Kapitel 97
So wie sie Harry am Morgen geweckt hatte, so brachte es die Sonne auch jetzt am Nachmittag wieder zustande, dass der Gryffindor aus seinen Gedanken gerissen wurde, als sich die wärmenden Strahlen langsam hinter dem Fensterrahmen hervor schoben. Bis jetzt hatte Harry vor dem Kamin gesessen und gegrübelt. Dass er dabei ungestört geblieben war lag wohl hauptsächlich daran, dass seine Mitschüler heute lange Unterricht hatten. Nun aber war Harry wieder wach und dies keinen Moment zu früh, denn das Portrait der fetten Dame schob sich zur Seite und Ron kam durch das Loch in der Wand geklettert.
„Na Harry, alles klar bei dir?", fragte der Rothaarige und ließ sich in den Sessel, der dem Harrys gegenüberstand fallen. Seinen Blick wandte er jedoch keine Sekunde von seinem Kumpel ab und Harry spürte, dass dem Rothaarigen sicher gerade tausend Dinge durch den Kopf schwirrten.
„Und bei dir? Ist deine Mum wieder weg?", versuchte Harry der Frage mit einer Gegenfrage auszuweichen. Ron nickte und meinte, dass die Direktorin sie sofort rufen wolle, wenn Ginny und Damion im Schloss eintrafen. Allerdings brachte es nichts, Molly ins Spiel zu bringen und so sah sich Harry unverändert seinem besten Freund gegenüber und er wartete darauf, dass der Rothaarige ihm seine Frage stellte. Schließlich schien Ron der Meinung zu sein, er habe Harry lange genug warten lassen und fragte ihn unverblümt, warum er ihm, seinem besten Freund, nichts über den Zustand seiner Schwester gesagt hatte. Natürlich musste Harry ein wenig schlucken, versuchte Ron dann aber zu erklären, dass er gedacht habe, er handle im besten Interesse von allen.
Was folgte war eine lange, drückende Stille im Gryffindorturm und Harry wünschte sich, Ron würde ihn eher anschreien, als das er gar nichts sagte. Dann aber wurde der Gryffindor überrascht, wie reif sein bester Freund geworden war, denn Ron stand auf, kam auf ihn zu und streckte seine Hand aus. „Akzeptiert Harry. Aber ab jetzt keine Geheimnisse mehr. Wir haben schon zu viele davon."
Harry starrte auf die Hand, dann in Rons blaue Augen und in dem Moment, fasste der Gryffindor entgültig den Entschluss, dass Draco Malfoy und Severus Snape ein für alle mal tot waren. Harry ergriff die Hand, lächelte und erwiderte, „keine Geheimnisse mehr". Allerdings setzte er dann mit einem Lächeln hinterher, „Aber ein wenig Privatsphäre ist schon nicht schlecht."
Natürlich wussten beide, wie dies gemeint war und dass der Gryffindor auf heute Morgen anspielte. Ron wollte schon etwas erwidern, doch er ließ es und so wurden beide nur etwas rot und lachten letztendlich. Als sie sich wieder beruhigt hatten, fragte Harry noch einmal, ob jetzt mit seinem Freund alles in Ordnung war und auch ob das Gespräch mir seiner Mutter und der Direktorin einigermaßen glimpflich abgelaufen sei. Ron grinste, nickte kurz und schien dann plötzlich in Erinnerungen zu schwelgen. Er setzte sich nämlich auf seinen Sessel zurück und starrte in das Kaminfeuer.
Backflash
Ron platzte der Kopf, wenn er an alles dachte, was ihm in den letzten Stunden widerfahren war. Doch zu mindestens hatte Nevilles Therapie gewirkt und seine Muskeln waren nun um einiges lockerer. Und so schlummerte der Gryffindor bis ihn plötzlich ein kurzes Zischen und eine doch sehr ungewöhnliche Wärme durch den Vorhang ins Gesicht fuhr. Rasch griff Ron zu seinem Zauberstab und schielte durch einen kleinen Spalt im Vorhang. Allerdings wurde dem Gryffindor im nächsten Moment klar, dass dies ein Fehler war, blickte er doch nun auf seinen besten, völlig nackten Freund, der zusätzlich noch eine nicht weniger nackte Hermine im Arm hielt. Natürlich konnte man einen Augenblick später nicht mehr sagen, wo Rons Gesicht aufhörte und wo seine Haare begannen. Allerdings schaffte es der Gryffindor auch nicht, seinen Blick von Hermines schlankem, wohlproportioniertem Körper zu nehmen. Und wenn der Rothaarige mal von den Schrammen und Blessuren absah, musste er sich einmal mehr eingestehen oder daran denken, was doch aus dem kleinen Mädchen, welches sie vor Jahren vor einem Bergtroll gerettet hatten, für eine wunderschöne Frau geworden war.
Letztendlich gab sich der Gryffindor dann doch einen Ruck, schloss den Vorhang langsam wieder, um nicht entdeckt zu werden, und sank auf sein Bett zurück. Ron saß eindeutig in der Falle hier. Raus konnte er nicht ohne dass seine beiden Freunde es bemerkten und die Sache peinlich wurde. Und auf die Idee einen Stillschweigezauber auf sein Bett anzuwenden kam der Gryffindor erst, als aus Hermines schmerzvollem Wimmern das wohl eher erregte Stöhnen wurde. Das war dann der Punkt, wo es Ron nicht mehr aushielt, wo kein Kissen- auf- die- Ohren- drücken half. Ganz zu schweigen davon, dass aufgrund der geladenen Atmosphäre auch sein Körper zu rebellieren begann. Seinen Zauberstab auf den Vorhang richtend und so leise wie möglich den Zauber wirkend, hoffte Parvatis Freund, dass er Harry nicht auf sich aufmerksam machte. Und Ron hatte Glück und danach Ruhe um weiter nachzudenken.
Wie lange er in Gedanken war, wusste er nicht genau, allerdings schien durch den an manchen Stellen dünn gewordenen Vorhang ab und an ein Sonnenstrahl und dies sagte Ron, dass es langsam aber stetig auf Mittag zuging. Er raffte all seinen Mut zusammen und schielte mit fast zugekniffenen Augen durch den Vorhang. Sein Blick streifte Harrys Körper der bewegungslos auf dem von Hermine ruhte und ein Grinsen zeichnete sich plötzlich auf seinem Gesicht ab. ‚Ah, der Missionar ist also fertig', dachte der Werwolf und beeilte sich nun, so schnell wie es nur ging, die Gefahrenzone zu verlassen. Im Gemeinschaftsraum atmete Ron noch mal durch und machte sich dann auf den Weg zum Büro der Direktorin.
***
„... wie trifft es immer die Kinder, Minerva?", fragte Molly Weasley, als sie ihre Tasse Tee abgesetzt hatte und schaute zu ihrer Freundin, die sich nun wieder in ihrem Sessel im Büro niedergelassen hatte.
„Nun Molly, das tut es doch nicht. Harry und Ronald und auch Hermines sind schon lange keine Kinder mehr in meinen Augen. Und denk doch mal daran und erinnere dich zurück, wie alt James und Sirius waren, als sie ihre erste Begegnung mit Voldemort hatten?"
Auf diese Frage wusste die sonst so resolute Chefin des Weasley- Clans nicht so recht, was sie erwidern sollte, denn die Rumtreiber hatten diese Begegnung wirklich in ihrem siebenden Schuljahr gehabt. Allerdings konnte Molly einfach nicht aus ihrer Haut und so sank sie etwas geschlagen auf ihrem Platz zusammen. „Ja aber trotzdem ...", wollte Rons Mum noch sagen, doch da klopfte es an der Tür und nach einem deutlichen „Herein" betrat eben einer der eben erwähnten Teenager den Raum und sofort stürmte Molly auf den Rothaarigen zu. Es brodelte von einer auf die andere Sekunde im Innersten der kleinen rundlichen Hexe und sie wollte ihren jüngsten Sohn umarmen und gleichzeitig erwürgen. – Wobei dies bei Molly ja ein und das Selbe war. – Doch zu ihrer Überraschung hob ihr Sohn plötzlich die Hand und eine unsichtbare Kraft drückte seine Mutter zur Seite. Harrys bester Freund war selbst über diese Reaktion erstaunt, fing sich aber schnell wieder und sagte, „Mum, jetzt nicht." Dann ging er direkt auf die Direktorin zu, stellte sich aufrecht vor sie hin und mit fester Stimme sagte er zu seiner alten Hauslehrerin. „Professor, ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, weiß, dass ich die Schulregeln missachtet habe und bin nun hier um die Konsequenzen dafür zu tragen."
Die Direktorin war für einen Moment baff, sei es nun wegen der ungewöhnlichen Geste seitens Rons, als er seine Mutter zum Schweigen gebracht hatte, oder aber, weil sie das eben gezeigte Verhalten gerade bei Ron nicht erwartet hatte. Schließlich erwachte die Professorin aus ihrer Starre und ein Lächeln zauberte sich auf ihr Gesicht. Sie hatte also alles richtig gemacht in den letzten Jahren und der junge Mann vor ihr war zu einer Persönlichkeit herangereift. Allerdings verwirrte Ron nun wiederum diese Geste und der Gryffindor verlor etwas von seinem Selbstvertrauen.
„Nun Mister Weasley, es ist schön zu hören, dass sie ihren Fehler einsehen...", begann die Direktorin ihre Rede, welche im Nachhinein allerdings nicht mal annähernd so schlimm für Harrys besten Freund sein sollte, wie er am Anfang gedacht hatte. Natürlich maßregelte die alte Hexe ihn und berief sich auf die Schulordnung und den gesunden Menschenverstand jedes Einzelnen. Eine Strafe wollte sie ihm jedoch nicht aufdrücken, da Ron ja gewissermaßen einem unglücklichen Irrtum unterlag und die Direktorin, wenn sie in seiner Lage gewesen wäre, wahrscheinlich genauso gehandelt hätte. Das Letzte sagte sie natürlich nicht laut. Sie war immerhin eine Autoritätsperson. Rons Mum hingegen hielt sich nicht ganz so zurück, musste sich während ihrer Tirade allerdings auch von ihrem Sohn einige Vorwürfe über Geheimnistuerei gefallen lassen und einmal mehr zeigte sich, dass Ron erwachsen geworden war und es verstand, sich gegen Molly Weasley zu verteidigen, wenn auch nur ein wenig.
Backflash EndeHarry beobachtete seinen Kumpel noch eine Weile und tat es ihm dann nach und schaute ebenfalls ins Kaminfeuer. Seine Gedanken kreisten nun wieder um den zuletzt gefundenen Hinweis auf das große Rätsel, welches Hogwarts nach Albus Angaben umgeben sollte. Immer wieder tauchten diese verdammten Schwestern des Lichtes auf und Harry ließ sich jeden Hinweis, den sie bis jetzt hatten, nochmals durch den Kopf gehen. Was konnte es sein? Was war es, was Tom Riddle so unbedingt haben wollte? Menschen waren dafür gestorben. Menschen, unschuldige und auch Leute, die sich ihm freiwillig angeschlossen hatten, in der Hoffnung auf ein wenig Macht.
In seinen Gedanken bekam Harry gar nicht mit, wie sich sein bester Freund kurze Zeit später erhob und meinte, er würde seiner Freundin ein bisschen entgegen gehen. Parvati hatte zwar gerade noch Unterricht, doch dieser neigte sich auch dem Ende zu. Erst als Ron fast aus dem Portrait der fetten Dame heraus war und sich mit jemandem unterhielt, schreckte Harry hoch und er drehte sich um. Sein Blick traf dabei auf seine Freundin die wiederum gerade in den Gemeinschafstraum kletterte und er versteinerte, als sich Hermine umdrehte und langsam und mit deutlich blassem Gesicht auf ihn zukam.
„Hermine, was ist passiert?", fragte Harry besorgt und sprang aus seinem Sessel hoch. Er brauchte keine Sekunde und war bei seiner Liebsten. Er nahm sie in den Arm und wartete darauf, dass Hermine irgendwas sagte, doch die Gryffindor blieb still und sah so aus, als hätte sie einen Geist gesehen oder aber den Schrecken ihres Lebens bekommen. Später wurde Harry auch klar, dass dies auch irgendwie gestimmt hatte.
Backflash
„Himmel her je, man kann Poppy einfach nicht entkommen, oder, Miss Granger?", meinte Stephano Styls während er von seiner Schülerin begleitet in Richtung Krankenstation ging. Hermine schaute ihren Professor mit zweifelndem Blick an und er lächelte wegen dieser Geste. Allerdings schien Harrys Freundin noch etwas auf dem Herzen zu haben und als Steph ihr sagte, dass sie frei heraus fragen solle, wollte der Lockenkopf wissen, ob es stimmte, dass er vom Felsen gestürzt und Harry ihn gerettet hatte. Stephano nickte und erzählte es kurz aus seiner Sicht und danach betraten beide die Höhle der Löwin ... upps den Krankensaal.
Natürlich wartete die Herrin des sterilen Reiches schon auf ihre beiden Opfer und während sie Damions Dad anwies, sich hinter dem einen Sichtschutz frei zu machen, drückte die Schulkrankenschwester Hermine ein kleines weißes Untersuchungshemdchen in die Hand. Danach deutete sie auf ein Bett weiter hinten im Raum und Harrys Freundin begab sich schleunigst dort hin. Allerdings konnte sie sich im nächsten Moment ein Lachen nicht verkneifen, denn Poppy schien bei Stephano angelangt zu sein, bevor der völlig ausgezogen war und dementsprechend kam von ihm die Bemerkung, ob Poppy nicht ein wenig stürmisch sei.
Professor Styls Untersuchung schien ziemlich schnell vorbei zu sein und Damions Dad machte auch hin, dass er aus der Hölle der Löwin in weiß verschwand, da Stormy bestimmt wartete. Allerdings fragte sich Hermine nun, was wohl auf sie zukam. Und die Tatsache, dass Poppys Stimme einige Sekunden später eine Schülerin aus Ravenclaw, welche über leichte Kopfschmerzen klagte, nett aus dem Krankensaal komplimentierte, weil sie einige Test durchzuführen hatte, ließ Hermine schon ein wenig mulmig werden. Etwas fröstelnd, da ja nur nun ein dünnes Hemdchen ihren Körper bedeckte, wartete die Gryffindor darauf, dass die alte Schulheilerin zu ihr kam.
„Nun Miss Granger, dann wollen wir mal. Ich hoffe es macht ihnen nichts aus, wenn wir heute mal ein wenig gründlicher sind, als sonst. Und als erstes möchte ich wissen, wann sie sich das letzte Mal um die Schwangerschaftsverhütung gekümmert haben. Ob Trank oder Zauber ist dabei völlig egal." Und noch bevor Hermine was sagen konnte, hatte Poppy ihren Zauberstab geschwungen und ihre Patientin war nackt. Sie musterte den Körper des Mädchens und fuhr dann fort. „Oh ich muss sagen, Harrys Art sie zu heilen ist wirklich effektiv. Allerdings habe ich dadurch auch eine Befürchtung. Also Hermine, wann?"
Die Gryffindor schaute die alte Heilerin mit großen Augen an und wunderte sich sehr über ihre Art. Poppy war sonst zwar freundlich, doch ihre Art wie sie mit ihren Patienten umging, war sonst doch sehr distanziert. Allerdings kam es Hermine jetzt so vor, als würde sie mit einer alten Freundin reden und das war nun mal neu, oder man kannte es nur von Harry, der ja nun wirklich ein engeres Verhältnis zu ihr hatte, oder besser, den schon etwas Mystisches mit dem Krankenflügel hier verband.
„Nun Madame Pomfrey", begann Harrys Freundin nachdem sie sich etwas zusammenriss. „Ich wende den Zauber an, welchen sie uns vor Weihnachten gelehrt haben und habe ihn erst vor zehn Tagen erneuert."
Poppy nickte auf diese Aussage hin allerdings leicht abwesend und es kam der Gryffindor nun so vor, als wäre die Frage eher rethorisch gemeint, denn die alte Schulheilerin ließ von den ehemals blauen Flecken ab und richtete ihren Zauberstab jetzt auf den Unterleib von Harrys Freundin. Das nächste was Hermine mitbekam war eine ungewohnte Wärme an eben dieser ihrer Körperregion und das ernsthaft dreinblickende Gesicht von Poppy.
„Madame Pomfrey, was ist denn?" Fragte Hermine und ein immer mulmiger werdendes Gefühl beschlich sie. Poppy allerdings führte noch mehrere Tests durch und während sie noch leise irgendwelche Bemerkungen über Harrys von sich gab, welche meist mit dem Thema „Unterschätzen von Fähigkeiten" oder aber „dummer Junge" zusammenhingen, fragte sie dann direkt an Hermine gewandt, was sie vom Namen „Oma Jane" hielt.
Hermine erstarrte und die Welt schien für sie still zu stehen. Was meinte Poppy den nun wieder damit, denn das, wonach es sich anhörte, konnte es nicht sein? Sie war nicht schwanger. Sie hatte verhütet. Es war einfach nicht möglich. Bevor die Gryffindor allerdings ihre Stimmbänder in ihrem immer trockener werdenden Hals bemühen konnte, schien die alte Heilerin die Reaktion ihrer Patientin richtig gedeutet zu haben und drehte sich um. Sie lief zu einem ihrer Arzneischränke und holte von ganz weit hinten im Schrank und aus der untersten Schublade ein kleines Fläschchen mit einer nicht gerade ansehnlichen, braungelben Flüssigkeit hervor. Diese füllte sie in ein Reagenzglas und verdünnte sie dann mit Wasser.
Hermine sah dieses Schauspiel allerdings nur durch eine Art Schleier und die wirrsten Gedanken schwirrten durch ihren Kopf. Es wurde ihr heiß, dann wieder kalt und auch ein leichtes Zittern erschütterte der Körper der Gryffindor. Alles schien so unrealistisch bis Hermine die strenge Stimme von Poppy aus ihrem Zustand riss. „Also nicht schwanger, Hermine?", fragte die alte Schulheilerin und als Harrys Freundin nickte, drückte Poppy ihr das Reagenzglas in die Hand und meinte, sie sollte dies dann trinken.
Hermine tat es ohne zu zögern und erschrak im nächsten Moment gleich zweimal. Zum einen darüber, dass es in ihrem Innersten plötzlich kurz unangenehm heiß wurde und dann darüber, was sie getan hatte. „Oh mein Gott, was habe ich getan?", fragte die Gryffindor mit nun blassem Gesicht und ließ das Glasröhrchen fallen. Hermine schaute auf ihre Knien, hatte nur einen Gedanken und dachte an längst zurückliegende Gespräche mit ihrer Mutter zurück und wie diese als Ärztin zum Thema Schwangerschaftsunterbrechung stand. Poppy schien dies zu erahnen und sagte mit beruhigender, jedoch auch erklärender Stimme. „Du hast natürlich verhütet, Hermine. Nichts, wofür du dir jemals, und besonders in deinem Alter, Vorwürfe machen solltest."
„Ja aber Poppy", kam es leicht gequält und mit Anfängen von Schuld in der Stimme aus Hermines Mund. „Ich habe ... ich habe Leben vernich ...".
„Stop meine Liebe. Das will ich gar nicht hören. Du hast nicht abgetrieben oder so etwas in der Art. Bei Merlin, ich hätte mich strafbar gemacht, wenn ich dies zugelassen hätte, denn für unsere Gesellschaft ist der Fortbestand das Heiligste. Nein Hermine, du hast lediglich einen Trank genommen, den die Muggel als „Pille danach" bezeichnen würden."
„Nicht abgetrieben?", fragte Hermine leicht abwesend und Poppy nickte. „Nein, nicht abgetrieben. Es war noch nicht soweit... keine Befruchtung ... kein neues Leben. Und dafür kannst du dich bei deinem Freund Ronald und seinem losen Mundwerk bedanken."
„Ron? Wieso?", fragte Hermine überrascht und Poppy antwortete, „Na weil es sonst niemals zu dieser Untersuchung gekommen wäre."
Hier runzelte Harrys Freundin die Stirn und meinte zu Poppy, dass dies nicht stimmen konnte, dass sie nicht schwanger werden konnte und dass sie sehr konzentriert und sorgfältig den Zauber ausgeführt habe. Madame Pomfrey erwiderte jedoch sofort, dass der Verhütungszauber bei ihr keine Wirkung mehr gezeigt habe und eine nun völlig blasse, schockierte Hermines schrie ein kaum hörbares „Warum?" in den Raum.
„Nun meine Liebe, genau das müssen wir herausfinden und ich habe dazu auch so meine Theorie. Allerdings muss ich dazu wissen, was Harry, was ihr beide genau gemacht habt."
Harrys Freundin konnte in diesem Moment nicht anders und wurde knallrot. Sie schaute verlegen auf den Boden und bekam somit erst sehr spät mit, wie Poppy lächelnd ihre Hand auf die Schulter des Mädchens legte. „Ach komm schon Hermine, ich war auch mal jung und es muss dir hier nichts peinlich sein. Denk immer daran, dass ich hier und heute deine Heilerin bin und dass mit dem Alter das sexuelle Denken nicht einfach abstirbt."
Hermine schaute auf und in das Grinsen der alten Heilerin. Diese nickte nun und meinte, dass, wenn es Hermine lieber sei, sie nur nicken bräuchte, wenn Poppy richtig lag. Und so machten sie es dann auch und Poppy begann.
„Harry hat dich also mit dem Phönixöl massiert?"
Hermine nickte, auch wenn es ihr schwer fiel.
„Am ganzen Körper?"
Hermine nickte erneut und noch einige weitere Male. Allerdings schien sich die Stimmung von Mal zu Mal etwas zu lockern und da Poppy sie zuerst nur nach den Wunden befragte, kam auch stetig mehr dazu, bis Hermine das Nicken mit einem „Ja" oder „Mmm" unterstrich. Als Madame Pomfrey dann allerdings fragte, ob Harry mit seinen Fingern, die ja voller Phönixöl waren, auch in sie eingedrungen sei. Nun da zuckte Hermine plötzlich auf und sagte laut und deutlich „Nein". Allerdings zählte sie auch eins und eins zusammen und wurde wieder einen Tick roter.
„Nein ist er nicht, Poppy", wiederholte die Gryffindor. „aber ich habe etwas Öl von meinem Körper gewischt und ihm... ihm... seinen..."
„ ...ihn auf Betriebsgröße gebraucht", vervollständigte Poppy den Satz mit einem Lachen, welches Hermine damit quittierte, dass sie ihre Hände vor Scham vor ihr Gesicht hielt.
„OK Hermine, das erklärt so ziemlich alles, denn mit dem Öl auf Harrys bestem Stück hat er die Wirkung des Zaubers in deinem Körper sprichwörtlich gekeult." Poppy konnte sich diese Bemerkung einfach nicht verkneifen, war sie doch neben Minerva, Molly und drei einschlägig bekannten Gryffindordamen, dass einzigste weibliche Weisen, welches noch um die Bestückung des Jungen, der lebte Bescheid wusste.
Als Hermines sich nach dieser Aussage der alten Hexe hin wieder etwas erholt hatte und Poppy auch wieder in die Augen schauen konnte, fragte sie allerdings, wie sie das mit dem ‚gekeult' gemeint habe. Poppy schaute ihre Patientin daraufhin nachdenklich an und erklärte, „Nun Hermine, der Zauber, welchen du angewendet hast, ist schon sehr alt und geht von seiner Natur her auf die Gruppe der Flüche zurück."
„Der Flüche", fragte Hermine überrascht und Poppy nickte. „Ja meine Liebe, denn der Verhütungszauber ist in seiner Urform in früheren Zeit eine Form der Bestrafung gewesen, da er eigentlich dazu erfunden wurde, um Menschen unfruchtbar zu machen und Familien an ihrem Fortbestehen zu hindern. Doch man hat ihn schon vor über vierhundert Jahren verboten, da man merkte, dass sich die Zahl der Zauberer auf Erden stetig verringerte."
„Also ist er gefährlich", entfuhr es Harrys Freundin. Doch Poppy hob schnell die Hand. „Nein Hermine, die Beschwörungsformel wurde abgewandelt und der Zauber ist nun zeitlich begrenzt."
„Und wie hat Harry den Zauber nun ausgeschaltet?" War die nächste logische Frage im Raum, auf die Poppy als Medizinerin schon die Lösung parat hatte. „Nun seine Phönixtränen haben den ‚Schaden', welchen der Zauber im weiblichen Körper anrichtet, durch ihre heilende Wirkung wieder behoben. Der Verhütungszauber macht ja im Prinzip nichts anderes als die Pille der Muggel und verhindert das Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter."
Hermine schaute die alte Hexe an und Tausende Gedanken rasten durch ihren Kopf. Poppy versicherte ihr allerdings noch einmal, dass es bei ihr noch nicht soweit gewesen war, von einer Schwangerschaft zu reden. Hermine war zwar zurzeit am fruchtbarsten, aber Harrys Soldaten hatten ihr Ziel noch nicht erreicht. Allerdings wollte Poppy im nächsten Moment wissen, ob Hermines es bereut habe, nicht schwanger geworden zu werden. Die Gryffindor meinte daraufhin erleichtert, dass dies ja wohl noch etwas Zeit habe. Nun lächelten beide Hexen und nach einigen Minuten wurde die Untersuchung für beendet erklärt. Hermines machte sich auf den Weg zum Gryffindorturm, um sich mit Harry zu treffen, Allerdings stürzten kurz vor dem Portrait der fetten Dame plötzlich ganz andere Gedanken auf sie ein, die sich mit dem ganzen Gegenteil befassten und der Frage, ob Harry ihre Entscheidung teilte. Hermine hatte mit einem Male Angst, sich ihrem Freund zu stellen.
Flashback Ende
Es hatte mehrere Minuten gebraucht, bis Harry die ganze Wahrheit aus seiner Freundin herausgeholt hatte. Nun aber wusste er es und das erste was er tat, war sie fest in den Arm zu nehmen. Harry drückte seine Freundin an sich und küsste sie auf den Kopf. Dann sah er ihr in die Augen und sagte, „Schatz, natürlich will ich irgendwann Kinder, doch sollte dies unsere Entscheidung sein und erst geschehen, wenn wir Voldemort besiegt und unsere Schulausbildung abgeschlossen haben."
Hermine, die bis dato ihr Gesicht in Harrys Halsbeuge versteckt hatte, schaute nun auf und eine ganze Tonne Steine schienen ihr vom Herzen zu fallen. Was folgte waren Minuten, in denen Harry sie auf das Sofa zog und in denen sie sich küssten und die Liebe förmlich im Raum brannte. Allerdings unterbrachen die beiden ihr Tun, da ein Lärm von der Tür her ankündigte, dass der Unterricht für diesen Tag zu Ende gegangen war und es keine zwei Minuten mehr dauern konnte, bis ihre Mitschüler in den Gemeinschaftsraum stürmen würden. So war es dann auch und in den nächsten beiden Stunden bis zum Abendessen mussten Harry und auch Ron ihren Freunden wie Seamus und Dean und auch Eve erklären, wo sie die letzten Tage gewesen waren. Zwar speckten die Zwei ihre Versionen etwas ab, was ihnen ein Lächeln von Neville einbrachte, doch sie wollten ihren engen Freunden auch keine Lügen auftischen.
Zum Abendessen gingen sie dann alle gemeinsam runter und Harry wunderte sich über den Tumult, welcher ihnen aus der Großen Halle entgegen kam. Rasch beschleunigten sie ihre Schritte in der Annahme, dass Ginny und Damion vielleicht schon eher nach Hogwarts zurück gekehrt waren, aber an dem war es nicht, sondern eine Unmenge von Posteulen schien so etwas wie eine Sonderausgabe des Tagespropheten in die Schule geliefert zu haben.
Harry eilte zum Ravenclawtisch, wo mehrere Zeitungen noch unberührt auf ihre Adressaten warteten und schlug eine auf. Was ihm dort allerdings entgegen sprang, ließ dem Gryffindor kurz das Herz aussetzten, denn in großen Lettern stand dort...
Der, dessen Name nicht genannt werdend darf ...auf Kauflandparkplatz von siebzehnjähriger Muggelfahrschülerin überfahren...
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