Kapitel 2
Neelix, Talaxianer, Koch und selbsternannter Moraloffizier der Voyager kam besorgt zu der hustenden B'Elanna „B'Elanna? Ist Alles in Ordnung?"
B'Elanna war aufgesprungen und starrte auf das letzte Bild der Sequenz, die sie gerade mehr unfreiwillig gesehen hatte. „Was?" Fragte sie aggressiv.
Neelix sah sie mit seinem üblichen Hundeblick an. „Ich wollte nur wissen, ob Alles in Ordnung ist?"
B'Elanna Sah Neelix entgeistert an. Dann schüttelte sie den Kopf. „Nein..., das ist nicht in Ordnung. Das Ding da auf der Krankenstation sollte umgehend zerstört werden.
B'Elanna schmetterte förmlich die Tasse auf den Tisch, griff sich die anderen vier Pads und stürmte hinaus.
Neelix sah ihr mit Unverständnis nach „Was für ein Ding ?" Rief er verwundert hinterher, als sich die Tür bereits schloss.
Schließlich zuckte Neelix mit den Schultern, griff die zurückgelassene Tasse, wischte mit einem Tuch die Spuren von B'Elannas Ausbruch weg und kehrte nach einem letzten Blick auf den Tisch mit einem befriedigten Nicken in seine Küche zurück.
Als B'Elanna den Maschinenraum betrat stand Seven of Nine vor der Konsole, an der der Chip analysiert wurde.
„Was machst Du da?" Fragte sie ärgerlich. Die Chefingenieurin mochte es nicht, wenn man ihr vorgriff.
Seven blickte über ihre Schulter. „Ich bin auf der Krankenstation fertig und wollte sehen, ob ich hier helfen kann", entgegnete sie nahezu emotionslos.
Die cholerische Halbklingonin atmete einmal tief durch. Sie klopfte Seven auf die Schulter. „Sorry Seven, dieses Ding ärgert mich nur Etwas."
„Der Chip?" Fragte Seven verwundert.
B'Elanna schüttelte den Kopf. „Nein, dieser Roboter".
„Seven drehte sich zu der kleineren Frau herum. „Der Chip IST der Roboter. Der Körper ist austauschbar, der Chip nicht. Außerdem ist es eigentlich ein Kybernetischer Organismus auch wenn im Gegensatz zu den Borg, der technische Teil ohne den organischen existieren kann.
„Dann ist es doch eher ein Androide?"
„Eine Maschine mit Menschlichem Aussehen...", sagte Seven nachdenklich. „Eine ebenfalls zutreffende Definition".
„Eine Mischform also", sagte B'Elanna.
Als Antwort hob Seven lediglich mit leichtem Lächeln eine Augenbraue.
B'Elanna schüttelte augenverdrehend den Kopf.
„Das ist interessant", sagte Seven, die sich wieder der Konsole zugewandt hatte.
„Was?"
„Diese CPU ist sehr komplex. Ihre Leistungsfähigkeit ist beeindruckend für die Zeit, in der sie entwickelt wurde. Offenbar ermöglichte Sie einen Menschen perfekt zu imitieren. Es gibt ein Interface zu der Haut des Körpers. Eine große Anzahl von künstlichen Nervenverbindungen ermöglicht nahezu Menschliche Empfindungen plus eine gewisse Analysefähigkeit".
B'Elanna nickte als sie auf die Konsole blickte. „Das Alles sagt aber nichts darüber aus, wozu das Ding gedacht war".
„Das ist korrekt", entgegnete Seven. Sie blickte zu B'Elanna. „Was ist mit den Aufzeichnungen?" Fragte sie und wollte nach einem der Pads greifen.
B'Elanna schnappte ihr die Pads vor der Nase weg.
„Das sind zu...persönliche... Erinnerungen", sagte B'Elanna und drückte die Pads verkrampft an sich.
Seven hob erneut eine Augenbraue und sah ihrer Freundin nach, die eilig den Maschinenraum verließ Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht bevor sie sich wieder dem Chip zu wandte.
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Commander Chakotay war gerade bei Captain Janeway als Lieutenant Torres dort eintraf.
„Herein!" Rief Kathryn Janeway, als das Türsignal ertönte.
Die Chefingenieurin nickte Dem ersten Offizier zu, als sie zum Schreibtisch des Captains trat.
„Nun, was haben sie rausgefunden B'Elanna", fragte Captain Janeway, die die Nervosität der sonst so aggressiven Halbklingonin bemerkt hatte.
„Dieses Ding...", begann B'Elanna, verstummte sofort wieder und hantierte nervös mit den Pads. Sie sortierte das entsprechende Pad heraus und legte es vor ihrem Captain auf den Tisch. „Das...das kann ich mir nicht ansehen. Das ist...abartig", sagte sie entrüstet.
Kathryn Janeway runzelte die Stirn und sah dann auf das Pad. Sie lies die Sequenz ablaufen, schloss währenddessen zwischendurch mehrmals kurz die Augen. Schließlich lehnte sie sich zurück. Sie legte das Pad auf den Tisch. „Der Chip?"
B'Elanna hörte auf, auf und ab zu gehen. „Sehr fortschrittlich für sein Alter. Es gibt ein Interface zum Körper, das der Maschine nahezu Menschliche körperliche Empfindungen ermöglicht".
B'Elanna wies auf die Pads. „Wir sollten diese Ungeheuerlichkeit auf der Krankenstation vernichten. Dieses Ding hat Allen vorgemacht es wäre eine echte Frau. Wer weiß was es den Leuten noch angetan hat.
Janeway nickte nachdenklich. „Ich werde mir noch einige der Aufzeichnungen ansehen und dann werde ich entscheiden, was wir mit dem Roboter machen. Wegtreten".
„Captain..." Wollte B'Elanna aufbegehren.
„Wegtreten Lieutenant", unterbrach Janeway, die das Temperament ihrer Chefingenieurin kannte.
B'Elanna Torres erstarrte. Sie holte erneut Luft um zu protestieren aber Captain Janeways Blick lies sie verstummen. „Jawohl Captain", sagte sie schließlich. Sie nickte Chakotay kurz zu, machte kehrt und verließ den Raum.
„B'Elannas Ansicht hat Etwas für sich", unterstützte Chakotay seine ehemalige Weggefährtin. „Nach Allem was ich gehört habe ist das Ding eine Kampfmaschine".
Janeway nahm das Pad kurz in die Hand und sah auf das Gesicht, das darauf zu sehen war.
Langsam schüttelte Sie den Kopf. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass sie eine Gefahr darstellt", sagte Catherine Janeway nachdenklich. „Vielleicht begründen wir unsere Annahmen auf falschen Voraussetzungen", sagte sie und drehte das Pad herum.
Chakotay blickte auf das Bild, dann blickte er wieder auf. "Vielleicht haben sie Recht, vielleicht auch nicht", sagte er ohne wertend zu klingen.
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Kathryn Janeway war eine Frau mit starkem Willen. Gegen den Widerstand der anderen Besatzungsmitglieder hatte sie Seven of Nine vom Borg-Kollektiv gelöst und aus ihr ein Individuum gemacht.
Dies war ihr nur gelungen, weil Seven vorher ein Mensch gewesen war.
Im vorliegenden Fall war die Situation gänzlich anders. Das auf der Krankenstation zu der sie sich gerade auf dem Weg befand war kein Mensch. Es war keine Form von geborenem Leben.
Das dort war eine Maschine ein Roboter, Cyborg, Androide, ganz abhängig davon, welchen Maßstab man anlegte.
Noch immer wusste sie nicht, ob sie die Maschine reaktivieren sollten.
Sie hatte sich diverse Erinnerungen der Maschine angesehen. Vieles davon zeugte von einer fast schon unglaublichen Gewaltbereitschaft, Einiges davon aber auch von der Fähigkeit der Empathie. Insbesondere, was einen jungen Mann betraf, der in den Erinnerungen eine Besondere Rolle einnahm.
Die vorhandenen Aufzeichnungen aus der Zeit des dritten Weltkrieges waren bestenfalls lückenhaft. Man wusste unter Anderem, dass die überlebende Menschheit fast in Barbarei zurückgefallen war, da es keine einheitliche Führung mehr gab.
Erst mit Unterstützung der Vulcanier war es gelungen wieder Ordnung in das Chaos zu bringen.
Ausgelöst wurde der Krieg offenbar durch einen Technischen Fehler . Danach war es anscheinend zu kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb der Länder gekommen, an der wohl Maschinen wie die gefundene beteiligt waren.
Was allerdings nicht spezifiziert war, war welche Rolle diese Maschinen tatsächlich gespielt hatten.
Die Zeit hatte viele Wahrheiten überdeckt.
Diese Maschine aber konnte Licht ins Dunkle bringen. Die Lücken in den Geschichtsbüchern füllen.
Als Captain Janeway die Krankenstation betrat, hantierte der Holographische Doktor immer noch an der Maschine und führte Scans über Scans durch.
„Doktor?" Sprach sie ihn von jenseits des Kraftfeldes an.
Der Doktor blickte auf und zog das Instrument dass er zur Zeit benutzte aus der Nase der brünetten Mensch-Maschine. „Ja Captain?"
„Bitte beenden sie ihre Untersuchungen, ich habe eine Entscheidung getroffen", sagte sie entschieden.
„Wie sie wünschen", sagte der Doktor und durchschritt das Kraftfeld als wäre es nicht da.
Kathryn Janeway blickte noch einige Sekunden auf das friedliche Gesicht mit den offen stehenden Augen. Dann berührte sie ihren Kommunikator. „Janeway an Tuvok".
"Tuvok hier"
"Bitte kommen sie mit zwei weiteren Bewaffneten zur Krankenstation, wir Reaktivieren unseren Gast".
Kapitel 3
„Lieutenant Torres und Seven of Nine, bitte bringen sie den Chip der Maschine zur Krankenstation", war Janeways nächster Befehl.
Als die Gerufenen schließlich eintrafen war es erneut die Halbklingonin, die protestieren wollte.
„Ich weiß was sie sagen wollen B'Elanna allerdings haben sie nicht genügend Dateien gesehen, sonst wären sie sicherlich genau so nachdenklich wie ich", erstickte Janeway den kommenden verbalen Ausbruch im Keim.
Dann übergab B'Elanna dem Doktor den Chip.
Alle beobachteten, wie das MHN mit dem Chip zum Diagnosebett trat. Zu dem Zweck musste kurzzeitig das Kraftfeld, das den Bereich abriegelte, abgeschaltet werden.
Lieutenant Tuvok und seine drei Bewaffneten Männer traten in diesem Moment vor und hoben die Waffen.
Janeway beobachtete das. „Wenn möglich keine Gewalt anwenden", sagte sie.
„Verstanden Captain", entgegnete Tuvok. „Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass Betäubungsschüsse wahrscheinlich nicht sehr effektiv sein werden.
„Zur Kenntnis genommen. Falls notwendig tödliche Gewalt anwenden aber bitte keine Schüsse mit Maximalleistung", sagte Janeway, konzentrierte sich dann wieder auf die Diagnoseliege.
Der Doktor war gerade dabei den Chip hinein zu schieben.
Ein vernehmbares Klicken ertönte.
„Wie lange müssen wir warten?" Fragte Janeway nach einigen Sekunden.
„Das wissen wir nicht..." begann B'Elanna, als der Kopf der Maschine auf dem Tisch kurz zuckte.
Übergangslos wollte die Maschine sich aufrichten, wurde aber von der ausgefahrenen Diagnoseeinheit daran gehindert.
Der Doktor bewegt sich vor. „Augenblick bitte, ich fahre...".
Ein lautes Krachen unterbrach ihn, als das braunhaarige schlanke Mädchen die Diagnoseeinheit einfach aus der Verankerung brach und sich vollständig aufrichtete.
Sogleich trat der Doktor zurück und die Sicherheitsleute vor.
Die Maschine kletterte sich umblickend von der Liege und drehte sich zu den Anwesenden herum. Sie blickte jeden der Anwesenden nacheinander für einige Sekunden an.
Freundlich lächelnd trat Catherine Janeway vor. „Ich bin Captain Catherine Janeway vom Föderationsraumschiff Voy..."
Sie wurde unterbrochen, als die braunhaarige Maschine vortrat und mit dem Energieschirm kollidierte. Sie stolperte einen Schritt rückwärts, dann legte sie den Kopf schräg.
Die Anwesenden beobachteten, wie sie den Arm hob, um das Kraftfeld mit der Hand zu berühren.
Alle waren mehr oder weniger erstaunt, dass sie das Kraftfeld berühren konnte, ohne dass ihr die Entladungen schadeten. Ein Mensch hätte das nicht gekonnt ohne zumindest einen elektrischen Schlag zu bekommen.
Janeway beobachtete, wie die äußerlich junge Frau einige Sekunden lang die Entladungen beobachtete bevor sie die Hand wieder senkte.
„Interessante Technologie", waren ihre ersten Worte. „Gehört ihr zu Skynet?"
Janeway sah sich kurz im Raum um, sie erblickte nur erstaunte Gesichter.
„Skynet?" Fragte sie schließlich, nicht wissend was die junge Frau vor ihr meinte.
Die Maschine in Gestalt eines Mädchens legte den Kopf schräg und besah sich die Leute nocheinmal. „Du, was ist Deine Mission", fragte sie in Sevens Richtung.
Sevens und Janeways Blicke begegneten sich. Janeway nickte der ehemaligen Borg Drohne zu.
„Ich bin Besatzungsmitglied dieses Schiffes", sagte Seven, nachdem sie vorgetreten war.
Der Blick der Maschine wanderte an Sevens Körper entlang. Hinunter und wieder zurück zum Gesicht. „Du bist ein Kybernetischer Organismus wie ich", stellte sie Fest.
„Nein, nicht wie Du Roboter!" Begehrte B'Elanna auf.
„B'Elanna!" Unterbrach Janeway verärgert, nickte Seven dann erneut zu.
„Ich bin ein Kybernetischer Organismus, Lebendes Gewebe über einem Metall Endoskelett", sagte die junge Frau.
„Was ist Deine Funktion?" Fragte Seven dann in ihrer nüchternen Art.
Die Braunhaarige legte erneut den Kopf schräg. „Bin ich Eure Gefangene?" Fragte sie anstatt die Frage zu beantworten.
„Nur solange, bis wir uns von ihrer Harmlosigkeit überzeugt haben", sagte Janeway.
„Wo ist John Connor?" Kam die nächste Frage.
„Wer?" Fragte Janeway über den Themenwechsel verblüfft.
„General John Connor, Führer des Widerstandes gegen Skynet und die Maschinen. Er war bei mir, als ich das letzte mal online war", sagte sie und nahm eine drohende Haltung ein.
Kathryn Janeway sah sich um, erntete aber nur Kopfschütteln. „Sie waren alleine, da war keine andere Person", sagte sie Chakotays Bericht wiedergebend.
Die Maschine senkte den Kopf. „Dann hat Skynet ihn mitgenommen. Ich muss ihn finden, ich muss hier raus", sagte sie fordernd.
Janeway schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht gestatten, vorläufig jedenfalls", sagte Janeway bestimmt.
„Dein Körper wurde geschaffen andere zu täuschen und zu töten Maschine", warf B'Elanna wütend ein.
„Cameron", entgegnete die Angesprochene.
„Bitte?" Fragte die Chefingenieurin entrüstet.
„Mein Name ist Cameron und richtig ich wurde erschaffen zu infiltrieren und zu töten aber das war einmal. Nun ist meine Mission John Connor zu beschützen", sie sah von B'Elanna zu Janeway. „Deshalb müsst Ihr mich gehen lassen".
Nach diesen Worten streckte sie die Arme aus und rammte sie förmlich in das Kraftfeld. Zu aller Entsetzen begann dieses kurze Zeit später zusammenzubrechen.
