Hey Leuters,
es geht mal wieder weiter. Dieses Mal auch mit einem ziemlich langen Kapitel. Doch ich wollte doch einfach mal einen kleinen Strich ziehen und wieder nach Hogwarts zurückkehren.
Nun noch einen kleinen Hinweis an die Wissbegierigen von euch. Scheut euch doch nicht, mal wieder Vermutungen aufzustellen. Klar, es gibt noch viele Rätsel zu lösen. Doch ich hab doch schon mal gesagt, ich liebe eure Thesen und Vermutungen. Und wenn ihr es nicht öffentlich machen wollte, gibt's da ja noch die PM´s.
Nun aber erst mal viel Spaß beim Lesen
Euer Mister Figgs
Kapitel 94
Harry traute im nächsten Moment seinen Ohren nicht. Sein Gehör und sein Hirn schienen falsch zu arbeiten und verschwommen kam es ihm so vor, als hätte es die letzten beiden Stunden nicht gegeben. War er wirklich so blauäugig gewesen und hatte sich von den Vampiren in die Falle locken lassen? Das konnte doch nicht sein. Konstantin, der Konstantin, welcher ihn, Ginny und Hermine, der sie alle unter Gefahr für sein Leben befreit hatte, war in Harrys Augen doch so etwas wie eine Lichtgestalt gewesen, die mit ihrer Ausstrahlung an Macht und Aura fast an Dumbledore herangekommen war. Harry hatte ihm alles geglaubt, hatte ihm seine Rolle als Vorsitzenden des Vampirrates und zweiter Hand nach dem Fürsten, nach Ginny, abgenommen.
Und jetzt? Jetzt kam dem Gryffindor nur ein Wort, nämlich „Verrat" in den Sinn. Etwas, worauf Voldemort ja spezialisiert war. Ja, auf langwierige Pläne und Intrigen schmieden darauf verstand sich der dunkle Lord und Harry wollte seinem Frust und seiner Zunge auch freien Lauf lassen. Konstantin, der wie Albus Dumbledore es immer geschafft hatte, in Harry hinein zu schauen schien, brachte den Gryffindor jedoch mit einem Wink seiner Hand dazu, nichts Dummes zu tun. Völlig perplex musste Harry mit ansehen, wie die Vampire sogar die Todesser gewähren ließ, näher an Voldemorts größten Feind heran zu treten.
„Oh der dunkle Lord wird mehr als nur zufrieden mit uns sein. Zuerst finden wir etwas für ihn in eurer Bibliothek. Und dann ... ja dann bringen wir ihm auch noch seinen ärgsten Widersacher. Ich muss sofort mit dem Lord sprechen ..."
Harry schaute den etwas älteren Mann, den Todesser, der dies so voller Vorfreude gesagt hatte, mit wütenden Augen an und ein Feuer begann in seinem Innersten zu lodern. Als Steph den Verbrecher dann auch noch zu kennen schien und lautstark und ebenfalls mit zornigem Gesicht meinte, dass er, Rafael Blackwood, eine Schande für alle Archäologen und Hüter der Geschichte sei, nun da war es fast soweit, dass Harry sich nicht mehr zurückhalten konnte.
Glücklicherweise schritt erneut Konstantin ein und seine Stimme war eisig. „Nun, ich denke, an dem wird es nicht sein, Rafael. Ihr und eure Kumpanen... „, er schaute herablassend und angewidert zu den beiden Todessern mit ihren Zauberstäben. „ ... ihr könnt gehen und Voldemort von eurer Entdeckung berichten. David und Stanislav werden euch noch zum Schlosstor begleiten. Potter jedoch bleibt bei uns. Er ist um einiges sicherer hier und allein Ivan entscheidet wann und wo wir den Jungen an Lord Voldemort übergeben. Ihr Stümper habt in den letzten Monaten zu oft versagt und ihn entkommen lassen..."
„Wie kannst du es wagen?", schrie einer der Todesser den Vampir an und er erhob drohend seinen Zauberstab, etwas, das sich als Fehler herausstellte, denn plötzlich waren die Drei umgeben und zwar von einem Dutzend Wachen.
„Ich wage nicht, Rafael, sondern ich tue das, was mir mein Herr befohlen hat. Und nun geht. Geht und eilt euch. Denn wie ich höre ist euer Gebieter nicht sehr davon angetan, wenn er warten muss. Außerdem wollen der Rat als meine Gäste und meine Wenigkeit noch etwas zu feiern."
„Feiern? Was habt ihr zu feiern, ... Vampir?", fragte nun der dritte Todesser im Bunde und seine Stimme verriet unverhohlen, was er von den Blutsaugern und Voldemorts Allianz hielt. Ein älterer Vampir des Rates wollte schon auf die Frage antworten und mit Sicherheit wäre Ginnys Name mit ins Spiel gekommen. Konstantin war aber schneller und erwiderte mit bestimmender Tonlage, „Wir zelebrieren heute den Geburtstag unseres letzten Großfürsten und huldigen damit seinem Blute."
„Gregory? Ihr feiert Gregory, euren toten Fürsten, der so jämmerlich gestorben ist?", fragte Rafael ungläubig und sein Blick wanderte durch den Raum. Er blieb schließlich an Stephano Styls, dessen Sohn und Ginny hängen und fragte, was sie denn dabei für eine Rolle spielten. Er fragte, ob Konstantin wisse, dass sie auch Feinde des dunklen Lords waren und eine Prämie für ihre Köpfe gezahlt wurde.
Einige im Rat wollten sich lautstark brüskieren, so sprach man nämlich nicht über ihren alten Herrscher und schon gar nicht über ihre neue Herrin, doch Konstantin schaffte es gerade noch, etwas derartiges zu unterbinden, indem er sagte, „Sie sind unsere Ehrengäste, wenn nicht sogar der Mittelpunkt unseres Festessens. Ich hoffe du verstehst, Rafael?"
Der Todesser grinste nun dreckig und wünschte Harrys Freunden viel Spaß. Er meinte sogar, dass der schwarzhaarige Gryffindor vielleicht dabei sein sollte, wenn es soweit war. Dies würde vielleicht seine Moral brechen und Voldemort wäre noch zufriedener. Kurz darauf war er aber auch schon aus der Halle verschwunden und das einsetzende Lachen der Vampire machte Harry zum ersten Male seit Minuten klar, dass es hier um eine gut gelungene Scharade ging. Vasili, einer der Alten, wandte sich an Konstantin und lachte ihn an. „Mein Güte Konni, an dir ist ein Schauspieler und Politiker verloren gegangen."
Ginnys rechte Hand grinste zurück und erwidert, „Na zu etwas muss meine gesellschaftspolitische Ausbildung als ungarischer Prinz ja gut sein."
„Stimmt, dein Lehrer, oder besser sein Geist, ist bestimmt stolz auf dich?", meinte das nächste Ratsmitglied, worauf Konstantin etwas das Gesicht verzog. „Nun, das wiederum bezweifle ich. Ich hab das Fach und den Unterricht gehasst. Ganz zu schweigen davon, dass mein damaliger Professor und Hofszeremonienmeister die Person war, welche als erste meine damals neuen Zähne zu spüren bekommen hat."
Harry klappte der Mund auf und er sah den Vampir mit großen Augen an. Konstantin grinste nun unverhohlen und sah dann zu Ginny. Er bat sie um Vergebung, für sein Tun und Ginny, die wie Harry vermutete im Geiste mit jeder Menge Informationen kämpfte, winkte nur ab und lächelte. „Es ist in Ordnung Konstantin. Du weißt, ich vertraue dir und vielleicht war dein Handeln auch das Beste. Harry, Ron ja wir alle hier im Raum haben in den letzte Jahren schon zu oft diesen Kerlen gegenübergestanden und hätten vermutlich was Dummes getan, etwas, das uns alle in Gefahr gebracht hätte."
Konstantin nickte verstehend und dankbar, musste sich dann aber Damions Frage stellen, ob es wirklich so ratsam war, die Todesser mit den Informationen davonkommen zu lassen. Auch Harry meldete sich nun zu Wort und meinte, dass es für alle, für den Krieg besser sei, dass Voldemort so wenig wie möglich Informationen bekam. Die Antwort darauf war für alle, oder besser gesagt nicht alteingesessenen Vampire und Menschen dann doch eine sehr einfache, wenngleich ungewöhnliche.
„Nun Master Damion, mein Handeln war allein bestimmt von der Direktive, dass der Schutz meiner Gebieterin über alles geht. Ich sah es als sicherer an, die Todesser so ziehen zu lassen und ihnen eure Gefangenschaft vorzuspielen. Sie waren immerhin zu dritt und dies bedeutet, sie hätten im Falle eines Falle doch gefährlich werden können."
Harry ließ diese Worte erst einmal sacken und begann nur allmählich zu begreifen, wie die ihm bis dahin fremde Rasse mit allen ihren Traditionen und ihrer Machtstruktur zu denken schien. Der Gryffindor danke Konstantin nun sogar dafür, dass er ihn zurück gehalten hatte, meinte aber auch, dass Damion mit seinem Einwand ebenso Recht hat. Voldemort durfte diese Informationen einfach nicht bekommen. Er musste so lange wie nur möglich im Dunklen tappen. Konstantin schien jedoch mit seinen Gedanken schon wieder weiter zu sein und lächelte den Gryffindor und seine anderen Gäste an.
„Mr. Potter, glauben sie wirklich, ich würde, nun da Ginevra meine neue Gebieterin ist, zulassen, dass die andere Seite gewinnt? Nein, das werde ich bestimmt nicht." Sein Blick wandte sich von Harry ab und er schaute zur Tür und zu den Wachen. Sein Augenmerk lag dabei auf zwei ziemlich großen Kerlen, die Harry bei näherem Hinsehen als zwei ziemlich gruselig dreinblickende Zwillinge erkannte. „Raul? Caspar?", rief Konstantin kurz und hatte damit ihre Aufmerksamkeit. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Rafaels schmierige Begleiter in unserer Abwesenheit es für ihr Recht angesehen haben, eine unserer Mägde, Irina, zu bedrängen und versuchten, ihre Ehre zu beschmutzen ..."
Harry verstand das Gehörte nicht so ganz, die Gesichter der beiden Wachen jedoch, welche nun voller Zorn funkelten, sprachen allerdings Bände. Was hatte dies mit den Informationen zu tun? Fragte sich Harry und bemerkte dann das teuflische Grinsen auf Konstantins Gesicht. „Also wenn ich ihr älterer Bruder wäre, ich würde dies nicht zu tolerieren wissen. Nehmt euch doch mal ein Stündchen Zeit, um die Familienbande zu pflegen."
Einige der Ratsvampire lachte über diese Aussage und Raul und Caspar verschwanden mit dankbar nickenden Köpfen aus der Halle. Harry und seine Freunde schauten überrascht zu Konstantin und Ginny wollte ihre rechte Hand fragen, was dies zu bedeuten habe. Ihre Worte gingen jedoch im nächsten Moment unter, da die Gemäuer des Schlosses mehrere laute Schreie voller Panik und Schmerzen durchschnitten.
Harry starrte den weishaarigen Vampir nun offen an und ein „OH mein Gott", entfuhr seiner Kehle. Er hätte mit allem gerechnet, aber nicht mit dem. Dann wiederum wurde dem Gryffindor erneut bewusst, bei welcher Rasse er hier zu Besuch war... Vampire. Lebewesen, die ja zu den dunkelsten Kreaturen gehörten und von je her töteten, um zu überleben. Vorsichtshalber schärfte Harry nun seine Sinne. Dies blieb allerdings vor Konstantin nicht versteckt und der Vampir grinste und meinte, dass keiner von ihnen was zu befürchten habe, solange niemand Ginny oder Damion etwas Böse wollte. Bei letzterem schaute der Vampir mit wissendem Blick zu Ron und Harrys Freund verzog kurz das Gesicht.
Als dann alles geklärt und Vasili an Harry herangetreten war um ihn mit einigen Worten davon zu überzeugen, dass die Vampire durchaus Kultur hatten und Vieles durch die Ministerien verzerrt wurde, nun da kam man wieder zu dem Punkt, wo man angelangt war bevor die Todesser die Bühne betreten hatten. Man machte sich auf den Weg zum Essen, welches in einem anderen Saal des Schlosses abgehalten werden sollte. Harry Gedanken begannen nun zu rasen, denn er malte sich im Kopf schon die wildesten Bilder aus, wie wohl dieses Festessen abgehen würde. Allein schon die Tatsache, dass er in den Schulbüchern immer gelesen hatte, das die Vampire wenn sie feierten Blutorgien veranstalteten und Menschenopfer brachten, ließ es dem Gryffindor etwas flau im Magen werden. Und dass Steph offenbar auch nicht zu wissen schien, was sie erwartete, machte sie Sache noch nervenaufreibender. Es reichte ja schon zu wissen, dass vor wenigen Augenblicken schon drei Menschen ihr Leben gelassen hatten. Es waren zwar Todesser gewesen, aber es waren auch Menschen.
Im Speisesaal angekommen wartete auf Harry und seine Freunde dann die nächste Überraschung der Nacht, denn der Saal war voller Menschen, voller Vampire und alle schienen sehnsüchtig darauf zu warten, dass der Rat und vor allem Ginny vor sie trat und sich ihnen zeigte. Harry bemerkte, dass die Zahl der Frauen im Raum überwog und schlussfolgerte, dass neben den Pärchen auch die Gefährten der Ratsmitglieder warteten.
Als dann alle eingetreten waren und die Diener die Türen wieder geschlossen hatten, erhob Konstantin das Wort und stellte seine Gäste vor. Er erläuterte ein wenig die Geschehnisse der letzten beiden Tage und auch warum dieses Festessen hier so kurzzeitig angesetzt worden war. Allerdings bat er auch um Verständnis, weshalb Fürstin Ginevra die Erste, wie Ginny nun offiziell unter den Vampiren zu nennen war, nur ein paar kurze Worte zu ihren Gästen sprechen würde. Ginny bräuchte einfach noch etwas Ruhe, um die vielen Gedanken und Erinnerungen verarbeiten zu können und würde in etwa vier Wochen zum nächsten offiziellen Feiertag der Vampire ihren ersten Auftritt haben.
Allerdings wurde Konstantin dann plötzlich in seiner Rede unterbrochen und zwar von Ginny. Harrys Freundin trat an den Vampir heran und bat darum, doch etwas mehr reden zu dürfen. Konstantin offensichtlich ein wenig überrascht, lächelte das Mädchen an und meinte, dass sie dies immer tun dürfte. Ginny lächelte nun leicht verlegen und wandte sich an den ganzen Saal. Man sah ihr an, dass sie es nicht gewohnt war, vor so vielen Personen zu sprechen, doch sei meisterte dies ohne zu stocken.
„Werte Gäste, hoher Rat der Clans, vor nicht mal zwei Tagen war ich noch ein kleines Schulmädchen, welches sich mit den Problemen eines Teenagers herumschlagen musste, und jetzt steht vor mir die Aufgabe eine ganze Gesellschaft zu führen. Nun, ich hoffe, ich werde euch nicht enttäuschen und unsere Gesellschaft in eine Zeit des Friedens und der Harmonie geleiten. Ich bitte euch daher, mich zu unterstützen und mir zu helfen, sollte mir meine Jungend und Unerfahrenheit einmal im Wege stehen. Ich bin ein Mensch, der für alles offen ist und der weiß, dass man alles lernen muss um an sein Ziel zu kommen. Und daher hoffe ich, ihr versteht meinen nächsten Schritt ..."
Ein Raunen ging durch den Saal und alle Blicke lagen nun erwartungsvoll auf Ginny, die sich an Konstantin wandte. Sie bat ihn wieder näher zu treten und legte ihre Hand auf seine Schulter. „Konstantin ...", sagte sie mit fester Stimme. „... ich habe in den letzten Minuten nachgedacht, ob ich das Richtige tue und bin zu der Entscheidung gekommen, dass es unverantwortlich für unser Volk wäre, so ganz ohne Wissen und Ausbildung unsere Gesellschaft zu führen. Aus diesem Grunde habe ich auch beschlossen, bis zum Ende meiner Schulzeit nach Hogwarts zurück zukehren um meine Ausbildung abzuschließen. Und daher möchte ich dich hiermit bitten, in dieser Zeit die Geschicke der Vampire zu lenken. Konstantin, ich kenne dich zwar erst wenige Tage und doch vertraue ich dir mit meinem Leben und ich weiß, dass du ein guter Regent sein wirst ..."
Der Weißhaarige starrte Ginny an und schien zum ersten Male sprachlos. Dann aber wurde er aus seiner Starre gerissen, da tosender Applaus den Saal zum Beben brachte. Total gerührt bildete sich sogar eine Träne im Auge des Vampirs und er ging auf die Knie vor Ginny. Er küsste ihre Hand und gelobte seine Aufgabe mit seinem Leben zu erfüllen. Ginny zog in jedoch wieder hoch und umarmte den Mann wie eine Enkelin ihren Großvater.
Harry hatte mit vielem gerechnet, mit dem jedoch nicht. Allerdings verstand er Ginny auch und beglückwünschte sie zu ihrer Entscheidung. Ron tat es ihm nach und versprach auch, seine Schwester immer zu unterstützen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er niemals wieder dabei sein musste, wenn Ginny und Damion sich der Lust nach Blut hingaben. Harry sah Ron etwas verwundert an, erkannte dann aber, dass dies vor allem im Bezug auf die reichlich gedeckte Tafel hinter ihnen galt. Das Festmahl stand ja noch an und da die Vampire ja nur begrenzte Zeit in der Nacht hatten, musste der Schmaus auch langsam mal beginnen und somit begann es wieder in Harrys Bauch zu rumoren.
Alle Gäste nahmen allmählich ihre Plätze an der großen Tafel ein und Harry fragte sich, wo er wohl sitzen würde und welcher silberne Teller und goldene Kelch wohl für ihn bestimmt war. Allerdings zuckte der Gryffindor bei diesem Gedanken zusammen und fragte sich leise „Silber? Seit wann aßen die Vampire von silbernen Tellern?" Harry schaute überrascht zu Konstantin. Bevor der Vampir ihm aber antworten konnte, öffnete sich die Tür zum Bankettsaal und der junge Mann namens David betrat den Raum. In seinen Händen hielt er eine Rolle Pergament, drei Zauberstäbe und einen schwarzen Stoffbeutel. Suchend schaute er durch den Saal bis er seinen Herren gefunden hatte. Mit festem Schritt ging er auf Konstantin zu und blieb von den Bemerkungen mancher Vampire unberührt.
Harry hört Sätze wie „Was hat er hier zu suchen?" oder aber „Ich kann Konstantin einfach nicht begreifen." Schließlich war David bei Letzterem angekommen und Harry schaute etwas entsetzt auf das Gesicht des Jungen. Überall auf der sonst so reinen, sonnengebräunten Haut, waren Blutspritzer. Und nicht nur etwas ein paar kleine. Nein, David war damit übersät. Hatte er etwa mitgemacht, als die Todesser ihren Tod fanden oder aber stand er nur daneben und hatte das Blut so abbekommen? Harry vermochte es nicht zu sagen und bemerkte Konstantin, der jetzt an den jungen Mann heran getreten war und ihm die Dinge aus der Hand nahm. Das Pergament steckte er in seinen Umhang, während er die Zauberstäbe zerbrach und ebenfalls wegsteckte.
Was den Stoffsack anging, nun diesen ließ er einfach zu seinen Füßen gleiten, wo er dumpf aufschlug und mit einem Grinsen im Gesicht sagte er laut in den Saal, „Bei Vladimir dem Großen, die Zwillinge werden wohl nie lernen, was es heißt, dezent zu sein. Sehr euch mal die Sauerei an. Das ganze Hemd ist versaut." Und mit diesem Worten und einer für Harry bis dahin nicht vermutetem Sanftheit im Blick beugte sich der weißhaarige Vampir plötzlich nach vorn, flüsterte David was ins Ohr und küsste dann die vielen kleinen Blutspritzer im Gesicht des jungen Mannes sachte weg. Am Mund von David schließlich angekommen, berührten sich ihrer beider Lippen und alle beide versanken in einem leidenschaftlichen Kuss.
Das war eindeutig zu viel für Harry und auch Damion und Ginny schienen Probleme damit zu haben, dass ihre Kinnladen nicht auf dem Boden aufschlugen. Die Vampire schienen diesen Anblick jedoch schon zu kennen und hatten sehr unterschiedliche Meinungen darüber. Einige stöhnten genervt und rollten mit den Augen, während andere es gar nicht für gut empfanden. Allerdings schienen die Vampire dann wiederum sehr tolerant im Bezug auf das Thema zu sein. Harry schaffte es wenige Augenblick spätern dann doch seinen Kopf wegzudrehen. Ihm war es einfach peinlich, so zu starren und auch wenn er wusste, dass es sowohl in der Zaubererwelt als auch in der der Muggel Beziehungen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen gab, war es doch ein Unterschied, ob man nur davon gelesen oder gehört hatte oder aber, dass man es life miterlebte.
Den Kopf von den beiden sich küssenden Männern abgewandt und nun auf den Boden starrend, bemerkte der Gryffindor, wohin er nun schaute. Sein Blick lag auf dem mysteriösen schwarzen Stoffsack zu Konstantins Füßen. Und wie Harry nun mal war und weil er so etwas wie dunkle Magie im Innersten des Sackes spürte, konnte der Gryffindor nicht verhindern, dass seine Neugier die Oberhand gewann. Seine Brille verdunkelte sich und seine Augen konzentrierten sich darauf, durch das Dunkel des Stoffes zu blicken. Was er allerdings dabei erblickt, die Konturen, welche sich in einer Mischung aus Rot, Schwarz und leuchtendem Grün abzeichneten, nun dies brachte dem Gryffindor einen Moment später die Aufmerksamkeit aller im Saal ein.
Es kam ja nicht so oft vor, dass sich der Junge, der überlebt hatte, inmitten von gut fünfzig Vampiren plötzlich lautstark würgte, sein Gesicht käseweiß wurde und er sich ohne dass er es verhindern konnte, übergab. Und obwohl Harry ja eigentlich einen riesigen Kohldampf schob und schon seit längere Zeit nichts gegessen hatte, wollte es kein Ende nehmen. Immer wieder kam ein neuer Schwall Mageninhalt aus seinen Eingeweiden. Jedenfalls so lange, bis Ron seinem Kumpel auf den Rücken klopfte und meinte, „Ach komm schon Harry, so schlimm ist es doch nun auch nicht, wenn sie sich alle beide küssen. Ich meine, denk doch mal lieber daran, was Damion so alles mit meiner Ginny anstellt. Das, ja das bringt meinen Magen in Wallung."
„Oh Mister Weasley", meldete sich Konstantin, der sich von einem ziemlich verlegenen David gelöst hatte, zu Wort. „Ich denke nicht, dass dies der Grund war, warum sich ihre Freund so freigiebig mit seinem Essen gibt." Dann wandte er sich an Harry direkt, der ihn mit hochrotem Kopf und einem ekligen Geschmack im Mund anschaute. „Und sie Mister Potter, denken sie in Zukunft daran, dass man eine Gabe der Natur immer mit Vorsicht genießen sollte, es sei denn, man will etwas Peinliches oder gar gefährliches heraufbeschwören." Und mit einem Grinsen hob der Vampir seine Hand und deutete in Richtung des Erbrochen vor Harrys Füßen. Es verschwand und auch der beißende Geruch löste sich in Wohlgefallen auf.
Allerdings lagen noch immer die Blicke der anderen auf Harry und Konstantin beschloss dem Schwarzhaarigen ein wenig zu helfen. Er drehte sich zu den anderen Vampiren und hob den Sack hoch. „Dies hier, meine Freunde, ist ein kleines Geschenk für den dunklen Lord. Etwas, das ihm gehört und dass er zurückhaben kann. Es handelt sich dabei um das dunkle Mal, mit welchem er so gerne seine Anhänger zeichnet. Allerdings haben Raul und Caspar es irgendwie missverstanden und nun, na ja sagen wir es mal so. Voldemort bekommt nicht nur das Mal, sondern auch dazugehörige helfende Hände, samt Zauberstäbe zurück.
Mit einem schaurigen Lachen, steckte Konstantin dann noch die zerbrochenen Zauberstäbe der Todesser in den Sack, legte einen Brief bei und pfiff in die Luft, wo sofort ein schwarzer Rabe erschien. Der Vogel ergriff den Stoffsack und flog damit davon. Als dieses Schauspiel dann vorbei war und Konstantin Davids Sachen mit einem weiteren Handwink gesäubert hatte, bat er alle, sich zu setzten. Konstantin selbst geleitete Ginny und Damion zur Stirnseite der Tafel und schob ihr den Stuhl zu Recht, während Harry von David zum Platz gleich neben seinen Herren gebeten wurde. Steph und Ron wurden etwas weiter unten platziert, was dem Rothaarigen zwar nicht behagte, er sich aber auch nicht dagegen sträuben konnte.
Als alle dann ihren Platz eingenommen hatten, nickte Ginnys rechte Hand kurz und David erschien mit einem Tablett, auf welchem sich kristallene Kelche befanden. Diese tauschte Konstantins Sklave dann gegen den goldenen von Harry, von Ron und auch von Steph aus und stellt zusätzlich je eine gläserne Karaffe daneben, welche mit einer leuchtend roten Flüssigkeit gefüllt war. Diese goss David dann auch in Harrys Kelch, während weitere Diener den Vampiren aus goldenen Krügen ausschenkten. Harry sah verwundert zu Konstantin und der lächelte seinem Gast zu. „Ich denke, der Wein wird euch besser munden, als der Saft aus unseren Kelchen. Harry wurde schlagartig klar, was der Vampir damit meinte und sein Gesicht verlor an Farbe.
Konstantin lachte nun kurz auf, wurde aber im nächsten Moment gerufen und zwar von einem Vampir, der etwas Ähnlichkeit mit dem Muggelwissenschaftler Albert Einstein hatte. Freundlich lächelte er herüber und fragte, „Konstantin, was gedenkst du uns denn heute zur Feier des Tages zu servieren? Ein Tröpfchen guter alter ungarischer Adel? Oder gar etwas aus England? Reines Zaubererblut? Englischer Adel?"
Konstantin schaute gespielt empört in die Runde und sprach sein Gegenüber an. „Augustus, wage es nicht, mich zu beleidigen? Glaubst du allen Ernstes, ich wüsste nicht, wie man Gäste empfängt? Als wenn ich euch Reinblüterblut anbieten würde? Bin ich denn ein Panscher? Bei mir kommt nur das Edelste aus der Welt der Muggel auf den Tisch und kein Blut, wo du mit einem Schluck den Vater, die Cousine oder gar das eigene Kind herausschmeckst. Blutgruppe I ist ja nun wirklich ein Anfront an der Natur ..."
Harry verfolgte das Gespräch mit großen Augen und merkte erst kurze Zeit später, dass es zwischen gerade diesen beiden Vampiren so eine Art Spiel war, sich gegenseitig mit dem Essen und der Gastfreundschaft aufzuziehen. Augustus galt, wie Harry es später mal heraushörte, unter den Vampiren selbst als ein sehr guter Gastgeber. Allerdings musste Harry im nächsten Moment aufpassen nicht ganz und gar den Verstand zu verlieren. Konstantin hatte nämlich seinen Kelch erhoben und sich an Augustus gewandt. Dieser solle doch noch vor allen anderen aus seinem eigenen Kelch kosten und den Gästen sein Urteil mitteilen.
Einsteins Ebenbild kam Konstantins Wunsch und auch den Anfeuerungsrufen der anwesenden Vampire nach und schwenkte seinen Kelch. „Nun...", begann er mit fachmännischer Miene. „Die Farbe ist ausgewogen und kräftig. Und ich sehen einen Hauch von Magenta, was wohl heißt es kommt aus Übersee."
Konstantin nickte anerkennend und bedeutete Augustus zu kosten. Der Vampir roch aber zuerst noch daran und Harry glaubte zu spinnen, kam ihm dies hier doch wie eine Weinverkostung vor. Doch es war kein Wein. Nein, das da war Blut, der Lebenssaft eines Menschen und der Gryffindor wollte sich gar nicht ausdenken, woher sie es hatten. Schließlich nippte Augustus am Kelch und erklärte weiter, „Mmm, reichhaltig und frisch. Ich denke so zwischen dreißig und fünfunddreißig Jahre alt, männlich und sehr, sehr gesund. Sportler würde ich vermuten, bei der Anzahl an Sauerstoff transportierenden Blutkörperchen. Ist es kalifornisches, Konstantin?"
Ginnys rechte Hand grinste und erwidert, „Fast. Der Spender kommt aus dem Norden Mexikos. Aber ansonsten ist dein Wissen wie immer überragend." Die anderen Vampire lachten und erhoben nun ihre Kelche ebenfalls. Sie stießen alle auf Ginny an und danach trugen die Diener des Schlosses die erlesensten und leckersten Speisen auf, die Harry bisher gesehen hatte. Und es war alles nicht das, was sich der Gryffindor vorgestellt hatte. Nein, es war normales Essen, wie sie es auch in Hogwarts bekamen, eben nur von bester Qualität und daher ging Harrys Blick auch etwas fragend zu Konstantin.
„Oh Mister Potter, ich denke, sie müssen unbedingt etwas mehr von unserer Kultur lernen. Sie haben ohne Zweifel ein falsches Bild von uns. Oder aber, sie haben bisher nur diejenigen unserer Rasse kennen gelernt, die meinen sich wie Bestien verhalten zu müssen. Aber das sind wir nicht, nicht wirklich jedenfalls. Nehmen sie allein mal das Blut, welches wir heute hier trinken. Wussten sie, dass es sich dabei um Konserven handelt. Konserven aus unseren eigenen Blutbanken, übrigens. Es ist viel zu auffällig und gefährlich, wenn wir des Nachts Menschen anfallen würden. Nein, unser Augenmerk liegt schon sein Jahrzehnten auf der Anpassung und darauf, das Beste für uns heraus zu holen."
Harry schaute den Vampir überrascht an und als Konstantin im zuprostete, erhob auch er seinen Kelch. Allerdings war in ihm Rotwein und er schmeckte vorzüglich. Dem Festessen folgten dann Gespräche zwischen den einzelnen Anwesenden und hier wurde besonders Ginny gefordert, da es sich einige Vampire einfach nicht nehmen lassen wollte, der Rothaarigen die Hand zu schütteln. Harry sah seiner Freundin dabei zu und fühlte sich daran erinnert, wie es bei ihm damals war, als Hagrid ihn mit in den Tropfenden Kessel mitgenommen hatte.
Ron und Damion schienen auch das Beste aus ihrer Lage zu machen und so kam es, dass Styls Sohn ein wenig von Ginnys und seiner Verwandlung erzählte und wie schließlich er über Ivans geistiges Abbild gesiegt hatte und Ron erzählte den Vampiren ein wenig von seiner Familie. Auch kam man darauf zu sprechen, wie er Greyback erledigt hat und mit Freuden stellte Harry fest, dass einige der weiblichen Vampire Ron für seine Opferbereitschaft lobten.
Und während der Gryffindor so in die Runde schaute und auch hörte, kamen ihm die Worte von Vasili an Konstantin zu Ohren und wie der alte Vampir meinte, es sei ein Geschenk gewesen, dass kein anderer das Amulett und seine Macht an sich gerissen hat. Harry stockte ein wenig und als Konstantin wieder einige ruhige Minuten hatte, fragte er den Vampir, warum er, wo er doch um die Macht des Amuletts wusste, es nicht in seinen Besitz genommen und mit seinem Blut gefüllt habe.
Der alte Vampir schaute den Gryffindor mit einem Blick an, der so an Dumbledore und seine Weisheit erinnert und sah sich dann kurz um, ob nicht zu viele oder gar die falschen Personen zuhörten und bedeutete Harry, er solle ein wenig näher kommen. „Wissen sie Mister Potter, im Grunde haben sie recht mit dem, was sie da sagen. Allerdings bin ich und war auch früher nicht der Typ, der nach Macht strebt, auch wenn mich meine kleine Gebieterin nun in die Lage gebracht hat, eben diese Verantwortung zu tragen."
„Wie? Keine Macht, Konstantin?", fragte Harry nachdenklich, da er bisher immer geglaubt hatte, dass sich ein Vampir vor allem durch seinen Blutrausch und dem uneingeschränkten Einsatz dunkler Magie auszeichnet. Konstantin erwiderte jedoch mit einem leicht verklärten Blick, so als würde er sich an etwas lange zurückliegendes erinnern, „Was ich meine ist, dass nicht jeder Mensch, der die Existenz als Vampir gewählt hat, machtbesessen ist. Wissen und Erkenntnis waren mein Bestreben und dann gab es da ja noch die größte Kraft auf Erden ... die Liebe. Eine Liebe stärker als der Tod und zu einer besonderen Frau. Um genauer zu sein, es war meine Liebe zu Gregorys jüngerer Schwester Idirana."
Harry schaute Konstantin überrascht an, dieser nickte, als wolle er sagen, Ja Harry, du hast richtig gehört.' Und es entstand für einige Sekunden eine ungewöhnliche Stille zwischen den Beiden. Dann räusperte sich Konstantin und sprach weiter. „Und eben durch diese Liebe bin ich zu dem geworden, was ich heute darstelle. Es gab damals keine andere Möglichkeit und da ich zwar königlichen Blutes, jedoch der Zweitgeborene war, und ich eh niemals auf dem Thron sitzen würde, fiel meine Wahl sehr schnell. Gregorys Vater hat mich dann verwandelt und sein Sohn und ich wurden so etwas wie die besten Freunde. Er war es auch gewesen, der mich in den dunkelsten Stunden meines Lebens unterstützt hat, nachdem Idirana bei einer Massenjagd der Muggel ihr Leben verlor. Und Gregory war es, der mich davor bewahrt hat, meinen Rachegelüsten nachzugeben und zu etwas zu werden, was ich bis dahin immer verabscheut hatte ... ein blutrünstiges Monster."
Harry hörte dem Vampir zu und bemerkte nur am Rande, dass sich viele der Gäste etwas zurück gezogen hatten und er und Konstantin nun fast so etwas wie ein Gespräch unter vier Augen führten. Auch fühlte der Gryffindor sich in der Gesellschaft des Vampirs irgendwie sicher und er fragte sich, ob Konstantin dies mit einem Zauber bewerkstelligte oder aber, ob es am Rotwein lag, der Harry mehr als nur zusagte. Schließlich erzählte Konstantin dem Gryffindor noch, was so in den letzten Monaten geschehen war und dass viele Vampire in den Clans keine Hoffnung mehr auf eine ruhige Zukunft hatten. Oder besser gesagt, sie hatten sie sich von Ivan erhofft, nachdem der Großfürst und seine engsten Vertrauten durch einen unglücklichen Zusammenstoß mit der Armee der Muggel vernichtet worden war.
Hier setzte sich Harry jedoch mit einem Ruck auf und sagte laut „Aber das stimmt nicht" in den Raum. Natürlich hatte er dadurch sofort die Aufmerksamkeit aller auf sich und Konstantin fragte leicht überrascht, wie Harry dies meine. Der Schwarzhaarige schaute nun leicht verlegen ob seines Ausbruches in die Runde und erwiderte dann vorsichtig, „Es stimmt nicht, dass Fürst Gregory von den Muggel getötet wurde. Ivan war der Verräter. Er und Voldemort hatten ein Abkommen. Ich habe es selbst gehört."
„Gehört?", fragte nun Augustus. „Wie soll das denn gehen, Mister Potter? Soweit ich weiß, hätten besonders sie es nicht überlebt, wenn sie in die Nähe des dunklen Lords gekommen wären."
Harry schaute den alten Vampir mit großen Augen an und überlegte, ob er ihm und den anderen sagen konnte, woher er diese Information hatte. Schließlich wäre dadurch auch Stephanos und Damions Geheimnis irgendwie ins Spiel gebracht worden. Leicht Hilfe suchend ging Harrys Blick zu Steph und dieser nickte ihm im nächsten Moment aufmunternd zu. Harry dankte ihm ebenfalls mit einem kurzen Kopfnicken und wandte sich wieder an Konstantin.
„Ich weiß es aus einer Erinnerung, einer Erinnerung von Severus Snape bei der zum einen Ivan versucht hat sich Draco Malfoy zu eigen zu machen und zum anderen Snape seine wahre Loyalität preisgeben musste. Doch dies hier alles zu offenbaren, finde ich nicht richtig. Vielmehr denke ich, ist es besser, wenn ich euch die Erinnerung zukommen lasse und sich die richtigen Personen sie genau anschauen."
Zwar runzelten eine der Vampire etwas die Stirn und gaben Laute der Unzufriedenheit von sich, doch da Konstantin zu verstehen schien, was Harry damit bezweckte, lächelte der Vampir und meinte, das dies wohl der richtige Weg sei. Er versprach auch, die Informationen richtig einzusetzen und bat danach seine Gäste, sie sollen sich doch weiter amüsieren. Dabei schnippte er mit den Fingern und einige leicht bekleidete Tänzerinnen betraten den Saal. Es erklang Musik und der Tanz der Vampire (grins) konnte beginnen.
Harry beobachtete die ganze Sache nur halbherzig, da ihm noch so viele Fragen im Kopf herumschwirrten und ging schließlich wieder zu seinem Platz an der Tafel. Unterwegs wurde er jedoch von David abgefangen und Konstantins Untergebener..., - Harry konnte und wollte einfach nicht das Wort Sklave in seinen Gedanken verwenden. - ... führte den Gryffindor zu einer etwas abgetrennten Sitzecke, wo Konstantin schon auf ihn wartete.
„Setzten sich doch wieder zu mir, Mister Potter. Ich spüre, dass sie noch eine Menge Fragen haben. Etwas zum Knabbern?" Konstantin bedeutete Harry, dass er sich doch auf einen der Sessel niederlassen solle und zeigte dann auf den Tisch in der Mitte, wo verschiedene Snacks standen, darunter auch etwas, das den Gryffindor ein mehr als nur überraschtes Gesicht bereitete. Es war doch allen Ernstes ... Knoblauch. Und nicht nur dass. Nein, Konstantin angelte sich gerade auch noch mit einem kleinen goldenen Spieß eine kleine in Öl eingelegte Zehe und steckte sie sich in den Mund. Das war dann nun doch zu viel für Harry und er starrte unwillkürlich den Vampir an und stotterte leise „ a ... aber ... aber ...".
Konstantin lachte offen als er das Gesicht des Gryffindors sah und sagte, „Bei Vladimir dem Großen, wenn wir irgendwann einmal den Krieg überstanden haben und Voldemort endlich besiegt ist, dann sollten sich unsere beiden Kulturen mal unbedingt unterhalten, Mister Potter, denn ich weiß ja nicht, was sie jetzt erwartete haben. Doch ich für meinen Teil, ich als geborener Ungar, ich liebe diese kleinen Knollen über alles."
„Ja aber Vampire hassen Knoblauch, sie können damit abgewehrt werden. Jedes Kind lernt dies in der Schule." Kam es ungläubig aus Harrys Mund und Konstantin hob die Hand. „Nein Mister Potter, wir Vampire hassen ihn nicht. Manche essen ihn sogar genauso gerne wie ich. Das Einzige was wir nicht vertragen, ist das Blut eines Menschen, der welchen gegessen haben. Es bringt durch seine Inhaltsstoffe in unserem Körper so ziemlich alle Vitalfunktionen durcheinander. Und glauben sie mir, dass wollen sie nicht erleben. Ganz zu schweigen vom widerlichen Geschmack."
Harry blickte Konstantin an und er musste dabei ein wirklich komisches Bild abgegeben haben. Der Vampir war mehr als nur amüsiert und er zeigte seine langen Zähne mit jedem Lachen. Dann jedoch beruhigte er sich etwas und erklärte Harry, was aus seiner Sicht in der Geschichte geschehen sein musste. Konstantin sprach dabei eine Begebenheit, eine Anekdote aus den Zeiten von Dracul dem Ersten, an. Es ging im Großen darum, dass dieser schon zu Lebzeiten, was heißt zu Zeiten als Sterblicher, eine Unverträglichkeit auf Knoblauch besaß und später darauf regelrecht allergisch reagierte. Und weil Dracul einer der wenigen Vampire war, der sich auch in der Muggelgeschichte einen Namen gemacht hatte, schien sich wohl die Auffassung unter den Muggeln und Zauberern eingeschlichen zu haben, dass man mit Knoblauch Vampire vernichten konnte und sich die Menschen dadurch mit Unmengen davon voll gestopft haben.
Harry musste dies dann erst einmal verdauen und setzte sich auf einen der Sessel gegenüber von Konstantin, der sich schon die nächste Zehe in den Mund steckte. Harry beobachtete dies genau und fragte, ob es nicht ein wenig widersprüchlich wäre, wenn ein Vampir das Blut nicht vertrug, den reinen Knoblauch allerdings schon. Konstantin lächelte wissend und meinte daraufhin, dass seine kleinen Snacks hier eine besondere Behandlung erfahren hatten und sie dadurch so lecker seien. Harry lächelte nun auch, besonders als er das genüssliche Gesicht seines Gegenübers sah. Dann wanderte sein Blick durch den Saal und er blieb schließlich bei David hängen. Dies brachte den Gryffindor dann zu seiner letzten Frage und mit etwas Zögern stellte er sich dem Vampir auch.
„Konstantin, ich weiß, es ist vielleicht nicht gebührlich für einen Gast so etwas zu fragen, doch in unserem Gespräch haben sie versucht mir klar zu machen, dass ihr Handeln nicht von der Suche nach Macht geprägt ist. Und doch halten sie sich einen Sklaven."
Harry schaute vorsichtig zu Konstantin auf, in der Hoffnung jetzt nichts Falsches gesagt zu haben. Der Vampir jedoch schaute gar nicht zu ihm herüber, sondern sein Blick lag gedankenverloren auf eben jenem jungen Mann, den Harry eben angesprochen hatte. Dann wandte Konstantin sich wieder Harry zu. Er straffte sich kurz und sank dann wieder in seinen Sessel zurück mit der Körpersprache eines Herrschers, der über allem stand und dem nichts etwas anhaben konnte.
„Nun Mister Potter, ich wusste, dass sie mich darauf noch ansprechen würden. Es liegt einfach in ihrer Natur Dinge die andere, scheinbar schwächere Menschen betreffen, nicht einfach auf sich beruhen zu lassen. Ich persönlich empfinde dies als einen sehr positiven Zug bei einem Menschen. Doch in Davids Fall liegen sie etwas falsch. David trägt die Bezeichnung Sklave nur zu seiner eigenen Sicherheit, denn als mein Sklave ist er für die anderen tabu und allein mein Rang würde es mir gestatten im Falle eines Falles, dass ich nicht nur das Individuum bestrafe, welches es gewagt hat an David Hand oder Zahn anzulegen. Nein, seine ganze Familie wäre meiner Gnade ausgeliefert."
Die Stimme von Konstantin war nun ein wenig mehr als nur laut und bestimmend geworden und ein Großteil der Gäste verstummte für einen kurzen Moment. Harry vermutete dass der Vampir so eine Art Statement abgeben wollte und dies schien ihm auch gelungen zu sein. Als dann die Aufmerksamkeit wieder abebbte, wandelte sich auch die Gesichtszüge des Vampirs und mit eher großväterlicher Stimme meinte er, „Und, Mister Potter, es war auch nicht ich, der dieses Schicksal bestimmt hat. Nein, David selbst kam zu mir und bot mir sein Leben für das seiner Schwester."
„Seine Schwester? Sie wollten eigentlich sie haben?", fragte Harry nun leicht entsetzt und in seiner Stimme schwang so etwas wie Empörung mit. Konstantin konterte aber sofort und versuchte dem Gryffindor den Wind aus dem Segel zu nehmen. „Nein Harry, du denkst schon wieder das falsche. Doch vielleicht sollte ich dich ein wenig mehr aufklären." Harry schaute den weißhaarigen Mann mit aufforderndem Blick an und Konstantin begann zu erzählen.
„Weißt du Harry, - ich nenn dich jetzt einfach mal so -, die Geschichte von David und mir begann vor gut vier Jahren. Es war im Winter, eine Jahreszeit, welche die Vampire lieben, da die Nächte dann länger sind und eines Tages stand David, völlig durchgefroren und fast tot vor der Burg und bat darum, eingelassen zu werden, um den Großfürsten zu sprechen. Keiner konnte damals sagen, ob der Junge wusste, wo er hier hin geraten war und in welcher Gefahr er schwebte. Doch die Wachen schienen einen guten Tag gehabt zu haben, ließen ihn ein und führten ihn direkt zu mir, da Gregory zu einer seiner Auslandsreisen aufgebrochen war.
David kam also nun zu mir und es beeindruckte mich schon sehr, dass er keine Furcht zeigte, obwohl die Leute im Dorf wussten, dass es hier oben für ihre Verhältnisse unheimlich war und es hieß, hier würden Zauberer leben. Ich fragte David damals, was sein Begehren wäre und er ging vor mir auf die Knie mit der Bitte, dass ich seiner Schwester half, dass sie ihren Traum leben konnte. Er sagte, er liebte sie so sehr und würde alles für mich tun, wenn ich ihr half ..."
„Ihr helfen Konstantin?", fragte Harry und tat es dem Vampir einfach mal gleich indem er ihn mit dem Vornamen ansprach. Konstantin lächelte und nickte. „Ja Harry, ihr helfen. Lucillia war nämlich krank, schwerkrank und ihr Traum einmal eine große Ballerina zu werden war damit fast zerplatzt. Davids Eltern sind vor Kummer fast gestorben, als die Ärzte damals die Diagnose Blutkrebs gestellt haben. Du weißt was das bedeutet, Harry?"
Der Gryffindor überlegte scharf, ob er davon schon mal gehört hatte und erwiderte leicht zögernd, „Ähm na ja ein bisschen. Ich glaube, es hat mit den weißen Blutkörperchen zu tun. Sie vermehren sich zu stark und greifen den Körper an, oder?"
Konstantin lächelte und nickte. „Das ist richtig Harry und die einzige Möglichkeit der Muggel ist etwas, dass sich Knochenmarkstransplantation nennt, im Zusammenhang mit starken Schmerzen und Medikamenten. Alles das, was David Eltern als einfache Bauern sich nicht leisten konnten oder es ihrer Tochter antun wollten. Sie lieben ihren kleinen Engel nun einmal und somit sah David in mir ihre letzte Rettung."
„Und wie sah diese Rettung aus? Ich meine, sie hat doch geklappt, oder?"
„Natürlich hat es geklappt und Lucillia ist in Rumänien eine der besten Balletttänzerinnen. Ich selbst bestaune sie jedes Mal wenn ich mir ihren Auftritt ansehe, bevor es dann Zeit für die Kur wird."
„Kur? Welche Kur? Ich dachte, du hast ein Heilmitten, Konstantin?", fragte Harry überrascht und der Vampir erwiderte, „Nein, ein Heilmittel habe ich nicht. Jedenfalls nichts, was den Krebs mit einem Male besiegt. Dafür sind nun mal die Methoden der Muggel von Nöten und da ist es noch nicht einmal gewiss, ob es funktioniert. Nein, meine Methode ist da effektiver, wenn auch ungewöhnlich. Ich habe nämlich Lucillia vor einigen Jahren einfach gebissen und sie mit meinem Virus infiziert. Meinem Virus, der widerstandsfähiger ist als andere Krankheitserreger und den ich mit jedem Biss so dosiere, dass die kranken Blutkörperchen bis zum nächsten Biss immer was zu tun haben und die eigentlich gesunden Zellen in Frieden lassen."
Harry traute seinen Ohren kaum und schaute Konstantin dementsprechend an. Der Vampir lächelte einmal mehr auf das Gesicht des Gryffindors hin und sagte dann, „Und so kam es, dass Davids Wunsch erfüllt wurde und es nun an ihm lag, seinen Teil, sein Versprechen einzulösen. Er wurde also mein Sklave, mein Diener und etwas später auch noch mehr. Doch das ist etwas, das nur ihn und mich etwas angeht. Zwar sehen das einige Vampire nicht ganz so, da sie der Meinung sind, dass ein Wolf das Recht hat sich einfach das zu nehmen, was er will, ohne dass er dafür etwas gibt, doch wie ich dir schon einmal gesagt habe Harry, ich habe schon zu lange gelebt, um mich dieser Meinung zu beugen. Auch sehen es dieselben Vampire nicht so gern, dass ich David sehr viele Privilegien eingeräumt habe und er viele unserer Geheimnisse kennt. Doch wie gesagt, dass interessiert mich nicht. Daher denke ich auch, dass ihnen dies hier vielleicht nicht gefallen könnte..."
Mit diesen Worten griff Konstantin in seinen Umhang und holte die Rolle Pergament hervor, welche die Todesser in der Bibliothek der Vampire gefunden hatten. Er reichte sie Harry und als dieser sich dafür bedanken wollte, winkte der Vampir plötzlich ab. „Nimm sie Harry, du hast uns mehr gebracht, als wir wieder gut machen könnten. Du hast uns Ginny gebracht."
Kurz darauf wurde das Gespräch mit Konstantin allerdings unterbrochen, da David an den Tisch herangetreten war und seinem Herren darauf hinwies, dass die Sonne in der nächsten halben Stunde über dem Berg aufgehen würde. Konstantin dankte David mit einem kurzen Kuss, der Harry wieder leicht in Verlegenheit brachte, und wandte sich dann an seine Gäste, um ihnen mitzuteilen, dass es Zeit zum Gehen war. David wurde dann noch angewiesen Harry, Ron und Steph bis ins Dorf zu begleiten und danach zogen sich die Vampire auch schon eiligst zurück. Es wurde dann noch beschlossen, dass Ginny und Damion in drei Tagen nach Hogwarts zurückkehren würden und es wurde auch beschlossen, dass Harry Ron erst einmal in den Gryffindorgemeinschaftsraum teleportieren würde, um ihn nicht gleich Molly und der Direktorin zum Fraß vorzuwerfen. Zwar hatte Steph sich schon etwas früher am Abend mit der Direktorin in Verbindung gesetzt, um ihr Entwarnung zu geben und dass sie die Auroren zurück pfiff, allerdings war Harrys Lehrer auch mit der Nachricht und einem grinsendem Gesicht wieder bei ihm erschienen, welche besagte, dass sich Harrys rothaariger Freund auf was gefasst machen sollte. Kurz darauf endete eine der wohl bisher ungewöhnlichsten Nächte für Harry und mit einer Stichflamme begann die Reise zurück nach Hogwarts.
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