Hey Leuter's,

ein weiteres Jahr ist beinah rum und das Fest der Liebe, der Freude und der Extrapfunde auf den Hüften steht vor der Tür. Und eben am heutigen Abend, der einer fast nie enden wollenden Tortur ( Weihnachtseinkäufe ) folgt, möchte ich euch ein schönes Fest mit euren Lieben wüschen und Danke für eure Treue sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Euer Mr. Figgs

PS: Einen guten Rutsch wünsch ich heute noch nicht, denn das Jahr hat ja noch eine Woche, sprich Freitag ( grins )

Kapitel 72

„Oh, schon wieder leer"

Mit leicht enttäuschter Stimme steckte Jane Granger die leere Schampusflasche kopfüber in den Kühler und bedachte ihren Mann mit einem Blick, der nur eines sagte, „Hohl noch eine". Doktor Granger tat es aber nicht, sondern küsste seine Frau viel lieber. Er wusste halt immer, wie er sie ablenken und beruhigen konnte, denn die Anspannung war bei Hermines Mutter einfach nicht zu übersehen.

„Es wird schon, Schatz. Unsere Tochter wird sich schon zu benehmen wissen. Sie ist schließlich eine Granger."

„Ja eben. Sie ist eine Granger und wenn ich an das letzte Mal denke, wo ein Granger auf die Krone getroffen ist, möchte ich nicht wissen, was dieses Mal geschieht."

Hermines Mum baute sich vor ihrem Mann auf und machte ein leicht überlegenes Gesicht. Mr. Granger jedoch wich nicht zurück und erwiderte, dass sein Bruder es damals nicht so gemeint habe. Dies war der Moment, wo Jane die Hände in die Seiten stemmte, wie Molly Weasley es immer tat, und ihren Mann anfuhr.

„Nicht so gemeint, Henry? Benjamin hat dem Prinzen von Wales, als dieser unseren Hörsaal in der Uni betreten hat, um an einer Vorlesung zu hospitieren, ohne auch nur rot zu werden gesagt, dass sich Ohrenarzt und plastischer Chirurg eine Etage tiefer befinden..."

„Ja aber, er hat sich entschuldigt, Jane.", versuchte Hermines Dad seinen Bruder zu verteidigen. „Außerdem war es zwei Tage nachdem Carmen mit ihm Schluss gemacht und Ben sein Vergessenstütchen wohl ein wenig straff gedreht hatte..."

Jane sah ihren Mann mit funkelnden Augen an. Musste er dieses alte Thema denn wieder rauskramen. Bevor sie ihn aber hindern konnte auch noch die Sache mit ihrem Examen und ihrem Trip anzusprechen, ging ihr Blick an ihrem Mann vorbei und auf den Fernseher. Dort sprach der Nachrichtensprecher einer Sondersendung plötzlich aufgeregt und es wurden Bilder vom brennenden Buckingham Palast eingespielt.

„Oh mein Gott Hermine...", rief Jane Granger und stürmte zum Fernseher.

Der Schmerz war noch nicht verschwunden, doch nach all seiner Erfahrung als Auror hatte Kingsley den grellen Pfeifton sofort erkannt und instinktiv den Premierminister geschnappt und auf den Boden geworfen. Dann kam die Explosion und Trümmerteile und Staub flogen über sie hinweg. Tony Blair hustete und spuckte, um wieder Luft zu bekommen. Er sah seinen schwarzhäutigen Beschützer mit entsetzten Augen an und schaute dann suchend in die Runde. Überall lagen oder hockten geschockte Menschen. Einige waren verletzt, anderen noch nicht einmal wieder zu einer Bewegung fähig. Einzig die Diener, welche zur Unglücksstelle eilten hatten offenbar eine besondere Ausbildung, denn sie blieben ruhig und begannen, sich um die Gäste zu kümmern.

Doch nur ein Teil von ihnen tat dies, wenn man es genau nahm. Der Rest schien eine andere Aufgabe zu haben und nahm somit sämtliche Ausgänge der näheren Umgebung in Beschlag. Niemand sollte wohl den Raum verlassen, bis geklärt war, was geschehen war. Vorsichtshalber zückte Kingsley seinen Zauberstab und hielt ihn im Umhang verdeckt bereit. Man konnte ja nie wissen. Und außerdem kam dem Auroren plötzlich Harry wieder in den Sinn. Aufmerksam wandte er seinen Kopf in jede Richtung auf der Suche nach dem Jungen, doch er fand ihn nicht und die Tatsache, dass Prinz Charles mit einer Wunde am Kopf in den Saal getorkelt kam und immer wieder rief, dass seine Söhne und seine Mutter verletzt oder tot seien, bescherte ihm ein wirklich ungutes Gefühl im Bauch. Kingsley entschied sich rasch und aktivierte eine Art magischen Sender. Kurz darauf erschienen gute zwei Dutzend Auroren im Salon, gingen ohne auf die Wachen zu achten aus dem Zimmer und riegelten den Palast restlos ab.

Dann machte man sich auf den Weg zum Salon, wo Harry sich mit den Prinzen und der Queen getroffen hatte. Doch von diesem Raum war nichts mehr übrig. Ein riesiges Loch klaffte an seiner Stelle und jeder stellte unter Schock fest, dass dort keiner überlebt haben konnte...

„Autsch tut das weh", sagte Hermine mit einem schmerzhaften Lufteinziehen. Sie war auf ihrem Hintern gelandet und wohl die erste, die wieder einen klaren Blick bekam. Rasch schaute sich der Lockenkopf um. Allerdings kam ihr der Ort wo sie sich befand überhaupt nicht bekannt vor, doch das musste warten, denn die ängstlichen Stimmen der beiden Prinzen drang an ihr Ohr. Hermine suchte die Quelle der Laute und fand auch kurz darauf William, Harry und ihre Großmutter, die Königen. Alle drei lagen mehr oder weniger auf dem Boden, ihr Sturz durch eine dicken, roten, allerdings mit einer starken Staubschicht überzogenen Teppich abgefangen.

Hermine kroch vorsichtig zu den Royals und fragte, ob alles in Ordnung war. Die Antwort kam aus dem Mund der Queen und lautete ja, obwohl man der älteren Dame ansah, dass sie verwirrt war. Den beiden Jungen ging es auch gut, wenn man mal die Angst in ihren Gesichtern und die kleinen Schrammen am Kopf beiseite ließ. Blieb also noch Hermines Freund. Doch wo war Harry? Die Antwort darauf bekam die Gryffindor in Form eines schmerzvollen Aufstöhnens, welches dann in ein Fluchen überging.

„Verdammte Scheiße, wieso immer mein Knöchel", schrie der Schwarzhaarige seiner Umgebung noch nicht ganz bewusst. Hermine eilte hin und drückte ihn ganz fest. Ihrem Liebsten war also nichts passiert, na ja, fast nichts. Allerdings mahnte sie Harry, auf seine Worte zu achten und deutete in Richtung Königin. Sofort wurde Harry leicht rot und murmelte eine Entschuldigung.

Die Queen jedoch wollte nichts dergleichen hören, sondern fragte mit einem Blick in den Raum, vorsichtig, wo sie hier waren. Zum ersten Male wurde Harry daraufhin bewusst, dass sie nicht mehr im Buckingham Palast befanden. Vorsichtig versuchte er sich aufzurappeln, doch ein Stechen im Knöchel erinnerte ihn daran, wie er gelandet war. Zum Glück gab es aber immer noch Hermine. Die Gryffindor hatte sich bei Poppy ein wenig informiert und zückte ihren Zauberstab. Zwei, drei mal diesen geschwungen, einige wohl gewählte Worte und Harry war schmerzfrei. Soweit die Theorie, doch die Praxis sah einige Sekunden später ganz anders aus.

Völlig verblüfft mussten zuerst Hermine und dann Harry mit ansehen, wie sich der Zauberstab des Lockenkopfes plötzlich selbständig machte, ihr aus der Hand glitt und in Richtung einer großen, einstmals bestimmt schillernden Rüstung raste. Und eben jener eiserne Schutzpanzer fing den Stab auf und hielt ihn so, als würde im nächsten Moment damit gezaubert.

Die beiden Gryffindors sahen sich an und wussten für einen Moment nicht, was sie tun konnten. Harry fühlte sich an das Erlebnis mit Minister Scrimgeour erinnert und meinte, dass man vielleicht vorerst auf Magie verzichten sollte und dass die Rüstung möglicherweise mit etwaigen Schutzzaubern verbunden sei. Hermine sah ihren Freund an und nickte zustimmend, auch wenn dies bedeutete, dass Harry dadurch mit seinen Schmerzen allein zu Recht kommen musste.

Die kleine Debatte beendend wandten sich die Zwei wieder der Königin und den Prinzen zu. Und hier erlebte Harry den nächsten Schlag ins Gesicht, denn als sich der Gryffindor lächelnd den dreien näherte, sah es plötzlich so aus, als hätten alle drei, vor allem aber der kleine Harry Angst vor ihm. Der Junge zitterte mit einem Male und versteckte sich hinter seiner Großmutter. Überrascht schaute der Gryffindor zwischen Harry und seiner Freundin hin und her.

„Hermine, was ist? Warum?"

Harrys Liebste brauchte einen Moment, doch dann begann sie zu lächeln. „Nun Schatz, ich denke, dass vielleicht eine kleine Erklärung angebracht ist. Prinz Harry hat sich dich mit Sicherheit anders vorgestellt. Du weißt schon, schwarze Haare, liebes Lächeln und nicht wie eben mit fast vollständig brennendem Kopf."

„Was? Wie? Hermine, ich weiß nicht wovon du redest? Alles an was ich mich erinnern kann ist, dass da plötzlich der Diener in den Raum kam, es einen schrillen Ton gab, der äußerst schmerzhaft im Ohr brannte und dann wurde es schwarz. Als nächstes bin ich auf meinen Füßen gelandet und hab mir den Knöchel verknackst."

Nun waren es offenbar die anderen vier im Raum, die überrascht und verwirrt schienen. Es war dann sogar die Königin, welche Harry mit skeptischem Blick musterte und fragte, „Und das soll ich glauben, Mr. Potter? Hören sie, ich kenne mich vielleicht nicht so gut mit Magie aus, doch ich glaube meine Augen sind noch nicht so schlecht und ich weiß, was ich gesehen habe?"

„Ja aber was haben sie gesehen, Majestät? Wie sind wir hier her gekommen?" Fragte Harry leicht unsicher. Es war jedoch nicht die Königin, die antwortete, sondern Hermine.

„Harry, was ihre Majestät meint ist die Tatsache, dass du kaum dass der schrille Ton erklang, dich plötzlich verändert hast. Deine Haare begannen zu brennen, Harry. Deine Haut ist rot geworden und deine Augen schienen aus purem Gold zu sein. Dann bist zu auf den Diener zugestürmt und wolltest ihn dazu bringen, dass er die blaue Kugel fallen lässt. Doch als er sich weigerte und der Pfeifton immer lauter wurde, da hast du ihn plötzlich stablos an die nächste Wand geschleudert. Danach hast zu deine Hände auf uns gerichtet und dann kann ich mich nur noch an auf mich zuschießendes Feuer erinnern. Das Nächste war schließlich dieser Raum ..."

Harry hörte die Worte seinen Freundin, allein es brauchte jedoch einige Augenblicke, bevor sie der Gryffindor auch verarbeit hatte. Dann aber schlich sich ein wissendes Lächeln auf sein Gesicht und er sagte hastig „Ein Spiegel, ich brauche einen Spiegel."

Zu Harrys Glück schienen sie hier in der Empfangshalle des Hauses, wo auch immer sie waren, gelandet zu sein. So brauchte es nicht sehr lange, bis der Gryffindor einen großen, wenn auch schon leicht blinden Spiegel fand. Harry ging darauf zu und erwiderte dabei, auf die Frage der Königin, was er vorhabe salopp, er müsste ein Selbstgespräch führen. Die Queen sah den Gryffindor ungläubig an. Ihre Augen wurden aber noch größer, als im Spiegel nicht das Abbild von Harry, sondern Arcan auftauchte.

„Wird ja auch Zeit, dass du dich meldest", sagte der Feuerkopf und grinste schelmisch.

„Ja ja, ich hab ein wenig gebraucht, Arcan. Irgendwie hatte ich einen kleinen Filmriss. Was ist denn nun passiert? Und wo verdammt noch mal sind wir hier?"

Arcan grinste noch breiter und begrüßte dann mit einem Zwinkern erst mal die anderen im Raum, bevor denen der Kiefer noch weiter nach unter ging. Dann aber wandte er sich wieder Harry zu und sagte, „Nun mein Guter, ihr seid erst mal in Sicherheit. Doch dazu kommen wir gleich. Was ist nun passiert? Ach ja, alle begann mit dem Diener, der unter dem Imperius stand, und dieser magischen Sprengkapsel. Die Dinger haben einst die Kobolde für ihre Minen entwickelt und sie wurden vom Ministerium verboten, weil sie gegen menschlich Magie resistent sind. Daher lieb mir nur eines übrig und wie ich dir damals schon gesagt habe, kann es passieren, dass ich mich einmische."

„Und das heißt?", fragte Harry mit hochgezogener Braue.

„Das heißt, ich habe dich instinktiv das machen lassen, was wir eigentlich erst in ein paar Tagen übern wollten. Du bist und hast gleichzeitig die anderen mit dir teleportiert. Die Koordinaten allerdings sind nicht von mir, sondern schwirrten gerade in deinem Geiste umher."

Harry sah sein Spiegelbild an und während er noch leise und nachdenklich vor sich hinsagte, „wir sind teleportiert", traf es ihn auch schon im nächsten Moment. Es wusste plötzlich wo sie hier waren. Es musste Potter Castle sein. Rasch schaute sich der Gryffindor um, ob ihm vielleicht etwas bekannt vorkam. Doch dann sagte sich Harry selbst, dass dies nicht sein konnte. Er war ja noch nie hier gewesen, und wenn, dann höchstens als Baby.

Hermine, die Königin und die zwei jungen Prinzen schauten unterdes über Harrys Schulter und musterten das Phönix-Ich des Schwarzhaarigen. Dieses gab Harry auch noch Zeit zum Nachdenken und stellte sich den Fragen der vier. Allerdings brach er sofort ab, als Harry vom Spiegel wegtrat und fragte, was sie nun tun sollten.

„Nun Mr. Potter, als erstes sollte wir uns bei ihnen bedanken. Sie haben uns schließlich das Leben gerettet. Etwas, das man nicht bezahlen kann und dass einen auf ewig in der Schuld stehen lässt." Sagte die Königin und plötzlich war es wieder da, das Gefühl der aufsteigenden Röte in Harrys Gesicht. Allerdings ließen die Royals dem Gryffindor nur wenig Zeit, um verlegen zu werden. Prinz Harry umarmte ihn nämlich dankbar und auch William streckte seine Hand aus.

Dann kam man aber schließlich zum Punkt, wie es nun weiter gehen sollte und deshalb trat Harry doch noch einmal vor den Spiegel. Er fragte Arcan um Rat und dieser tat dann so, als würde er aus dem Spiegel heraus schauen, wie aus einem geschlossenen Fenster. Der Blick des Phönix- Ichs haftete schließlich an etwas und Harry drehte sich so, damit er erkennen konnte, was Arcan so fesselte.

„Ah Harry, ich glaube, ich habe da eine Lösung, vorausgesetzt dies hier ist wirklich Potter Castle."

„Ach ja, was ist es?", fragte Harry neugierig und auch die anderen machten ein sehr interessiertes Gesicht.

„Es ist diese Säule da..."

„Welche? Die da im Zentrum des Raums? Das hölzerne Ding mit dem Kasten oben drauf."

Harry deutete auf eine etwa einen Meter hohe Holzsäule, welche mittig vor der Haupttreppe stand und auf deren oberen Ende so etwas wie eine Schatulle befand. Alle fünf gingen darauf zu und stellten sich dann rings um die Säule.

„Und jetzt?", fragte sich Harry und untersuchte die Schatulle mit seinen Fingern. Dabei bemerkte er eine kleine Öffnung, so etwas wie ein Schlüsselloch. Hermine, die direkt neben ihrem Freund stand, sah es auch und schaute fragend zu Harry, dessen Gedanken schon wieder in seinem Kopf rasten. „Einen Schlüssel, einen Schlüssel", murmelte der Gryffindor, während er sich am Kopf kratzte und dann den Nacken massierte. Dabei blieb sein Finger plötzlich an etwas hängen und Harrys Augen wurden im nächsten Moment immer größer.

„Verdammt, wie konnte ich das vergessen", rief Harry laut aus und griff sich in deinen Halsausschnitt. Er hatte doch einen Schlüssel. Einen, den ihm Dumbledore vermacht hatte und von dem er nicht wusste, wofür er war. Glücklicherweise hatte ihm das Portrait des alten Zauberers geraten, den Schlüssel und auch den Ring immer bei sich zu tragen. Nun war es also soweit und er zog den goldenen Schlüssel hervor.

„Oh Harry, du hast ihn?", rief Hermine überrascht und Neugier schwang unverhüllt in ihrer Stimme mit. Schließlich machte Harry den nächsten Schritt und steckte den Schlüssel in die Säule. Er drehte ihn herum und ein lautes „Klick" hallte durch den Raum. Der Schlüssel passte also, denn der Deckel der Schatulle sprang auf. Harry hob die verzierte Holzplatte leicht an und zuckte etwas zurück, da die vier Wände des Kästchen plötzlich auseinander klappten. Zum Vorschein kam eine gläserne Kugel. Sie war in etwa tennisballgroß und an ihrem oberen Ende befand sich eine Spitze.

Harry wusste instinktiv wofür diese da war und stöhnte leicht. Hermins sah ihren Liebsten verwundert an, konnte aber eindeutig die Worte „verdammtes Blutgeschwafel" heraushören. Der Gryffindor reagierte aber nicht auf den Blick seiner Freundin, sondern drückte mit einer flinken Bewegung seinen Daumen auf die Spitze. Kaum dass das Fleisch das Glas berührte und durchstoßen war, floss auch schon Blut aus Harrys Finger. Doch der Lebenssaft des Gryffindors lief nicht an der Kugel herab, wie man es hätte vermuten können. Nein, er wurde aufgesogen bis die Kugel in einem satten Rot leuchtete. Das war der Moment, wo Harry seinen Finger weg zog und ihn in den Mund steckte.

Was als nächstes geschah, würden die hier Anwesenden wohl niemals vergessen, denn sowie der letzte Tropfen Blut im Inneren der Kugel gefangen war, glitt die Säule mit einem steinernd-kratzendem Geräusch in den Boden und verschwand. Der Schwarzhaarige und seine Begleiter fragte sich noch, was nun geschehen würde, mussten aber im nächsten Moment rasch zurück treten, da die marmornen Bodenplatten zu zittern begannen und danach anfingen sich zu bewegen.

Es war fast so, merkte Harry an, wie bei den Backsteinen am Eingang zur Winkelgasse. Nur das sich hier kein Durchgang zu irgendwas öffnete, sondern ein quadratisches dunkles Loch im Fußboden entstand. Und durch eben diese Öffnung erhob sich wenige Sekunden später etwas in den Raum, etwas, das alle laut aufschreien ließ. Harry konnte es einfach nicht glauben. Vor ihnen stand etwas Grauenvolles. Es war ein Glaswürfel, ähnlich einen Aquarium, und in selbigem, umhüllt von einer giftgrünen wasserähnlichen Flüssigkeit, befand sich ein Hauself mit weit aufgerissenen Augen und seine Hände in einer Abwehrhaltung.

Der Jüngste im Raum, Prinz Harry, schrie laut auf und wandte völlig verängstigt seinen Blick ab und auch William und die Königin schauten nicht wirklich erfreut auf dem Anblick der sich ihnen bot. Das schlimmste Gesicht aber machte Hermine. Harrys Freundin sah aus, als hätte sie einen Geist gesehen und der Gryffindor konnte förmlich hören, was sie dachte

‚Bitte nicht auch Harrys Familie. Lass die Potters nicht so sein, wie die Blacks.'

Und Harry sah es genauso. Niemals hätte er gedacht, dass sein Vater und deren Vorfahren ebenso unmenschlich mit anderen Lebewesen umgingen, denn das der Hauself noch gelebt hat, als man ihn hier einsperrte, sagte schon seine Haltung. Harry senkte seinen Blick beschämt und wollte sich bei Hermine entschuldigen, da erklang plötzlich ein metallenes Geräusch hinter ihnen und ein Windzug ging durch den Raum, in dem sie alle standen.

Harry, Hermine und ihre Gäste drehten sich überrascht um und erkannten, dass die eiserne Rüstung, jene, die Hermines Stab hielt, plötzlich zum Leben erwacht war, ihre Augenschlitze im Helm hellrot leuchteten und sie mit schweren Schritten auf sie zukam. Verständlicherweise beunruhigte diese Tatsache die königliche Familie mehr, als die beiden Gryffindors. Harry und Hermine hatten ja schon mal in Hogwarts etwas Ähnliches gesehen.

Harry zog seinen eigenen Zauberstab, auch auf die Gefahr hin, dass er ihn nicht benutzen konnte, und richtete ihn auf die Rüstung. Die aber blieb unbeeindruckt und tat im nächsten Moment etwas, womit wohl keiner gerechnet hatte. Ihre eiserne Hand ging in Richtung Hermine, die Harry langsam hinter sich gezogen hatte und hielt dem Mädchen den Zauberstab plötzlich so hin, dass Harrys Freundin ihn wieder an sich nehmen konnte. Danach bewegte sich die Rüstung nach einem kurzen Nicken wieder auf ihren Platz und verlor sämtliches Leben.

Durch das Ganze abgelenkt bemerkte keiner der Anwesenden die anderen Veränderungen im Raum, wie zum Beispiel, dass sich die Fackeln plötzlich entzündet hatten und wie sich im Boden der Glaswürfels mit dem Elfen ein Loch gebildet hatte. Durch dieses floss die grüne Flüssigkeit heraus und vermischte sich beim Auftreffen auf dem Boden mit der dicken Staubschicht. Schließlich war der Würfel leer und ein Summen kam von irgendwo unter ihm. Es wurde immer intensiver und es bildeten sich erste Risse im Glas, die sich immer weiter ausbreiteten. Letztendlich konnte das Material dem Ton nicht mehr standhalten. Der Würfel zerbarst in tausend kleine Stück.

Harry riss sofort schützend seine Hände hoch, um sich und seine Liebste vor den Splittern zu bewahren. Doch sie kamen nicht, sondern verschwanden auf wundersame Art und Weise und gaben den Blick auf den Hauselfen frei.

„Was war das?", fragte Harry und musterte die kleine Gestalt vor sich genau. Er sah, wie die letzten Tropfen von den spitzen Ohren abfielen und zuckte dann erschrocken zurück, als der Elf plötzlich mit den riesigen Augen zwinkerte und dann seine quäkende, bittende Stimme durch den Raum hallte.

„Nein ... nein Master James ... Bitte ... bitte nehmen sie einen anderen Elfen Master ... Trexus hasst Wasser in den Ohren ..."

Der Hauself hielt immer noch seine Hände in Abwehrhaltung, flehte und nahm die Umgebung offenbar noch nicht wahr. Harry und Hermine schauten den kleinen Kerl mit riesigen Augen an, während die beiden Prinzen keine Zeit dafür hatten. Die Zwei konnten sich nicht einmal vor dem Elfen fürchten oder ihn bewundern. Nein, sie waren eher damit beschäftigt, ihrer Großmutter zu helfen, da diese soweit war, nach hinten umzukippen.

Das Bitten und Betteln ging noch einige Sekunden und Harry fragte sich, was sein Vater getan hatte, denn dass James Potter involviert war, stand ja nun außer Frage. Trexus, wie Harry glaubte richtig verstanden zu haben, stoppte dann aber schließlich und grüne Augen trafen auf leuchtend gelbe. Die Zeit schien für einen Moment still zu stehen. Doch danach brach die Hölle los. Der kleine Elf ging in so etwas wie Kampfstellung und er wetterte.

„Ihr seid nicht Master James. Was sucht ihr in seinem Haus...?" – Der Blick des kleinen Kerls wanderte kurz durch den Raum und die Tirade ging weiter. - „... und was habt ihr mit dem Anwesen gemacht? Alles ist schmutzig und Trexus muss es wieder richten..."

Das ganze ging noch eine ganze Weile so. Doch dann bemerkte Harry, dass neben den Worten aus dem Mund des Elfen selbiger auf irgendwas zu warten schien. Die Augen wanderten immer öfters durch den Raum und zu den Rüstungen, so als würde der Elf auf eine Reaktion hoffen. Schließlich war es Harry aber zu viel und er sprach den kleinen Kerl an.

„Trexus ...", begann er vorsichtig. „... wir sind hier nicht eingedrungen. Sondern das Haus haben mir meine Eltern, besser gesagt mein Vater hinterlassen."

Dieser Satz traf den Hauselfen wie eine Faust ins Gesicht. Er sah den Gryffindor plötzlich von oben bis unten an und flüsterte danach ungläubig „Master Harry?". Der Schwarzhaarige nickte unsicher und wurde im nächsten Moment überrannt. Auf dem Hintern gelandet musste sich der Gryffindor den Umarmungen des Elfen erwehren. Es war fast noch schlimmer als bei Dobby und dies sollte schon was heißen. Doch der kleine Kerl ließ spätestens von ihm ab, als Trexus Harrys schmerzvoll verzogenes Gesicht bemerkte.

„Master, was ist los mit ihnen? Haben sie Schmerzen?"

„Ja Trexus, ich hab mir den Knöchel verknackst und Hermine konnte ihn noch nicht wieder richten. Irgendwie scheint sie hier im Haus nicht zaubern zu können."

Der Hauself schaute besorgt zu Harrys Füßen und murmelte dann etwas davon, dass es an den Schutzzaubern des Hauses lag, wenn jemand Fremdes hier seine Magie nicht wirken konnte. Bevor Harry aber zum Fragen kam, wie man dem Problem begegnete, da hob Trexus plötzlich seine rechte Hand, bedeutete seinem Meister still zu sein und legte dann beide Hände auf Harrys Knöchel. Ein kurzer Aufschrei des Schwarzhaarigen und eine ungewohnte Hitze auf der Verletzung und der Schmerz war weg.

„Elfenheilmagie Master, sie ist manchmal sehr hilfreich", erwiderte Trexus auf den überraschten Blick von Harry. Dann wurde er aber plötzlich ernst und fragte, „Aber, wenn Master Harry sagt hinterlassen, dann bedeutet es ja, dass Master James und Misses Lily to..."

„... tot sind. Ja Trexus, meine Eltern sind nicht mehr am Leben. Voldemort hat sie vor über sechzehn Jahren getötet."

Für Trexus schien eine Welt zusammen zu brechen. Der kleine Kerl sank auf die Knie und fing an bitterlich zu weinen. Hier war es nun Hermine, die sich um ihn kümmerte und ihm ein wenig erklärte, wie sie gestorben waren und dass sich Harrys Mutter für ihren Sohn geopfert hatte. Und sie hatte bei ihrer Erzählung nicht nur den Hauselfen als Zuhörer. Auch die beiden Prinzen und die wieder erwachte Königin lauschten aufmerksam.

Harry ließ seine Freundin machen und war sogar ein wenig froh darüber es nicht selbst tun zu müssen. Der Gryffindor schaute nur zu und es begannen sich mehrere Fragen in seinem Kopf zu bilden. Was war geschehen? Wieso hatte sein Vater Trexus in den Würfel gesperrt? Und kannte sich der kleine Kerl hier aus? Alles Fragen, auf die Harry eine Antwort wollte. Doch das musste warten, da die Königin sich an ihn wandte und fragte, wie es denn nun weitergehen sollte. Sie musste zurück in den Palast. Dort würde wohl das reinste Chaos ausgebrochen sein.

Und wie ein Zeichen einer höheren Macht erklang plötzlich leiser Gesang durch die Hallen von Potter Castle. Harry erkannte ihn sofort und auch den Ursprung. Aufmerksam schaute er sich um und erblickte schließlich jemanden, den er geglaubte hatte, niemals wieder zu sehen. Es war Fawks, sein Bruder und der Phönix flog direkt auf sie zu. Man braucht hier nicht erwähnen, dass die Royals mehr als nur fasziniert von diesem Geschöpf waren. William versuchte sogar Fawks zu streicheln. Hielt aber inne, als er die Hitze spürte, die ihm entgegen schlug. Rasch schritt Harry ein und bewahrt William vor einigen unschönen Brandblasen. Phönixe waren zwar treu und lieb, aber eben nicht für den Streichelzoo gedacht. Jedenfalls nicht bei Menschen, die sie nicht kannten. Allerdings brachte das Erscheinen von Fawks Harry auf eine Idee.

„Sir, wir haben noch nichts gefunden. Die Trümmer sind einfach zu dicht und Teile der Decke sehen so aus, als würden sie nachgeben, wenn wir noch mehr Steinbrocken und Balken entfernen."

Kingsley stand neben dem völlig aufgelösten Prinzen von Wales und hört sich den Bericht einer seiner Männer an. Dann ging sein Blick zum Premierminister, der versuchte Charles in dieser schweren Stunde beizustehen und seine Hand auf dessen Schulter gelegt hatte.

„Das so etwas passieren konnte, ist eine Tragödie", sagte Kingsley und schickte sich dann an, in Richtung Ausgang zu gehen. Die Offiziellen mussten verständigt werden. Doch mitten in seiner Bewegung hielt der schwarze Auror inne und schaute nach oben. Zu oft hatte er dieses Gefühl schon gespürt, dieses Prickeln in der Luft, welches einem durch und durch ging, kurz bevor er erschien. Und so war es dann auch. Mitten im Raum, wo alle die anderen Gäste versorgt wurden, begann die Luft kurz zu brennen und Fawks tauchte aus dem Nichts auf. In seinen Krallen hielt er zwei Briefe, von denen er einen über Kingsley fallen ließ. Zwei Sekunden später war der Phönix auch schon wieder verschwunden, hinterließ aber einen Raum voll überraschter Gesichter.

„Kingsley, was war das?", fragte der Premierminister und trat an ihn heran.

„Oh, das war Fawks. Ein Phönix und ehemals Vertrauter von Albus Dumbledore." Erwiderte Shacklebolt und las derweil den Brief. Was in ihm stand konnte aber nichts Gutes bedeuten, schlussfolgerte Blair, denn das Gesicht seines Aufpassers wurde plötzlich etwas ernster, ja fast angespannt, so als würde Kingsley stark nachdenken. Dann kam Bewegung in seine Miene, er zückte seinen Zauberstab und setzte das Pergament in Brand. Der Minister runzelte die Stirn und trat einige Schritte von Kingsley zurück. Was hatte der Mann vor, zumal er plötzlich den Raum musterte und einigen seiner Leute Zeichen gab, sich an den Eingängen zu positionieren.

„Mr. Shacklebolt, was ist hier los?", versuchte Tony Blair eine Antwort auf dessen Verhalten zu bekommen, doch der Auror reagierte nicht einmal, sondern rief nur noch laut und mit autoritärer Stimme, „Auroren, ich übernehme ab hier jetzt das Kommando. Es tritt Protokoll vierundfünfzig in Kraft." Und kaum waren diese Worte verhallt, erhoben alle Zauberer des Ministeriums ihre Stäbe und richteten sie auf die Menschen im Raum...

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