch tun sollten. Einen weiteren Zauber, jedoch ohne Peters Anwesendheit."

„Oh wirklich James. Du überraschst einen alten Mann", erwiderte Dumbledore und schaute sehr interessiert ins Gesicht von Harrys Dad.

„Ja Albus, dieses Haus und meine Familie ist nun geschützt. Doch ich habe auch noch ein Erbe. Ich habe auch noch das, was mir mein Dad hinterlassen hat. Und auch wenn es eigentlich Tradition bei den Potters ist, dass manches Wissen nur mündlich vom Vater zu Sohn weitergegeben wird, so sind die Zeiten viel zu gefährlich und unruhig, geschweige denn, dass Harry schon so weit wäre."

„Ich sehe, worauf du hinaus willst, James, doch wie kann ich dir helfen? Soll ich etwa Geheimniswahrer werden? Mein Junge, ich bin schon sehr alt und sollte mir etwas passieren, dann wäre dieses Wissen nicht mehr geschützt und könnte verloren gehen."

James Potter ließ den alten Zauberer noch aussprechen, bevor er lächelte und erwiderte, „Nein Albus, du sollst nicht der Wahrer werden. Ich hatte da eher an Harry gedacht."

„Harry? James, du bist verrückt. Harry ist noch ein Baby", fuhr Lily auf und zog ihren Sohn noch fester an sich heran.

„Aber er ist auch mein Erbe, Schatz und damit betrifft es auch ihn."

James Potter sah so aus, als hätte er sich entschieden. Sein Gesicht war in den letzten Sekunden sehr ernst geworden. Doch er beruhigte sich auch schnell wieder und küsste seine Frau. Lily seufzte, denn letztendlich verstand sie ja, warum ihr Mann dies hier tat. Schließlich machten sich die drei Erwachsenen bereit, wobei Dumbledore sich damit einverstanden erklärte, dass James nach vollzogener Prozedur das Gedächtnis seines alten Freundes um diese Sache veränderte. James ging an seinen Schreibtisch und holte so etwas wie eine Karte heraus. Diese legte er auf den Tisch und nahm dann plötzlich Harry aus Lilys Armen.

„So mein Sohn", hörte Harry seinen Dad sprechen, während sein Blick über die Karte des Englischen Königreiches wanderte. „Siehst du diesen Punkt da, Harry?", fragte James und deutete auf eine markierte Stelle an der Westküste Schottlands, ein gutes Stückchen unterhalb von der Stelle, wo sich Hogwarts befand. „ Dort befindet sich Potter Castle". Ab hier glaubte Harry im falschen Film zu sein. Was war Potter Castle? Die Antwort darauf war der einfache Hinweis seines Dads, dass es sich um den Stammsitz der Familie Potter handelte.

Harry sah noch wie einige Koordinaten in seinem Kopf umherschwirrten. Doch dann ging alles sehr schnell. Er hörte im nächsten Moment wie Dumbledore sagte, dass er den Zauber noch etwas abändern wolle, damit er nicht nur den Stammsitz der Potters mit einschloss, sondern auch die Erinnerung an die letzte halbe Stunde. Dann erklang die Beschwörung und Harry sah, wie sich eine kleine schwarze Wolke am Zauberstabende des alten Mannes bildete und auf ihn zuraste. Dann wurde es dunkel um ihn herum und erneut ging ein Ruck durch seinen Körper. Das Nächste was Harry sah oder mitbekam, war die Queen, welche ihn persönlich ansprach.

„Nun Mr. Potter, in möchte ihnen nicht zu nahe treten, doch sie sind noch sehr jung, um ein Teilhaber einer so großen Firma wie Grunnings zu sein."

Jetzt, und nach dem eben erlebten nur nichts Falsches sagen, Harry. Mit dieser Devise versuchte der Gryffindor so schnell wie nur möglich eine Lösung zu finden. Schließlich sah er die Königin an und erwidert, „Das stimmt, eure Majestät. Und ich bin auch noch nicht aktiv ins Geschäftsleben integriert. Ich vertrete vielmehr meine Eltern, da diese vor vielen Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Bisher verwaltete die Bank meine Anteile. Doch irgendwann muss ich ja mal beginnen und ich habe meine Chance gesehen."

Die Queen bedachte den jungen Mann vor sich mit einem eher skeptischen Blick und auch ihr Sohn, Prinz Charles, musterte Harry plötzlich. Dann zog sich ein Lächeln auf das Gesicht der Monarchin und sie sagte mit wissender Stimme, „Und Mr. Potter, sie sind heute hier, weil ich keine Vertreter akzeptiere..."

Harry schaute leicht ertappt zur Königin und ihr Lächeln wurde noch breiter. Dann bedeutete sie ihrem Sekretär, dass der erste Gang serviert werden kann. Es handelte sich dabei um eine Suppe, die als exotischer Kürbisbouillon angepriesen wurde. Harry konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, da diese Suppe wohl die am meisten gereichte Speise in Hogwarts war. Die Königin bemerkte das Gesicht des Gryffindors und meinte leise, dass die Küche sich auch mal was Neues einfallen lassen könnte. Bevor Harry aber was erwidern konnte, schaute die Königin an ihm vorbei und schien etwas zu suchen.

Harry folgte ihrem Blick, wie auch einige andere der Gäste und somit lagen gut zwanzig Augenpaare auf einem der reichlich verzierten und sehr alt aussehenden Wandteppiche. Schließlich erhob sich die Queen. Und während alle es ihr respektvoll nachtaten, ging sie zum Vorhang und forderte mit strenger Stimme, „William, Harry tretet bitte vor. Es schickt sich für zwei Prinzen der englischen Krone nicht, sich zu verstecken und zu lauschen."

Zuerst war Harry ein wenig verwirrt und auch die anderen Gäste schienen nicht so recht zu wissen, was die Königin meinte. Dann aber bewegte sich der Wandteppich etwas und zwei Jungen, einer mit blondem und einer mit rötlichem Haar, traten mit schuldbewussten Gesichtern hervor. Die Queen schaute die Zwei an und schüttelte den Kopf, als wollte sie den beiden sagen, dass sie enttäuscht war.

„Was habt ihr hier nur zu suchen? Es ist Zeit fürs Bett. Und du William, du musst auf deinen kleinen Bruder besser achten."

Obwohl wohl jeder im Raum äußerst amüsiert war, wagte es keiner, etwas zu sagen oder zu lächeln. Somit war es ganz ruhig im Saal, als es passierte, denn noch kurz bevor ein offizieller Palastdiener die beiden Prinzen in die Obhut ihrer Aufsichtspersonen zurückgeben konnte, rief der Jüngere der beiden Prinzen plötzlich, „Aber Granny, es ist Harry Potter ...".

Harry erstarrte, denn mit einem Male spürte er, wie sich jedes Augenpaar auf ihn legte. Und auch wenn ihn nicht wenige der Gäste bisher nur als einen Teilhaber der Firma Grunnings gesehen hatten, war ihre Neugier auf den jungen Mann mit den schwarzen Haaren und den durchdringenden grünen Augen mehr als nur geweckt. Etwas unsicher schaute der Gryffindor von Prinz Harry, weiter über die Königin in die Runde. Dabei traf er auch auf Onkel Vernons Blick und dieser sah eher mörderisch als neugierig aus.

Schließlich aber lenkte die Queen ein und wies ihre Enkel an, den Saal zu verlassen. William und Harry kamen dieser Weisung auch ohne zu zögern nach. Man stellte sich halt nicht gegen die Königin, auch wenn es die eigene Oma war. Und selbige erhob danach auch das Wort und mit einem Lächeln sagte sie zu allen an der Tafel. „Tja, Kinder! So sind sie nun mal. Ich hoffe doch aber, Mr. Potter, dass ihnen der kleine Zwischenfall nicht zu unangenehm gewesen ist. Harry und William sind sehr an diesem Projekt interessiert und als sie in meinen Dossiers gelesen haben, dass einer der Beteiligten nicht viel älter ist, als sie selbst es sind, nun, da scheint ihr Interesse wohl ein wenig die Oberhand gewonnen zu haben."

Harry hörte die Worte der Königin, doch allein wie sie selbige von sich gab, ließ den Gryffindor vermuten, dass es wohl eher für die anderen an der Tafel bestimmt war. Und als Bestätigung dafür bat die Königin, sehr zur Verwunderung der anderen Gäste, ob er; Harry; nicht nach dem Essen mal mit ihren Enkeln sprechen würde. Harry nickte zustimmend und damit schien die Sache erledigt zu sein. Andererseits schürte es im Kopf des Gryffindors die Neugier, woher der kleine Prinz wusste, wer er war.

Der Suppe folgten noch mindestens drei weitere Gänge und Harry war sich sicher, morgen ein zwei Runden mehr laufen zu müssen, um das Menü von den Hüften zu bekommen. Schließlich aber war das Dinner beendet und man erhob sich, um wieder etwas Small Talk zu betreiben. Allerdings sollte das für Harry und Hermine bedeuten, dass sie sich plötzlich Onkel Vernon gegenübersahen und dieser mit leicht wütendem Blick von seinem Neffen wissen wollte, was das vorhin zu bedeuten hatte. Vernon sah wohl schon seine Felle wegschwimmen und schob es darauf, dass Harry wieder etwas abnormales, wie er es nannte, veranstaltet habe.

Glücklicherweise schien es einen Gott zu geben, denn einer der Palastdiener erlöste Harry und seine Liebste von Vernon Dursley, indem er die Beiden bat, ihm zu folgen. Die Gryffindors kamen dem nur zu gerne nach und nach einer etwas spitzen Verabschiedung von seinem Onkel waren sie auch schon auf dem Weg aus dem Saal. Es ging vorbei an einer Menge Wachen und zimmerhoch hohen Türen, bis sie der Diener schließlich in einen kleinen Salon führte. Dort saßen die Queen, ihr Sohn Prinz Charles und letztendlich zwei nun eher schüchtern verstummte Jungen, William und Harry.

Doch der Zustand der Prinzen hielt nicht sehr lange an. Kaum dass sich Harry neben seiner Liebsten niedergelassen hatte, brach es aus dem jüngeren Harry hervor. Er wollte unbedingt wissen, ob es stimmte, was man sich über den Jungen der lebte so alles erzählte. Und zu sagen, dass Harry nur verwirrt schien, wäre eine erneute Untertreibung gewesen. Hilfe suchend und den kleinen Jungen erst einmal ignorierend schaute der Gryffindor zur Königin und bedachte sie, wenn auch etwas unstandesgemäß, mit einem erwartungsvoll fragenden Blick.

„Oh Mr. Potter, schauen sie mich nicht so an. Es ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Die Jungen beziehen ihre Informationen aus einer anderen Quelle. Natürlich wissen ich, mein Gemahl und die Mitglieder meiner Familie um ihre Welt. Nicht viel, aber ausreichend. Es sind schließlich mein Land und meine Untertanen."

Zuerst war Harry ein wenig über die Wortwahl, die so gar nicht zum Königshaus passte, überrascht. Dann aber siegte wie schon so oft an diesem Abend die Neugier und mit einem immer noch fragenden Blick versuchte der Gryffindor nun die Quelle ihres Wissens heraus zu bekommen. Die Königin schien gnädig und fuhr in ihren Ausführungen fort.

„Um genau zu sein, Mr. Potter, handelt es sich bei unserer Quelle um die Queen Mum. Meine Mutter stammt aus einer Familie ihrer Welt, auch wenn das Blut, wie es manche Hexe und Zauberer gerne unschön sagen, verschmutzt ist. Die Königin Mutter ist sozusagen ein Squilb. Doch dass heißt nicht, dass sie nicht mehr im Kontakt mit Ihresgleichen steht. Und mit ihrem Wissen und ihrem Faible für die Zauberei hat sie meinen Sohn und auch meine Enkel infiziert."

Harry und auch Hermine konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Königin sah die beiden zwar noch kurz sehr ernst an, lächelte dann jedoch auch, was sie aber nicht davon abhielt, Harry noch etwas zurecht zu weisen.

„Sie finden es witzig, Mr. Potter? Nun, das ist es auch, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Natürlich kennen wir einige Begebenheiten, kennen Gringotts und wissen, dass in England eine erneute Gefahr durch Voldemort aufkeimt..."

Harrys Gesicht muss Bände gesprochen haben, denn die Königin sah den jungen Gryffindor an und lachte. „Ja Mr. Potter, ich sage seinen Namen. Ich habe zu viel in meinem Leben gesehen, habe den Krieg erlebt und denke, dass die Furcht vor einem Namen, nur die Angst unnötig schürt. Voldemort mag mächtig sein. Aber er kann nicht ein ganzes Land unterjochen, wenn dieses es nicht zulässt. Ich weiß nicht sehr viel von dem, was ihr Ministerium so alles unternimmt. Mein Premier sagt mir nur das nötigste, da er nicht weiß, dass ich Kenntnis von ihrer Welt habe. Und," – die Königin hob leicht warnend ihren Finger- , „... ich finde, so sollte es denn auch bleiben."

Harry brannte plötzlich ein „Warum?" auf der Zunge und irgendwie musste sich dieses auch gelöst haben. Die Königin schien aber damit gerechnet zu haben und erwidert ganz offen.

„Die Krone weiß zwar um die Hexen und Zauberer in ihrem Lande. Sie kann es sich aber nicht leisten, mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden. Ich wurde schließlich vor Gott und Millionen von Gläubigen gekrönt und möchte mir nicht mal ausmahlen, was zum Beispiel Rom sagt, wenn bekannt wird, dass wir hier Hexen und Zauberer als real ansehen."

Diese Antwort fand Harry mehr als nur einleuchtend und sein Blick ging zu den Enkeln der Queen. Beide Jungen schienen voller Fragen zu sein und fast zu platzen. Doch auf ihre Antworten mussten sie noch warten, und dies länger als es ihnen lieb war. Zum einen, da sich ihr Vater bei seiner Mutter entschuldigte. Er fand es nämlich nicht angemessen, die Gäste so lange warten zu lassen und ging daher zurück zum Ballsaal. Und ein anderer Grund war plötzlicher Tumult hinter einer der Salontüren.

Harry und Hermine schauten sich um. Und noch bevor sie sich einen Überblick verschaffen und auch ihre Zauberstäbe hervor ziehen konnten, kam ein Palastdiener ins Zimmer gestürzt. In seinen Händen hielt eine ungewöhnliche, blau schimmernde Kugel und mit schmerzverzogenem Gesicht rief er, „Ich komme nicht dagegen an. Es tut mir leid, eure Majestät". Nach diesen Worten zog er plötzlich eine Art Stift aus der Kugel und ein anfangs schon lauter, aber jetzt zunehmend schmerzhaft werdender Pfeifton durch schnitt den Raum.

Harry sah mit Entsetzen auf den Palastdiener. Doch etwas tun konnte er nicht mehr. Plötzlich wurde es vor seinen Augen schwarz. Hitze stieg auf und die Schreie von Hermine, der Königin und den beiden Prinzen gingen in einer gewaltige Explosion, die den Palast erschüttert, unter...

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