Kapitel 89
Kapitel 89
„Das Ding kneift ganz schön", zischte Ginny ihren Freund an und Damion zuckte schelmisch mit seiner Braue. „Dann lass den Slip einfach weg, Schatz. Ist dann nicht so schwierig für mich, wenn wir uns eine der Besenkammern vornehmen."
Harry musste glucksen als er seine beiden Freunde beobachtete, als diese ihre neuen Leder- und Jeansklamotten musterten und sich versuchten daran zu gewöhnen. Heute nun sollte es einmal mehr auf eine Mission gehen, die Voldemort einen Schritt weiter gen ewige Jagdgründe brachte. Professor Styls hatte die Sachen besorgt und meinte, dass sie alle so am wenigsten unter den Bikern auffallen würden. Er selbst würde zusammen mit Tonks als Rückendeckung wenige Straßen weiter unten warten und die Jungs sollten keinesfalls zögern ihn über Damion Babyfon zu rufen.
Doch bevor es losging, mussten sie erst einmal die gesamte Ausrüstung überprüfen und letzte Informationen austauschen. Rons Vater hatte nämlich seine Beziehungen im Ministerium etwas spielen lassen und ihnen kurzfristig und unter größter Geheimhaltung, wie er es nannte, die Baupläne des Waisenhauses besorgt. Oder einfacher gesagt, Arthur hat Moody mit seinem ihm eigenen Benehmen und Aussehen einfach ins Bauarchiv geschickt. Doch Rons Dad schien gerade ein wenig auf der Agentenschiene zu fahren. Musste wohl mit seiner neusten Errungenschaft, einem alten Videogerät und diverser James Bond Filme zu tun haben.
Nun jedenfalls trafen sich die Gryffindors aus diesem Grunde mit ihrem Lehrer im Gemeinschaftsraum und als dann auch noch Ron und ein paar andere Jungs dazu kamen fragte Harrys bester Freund sofort nach den zwei kleinen, etwa dreißig Zentimeter langen, ledernen Koffern. Sie hatten in etwa die Form einer Frühstücksbox, wie man es aus den amerikanischen Filmen kannte und welche die Bauarbeiter immer mit sich führten.
Harry grinste Ron an und nahm dann den Koffer mit den Initialen H.P. Diesen öffnete er, indem er den Deckel anhob und eine der Seitenwände nach unten klappte. Zum Vorschein kam daraufhin ein kleines Model eines Motorrades. Dieser stellte Harry in die Mitte des Raumes und wenige Sekunden und ein „Engorgio" später wurde allen klar, dass es sich keineswegs um ein Model handelte. Es war das alte Motorrad von Sirius Black, welches der Gryffindor von seinem Paten geerbt hatte und Harry streichelte es gedankenverloren. Die anderen im Raum musterten das Bike voller Erstaunen und Seamus pfiff seinem Kumpel anerkennend zu. Danach wollten sie aber auch noch wissen, was in dem anderen Koffer war. Doch diesen zu öffnen, das war nicht Harrys Aufgabe. Nein, dies fiel Hermine zu und der Lockenkopf wurde ein wenig rot, als sie ihre Harley präsentierte.
„Wow Hermine, die Rockerbraut", frotzelte Seamus und dann wollte der Gryffindor irischen Ursprungs wissen, wo die Beiden überhaupt die zwei Koffer herhatten. Harry schaute seinen Kumpel an und grinste, „Oh, die haben wir aus der Winkelgasse. War gar nicht so einfach sie zu bekommen."
„Stimmt", fügte Hermine hinzu und funkelte ihren Freund so teuflisch an, dass der Gryffindor sich fast verschluckte. An irgend etwas musste ihn Hermine erinnert haben, etwas, dass mit dem Kauf der beiden Koffer zu tun hatte und was Harry nun die Röte ins Gesicht trieb.
Flashback
„Harry, meinst du nicht, es ist zu gefährlich? Ich meine, wir hier in der Winkelgasse und dass am helllichtem Tage?"
Hermine schaute sich besorgt um und klammerte ihre Hand fest um die ihres Freundes. Weihnachten war gerade vorbei und so viel war in den letzten Tagen geschehen. Was war, wenn man sie erkannte und das dann ausgerechnet von Voldemorts Schergen? Harry jedoch meinte, dass es schnell gehen würde und führte seine Freundin die bunte Straße entlang in Richtung Gringotts. Allerdings war die Bank für Hexen und Zauberer nicht ihr Ziel. Nein, dieses lag drei Häuser davor und es war Harrys letzte Hoffnung, etwas Bestimmtes noch zu finden, was sein Geschenk für Hermine perfektionierte.
Schließlich erreichten die Beiden den kleinen Laden, welcher den sehr informativen Namen „Brucklehosts Reiseaccessoires aller Art" trug. Hermine musterte das Schaufenster skeptisch und wurde von ihrem Liebsten geradezu hinein gedrängt. Im Inneren des Ladens roch alles ein wenig streng nach Leder und Gerbstoff, doch bei all den Koffern, Taschen und schweren Reiseumhängen war dies ja kein Wunder. Schließlich kündigte eine schrille Glocke ihr Eintreten an und kurz darauf kam auch schon eine sehr junge Verkäuferin eifrig nach vorn gerannt.
„Ich bin schon da", rief sie freundlich. Dann stockte sie jedoch ein wenig und ihre Augen wurden immer größer. „Oh mein Gott, du bist ... sie sind Harry Potter", rief sie mit plötzlicher Verlegenheit und der Gryffindor wollte schon mit den Augen rollen. „Mein Name ist Mandy. Was kann ich denn für sie tun?"
Offenbar merkte das Mädchen, dass Harry es nicht mochte auf seine Person angesprochen zu werden, denn sie war sofort zum Geschäftlichen übergegangen. Allerdings konnte sie einen Rotschleier nicht verbergen und ihre Augen blieben für Hermines Geschmack ein wenig zu lange auf Harrys Brust hängen. Die Gryffindor stellte sich daher demonstrativ zu ihrem Liebsten, der davon mal wieder nichts mitbekam. In den nächsten Minuten versuchte Mandy anhand von unzähligen Fragen heraus zu bekommen, was Harry bei ihr wollte und die Aufregung schwang deutlich in ihrer Stimme mit. Schließlich übernahm Harry mal kurz das Zepter und meinte.
„Nun Mandy, man hat mir gesagt, dass es in eurem Geschäft ab und zu auch mal einige Sonderanfertigungen oder besondere Reiseutensilien gibt. Mir persönlich schwebt da etwas vor, womit man ein verkleinertes Motorrad der Muggel transportieren könnte."
Die Augen von Mandy begannen plötzlich zu funkeln. Scheinbar löste bei ihr die Vorstellung, dass Harry ein eigenes Bike hatte schon unzüchtige Gedanken aus. Hermines Blick wurde daraufhin warnend wie bei einer Raubkatze in ihrer Haltung und in ihren Augen blitzte es.
„Oh da hast du Glück Harry. Wir haben genau das, was du suchst."
‚Seit wann waren wir beim DU?' Dieser Gedanke durchzuckte den Gryffindor, während er und seine Liebste von Mandy weiter hinter in den Laden geführt wurden. Hermine begann das Mädchen dabei langsam aber sicher mit den Augen zu erdolchen. Zumal die Verkäuferin anfing sie selbst völlig zu ignorieren und mit leicht gedankenverlorener Stimme fortfuhr.
„Mein Großvater hat sie damals für sich und meine Großmutter selber hergestellt, da beide eine Menge für die doch sehr aufregende Art der Muggel zu Reisen übrig hatten."
Mandy deutete dann auf zwei kleine Koffer, die ganz oben im Regal standen und Harry fragte sich, ob darin wirklich jeweils ein Motorrad Platz hatte. Er lächelte das Mädchen etwas an und meinte, dass es interessant klang. Mandy wurde daraufhin noch aufgeregter und fragte, „Das ist schön zu hören, Harry. Soll ich dir vielleicht einen runter holen?"
Der nächste Moment im Raum war durchzogen von einer peinlich beängstigten Stille und Harry starrte Mandy an. Selbige schien über ihre Worte, als sie sich diese noch mal überdachte selbst entsetzt zu sein und sie schaute mit immer roter werdendem Gesicht zwischen Harry und Hermine hin und her.
Harrys Freundin hingegen schien plötzlich wie eine Raubkatze zu wirken, die Blut geleckt hatte. Sie funkelte erst Mandy und dann Harry an, der aber gerade nicht in der Lage war, überhaut was zu sagen. Und allein diese Tatsache, und dass Hermine, Ginny und Eve sich nach der Episode im Strandhaus mal so richtig über Harry und sein Verhalten beim Anblick anderer nackte Mädchen, unterhalten hatten, brachten den Lockenkopf dazu, ihren Liebsten mal so richtig zu striezen. Hermine sah Harry nämlich plötzlich mit funkelnden Augen an und fragte mit teuflischer Stimme, „Und Harry Schatz, soll sie?"
Der Gryffindor war wie vor den Kopf gestoßen. Nicht über Hermines Frage. Nein, dafür hatte die letzte Woche gesorgt, in der seine Freundin ihn immer wieder ein wenig zu locken versuchte. Vielmehr war Harry verstört, dass es immer ihn traf, in solche Lagen zu kommen, oder aber, dass immer er es war, der rot wurde. Daher beschloss der Gryffindor, dass damit hier und jetzt Schluss war, denn was seine Freundin konnte, nämlich ihn aufziehen, nun das konnte er ja auch. So kam es dass Harry Potter wie er leibt und lebte, plötzlich seine Brust straffte und sagte, „Nein Schatz, das braucht sie nicht. ich mache es lieber selbst. Und außerdem sollen junge Damen wie Mandy nicht so große und schwere Sachen heben."
Wieder war es kurz still im Raum. Allerdings ging die ganze Sache etwas nach hinten los, denn Hermine, abgebrüht wie Fred und George, zeigt nicht wirklich die gewünschte Reaktion. Sie blieb nämlich todernst und fragte ihren Freund laut, „Wie kommst du denn auf groß, Harry?" Daraufhin blieb der Gryffindor natürlich alles andere als cool und sein Gesicht leuchtete fast so stark wie das von Mandy, welche nun scheinbar zwischen die Fronten eines geistigen Kampfes zweier Verliebter geraten war.
Schließlich aber begann Hermine zu lachen und küsste ihren Freund sanft auf den Mund. Dann entschuldigte sie sich etwas und erklärte der Verkäuferin, was da gerade abgelaufen war. Als man dann noch zwei Minuten über die ganze Sache gelacht hatte, kam man irgendwann mal wieder zum Geschäftlichen, das damit endete, dass Harry die beiden mobilen Kleingaragen kaufte und sie noch mit Hermines und seinen eigenen Initialen versehen ließ.
Flashback Ende
Harry erinnerte sich zwar daran zurück, ging aber nicht weiter auf Rons Frage nach den Koffern ein. Sie waren halt da und damit war es gut. Außerdem hatten sie ja auch was viel Wichtigeres vor und somit lag die Aufmerksamkeit des Gryffindors nun auf den alten Bauplänen des Waisenhauses.
„Der Grundstein muss irgendwo hier liegen", meinte Stephano Styls und deutete mit seinem Zauberstab auf die Skizze. Er markierte damit einen Punkt, welcher sich nahe der jetzigen Haupteingangstreppe befand. Allerdings erkannte man auch, dass unter selbiger auch der Abstieg zum Keller lag und dies stimmte den Gryffindor etwas zuversichtlicher, dass er die Treppe nicht abreißen musste. Wie sollte dies auch geschehen, am helllichten Tag und bei möglicherweise über hundert Gästen?
Es war dann schließlich kurz nach zehn Uhr, als Tonks im Schloss eintraf und nachdem sich alle begrüßt hatten, und Sirius Cousine einen etwas neidischen Blick über Ginny und Hermine, oder besser deren Klamotten hatte schweifen lassen, machte sich die kleine Gruppe auf den Weg aus dem Schloss. Harry trug dabei die beiden Koffer mit ihren Babys und Damion hatte seinen Boomerang auf den Rücken geschnallt. Die anderen hatten nichts zu tragen, außer dem Portschlüssel, den Tonks besorgt hatte. Ursprünglich hatte Harry überlegt mit seinen Kräften zu ihrem Ziel zu teleportieren, doch Hermine hatte Bedenken angemeldet, da ihre beiden Motorräder ja mit Benzin liefen und Feuer und Treibstoff vertrugen sich nun mal nicht wirklich.
Und weil Harry auf dieses Argument nichts erwidern konnte, da er nicht wusste, was geschehen konnte, hatte man sich halt auf den Portschlüssel geeinigt. Tonks hatte außerdem ein schönes Plätzchen auserkoren, wo sie unbemerkt auftauchen konnten. Es handelte sich dabei um eine kleine Wiese einige Meilen vor dem Stadtrand, keine zehn Minuten vom Waisenhaus weg. Dorthin brachte sie der Portschlüssel dann auch ohne Probleme und Harry musste überrascht feststellen, dass es in England nicht nur schlechtes Wetter gab. Nein hier, kurz vor ihrem Ziel, schien die Sonne und ihre warmen Strahlen drückten schon ziemlich stark aufs schwarze Leder. Der Gryffindor öffnet seinen Regenmantel etwas und meinte, dass er den wohl nicht mehr bräuchte.
Stephano Styls grinste nur und erwiderte, „Tja, wenn Engel reisen, dann ist halt schönes Wetter." Und irgendwie hatte Damions Vater damit ja auch recht, denn kaum hatten Harry und seine Liebste ihre beiden Babys ausgepackt und vergrößert, da erklang auch schon ein immer lauter werdendes Brummen. Suchend schauten sich die Gryffindors um und schließlich, begleitet von einer leichten Staubwolke, tauchten unzählige Motorräder auf. Ihre Fahrer trugen allesamt Motorradjacken mit dem Logo der Angels und sie zogen gemütlich und manchmal winkend an ihnen vorbei.
„Springt auf, wir hängen uns da mit dran" rief Harry und bedeutete seinen Freunden sich zu beeilen." Sirius Bike setzte sich zuerst in Bewegung und Hermines folgte. Allerdings war das Bild welches sie dabei abgaben etwas sonderbar und gab reichlich Platz für Spekulationen. Selbst Professor Styls musste ein wenig grinsen, als er sah, wie sich Damion etwas an Harry klammerte und Ginny dies bei Hermine tat. Aber was soll's, dachte sich der Lehrer wohl. Wahre Freundschaft gibt's halt nur unter Männern. Kurz darauf apparierten die beiden Erwachsenen zu ihrem nächsten Zielpunkt, einem kleinen Cafe, welches nur wenige Augenblicke vom Waisenhaus entfernt lag und von wo aus man auch rasch zu Fuß den anderen zu Hilfe eilen konnte.
Harry hatte keine Ahnung was sie erwarten würde. Seinem Erachtens nach galt es aber vorrangig nach dem Horkrux zu suchen und sich dabei so unauffällig wie möglich zu benehmen. Daher reihte er sich mit seiner Maschine einfach in die Meute mit ein und gab Hermine zu verstehen, dass sie sich am Ende der Schlange halten sollten. So konnte er im Notfall rasch umdrehen und den Rockern entkommen. ... Wie naiv er doch war. Denn als die Kolonne um die nächste Kurve bog, erklang ein lautes Hupen und der Anführer der aus gut dreißig Motorrädern bestehenden Gruppe hielt an. Er schaute sich suchend um und griff dann nach etwas, das aussah wie ein kleines Telefon.
„Harry, was ist?", fragte Damion von hinten, doch sein Kumpel zuckte mit den Schultern und beobachtete den Biker weiter vorn. Dieser schien nun mit seinem Anruf fertig zu sein und hob seine rechte Hand in die Luft. Mit ihr signalisierte er kurz, dass es wohl in zwei Minuten weiter gehen sollte und Harry beschloss sich ruhig zu verhalten.
Die Sekunden verstrichen und die vier Hogwartsschüler überlegten, worauf die Biker denn warteten. Schließlich kam die Lösung in Form eines kanonenartigen Knalls und einer roten Leuchtspur am Himmel. Erschrocken hatten Harry und seine Freunde zu ihren Zauberstäben gegriffen. Doch noch rechtzeitig erkannte der Schwarzhaarige, dass es kein Angriff war, sondern vielmehr ein Signal einer Leuchtpistole. Und kaum war das rote Glühen verloschen, knatterten und heulten die Motoren auch schon wieder auf und der Tross setzte sich in Bewegung. Es ging nun noch etwas geradeaus und dann einen kleinen Stich hinab und als Harry mit seiner Maschine als Letzter über die Kuppe fuhr, stöhnte er leise auf.
Der Anblick, welcher sich ihm bot, war irre. Und er meinte damit nicht die herrliche Frühlingslandschaft und den Sonnenschein. Nein, es war etwas ganz anderes. Was hatte er noch am Morgen gedacht? Ein paar Biker, die ein Kinderfest veranstalteten? Junge war er nur naiv. Vor ihm lag, in einer kleinen Senke, ihr Ziel, eine kleine Stadt und in ihrem Zentrum befand sich ein weitläufiger Park, dessen Bäume gerade erst angefangen hatten, ihre Blätterpracht zu entfalten. Somit konnte man schon von weitem sehen, dass sich unzählige Zelte und Pavillons um ein weißes Gebäude im Parkzentrum befanden. Dies musste das Waisenhaus sein, denn so viel hatte ihnen Tonks schon sagen können. Und auf eben jene grüne Oase inmitten der Häuser und Straßen bewegten sich nun, aus allen Richtungen kommend, fünf Bikerkolonnen zu. Es glich einem Sternmarsch und sollte so etwas wohl letztendlich auch sein. Sonst hätten man ja auf das Signal verzichten können.
Die Fahrt von Harrys Gruppe ging nun langsam durch die Stadt und schließlich erreichten sie ihr Ziel. An das vorhin noch in Erwägung gezogen rasche Umdrehen war nun allerdings nicht mehr zu denken, da hinter der Kolonne der Gryffindors, welche als zweite das Waisenhaus erreichte, die Motorräder aus dem Norden sich einreihten und man nun auf das weitläufige Gelände des Waisenhauses einbog. Überall an den Straßenrändern standen Besucher und die Kinder der Stadt, die ihre Gäste mit Beifall empfingen und winkten. Mrs. Winter schien recht zu haben, als sie schrieb, dass das Treffen immer ein Großereignis war. Und offenbar erwartete sie persönlich ihre Gäste auch schon sehnsüchtig. Nun, Harry vermutete es, da kaum dass die Motoren langsam verstummten, eine kleine Gruppe, bestehend aus mehreren Frauen, auf den Anführer der ersten Gruppe Angels zuging und ihn herzlich begrüßte.
Harry war leicht gebannt von diesem Anblick und stellte seinen Motor auch ab. Dann schaute sich er kurz um und sein Blick traf auf den von Hermine, die ihn liebvolle zulächelte. Ginny und Damion schien es bisher auch gefallen zu haben, obwohl sich die Rothaarige gleich nachdem sie von Hermines Bike gestiegen war daran machte, ihre schwarze Lederjacke zu öffnen. Die Sonne ballerte nun doch schon sehr und das schwarze Leder tat sein Übriges.
Schließlich waren die Begrüßungen abgeschlossen und nach einer kurzen Ansprache der Gastgeberin galt das Frühlingsfest als eröffnet. Sofort strömten Unmengen von Kindern zu den Bikern und man sah, dass einige der Knirpse wohl viele der Erwachsenen wiedererkannt und sehnlichst erwartet hatten. Besondern fiel Harry dies auf, als eine kleine Gruppe, bestehend aus drei Jungen und vier Mädchen, zu einem etwa fünfzig Jahre alten Mann rannten, der eine Kombination aus Jeans und Leder trug und lauthals „Onkel Mec, Onkel Mec" riefen. Der Biker drehte sich zu den Kindern um, lächelte und breitete lachend seine Arme aus. „Kommt her, ihr Rasselbande", rief er und umarmte jeden ganz lieb. Harry wurde es richtig warm ums Herz, als er dies sah und bekam so in seiner Beobachtung gar nicht mit, wie sich einige andere Biker mit fragenden Gesichtern zu ihnen hin bewegten.
„Oh Mechanic hat seine Fans schon gefunden", sagte eine der Frauen, welche der Gruppe angehörte und die neben ihrem Lederoutfit, der langen Mähne und einem wirklich kunstvoll verzierten Helm auch noch eine Art Schreibboard trug.
„Jepp Elsa, der wird wohl nie erwachsen und ich denke mal, morgen Abend gibt es hier im Waisenhaus eine Menge Spielzeug, welches nicht mehr repariert werden muss."
Diese Bemerkung kam von einem Mann, den Harry so auf siebzig Jahre schätzte und der wohl das Sagen unter den Angels hatte. Er trug eine Brille mit blauen, achteckigen Gläsern, eine alte, sehr zerschlissene Jeansjacke und einen Bart, der mit seinem weißen Haaren schon beinahe an den von Dumbledore heran kam. Aufmerksam musterte er Harry und seine Freunde und sein Gesicht wurde nachdenklich, so als überlegte er, wer die vier Gryffindors wohl waren.
‚Mist', dachte Harry, ‚jetzt sind wir aufgeflogen' und sein Blick ging in die Runde. Er sah, wie die Frau, Elsa wenn Harry richtig gehört hatte, die Nummernschilder von Hermines und seinem Motorrad aufschrieb und dann in ihrer Liste danach zu suchen schien. Ein anderer Mann mit sonnengebräunter Haut, einen schwarzen Pferdeschwanz und einer dicken Zigarre um Mund wiederum musterte besonders Hermines Maschine mit skeptischem Blick und Harry wurde es ein wenig mulmig. Er hatte ja nicht wirklich Erfahrung mit Rockern und Bikern. Und wenn man mal bedachte, dass dies hier die Hells Angels waren und die Berichte der Zeitungen mit in Betracht zog, so konnte sich dies durchaus als Nachteil herausstellen.
„Nun, wer sei ihr?", fragte der Chef der Angels und Harry hatte sich schon mit dem Gedanken getragen, dass sie gleich im hohen Bogen rausflogen. „Nicht dass uns eure Bikes nicht gefallen, doch das Treffen der Angels ist, besonders hier im Waisenhaus und im Interesse der Kinder nur halbwegs öffentlich. Die Sicherheit und so ... ihr versteht, oder?"
Bevor Harry jedoch irgendwas Falsches antworten konnte, sprach der Mann mit der Zigarre, welcher bisher Hermines Motorrad so genau gemustert und ihm auch noch einen nicht eindeutig definierbaren Blick zugeworfen hatte, im ruhigen Ton und mit eindeutig amerikanischem Akzent. „Nun Miles, sie gehören zu mir. Es sind Harry Potter und seine Freundin Hermine. Und die anderen Beiden, so denke ich, werden sich uns gleich vorstellen."
Alarmiert schaute Harry nun in die Runde und seine Hand ging vorsichtig in Richtung seines Zauberstabes. Allerdings entschärften Ginny und Damion erst einmal die Lage, indem sie sich vorstellten und somit die Erwachsenen ablenkten.
„Ich bin Ginny. Naja eigentlich Ginevra Weasley", sagte Harrys Freundin freundlich, worauf Elsa leicht auflachte, und Miles nickte verstehend. Dann ging sein Blick zu Damion und er musterte den Jungen etwas genauer, da sich Harrys Kumpel für ein doch sehr düsteres Aussehen entschieden hatte. Dann drehte er sich wieder zu Harry zurück und lächelte plötzlich. „Nun Gordy, wenn das so ist ... viel Spaß euch vieren beim Fest."
Damit wandte er sich um und ging zu den nächsten Motorradfahrern, um diese zu begrüßen. Zurück bei Harry blieb nur ihr Retter, blieb der Mann mit der Zigarre und Harry wusste nun nicht so genau, wie er ihn einschätzen sollte oder, was noch wichtiger war, woher er seinen Namen kannte. Skeptisch beäugte er Gordy, wie ihn der Angelschef genannt hatte und in seinen Gedanken fragte sich der Gryffindor, ob er den Namen schon einmal gehört hatte.
„Na das war aber knapp, nicht wahr Harry? Sie hätten doch schreiben können, dass sie ein Angelsfan sind."
„Wie bitte? Wie meinen sie das und woher kennen sie mich?", fragte Harry nun überrascht. Verschärft wurde das ganze dann noch, als Ginny plötzlich etwas unbedacht fragte, „Sind sie etwa ein Zauberer?" Sofort lagen die Blicke ihrer Freunde auf der Rothaarigen und ihr Gesicht zeigte nun eindeutig Verlegenheit.
„Ein was, Ginny? Ein Zauberer?", fragte Gordy nun und lachte dann leicht schelmisch. „Nun so hat mich noch keiner genannt. Obwohl, meine Frau meint immer, ich habe magische Finger. Doch das ist wohl anders gemeint."
Damion war wohl der einzige, welcher es schaffte ein Lachen loszuwerden, während Harry, Ginny und Hermine damit zu kämpfen hatte, das ihr Blut sich nicht gänzlich im Gesicht sammelt. Kurz darauf wurde Gordy wieder etwas ernster und wandte sich direkt an Harry. „Nun Mr. Potter, natürlich sind wir uns noch nie persönlich begegnet. Und ich habe auch nicht sie erkannt, sondern ich erkannte vielmehr etwas anderes wieder. Etwas, das mein Leben ist und das sich nun im Besitz ihrer liebreizenden Freundin befindet."
„Wie bitte? Hermine?" Verwirrt schaute Harry zu seiner Liebsten, die aber selbst ein wenig schockiert über die Worte des fremden Mannes war. Gordy bemerkte, dass er etwas weiter ausholen musste, damit man ihn verstand und glaubte. Und daher lächelte er kurz und sagte mit seinem amerikanischen Akzent.
„Also Mister Potter, meine Name ist Gorden Theodore Mason. Ich stamme aus den Vereinigten Staaten und arbeite als Leiter der Wahrenendkontrolle bei Harley Davidson."
„Und daher kennen sie Harry?", fragte Hermine überrascht. „Ich meine, ihre Firma verkauft Millionen von Motorrädern in die ganze Welt ..."
„Das stimmt, Ms. Granger", fuhr Gordy rasch fort. „Aber wenn die Obrigkeit in der Chefetage für manche Bikes besonderes Interesse an den Tag legt und du angehalten wirst, diese Maschinen mehrfach auf Herz und Nieren zu prüfen, weil eine davon für einen Teilhaber deines Konzerns bestimmt ist, nun, dann vergisst du dieses Bike nicht so schnell. Mein persönliches Siegel ist übrigens unterhalb des Tanks angebracht, Ms. Granger."
Harry hört die Worte des Mannes, allein der Glaube an diesen Zufall, fehlte noch. Musternd sah er Gordy, wie wohl sein Spitzname war, an und wog ab, ob dies alles Stimmen konnte, oder aber, ob es eine Falle war. Aus diesem Grunde stellte Harry seinem Gegenüber noch eine letzte Frage und wollte wissen, wie es kam, dass sich der Chef der Wahrenendkontrolle von Harley Davidson nicht in den USA sondern in Großbritannien aufhielt.
Gordy schaute Harry überrascht an und antwortete, „Nun Harry, wie schon gesagt, sind die Motorräder mein Leben und schon mein Vater war ein Angel. Und dass ich hier bin ist auch kein wirklicher Zufall. Nein vielmehr ist es Marktforschung für unsere Firma." Dieser Satz musste bei Harry ein Stirnenrunzeln verursacht haben und Gordy fügte schnell hinzu. „ Siehst du Harry, jedes Jahr beginnt die Bikersaison hier im Waisenhaus mit dem Frühlingsfest und ich komme dabei mit so vielen Leuten, Freunden und anderen Bikern ins Gespräch, und kann mir so manche ihrer Probleme anhören. Oft finde ich Dinge, verbesserungsfähige Unstimmigkeiten an unseren Bikes heraus, welche dir ein Ingenieur am Reißbrett niemals sagen kann."
Allein schon wie Gorden Mason dies herüber brachte ließ Harry keine Wahl, als ihm zu glauben. Der Gryffindor nickte und sah zu seiner Freundin, die dem Mann auch neugierig gelauscht hatte. Allerdings schien sie nun eine Frage zu haben und sprach Gordy an. „Aber woher kennen sie meinen Namen. Harrys verstehe ich ja, er hat das Motorrad, welches ich nebenbei als ein wirklich himmlisches Geschenk bezeichnen würde, bei ihnen bestellt und gekauft. Aber wie kommt nun mein Name ins Spiel?"
Gordy grinste und zog noch mal genüsslich an seiner Zigarre. „Durch die Zulassung", sagte er dann und wandte sich nun direkt an den Lockenkopf. „Hermine, ich darf dich doch so nennen? Jede Harley, welche unser Haus verlässt, hat eine Fahrzeugidentifikationsnummer. Im Fall deines Babys dürfte sie mit einem S beginnen und mit den Ziffern 1997 enden. Das S steht für Sondermodel und da wir bei diesen Maschinen oft besondere Teile, wie bestimmte Tanks, Gabeln oder auch Lederbezüge verwenden, wird bei uns hinterlegt, wer das Motorrad als erster Besitzer bekommen hat. Es hat auch was mit der Garantie zu tun. Harley Davidson ist da sehr eigen und geht davon aus, dass, wer sich so ein besonderes Gefährt kauft, es auch ewig behält."
Nachdem Hermines Frage letztendlich geklärt war, verabschiedete sich Gordy von den vier Gryffindors und wünschte ihnen viel Spaß. Mit Sicherheit, so meinte er, würde man sich in der nächsten Zeit schon mal wieder über den Weg laufen. Harry schaute dem Mann nach und meinte dann, dass es Zeit wäre, sich das Waisenhaus mal näher anzusehen. Sie sicherten ihre Maschinen, legten die Helme auf die Lenker und liefen zusammen in Richtung Hauptgebäude.
Dass man dies aber nicht so ohne weiteres schaffte, damit hatte Harry jedoch nicht gerechnet. Unterwegs wurden die Vier von vielen Jungen und Mädchen aufgehalten, die wissen wollten, wer sie waren. Hier kam Harry Ginny ein wenig zu Hilfe, denn Damions Freundin, ihren kleinen Patzer mit dem Zauberer vergessend, beantwortete die Fragen mit sehr viel Freude. Harry sah sie dankend an und nickte Ginny zu. Daraufhin führte die Rothaarige die Kleinen etwas abseits und lenkte sie zusätzlich damit ab, indem sie sich erklären ließ, was denn heute alles so auf dem Plan stand und wo es etwas zu essen gab.
Harry, Damion und Hermine nutzten dies und gingen weiter. Unterwegs trafen sie auf eine Menge Bikerfrauen, die angefangen hatten, sich um die Grills und auch Kuchenstände zu kümmern. Offenbar hatte hier jeder so seine Aufgabe in der Gemeinschaft der Motorradfreunde und dies mussten auch die drei Gryffindors erfahren. Denn kaum waren Harry und Co an einem großen Drehspieß angelangt, auf dem schon ein gewaltiger Ochse hing, da wurde Damion auch schon angesprochen.
„Eyh Schwarzer", rief ein gut vierzig Jahre alter Mann mit Glatze, allerlei Tattos auf den Armen und einer weißen Schürze um den beträchtlichen Bauch. „Pack mal kurz mit an, damit der Ochse schneller gar wird."
Damion sah den Mann verdutzt an und dann unsicher zu Harry, der gerade überlegte, was zu tun war. Letztendlich aber wollten sie ja nicht auffallen und somit entschieden sie sich, dass es nicht schaden konnte, wenn Damion ruhig etwas mit hier blieb. Styls Sohn straffte die Brust und lächelte dem Grillmeister an. „Kein Problem, was soll ich machen", hörte Harry ihn noch sagen und schon streifte sich Ginnys Freund seine Jacke ab.
Blieben also nur noch Harry und seine Freundin, die letztendlich das Waisenhaus erreichten. Auf der Haupttreppe blieben sie stehen und Harry, der seine Brille leicht verdunkelt hatte, konzentrierte sich darauf, zu erkennen, ob es irgendwelche Anzeichen von Magie gab. Und siehe da, es gab sie auch. Gleich beim ersten Versuch erkannte der Gryffindor einen leichten, jedoch effektiven Feuerschutzzauber an den Wänden des Gebäudes. Styls hatte irgendwie recht, als er meinte, dass Voldemort in mancher Hinsicht ein Genie war. Ein teuflisches, aber geniales Gehirn. Allein schon dieser Zauber, welcher das Gebäude vor Blitzeinschlägen oder dem Entzünden durch Brandstiftung schützte war so gewählt in seiner Beschaffenheit, dass das Ministerium ihn nie und nimmer entdecken würde, wenn sie nicht wüssten, dass er da wäre.
Allerdings sagte Harry dies aber auch, dass ihm die Möglichkeit gegeben war, mit Hilfe seines eigenem, seinem Phönixfeuer, durch den Zauber zu dringen und das Horkrux, sollten sie es gefunden haben, zu zerstören. Doch bis dahin stand erst einmal auf dem Plan, in das Gebäude und auch in den Keller zu kommen. Daher nahm Harry seine Freundin in den Arm, führte sie hinein und vorbei an einer Gruppe von Betreuen, die gerade dabei waren, mehrere Kinder nach draußen zu schicken, da es gleich was zu essen geben sollte. Eine der Frauen erkannte Harry als Mrs. Winter und sie bedachte das Pärchen mit einem sonderbaren Blick, als sie an ihnen vorbei ging.
Zehn Sekunden später waren die beiden Gryffindors dann endlich ungestört und sie eilten die Treppe in den Keller hinab. Schon auf dem Weg dahin, aktivierte Harry alle seine Sinne und in seinem Kopf begann es leicht zu pulsieren. Dies war ein Gefühl, welches der Gryffindor nicht kannte. Doch es sagte ihm auch, dass sie sich etwas Großem, oder vielmehr mächtigem näherten. Das Gefühl verstärkte sich mit jeder Stufe, welche die beiden tiefer in das Gewölbe kamen und schließlich stand Harry vor einer Wand, an welcher sich ein Brett mit diversen Gartengeräten befand.
„Dahinter muss es sein, Schatz", sagte der Schwarzhaarige und deutete auf eine Stelle kurz über dem Boden.
„Meinst du wirklich, Harry?", fragte Hermine nach und ihr Freund nickte. „Ja, ich spüre die Magie von Tom Riddle förmlich."
„Und was wollen wir jetzt tun, Harry? ich meine, wir können nicht einfach, das Gebäude in Brand stecken. Voldemort wird davon erfahren, und damit ist unser Vorteil futsch. Er wird vielleicht noch andere Horkruxe erschaffen. Horkruxe, von den wir dann nicht mal die leiseste Ahnung haben, was sie sein könnten."
„Du hast ja recht, Schatz. Wir müssen den Kelch erst einmal so heraus bekommen."
„Und wie?", fragte Hermine auf Harrys Feststellung hin.
„Ich werde die Plombe mit den Artefakten der Grundsteinlegung vorsichtig herausbrennen." Mit diesen Worten bat Harry seine Freundin etwas zurück zu treten und er richtete seine rechte Hand auf die Stelle, wo er den hohlen Stein gespürt hatte. Dann konzentrierte er sich auf sein Phönixfeuer und ein kleiner Feuerstrahl schoss aus seinem Zeigefinger, ähnlich einem Laserstrahl und die Flamme brannte sich in das Gestein.
Allerdings wurde der Gryffindor dann plötzlich von zwei kräftigen Händen gepackt, nach hinten gerissen und sah sich dann den zornigen Augen des Mannes, welchen er als Mechanic kennen gelernt hatte gegenüber. Die Biker wirbelte ihn mit Leichtigkeit herum und hielt ihn dann so in der Luft, dass Harry sich kaum bewegen konnte. Suchend ging der Blick des Gryffindor durch den Raum, um nach seiner Freundin zu sehen. Doch auch Hermine wurde von einem Angel festgehalten. Allerdings hatten ihre Beine Bodenkontakt und neben ihr stand Mrs. Winter mit einer Mischung aus Wut und Unverständnis in ihrem Gesicht...
TBC
11
