Kapitel 99

Hermine sah es wie in Zeitlupe und schaffte es nicht mehr ihren Freund vor dem Aufschlag zu bewahren. „Nein", rief sie entsetzt und aus ihrer Starre gerissen, und kniete sich neben Harry, der bewusstlos am Boden lag und unter dessen Kopf sich rasch eine dunkelrote Lache bildete. Erst Sekunden später, die manchem im Raum vorkamen wie eine Ewigkeit, reagierten dann auch Ron und Professor Styls, lösten sich ebenfalls aus ihrem Schock und hockten sich mit einer nicht zu glaubenden Geschwindigkeit auf den Boden, um ihrem Freund zu helfen.

„Er hat es geschafft", hörten sie als nächstes aus dem Mund von Madame Pomfrey, die mehr als nur erleichtert klang, und Hermines schaute zur alten Heilerin auf. „Miss Parkinson hat sich merklich entspannt und so können wir ihr helfen, bis Horace mit dem Gegenmittel fertig ist. Damion, du hältst sie noch einen Moment, ich schaue erst mal kurz nach Harry." Es war nicht wirklich eine Bitte, sondern eine Feststellung, ein Befehl, und Professor Styls Sohn nickte, obwohl er sicher auch zu seinem bewusstlosen Freund geeilt wäre. So aber blieb er erst mal ruhig und hoffte, dass es Harry gut ging.

Madame Pomfrey wandte sich nun ihrem zweiten Patienten zu und ließ ihren Zauberstab langsam über Harrys Körper gleiten. Dann verschloss sie die Platzwunde am Kopf des Gryffindors und untersuchte darauffolgend seinen mentalen Zustand. Ohne Zweifel hatte ihr Lieblingspatient eine Gehirnerschütterung und damit durfte man nicht spaßen. Und sie schien recht zu haben, Harrys Gehirnströme wiesen wirklich einige Unregelmäßigkeiten auf und sie schaute zu Stephano. „Was hat er nur getan?", fragte sie ihn und Damions Dad antwortete, „Das was er für richtig gehalten hat."

„Aber um welchen Preis, Steph?", meldete sich nun auch die Direktorin zu Wort und in ihren Worten schwang nur zu deutlich ihre Sorge mit.

„Nun Direktorin, ich denke mal zum Preis von höllischen Kopfschmerzen, wenn er wieder aufwacht." Erwiderte Steph und besonders Hermine war verwirrt, da sie ja durch ihre Eltern so einiges über medizinische Begriffe wusste und dass, wenn es um das menschliche Gehirn ging, man nicht spaßen durfte. Sie fragte ihren Lehrer wie das zu verstehen war und ob er nicht verstanden hatte, dass Harrys Gehirn möglicherweise Schaden genommen haben könnte. Doch hier grinste Styls erst recht und meinte mit lachender Stimme, „Oh das mit dem Kopf Hermine, das mit den merkwürdigen Gehirnströmen, nun, das sollte uns nicht beunruhigen. Es kommt von den Kräutern und der Ausdruck, den die Muggel dafür verwenden heißt glaube ich, Harry ist total stoned."

Danach wandte er sich dann plötzlich zu den anderen Schülern im Raum. Er sah besonders zu den Slytherins und sagte dann ohne Umschweife, dass sie jeder im Raum sich mal seine Gedanken über seine Zukunft machen sollte und ob er bereit gewesen wäre, so etwas wie Harry hier zu tun. Dann ermahnte er jeden einzelnen noch, den Gryffindor niemals damit aufzuziehen, was sein Körper unter der ganzen Anspannung und im Zuge des Adrenalins getan hatte, und worauf er außerdem keinen Einfluss hatte.

Hermines schaute den Professor nun noch fragender an und überlegte, was denn so schlimm daran sein konnte, dass ihr Freund wie betrunken wirkte und sein Darm mal einen kleinen, aber nicht zu überhörenden Ton von sich gegeben hatte. Allerdings kroch ihr dann plötzlich etwas in die Nase, ein eindeutiger Geruch, und sie drehte sich zu Harry um. Stephano Styls bemerkte den Blick seiner Schülerin und flüsterte ihr zu, „Tja Hermine, das ist auch so eine Nebenwirkung das Krautes. Hilf ihm und versuch es unauffällig zu tun."

Hermine nickte und während Damion und Ron sie beobachteten, was sie da machte, ließ Hermine rasch Harrys anderes Malheur, den nassen Fleck in seiner Hose, verschwinden. Steph hatte also recht behalten, als er Harry damals erklärte, dass sich durch den Rauch eine Vielzahl von Muskeln entspannten und die Blase war nun mal auch so ein Muskel. Danach war nun wieder Poppy an der Reihe und sie bat Hermine und ihre beiden Freunde ihr dabei zu helfen, Pansy und Harry in den Krankenflügel zu bringen. Sie hatte schon zwei Tragen heraufbeschworen und levitierte gerade die schwangere Slytherin auf eine von ihnen. Harry folgte dann, wobei hier Hermine den Schwebezauber ausführte und wenige Augenblicke später wurden beide Schüler unter den Blicken aller aus der Halle gebracht.

Allerdings war es jetzt noch nicht vorbei, denn die Direktorin stand plötzlich vor Stephano Styls und ihre Augen blitzten streng. „Er ist stoned, Steph? Wieso? Woher hat er die Drogen? Hier in Hogwarts?"

Damions Dad sah seine Chefin musternd an und es sah so aus, als wolle er McGonagall fragen, ob sie sich nicht an ihre Jugend erinnere. Doch dann nahm sein Gesicht lediglich einen eher spitzbübischen Ausdruck an und er sagte an die ältere Hexe gewandt, „Er hat sie von mir, aus meinem Büro. Doch bevor du dich aufregst, es sind keine Drogen, wie sie die Muggel verwenden, sondern es sind Heilkräuter, die ich für meinen Sohn bereithalte, falls seine Narben wieder mal schmerzen."

Danach und unter den Blicken aller erklärte der Professor für Verteidigung seiner Chefin und auch laut genug, dass es jeder im Raum hören konnte, dass Harry um die Risiken seines Handels wusste. McGonagall blieb nach dieser Erklärung nicht viel übrig, als dass sie dies so hinnahm und fürs erste es auf sich beruhen ließ. Vielmehr musste sie sich nun um den Rest der Schülerschaft kümmern und mit dem Versprechen alle Schüler auf dem Laufenden zu halten, machte sie den Vertrauensschülern Beine, damit alle in ihre Häuser oder aber zum Nachmittagsunterricht kamen.

***

Harrys Gedanken kreisten immer noch um die vor ihm liegende Pansy und ihren sich langsam entspannenden Körper. Allerdings verblasste der Anblick der Slytherin immer mehr und ein komischer Gedanke umspülte Harrys Hirn. Hatte er gerade die blonde Nervensäge geküsst? Oder was hatte er gemacht? Suchend schaute er sich um und suchte mit seinen Blicken nach Hermine, denn das, was er jetzt brauchte, um den Gedanken an Pansy zu verdrängen, war ein Kuss seiner Liebsten. Schließlich fand er sie und schickte sich an, zu ihr zu gelangen, doch was war da plötzlich mit seinen Beinen los. Sie wollten nicht und Harry spürte, wie sich alles um ihn herum zu drehen begann. Den harten Aufschlag auf den Boden der Großen Halle bekam der Gryffindor jedoch gar nicht mehr mit.

Harry empfand die Wucht des Aufschlages schon als etwas ganz anderes und als er die Augen wieder öffnete, da war er nicht mehr in Hogwarts, sondern schwebte gut fünfzig Meter über dem Boden. `Oha, ich bin mal wieder Arcan', dachte Harry und meinte, er schwebe mal wieder in einer Erinnerung. Doch dann fiel sein Blick auf die Hand, seine Hand und nach genauerer Betrachtung seiner Selbst, stellte der Schwarzhaarige fest, dass er nicht als Phönix in der Luft schwebte, sondern in menschlicher Form und mit einem goldenen Umhang. Doch um sich darüber Gedanken zu machen hatte der Gryffindor keine Zeit, denn im nächsten Moment schoss ein roter Lichtstrahl an ihm vorbei und aus Reflex heraus schnellte Harry herum und richtete seine Hand auf den Angreifer.

Wen er jedoch erblickte, dass überraschte der Gryffindor dann doch ein wenig, denn es war ein Junge, der höchstens vierzehn oder fünfzehn Jahre alt war und er schwebte ebenfalls hoch in den Lüften. Harry wusste für einen Moment nicht, was er tun sollte, doch da ein weiterer Angriff ausblieb und der Knabe dann plötzlich den Anschein machte, als grinste er verlegen, senkte Harrys seinen Arm wieder. Zumindest wollte er dies tun, doch schon im nächsten Moment wurde ihm endgültig klar, dass er in so etwas wie einer Erinnerung war, denn seine Hand gehorchte ihm nicht und sein Körper tat Dinge, die seiner Kontrolle entzogen waren. Das einzige was den Gryffindor etwas verwunderte war aber, dass es seine Stimme war, die nun mit dem Jungen sprach. „Natanael, ich bin erfreut, dass du den Kampf in der Luft gemeistert hast. Lass uns zum Boden zurück kehren."

„Danke Meister, es erfüllt mich mit Stolz, euren Erwartungen gerecht geworden zu sein." Erwiderte nun der Junge und verbeugte sich. Harry, oder besser Harrys Körper tat es ihm nach und der Gryffindor spürte in seiner Brust, wie sein Herz höher schlug. Es war wirklich voller Stolz und man könnte es fast als väterlichen bezeichnen, auch wenn Harry ja noch nicht wirklich wusste, wie sich dies anfühlte. Dann ging sein Blick zu seiner rechten Hand und er bemerkte, dass diese mit einer Art goldener Schicht überzogen war. Doch nur für einen Augenblick, denn dann blinzelte die Person, dessen Erinnerung dies hier war, und das Gold war verschwunden. Zurück blieb allerdings Etwas, dass Harry sofort wiedererkannte. Es war der Schmuck, welchen Ginny von den Vampiren mitgebracht hatte.

Bevor Harry nun aber ganz ins Grübeln versinken konnte, ging erneut ein Ruck durch seinen Körper. Jedoch kam keine neue Erinnerung, sondern er war lediglich mit seinen Beinen auf festem Boden gelandet. Er stand nun auf einer Wiese, besser gesagt, einer kleinen Lichtung und der Knabe mit dem er eben gekämpft zu haben schien, Natanael wenn Harry es richtig verstanden hatte, kam zu ihm herüber. Harry nahm sich die Zeit die ungewöhnliche Erscheinung etwas genauer zu betrachten. Natanael trug eine Art Kampfanzug aus dunklem Leder, jedoch kein Drachenleder wie Harry rasch erkannte, und die verschiedenen Teile waren auch nicht mit Schnallen oder Nähten zusammengehalten, sondern mit dünnen Lederbändern zusammengeschnürt. Im Allgemeinen machte die Kleidung des Jungen einen sehr mittelalterlichen Eindruck.

Allerdings fiel Harry auf, dass Natanael für sein Alter, welches, und der Gryffindor wusste nicht woher, wirklich nur vierzehn Jahre betrug, sehr groß war und von kräftiger Statur. Das Gesicht war jedoch schon deutlich männlich ausgeprägt und wurde umrahmt von langen, dunkelblonden Haaren, die nun durch den Wind eine sehr wilde Mähne darstellten, eine Mähne wie die eines Löwen und Harry wurde an Hermine und ihre frühen Jahre erinnerte. Allerdings durchzogen die Haarpracht seiner Freundin keine silbernen Strähnen an den Seiten.

Harrys, oder wer immer er auch war, Schüler hatte schließlich seine Position erreicht, stellte sich aufrecht vor ihn und übergab dem Gryffindor seinen Zauberstab. Harry musterte ihn und nickte dann. Er schaute Natanael tief in die Augen und spürte plötzlich eine gewisse Unruhe im Innersten des Jungen. Bevor sich Harry jedoch fragen konnte, was los war, erhob er wieder seine Stimme und sagte, „Nath, wenn du glaubst, ich habe sie noch nicht bemerkt, dann enttäuschst du mich ein wenig. Besonders deinen kleinen Liebesvogel konnte man mit ihrer bewundernden Haltung nicht übersehen."

Die Augen des Jungen wurden etwas größer und auch ein gewisser Teil von Röte schoss ihm ins Gesicht. Harry grinste nun und meinte, dass Nath gehen dürfte und bis zum Abendessen frei habe. Sein Schüler, und Harry war sich sicher, das er es war, weil man sonst niemanden Meister nennen würde, nickte und rannte dann in Richtung Lichtungsrand, wo auf ihn schon drei weitere Personen warteten. Es waren ebenfalls Jugendliche, ein Junge und zwei Mädchen und alle drei jubelten Nath zu. Harry schüttelte leicht den Kopf und während er wieder das Gefühl von väterlichem Stolz in seiner Brust verspürte, sagte Harry leise, „Ja ja, die Liebe. Lerne sie, mein Schüler und die Zukunft ist gesichert." Danach warf er noch einen letzten Blick auf die Meute. Besonderer Blickfang war hier ein Mädchen mit weißblondem Haar, durch dessen Haarpracht sich zwei schwarze Längsstreifen zogen und dann geschah wirklich das, was Harry schon beim letzten Ruck erwartet hatte und die Erinnerung verschwamm.

Als Harry das nächste Mal sich seiner Umgebung bewusst wurde, schien die Person, dessen Erinnerung er durchlebte, mehr als nur aufgewühlt zu sein. Adrenalin wurde durch seinen Körper gepumpt und Harry rannte, rannte als gäbe es keinen Morgen. Ab und zu drehte sich der Gryffindor um und feuerte einige Flüche ab. Doch um nachzuschauen, ob er getroffen hatte, dafür war keine Zeit, denn schon im nächsten Moment stand er vor einem Hünen von einem Mann. Er war in Felle gewickelt, hatte einen eisernen Helm auf und sein Schwert war bereit, den endgültigen Schlag auszuführen. Harry war wie geschockt und doch brannte in seinem Innersten der Wille nicht zu versagen. Harry spürte wie seine rechte Hand nach oben ging. Er spürte, wie sich in seiner Brust Wut und Zorn bündelten und dann erklang seine Stimme lautstark durch den Wald, durch welchen er gehastet war.

„Du Ausgeburt der Hölle, du Gesandter des Teufels, du hast unser Volk das letzte Mal angegriffen ... Avada Kedavra ..."

Harry war geschockt dieser Worte zu hören, seine Stimme zu vernehmen und sein Blick folgte dem grünen Lichtblitz, der sich unaufhaltsam auf den Hünen, der bei näherer Betrachtung Ähnlichkeit mit einem im Geschichtsunterricht mal erwähntem Wikinger hatte, zusteuerte. Der Wikinger schrie voller Wut und um ein Haar hätte er sein Vorhaben auch geschafft. Doch gegen den Todesfluch war auch er nicht gefeit. Tot brach der Hüne zusammen und Harry rannte ohne weiter auf ihn zu achten weiter. Schließlich hatte er den Rand des Waldes und den Strand einer tief ins Land reichenden Meeresbucht erreicht und ihm bot sich ein grausames Schauspiel. Horden von kämpfenden Wikingern, jeder die Bauern und Fischer der kleinen Siedlungen im der Buch sich anschließendem Tal barbarisch und gnadenlos abschlachtend, wälzten sich in Richtung eines kleinen Schlosses. Harry blieb fast die Luft weg, als er die Grausamkeit sah. Doch es wurde noch schlimmer, als sein Blick auf einen der Angreifer fiel, welcher etwas erhöht auf der Brücke des größten der drei Wikingerschiffe stand und etwas über seinem Kopf hielt.

Es sah von weitem aus, wie ein funkelnder Edelstein und mit diesem kontrollierte das Monster auf zwei Beinen etwas, das noch schlimmer war. Ein gewaltiges Brüllen durchfuhr den Himmel und als Harry hinaus schaute, erkannte er einen Drachen, eine riesige, schwarze absolut tödliche Echse, an die ein Hornschwanz bei weitem nicht heran kam. Und dieser Drache brannte alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte. „Oh nein, lass es noch nicht so weit sein", hörte Harry sich selbst leise und flehend sagen. Doch seine Hoffnung schwand, als er sich nach einer kurzen Suche auf dem Schlachtfeld dem Blick Natanaels bewusst wurde. „Nein, mein Junge, tu es nicht", rief er noch hinter seinem Schüler her, aber dieser erwiderte nur ein kurzes Kopfschütteln und rief dann quer über das Schlachtfeld, „Doch Meister, es muss getan werden. Ich, nein wir haben uns entschieden. Nur wir vier könne es vollbringen und damit eure Zukunft, euren Traum, retten."

Dann hörte Harry Nath noch leise sagen, „Vergesst uns nicht, Meister. Und ehrt uns mit eurem Traum." Danach erhob sich der Junge plötzlich in die Luft, schien kurz mit seinen jungen Freunden zu kommunizieren und als diese ebenfalls zu fliegen begannen, feuerte Natanael mehrere ziemlich starke Schockzauber auf den Drachen ab. Die Bestie brach ihren Angriff auf das Dorf ab und wandte ihren Kopf in Richtung der vier Jugendlichen. Was folgte war eine halsbrecherische Verfolgungsjagd voller Feuer; Wasser und wenn man es richtig nahm auch noch den anderen beiden Elementen. Sie endete schließlich in einer etwas größeren Felsspalte, hoch oben über ihren Köpf, in welche Nath und seine Freunde den Drachen lockten.

Der schwarze Drache flog ihnen auch ohne zu bremsen hinterher, so als kannte er die Höhle und seinem Brüllen nach, was er alles andere als glücklich, dass dort jemand hineingeflogen war. Harrys Augen starrten gebannt auf das Loch im Fels, bis es ein fürchterliches Erbeben der Erde gab und dann alles in einem grellen Blitz unterging. Harrys fühlte sich an die Bilder im Fernseher von Dudley erinnert, als dieser sich mal für eine Hausaufgabe eine Reportage über die erste Atombombe angeschaut hatte. Kurz darauf verschwamm wieder alles und es wurde dunkel um ihn herum.

Harry kam es so vor, als hätte man ihm einen heißen Nagel in die Augen gedrückt, doch der Schmerz ließ schnell nach und langsam erkannte er auch wieder Umrisse. Was der Gryffindor, oder eben die Person, dessen Erinnerung er sah, nun erblickte, ließ ihm den Atem stocken. Die ganze Landschaft hatte sich verändert. Größtenteils war die Erde verbrannt. Bäume waren entwurzelt und an manchen Stellen liefen noch große Teile Wasser zurück zum Meer, welches nun allerdings keines mehr war. Harry konnte es sich nicht erklären, aber eine riesige Landmasse hatte sich erhoben und aus der Bucht war nun ein See geworden. Ein See, der Harry zum Grübeln brachte. Allerdings riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken und als sich der Gryffindor herumdrehte, blickte er in das Gesicht eines Zauberers, der Harry noch nachdenklicher machte. Der Mann war etwa dreißig Jahre alt, hatte einen langen schwarzen Bart und durchdringende blaue Augen. Und eben jener Zauberer sah Harry mit entsetzten Augen an.

„Gryff, was haben sie getan? Was haben wir getan?"

„Unsere Zukunft entschieden, Sly", erwiderte Harry und fügte dann hinzu, „Doch darf dies niemals jemand erfahren ... niemals. Komm lass uns die Mädels holen und nachschauen, was wir tun können."

Nach diesem Satz bildete sich bei Harry eine Gänsehaut und ihm war so, als würde etwas aus seinem Kopf gesogen. Danach wurde es schwarz um ihn herum und als der Gryffindor das Gefühl hatte, er würde sein Bewusstsein wieder erlangen, schlich sich in seine Nase der Geruch von Äther und Sterilität und in seinen Mund der Geschmack von verbrannten Kräutern und Erbrochenem. Harry wurde es schlagartig speiübel, doch die im selben Moment zusätzlich einsetzenden Kopfschmerzen, hielten ihn davon ab, aufzuspringen und ins Bad zu rennen.

Vielmehr versuchte Harry, nachdem er sich wohl oder übel an diese unangenehmen Gefühle gewöhnt hatte, zu entscheiden, ob alles schon wieder real war oder nicht, denn zumindest das, was im nächsten Moment geschah, kam dem Gryffindor alles andere als real vor. Er spürte, kaum dass er begriffen hatte, dass er in seinem Stammbett im Krankenflügel lag, wie sich eine Hand, eine weiche, warme Mädchenhand auf seine Wangen legte, ihn streichelte und mit fast erstickter, weinende Stimme wurde zu ihm gesprochen.

Er behielt die Augen allerdings geschlossen, tat so als würde er noch schlafen, und hört zu wie die Stimme leise und ungläubig fragte, „Warum? Warum Potter? Mein ganzes Leben wurde ich erzogen, dich zu hassen, dich zu verachten für das was du getan hast. Und dann kommst du, ... kommst und tust das hier." Jetzt war der Punkt fast erreicht, wo Harry losschreien wollte, dass das was er getan hatte, das richtige war. Natürlich hatte er die Stimme erkannt und sie gehörte weder Hermine, noch Ginny oder einer anderen Gryffindor. Doch Harry blieb ruhig und dann geschah es. Er spürte plötzlich neben der Hand auch noch den warmen Hauch von Atem in seinem Gesicht und das Mädchen sagte, „Und wenn schon nicht für mich, dann für mein Baby ... Danke Potter." Danach küsste das Mädchen, und es konnte ja nur eine sein, den Gryffindor noch kurz auf die Wange und ihre Schritte entfernten sich rasch. Harry war wie erstarrt und schaffte es nicht die Augen aufzureißen.

Als der Gryffindor dann schließlich doch seinen Schock überwunden hatte, sah er nur noch wie der Vorhang an Pansy Parkinsons Bett wieder zufiel und sich schließlich nicht mehr bewegte. Harry wollte der Slytherin noch hinterher rufen, dass er ... ja was eigentlich? Doch zwei Dinge brachten ihn davon ab. Zum einen waren es die immer noch hämmernden Kopfschmerzen und dann Madame Pomfrey, die einmal mehr den Zeitpunkt für sein Erwachen gespürt haben musste. Manchmal fragte sich Harry, ob die alte Heilerin vielleicht einen Zauber über ihren Lieblingspatienten gelegt hatte.

Allerdings kam Poppy nicht allein in den Krankensaal. Nein, auch Hermine, Steph und die Direktorin wollten scheinbar zeitgleich nach ihm schauen. Hierbei fragte sich Harry, wie spät es eigentlich war und dann hatte der Gryffindor zunehmend das Gefühl, als würde ihm wieder was aus dem Kopf gesogen. Sofort stieg leichte Panik in ihm auf und als dann Poppy ihm auch noch einen Trank einflößen wollte, schlug er der Heilerin das Glasschälchen einfach aus der Hand.

„Nein", rief er und sollte sich nun eigentlich einer Schimpftirade seitens der alten Hexe stellen. Harry war dies aber egal. Er hob seine rechte Hand und brachte Poppy mit einem Wink zum verstummen, was bei den anderen entsetzte Gesicht verursachte. Doch wie gesagt, das war Harry egal. Er musste schnell handeln und rief seiner Freundin zu. „Hermine schnell, schreib auf ..."

„Was Harry? Was soll ich tun?", erwiderte seine Liebste überrascht.

„Aufschreiben, schnell ... bevor ich es vergesse."

Hastig beschwor Hermine ein Stück Pergament und eine Feder, während Harry ein angestrengtes Gesicht macht. Dann schien er mühevoll einige Worte zusammen zu kratzen und sagte „ Natanael ... Drache ... Sly ... Gryff ...Wikinger" und schließlich noch „goldene Hand". Danach stockte der Gryffindor und seine Lippen schienen noch das Wort „Explosion" formen zu wollen. Doch als Hermine nachfragte, was Harry damit meine, ob sie es richtig verstanden hatte, stellte Harry die Gegenfrage, „Was habe ich gerade gesagt, Hermine?" Natürlich schauten ihn alle verständnislos an, doch Steph hatte eine Vermutung und richtete plötzlich seinen Zauberstab auf seinen Schüler. Der Stab begann zu vibrieren und Damions Dad meinte etwas von einem Vergessenszauber. Das Letzte was Harry dann noch sah, waren die überraschten Gesichter seiner Freunde. Poppy hatte sich nämlich befreit, was hieß, sie konnte wieder sprechen und ihre Rache bestand darin, dem Gryffindor mittels Zauberei wieder in Tiefschlaf zu versetzen...

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