Kapitel 74
„Mister Potter"
Poppys Stimme, obwohl leiser als gewohnt, brachte Harry dennoch dazu hochzuschrecken. Er schaute sich kurz orientierend um und sah sich dann der alten Heilerin gegenüber. Allerdings blieb die Standpauke, wieso er bei Hermine im Bett lag, aus. Vielmehr informierte Poppy den Gryffindor, dass er und seine Liebste gehen durften. Harry nickte und blickte dann zu den beiden Prinzen hinüber. Beide schliefen noch und Madame Pomfrey meinte, dass sie die Zwei etwas später zum Frühstück wecken und in die Große Halle begleiten würde.
Mit einem Kuss weckte Harry seine Freundin und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Beide gingen noch mal kurz in den Gryffindorturm hoch, um sich umzuziehen und trafen kurze Zeit später in der Großen Halle ein. Dort wurden sie sofort von Ron und Damion bestürmt. Ihre Freunde wussten durch Damions Dad schon ein wenig mehr als der Rest der Halle. Allerdings verstummte alles und jeder keine zwei Minuten später, denn Professor McGonagall betrat die Halle. Dies war an sich nicht wirklich ungewöhnlich, doch ihre Begleitung dafür umso mehr.
„Oh mein Gott, die Königin", flüsterten viele und jeder Kopf reckte sich in Richtung Hallentür. Erhaben wie sie es einst gelernt hatte, schritt Elizabeth II durch den Hauptgang in Richtung Lehrertisch. Doch Harry spürte, dass es für die ältere Dame doch ungewohnt war. Hier befand sie sich schließlich in einer Halle voller Hexen und Zauberer mit Kräften, die sie sich nur schwer vorstellen konnte.
Schließlich kam Elizabeth an Harry vorbei und nickte dem Gryffindor kurz zu. Naturgemäß wurde dieser sofort rot, erwiderte aber den Gruß, was ihm den fragenden Blick nicht weniger einbrachte. Letztlich erreichten die Direktorin und ihr Besuch den Lehrertisch, doch bogen sie kurz davor nach rechts ab und schritten nun auf einen reichlich gedeckten Tisch zu, welchen Harry bisher gar nicht wahrgenommen hatte. An ihm wollte sich die Königin gerade niederlassen, da wurde die Aufmerksamkeit aller wieder in Richtung Tür gelenkt. Nun war es besonders an den Mädchen im Saal, lauter zu werden, denn Poppy führte William und Harry in die Große Halle.
„Oh mein Gott, das ist Prinz William", rief Lavender Brown aufgeregt und überprüfte rasch mit ihrem kleinen Make- up- Spiegel ob auch noch alles an seinem Platz war. Harry konnte über so ein Benehmen nur mit den Augen rollen und beobachtete dann, wie die beiden Jungen leicht unsicher in Richtung ihrer Großmutter geführt wurden. Allerdings geschah im nächsten Moment etwas, mit dem wohl keiner gerechnet hatte, denn kaum auf der Höhe vom Gryffindortisch, stockte William plötzlich und schaute hinüber zu seiner Großmutter und dem Tisch, an welchen sie saß und auf ihre Enkel zu warten schien. Danach blickte er zu Harry und bedeutete seinem jüngeren Bruder mit einem kurzen Nicken, er solle ihm folgen.
Zwei Sekunden später standen die beiden Hoheiten am Gryffindortisch und William fragte direkt an Harry gewandt, „Dürfen wir uns hier mit hinsetzen?" Erstaunt blickte Harry ihn an und drehte dann seinen Kopf in Richtung Queen. Da diese aber nichts tat, außer ihren Retter von letzter Nacht anzuschauen, wandte sich Harry wieder um, grinste schelmisch und erwidert, „Klar, warum nicht". Dabei bedeutete er Ron und Damion, ob sie etwas rutschen konnten und nachdem dies geschehen war, ließen sich die beiden Prinzen am Gryffindortisch nieder.
Eine Person im Raum schien diese Aktion der Gryffindors allerdings etwas aus dem Konzept zu bringen, denn die Direktorin starrte zu ihrem alten Haus und sagte leicht stockend, „Ja aber, eure Hoheit... wir haben doch... ihr Tisch..."
„Ist schon gut, Professor McGonagall", erklang die Stimme der Königin. „Lassen wir die Jungen doch bei der Jungend frühstücken. William und Harry sind noch so voller Fragen und warum sollten wir das Beantworten dieser nicht Menschen überlassen, die in ihrem Alter sind und auch ihre Sprache sprechen."
„Natürlich", erwiderte die Direktorin leicht pikiert und sah dann etwas unsicher zwischen dem doch nicht sehr kleinem Tisch der Königin und ihrem angestammten Platz hin und her. Elizabeth II bemerkte dies und lächelte, „Minerva, warum setzten sie sich nicht mit zu mir und vielleicht sollten wir auch ihre Kollegen zu uns bitten. Der Tisch ist groß genug und auch wenn meine Erziehung mir anderes auferlegt hat, bevorzuge ich es doch, mich beim Frühstück ein wenig zu unterhalten."
Die Direktorin brauchte noch einen Moment, verstand dann aber und kurz darauf wechselte ein Großteil des Lehrkörpers seinen Platz. Jeder begrüßte die Queen untertänigst und kleine Gespräche konnten beginnen. Bevor es aber gänzlich dazu kam, stellte sich Professor McGonagall noch einmal so hin dass jeder sie sah und wandte sich an die Schülerschaft.
„Ich bitte für einen Moment um Ruhe", rief sie, ohne einen Sonorus gebrauchen zu müssen und als alle Schüler zu ihr schauten, fuhr sie fort. „Wie ihr alle mitbekommen habt, wurde Hogwarts heute die große Ehre zuteil, ihre Majestät Königin Elizabeth II hier begrüßen zu dürfen. Ich hoffe doch wir alle werden ihren Besuch, und auch den ihrer beiden Enkel, der Prinzen William und Harry, für sie so angenehm wie möglich gestalten. Danke."
Mit diesen Worten nahm McGonagall nun endgültig Platz und das Frühstück konnte beginnen. Harry sah dem besonders entgegen, denn sein Magen knurrte schon eine ganze Weile. Während er aß beobachtete er seine Freunde, wie sie alle freudig die Fragen von William und seinem jüngeren Bruder beantworteten. Andererseits war der Gryffindor aber auch erstaunt, wie viel die beiden Prinzen doch schon von der Zaubererwelt wussten, wenn gleich man ihr Weltbild von Harry noch um einiges korrigieren musste. Aber das übernahm ja schon Hermine, der als erste klar geworden war, dass die Menschen nach Voldemorts erstem Fall, ihren Liebsten wohl schon als Heiligen angesehen hatten.
Eine Stunde später, irgendwie dehnte sich das Frühstück am heutigen Sonntag besonders nach hinten aus, ertönte dann schließlich ein leiser Gong von Haupttor her und die Direktorin entschuldigte sich kurz bei ihrem Gast. Sie eilte aus der Halle und kam erst zehn Minuten wieder zurück. Dies allerdings nicht allein, sondern in Begleitung von Kingsley, Prinz Charles und Hermines Eltern. Letztere stürmten auch sofort zu ihrer Tochter und umarmten sie überglücklich. Beim Kronprinzen und seinen Söhnen ging dies zwar etwas steifer vonstatten, aber Harry spürte, dass Charles auch sehr erleichtert war.
Wenig später erklärte die Direktorin dann das Frühstück für beendet und bat den Großteil der Schüler, die Halle zu verlassen, da man sie fürs Mittagessen ja wieder hergerichtet werden musste. Harry ahnte aber, dass dies, und gerade weil er und Hermine zurück bleiben sollten, nur ein Vorwand war, um etwas Ruhe ins Schloss zu bekommen. Dass die Anweisung der Direktorin in Anbetracht des Besuches allerdings auf etwas Widerstand stieß war für die alte Hexe dann doch so etwas wie ein kleiner Schock. Doch zum Glück gab es ja da noch Harry, den Helden in Ausbildung, und nachdem der ein paar kurze Worte mit Ron gewechselt hatte, und dessen Gesicht wiederum plötzlich geheimnisvoll funkelte, stand der Gryffindor plötzlich auf.
„Ähm Professor, bevor die meisten hier aus der Halle verschwinden, wollte ich sie noch bitten, und sei es der alten Zeiten wegen, dass sie Gryffindor daran erinnern, dass heute, oder besser gesagt, gleich im Anschluss ein kleines Sondertraining auf dem Quidditchfeld stattfindet."
„Wirklich Mr. Potter?", fragte Professor McGonagall perplex und Harry musste nachlegen.
„Jaaaa Professor, sie selbst haben es doch erlaubt. Und es passt ja auch zeitlich perfekt, denn was wäre für unsere beiden jungen Prinzen hier ein Hogwartsbesuch, oder besser ein Besuch in der Welt der Magie, ohne ein einziges Mal Quidditch zu erleben."
Viele der Schüler stöhnten auf, besonders die weiblichen Angehörigen der Schülerschaft. Der Direktorin war diese Reaktion dann endlich der letzte Pfennig, damit der Groschen zum Rutschen komplett war. Sie lächelte und stimmte ihrem Schüler vollends zu. Und kaum hatte sie das getan, stürmten auch schon die ersten Schüler, wohlgemerkt diejenigen, die sich vorher noch am lautesten brüskiert hatten, aus der Halle und in Richtung Quidditchfeld.
Schließlich blieben nur noch Harry, Ron, Hermine und die Erwachsenen in der Halle. Ginny und Damion hatten Ron bescheid gegeben, dass sie seine Trainingssachen mitbringen würden und so stellten sich Harry und sein bester Freund an den Lehrertisch und erwarteten das Urteil der Direktorin. Professor McGonagall brauchte aber noch einen Moment, um mit Madam Hooch zwecks der Aufsicht zu sprechen und wandte sich danach an ihre Schüler.
„Mein lieber Mann, Mr. Potter. Sie schalten genauso schnell wie ihr Vater, denn auch dieser hätte es nicht besser geschafft, alle so schnell aus der Halle zu bekommen. Bleibt mir nur noch, ihre Majestät zu fragen, ob sie ihren Segen dazu gibt, ihre beiden Enkel in die Obhut von Mr. Weasley zu geben."
McGonagall schaute sich zur Queen um, die gerade von William und Harry in die Mangel genommen wurde und nachdem diese sich nicht wehren konnte und ihr OK gab, schnappte sich Ron auch schon die beiden Royals und führte sie aus der Halle. Kurz vorm Erreichen der Tür rief die Direktorin dem Rothaarigen noch zu, dass sie die beiden unbeschadet wiederhaben wollte, doch das schienen die drei nicht mehr zu hören und auch nicht die Frage der Königin.
„Wieso meinen sie unbeschadet, Direktorin?"
Professor McGonagall lachte leicht und erwiderte, „Nun eure Majestät, sie glauben doch nicht, dass William und Harry nur dasitzen werden, um Gryffindor beim Training zu zuschauen.."
„Was? Wie?", fragten die Queen und ihr Sohn zeitgleich, worauf sich Harry einmischte.
„Nun, was die Direktorin meint ist, dass William und Harry bestimmt auch mal fliegen wollen. Ich habe daher meinen besten Freund Ron gebeten, sie unter seinen Fittiche zu nehmen und ihm auch meinen Besen zur Verfügung gestellt."
„Ja aber, glauben sie wirklich, dass meine Söhne überhaupt fliegen können?", fragte Prinz Charles, mal abgesehen davon, dass ihm nicht ganz wohl bei der Sache war.
„Ja, euer Hoheit. Die Magie in ihnen ist zwar zu schwach, als dass sie als Zauberer durchgehen würden, doch sie ist stark genug, um Hogwarts zu sehen und sich in ihm bewegen zu können. Den Rest macht eh der magische Besen."
Eine bessere Erklärung hätte Professor McGonagall nicht geben können und um diese noch zu untermauern, mischte sich Kingsley ein und erklärte Prinz Charles, dass er zum Beispiel Hermines Eltern kurz vor ihrer Ankunft jeweils eine kleine Phiole mit einem Trank geben musste, der es ihnen zeitweise ermöglichte, Zauber wie sie Hogwarts umgab und die das Schloss vor neugierigen Muggelaugen schützten, zu umgehen. Nachdem dies geklärt war, kam man zum eigentlichen Grund, warm die Schüler die Halle verlassen sollten. Man kam auf den gestrigen Abend zu sprechen.
„Setzen sie sich zu uns", forderte die Direktorin Harry und seine Liebste auf. Die Beiden taten es und sahen dann in die erwartungsvollen Augen der Erwachsenen.
„Also, Mr. Potter, was ist denn nun genau geschehen. Ich habe zwar den Bericht ihrer Majestät gehört, doch dieser sprach von Orten und Dingen, die ich noch niemals gehört habe. Und dann scheint es mir so, als wollte ..." – McGonagall schaute nun etwas entschuldigend zur Queen. – „ ... als wollte mir ihre Majestät nicht alles sagen."
Harry schaute dankbar zur Königin und dann wieder zur Direktorin. Was sollte er machen? Konnte er ihr in soweit vertrauen, dass er sein Erbe erwähnte? Hermine schien sein Zögern richtig zu deuten und drückte sanft unter dem Tisch Harrys Hand. Damit war die Sache beschlossen und der Gryffindor zückte seinen Zauberstab. Er schwang ihn kurz und hüllte alle am Tisch in einen Zauber, der Lauschen unmöglich machte. Dann atmete Harry noch mal tief durch und begann.
„Also Professor, hier die Fakten, soweit ich sie beurteilen kann. Während des Banketts gab es einen Anschlag auf die Königin von Großbritannien. Ausgeführt wurde dieser von einem Diener des Palastes, der jedoch unter dem Imperiusfluch stand. Ansonsten hätte diese Diener diese Untat niemals versucht, denn man konnte es allein schon an seinen Worten und an seinem Versuch, dem Fluch entgegen zu wirken, ganz deutlich erkennen, dass er loyal zu seiner Königin steht."
„Ja aber wie sind sie der Explosion entkommen, Mr. Potter.", fragte Prinz Charles und Harry sah den Thronfolger nun direkt an.
„Nun eure Hoheit, ich denke mal Glück, etwas geschichtliches Wissen und gute Reflexe sind wohl die Hauptfaktoren gewesen. Ansonsten wäre die ganze Sache anders ausgegangen. Doch wie gesagt, haben wir es überlebt ..."
„Sie drucksen ein wenig", ermahnte die Direktorin Harry und schließlich gab sich der Gryffindor einen Stoß.
„OK, ich sags ja schon. Alles fing an in dem Moment wo Prinz Charles uns verließ und der Diener herein kam. Mir war zwar zuerst nicht bewusst, dass er unter dem Fluch stand, doch meine Aufmerksamkeit war eh mehr auf die Koboldsprengkapsel gerichtete ..."
„Koboldsprengkapsel", sagte Kingsley überrascht und Harry nickte.
„Ja Kingsley, ich hab darüber in einem Geschichtsbuch gelesen und sie daher erkannt. Und weil sie schon aktiviert war, und weil die Zeit äußerst knapp wurde, kam der Reflex ins Spiel und ich habe uns alle nach Potter Castle teleportiert."
Im nächsten Moment starrten alle diejenigen, welche es nicht life erlebt hatten, den Gryffindor mit großen Augen an. Sie alle hatten gleich mehrere Dinge zu verdauen und an den ersten Stellen standen da die Worte wie „Teleportiert" und „Potter Castle". Letzteres wurde dann auch zuerst angesprochen und somit hatte Harry noch ein wenig Zeit, die Sache mit dem Teleportieren in die richtigen Worte zu fassen.
„Potter Castle?", fragten Kingsley und die Direktorin zeitgleich und Harry lächelte geheimnisvoll. „Ja Professor, mein Geburtshaus. Oder das Schloss meiner Vorfahren, wenn sie so wollen."
„Ja aber davon habe ich noch nie gehört, Mr. Potter", stellte Professor McGonagall nachdenklich fest. „Woher wollen sie dann davon wissen? Ganz zu schweigen davon, dass sie uns von seiner Existenz erzählen hätten müssen."
Harry wollte gerade erwidern, dass er selbst erst am gestrigen Abend hinter das Geheimnis des Schlosses gekommen war, da mischte sich Stephano Styls hilfreich ein. „Nein Minerva, das hätte er nicht. Es wäre seine Sache gewesen, wem er das Geheimnis anvertraut. Was mir allerdings etwas aufstößt ist die Tatsache, wie er an die Informationen über sein Erbe gekommen ist. Ich nehme mal an, du hast das Rätsel in deinem Kopf gelöst, obwohl ich dich gebeten hatte nicht zu voreilig zu sein..."
„Bitte Professor", sagte Harry abwehrend. „Es war ein Unfall während des Banketts. Ich musste mich irgendwie von Onkel Vernon ablenken und da ist es passiert."
Professor Styls musterte seinen Schüler eindringlich, auch wenn Harry spürte, dass er keine Leglimens anwendete. Dann erhellte sich sein Gesicht und er meinte, „OK Entschuldigung akzeptiert. Doch nun sag Harry, wie ist es in Potter Castle?"
Hier war nun der Punkt erreicht, wo der Gryffindor sämtliche Vorsicht fallen ließ und den anderen am Tisch erzählte, was er bisher über das Schloss wusste. Viel war es zwar noch nicht, doch mit einem bittenden Blick zur Direktorin hoffte er, dass diese Wissenslücken bald ausgefüllt werden konnten. Professor McGonagall willigte ein unter der Voraussetzung, dass sie und Steph mitkommen würden. Harry war dies nur recht und so kam man zum Thema Phönix und seiner Art zu reisen. Hier gab Harry sich dann aber wieder etwas bedeckt und wiegelte die Sache sehr schnell ab mit dem Hinweis, dass Nichtwissen manchmal von Vorteil sein kann.
Gegen Mittag dann beendeten die Versammelten ihre kleine Besprechung und man beschloss die nicht magischen Gästen durch einen kleinen Rundgang mit Hogwarts vertraut zu machen. Bevor dies aber losgehen konnte, stellte Kingsley, der bisher sehr ruhig war und die Dinge immer aus der Sicht eines Auroren sah, eine letzte Frage an den Gryffindor.
„Harry, eine Sache würde ich aber noch gern wissen. Könntest du dir vorstellen, dass der Anschlag nicht vielleicht doch dir gegolten hat? Ich meine, es gab ja doch einige Personen hier in Hogwarts und auch im Ministerium, die von deinem Besuch im Palast wussten."
Mit dieser Frage war natürlich die Aufmerksamkeit aller wieder auf Harry gerichtet. Hermines Freund antwortete aber sehr schnell und überzeugt, „Nein Kingsley. Der Diener ging direkt auf ihre Majestät zu und sprach sie an. Ich wäre nur ein Bonus gewesen. Offenbar will Voldemort nun richtig Chaos verbreiten, um die Unruhe anzuheizen. Irgendwas hat er vor. Er hat ein Ziel und wir sollten die Augen und Ohren offen halten, um so schnell wie nur möglich zu erfahren, welches dies ist."
„MISTER WEASLEY, das war verantwortungslos, dumm und zeugt von wenig Führungsqualität."
Poppys Stimme schien überall im Schloss zu erschallen und riss die Beteiligten der Schlossführung aus ihrem andächtigen Betrachten der Gemälde längst von ihnen gegangener Zauberer und Hexen. Sofort erblassten vor allem die Direktorin, Prinz Charles und die Königin. Letztere flüsterte dann auch etwas besorgt die Namen ihrer Enkel William und Harry und rasch bewegten sich alle in Richtung Krankenflügel, den Kopf voller schlimmer Vorahnungen.
Aufgebauscht wurden diese dann auch noch, da Poppy weiter wetterte und man nur vereinzelt mal Worte von Harrys rothaarigem Freund hörte. Dann aber durchschnitt das Geschimpfe ein lautes tierisches Heulen und Poppy verstummte augenblicklich. Harry und Hermine zuckten zusammen, während Professor Styls und die Direktorin ihre Zauberstäbe zückten. Was war passiert? Und war das eben wirklich Ron, der da geheult hatte? Die Antwort ließ sich sehr schnell mit ja beantworten, denn noch bevor man die Tür zum Krankenflügel erreichte, wandelte sich das Heulen zu einer menschlichen Stimme und sie war nicht minder gereizt in ihrer Art.
„Jetzt hör aber auf Poppy", rief der Rothaarige in einem Ton, den man so gar nicht von ihm kannte. Klar, die beiden waren nach dem letzten Sommer schon etwas Vertrauter. Einen gemeinsamen Freund zu pflegen verbindet schon mal. Doch dass sich der Rothaarige so gegenüber der alten Schulheilerin verhielt, nun das schien keiner erwartet zu haben.
„Bei Merlin, Poppy, er ist auf dem Hintern gelandet und hat einen kleinen Splitter im Finger. Meine Güte, wenn diese dämlich Ravenclaw sich nicht so aufgespielt hätte von wegen der Prinz wäre gestürzt, dann könnten er und ich noch ein wenig zusammen spielen."
Keiner der Beiden hörte, wie eine ganze Truppe besorgter Menschen in den Krankensaal stürmte. Kurz hinter der Tür stoppten sie aber abrupt und einige mussten sich erst einmal die Augen reiben, bei dem was sich ihnen bot. Mitten im Raum standen sich Ron und Poppy gegenüber und es sah so aus, als würde der Gryffindor Prinz William immer wieder hinter sich ziehen, damit die alte Schulheilerin, welche wohlgemerkt schon Zauberstab und diverse Tränke parat hatte, nicht an ihn heran kam.
„Aber er ist verletzt", begehrte Poppy auf, worauf Ron konterte „ja, ein blauer Fleck. Bei Merlin, er ist vom Besen gerutscht und auf dem Arsch gelandet. Wo ist da das Problem? Wenn wir Quidditchspieler mit so etwas zu dir kommen würden, könnten wir uns was anhören, von wegen Zeitverschwendung."
Die ganze Sache ging noch eine Weile so weiter, bis die Direktorin schließlich eingriff und sich bemerkbar machte. „Hm Hm", räusperte sie sich und die beiden Streithähne drehten sich um.
„Darf man erfahren, was hier los ist?"
Sofort erhellte sich das Gesicht der Heilerin siegessicher und Harry bekam ein ungutes Gefühl im Bezug auf seinen Freund.
„Oh Minerva, wie gut dass du kommst", begann Poppy, wurde aber zu ihren Entsetzen plötzlich von Professor McGonagall gestoppt. „Gleich Poppy", sagte sie und verlangte dann zuerst von Ron, dass dieser schilderte, was geschehen ist. Harrys Freund sah die Direktorin etwas verunsichert an, begann dann aber stockend zu erklären.
„Also Professor ... ähm... wir waren auf dem Quidditchplatz und haben den beiden Prinzen gezeigt, wie man mit einem Besen fliegt. Und dann ... dann ..."
„Dann habe ich einen Fehler gemacht und bin vom Besen gerutscht, Ma'am", mischte sich nun Prinz William unsicher ein. Harry und der Rest schauten überrascht zum Enkel der Königin, die ebenso wie die Direktorin erst mal zuhörte. Allem Anschein nach, ging es dem Jungen ja gut und so blieb sie die Ruhe selbst.
„Ja genau ...", griff Ron den Faden wieder auf. „Prinz William war gar nicht so schlecht beim fliegen. Obwohl fliegen würde ich es nicht nennen. Madame Hooch hat uns ja verboten höher als zwei Meter zu schweben. Und sie ist ja auch der Meinung, dass nichts passiert sei."
„Wirklich? Ist sie das?" fragte die Direktorin skeptisch und ihre Augen schienen Ron durchdringen zu wollen. Harry erinnerte sich, was seine alte Lehrerin mal über ihre Brille gesagt hatte und wartete nun darauf, wie sie urteilte.
„Ja ist sie, Professor", versicherte Ron schnell. „Madame Hooch meinte sogar, dass Quidditchspieler ohne Narben niemals Helden dieses Sportes werden könnten. Und seien sie doch mal ehrlich Professor, da hat sie recht. Und das hier, die ganze Aufregung wäre ja auch alles nicht gewesen, wenn diese blöde Kuh aus Ravenclaw nicht zu Poppy gerannt wäre und panisch Prinz Williams Sturz mit denen von Harry gleichgestellt hätte."
„Wen aus Ravenclaw meinen sie, Mr. Weasley. Und achten sie auf ihre Worte." Ermahnte die Direktorin den Rothaarigen, der daraufhin mit einem leicht zur Grimasse verzogenem Gesicht erwiderte.
„Na Stacy Gilligan natürlich. William wäre doch ein gefundenes Fressen für ihre Trophäensammlung gewesen. Als wenn ich den Prinzen ausgerechnet dem Mädchen anvertrauen würde, das mehr Meter Schwanz in sich hatte, als ich schon mit dem Besen geflogen bin ... und hey, ich spiele seit Jahren Quidditch."
‚Autsch, das war hart', dachte Harry bei sich und Professor McGonagall fuhr nun so richtig auf. „Mr. Weasley, ich habe ihnen gesagt, sie sollen auf ihre Worte acht geben. Was ist nur mit ihnen los? So ein Benehmen und solche Ausdrücke dulde ich nicht in Hogwarts und schon gar nicht vor unseren Gästen."
Harrys Freund zuckte unter den Worten der Direktorin förmlich zusammen und er drehte seinen Kopf beschämt zur Seite. Allerdings bemerkte Harry dadurch, besonders als die Sonne in die Augen seines Kumpels fiel, einen leicht gelblichen Schimmer und dem Schwarzhaarige wurde im nächsten Moment einiges klar. Rasch noch versuchte er sich an den gestrigen Abend zu erinnern und daran, wie der Mond bei ihrer Fahrt zum Buckingham Palast so über der Themse gestrahlt hatte.
„Ähm Professor", versuchte Harry die Aufmerksamkeit der Direktorin zu erlangen. „Ich denke, dass, wenn es Prinz William gut geht, wir die Sache hier beenden sollten. Ron und Madame Pomfrey können ihren Disput allein klären und es wartet ja noch das Gemälde von Albus auf uns."
Völlig perplex starrte McGonagall ihren Schüler an und auch die anderen waren mehr als nur verwundert. Einzig Ron schien über Harrys Eingreifen froh zu sein. Dann aber löste sich McGonagall aus ihrem Schock und wandte sich mit fragend strengem Ton an den Schwarzhaarigen.
„Und genau das wiederum glaube nicht, Mr. Potter. Man kann ein solches Benehmen nicht ungestraft lassen. Ich weiß ja, dass Mr. Weasley ihr Freund ist und sie immer füreinander einstehen, doch er ist auch Vertrauensschüler, begleitet für sie stellvertretend das Amt des Mannschaftskapitäns und hier geht es sowohl um das Beleidigen einer Mitschülerin als auch dem fehlendem Respekt gegenüber unserer Schulheilerin."
Harry schaute die Direktorin geduldig an und überlegte im gleichen Moment, wie er ihr nur beibringen konnte, was er meinte und auch, wie er ihr den Wind aus den Segeln nahm. „Ich verstehe das schon, Professor. Doch sollten wir Ron dafür nicht all zu streng verurteilen. Es ist halt gerade schwer für ihn, sich im Zaum zu halten."
„Bitte?", entfuhr es der Direktorin und Harry musste etwas nachlegen. Er sah noch mal kurz zu den anderen Gästen, atmete aufgebend tief durch, weil er es ja eigentlich nicht vor ihnen ansprechen wollte und erwiderte „Nun ja, Professor, Ron hat gerade, nun jedenfalls nennen wir in Gryffindor das immer so, ...seine Tage."
Augenblicklich wurde es im Saal still und jedes Augenpaar war auf Harry gerichtet. Na ja, fast jedes. Ron sah eher so aus, suche er im steinernen Boden eine Ritze, in die er sich verkriechen konnte. Glücklicher Weise gab es aber da noch den neuen Vorsteher von Gryffindor. Stephano Styls begriff wohl als erster, was Harry mit seiner eher ungewöhnlichen Aussage meinte und flüsterte der Direktorin etwas ins Ohr. Daraufhin wurde ihr Gesicht kurz nachdenklich und diesem folgte dann Erkenntnis.
„Oh natürlich! Wie konnte ich das vergessen? Und eigentlich hätte ich es erkennen müssen, als wir das Heulen gehört haben."
Die Worte von McGonagall, obwohl ja zutreffend, waren allerdings nicht sehr glücklich gewählt, denn nun sah sich die Direktorin von Hogwarts ein wenig in die Ecke gedrängt, da die Königin, ihr Sohn und auch der Rest der Gäste sie mit mehr als nur fragenden Blicken bedachte. Letztendlich gab die alte Hexe dann auf und mit dem Einverständnis von Ron, und unter der Bedingung, dass niemand später ein Wort darüber verlor, erzählte sie den Royals und auch Hermines Eltern die Geschichte um Harrys besten Freund. Wie jeder im Einzelnen darüber dachte, dass würde die Zukunft zeigen. Allerdings überraschten die Reaktionen Harry und seinen Freund ganz schön, denn keiner der Anwesenden zeigte wirklich Furcht und William bat sogar darum, Rons zweites Ich mal zu sehen.
Kurz darauf durchschnitt ein weiteres Heulen das Schloss und noch etwas später war die Sache auch schon gegessen. Blieb allen also nur noch der Besuch bei Dumbledore, der unbedingt noch mit der Königin sprechen und ihr seine Aufwartung machen wollte. Einzig Ron durfte den Krankenflügel doch nicht so schnell verlassen und Harry wünschte ihm viel Glück mit Poppy. Aber bestimmt würde die alte Heilerin dem Charme des Werwolfs mit dem roten Fellstreifen schon erliegen.
TBC
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