Kapitel 83
Der Weg zum Italiener war schnell bewältig und Harry freute sich schon auf dem Geschmack hausgemachter Pasta. Deshalb war seine Enttäuschung umso größer, als er mit Hermine vor verschlossener Tür stand. „Wegen Umbau geschlossen", prangte ein Schild an der Eingangstür und ein leises „Verdammt", konnte man aus Harrys Mund vernehmen.
„Na dann halt woanders hin", meinte Hermine und drückte ihrem Freund zur Beruhigung einen Kuss auf die Wange. Doch wohin ? Das war nun die Frage. Und als hätte das Schicksal immer eine Antwort parat, öffnete sich ein Fenster ein Stockwerk höher und eine ältere Frau, mit schwarzen, schon leicht von grauen Strähnen durchzogenen Haaren lächelte sie an.
„Buon giorno, meine Lieben. Wolltet ihr heute hier essen?"
„Ja Ma'am", antwortete Harry, worauf das Grinsen der Alten noch breiter wurde.
„Dann tut es mir wirklich leid. Der Umbau sollte eigentlich schon gestern fertig sein. Doch die Handwerker... na ja..."
„Ist halt Pech, Ma'am", erwiderte Hermine beruhigend und wollte Harry bedeuten, dass sie sich dann eben was anderes suchen mussten. Doch die alte Italienerin gab nicht so schnell auf und rief hinunter, „Aber ihr könnt ja gerne zu meinem Cousin gehen. Er hat auch ein nettes, kleines, wenn auch eher familiär gehaltenes Lokal. Es ist keine zehn Minuten von hier."
Harry schaute erst Hermine an und dann zum Fenster hinauf. „Das ist sehr nett von ihnen, Ma'am. Doch wir wollten uns hier nachher noch mit jemandem treffen. Und wenn wir jetzt weggehen, findet er uns vielleicht nicht."
„Oh, das ist doch kein Problem, mein Junge. Ich bin gerade dabei selbst ein wenig zu kochen und schaue dabei immer aus dem Fenster. Sagt mir einfach, auf wen ich achten soll und ich schicke ihn dann zu euch."
Harry sah der alten Italienerin überrascht in die Augen und sie lächelte. Hermine hingegen schien der Vorschlag zu gefallen und sie rief nach oben, dass es sich um einen Mann in den Vierzigern handle, der heute einen schwarzen Anzug trug und darüber einen leicht rot schimmernden Umhang. Die alte Frau wiederholte es, als Zeichen, dass sie verstanden hatte und deutete dann in Richtung Osten. „Dort müsst ihr lang. Immer nur der Straße folgen und vor einem Brunnen dann rechts."
Harry und seine Freundin blickten in die Richtung, die ihnen gezeigt wurde, bedankten sich recht herzlich und machten sich dann auf den Weg. Unterwegs grinsten sich beide noch über das Verhalten der alten Frau hin an und schließlich erblickten sie auch den Brunnen, welchen ihnen die Italienerin beschrieben hatte. Von dort aus waren es nur noch wenige Augenblicke und Harry konnte seiner Liebsten die Tür zum kleinem italienischen Lokal öffnen.
‚Na hoffentlich bekommen wir noch einen Platz', dachte Harry, als er sah, wie voll es hier schon war. Es war halt Mittagszeit und auch noch am Wochenende. Allerdings, so stellte Harry es im nächsten Moment fest, schienen die Leute, die Gäste hier keine normalen Passanten zu sein, sondern zu einer Feier zu gehören. Alle lachten ausgelassen, manche tanzten sogar und etwas weiter hinten im Raum stand eine Art Buffet. Das war dann der Moment, wo Harry geschlagen die Schultern hängen ließ und Hermine traurig ansah. Es sollte wohl nicht sein, dass sie zusammen etwas aßen. Bevor die beiden sich jedoch umdrehen konnten, erklang eine Stimme von rechte und Harry wandte sich in ihre Richtung.
„Buon giorno, wir kann ich ihnen helfen?", fragte eine junge Frau, nein eher ein Mädchen in ihrem Alter mit zaghafter Stimme. Harry musterte sie kurz und sein Blick fiel dabei auf das kleine Schild auf ihrer Brust. Sylvana stand dort und dass sie noch lernte. Harry blickte wieder auf und lächelte.
„Nun Sylvana, wir wollten eigentlich gemütlich ein paar Happen essen. Doch wie es aussieht, ist hier eine Menge los."
Die Kellnerin blickte sich um und nickte. „Ja, ein Freund des Chefs hat heute Geburtstag und feiert hier." Dann aber schien sie in Gedanken zu gehen, ihre Augen wanderten durch den Gastraum und danach blickt sie kurz zum Tresen, wo ein Mann mit schwarzem Anzug gerade dabei war, einer anderen Kellnerin etwas zu erklären. Für Harry machte dies zwar eher den Eindruck als flirtete er mit ihr, aber hey, der Mann war schließlich Italiener. Sylvana hingegen schien zu überlegen, ob sie den Mann stören konnte, entschied sich dann aber dagegen und bedeutete Harry und Hermine, ihr zu folgen.
Harry legte seinen Arm um seine Freundin und nahm ihr dann den Umhang ab. Danach ging es durch das Lokal bis hin zu einem kleinen Tisch, der in einer Art Nische stand, von wo aus man das ganze Lokal im Blick hatte, selbst aber nicht sofort gesehen wurde. Dort platzierte Sylvana ihre Gäste und fragte nach den Getränken. Harry bestellte eine Cola, während seine Liebste nach Gin Tonic war. Kurz darauf waren sie auch schon allein und konnten die Karte studieren.
Die Wahl fiel den beiden Gryffindors leicht. Sie bestellten das Tagesmenü, welches aus eine leichten Geflügelcremesuppe mit Basilikum, einer Variation hausgemachter Pasta und schließlich Tiramisu bestand. Als Harry mit ihrer Bestellung fertig war, begannen die beiden Gryffindors den Vormittag ein wenig Revue passieren zu lassen. Hermine konnte es immer noch nicht fassen, dass sie weit mehr bei Gringotts erreicht hatte, als nur die Sache mit Damion und Styls zu klären. Und wie Hermine nun mal war, zückte sie auch gleich einen Zettel und einen Bleistift und machte sich Notizen.
Harry hingegen nutzte seinen Platz und beobachtete die Leute im Lokal ein wenig. Er sah die ganzen Leute feiern und einige Kinder durch den Raum rennen. Dies war allerdings etwas, was dem Mann am Tresen nicht so zuzusagen schien. Ein leicht miesepetriger Blick folgte den beiden kleinen Jungen, die wiederum ein höchstens achtjähriges Mädchen jagten. Offenbar störte der Lärm seine Versuche bei der jungen Kellnerin zu landen. Als dann auch noch das Telefon klingelte schien es ganz aus zu sein. Das schwarzhaarige Mädchen entzog sich der Aufdringlichkeit und eilte zum Apparat.
Sie nahm ab und nach einigen Augenblicken winkte sie den Mann, er war offenbar so etwas wie der Chef hier, zu sich. Das nächste was Harry dann mitbekam, waren einige italienische Brocken, ein entsetzter Blick ihm direkt ins Gesicht und das leicht wütende Auflegen des Hörers. Harry fragte sich, was wohl Schlimmes passiert war, denn dass es vielleicht mit ihm zu tun hatte, zeigte sich darin, dass der Italiener immer wieder zu ihm blickte und dann lautstark nach Sylvana rief.
Durch den Ruf wurde nun auch Hermine hell hörig und sie schaute zum Tresen auf, wo der Mann gerade dabei war, die junge Kellnerin zur Schnecke zu machen. Viel konnte man nicht verstehen, da er meist in Italienisch fluchte. Allerdings kamen auch gebrochen englische Brocken heraus und diese besagte, dass irgendwer auf dem Weg hierher war, dass Sylvana dumm war, den Tisch zu vergeben und dass er, Harry, und auch Hermine dort nicht bleiben konnten.
Allerdings wurden Harry und seine Freundin beim lauschen etwas gestört, das ihre Suppe serviert wurde und dies von gleich drei Kellnern. Zwei trugen jeweils einen Teller und der Dritte einen Korb mit Brot. Auch schienen sie es nach dem Servieren nicht eilig zu haben, wieder in Richtung Tresen zu verschwinden, sondern sie entfernten sich eher noch und überprüften ausgiebig das eh noch unberührte Buffet. Harry musste schmunzeln und begann die Suppe zu probieren. Sie schmeckte vorzüglich und Harry war versucht, um mehr zu bitten.
Der kleine Disput am Tresen ging unterdes weiter und Sylvana schien den Tränen nahe zu sein. Es klang sogar fast so. als würde der Mann sie gerade feuern. Das war dann der Punkt, wo Harry selbst ein wenig sauer auf den Italiener wurde und als Sylvana dann weinend aus dem Gastraum flüchtete, beschloss der Gryffindor, dass der Mann dies nicht umsonst getan hatte. Er würde einfach mit Hermine hier sitzen bleiben und das Essen genießen. Denn dass sie beide hier weg sollten, sagte allein schon die Tatsache, dass der Italiener festen Schrittes auf sie zukam.
„Buon giorno", sagte er mit einem falschen Lächeln. „Mein Herr und auch sie, junge Dame, ich weiß nicht wie ich es ihnen sagen soll, doch eine unserer Angestellten hat leider einen Fehler gemacht und sie an einen reservierten Tisch gesetzt. Ich hoffe doch, sie verstehen, dass ..."
„Nein, ich verstehe nicht, Sir", unterbrach Harry den Mann höflich. „Es ist mir nämlich aufgefallen, dass es im Lokal noch andere Tische gibt, an welchen sie ihren Gast setzen können. Und außerdem hätten sie die ganze Sache vermeiden können, wenn sie sich von Anfang an um ihren Job gekümmert hätten. Defacto bleiben wir hier."
Der Italiener schaute Harry mit großen Augen an und es sah so aus, als wäre es ihm noch nie passiert, dass man ihm widersprach. Demzufolge änderte sich auch sein Auftreten gegenüber Harry und er blaffte förmlich heraus, „Ich brauche den Tisch aber, Junge. Du hast ja keine Ahnung, wem er gehört."
„Einem zahlenden Kunden, wie auch ich einer bin, vermute ich mal", erwiderte Harry schnippisch und brachte den Mann damit noch mehr in Rage.
„Ich kann dich auch einfach rausschmeißen, Rotzlöffel", bekam der Gryffindor nun zu hören und er bemerkte, dass aus der Küche nun zwei Männer in schwarzen Anzügen kamen, die erst den Laden in Augenschein nahmen und sich dann hinter dem Italiener postierten. Das war der Moment, wo Harry überlegte, ob es nicht besser war zu gehen. Allerdings ertönte aus der Küche eine kleine Glocke und kurz darauf erwartete Harry, dass der Hauptgang kam. Doch es folgte nur weitere Bodyguards, die sich an verschiedensten Tischen nieder ließen und das Lokal beobachtete.
Hermine schien das Unbehagen nun förmlich ins Gesicht geschrieben und Harry beschloss, dass es Zeit war einen strategischen Rückzug zu planen. Das Gesicht des Italieners, der zu spüren schien, was hinter ihm geschah, wandelte sich daraufhin von wütend hin zu überheblich und er deutete auf die Tür. Harry atmete noch mal tief durch und war im Begriff zu gehen, als eine sehr charismatische Stimme fragte, „Anthony, gibt es ein Problem an Tisch eins?"
Augenblicklich wurde Angesprochener blass und drehte sich langsam um. Dadurch bekam auch Harry freie Sicht auf den Ursprung der Stimme und auch er wurde leicht weiß im Gesicht. Hinter Anthony, wie der Mann mit dem sich der Gryffindor die ganze Zeit in der Wolle hatte. hieß, stand kein Geringerer als... Don Guillano.
„Problem, Sir? Nein... ja... nein. ich kümmere mich gerade darum. Geben sie mir zwei Sekunden...", stotterte Anthony nervös und sah dabei Hilfe suchend zu seinen Kellnern. Die allerdings, waren wie vom Erdboden verschluckt bzw. derjenige, welcher gerade mit zwei großen Tellern Pasta aus der Küche kam, machte auf der Hacke kehrt und zog sich zurück.
Harry bekam ein ungutes Gefühl im Bauch, das jedoch kein Hunger war und rechnete damit, dass sich gleich zwei der Bodyguards auf ihn stürzten und ihn und seine Freundin aus dem Lokal warfen. Und umso überraschter war der Gryffindor, als Blaise Vater begann eine nicht unbeträchtliche Aura der Macht aufzubauen und mit harter Stimme sagte, „Nun Anthony, ich denke ich kümmere mich um die beiden selber."
„Aber Sir, ich kann..."
„Anthony, gehen sie in ihr Büro und zeigen sie Miles die Bücher."
Die Stimme des Dons hatte was Endgültiges und der Italiener zuckte zusammen. Er drehte sich um, warf Harry jedoch noch einen Blick zu, der wohl sagen sollte, das hast du nun davon, und verschwand danach in der Küche. Ihm folgten zwei der Bodyguards, während zwei andere auf ein Nicken des Dons, mehrere Raumteiler verrückten und so die kleine Nische für jeglichen Außenstehenden uneinsehbar machten. Jetzt schaltete Harry erst recht auf Alarm und seine Hand wanderte langsam in Richtung Umhang und damit Zauberstab.
„Ich hoffe doch, ich darf mich zu ihnen setzten?", fragte der Don und Harry wagte es nicht, diese Bitte abzulehnen. Blaise Vater nahm Platz und wies dann einen seiner Leute an, dass er Sylvana holte. Die junge Kellnerin kam auch keine Minute später, allerdings machten ihre geröteten Augen das Familienoberhaupt stutzig.
„Sylvana, meine Gute, was ist geschehen? Ist es dein Großvater? Augustus sah schon bei meinem letzten Besuch nicht wirklich gesund aus."
Harry schaute überrascht zwischen den Beiden hin und her und konnte dann sich nicht zurück halten. Er platzte heraus, dass es Anthonys Schuld war und dass er sie gefeuert hat, nur weil sie ihm diesen Tisch gegeben hatte.
Das Gesicht des Maffiabosses wurde kurz ausdruckslos, bevor er dann anfing zu lächeln und dem Mädchen versicherte, dass sie auf gar keinem Falle gefeuert sei. Sylvana schaute ihn dankbar an und wollte danach wieder in die Küche, doch Blaise Vater hielt sie noch zurück.
„Nun meine Liebe, eine ganz andere Frage. Was hatten den unsere beiden Gäste?"
„Das Tagesmenü, Sir. Wir wollten gerade den Hauptgang servieren, doch jetzt ist er kalt und..."
„Macht nichts, macht ihn einfach frisch", sagte Don Guillano und versuchte damit das Mädchen ein wenig zu beruhigen. „Ich will mich eh noch ein wenig mit meinem Gast unterhalten und da kommt mir dies gerade recht."
Harry sah den Mann nun skeptisch an. Seinen Zauberstab hatte er nun schließlich erreicht und umfasste ihn ganz fest. Bevor er aber irgendwas Dummes tun konnte, lächelte Don Guillano und sagte, „Oh, den brauchen sie nicht, Mister Potter. Ich will mich doch nur ein wenig erkundigen, wie es meinen beiden Kindern geht. Blaise und Celine scheinen das Schreiben verlernt zu haben. Denn der letzte Brief enthielt nur ein paar Fotos und ein Paar Zeilen meines Engels."
Harry klappte der Mund auf und er starrte den Mann mit großen Augen an. Auf der anderen Seite hört man aber auch, wie dem Gryffindor ein Stein vom Herzen fiel. Kurz darauf war das Eis gebrochen und die drei unterhielten sich ausgiebig über Hogwarts, Blaise, Celine und auch über Collin. Bei ihm zeigte der Maffiaboss das größte Interesse und Harry wog sehr genau ab, was er ihm sagte. An Hermine gewandt fragte Blaise Vater schließlich, was sie von den Fotos hielt und ob man dem kleinen Fotographen trauen könnte. Hermine nickt natürlich eifrig und hörte erst damit auf, als sie lachen musste, da der Don Harry fragte, ob er die Bilder gesehen hat und der Gryffindor das wohl röteste Gesicht seiner Laufbahn hinbekam.
Schließlich wurde das Essen serviert und der Don aß einfach mal mit ihnen zusammen. Zwischen Hauptgang und Dessert kamen die Gespräche dann auf den dunklen Lord und die Geschehnisse zu Weihnachten. Als der Don sich dann verabschiedete und Professor Styls schließlich im Lokal auftauchte, bat er, seinen Kindern einen Gruß zu bestellen. Harrys Lehrer sah sich etwas nachdenklich um und meinte nach einem kleinen Glas Rotwein, dass es Zeit war, zu gehen. Harry rief nach der Rechnung, musste aber feststellen, dass er hier heute kein Geld loswurde. Sylvana weigerte sich einfach und meinte, dass der Don sich sonst beleidigt fühlt. Und wer war Harry, dass er dies bei einem Maffiaboss machte.
Zehn Minuten später waren die drei dann schon in Richtung Schloss unterwegs. Harry wollte noch wissen, was sein Professor so gemacht hatte, doch Styls grinste nur und meinte, es sei eine Überraschung, aber er, Harry, würde auf alle Fälle dabei sein. Im Schloss angekommen, bemerkten die drei sofort, dass etwas nicht stimmte. Kaum ein Schüler war zu sehen und dies trotz dem es Samstag war. Als dann noch eine Schülerin aus Ravenclaw wie aus dem nichts auftauchte und aufgeregt immer wieder rief, „Er ist da... Er ist da" gingen bei allen Dreien die Alarmglocken an...
TBC
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