Kapitel 79

„Bei Merlin, was ist denn hier los? Und was sind das für Eulen?"

Die Direktorin legte einen energischen Schritt ein, zückte ihren Zauberstab und sorgte erst einmal mit ein paar lauten Donnerschlägen für Ruhe in der Halle. Etwas, für das Professor Flitwick ihr sehr dankbar war. Denn dieser sah sich gerade nicht dazu in der Lage, da ihn mehrere der schwarzen Eulen bedrängten und immer wenn er oder ein anderer nach seinem Zauberstab griff wütend nach dem kleinen Lehrer schnappten.

Der Lärm, welchen die Direktorin verursachte, half jedoch zumindest in soweit, dass sich die Eulen etwas zurückzogen, ihre Briefe aber dennoch in den Krallen behaltend. Einige flogen hoch in das Gewölbe der Großen Halle und der Rest suchte sich ein Plätzchen auf den Ritterrüstungen an den Flanken des Raumes. Von dort aus suchten die Vögel mit wachem Blick den Raum ab und Harry bemerkte, dass einer davon sogar ihn fixierte. Doch was hatte das zu bedeuten?

„Oh Minerva, gut dass ihr wieder hier seit." Rief Professor Flitwick in seiner gewohnt aufgeregten Art, auch wenn sein Gemüt heute ein wenig mehr durcheinander zu sein schien. „Irgendwie läuft heute eine Menge nicht so, wie es sein sollte. Erst die Post und damit der Tagesprophet und dann die ganzen Gringottseulen. Meine Güte, ich dachte nie, dass diese Tiere so viel schlimmer, so beharrlicher sein könnten, als unsere normalen Posteulen."

Die Neuankömmlinge bedachten den kleinen Zauberer mit fragenden Blicken und es war schließlich Hermine, die als erste nachfragte, was denn mit dem Tagespropheten sei. Die Eulen konnten ja warten.

„Nun Ms. Granger, vielleicht sollten sie es selbst lesen", erwiderte Flitwick und reichte der Gryffindor ein Exemplar. Hermine nahm es dankend an und ging dann schnurstracks in Richtung Gryffindortisch. Harry und Ron folgten ihr, während die Lehrer unter den wachsamen Blicken der Schüler und der der Eulen zum Lehrertisch gingen. Am Haustisch angekommen sah Harry in die neugierigen Blicke seiner Freunde. Und während er allen einen guten Tag wünschte, ging Ron nicht ganz so subtil vor. Der Rothaarige hob nämlich seinen Zeigefinger und zählte demonstrativ alle am Tisch nach. Dann lächelte er und sagte, „OK, alle vollzählig. Collin lebt noch und Blaise ist nicht verhext. Das dürfte dann heißen es ist nichts weiter passiert im Schloss."

Die meisten Gryffindors starrten den Rothaarigen an, während andere mehr oder weniger grinsten. Zwei Personen am Tisch starrten auch, allerdings nicht auf Ron, sondern ungläubig auf den Tagespropheten vor sich. Alles was Harry dann noch heraus bekam war „Ich fasse es nicht" und dann versank er auch schon in der Schlagzeile der Zeitung.

Eklat im Ministerium – Steht uns ein neuer Koboldkrieg bevor?

Ja meine lieben Leserinnen und Leser, diese Frage ist mehr als nur berechtigt, zieht man die neusten Entwicklungen und Gesetzesverabschiedungen des Ministeriums in Betracht. Doch um die Sache besser zu verstehen sollten wir einige Stunden zurückgehen und zwar zum Freitagabend, wo es nach mehreren brutalen Totesserangriffen wieder zu zahlreichen Opfern gekommen ist. Allerdings, und hier ein kleiner Lichtblick, konnten auch einige Anhänger des Unsäglichen verhaftet bzw. endgültig unschädlich gemacht werden, unter anderem auch Lucius und Narzissa Malfoy, von denen schon seit längerem bekannt war, dass sie auf der Seite unser aller Feindes standen...

Harry schaute eher unbewusst kurz zu Damion hoch, der aber nicht den kleinsten Anschein von Betroffenheit ausstrahlte.

...Wie und welche Aufgaben die beiden Malfoys im Zirkel des dunklen Lord wahrnahmen, dass wissen wir nicht genau, doch das Ministerium vermutete hinlänglich, dass es zu Lucius Hauptaufgaben gehörte, die Finanzen zu regeln und den Unsäglichen mit Geldern zu unterstützen. Aus diesem Grunde gab es am Freitag, schon kurz nach den Übergriffen, im Ministerium eine geheime Konferenz, in der Minister Scrimgeour, die zuständigen Abteilungsleiter und auch Vertreter des Zaubergamots beschlossen, dass dieses Verhalten nicht mehr länger geduldet werden kann. Im Zuge dessen wurde eiligst ein neues Gesetzt verabschiedet, welches es dem Ministerium gestattet, ohne Ausnahme die Besitztümer getöteter oder inhaftierter Todesser zu beschlagnahmen. Man will damit dem Unsäglichen die Möglichkeit nehmen, an diese Gelder zu kommen, um seine Armee von Gefolgsleuten noch weiter zu vergrößern. ...

„An sich ja keine dumme Sache", meinte Ron, der nach einem kurzen Begrüßungskuss von Parvati über Harrys Schulter mitgelesen hatte. Sein schwarzhaariger Freund teilte diese Meinung allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt, denn sollte Scrimgeour, auch wenn er früher mal ein guter Auror gewesen war, auch nur einen winzigen Teil von Fudges alten Angewohnheiten angenommen haben, ja, dann sah die Sache aus einem anderen Lichte betrachtet nicht wirklich astrein aus. Mit diesem Gesetz hatte der Minister die Möglichkeit, selbst an unbegrenzte Ressourcen zu kommen. Er bräuchte im einfachsten Falle nur jemanden verhaften und ihn als Todesser anzuzeigen. Doch Harry glaubte mal an das Gute im Minister und fragte sich eher, wo nun das Problem bei Gringotts lag. Daher las er schnell weiter.

...so weit so gut, liebe Leser. Der Minister tut nun also das, was man von ihm und seinem Posten erwarten kann. Allerdings scheint die Umsetzung des neuen Gesetzes ein wenig schwieriger zu sein, als man es sich gedacht hat. Als größter Widersacher dabei stellte sich nämlich unsere Zaubererbank Gringotts heraus. Ganz offensichtlich wurde dies nämlich, als Beamte des Ministeriums, welche sogar vom Minister selbst angeführt wurden, versuchten, die Verliese der Malfoys und auch das des Verräters Severus Snape zu konfiszieren. Der leitende Direktor, ein Kobold Namens Sarrock, verwehrte nämlich den Zutritt unter Berufung darauf, dass die Blutlinie und auch Testamente für Gringotts höheren Stellenwert haben, als irgendein Gesetz der Zaubererwelt.

Nun stellen sie sich das mal vor. Die Kobolde missachteten einen direkten Erlass des Ministers unter doch sehr fadenscheinigen Vorwänden. Wir alle wissen doch, dass mit dem Ableben von Narzissa und Lucius Malfoy die Blutlinie eben jener Familie geendet hat, da ihr Sohn Draco schon im vergangenem Jahr, zusammen mit Severus Snape auf ihrer gemeinsamen Flucht das Leben verlor. Dies wurde ja auch einwandfrei bestätigt, so der damalig leitende Auror, da dieser Fall in Anbetracht, dass Harry Potter darin verwickelt war, besonders streng behandelt wurde.

So bleibt nun, liebe Leserinnen und Leser, die Frage, wie man Gringotts handhaben sollte. Denn entweder die Kobolde nutzen ihre Rechte und Magie, was die Blutmagie angeht, aus, oder, und hier teilen sich die Meinungen selbst bei uns hier in der Redaktion, Lucius Malfoys Treue galt einzig und allein dem dunklen Lord und nicht immer seiner Frau und es gibt einen noch nicht bekannten Malfoyerben.

Für den Minister wiederum war die Sache klar. Die Kobolde haben ihre Kompetenzen überschritten und somit wies Rufus Scrimgeour seine Begleiter an, notfalls mit Gewalt zu den Verliesen zu gelangen. Direktor Sarrock auf der anderen Seite sah dies als einen Angriff auf seine Bank an und nachdem er seine Angestellten noch eiligst anwies, alle Kunden zu verständigen, riss er sich, so ein Zeuge, noch vor den Augen des Ministers ein großes Amulett vom Hals, rief etwas in Koboldsprache und nur wenige Sekunden später wurden mit Sirenen und magisch höchst gefährlichen Entladungen der Generalalarm der Bank ausgelöst...

„Der Generalalarm?", fragte Ron geschockt, was Harry aufhorchen und vermuten ließ, dass dies doch nicht all zu oft vorkam. Hermine wiederum zischte etwas ungehalten, da sie weiter lesen wollte. Sofort verstummte Ron und sie starrten wieder auf den Propheten.

...Werte Leser, sie haben richtig gelesen, Gringotts Generalalarm. Etwas, dass es seit über dreihundert Jahren nicht mehr gegeben hat und was damals im letzten Koboldkrieg endete. Die Redaktion des Tagespropheten bittet sie jedoch alle hiermit, Ruhe zu bewahren, denn auch wenn Minister Scrimgeour und seine Leute sich nach Angaben der Pressestelle des Ministerium noch im St. Mungos zu einer Routinekontrolle befinden, besteht kein Grund zur Panik. Sicherlich gibt es nur ein kleines Missverständnis, welches bald geklärt werden kann...

Einmal mehr wurde Harry bewusst, wie viel er von der Zaubererwelt noch nicht wusste. Dementsprechend neugierig schaute er zu seinem Kumpel, worauf Ron sehr nachdenklich wirkte und sich seine paar Bartstoppeln kratzte.

„Nun Harry, wenn der Minister noch im St. Mungos ist und wir davon ausgehen können, dass der Tagesprophet manche Sachen schönt, na ja, dann würde ich mal sagen, unser Minister hat ganz schön den Arsch voll gekriegt. Bill meinte nämlich mal bei einer seiner Geschichten, dass die Kobolde nicht wirklich zimperlich mit Angreifern auf ihre Bank umgingen, und wenn man dann noch den Generalalarm nimmt? Nun Bill sagt immer, dass Gringotts über Abwehrzauber verfügt, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen können."

„Und das heißt für uns?", fragte Hermine neugierig, jedoch auch besorgt.

„Na ja, im schlimmsten Falle Krieg. Dazwischen liegt wohl, dass Gringotts für längere Zeit dicht bleibt, was wiederum der Wirtschaft nicht sehr gut bekommt. Oder aber, es ist wirklich nur ein Missverständnis. Doch um das zu erfahren, sollten wir, falls wir dabei sind, die Post von Gringotts lesen."

Harry bedachte Ron mit einem sagen wir mal leicht stolzen Blick, denn sein Kumpel schien sich in letzter Zeit viel mit einigen Dingen beschäftigt zu haben, wenn er schon über solch ein Wissen verfügte, welches sogar Hermine einen offenen Mund bescherte. Dem Vorschlag seines Freundes folgend, sah sich Harry in der Halle um. Seine Suche beschränkte sich dabei auf eine bestimmte Eule, welche neben dem pechschwarzen Gefieder auch noch ein anderes markantes Merkmal besaß. Es war ein kleiner grüner Anhänger, welcher sich an ihrem Registrierungsring befand. Die Eule, sie saß auf einer der Rüstungen, schien Harrys suchenden Blick zu spüren, denn kaum, dass der Gryffindor sie ausgemacht hatte, ertönte ein greller Schrei und sämtlich Eulen kreisten wieder über den Köpfen der Schüler und stellten nach und nach ihre Fracht zu.

Diesmal allerdings verhielten sich alle sehr ruhig und jeder nahm seinen schwarzen Brief entgegen. Es waren relativ viele Schüler, die Post bekamen und Harry vermutete, dass diese Jungen und Mädchen alle irgendwie schon ihre eigenen Verliese bei der Bank hatten, also selbst schon Kunden waren, wie auch er. Die große schwarze Eule mit Harrys Brief landete schließlich vor dem Gryffindor und hielt ihm ihr Bein ausgestreckt hin. Etwas zaghaft löste Harry den Brief und bedankte sich. Die Eule fühlte sich kurz darauf scheinbar sehr wichtig, schnappte sich ein Stückchen Brot und stieg wieder in die Lüfte. Wenige Minuten später war von den Eulen bis auf ein paar Federn und anderer Geschenke, die besonders Filch freuen dürften, nichts mehr zu sehen und lediglich das Rascheln, der eifrig gelesenen Briefe war noch zu hören. Und einer der Leser war Harry Potter, der nun über seinem Brief harrte.

Sehr geehrter Mr. Potter,

es ist wohl eher ungewöhnlich, dass ich mich als Direktor der Bank Gringotts persönlich an sie wende, doch die Ereignisse der letzten Tage, und auch dass sie mir als Kunde und Freund am Herzen liegen, machen dies notwendig. Mr. Potter, nichts liegt unserem Institut ferner, als einen neuen Krieg mit der Zaubererwelt vom Zaum zu brechen, aber das Verhalten ihres Ministers machte mein Handeln notwendig, damit ich mein Gesicht vor der Nation der Kobolde nicht verliere. Seien sie aber versichert, dass besonders ihrem Verlies nichts passiert und unser Geschäft in wenigen Tagen wieder anläuft...

Harry setzte den Brief kurz ab und blickte auf. Dabei trafen seine Augen auf die von Hermine, welche etwas ratlos in die Runde schaute, da sie keinen Brief bekommen hatte. Der Schwarzhaarige wollte seiner Freundin gerade erzählen, was in seinem Brief stand und ihn ihr zum Lesen geben, da streifte sein Blick das Pergament noch einmal und Harry erblickte einen Namen, der ihn das Ganze ganz schnell wieder vergessen ließ. Vielmehr zog er sogar den Brief etwas näher, sodass ihn seine Freundin gar nicht erst zu Gesicht bekam und las vorsichtig weiter.

...doch Mr. Potter, dies ist nicht der einzige Grund, warum ich ihnen schreibe und nicht einer meiner Angestellten. Mit in Krafttreten des vom Minister verabschiedeten Gesetzes haben sich einige Grundlagen verändert und wir von Gringotts waren gezwungen, Schritte einzuleiten, die wir vorerst noch zurückhalten wollten.

Die Neugier bei Harry stieg noch einmal und da es Hermine auch so ging, hob der Gryffindor sogar das Blatt Pergament ein wenig an, um ihr den Blick zu erschweren. Der Lockenkopf zog darauf ein wenig die Augenbraue hoch und bedachte seinen Freud mit einem skeptischen Gesicht.

Mr. Potter, nach dem Tode der Eheleute Malfoy und den Umständen, die ihren Erben betreffen, habe ich zusammen mit dem Rat der Bank entschieden, sein gesamtes Erbe einem Treuhänder zu übertragen und zwar ihnen. Sie Mr. Potter, als Oberhaupt der Familie Black und damit dem Oberhaupt derjenigen Blutlinie, welcher Mrs. Malfoy entstammt, und weil Lucius der Letzte der alten Familie Malfoy war, sah Gringotts sie als am geeignetsten an, diese Aufgabe zu übernehmen...

Harry war kurz davor, sich zu verschlucken. Er sollte ab jetzt das Vermögen der Malfoys verwalten? Warum nicht Damion? Doch diese Frage konnte sich der Gryffindor im nächsten Moment auch schon selbst beantworten. Damion war Damion, auch wenn in seinen Adern Malfoyblut floss und es der Körper Dracos war. Der größte Schock des Briefes sollte jedoch noch kommen, als Harry weiter las.

...Aus diesem Grunde bitte ich dich Harry, in den nächsten Tagen in unser Haus zu kommen, damit wir die Formalitäten erledigen können. Bei diesem Anlass werden wir dann auch das Testament von Severus Snape vollstrecken, in welchem du als Universalerbe eingesetzt worden bist...

Wenn Harry in diesem Moment etwas von seinem Kürbissaft getrunken hätte, wie es Ron gerade beim Lesen tat, dann hätten alle am Tisch etwas davon gehabt. So aber verschluckte sich der Gryffindor nur extrem kräftig und als er wieder einigermaßen klar kucken konnte, wanderte sein Blick sofort zum Lehrertisch hoch. Dort saß Stephano Styls ebenfalls über einem Brief, doch der Lehrer für VgddK machte nicht mal ansatzweise eine überraschte Geste. Vielmehr schien sich Damions Dad zu konzentrieren, als er wenige Augenblicke später zu Harry schaute und noch bevor dieser sich fragen konnte was dies sollte, spürte Harry, wie jemand grob an seinen geistigen Schilden kratzte.

Zuerst dachte Harry daraufhin, dass ihn jemand angriff. Dann aber senkte er leicht das Schild und hörte Styls Stimme die ihn bat, nach dem Essen in sein Büro zu kommen. Harry nickte leicht und musste sich danach seiner Freundin erwehren, die nun auch endlich wissen wollte, was los war. Alles was Harry ihr aber sagen konnte war, dass es nicht all zu schlimm stand und Gringotts bald wieder öffnete. Hermine bedachte ihren Freund mit einem eher enttäuschten Blick, da die Länge seines Briefes ja eindeutig viel mehr Informationen enthielt. Doch Harry konnte es ihr einfach noch nicht sagen. Es war ja nicht sein Geheimnis, sondern das von Professor Styls. Außerdem wollte sich der Gryffindor nicht mal die Tragweite ausmalen, wenn ausgerechnet dieses Geheimnis bekannt wurde.

Somit schwieg Harry beharrlich und versuchte den Blicken seiner Freundin zu entgehen. Hermine wiederum fand das Verhalten ihr gegenüber nicht fair, zumal Damion Ginny bereitwillig seinen Brief zum Lesen gab. Harry war über diese Aktion mehr als nur unglücklich. Doch dann wiederum wusste der Rotschopf ja, mit wem sie Tisch und Bett teilte.

Schließlich wurde es Harry zu viel und er stand auf. Mit eiligen Schritten verließ er die Halle in Richtung Klassenraum für Verteidigung, wohl wissend, dass ihm Hermine dies übel nahm.

Stephano Styls kam auch keine fünf Minuten später vor seinem Büro an, im Schlepptau Damion und Ginny. Es betraf ja irgendwie auch die Beiden und so beratschlagten die vier in der folgenden Stunde, wie sie sich verhalten sollten. Im Großen und Ganzen kam man überein, dass die beiden Vermögen vorerst unter Harrys Verantwortung stehen sollten. Dem Gryffindor war zwar ein wenig mulmig zumute, doch es war wohl das Beste. Kurz bevor sich die kleine Versammlung jedoch auflöste, bemerkte Damions Dad, dass Harry noch etwas bedrückte. Auf die Frage hin, was seinem Schüler denn auf der Seele lag, bekam er jedoch nur die Antwort, dass es was Persönliches sei. Allerdings gab es da ja noch zwei andere Gryffindors im Raum, welche das Schauspiel an ihrem Haustisch mitbekommen hatten und von denen konnte sich Damion nicht zusammen nehmen und plautzte heraus, dass für Harry wohl schwerere Zeiten bevor standen, da auch er die Blicke von Hermine gesehen hatte.

„Ist das wahr?", fragte Stephano Styls völlig lehreruntypisch, ja fast kumpelhaft und Harry blieb gar nichts anderes übrig, als zu nicken. Styls schien zu verstehen und ging kurz in Gedanken. Harry wollte dies nutzen, um sich aus dem Zimmer zu stehlen, doch die Stimme seines Lehrers hielt ihn davon ab.

„Harry, ich verstehe voll und ganz, dass Ehrlichkeit in eurer Beziehung sehr wichtig ist, wenn nicht das Wichtigste. Aus diesem Grunde denke ich, dass du vielleicht morgen Abend mit Ms. Granger zu mir in meine Wohnung kommen solltest. Ich denke es wird Zeit, auch sie ein wenig mehr einzuweihen, als ich es ursprünglich mal geplant hatte."

Harry fiel irgendwie ein Stein vom Herzen, auch wenn er sich nun überlegen musste, wie er die ganze Sache verpackte, damit seine Freundin ihn nicht ins St. Mungos steckte. Voller Gedanken machte sich der Gryffindor daher auf den Weg zurück in den Gemeinschaftsraum, nur um dort die erste Welle einer Eiszeit zu spüren zu bekommen, denn während sich Harry noch irgendwie freute, dass seine Freundin noch vorm Kamin saß und nicht irgendwo im Schloss umhergeisterte, kam der Hammer, als er ihr ein kleines Küsschen auf die Wange drücken wollte.

Hermine wandte sich ab, hoch stolz den Kopf zur Seite und ließ ihren Freund eiskalt stehen. Für Harry war dies wie ein Stich ins Herz. Was hatte er nur getan? Ron allerdings versuchte seinen Kumpel aufzumuntern und meinte, dass sich dies wieder gäbe, wenn Tante Emma wieder weg sei. Harry wusste es jedoch besser. Nicht nur, dass die schwere Zeit des Monats nicht anstand, nein, Hermine war ein Sturkopf wie er im Buche stand. (Passt ja bei Hermine irgendwie) Und daher musste er sich besonders anstrengen. Ron noch über seine Bemerkung etwas anlächelnd, drehte sich Harry wieder in Richtung fetter Dame und folgte Hermine in die Weiten der Gänge Hogwarts.

Es war nun kurz vor dem Abendessen und Harry verfluchte sich selbst, dass er zum einen die Karte des Rumtreibers nicht mitgenommen hatte und dann, dass er Hermine so viel geheime Passagen verraten musste. Er war nun schon fast überall gewesen, der Astronomieturm, die Bibliothek, ja sogar beim Myrthe im Klo. Doch nirgends fand er seine Freundin. Dann aber hatte der Gryffindor doch mal Glück und wie durch Zufall begegnete ihm die Direktorin. Und noch bevor Harry sie fragen konnte, sagte Professor McGonagall, „Oh Mr. Potter, wenn sie Ms. Granger suchen, die ist gerade an mir vorbei und in Richtung Kerker."

Harrys Gesicht erhellte sich. Er dankte der alten Hexe und beschleunigte auch seine Schritte, denn genau in dem Moment, wo ihm McGonagall dies gesagt hatte, glaubte der Gryffindor ein leises, weibliches „Shit" und sich rasch entfernende Schritte gehört zu haben. Kaum dem Blick der Direktorin entschwunden, rannte Harry los und er erwischte Hermine keine zwei Minuten später, in der Näher der Kerker.

„Schatz warte doch mal..."

„Nein ..."

„Zwing mich nicht, dich zu verfluchen ..."

„Mach doch, das wäre dann der nächste Vertrauensmissbrauch", rief Hermine über ihre Schultern zurück und traf damit ihren Freund wirklich tief.

Schließlich erreichte Harry seine Freundin, er schnappte sie am Umhang und stoppte sie. „Verdammt Hermine, was ist los? Ich weiß, es können wie Ron meint, nicht deine Tage sein."

„Klatsch", ein stechender Schmerz breitete sich in Harrys Gesicht aus und im nächsten Moment war alles still im Gang. Beide schauten entsetzt, Hermine noch mehr als Harry und sie begann zu zittern.

„Oh ... Ha ...Harry ..."

Der Gryffindor brauchte noch kurz, um sich wieder zu fangen. Dann aber erhob er seine Hand und Hermine wurde blass. Die Erwiderung ihrer Ohrfeige jedoch blieb aus. Vielmehr zog Harry das Mädchen an sich heran und drückte es ganz fest. Dies schien den Lockenkopf nun vollends zu verwirren und Tränen bildeten sich in ihren Augen.

„Hermine, verzeih mir. Ich wollte, ich könnte niemals dein Vertrauen missbrauchen. Doch ... doch es ist kompliziert."

„Wieso kompliziert, Harry", fragte Hermine, ihr Ohrfeige mal kurz vergessend. „Welche Geheimnis kannst du mir nicht anvertrauen? Du weißt ich würde dich nie verurteilen."

Die Antwort auf ihre Fragen kam aber nicht aus Harrys Mund, sondern von hinter ihr. Es war eine Stimme, die sie fast ein Jahr nicht mehr gehört und welche sich doch in ihr Gedächtnis gebrannt hatte. Kalt und schneidend durchdrang es ihr Gehör.

„Ihren Freund vielleicht nicht, Ms. Granger. Doch es gibt noch andere Personen hier im Schloss."

Kreideweiß erstarrte Harry Liebste, drehte sich dann ganz langsam um. Nur um danach in die schwarzen Augen und in das kalte Gesicht von Severus Snape zu blicken. „Oh meine Gott", war im nächsten Augenblick das Letzte, was Hermine hervor brachte. Dann verleierte sie auch schon die Augen und kippte nach hinten um.

TBC

10