Kapitel 76

„Himmel brummt mir der Arsch"

Mit diesem schmerzvollen Ausspruch kam Harry in den Gemeinschaftsraum im Gryffindorturm und warf seinen Besen neben seinen Lieblingssessel am Kamin. Ron war ebenfalls fix und fertig nach dem Training, allerdings hatte der Rothaarige nicht wie sein Freund versucht, sich mit Klatschern anzulegen. Und so war es nur Harry, der wohl einige blaue Flecke bekam, besonders nachdem einer der Klatscher im voll auf die linke Pobacke geknallt war.

Hermine sah von ihren Hausaufgaben auf und warf ihrem Freund einen mitleidigen Blick zu. Harry war dies aber nicht genug und mit einem Dackelblick wandte er sich an den Lockenkopf. „Du Hermine, ich habe Schmerzen. Kannst du da nicht was tun. Mütter zum Beispiel legen sanfte Küsse auf die Wunden ihrer Kinder, damit es schneller heilt.

Eigentlich hatte Harry damit die zwei Schrammen im Gesicht gemeint, doch Hermine musste es irgendwie falsch verstanden haben. Sie stellte sich nämlich plötzlich vor ihn und mit einem Blitzen im Auge erwiderte sie. „Also wenn du glaubst, ich küsse dir jetzt deinen Hintern, dann hast du dich geschnitten."

Der ganze Gemeinschaftsraum johlte bei Harrys entsetztem Gesicht auf und Hermine sah ihn abwartend an. Rasch versuchte der Schwarzhaarige die Sache aufzuklären, nur um dann zu erkennen, dass ihn seine Freundin hoch genommen hatte. „Na warte", sagte er noch leise und schnappte sich Hermine. Er warf sie aufs Sofa, nagelte sie fest und begann sie solange zu kitzeln, bis Ron meinte, sie sollten sich ein Zimmer nehmen. „Gute Idee", erwiderte Hermine spitz und schon waren sie in Richtung Jungenschlafsaal verschwunden. Der Rest der Gryffindors sah ihnen mit großen Augen hinterher.

Bei Harrys Bett angekommen, küsste er seine Liebste erst einmal ausgiebig und zog dann seine Trainingssachen aus. Und während er dies tat, fragte Harry seine Freundin, wie ihr Nachmittag war. Hausaufgaben hatten sie kaum aufbekommen und selbst Hermine hatte sich eine kleine Auszeit vom Lernen für die Prüfungen genommen. Harry sah sie daher fragend an und bemerkte den leichten Rotschimmer auf den Wangen seiner Freundin.

„Hermine?", hakte der Gryffindor nach und der Lockenkopf meinte, dass sie sich zusammen mit den anderen die Bilder von Celine angesehen hatten. Nun war Harry natürlich ganz Ohr und bedachte seine Freundin mit einem neugierigen Blick. Hermine erzählte ihm aber nur, dass die Bilder wirklich wunderbar gelungen waren und dass man Collin auf dem Gebiet als ein Genie sehen konnte.

Allerdings brachte das Gespräch über die Nacktaufnahmen von Blaise Schwester etwas anderes bei Harry wieder ins Gedächtnis und er wandte sich an seine Freundin, die mittlerweile auf seinem Bett lag und den Gryffindor beobachtete, wie dieser letztendlich seine verschwitzten Boxer abstreifte.

„Ähm Hermine", begann Harry nachdenklich. „Was ich dich schon lange mal fragen wollte und es immer wieder vergessen habe. Die Fotos, ich meine die aus unserem persönlichen Album, die, die keiner außer uns sehen kann. Woher stammen die eigentlich? Ich meine, es sind doch einige sehr intime Momente, wie zum Beispiel unser gemeinsames Bad, du weißt schon, kurz bevor Myrthe gekocht wurde, dabei."

Hermine sah ihren Freund etwas überrascht an und eigentlich hatte sie ja gehofft, dass Harry die Bilder einfach mal so hinnahm, doch das tat der Gryffindor nicht und der Lockenkopf atmete tief durch. „Weißt du Harry, die Fotos stammen von Collin. Ich sagte dir doch, er ist ein Genie."

„Wie von Collin? Woher... willst du damit sagen, er war..."

„Nein Harry, war er nicht. Keine Sorge, wir waren bis auf Myrthe allein im Bad. Collin hat was gemacht, was viele nicht für möglich halten würden. Doch bevor ich es dir verrate, musst du mir versprechen nicht sauer zu sein..."

„Nicht sauer sein?" Harry sah seine Freundin leicht skeptisch an. Was hatten sie nur gemacht, um an diese Bilder zu kommen? Letztendlich nickte Harry und seine Freundin erklärte mit immer leiser werdender Stimme. „Also Collin hat die Fotos geschossen, während ich ihn mit in dein Denkarium genommen habe..."

„HERMINE", fuhr Harry auf, doch seine Freundin drückte ihm schnell ihre Hand auf den Mund.

„Nein Harry, lass mich weiter erzählen. Ich hatte Collin dabei unter einem bestimmten Zauber, der ihn sich nur auf das Photographieren konzentrieren ließ. Es war sogar sein eigener Vorschlag. Und ich habe sein Gedächtnis danach etwas beeinflusst. Aber alles auf seinen Wunsch und seine Einwilligung hin. Collin meinte, dass privat auch privat bleiben muss."

Harry schaute seine Freundin mit großen Augen an und musste die ganze Sache erst einmal verdauen, ganz zu schweigen, dass er es niemals für möglich gehalten hatte, dass man Bilder aus Erinnerungen ziehen konnte. Zu guter Letzt erkannte der Gryffindor jedoch, dass kein wirklicher Schaden an seiner oder Hermines Privatsphäre entstanden war und die Fotos mit Sicherheit einst eine gute Erinnerung darstellen würden. Daher ließ Harry das Thema fallen und kümmerte sich nun um seine Freundin. Er war ja schon nackt, ein kleiner Reinigungszauber war schnell gesprochen und was die Klamotten seiner Liebsten anging, nun ja, jeder hielt ihn doch für einen großen Zauberer... sicher fiel ihm da auch noch der passende Spruch ein...

„Filius, du hast jetzt erst mal die Oberaufsicht. Ich denke, wir sind spätestens heute Abend, oder vielleicht morgen früh wieder da."

Professor Flitwick nickte seiner Kollegin zu, während diese ihren Reiseumhang zuknöpfte. Dann wandte sich die Direktorin an Harry, der sich noch mal konzentrierte und dann alle bat, sich um ihn herum zu stellen und keine Angst zu haben. Zwei Sekunden später sah man in der Eingangshalle von Hogwarts einen riesigen Feuerball, der mehrere Personen mit sich riss.

Das Nächste was alle, die Harry begleiteten sahen, war die große Treppe im Eingangsbereich von Potter Castle. Harry erkundigte sich, ob es allen gut ging und die meisten nickten. Einzig Professor McGonagall schien ein wenig schwindlig zu sein. Doch die alte Hexe meinte, es komme wohl eher vom Überraschungseffekt der doch sehr ungewöhnlichen Art zu Reisen. Doch das flaue Gefühl im Bauch der Direktorin verschwand sofort, als sie zwei Stimmen vernahm, die sie seit über sechzehn Jahren nicht mehr gehört hatte.

Lily und James Potter standen in ihren Bilderrahmen und begrüßten die Gäste im Schloss der Potters. Minerva McGonagall traten bei diesem Anblick einige Tränen in die Augen und sie ging näher an ihre ehemaligen Schüler heran. Aufgehalten wurde sie dabei allerdings kurz von Trexus, der sie um ihren Umhang bat. Etwas überrascht zuckte die Direktorin zurück, doch der kleine Hauself bestand energisch, jedoch auf höflichste Art und Weise darauf, dass man ihm das Kleidungsstück reichte. Wenig später waren auch die anderen vorgestellt und Harry samt seiner Freundin, seinen beiden Lehrern und auch Ron gingen in den nächsten Raum.

Es handelte sich dabei um den kleinen Salon, merkte Trexus an. Harry allerdings schaute eher zweifelnd auf seinen kleinen Diener, denn ein Zimmer mit den etwaigen Ausmaßen von zehn mal zehn Metern würde er niemals als „klein" bezeichnen. Das Zimmer wiederum war sehr zweckdienlich eingerichtet und Harry vermutete, dass hier in früheren Zeiten meist gegessen wurde. Eine Tafel im rechten Teil unmittelbar vorm Kamin zeugte jedenfalls davon.

„Eindeutig gryffindorscher Einfluss", sagte Stephano Styls mit einem Lächeln, als er das Gold, die edlen Hölzer an Wand und Decke und das viele Rot begutachtete. Harry nickte und fragte dann an Trexus gewandt, ob der kleine Hauself nicht eine kurze Führung durch das Schloss machen wollte. Trexus wurde daraufhin etwas blass und schaute zu Boden, worauf sich Harry wiederum fragte, ob er etwas Falsches gesagt hatte. Vorsichtig trat er an seinen Diener heran und hob mit seiner rechten Hand den Kopf des Elfen etwas an. Trexus begann darauf zu zittern und flehte mit quäkender Stimme.

„Bitte Master, das Schloss... es ist... ist noch nicht ganz fertig."

„Aber das macht doch nichts, Trexus", erwiderte Hermine, worauf der Elf seinerseits plötzlich völlig umschlug und Harrys Freundin vorwurfsvoll anblickte.

„Miss, das Schloss der Potter steht für Ordnung und Stabilität, Traditionen und Macht und es wird nicht besichtigt, wenn es nicht in einem annehmbaren Zustand ist. Trexus ist selber böse mit sich, dass er es noch nicht geschafft hat. Trexus bittet seinen Meister hiermit auch vielmals um Vergebung für die nun entstehenden Unannehmlichkeiten. Doch Trexus ist hier allein, anders als..."

Der kleine Hauself hielt sich plötzlich seine Hand vor den Mund und sah sich panisch um. Harry hatte aber verstanden, was er gesagt hatte und fragte nun direkt, und ohne dass sich Trexus dem entziehen konnte, was er gemeint hatte. Mit angstvollem Gesicht und die großen Augen beschämt zu Boden gerichtet, erklärte ihm dieser daraufhin, dass es früher mindestens acht Hauselfen hier im Schloss gab.

„Acht", entfuhr es Ron, der gerade seine Mutter im Ohr hatte, und wie sie immer sagte, sie wäre schon zufrieden, wenn sie eine Elfe zweimal die Woche zu ihr verirren würde. Auch Hermine war erstaunt und schaute nun zu ihrem Freund. Harry allerdings wurde sich gerade bewusst, was es in früheren Zeiten geheißen haben muss, ein Potter zu sein. Nicht mal Lucius Malfoy hatte seines Wissens mehr Diener als Dobby. Und wie er dies dachte, durchzuckte ihn auch schon der nächste Gedanke. Wie wäre es, wenn er seinen kleinen Freund hier her rufen würde, damit dieser Trexus im Schloss unterstützte?

Und ohne weiter darüber nachzudenken, rief Harry auch gleich darauf laut nach seinem anderen Hauselfen. Ein leises Plopp erklang und Dobby erschien vor seinen Füßen. „Harry Potter, Sir, was kann Dobby für euch tun." Zu mehr war der ehemalige Diener der Malfoys nicht mehr imstande, denn plötzlich ertönte ein lautes, wütendes Fauchen und Trexus stürzte sich auf den anderen Elfen. Harry war zu geschockt, um zu reagieren und so entbrannte ein extrem schneller und harter Kampf zwischen den Beiden, welcher darin gipfelte, dass Trexus einen kleinen Dolch an Dobbys Kehle hielt und mit böse funkelten Augen darauf wartete, dass Dobby einen falschen Schritt machte, der sein Leben beendete.

„TREXUS NEIN", rief Harry entsetzt und wollte nach seinem Zauberstab greifen, doch dann sah ihn Trexus plötzlich an und fragte voller Unverständnis „Aber Sir, er ist ein Scham´kari?"

„Ein was?", kam es zeitgleich von Allen, während Dobby schluchzte und die großen, fledermausartigen Ohren hängen ließ. Trexus ließ dies aber unbeeindruckt und mit harter Stimme erklärte er. „Ein Scham´kari, ein Blutelf, ein Elfenmörder. Er hat einen anderen Hauselfen umgebracht und muss nun den Rest seines verdammten Lebens den Platz des Getöteten einnehmen. Er ist nicht würdig im Hause Potter zu dienen."

Harry erschreckte es ein wenig, wie kalt und man konnte fast sagen verabscheuend Trexus über Dobby sprach. Und ein weiteres Mal wurde dem Gryffindor klar, wie wenig er, oder in diesem Falle auch die anderen, von den Gebräuchen und Gesetzen anderer Rassen wusste. Eines wiederum wusste Harry aber jetzt schon und zwar, dass Dobby Hilfe brauchte. Daher sah er Trexus mit festem Blick an und verlangte, dass dieser den Elfen frei ließ. Etwas widerwillig gehorchte Trexus, aber immer noch einen wachen Blick auf Dobby gerichtet.

„Und nun ihr Beiden denke ich mal, dass es Zeit für eine Erklärung ist. Trexus...", - Harry wandte sich direkt an seinen neuen Diener. – „... egal wie eure Gebräuche und Gesetze aussehen mögen, Dobby ist ein sehr guter Freund von mir und ich sehe ihn niemals als Diener an. Du wirst es vielleicht nicht verstehen, doch der Elf, welchen Dobby getötet hat, den musst du als Schande für eure Rasse sehen. Durch Kreachers Benehmen kam sein früherer Herr zu Schaden und in indirekter Weise ist er sogar für dessen Tod verantwortlich."

Trexus Augen wurden immer größer und man merkte ihm an, dass er sich in seiner Haut nicht mehr ganz wohl fühlte. Leise fragte er, jedoch mehr zu sich selbst, „Kreacher? Der alte Elf der Blacks?"

„Genau der", erwiderte Harry. „Er hat seinen Herren verraten, hat dem dunklen Lord in die Hände gespielt und mit Sirius Blacks Tod ging er dann an mich über. Und weil ich ihm nicht vertraute, habe ich Dobby gebeten, auf Kreacher aufzupassen und in Folge dessen, ist es dann irgendwann passiert. Dobby hat mich sozusagen nur beschützt, auch wenn es eure Gesetze vielleicht anders auslegen."

„Ich verstehe Meister", kam es auf Trexus kleinem Mund. Und da sich auch Harrys Eltern einmischten, wandte sich der Hauself schließlich an Dobby und bat ihn um Verzeihung. Letzterer nahm diese an und wollte wissen, wo er mit der Arbeit beginnen solle. Da fiel Harry etwas auf und er wandte sich noch mal direkt an die Beiden.

„Dobby? Oder besser, Trexus? Eines würde ich dann aber doch noch gern wissen. Woher hast du gewusst, dass Dobby ein Blutelf ist, denn gesehen dürftet ihr euch ja noch nicht haben?"

Hier war es der Hauself von Potter Castle, dessen Augen plötzlich leuchteten und er antwortete. „Ich sah es an seiner Magie, Sir. Elfen verlieren bei solcher einer grausamen Tat einen gewissen Teil davon. Wenn ich es mir recht überlege, könnte dies hier auch ein Problem darstellen. Potter Castle ist sehr alt und voller Macht und kann, wenn sie es so wollen, sich sehr gut gegen die verteidigen, die ihm böse gesinnt sind. Daher wäre es vielleicht besser, wenn ihr euch mit Dobby bindet, mehr als nur den normale Master-Elfe-Schwur. Er würde dann nämlich die magische Signatur der Potters annehmen und könnte sich um einiges besser im Schloss bewegen."

Die Anwesenden im Raum horchten den Worten des kleinen Elfen aufmerksam zu und es war dann schließlich Hermine die fragte, wie diese Bindung denn zustande kommen sollte. Die Antwort war einfach und erinnerte an eine Passage aus einem Karl May Buch. Denn im Grunde kam es dem dortigen Ritual der Blutsbrüderschaft gleich.

Für Harry war dies kein Problem und er beschwor sofort ein Messer. Dobby hingegen schien die ganze Sache nicht so leicht zu nehmen und schaute nachdenklich auf die silbern glänzende Klinge in der Hand seines Herrn. Erst wollte Harry fragen, was denn mit Dobby sei, doch dann ließ er es, um den kleinen Kerl nicht zu drängen. Schließlich gab sich Dobby aber einen Ruck und willigte ein. Jeder der Beiden fügte sich einen kleinen Schnitt zu und nur kurz nachdem Harry und Dobby ihre zwei Wunden aufeinander gedrückt hatte, wurde Harry auch klar, warum sein Diener gezögert hatte. Während er nur ein leichtes Kribbeln verspürte, schien die Macht in Harrys Blut Dobby voll von den Beinen zu reißen.

Der Hauself begann zu zittern, verleierte die Augen, kippte letztendlich nach hinten um und wäre fast gegen ein Tischbein geknallt, hätte Hermine nicht reagiert. Harry schaute entsetzt zu seinem Freund, bis ihn das Lachen seines Vaters ablenkte. James Potter schien sich vor lachen kaum noch im Bilderrahmen halten zu können und Harry fand dies in Anbetracht der Situation mehr als nur unpassend. Folglich sandte er dem Portrait einen bösen Blick zu, bis ihn Lily Potter beruhigte und meinte, dass ihr Sohn ein wirklich mächtiger Zauberer sein musste, um einen Elfen umzuhauen.

„Ja aber Mum, warum lacht Dad dann? Ich finde es nicht witzig, wenn mein Freund ohnmächtig wird."

Harrys Mutter lächelte und erwiderte, „Ach Harry, sieh es deinem Vater nach. Er ist nun mal ein Kindskopf. Auf der anderen Seite wurde mein Lieber durch deine Aktion aber auch ein wenig an seine Jugend erinnert, in der er so etwas Ähnlich auch durchgezogen hat. Jedoch hieß das Ergebnis damals 1:0 für den Elfen."

Harrys Augen weiteten sich und seine Mum erklärte ihm mit einem nun sehr lehrerhaften Ton, dass er das nächste Mal, wenn er so etwas vorhat, Harry zu mindestens sich bei älteren Leuten erkundigen oder es in einem Buch nachlesen sollte. Rassenmischrituale konnten nämlich auch schief gehen.

Glücklicherweise erwachte Dobby kurz darauf und rettete Harry damit vor weiteren Belehrungen durch ein Portrait und war es auch seine Mutter. Der Gryffindor beugte sich zu Dobby herab und fragte, ob alles in Ordnung war. Daraufhin zeigte Dobby seine spitzen Zähne. Er lächelte und sprach dann plötzlich auch. Mit einem Leuchten im Auge wandte sich der kleine Elf an Trexus und fragte begierig, was zu tun sei. Kurz darauf sah man nur noch einen Kondensstreifen.

Das war dann der Punkt, wo Stephano Styls loslachte und meinte, dass Harrys Blut pures Doping sein musste und Dobbys Freundin Winky froh sein durfte, dass sie jetzt nicht hier war. Minerva McGonagall wollte ihren Kollegen für diese Bemerkung noch zu Recht weisen, doch es ging im Lachen aller unter. Schließlich ließ sich Trexus dann doch zu einer kurzen Schlossbesichtigung überreden und so setzte sich die kleine Gruppe in Bewegung zurück in Richtung Eingangshalle.

„Also Meister", begann Trexus mit weit ausholender Stimme. „Potter Castle ist weit über tausend Jahre alt und liegt durch mächtige Zauber gut versteckt unweit der schottischen Westküste."

„Wie weit?", fragte Hermine und es sah fast so aus, als rümpfte Trexus seine spitze Nase weil er unterbrochen wurde, doch er antwortete, „Ein bis zwei Stunden zu Pferd, Miss. Allerdings müsste man dabei den angrenzenden Wald durchqueren und dies sollten ortsunkundige Zauberer und Hexen tunlichst bleiben lassen. Aber ich bin abgeschweift. Also, Potter Castle ist gut versteckt und kann nur von denen betreten werden, die der Herr des Hauses mitbringt bzw. die durch ihn vom Schloss die Freigabe haben. Dazu komme ich aber später. Vorerst soll es ja nur eine kleine Führung geben..."

Harry musste schmunzeln, als er bemerkte, dass Trexus versuchte nicht all zu viel vom Schloss preis zu geben. Es kratzte wohl wirklich an seiner Elfenehre, wenn hier noch nicht alles perfekt war. Doch damit konnte sich Harry nicht aufhalten, wollte er einen möglichen Hinweis finden, warum Voldemort so an Hogwarts interessiert war. Daher drängte der Gryffindor seinen kleinen Diener etwas und fragte schließlich, „Trexus, ich habe gelesen, dass Potter Castle nicht weit von Hogwarts sein soll, stimmt das?"

„Merlin bewahre", fuhr ihr Führer auf und alle zuckten etwas zusammen. „Hogwarts liegt mehrere hundert Meilen von hier und man brauchte in früheren Zeiten mehrere Tage mit der Kutsche, um es zu erreichen. Allerdings benötigt man, um es zu finden nur einen einfachen Kompass, denn eine Besonderheit verbindet die beiden Schlösser. Sie liegen nämlich auf dem gleichen..."

„Meridian?", unterbracht Hermine ihn erneut, da ihr sofort klar geworden war, dass Trexus bei der Erwähnung des Kompass nur dies meinen konnte. Umso überraschter war sie, als der kleine Kerl den Kopf leicht schüttelte.

„Ja und nein Miss. Muggel nennen es zwar so, doch ich wollte sagen, sie liegen auf dem gleichen Magiekreis der Erde. Allerdings decken sich diese Linien fast gänzlichmit den Längengraden, der alten Seefahrer."

Harry kam nun nicht mehr umhin zu lächeln, da Trexus es geschafft hatte, seiner Liebsten einen offenen Mund zu verpassen. Scheinbar war Hermine der eben dargelegte Zusammenhang auch neu, doch war jedem im Raum klar, dass sich der Lockenkopf bestimmt noch damit beschäftigen würde.

Schließlich kamen Harry und die anderen vor einer großen, mit unzähligen Scheiben bestückten Doppeltür an und Trexus schnippte mit seinem Finger. Sofort erschienen die Reiseumhänge aller wie aus dem Nichts und mit einem Hinweis, dass es draußen doch sehr kalt sei, betraten alle kurz darauf eine Art Innenhof.

„Das ist nun der Kreuzgang von Potter Castle, meine Herrschaften. Wie sie sehen ist er sehr stark an die Bauweise mancher Muggelklöster angelehnt und er beherbergt unter anderem einen kleinen Kräutergarten, eine Spielplatz für große und kleine Kinder und verschiedene Zierteiche, die aber zu meinem Bedauern erst wieder hergerichtet werden müssen."

Harry starrte erst auf Trexus und dann in den Innerhof. „Meine Güte, wie groß ist das Schloss eigentlich, Trexus?",fragte der Gryffindor, wenn er bedachte, dass das ihm gegenüberliegende Gebäude noch vom morgendlichen Nebel verdeckt war und bekam als Antwort, „Nun Meister, die ungefähren Außenmaße der im Karree angelegten Flügel von Potter Castle betragen in etwa zweihundert mal zweihundert Meter. Darum zieht sich noch der Park mit seinen diversen Pavillons, dem Quidditchfeld und schließlich die äußere Mauer."

Trexus zähle dies auf, als wäre es nichts, während die Gesichter seiner Zuhörer immer länger wurden. „Wie groß sagst du? Wer soll hier denn alles leben? Harry konnte nicht anders, er musste es einfach fragen. Sein Hauself hingegen schien schon eine Antwort auf die gestellten Fragen parat zu haben und seine gelben Zähne blitzten kurz auf.

„Nun Meister, wir sprechen hier immerhin von einem Schloss und wenn ich mich recht erinnere gab es in früheren Zeit eine Menge Menschen, die hier lebten. Im Ostflügel zum Beispiel wohnten die Herrschaften und ihre Gäste, während im Südflügel, wo sich auch der Haupteingang befindet, das öffentliche Leben stattfand. Meister, die Potters waren immer sehr angesehen und es gab bis vor gut zwanzig Jahren, als ihre Großeltern unglücklicherweise auch dem dunklen Lord zum Opfer fielen und das Schloss als zerstört erklärt wurde, fast jede Woche einen Ball oder ein anderes Ereignis im Schloss."

„Wirklich? Jede Woche?", hakte Harry nach und da sogar Professor McGonagall plötzlich nickte, musste dies wohl stimmen.

„Ja Meister, ihr Großvater war in vielen Gesellschaften und Gremien vertreten. Da war dies nicht zu vermeiden. Doch ich bin schon wieder abgeschweift. Denn wir haben ja noch den West- und Nordflügel."

Harry bedeutet Trexus fortzufahren, auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, was man in diesen Gebäuden noch unterbringen konnte. Doch es ging, wie sich bald herausstellte und da wurde der Gryffindor dann doch überrascht.

„Im Westflügel, demjenigen mit den meisten Fenstern und damit dem meisten Licht, befinden sich die Arbeitszimmer der Herrschaften, die Bibliotheken, der Billardsalon und der große Studienraum. Was nun den Nordflügel angeht, so gehörte dieser fast ausschließlich dem Gesinde, wobei die Elfen im Keller und die menschlichen Mägde und Knechte unter dem Dach wohnten. Der Rest waren Wirtschaftsräume wie Küche, Wäscherei und was man sonst noch so braucht, um ein solch großen Schloss zu bewirtschaften."

Nun waren wirklich alle baff und es war sogar Professor Styls der den kleinen Hauselfen fragte, wie es zu verstehen war, wenn er von Mägden und Knechten sprach. Er dachte, dass dies alles von den acht Hauselfen erledigt wurde. Trexus schüttelte darauf den Kopf. „Nein Professor Styls, Sir. Wir Elfen waren nur für die Familie Potter zuständig, oder besser gesagt, wir haben Dinge getan, die Elfen weitaus effizienter erledigen konnten als Menschen. Doch es gab Räume, Zeiten und Anlässe im Schloss, wo wir Elfen keinen Zutritt hatten. Meistens handelte es sich dabei um die Salons, wo Gäste empfangen wurden. Oftmals waren nämlich sehr viele Muggel darunter und somit war es für uns tabu."

„Und die Mägde und Knechte?", fragte Harry.

„Die arbeiteten hier als Zimmermädchen und Bedienungen bei eben solchen Anlässen oder wenn sie die Knechten nehmen, auf den Feldern, den Gärten und im Gestüt."

„Gestüt?", brach es aus Hermine heraus, da Pferde so eine Sache waren, mit der man sie vielleicht sogar davon abhalten konnte, in eine Bibliothek zu gehen.

„Natürlich Miss. Die Potters waren bekannt dafür, die besten Pferde Englands zu züchten. Und ihr Ruf ging dabei auch weit über die Inselgrenzen hinaus. Nicht wenige Champions stammte von hier, bis der Krieg kam."

Harry wurde es langsam unheimlich, wenn er dies alles hörte. Wieso hatte ihm niemals jemand davon erzählt? Und langsam bekam er, unter Berücksichtigung der Unterlagen von Gringotts, auch etwas Angst, was auf ihn zu kommen würde, hätten sie Voldemort irgendwann mal besiegt. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg und man brauchte für Diesen Informationen. Deshalb unterbrach Harry seinen Hauselfen, der mittlerweile eine Menge Zahlen und Daten zum Schloss an seine Zuhörer weitergab, und fragte, „Trexus, du hast gerade erwähnt, dass es im Westflügel eine Bibliothek gibt. Könntest du uns dort hinbringen?"

„Nicht eine, Meister, sondern zwei Bibliotheken.", erwiderte Trexus stolz und lächelte leicht, als die anderen den Mund nicht wieder zu bekamen. „Zum einen gibt es da die legendäre Potterbibliothek, welche nur den Herrschaften und Angehörigen der Familie vorbehalten war und dann die kleinere, welche zusammen mit dem Studienraum allen Bewohnern im Schloss offen stand. Hier lernten meist die Mägde und Knechte oder deren Kinder das Lesen und Schreiben. Sir Adobart Potter, ihr Ur-Ur-Urgroßvater hatte dies in seinem letzten Willen verfügt, da er bei jedem Menschen das Recht auf Bildung sah und nicht nur bei denen, die es sich leisten konnten."

Diese Informationen immer noch verdauend, setzte sich der kleine Tross in Bewegung und folgte Trexus durch verschiedene Gänge voller Prunk und Marmor schließlich in den Westflügel und damit in die Bibliothek. In ihr angekommen schüttelte Harry erneut leicht den Kopf, denn das was ihn erwartete, war viel mehr, als er gedachte hatte. Die Potterbibliothek kam der von Hogwarts nahe und schon auf den ersten Blick sah man, dass hier ein unschätzbares Wissen lagerte.

„Ich denke wir teilen uns auf und versuchen an verschiedenen Stellen Hinweise zu finden", schlug Professor McGonagall vor und ihre Mitstreiter stimmten zu. Harry bat Trexus um ein paar kleine Snacks und entließ dann seinen kleinen Diener, da dieser unbedingt mal nach Dobby schauen wollte. Harry war dies nur recht, denn in den nächsten Stunden hatten sie alle bestimmt eine Menge zu tun. Der Gryffindor versprach Trexus aber, dass er ihn sofort rufen würde, wenn er Hilfe bräuchte.


„Und, schon was gefunden?"

Harry war nach gut vier Stunden auf seinem Platz mal aufgestanden, um sich die Beine zu vertreten und den Kürbissaft wegzubringen. Jetzt stand er hinter Ron, welcher sich das erste Regal der Bibliothek vorgenommen hatte und hoffte auf ein wenig Informationen.

„Leider nein Harry, bisher nichts. Obwohl manche Bücher hier sehr weit in die Geschichte zurückgehen und meist von Duellgebräuchen und Waffenkunde handeln. Wusstest du Harry, dass Quidditch früher eigentlich als eine Methode zum Gruppenduellieren erfunden wurde? Es hieß damals auch noch Blut- oder Rachequidditch und wurde bis zum Tode gespielt. Erst im dreizehnten Jahrhundert entdeckte man seine hohe Popularität unter der Bevölkerung und wandelte es als Spiel ab. Es heißt, die eisernen Dornen wurden aus den Klatschern entfernt und der magische Schnatz kam hinzu, um dem Spiel ein anderes Ziel zu geben, als die Gegner auf blutige Art und Weise zu erledigen."

Harry schaute seinen Kumpel mit großen Augen an und Ron zuckte etwas zusammen. Irgendwie hatte er wohl vergessen, warum sie eigentlich hier waren und rasch murmelte der Rotschopf eine Entschuldigung. Harry schmunzelte jedoch, denn er war nicht böse auf Ron, sondern nur überrascht. Erleichtert nahm sich Ginnys Bruder das nächste Buch vor und sein Kumpel ließ ihn damit allein. Harry kehrte auf seinen Platz zurück und verfolgte weiter die Bücher über die Ahnenreihe der Potters. Irgendwo musste doch was stehen, was ihm den Hinweis gab, ob sich hier im Schloss etwas befand, dass ihnen weiter helfen konnte.

Den anderen Gästen des Schlosses erging es nicht anders. Die beiden Professoren waren zwar etwas schneller beim Suchen, da sie in etwa wussten, wo sie was, wann abgespielt haben könnte, doch so wirklich weiter kamen sie nicht, da es ihnen genau so wie Ron erging und sie sich in manchen Themen einfach fest lasen. Bei der Direktorin waren es hauptsächlich Themen, die sich mit früheren Arten der Verwandlungen beschäftigten, und hier war die Bibliothek eine wirkliche Goldgrube. Und Professor Styls? Nun der hatte einen ganzen Bibliotheksflügel für sich mit der Bekämpfung von schwarzer Magie und alten Artefakten.

Gegen fünf Uhr, die Sonne war längst hinter dem Wald verschwunden, betrat Trexus die Bibliothek mit einem Tablett voller Tee und Gebäck. Allerdings glitt ihm dieses im nächsten Moment aus den Händen, da ein lauter Schrei durch die Hallen fuhr. Es war Hermine, die aufgeregt schrie und keine zwei Sekunden später von ihren Freunden und den beiden Lehrern umringt war. Harry, als erster bei seiner Liebsten eingetroffen, stockte schockiert, als sein Blick auf das Blut an Hermines Hand fiel.

„Hermine, was ist passiert?", fragte der Gryffindor mit erstickter Stimme und seine Freundin deutete zitternd auf eine alt wirkende, hölzerne Tür, die unscheinbar zwischen zwei Regalen eingearbeitet war. Allerdings ging ihr Blick dabei nicht nur auf die Tür selbst, sondern eher auf die Klinke, an welcher man ganz deutlich noch ein paar Tropfen ihres Blutes erkennen konnte. Die Türklinke hatte die Form eines Drachenkopfes und war im Gegensatz zur einfachen Tür sehr filigran gearbeitet. Doch am Seltsamsten war, dass es den Anschein hatte, als hätte der Drachen Hermine gebissen.

Harry blickte von der Tür zu seiner Liebsten zurück und heilte zuerst einmal die Wunde an ihrer Hand, die sich tatsächlich als Biss herausstellte. Geschockte fragte er, was passiert sei und Hermine antwortete, „Ich wollte schauen, was hinter der Tür ist, doch als ich nach der Klinke griff, der ertönte zuerst ein leises Grollen und dann schnappte der Drachen auch schon nach mir."

Überrascht schauten alle zur Tür und zum kleinen Drachen. Einzig Harry kam etwas anderes in den Sinn und er rief nach Trexus, der gerade dabei war, sein Missgeschick verschwinden zu lassen.

„Sie haben gerufen, Master Harry?"

„Ja Trexus, das habe ich", erwiderte der Gryffindor und bat darum, dass sich sein Diener nicht immer vor ihm verbeugte. „Und ich hoffe, du kannst mir helfen, diese Tür zu öffnen. Irgend ein Zauber liegt auf ihr und vielleicht weißt du ja, wie man ihn aufhebt?"

Trexus schaute neugierig zur Tür und zum Drachen, schüttelte dann aber mit dem Kopf. „Nein Meister, Trexus kann ihnen dabei nicht helfen, denn es war uns Dienern nicht gestattet, die Bibliothek zu betreten."

„Wirklich?", fragte Ron. „Aber du bist jetzt hier?"

Harry schaute zu seinem Kumpel und stellte überrascht fest, dass Ron irgendwie Recht hatte. Daher blickte er zu Trexus zurück und bedachte den kleinen Kerl mit einem fragenden Gesicht.

„Oh Mr. Weasley Sir, das ist einfach zu beantworten. Trexus hat den Auftrag von Master James erhalten, seinem Sohn alles über das Schloss zu berichten, was er weiß und daher gilt die Anweisung aus den alten Zeiten nicht mehr für mich. Allerdings bin ich auch erst nach meinen Erwachen zum ersten Male hier drin gewesen und weiß dadurch auch nicht mehr als sie."

Diese Erklärung war für Harry nur zu logisch und er dankte Trexus für diese Informationen. „Einen Versuch war es ja wert", sagte er zu sich selbst und beschaute sich dann, wie auch Professor Styls, die Tür genauer. Dabei fiel ihm auf, dass diese dann doch nicht so einfach aussah, wie es am Anfang den Anschein machte. Bei näherer Betrachtung konnte man nämlich noch weitere Details erkennen, die doch sehr ungewöhnlich schienen. Zum einen gab es also die Klinke in Form eines Drachens und dann war da eine Inschrift auf Latein, welche jedoch fast nicht zu erkennen war, da auf dem Rest des Türblattes unzählige Buchstaben kreuz und quer angeordnet waren.

„Sechsundzwanzig", sagte Stephano Styls plötzlich und alle schauten sich zu ihm um. „Ich meine die Anzahl der Buchstaben. Das ganze Alphabet ist darauf vertreten und ich denke, das dies auch irgendeinen Zweck hat."

„Da hast du bestimmt Recht, Steph." Meinte Professor McGonagall und schaute in die Runde. „Doch wofür könnte man sie gebrauchen? Und dann diese Inschrift. Sie ist doch schon sehr merkwürdig, wenn auch vertraut."

Hier wurde Harry nun plötzlich hellhörig und bedachte die Direktorin mit einem fragenden Blick. Was wusste sie, was er nicht wusste? Und mit nachdenklichem Gesicht las er leise die lateinischen Worte vor...

Draco dormiens nunquam titillandus