Kapitel 96

Es konnte kein sehr langer Schlaf gewesen sei, vermutete Harry. Vielleicht eher ein Hindösen mit kurzzeitigem nachorgastischen Verlust aller Sinne. Doch als er wieder erwachte schien die Sonne direkt durch das Fenster neben seinem Bett und dies bedeutete in der jetzigen Jahreszeit, es war noch vor dem Mittagessen. Elf Uhr, maximal aber halb Zwölf schätzte Harry. Allerdings hatte der Gryffindor so gut wie keine Ambitionen aufzustehen, lag er doch immer noch in seinem Bett, auf der Frau seiner Träume und dann gab es da noch die kleine Tatsache, dass Harry sich noch nicht einmal aus ihr zurück gezogen hatte.

Und auch wenn dieses Gefühl mehr als nur angenehm war, holte Harry es nach, bevor er wieder zu erregt wurde, um sich dem Drang die Massage weiterzuführen, zu widersetzen. Es galt schließlich einige Dinge mit der Direktorin zu besprechen und duschen musste er mit Sicherheit auch noch. Daher weckte Harry seine Freundin mit einem Kuss, sagte ihr erneut, sie solle sich nicht erschrecken und eine Sekunde später waren beide wieder im Bad des Krankenflügels. Dort streckte sich Hermine erst einmal und während sie sich dann um das Wasser kümmerte, meinte Harry, er würde noch rasch ein paar Sachen holen.

Wieder im Gryffindorturm fiel ihm sofort der Brief ins Auge, gefolgt von Rons offenem Bett, was dem Schwarzhaarigen entsetzt aufblicken ließ. Dann aber straffte er seine Schultern und las erst einmal das gefaltete Pergament, welches von Steph war und besagte, dass er nach dem Mittagessen in das Büro der Direktorin kommen solle. Harry schaute auf seine Uhr. Sie zeigte an, dass es kurz nach halb Zwölf war und somit blieb ihm nicht mehr viel Zeit. Zwanzig Minuten später betraten dann Harry und Hermine die Große Halle und aßen erst mal eine Kleinigkeit. Nun ja, Harry nahm nur etwas zu sich, während seine Freundin ein wenig mehr aufzuholen hatte. Glücklicherweise lief ihnen Ron nicht über den Weg und so wurden die beiden auch vor etwaigen roten Gesichtern bewahrt.

Pünktlich zum Ende der Mittagspause fanden sich Harry und seine Freundin dann an der Treppe zu Professor McGonagalls Büro ein und der Gargoyle gab ihnen zwei Sekunden später den Weg frei. Oben angekommen wartete dann aber nicht nur die Direktorin. Nein, auch Ron, Professor Styls und Molly Weasley befanden sich im Büro und schienen sich über etwas unterhalten zu haben. Harry schaute sich etwas verwirrt um, besonders was Rons Mum betraf und dann fielen ihm die beiden Teller auf dem Schreibtisch auf, auf welchen wohl vor kurzem noch etwas zu Essen gelegen hatte. Offenbar war Ron schon eine ganze Weile hier oben und Harry konnte nur vermuten, dass es hier eine Aussprache zu seinem Ausflug gegeben hatte.

Professor McGonagall schaute von einigen Papieren auf, als die beiden eingetreten waren und ihr Gesicht zeigte so etwas wie Erleichterung darüber, dass es ihnen wieder besser ging. Harry musste sich allerdings erst an diese Geste gewöhnen, denn McGonagall gab sie sehr selten von sich. Molly hingegen ließ ihren mütterlichen Gefühlen freien Lauf und umarmte die beiden Gryffindors stürmisch. Allerdings spürte Harry auch, dass Rons Mutter eine Menge Fragen auf der Seele brannten. Bevor die Direktorin ihren beiden Schülern jedoch einen Platz anbieten und man eben diese Fragen beantworten konnte, wurde die Tür zum Büro mit einem Ruck aufgerissen und eine mehr als nur zornige Madame Pomfrey kam hereingestürmt. Sie baute sich aber zu Harrys Überraschung nicht vor ihm, sondern vor Hermines auf, die unter dem Blick der alten Schulheilerin regelrecht zusammenzuckte.

„Was haben sie sich dabei gedacht, Ms. Granger", fuhr Poppy auf, „ohne ein Sterbenswörtchen, und ohne meine Erlaubnis, ihr Bett zu verlassen?"

„Es geht ihr doch aber gut, Poppy", versuchte Harry seiner Liebsten beizustehen und Madame Pomfrey nahm nun ihn ins Visier.

„Ach ja, Mister Potter? Und was sagt ihnen das? Ihre jahrelange Erfahrung im Krankenflügel?" Der Sarkasmus kam nun schon fast an den von Snape heran und Harry glaubte sogar hinter sich ein leichtes amüsiertes Schnauben zu hören. Allerdings wagte er es nicht, seinen Blick von Poppy zu nehmen. Ebenso wenig wie er es vor einer wütenden Löwin machen würde.

„Nein Poppy, das nicht. Aber ihre Schrammen und blauen Flecken sind weg, genauso wie der Muskelkater."

„Ach ja, Mister Potter ...", wiederholte sich Madame Pomfrey mit hochgezogener Augenbraue. Worauf Harry nickte und erwidert, dass er sich darum gekümmert habe. Poppy schien dies aber nicht zu genügen und sie musterte Hermine nun von Oben bis Unten. Es kam Harry beinahe so vor, als hätte Poppy einen Röntgenblick. Hermine hatte unterdes rasch ihren Umhang etwas hochgestreift und entblößte ihren rechten Arm, damit Poppy sich vergewissern konnte, zumal dort vor wenigen Stunden noch ein ziemlich großes Hämatom gewesen war. Die Augen der alten Hexe weiteten sich vor Verblüffung und dann musterte sie Harry genau. „Und wie haben sie ihre Freundin geheilt, Mister Potter? Ich denke nicht, dass mir ein Trank bekannt ist, der bei blauen Flecken soooo schnell wirkt?"

Bevor Harry allerdings von seiner Öl-Tränen-Mischung was sagen konnte, hatte Ron seinen Mund mal wieder nicht unter Kontrolle und er wollte es wohl eher zu sich selbst sagen, doch Rons Stimme war nun mal Rons Stimme und so platzte er in den Raum. „Nun Poppy, ich denke es war eine ordentliche Dosis Peniscilin."

Natürlich hatte er sofort alle Blicke auf sich und während Poppy ungläubig schaute, Steph kurz vorm Platzen war und Molly, Harry und Hermine den Rothaarigen mit ihren Blicken töten wollten. Da übernahm die Direktorin das Reden und sie ermahnte Harrys Kumpel mit strengen Worten. „Mister Weasley, ich denke, dies gehört nun wirklich nicht hier her, besonders von ihnen nicht. Haben sie schon unser Gespräch von vorhin vergessen? Meinen sie nicht, dass man gerade von ihnen in nächster Zeit nur Antworten auf schulische Fragen erwarten sollte. Oder aber, sie wollen das ich meine Meinung ändere und dass Mister Filch für die nächsten beiden Monate eine tatkräftige Hilfe bekommt?"

Dies schien gesessen zu haben und Ron wurde immer kleiner auf seinem Stuhl. Harry nutzte dies und erklärte Poppy kurz von seinem Versuch mit dem Babyöl und bekam einen, wie sollte er es beschreiben... nun ja anerkennenden Blick von der alten Schulheilerin. Poppy setzte aber nach und meinte, dass Hermine trotzdem später noch mal vorsprechen sollte, da sie im Bezug auf die Phönixtränen noch etwas überprüfen will. Harry konnte sich zwar nicht vorstellen, was dies war. Ihm schwante allerdings, dass wenn die Ergebnisse für die alte Heilerin zufrieden stellend sein sollten, Poppy in nächster Zeit öfters mal auf ihn zurückgreifen würde. Doch bis es soweit war, gab es erst einmal wichtigere Dinge zu tun und zu besprechen.

Die Verlegenheit hinter sich und Ron noch einige Drohungen zukommen lassen, kam Harry nun schließlich zum eigentlichen Thema und er beantwortete Fragen im Bezug auf Konstantin oder Dinge, die Steph vielleicht nur angeschnitten hatte, da er der Meinung war, dass Harry dies viel besser erklären konnte. Dabei musste der Gryffindor der Direktorin auch erklären, warum ihm immer öfter der Name „Steph" über die Lippen kam und nach anfänglichem Zögern seitens Professor Styls erzählte Harry den anderen auch diese Geschichte.

Allerdings wurde Harry als er geendet hatte auch klar, warum Steph gezögert hatte, dies alles zu erzählen, denn kaum war Harry fertig, baute sich Poppy vor seinem Lehrer auf, ließ ihren aufmerksamen Blick über seinen Körper gleiten und mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete sagte sie kurz und knapp, „Steph, wir zwei, in einer Stunde. Und wag es ja nicht ..."

Styls hob abwehrend die Hände und grinste. Harry und die anderen konnten sich ein Lachen auch nicht verkneifen. Allerdings wurde Harry dann plötzlich ernst und sein Blick ging etwas unsicher zu Molly. Er schaute Rons Mum kalkulierend an und wusste nicht so recht, wie er anfangen sollte. Als dann die Direktorin auch noch begann, ihn nach etwaigen Erfolgen im Schloss zu befragen, da war es ganz aus. Hilfe suchend schaute der Gryffindor zu Hermine und diese zählte eins und eins zusammen und ging dann zu ihrer früheren Lieblingslehrerin und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Die Augen von Professor McGonagall wurden nach dem Gehörten etwas größer und sie wandte sich direkt an Mrs. Weasley.

„Molly, ich weiß, du wirst das jetzt etwas komisch finden, doch ich denke, das nächste, was wir hier besprechen, ist nicht für deine Ohren bestimmt."

„Was Minerva? Es sind meine Kinder! Ich denke, es geht mich doch etwas an."

Bevor im Büro der Direktorin jedoch ein Kampf der Titanen beginnen konnte, räusperte sich Albus Dumbledore, welcher der ganzen Sache bisher nur als Beobachter beigewohnt hatte. Den alten Zauberer in seinem verschnörkelten Bilderrahmen schien dies alles sehr amüsiert zu haben, doch nun dachte er sicherlich, dass ein wenig Hilfe nicht schlecht wäre. Als dann alle ihren Blick auf das Gemälde gerichtet hatten, wandte sich Dumbledore auch direkt an Molly und sagte, „Weißt du Molly, ich denke Minerva hat recht. Du erinnerst dich doch noch daran, dass ich einmal gesagt habe, dass Unwissenheit über eine bestimmte Sache manchmal auch ein Leben retten kann. Nun Molly, dies hier ist so eine Sache..."

„Ja aber Ron, Harry, und Hermine. Sie wissen doch darüber bescheid?", wollte das inoffizielle Oberhaupt des Familienclans aufbegehren. Dumbledore sprach aber mit einer Seelenruhe weiter. „Sie sind direkt betroffen und von Anfang an dabei. Vertrau ihnen einfach, Molly. Vertrau ihnen, wie du es bei mir auch immer getan hast. Du weißt, Minerva und all die anderen Lehrer hier würden ihr Leben dafür gaben, dass den Kindern nichts geschieht."

Molly schaute vom Portrait in die Runde und besonders die Direktorin und Stephano Styls nickten zustimmend. Schließlich gab sich Rons Mum geschlagen und nach einer kurzen Verabschiedung meinte sie, dass sie mal kurz nach Hogsmeade müsste und in zwei Stunden wieder da wäre. Molly aus dem Weg lagen nun die Blicke auf Poppy und die alte Heilerin verstand sofort, was gemeint war. Sie schüttelte leicht den Kopf und murmelte was von Geheimnistuerei, ging aber in Richtung Tür und war auch kurz davor sie hinter sich zu schließen. Doch dann schlich sich noch einmal so etwas wie ein Siegerlächeln auf das leicht faltige Gesicht der alten Hexe und sie sagte ermahnend, „Steph denk dran, eine Stunde und das gleiche gilt für sie Ms. Granger."

Professor McGonagall konnte sich ein Lächeln über das Benehmen ihrer alten Jugendfreundin nicht verkneifen, wurde danach aber sehr ernst und bedachte Stephano Styls mit einem strengen Blick. Natürlich ging dies an ihren drei Schülern und dem betroffenen Lehrer nicht vorbei und leicht unsicher fragte Stephano, was denn sei. McGonagall stand daraufhin auf, stellte sich hinter ihren Schreibtisch und sagte, „Du hättest es mir sagen müssen, Steph. Du weißt, was ich für ein Amt, für eine Verantwortung gegenüber den Kindern hier und auch ihren Eltern trage und du verheimlichst mir Damions Zustand. Du hättest mir sagen müssen, dass er ein Vampir ist."

Natürlich versteinerten alle Blicke im Raum und während einiger der Gemälde zu rumoren begannen, dass dies eine Gefährdung für Hogwarts und ein nicht hinnehmbares Verhalten sei, machte sich Harry in seinem Kopf eher andere Sorgen. Wie viel wusste McGonagall? Wusste sie alles? Kam es jetzt zum großen Showdown? Bevor Harry aber weiter darüber nachdenken konnte, ob er vielleicht einmal mehr seine Direktorin mit einem Gedächtniszauber belegen musste, wurde die Stimme von Professor McGonagall wieder um einiges sanfter und sie fragte nun fast fürsorglich, „Wie ist es denn passiert, Steph? War es vor seinem Unfall?"

Für Harry schien die Zeit still zu stehen und er starrte die alte Hexe an. Sie wusste es also nicht und Stephs blitzschnelles Einschreiten brachte auch die Entscheidung, wie es weiter gehen sollte. Harrys Professor nickte nämlich und er erzählte der Direktorin eine wirklich glaubwürdige Geschichte. Nach ihr sei Damion schon im Alter von zehn Jahren gebissen worden und er, Steph, habe es über Jahre geschafft, den Virus im Zaum zu halten. Dann aber sei der Unfall geschehen und daher waren sie auch nach England gekommen, da hier einige Spezialisten lebten, die Damion bei seinem Problem vielleicht helfen konnten.

McGonagall schluckte dies, auch wenn Hermine und vor allem Ron ihren Professor mit großen Augen anstarrten. Harrys bester Freund ging danach sogar soweit, dass er meinte, er müsse sich bei Damion entschuldigen, weil er ja nie geahnt habe, was der Braunhaarige durch gemacht hat. Dies allerdings brachte Harry nun in Gewissenskonflikte. Sollte man nicht wenigstens Ron die ganze Wahrheit sagen? Bei näherer Betrachtung entschied sich Harry allerdings dafür, es so zu belassen. Ron würde, nein müsste die Wahrheit irgendwann erfahren. Doch vielleicht war es besser damit bis nach dem Krieg zu warten. Oder aber Draco blieb für immer tot. Schließlich hatten selbst Arthur und Molly dies als solches akzeptiert.

Als diese Sache dann geklärt war, kam Professor McGonagall zum nächsten Punkt und zwar dazu, was der ganzen Aufregung der letzten Tage zugrunde gelegen hatte. Sie fragte Harry nach dem Horkrux im Waisenhaus und das Gesicht des Gryffindors fing an zu strahlen. Allerdings sagte er nichts weiter dazu, sondern meinte, dass es vielleicht Zeit war, hinunter ins Archiv zu gehen, um dort in Ruhe und ohne Störung darüber zu sprechen. Die Direktorin stimmte ihrem Schüler zu und wenige Minuten später fanden sich alle Fünf im Archiv ein, wo sie sich um die Vitrine mit den anderen, zerstörten Horkruxen oder aber den Hinweisen darauf, versammelten.

Harry schaute noch mal geheimnisvoll in die Runde und griff dann in seinen Umhang. Zum Vorschein kam jedoch nicht, wie von der Direktorin oder vielleicht Ron erwartet, der goldene Becher von Helga Huffelpuff. Nein, Harry legte lediglich den kleinen zerschmolzenen Klumpen Gold auf die Glasplatte. Natürlich waren alle außer Hermine verwirrt und Harry erklärte, dass er das Horkrux schon zerstört hatte und zwar mit seinem Phönixfeuer.

Diese Worte zauberten ein erleichtertes Lächeln auf das Gesicht von Professor McGonagall und sie schien kurz davor zu sein, Gryffindor hundert Hauspunkte zu geben. Doch es war klar, dass dies nicht so einfach ging, ohne Fragen herauf zu beschwören. Hermine hingegen hatte eine ganz andere Art und Weise ihrem Freund zu zeigen, wie stolz sie auf ihn war. Sie küsste Harry liebevoll auf den Mund. Und sein wir mal ehrlich, diese Geste von McGonagall wäre mehr als nur störend für den Verlauf einer ruhigen Nacht.

Nun nachdem jetzt also der nächste Horkrux vernichtet war und man sich ab hier nur noch auf zwei lebende Objekte konzentrieren musste, kamen die fünf Eingeweihten zu dem Schluss, dass man es jetzt nicht überstürzen dürfte. Nagini war ja nach Albus Vermutungen ihr nächstes Ziel, doch die schlich sich meistens in der Näher ihres Meisters herum. Daher, und weil Harry sich auch plötzlich wieder daran erinnerte, zog der Gryffindor schließlich die Rolle Pergament aus der Tasche. Das Pergament, welches letztendlich zum Tode dreier Todesser geführt hatte und welches Konstantin Harry als letztes Geschenk vor ihrer Rückreise in die Hand gedrückt hatte.

„Mister Potter, was ist das?", fragte die Direktorin und Harry erwiderte, „Ich habe keine Ahnung, Professor. Konstantin hat es mir zugesteckt, als Geschenk wenn sie so wollen. Doch ich habe miterlebt, dass es Voldemorts Schergen mehr als nur aufgeregt hat und sie es unbedingt zu ihm bringen wollten."

„Nun, dann sollten wir es uns unbedingt mal ansehen." Sagte Damions Dad und scheinbar waren alle der gleichen Meinung wie Stephano Styls und so begann Harry vorsichtig das alte Papyrus, welches auch einige Spuren von Blut anhaften hatte, aufzurollen. Als erstes fiel ihm dabei so etwas wie ein Wappen auf und der Gryffindor zitterte sogar leicht, als er das Siegel von Hogwarts erkannte.

„Oh mein Gott, es ist Hogwarts", kam es leicht erstickt aus Harrys Mund. Seine Stimme versagte aber gänzlich, als er die Worte der Direktorin hörte. „Und nicht nur das, Mister Potter, nein, es ist sogar aus den Zeiten der vier Gründer. Sehen sie das Siegel?"

Alle Vier schauten nun auf das Pergament, die geschriebenen Worte erst einmal außer Acht lassend und bedachten das Siegel mit einem fragenden Blick. Professor McGonagall, als Lehrerin hier in Hogwarts und Stammleserin der Geschichte Hogwarts, begann auch gleich weiter zu erklären, wieso sie zu dieser Annahme kam.

„Sehen sie, Mister Potter, es handelte sich hierbei um einen Bogen Pergament, den nur die Gründer selbst benutzen durften. Schon kurz nach dem Tode Godrics wurden diese gar nicht mehr hergestellt. Und dieser hier gehörte sogar... man sollte es nicht für möglich halten ... er gehörte Salazar Slytherin."

„Woher wollen sie dies Wissen, Professor?", fragte Ron überrascht und McGonagalls Zeigefinger strich vorsichtig über das Pergament und über das Siegel.

„Nun Mister Weasley, ich erkenne es daran, dass sein Buchstabe, sein „S" im Wappen farblich hervorgehoben ist und die anderen nicht. Diese Pergamente wurden damals benutzt, um Schutzzauber, Schulregeln und andere wichtige Dinge für kommende Generationen festzuhalten. Und damit man immer wusste, wer eine solche Regel aufgestellt oder aber einen Zauber gewirkt hat, benutzte der jeweilige Gründer sein eigenes Papyrus."

Die drei Schüler und auch Stephano Styls schauten die alte Hexe an und mit einem Lächeln meinte sie, dass sich keiner Sorgen machen müsste, die Geschichte Hogwarts zu luschig gelesen zu haben, Man könne dies nur als Direktor wissen, oder aber, wenn man Zutritt zu diesen Archiven hier unten hatte. Als Harry diese Informationen dann verdaut hatte, kam man schließlich auch dazu, etwas weiter unten auf der Seite zu lesen und der Gryffindor war mehr als nur erregt, welches Geheimnis über den dunkelsten der vier Gründer sie hier möglicherweise offenbaren würden. Daher ging der Gryffindor plötzlich einige Schritte zum nächsten Tisch und legte dort das Pergament ab. Seine Augen scannten die sehr stark vergilbte Seite und er versuchte, die fast verblassten Worte zu lesen.

... es ist kalt, sehr kalt und das neue Jahr gerade mal zehn Tage alt. Doch es stört mich nicht. Der Winter ist mit seiner Pracht für Menschen wie mich nicht unbedingt einer der schlechteren Monate. Wann sonst findet man denn schon Eismohn, Neujahrklee oder gar kristallines Quellwasser...

Harry schaute kurz vom Pergament auf und zu Ron, der diese Passage scheinbar auch gerade gelesen hatte und gluckste. Allerdings ermahnte Steph den Rothaarigen, sich nicht lustig zu machen, da Salazar, auch wenn man es nicht wahr haben wollte, Recht hatte und Ron mal darüber nachdenken solle, wofür Slytherin in der Zauberergeschichte bekannt war. Harry ließ die Worte seines Lehrers langsam durch seinen Geist sacken und wenn er dann noch bedachte, welche Vergangenheit Steph noch in sich barg, musste er Damions Dad zustimmen, denn all diese Dinge klangen wie sehr seltene und daher kostbare Zaubertrankzutaten. Auch Ron schien dies einzuleuchten, er nickte leicht beschämt und zwei Sekunden später lasen sie den nächsten Abschnitt auf dem Pergament.

... allerdings bin ich nicht nur wegen der Zutaten in den Wald, zwei Tagesmärsche entfernt von Hogwarts, gegangen. Ich brauche einfach ein paar Tage für mich, weg vom ganzen Trubel der Schüler, um mir über einige Dinge klar zu werden, dinge, die ich vor Helga und sogar vor Rowena nicht wage auszusprechen. Doch ich habe die Befürchtung, dass Godric uns getäuscht hat. Ich weiß, dass es etwas damit zu tun hat, was vor unserer Gründung von Hogwarts, unser aller Traum, geschehen ist. Ich weiß, dass da, in dieser Zeit, etwas Großen passiert sein muss. Doch ich kann mich beim besten Willen und mit den stärksten Tränken, die ich zu brauen im Stande bin, nicht daran erinnern. Alles was ich fühle ist eine Leere und wiederkehrende Alpträume, die, wenn ich sie am Morgen niederschreiben will, wie aus meinem Geiste gesaugt sind. Und doch glaube ich, dass Godric dahinter steckt, dieser alte Fuchs mit seiner lustigen, jedoch manchmal gespielten Art. Und dann sein Vers, den er immer aufsagt, wenn er denkt, er wird nicht beobachtet. Schwestern des Lichtes sagt er immer und wenn man ihn darauf anspricht, lenkt er sofort ab und meint Geschichte muss Geschichte bleiben. Komischerweise habe ich nach diesen Worten immer wieder das Gefühl mein Geist vernebelt sich und der Drang einen Trank zu brauen, egal ob von Nöten, überkommt mich...

Harry schaute auf und sein Blick traf auf den von Professor Styls. Allerdings wagte Harry es nicht auszusprechen, doch wenn er dies so hörte, schien an ihrer Vermutung, dass es einen gewaltigen Vergessenszauber gegeben hat, etwas dran zu sein. Jedoch wuchs in Harry auch eine gewisse Wut auf Slytherin, der es wagte, seinen Vorfahren zu beschuldigen. Steph goss auch noch Öl ins Feuer, als er meinte, dass Gryffindor durchaus die Macht und Schlauheit dafür besessen habe. Bevor Harry allerdings Damions Vater etwas an den Kopf werfen konnte, egal ob verbal oder materieller Art, mischte sich die Direktorin ein und meine, man sollte vielleicht weiter lesen, ob nicht noch ein genauerer Hinweis auf die Schwester des Lichtes im Text versteckt sei. Harry schluckte seine Worte runter und sah wieder auf das Pergament.

... Nun egal, ich habe einen Großteil meiner Kräuter gefunden und will auch noch zum meinem alten Mentor. Crovalix. Der Druide, wird mir bestimmt helfen können. Er wird mir sagen können, was nun wieder Helgas Geheimnis ist. Komischerweise scheint jeder irgendwie in letzter Zeit so sein eigenes Süppchen zu kochen. Jedenfalls ist es früher niemals vorgekommen, dass meine Freundin aus Kindertagen etwas auf Altdruidisch niederschreibt, obwohl ich mir bewusst bin, dass die alte Kräuterhexe, und ich meine dies nicht böse, diese alte Sprache mehr als nur perfekt beherrscht. Etwas, das sie mir voraushat, da Crovalix es mich nie gelehrt hat. Und doch muss ich wissen, was sie auf dieses Pergament geschrieben hat, welches ich ihr letzte Woche stibitzen konnte...

Harry stockte, denn hier schien der Text zu Ende zu sein oder zumindest gab es keinen Zusammenhang mehr auf dem schon deutlich mitgenommenem Pergament. Allerdings konnte sich Harry vorstellen, dass Salazar Slytherin beim letzten Satz regelrecht gegrinst haben muss, als er es aufgeschrieben hat. Alles was man jetzt noch auf dem Stück Papyrus sah, waren verschieden Runen und Krakel, die Harry allerdings nicht entziffern konnte. Er schaute daher in die Runde und bemerkte die nachdenklichen Blicke Aller. Gut, Hermine war nicht ganz so nachdenklich, sondern schrieb sich vielmehr die Runen und Krakel auf ein extra mitgebrachtes Blatt Papier.

Die Direktorin bedachte ihre Schülerin daraufhin mit einem fragenden Blick und Harrys Freundin meinte, sie wolle es in der Bibliothek nachschlagen. Dabei schwang in ihrer Stimme jedoch ganz deutlich eine Bitte mit und als wenn die beiden Hexen schon immer so kommuniziert hätten, nickte Professor McGonagall leicht und gab Hermine die uneingeschränkte Erlaubnis zum benutzen der verbotenen Abteilung. Die Gryffindor lächelte die Direktorin dankbar an und schrieb weiter. Gut, sie wollte weiter schreiben, doch das Pergament lag nicht mehr vor ihr.

Stephano Styls hatte es hochgehoben und betrachtete den Papyrus mit angestrengtem Auge. Er führte es mal ganz nah an sein Gesicht und hielt es dann wieder etwas weiter weg und gegen das Kaminfeuer. Schließlich schien er etwas gefunden zu haben und richtete seinen Zauberstab auf das Pergament. Harry fragte sich, was dies solle, aber vielleicht hatten sich bei Steph seine Erfahrungen als Schatzjäger ausgezahlt und er hatte noch etwas mehr auf der Tagebuchseite von Salazar Slytherin gefunden, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Was jedoch dem Lächeln von Steph folgte, ließ alle anderen im Raum etwas zurück weichen. Professor Styls benutzte nämlich nicht irgendeinen Enthüllungszauber, wie Snape es in Harrys drittem Jahr bei der Karte der Rumtreiber versucht hat. Nein, der Lehrer für VgddK meinte etwas von „typisch Todesser", tippte das Papyrus an und sagte, „Morsmordre".

„Steph", keuchte die Direktorin entsetzt und alarmiert auf, als aus dem Zauberstab ihres Kollegen das dunkle Mal erschien. Doch ihr Entsetzen wurde noch größer, als sich kurz nachdem die grüne Schlange, welche sich aus dem Totemschädel schlängelte und das Pergament berührte, weitere, nun aber deutlich lesbare englische Worte bildeten. Harry sah seinen Lehrer überrascht an und hoffte, dass dies jetzt kein Fehler war und sein „typisch Todesser" vielleicht ein falsches Licht auf ihn warf. Professor McGonagall hingegen schien dies gar nicht mitbekommen zu haben. Wie sollte sie auch, hatte die alte Hexe doch im nächsten Moment alle Hände voll damit zu tun, an die nächste Wand zu rennen, ihre rechte Hand darauf zu legen und mit der ihr bei der Vereidigung als Direktorin überantworteten Macht, die Alarmglocken, welche nun im ganzen Schloss erklangen, zum Schweigen zu bringen.

Harry schaute seine frühere Hauslehrerin mit großen Augen an und bekam als Erklärung, dass der Alarm allein durch die dunkle Absicht, welche mit dem dunklen Mal verbunden ist, losgegangen sei. Danach legte Professor McGonagall ihre zweite Hand auf die Mauer und mit einer magisch verstärkten Stimme, die durch Hogwarts Gänge hallte, bat sie die anderen Schüler und Lehrer um Ruhe und versicherte ihnen dass dies nur ein Fehlalarm gewesen sei.

Stephano Styls hingegen sah verlegen zu Boden, da er ja an der ganzen Sache Schuld war und Harry und seine beiden Freunde mussten über das Gesicht des Professors für VgddK schon ein wenig schmunzeln. Dann aber galt es sich wieder dem Pergament zu widmen und die Direktorin versuchte die nun erschienenen Worte laut zu lesen. Und während Hermine diese auch notiert, erklang die Stimme der Direktorin im Raum.

... Schwestern ... Schlüssel ... Geheimnis ... Jugend ... Gryffindor ...."

„Die Schwestern sind der Schlüssel zum Geheimnis von Gryffindors Jugend, Professor?". fragte Harry an die Direktorin gewandt.

McGonagall schien leicht zu nicken und erwidert, „Ich denke, so steht es da, Harry, auch wenn ich nicht weiß, wie wir dies deuten sollen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der große Godric Gryffindor versucht hat, ewig jung zu bleiben oder gar dem Tode zu entrinnen wie Tom Riddle es seit seiner Schulzeit versucht."

Dies konnten natürlich auch die anderen im Raum nicht so recht glauben und es war Hermine, die meinte, dass man die Übersetzung vielleicht noch mal genauer untersuchen sollte. Altdruidisch konnte man nämlich sehr schnell falsch verstehen. Harry sah hoffnungsvoll zu seiner Liebsten und danach wanderte sein Blick zu den beiden Erwachsenen. Steph und die Direktorin schienen über die Worte von Hermine nachzudenken und beschlossen dann dass man diese Sache auch in betracht ziehen musste.

Schließlich kam man noch mal auf Ginny und Damion zu sprechen und hier war es Ron, der überraschenderweise einen sehr guten Punkt anbrachte. Harrys rothaariger Freund, der bisher eher ruhig mit zugehört hatte fragte vorsichtig, ob man nicht in der nächsten Zeit mit Vergeltungsmaßnahmen seitens Voldemorts rechnen müsse, da Harry ihn ja sozusagen um seine Verbündeten, die Vampire, gebracht hatte. Ron hatte wahrscheinlich seine Eltern dabei im Sinn und alle im Raum sahen die Jungen nun mit einem eher nachdenklichen Gesicht an. Die Direktorin schaltete als erste und versprach sich sofort mit Kingsley in Verbindung zu setzen. Danach schaute sie auf die Uhr und meinte, dass die Stunde, welche Poppy Stephano und Hermine gegeben hatte, vorbei war.

Somit wurde die kleine Versammlung für heute aufgelöst und während Hermine und Steph sich beeilten in den Krankenflügel zu kommen, machte Harry sich auf den Weg zum Gryffindorturm. Er wollte noch ein wenig nachdenken, was die Zukunft oder aber die letzten Erkenntnisse anging. Und da Ron noch kurz zu seiner Mum wollte und Professor McGonagall ja einige Flohgespräche vor sich hatte, schien dem Gryffindor diese Option als die beste.

TBC

9