Kapitel 87

Hey Leuters,

hier kommt ein neues Cap. Viel Spaß beim Lesen und gleichzeitig der Hinweis, dass es eine kurze Pause geben wird. Mein Beta macht zwei Wochen Urlaub und auch mir wächst die Arbeit über den Kopf. Ich hoffe aber doch, dass ich pünktlich zum Ende des Monats, oder aber auch früher, wieder weiter posten kann.

Habt Verständnis und bleibt uns treu

Euer Mr. Figgs

Kapitel 87

„Wo bist du gewesen? Ron hat gesagt, du bist schon mitten in der Nacht verschwunden."

Hermines Auge blitzen gefährlich und die Tatsache, dass sie ihre beiden Arme vor der Brust verschränkt hielt sagte Harry, dass es ihr wirklich ernst war. Daher setzte der Gryffindor seinen Dackelblick auf und sagte, „Ich konnte nicht schlafen und war ein wenig im Archiv."

„Im Archiv? Ohne mich? Harry wir wollten da unten immer zusammen hingehen." Der Lockenkopf sah ihren Freund vorwurfsvoll an, doch Harry konterte und meinte, dass er ein wenig Zeit gebraucht habe und er auch mal allein mit Dumbledore reden wollte. Irgendwie schien dies seiner Freundin etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und um diesen nicht wieder zu verstärken, ließ es Harry auch dabei bewenden und erzählte nichts von den Artikeln, die er gefunden hatte. Außerdem drängte die Zeit und er wollte noch duschen, bevor sie zum Frühstück in die Große Halle gingen.

Den Unterricht hinter sich gebracht, ebenso wie das Abendessen, machten sich Harry, Hermine und Ron auf den Weg zum Archiv, wo sie sich mit Stephano Styls und der Direktorin treffen wollten. Damion und Ginny hatten sich entschuldigt, da sie mit Eve ein wenig reden wollten, da die Australierin eine Menge Fragen hatte, die auch in den persönlichen Bereich des Braunhaarigen gingen.

Vor dem Gargoyle angekommen sagte Harry das Passwort, doch noch bevor dessen Klang vollständig verhallt war, wurde die Treppe aktiviert und beförderte die beiden Lehrer zum Fuße der steinernen Stufen und gab dann den Weg nach weiter unten frei. Harry und seine beiden Begleiter folgten dem Pfad und wenig später betraten sie alle gemeinsam das Archiv, wo Harry sich sofort die Mappe mit den Hinweisen wieder vornahm. Er breitete die verschiedenen Zeitungsartikel aus und erklärte den anderen, was er bisher herausgefunden hatte. Als er damit fertig war, ging sein Blick allerdings neugierig zu Professor McGonagall und diese zuckte zusammen.

„Oh, das hätte ich ja fast unterschlagen", sagte die alte Hexe und zog dabei einen dicken gelben Umschlag aus ihrem Umhang. „Der hier ist gekommen, kurz nachdem Albus von uns gegangen ist. Ich dachte damals, dass es dabei um einen neuen Schüler ging, da der Absender ein Waisenhaus war, doch es war nicht an dem und so ist der Brief etwas in Vergessenheit geraten. Tschuldigung."

Harry sah die alte Hexe an und dann ging sein Blick in Richtung Umschlag. McGonagall reichte ihn herüber und Harry nahm das gelbliche Papier dankend ab. Er entleerte den Brief, indem er alles auf den Tisch kippte und musterte dann die Dinge, die zum Vorschein kamen. Meist waren es wieder Zeitungsausschnitte. Aber es befanden sich auch ein zwei kleine Briefe darunter, beide von einer gewissen Mrs. Winter, der Leiterin eines Waisenhauses. Harry runzelte die Stirn und begann den ersten Brief zu lesen.

Sehr geehrter Mr. Dumbledore,

es ist schön, mal wieder von ihnen zu hören, auch wenn es zurzeit kein Kind gibt, welches für sie und ihr Institut von Interesse sein dürfte. Auch haben mich ihre Anfragen etwas überrascht, doch da meine Vorgängerin, die gute alte Mrs. Cole, Gott sei ihrer Seele gnädig, eine wirklich gewissenhafte Frau war, kann ich ihnen mitteilen, dass ich etwas in unseren alten Archiven für sie gefunden habe. Es handelt sich dabei um einige alte Zeitungsausschnitte und ich hoffe doch, dass sie ihnen helfen werden…

Harry schaute kurz auf und in die Runde. Hermine und die Direktorin sahen ihn fragend an, während Professor Styls Harry fordernd anschaute, damit dieser weiter laut vorlas. Allerdings war der Brief zu Ende und verwies nur noch auf den ersten Artikel, der Harry vom Aufbau her, ein wenig vertraut vorkam. Es war die Fortsetzung der Schlagzeile vom Brand im Waisenhaus und beschrieb die Tage nach dem Unglück. Man konnte auf einem Foto die sichtlich mitgenommene Mrs. Cole erkennen und wie sie gerade betete. Auch stand in diesem Artikel, dass beim damaligen Feuer, das Gebäude bis auf die Grundmauern abgebrannt war und insgesamt fünf Kinder ihr Leben bei diesem tragischen Unglück lassen mussten.

Alle im Raum schauten auf den Zeitungsausschnitt und machten betroffene Gesichter. Hermine schien es am meisten ans Herz zu gehen und einige Tränen bildeten sich in ihren Augen. Harry nahm daher die Hand seiner Freundin und drückte sie, während Professor Styls sich den nächsten Artikel raussuchte und auf dem Tisch ausbreitete. Das Datum der Zeitung lag in etwa zwei Monate nach dem Brand und man beschäftigte sich dieses Mal mit den Verursachern des Feuers. Laut Zeitung und dem Polizeibericht hieß es hier, dass der Brand wahrscheinlich mutwillig gelegt wurde oder aber im Zuge von Ausschreitungen einer sich neu gegründeten Motorradgang und der Polizei entstanden sei. Die Biker gehörten dabei einer extrem gewalttätigen Absplitterung der Hells Angels an, die aber in den Kreisen der friedfertigen Motorradfamilie selbst schon geächtet wurde.

Harry las den Artikel und bemerkte plötzlich, dass auf dem Rand des Papiers eine kurze Notiz geschrieben stand und war versucht, es als Hinweis von Dumbledore zu deuten. Doch das konnte ja nicht sein. Der Brief war ja erst nach seinem Tode hier aufgetaucht und nach einem kleinen Moment des Überlegens und einem Blick auf den leeren Bilderrahmen, wuchs die Neugier bei Harry umso mehr. Er nahm den Artikel und versuchte die kurze Notiz zu entschlüsseln, da sie offenbar sehr hastig geschrieben war. Sie stammte letztendlich von Mrs. Winter, der Heimleiterin und besagte.

Mr. Dumbledore, ich weiß nicht, wie die Zeiten damals nach dem Feuer waren, doch wenn sie mich fragen, sind die Geschichte um den Brand noch heute verworren. Ich persönlich glaube nicht daran, dass es die Angels waren, denn dann hätte man bestimmt mal was Genaueres in ihren Kreisen gehört, zumal viele unserer früheren Kinder jetzt Mitglieder der Bikergruppe, wohlgemerkt der friedliche Teil, sind und sie sogar jedes Jahr im Frühjahr, um genauer zu sein am letzten Wochenende im April, unser Haus besuchen. Dann feiern sie immer mit den Kindern zusammen ein Frühlingsfest, ein Ereignis, das sich keiner entgehen lässt und das den Kindern eine Menge Spaß bereitet…

Nachdenklich betrachteten alle am Tisch den Artikel und jeder machte sich so seine Gedanken. Hermine freute sich für die Kinder und Styls und McGonagall wunderten sich, dass ihr alter Freund so offen mit der Leiterin des Kinderheims umgegangen war, denn dass sie von der Magie wusste, verriet ja schon der erste Satz, dass es zur Zeit kein Kind mit magischem Blut im Waisenhaus gab. Auch stand auf dem Umschlag deutlich zu sehen,

Hogwarts, Schule für Z und H, z.H. Professor Albus Dumbledore.

Doch am meisten dachte Harry nach und betrachtete dabei den Briefumschlag und auch das Briefpapier selbst. Beides schien von sehr guter Qualität zu sein und auch sonst schien es dem Waisenhaus einigermaßen zu gehen, denn wenn sich Harry mal an ein Gespräch zwischen seinem Onkel und Petunia erinnerte, so hatte er sich immer aufgeregt, dass Institutionen wie eben Waisenhäuser immer ohne Geld waren und bettelten. Da hier aber nichts dergleichen stand vermutete Harry, dass es dem Haus gut ging.

Und wie der Gryffindor so grübelte und überlegte, warum sich Dumbledore so sehr mit dem alten Zuhause von Tom Riddle beschäftigte, kam in ihm die Frage auf, was wohl nach dem Brand geschehen war. Wurde das Haus wieder aufgebaut? Konnten die Kinder rasch wieder ein einigermaßen behütetes Heim finden? Mit diesen Gedanken wanderte Harrys Blick suchend über den Tisch, bis er einen Artikel fand, der möglicherweise Aufschluss darüber geben konnte. Die Überschrift hier lautete ‚Gott schickt immer einen Engel', und er zeigte eine strahlende Frau, die Harry als eine etwas ältere Mrs. Cole erkannte. Sie war umringt von mehreren Personen und schien etwas in ihren Händen zu halten, was wie ein Spaten aussah. Nun war Harrys Neugier geweckt und er las den Artikel neben dem Bild.

Gottes Wege sind unergründlich ... und manchmal schenken sie ein Lachen...

Ja meine lieben Leserinnen und Leser, so und nicht anders kann ich es beschreiben. Denn ich war gestern Nachmittag zu einem Ereignis, welches freudiger nicht sein kann, ... einer Grundsteinlegung. Und nicht nur eine gewöhnlichen, nein, es ging dabei um die Zukunft vieler Kinder, die vor einem halben Jahr fast Alles verloren hatten. Viele von ihnen werden sich noch an das furchtbare Feuer erinnern, welches unsere Stadt heimgesucht hat und ein Waisenhaus bis auf die Grundmauern vernichtete.

Gestern nun war der Tag der Hoffnung. Gestern wurde durch die Unterstützung eines Engels, welcher in Form eines erfolgreichem Geschäftsmannes, der früher selbst in diesem Hause zeitweise lebte, und nun nach London zurück gekehrt war, der Grundstein für den Neubau gelegt. Mr. Gaunt kann selbst keine Kinder haben, wie er sagt, doch bedeuten sie für ihn die Zukunft. Daher unterstütz er das Waisenhaus, wo er nur kann und sei es halt für das Erreichten eines ganzen Gebäudes…

Harrys Hände begannen zu zittern, als er den Artikel und vor allem den Namen las und ihm fiel sogar das Papier aus den Händen. Natürlich bekamen die anderen dies mit und Hermine fragte ihren Freund, was denn los sei, was er habe. Harry allerdings reagierte nicht auf seine Liebste, sondern sein Blick war starr auf das Foto mit den ganzen Leuten gerichtet und dann sah er ihn...Voldemort.

„Oh mein Gott", entfuhr es Harry als er das jüngere Ich seines Todfeindes sah, doch hatte es nicht die schlangengleichen Züge oder gar die roten Augen. Nein, er wirkte eher wie ein leicht älter gewordener Tom Riddle im Nadelstreifenanzug.

„Was ist los Harry?", fragte Hermine nun sichtlich besorgt und ihr Freund deutete mit seinem Finger auf Riddles Bild. „Das ... das ist Voldemort ..."

Alle stöhnten leicht auf und schauten auf den Zeitungsartikel und es war dann auch die Direktorin, welche Harrys Angaben bestätigte, da sie aus alten Schulakten, dass Gesicht von Tom Riddle kannte. Allerdings stand nun eine Frage im Raum, die jeden, der die Geschichte kannte und der einen gesunden Menschenverstand besaß beschäftigte. Hermine war es dann auch, die selbige aussprach und dies besonders an ihren Freund gewandt.

„Warum sollte Voldemort das Waisenhaus unterstützen? Ich denke, er hat es gehasst, dort leben zum müssen, Harry?"

„Nun Mine, ich weiß es nic...", versuchte Harry eine Antwort hinzubekommen, da er vor einem Rätsel stand.

„Weil der Mann ein Genie ist", warf Professor Styls in dann plötzlich in den Raum und alle schauten ihn schockiert an. Professor McGonagall plusterte ihre Nasenlöcher auf, „Stephano, ich bitte dich. Er ist ein Monster, ein Mörder und kein Genie. Man könnte meinen, du bewunderst ihn auch noch."

Bevor aber noch jemand anderes im Raum sich mit in die Tirade der Direktorin einmischen konnte, hob Damions Dad die Hand und verteidigte sich. „Natürlich bewundere ich ihn nicht, Minerva, doch wenn du nur ein wenig so denken könntest, wie Tom Riddle es getan und Albus es später nachvollzogen hat, dann würdest du verstehen, dass manche Dinge, die der junge Voldemort, bei aller Krankheit und Grausamkeit, schaffte, in irgendeiner Art großartig waren."

Diese Worte schienen bei der alten Hexe noch Öl im Feuer zu bedeuteten und sie fixierte Styls nun regelrecht. Allerdings blieb der Lehrer für VgddK vor einem neuen Ansturm seitens seiner Chefin verschont, da Harry sich mit nachdenklichen Worten meldete. Er sagte sie auch nicht direkt zu jemanden, sonder eher sich erinnernd in den Raum.

„ ... denn schließlich hat, er, dem dieser Stab gehörte, auch Großartiges vollbracht ... Grausames, aber ... Großes ..."

Es waren die Worte des alten Mister Olivander, welche der Stabmacher Harry bei seinem ersten Besuch in seinem Laden gesagt hatte. Nun jedoch, aus dem Munde von Harry, brachten ihm eher überraschte Blicke ein und der Gryffindor versuchte es rasch zu erklären. Dann gingen seine Augen in Richtung Professor Styls und sie wollten wissen, wie dieser es gemeint habe, dass Voldemort ein Genie sei.

Damions Dad deutete daher rasch auf den Artikel, welchen er schon ein wenig weiter gelesen hatte und besonders verwies er auf eine kleine Liste am Ende. Dort, so erklärte er allen, sei aufgelistet, was man als Relikte oder Erinnerungen alles in die Metallhülse gelegt habe, die im Grundstein des Hauses für alle Ewigkeit ruhen sollte. Harry überflog mit hastigen Blicken die kleine Liste. Er las Worte wie heutige Zeitung, Münzen, neu geprägt oder aber Kopie des Grundbucheintrages. Dann aber kam er zu einer Zeile, die ihm die Augen fast übergingen ließen.

... Der goldene Becher mit dem auf das Gelingen des Vorhabens angestoßen wurde und welcher aus dem Besitz von Thomas Gaunt stammt ...

„Oh mein Gott", sagte Harry und er schaute Professor Styls mit geweiteten Augen an. „Helga Huffelpuffs Becher, das fünfte Horkrux."

Damions Dad nickte und nun verstand Harry allmählich, was dieser gemeint hatte. Und wenn dies wirklich stimmte, dann war das Feuer im Waisenhaus vielleicht doch nicht einfach so ausgebrochen. Was, wenn Voldemort es selbst gelegt hatte, um ein Versteck für seinen Seelensplitter zu finden? Mit diesen Gedanken glitt Harrys Blick wieder und wieder über den Artikel. Nun, jedenfalls so lange, bis sich die Direktorin zu Wort meldete,

„Nun Stephano, wenn deine Vermutung stimmt, dann müssen wir das Ministerium verständigen..."

„NEIN", sagte Harry forsch und zuckte im nächsten Moment leicht zurück. Denn er wollte nicht wirklich unhöflich sein und fuhr daher ruhiger fort. „Wir dürfen das Ministerium nicht involvieren, Professor. Was ist, wenn Voldemort schon seine Spione dort hat?"

„Und was sollen wir dann tun, Mister Potter?", fragte die Direktorin nun etwas neugierig, worauf Harry der alten Hexe einfach erwiderte, „Wir müssen es selbst finden und zerstören, natürlich".

„Ach ja, Mister Potter? Und wie wollen sie dies tun? Selbst wenn sie es, das Horkrux meine ich, in den alten Mauern des Waisenhauses lokalisieren könnten, so müssten sie dort erst einmal rein kommen. Sie können ja schlecht zur Direktorin gehen und ihr sagen, dass sie den Grundstein rausbrechen wollen."

Harry dachte über die Worte seiner alten Lehrerin nach und suchte fieberhaft eine Antwort, obwohl diese doch schon vor seiner Nase lag. Er hätte sie nur hochheben müssen, doch das übernahm dann schon Professor Styls mit einem geheimnisvollen Grinsen im Gesicht.

„Oh Minerva, das WANN steht schon fest und das Reinkommen ebenso."

„Was? Wie? Steph, was meinst du?", fragte McGonagall verwirrt und Styls grinste noch breiter, bevor er antwortete.

„Nun Minerva, ich denke, die Aktion steigt am letzten Wochenende im April, sie wird von Harry, Damion und ihren beiden Freundinnen durchgezogen, vorausgesetzt Ginny und Damion haben keine Angst einen auf Biker zu machen."

Styls Worte schlugen natürlich ein wie eine Bombe und Harrys Blick wanderte nochmals über den Artikel und die Passage mit dem Bikertreffen. Dann schaute er Styls schockiert an und auf erschreckende Weise machte der Vorschlag des Mannes sogar einen Sinn. Allerdings schien eine Person im Raum nicht wirklich davon angetan zu sein. Doch das war wohl genetisch bedingt oder kam mit dem Verantwortungsbewusstsein, wenn man die Stelle einer Direktorin annahm. Vehement versuchte sie Argumente zu finden, die gegen die ganz Sache sprachen. Sie berief sich dabei auf die Gefahren und Fallen, die mit dem Horkrux einher gingen oder sie meinte, dass dies erfahrene Zauberer erledigen sollte.

Harry und Professor Styls schafften es aber immer irgendwie ihre Argumente zu entkräften und als dann auch noch Hermine ihrer alten Lehrerin in den Rücken fiel und sagte, dass es keinen anderen gäbe, der das Horkrux zerstören könne außer Harry, da das Phönixfeuer die sicherste Methode sei, nun da verengten sich die Augen der Direktorin gefährlich. Sie bedachte ihre Lieblingsschülerin mit einem bösen Blick und meinte, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen war. Doch vorerst beendeten sie alle ihren heutigen Besuch im Archiv, da morgen ja wieder Unterricht war. Styls bedeutete Harry, dass er noch mit der alten Hexe sprechen würde, doch das bräuchte ein wenig Zeit. Daher, und um die Direktorin nicht zu drängen, fügten sich die Schüler den Anweisungen, sich in ihren Turm zu begeben. Dass sie dort aber nicht sofort ins Bett gingen und schliefen dürften jedoch allen klar sein.

„Komm lass uns Schluss machen, Harry. Die Woche war hart genug und ich will mich noch mit Parvati treffen."

Ron bedeutet seinem besten Freund in Richtung Boden zu fliegen, doch Harry wollte eigentlich noch nicht vom Besen steigen. Viel zu lange hatte er auf das Fliegen verzichten müssen, da das Wetter nicht wirklich besonders war. Erst der lange Winter und dann diese ewigen Stürme. Auch heute blies ein kräftiger Wind, aber das konnte die beiden Gryffindors nicht abhalten sich ihre Besen zu schnappen.

Gedankenverloren streichelte Harry den Griff seines Feuerblitzes, des Besen, den ihm Sirius einst geschenkt hatte und den er erst vor einigen Wochen zurück bekommen hatte. Schließlich war der Besen zusammen mit Damions Surfbrett erst nach langem Suchen wieder aufgetaucht und zwar in einer Asservatenkammer des Ministeriums. Dort hatte man nämlich alles untergebracht, was mit dem damaligen Angriff auf den Hogwartsexpress zu tun hatte und was man untersuchen wollte.

Heute nun saß Harry aber wieder auf seinem kleinen Schatz und drehte seine Runden über dem Quidditchfeld. Er wollte noch nicht zurück ins Schloss, zumal Hermine sich in der Bibliothek verschanzt hatte und lernte. Daher rief er seinem besten Freund zu, er solle allein zurück gehen und dass er später nachkommen würde. Ron nickte verstehend und blickte dem Schwarzhaarigen hinterher, als dieser sich wieder steil nach oben bewegte, als wolle er über die Wolken kommen.

Und dies schaffte Harry auch. Er durchbrach das dünne Wolkenband und schaute in den blauen Himmel. Dabei durchfluteten ihn auch wieder einige Erinnerungen von Arcan und es schlich sich ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht. Dann aber hieß es für Harry zurück zu kehren und kaum dass er wieder durch das Wolkenband gestoßen war, bemerkte der Gryffindor, dass ihm der Flug ein ganzes Stückchen weg von Hogwarts geführt hatte. Daher machte Harry kehrt und schoss gen Erde zurück, genauer gesagt in Richtung See.

Der Wind knallte dem Gryffindor dabei extrem ins Gesicht und Harry kniff die Augen ein wenig zusammen. Das darauf entstanden Defizit an Sicht, kompensierte er dabei durch seine magischen Sinne und plötzlich erschien ihm alles wieder klar. Harry sah den See, sah das Ufer und erkannte tief unter ihm Professor Styls, der auf dem Weg zum Schlosse war. Woher er kam konnte Harry nur vermuten, doch vom Weg her, den Damions Dad ging, musste Styls bei der neu errichteten Holzhütte beim See gewesen sein, die Hagrid und einige andere Lehrer dort gebaut hatten, damit Hagrids Schüler, es müssten die Zweiklässler sein, etwas geschützt waren, während sie in den neu eingeführten Nachtunterrichtsstunden verschiedene Lebewesen beobachteten.

Harry wollte seinem Lehrer zurufen, doch auf die Entfernung würde dieser wohl nichts bemerken und so ließ der Gryffindor es. Außerdem war Styls fast beim Schloss und so ließ Harry seinen Blick weiter über die Landschaft schweifen, sein Augenmerk dabei auf etwas Buntes gerichtet, was sich am Ufer des Sees befand. Es waren einige Decken und Taschen und auch Ginny in einem doch für sie ungewöhnlichen Outfit. Damion hatte es doch tatsächlich geschafft, seine Liebste davon zu überzeugen, sich auch einmal auf dem Surfbrett zu versuchen. Dass der braunhaarige Junge nun auch noch Unterstützung in Form von Eve hatte, welche noch etwas überzeugender sein konnte als Harrys Freund selbst, ließ Rons Schwester gar keine andere Möglichkeit als Ja zu sagen. Somit stand Ginny nun in einem engen Neoprenanzug am Ufer und schaute auf das Wasser.

Harry selbst ließ Ginny Ginny sein und sein Blick suchte die doch schon sehr aufgewühlte Wasseroberfläche nach seinen Freunden ab. Irgendwo mussten die Zwei ja stecken, oder zumindest Damion, denn bei genauerer Betrachtung der Stelle, an der Ginny sich befand, konnte man von hier oben zwei Surfbretter erkennen. Dies ließ den Gryffindor vermuten, dass nur Damion irgendwie auf dem See seiner Lust frönte. Und dann fand er ihn. Allerdings verkrampfte sich sein Herz vor Entsetzen, denn was Harry von hier oben sah, war nicht wirklich sein Kumpel, sondern vielmehr sein Board und Damions buntes Surfbrett trieb in zwei Teile zerbrochen auf dem See. Von Styls Sohn fehlte jegliche Spur und dann schlugen auch noch die ersten Blitze in die Wipfel des verbotenen Waldes ein...

TBC

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