Kapitel 90

Kapitel 90

„Was geht hier vor?", fragte die Leiterin des Waisenhauses.

„Wir ... ich ... es ist ein Missverständnis", versuchte Harry ihr plausible zu antworten, wurde aber sofort von Mechanic mit seiner nun nicht mehr ganz so freundlichen Stimme unterbrochen.

„Ein Missverständnis? Ein Miss... oh du krankes Schwein. Du schleichst dich hier rein, nutzt unseren guten Willen aus und willst dann alles zerstören, was die Kinder hier haben? Ich würde dich am liebsten an mein Bike ketten und eine Runde über den Schotterplatz schleifen."

„Ich wollte kein Feuer legen, Mec. Ich ..."

„Nenn mich ja nicht Mec, du Mistkerl. Das dürfen nur meine Freunde und du gehörst da wohl nicht dazu.", fauchte der Hüne und drückte Harry noch fester zusammen. Dann ging sein Blick zu Mrs. Winter, die aber immer noch leicht geschockt war, über das, was Harry getan oder zumindest versucht hatte zu tun. Schließlich war es dann auch Hermine, die mit leicht ängstlicher Stimme sich an die Frau neben ihr wandte. Zwar hatte man sie nicht mehr ganz so hart angepackt, doch mit zwei erwachsenen Angels wollte sie sich auch nicht anlegen, zumal sie ihr magischen Kräfte nicht einsetzen konnte, ohne dass das Ministerium von ihrem kleinen Trip Kenntnis erlangte.

„Bitte Mrs. Winter, wir wollten wirklich keinen Schaden anrichten. Wir wollten doch nur den Kelch, um Voldemort zu vernichten."

Die beiden Angels begannen zu lachen, auch wenn die Sache hier todernst und es auch kein fröhliches Lachen war. Sie wiederholten laut die Worte „Kelch" und „Voldemort" und meinten, dass des wohl der größte Blödsinn war, von dem sie jemals gehört hatten. Einzig die Leiterin des Waisenhauses lachte nicht und bedacht zuerst Hermine und dann Harry mit einem nachdenklichen Blick, welcher sagte, sie durchforstete gerade ihre gesamten Erinnerungen.

„Wie sagtest du, heißt du?", fragte sie dann an den Schwarzhaarigen gewandt, der immer noch überlegte, ob er nicht einfach Mechanic überwältigte und dann die Gedächtnisse der anderen ein wenig modifizieren sollte. Körperlich in der Lage war er dazu allemal. Vom magischen Potential ganz zu schweigen.

„Mein Name ist Harry Potter, Ma'am." Antwortete Harry allerdings erst einmal und Mrs. Winters Augen schienen ein wenig größer zu werden. Langsam öffnete sich ihr Mund und wenn man genau hinhörte, konnte man leise einen Name vernehmen, ... Dumbledore.

„Dumbledore", sagte sie dann noch mal laut und fragte ihr Gegenüber, ob er den Namen kannte. Harrys Gesicht verdunkelte sich etwas und er antwortete. „Ja Ma'am, Albus Dumbledore war unser Direktor in Hogwarts."

Mrs. Winter brauchte noch eine Minute Bedenkzeit und wandte sich dann an ihre Begleiter. „Mec, lass ihn runter", sagte sie und ihre Gesichtszüge entspannten sich auch.

„Aber Ma'am ...", erwiderte der Angel leicht überrascht und verstärkte den Druck auf Harry nochmals, so als wolle er ihn gar nicht freigeben.

„Robert" sagte Mrs. Winter dann in einem leicht strengen, ungeduldigen Ton und wenn die Sache hier nicht so ungewiss oder ernst gewesen wäre, dann hätte Harry sogar gelacht. Mechanic winselte nämlich fast als ihn die resolute Frau mit seinem richtigen Namen ansprach und mit einem kleinlauten „Ja Ma'am", ließ der Biker den Gryffindor los. Irgendwie erinnerte dies Harry alles ein wenig an Tonks und ihren Namen und er vermutete, dass Mec sich einerseits an seinen Spitznamen gewöhnt und andererseits eine Menge Respekt vor dem Damen hier im Haus hatte. Ohne Zweifel war er früher auch mal hier gewesen.

Doch diese Gedanken musste Harry dann erst einmal beiseite schieben, denn es galt nun ein Gespräch mit Mrs. Winter zu führen, von dessen Ausgang oder von dessen Richtung er nicht all zu viel voraussagen konnte. Die beiden Biker begehrten dann noch mal auf, als die Leiterin des Waisenhauses meinte, sie wolle allein mit Harry und seiner Freundin sprechen. Doch da ihre Art sehr an die von Professor McGonagall heran kam, blieben letztendlich nur noch drei Personen im Keller zurück, von denen eine nun neugierig auf die leichten Brandspuren an der Wand schaute. Dann drehte sich Mrs. Winter um und mit strengen Blick fragte sie Harry, was er dort versucht habe zu tun.

„Also Mr. Potter, was hatten sie hier unten vor? Sie glauben doch nicht wirklich, dass ich ihnen abnehme, sie wollten nur den Kelch, welcher sich im Grundstein dieses Gebäudes befindet? Und wenn, wozu wollen sie ihn haben?"

Harry sah Mrs. Winter leicht abschätzend an und überlegte sich seine Worte gut, denn auch wenn die Frau ihm gegenüber vielleicht schon etwas über die magische Welt wusste, so war sie dennoch ein Muggel, und noch wichtiger, sie trug die Verantwortung für das Waisenhaus. Schließlich hatte Harry einen Anfang gefunden und sagte, „Nun Mrs. Winter, mein Hauptaugenmerk liegt darauf einen Krieg zu beendete oder besser zu verhindern, der uns langfristig gesehen, alle betrifft."

„Einen Krieg", fragte Mrs. Winter leicht ungläubig und Harry merkte, dass er doch weiter zurückgehen musste.

„Ja einen Krieg, der zwar vorerst nur in der Zaubererwelt herrscht, dessen Auswirkungen aber auch schon Lebensbereiche der Muggel erreicht hat. Muggel sind übrigens ..."

„Ich weiß, was Muggel sind Mr. Potter. Ich habe vor längerer Zeit mich mal ausgiebig mit Professor Dumbledore unterhalten. Dann brach der Kontakt aber leider abrupt ab und selbst mein letzter Brief wurde nicht beantwor ..."

Mrs. Winter bemerkte plötzlich bei Harry und auch seiner Freundin eine Art Trauer in den Augen. Sie sah den jungen Mann nun nachdenklich an und bekam im nächsten Moment auch schon eine Antwort.

„Der Professor ist tot, Mrs. Winter. Er wurde letztes Jahr getötet und zwar auf Befehl von Voldemort." Harry sah die Frau nun ernst an und als diese zu seiner Überraschung fragte, wer dieser Voldemort nun eigentlich sei, nun, da entschloss sich Harry ein wenig auf Angriff zu schalten.

„Nun Voldemort ist eine der größten Gefahren, der jüngeren Zeit. Er ist machtbesessen und strebt danach, dass die Welt der Zauberer und Hexen, wie er es nennt, reinblütig wird. Die Ironie dabei ist allerdings, Mrs. Winter, Voldemort selbst ist ein Halbblut. Sein Vater war ein Muggel und seine Mutter war eine Hexe. Sie starb bei seiner Geburt und Tom kam in ein Waisenhaus der Muggel. Oder um es noch klarer zu sagen. Er kam vor fast über einem halben Jahrhundert in dieses Haus."

„In dieses Haus? Lord Voldemort?", fragte die Leiterin des Waisenhauses nun überrascht und sah Harry skeptisch an.

„Ja Ma'am, er war hier bekannt als Tom Vorlost Riddle und wohnte bis zu seiner Volljährigkeit immer in den Ferien hier."

Dies musste Mrs. Winter erst einmal sacken lassen, bevor sie fragte, was Tom Riddle denn nun aber mit dem Kelch im Grundstein zu tun hatte. Irgendwie schien ihr die Sache dann doch ein wenig suspekt. Harry überlegte noch einen Moment und fuhr dann fort.

„Nun, um ihnen keinen falschen Eindruck zu vermitteln, Mrs. Winter, muss ich versuchen, ihnen in wenig von Voldemorts Denkweise nahe zubringen. Obwohl man behaupten kann, dass dies nicht unbedingt leicht sein wird. Doch hören sie mir vielleicht einfach erst einmal zu..."

Mrs. Winter nickte, meinte dann aber, dass sie sich vielleicht erst einmal kurz hinsetzen sollten. Sie deutete dabei auf drei alte Stühle, welche hier im Gang standen. Allerdings brachte ihr Anblick Harry dazu, kurz mal etwas Magie zu wirken und mit einem stablosen Zauber verwandelte er sie in drei Sessel, die bedeutend einladender aussahen. Darauf ließen sich die Drei schließlich nieder und Harry räusperte sich.

„Also, Voldemort oder besser Tom Riddle war einer der besten Schüler, die Hogwarts jemals gesehen hat. Besonders lag ihm die dunkle Magie, welcher er dann letztendlich auch verfallen ist und in seinem Streben nach Wissen und Macht reifte in ihm der Gedanke heran, dass er einmal der mächtigste Zauberer aller Zeiten sein wird. Und mit dieser Idee kam auch der Wunsch nach Unsterblichkeit ..."

„Unsterblichkeit, Mr. Potter? Wollen sie sagen, Voldemort lebt ewig?", unterbrach Mrs. Winter den Gryffindor mit großen Augen. Harry hob aber nur kurz die Hand und erwiderte, „Nein Ma'am. Aber er hat Dinge getan, grausame Dinge, die ihm helfen, dass seine Seele nicht so ohne weiteres in die nächste Welt gelangen kann. Er hat mit jedem Mord, den er begangen hat, einen Teil seiner Seele abgespalten und in bestimmten Relikten versteckt. Man nennt diese Horkruxe und ein eben solches Horkrux ist der Kelche, den wir suchen."

„Aber der Kelch stammt von unserem größten Wohltäter, Mr. Potter. Mr. Gaunt hat so viel Gutes für dieses Haus getan und ..."

„Mr. Gaunt sagen sie, Mrs. Winter?", fragte Harry und sein Ton verriet, dass er eine gewisse Wut auf den Namen hatte. Und als die Leiterin des Waisenhauses nickte, ließ Harry die Bombe platzen. „Nun Mr. Gaunt ist Lord Voldemort. Gaunt ist der Mädchenname seiner Mutter Merope, die bei seiner Geburt gestorben ist. Tom Riddle hat ihn bewusst gewählt, da die Gaunts an sich mit dem Tod von Merope, ihrem Bruder Morfin und auch seinem Großvater Vorlost als ausgestorben galten und das Ministerium ihnen damit keine Beachtung mehr schenkte. Der Name Tom Riddle hingegen konnte allein durch Professor Dumbledores Wissen mit dem späteren Lord Voldemort in Verbindung gebracht werden. Unser alter Freund nannte ihn sogar bis zu seinem Tode noch so und meinte immer, es sei eine alte Gewohnheit von Lehrern. Daher auch die Bemühungen des Monsters den alten Zauberer zu töten."

„Er hat ihn getötet? Dumbledore hat den Kontakt also nicht bewusst abgebrochen?" In Mrs. Winters Gesicht blitzten die Augen kurzzeitig auf und Harry wunderte sich kurz darüber.

„Ja Ma'am, er hat den Befehl dazu gegeben. Allerdings ist der Tod des Professors etwas komplizierter, als sie denken. Doch darauf kann ich hier und jetzt nicht eingehen. Es wäre zu gefährlich, dieses Wissen preiszugeben. Doch Fazit ist, Voldemort hatte immer Angst vor Dumbledore und das nicht nur wegen der Macht des alten Zauberers. Außergewöhnliche Kämpfer waren sie ja beide. Nein, es war vielmehr Dumbledores Wissen um den dunklen Lord und der Tatsache, dass Albus selbst keine Angst vor dem Tod hatte."

Es entstand eine kurz Stille, bevor Mrs. Winter wieder auf den Namen und die mysteriöse Person des Mr. Gaunts zu sprechen kam. Hier erklärte Harry ihr auch seine Vermutungen um das damalige Feuer und dass Voldemort dieses lange geplant hatte. Er unterstrich dabei, dass seine Freundlichkeit und auch das spendable Verhalten nur Mittel zum Zweck waren. Mrs. Winter wollte das zwar erst nicht wahr haben, doch Harry hatte noch einen kleinen Trumpf im Ärmel. Er schaute sich nämlich plötzlich um, ob einer in der Nähe war und schleuderte dann eine kleine Feuerkugel in Richtung der Grundmauer.

Mrs. Winter stöhnte kurz überrascht auf, was dann aber umso geschockter, als die Flame von der Wand förmlich absorbiert wurde und nicht die kleinste Brandspur zurück blieb. Hermine unterstützte ihren Freund dann dahingehend, dass sie Mrs. Winter fragte, ob es denn überhaupt in der jüngeren Geschichte des Hauses mal wieder ein Ereignis gegeben habe, in dem einen Feuer involviert war.

Die Leiterin des Waisenhauses überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. Langsam schien sie Harry zu glauben und schließlich wollte sie Wissen, was Harry denn nun vorhatte, wenn sie ihm freie Hand ließ. Der Gryffindor erklärte der nun sehr nachdenklich wirkenden Dame, dass er vorsichtig den Grundstein mittels seiner Phönixkräfte..., - Übrigens auch so eine Sache, die er eigentlich nicht offenbaren wollte. - ... öffnen und dann den Kelch oder besser das Horkrux einschmelzen wolle.

Harry sah die Frau vor sich angespannt an und wartete auf ihr Urteil. Dieses kam dann auch sehr schnell und sie stimmte der ganzen Sache zu, unter der Bedingung, dass das Haus keinen weiteren Schaden nahm. Harry versicherte ihr vorsichtig zu sein und versprach auch, dass er für die entstehenden Schäden aufkommen würde. Mrs. Winter sah ihn daraufhin skeptisch an und sie schien sich insgeheim zu fragen, wie Harry dies wohl tun wolle. Er war schließlich ein Teenager, selbst ein Waise, wie Dumbledore es ihr einst mal gesagt hatte. Dann aber schien sie sich plötzlich auch noch an etwas anderes zu erinnern und ihre Augen wurden wieder etwas größer. Harry konnte hören, wie ihren Mund die Worte „Sir Harry Potter" verließen und der Gryffindor nickte lächelnd.

„Aber verraten sie es keinem, Mrs. Winter. Ich bin heute einfach nur Harry." Dann wollte der Gryffindor noch fragen, woher sie es wusste und bekam als Antwort von Mrs. Winter, dass ein Bekannter im Stab von Tony Blair arbeitet und er sich bei einem ihrer letzten Treffen lautstark gewundert hat, wie und wodurch ein so junger Mann die Ehre der Ritterstandes verdient habe. Dann sei Harrys Name gefallen und daran hat sich die Leiterin des Waisenhauses halt erinnert.

Harry nickte verstehend und verriet auf den doch sehr fragenden Blick der Frau hin in groben Zügen, was damals im Buckingham Palast geschehen war. Danach kam man dann aber wieder zu ihrem eigentlichen Ziel und Harry befreite nach zehn schweißtreibenden Minuten die metallene Hülse aus ihrem Grab. Er legte den Behälter schließlich auf den Boden und untersuchte ihn rasch noch auf irgendwelche Zauber. Schließlich waren ja Ring und Amulett auch noch durch irgendwas gesichert worden.

Er fand aber nichts und nach näherer Betrachtung und unter Berücksichtigung der zeitlichen Abläufe vermutete Harry, dass der Kelch mit zu den ersten Horkruxen gehörte und Tom Riddle vielleicht noch nicht so paranoid war. Daher öffnete er schließlich den Behälter und zum Vorschein kamen jene verschiedenen Artefakte, die auch in der Zeitung erwähnt worden waren. Harrys Interesse jedoch galt nur dem kleinen goldenen Becher mit den zwei Henkeln und dem eingravierten Dachs. Der Gryffindor entnahm ihn und kaum dass seine Haut den Kelch berührt hatte, spürte er auch schon die dunkle Präsenz des Mörders seiner Eltern.

Er fühlte, dass sich seine Gedanken trübten, dass es ihm leicht ums Herz wurde, wie bei einem Imperiusfluch. Allerdings konnte dieser Zauber keine drei Sekunden überleben, denn zum einen legte Hermine plötzlich ihre Hand auf Harrys Schulter und dies rüttelte den Gryffindor auf. Und dann hatte sich auch Arcan bereit gemacht, im Notfall einzuschreiten. Dies war jedoch nicht länger von Nöten und Harry bedachte das goldene Schmuckstück nun mit einem doch eher angewiderten Blick.

„Du verführst mich nicht", rief er zornig und die Temperatur im Raum stieg sprunghaft an. Hermine reagiert blitzschnell und bedeutete Mrs. Winter sich zurück zu ziehen. Die Leiterin des Waisenhauses tat dies auch ohne zu zögern und beobachtete das Schauspiel aus sicherem Abstand. Was sie dann aber erblickt, ließ sie doch ein wenig erschaudern, denn kaum hatte Harry begonnen den Kelch zu erhitzen, löste sich daraus eine Art schwarzer Nebel, der die Umrisse eines Mannes annahm. Man konnte anfangs noch nicht viel erkennen, doch rasch wurde klar, wer hier vor ihnen auftauchte. Es war Lord Voldemort, noch mit einem Gesicht, welches menschliche Züge aufwies, aber schon mit seinen leuchtend roten Augen.

Harry betrachtete das Abbild des Mannes und verstärkte seine Energie. Voldemort schrie nun vor Wut und versuchte Harry zu ergreifen. Doch das Feuer war unerbittlich und mit einem letzten Aufschrei verschwand das Abbild des dunklen Lords, sein verfluchtes Stück Seele, vom Antlitz der Erde. Es war also geschafft und Harry sackte auf seine Knie. Er atmete schwer und musste sich aufstützen. Hermine kam ihrem Freund zu Hilfe und fragte, was mit ihm sei. Der Gryffindor winkte aber rasch ab und meint, er bräuchte nur kurz was zu trinken.

Inzwischen war auch Mrs. Winter aus ihrer Starre erwacht und sofort bot sie dem Jungen an, dass sie in de Küche gehen könnten, um etwas Tee zu sich zu nehmen. Danach fragte sie zögerlich, ob es denn geschafft sei und Harry nickte erleichtert. Jetzt galt es nur noch ihre Spuren zu verwischen und den Grundstein wieder herzustellen. Doch dazu brauchte Harry jetzt ein wenig Hilfe und diesen Part übernahm Hermine. Bevor sie ihr Werk aber vollenden konnten, bat sie die Leiterin des Waisenhauses, ob sie nicht einen kleinen Blick in die Hülse werfen könne. Harry hatte nichts dagegen und kümmerte sich in der Zeit darum, den nun geschmolzenen Kelch, den Klumpen Gold, vom Boden aufzuheben, um ihn wieder in seinem Grab zu platzieren. Dann aber ließ er von dieser Idee wieder ab und schaute sich im Keller um. Sein Blick fiel auf einen alten Topf, welchen er nun zu sich rief und ihn in eine Kopie des Kelches verwandelte. Mann konnte ja nie wissen und somit ward Tom vielleicht für kurze Zeit getäuscht.

Eine viertel Stunde später dann war von der ganzen Aktion nichts mehr zu sehen. Mrs. Winter meinte noch, man könnte ja einen alten Schrank vor die Stelle an der Wand rücken, damit niemand Verdacht schöpfte und Harry fand dies gar nicht so dumm. Gesagt, getan und danach ging es wieder ans Tageslicht. Dort allerdings wurden die Drei schon erwartet und zwar von Mechanic, der Harry und Hermine nun skeptisch beäugte, als hätten sie seiner alten Erzieherin und Freundin etwas getan. Mrs. Winter lächelte und wandte sich an den Mann.

„Robert, es ist alles in Ordnung und ich bin mit Mr. Potter im Reinen. Du brauchst sie also weder böse anfunkeln, noch dein kindliches Imponiergehabe an den Tag legen."

Für einen Moment war es still, da sich die beiden Erwachsenen nun direkt in die Augen sahen. Dann aber begann Mec zu lächeln und sagte laut „Ja Ma'am". Damit schien die Sache gegessen und das Verhalten des Mannes Harry gegenüber änderte sich schlagartig. Mec fragte, warum der Gryffindor so schlapp aussehe und als Hermine was von Hunger antwortete, da begann der Biker zu grinsen und meinte, dass der Ochse fast gar sei.

Harry lief daraufhin plötzlich das Wasser im Munde zusammen und er folgte Mechanic, der unterwegs aber immer mal wieder ein paar Kindern kleine Scherze und Zaubertricks zeigte, zum Grill, wo sie Damion vorhin zurück gelassen hatten. Und dort konnten sich die beiden Gryffindors ein Lächeln nun wirklich nicht mehr verkneifen, denn da wo sie am Anfang gedacht hatten, dass Damion nur kurz mit am Grill anfassen sollte. Da stand der Gryffindor nun zusammen mit dem Glatzkopf am Grill und brutzelten mit ausgelassener Stimmung den mächtigen Berg Fleisch.

Es schien Damion regelrecht Spaß zu machen und er scherzte mit „Gonzo", wie er den Biker nannte. Der Hammer für Harry kam aber, als sich sein Kumpel umdrehte und er seine Schürze sah. Sie war ebenfalls schwarz, doch auf dem Latz stand mit roter Schrift I love it bloody Hier konnte Harry nicht anders und lachte los. Die Ironie war allerdings, dass man hier niemandem erklären konnte, warum Harry nun über den Spruch und Damion lachte.

Kurz darauf kam auch Ginny wieder mal ins Bild, im Schlepptau eine Meute kleiner Mädchen, welche die Rothaarige regelrecht anhimmelte. Es lag wohl daran, dass Damions Freundin kurzerhand beschlossen hatte, eine ihrer Begabungen zu nutzen und mit den Kindern eine Art Gesichtermalwettbewerb begonnen hatte. Harry musste wirklich schmunzeln als er all die Kätzchen, Hunde und Bärenmasken sah und er fragte sich, ob bei seiner alten Freundin nicht allmählich das Molly-Gen durchkam.

Schließlich aber war es soweit und Harry bekam eine große Portion Ochsenfleisch gereicht. Es schmeckte einfach herrlich und als der Gryffindor langsam daran dachte, dass es vielleicht Zeit wurde, sich mal wieder auf den Weg zu machen, nun, da kam ihm Mrs. Winter in die Quere. Die Chefin des Hauses bestand nämlich plötzlich darauf, dass die Vier noch mindestens bis zum großen Lagerfeuer blieben. Harry sah Hilfe suchend zu seinen Freunden und vor allem zu Damion. Dieser zog sich daraufhin kurz zurück und Harry sah noch, wie der Gryffindor sein magisches Babyfon aus der Tasche holte.

Zwei Minuten später kam er zurück und nickte. Damit war klar, dass sie blieben und man konnte den Rest des Tages noch ein wenig genießen. Wobei, so richtig erholen konnten sich Harry und seine Liebste nicht, denn ihnen wurde die Ehre zu teil, mit einigen anderen Bikern kleine Stadtrunden zu drehen und jeweils einen Jungen oder ein Mädchen dabei mitzunehmen. Um halb neun dann wurde das große Lagerfeuer entzündet und mehrere der Motorradfahrer holten ihre Gitarren heraus.

Harry saß mit seinen Freunden mit am Feuer und lauschte dem Gesang der Kinder und der Erwachsenen. Nun, jedenfalls so lange bis plötzlich ein kleines Mädchen weinend in Richtung Feuer gerannt kam und Mechanic sie in den Arme nahm.

„Na was ist denn passiert, Lisa", fragte er das Mädchen mit ruhiger Stimme und die Kleine schluchzte, „Es ... es ist Michael. Er ... er tut meinen Babys weh. Weil ... weil ich ihn nicht ... er ... er wollte einen Kuss von mir..."

Harry sah, wie die kleine Rot wurde und verlegen ihren Kopf senkte. Mechanic hingegen musste schmunzeln, brach dies aber sofort ab, als er das Gesicht von Mrs. Winter sah. Die Waisenhausleiterin wirkte nämlich alles andere als glücklich und mit strenger Stimme fuhr sie auf. „Oh dieser Bengel, wenn ich ihn erwische. Nur Flausen im Kopf und ... und ..."

Im nächsten Moment hörte man eine schrille Stimme durch die Nacht hallen und sie klang eindeutig schmerzvoll. Sofort waren Mrs. Winter und auch Mechanic, die kleine Lisa immer noch auf dem Arm, auf den Beinen. Sie rannten los, wiesen dann aber alle anderen Betreuer an, hier zu bleiben. Harry und Hermine hielten sich jedoch nicht wirklich daran und folgten ihnen. Es ging vorbei an mehreren dichten Bäumen und einem Komposthaufen. Glücklicherweise schien der Mond heute sehr hell und so konnte man doch schon sehr gut erkennen, wo man sich befand. Es war ein dichtes Gebüsch, aus welchen die nun kaum noch zu hörende schrille Stimme kam und die Gruppe stürmte hinein.

„Michael was glaubst du, was du da machst?", rief Mrs. Winter böse und bedachte einen kleinen blonden Jungen mit funkelnden Augen. Dieser hatte sich nämlich gerade über einen kleinen Pflanzenbusch gebeugt und war dabei ihn heraus zu ziehen. Lisa weinte nun noch stärker und rief er solle das lassen. Harry hingegen erschrak vielmehr, da ihm das Blätterwerk sehr bekannt vorkam. Hermine allerdings war noch schneller in ihren Schlüssen. Sie rief augenblicklich „Nein" und unterbrach Michael in seinem Tun. Der Junge funkelte die Gryffindor nun an und schrie, „Doch, denn die Pflanzen sind böse und die kleine Hexe da drüben will uns alle verzaubern."

Überrascht schaute Harry auf und zu dem kleinen Mädchen auf Mechanics Arm. Mrs. Winter hingegen stauchte Michael zusammen und erwiderte, „Wie oft hab ich dir schon gesagt, du sollst dir diese Hirngespinste aus dem Kopf schlagen. Es gibt keine Hexen und jetzt wirst du dich bei Lisa entschuldigen."

Michael war aber von seiner Meinung nicht abzubringen und rief zurück. „Doch es gibt Hexen und Lisa gehört dazu. Elenora Watkins hat es auch gesagt und sie meinte sogar, dass man Hexen daran erkennt, dass sie sterben, wenn man sie küsst. Warum also gibt sie mir dann keinen Kuss? ..."

Wenn die Sache nicht zu kompliziert und Mrs. Winter nicht dermaßen aufgebracht gewesen wäre. Nun, dann hätten Harry und Hermine bestimmt gelacht. Kinder und ihre Vorstellungen, es war manchmal wirklich lustig. Allerdings sahen sich die zwei Gryffindors hier aber noch vor einer anderen Herausforderung. Der kleine Waisenjunge hatte nämlich immer noch seine Hand an einer Alraune und dies war wirklich gefährlich. Und dann kam es, wie es kommen musste, Michael zog sie heraus und er greller Schrei durchschnitt die Luft. Harry konnte nicht anders und richtete blitzschnell seine rechte Hand auf die Pflanze. Eine Feuerstoß schoss hervor und beendete das Leben und den Schrei des verschrumpelten und menschenähnlichen Körpers der Alraune.

Jetzt aber lagen die Blicke der Anwesenden auf ihm und vor allem Michael und Mechanic schienen geschockt zu sein. Die kleine Lisa hingegen zeigte keine Furcht und weinte vielmehr um das Häufchen Asche am Boden. Sie befreite sich aus den Armen von Mec und kniete nieder. Harry wusste nun nicht genau, was er tun sollte, bis sich Hermine aus ihrer Starre löste und sich um das kleine Mädchen kümmerte. Daraufhin fasste Harry einen Entschluss und ohne weiter darüber nachzudenken, richtete er seinen Zeigefinger auf Michael und sagte leise „oblivate".

Sofort wurden die Augen des Jungen glasig und er schaute verloren in Harrys Richtung. Dieser kniete sich nun vor ihn und sagte mit ruhigen Worten, „So Michael, du gehst jetzt ins Bett, weil du müde bist und du vergisst, was in der letzten Stunde geschehen ist. Lisa ist keine Hexe und auch ihre Pflanzen sind nicht böse oder so."

Der kleine Junge nicke und ging in Richtung Waisenhaus. Harry schaute ihm nach und drehte sich dann zu Mrs. Winter und Mechanic, welcher nun nicht mehr ganz so souverän wirkte. Es kam Harry sogar so vor, als hätte der hünenhafte Kerl so etwas wie Furcht in seinen Augen und Harry beschloss dies ein wenig für sich zu verwenden. Er blickte Mechanic mit leuchtend grün funkelnden Augen an und brachte ihm bei, dass er das, was er eben erlebt habe niemals wieder erwähnen sollte. Mechanic schaute verwirrt zu Mrs. Winter und seine alte Erzieherin nickte zustimmend.

Irgendwie schien dass bei Mec Eindruck zu machen und der Biker nickte. Dann ging sein Blick zu Lisa und er bedachte das Mädchen mit einem sonderbaren Blick. Hier schritt dann Mrs. Winter ein und sie wandte sich an Harry. „Nun Mister Potter, eigentlich wollte ich darüber erst morgen mit ihnen sprechen. Doch unter diesen Umständen denke ich, können wir dies auch jetzt machen."

Harry schaute die Frau an, welche sich nun neben die kleine Lisa gestellt und ihr den Arm auf die Schulter gelegt hatte. „Wie sie vielleicht schon anhand meines damaligen Briefes wissen, stand ich mit Professor Dumbledore von Zeit zu Zeit in Kontakt, wenn ich der Meinung war, in unserem Hause gibt es Jungen und Mädchen mit besonderem Interesse für ihr Internat. Nun Lisa ist wahrscheinlich ein solches Kind mit besonderen Begabungen und ihr Besuch ist ein Segen für mich, da der Kontakt nach Hogwarts ja vor fast einem Jahr abgebrochen ist. Dass dies andere Gründe hatte, weiß ich ja jetzt. Doch vielleicht ist es ja ihnen möglich, mit der neuen Schulleitung über Lisas Zukunft zu sprechen."

Harry schaute vorerst etwas verwirrt, meinte dann aber, dass er mit Professor McGonagall sprechen würde. Der Gryffindor erkundigte sich dann noch nach Lisas Alter und als die Mädchen stolz „zehn" sagte, und dass sie bald Geburtstag hätte. Nun da war sich der Gryffindor sicher, dass dieses Jahr auch eine Eule hier im Waisenhaus eintreffen würde.

Hermine hingegen hatte die Zeit genutzt, um sich ein wenig mit Lisa zu unterhalten und sie hatte dabei erfahren, dass die Kleine wohl ein Talent für Pflanzen hatte. Allerdings musste sie ihr nun auch erklären, wie gefährlich nun gerade diese Blumen waren, die sie hier als ihre Babys bezeichnete, und dass sie diese unbedingt wegmachen musste. Lisa weinte zwar, doch versprach ihr Hermine, dass sie in Hogwarts jede Menge Pflanzen in die Hände bekommen würde, um die sie sich dann kümmern könnte. Schließlich wurde es aber Zeit, zu den anderen zurück zu kehren, damit sich der Rest der Biker keine Sorgen machte. Harry sprach noch mal eindringlich mit Mechanic und meinte, dass dieser sich an Mrs. Winter halten sollte, wenn er Fragen hätte.

Schließlich kam der Moment des Abschieds und Harry bedankte sich für die Gastfreundschaft von Mrs. Winter und den Angels. Zwar wollten diese sie überreden noch zu bleiben. doch dies ging nicht. Damions Dad und Tonks würden bestimmt schon auf sie warten und das Cafe in dem sie waren, machte bestimmt auch bald zu. Somit schüttelte Harry allen noch mal kurz die Hand und dann gingen er und seine Freunde in Richtung ihrer Maschinen, welche sie in der Nähe eines Schuppens geparkt hatten. Das Schicksal wollte es jedoch anders und somit durchzuckten einige Sekunden später mehrere Lichtblitze den Himmel über dem Waisenhaus...

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