Kapitel 103
Das Getuschel, welches die Große Halle von Hogwarts durchflutete, wollte einfach nicht abflauen. Selbst das mehr als nur strenge Gesicht der Direktorin konnte daran nichts ändern. Andererseits konnte sich aber auch kein Schüler daran erinnern, dass es in den letzten Jahren dazu gekommen war, dass das Frühstück verschoben wurde und sie die Große Halle erst eine Stunde später betreten konnten. Und das, obwohl nichts im Inneren des riesigen Raumes daraufhin deutete, dass hier irgendwas Ungewöhnliches geschehen war.
Einzig, dass sich einige Schüler nicht an den Diskussionen beteiligten zeugte davon, dass sie mehr wussten. Und wenn man dann noch die Tatsache bedachte, wer diese Schüler waren, nämlich Harry Potters engste Freunde, und auch nicht außer acht ließ, das gerade dieser Gryffindor im Moment fehlte, nun, dies konnte nur bedeuteten, dass es mal wieder mit dem vom Tagespropheten als Retter der Gesellschaft ernannten Schwarzhaarigen zu tun hatte.
Doch was war mit Harry Potter geschehen? Wo war er? Verletzt? Nein, dies konnte nicht sein, denn Madame Pomfrey saß auf ihrem Platz am Lehrertisch, auch wenn sie einen sehr müden Eindruck machte. Die meisten Schüler schienen zu rätseln, jedenfalls stellte Hermine dies für sich fest, als sie all die Blicke auffing. Andererseits machte sie sich auch Sorgen, riesige Sorgen um ihren Liebsten. Denn das dieser mal wieder so überstürzt verschwand war so eine Sache, welche die Gryffindor noch zur Verzweiflung trieb.
Ihre Gedanken fortsetzten konnte Hermine jedoch nicht, denn ein Kribbeln im Nacken sagte ihr, das gleich etwas passieren würde. Und auch Ron und Damion schienen etwas zu spüren und schauten instinktiv zur Tür. Doch von dorther kam nichts. Nein, vielmehr schien die gesamte Hallendecke plötzlich in Flammen zu stehen. Es war wie eine gewaltige Feuerwalze, die sich mit einem gewissen Sicherheitsabstand zu den Köpfen aller, durch die Luft bewegte und den Raum in ein bizarres Licht tauchte. Ein Großteil der Schüler duckte sich oder ging zu Boden. Andere starrten nur auf das Feuer aus dessen Tiefen plötzlich eine Stimme mit einer Mischung aus Schmerz und Autorität rief, „POPPY ... zum Krankenflügel ... SOFORT".
Damit war das Feuer auch schon wieder verschwunden und erste Schreie hallten durch die Luft. Meist stammten sie von Erstklässlern, die verängstig in den Raum schauten. Jedoch verstummten sie sofort, als sich die angesprochene Schulheilerin von ihrem Platz erhob, ihr gerade geschmiertes Brötchen hinwarf und mit geballtem Gesicht in Richtung Tür stürmte. Alles was man dann noch hörte, waren die Worte, "Oh dieser Bengel, wenn ich den in die Finger bekomme. Wer glaubt er, wer ich bin? Sein persönliche Sklavin?"
Wäre die Lage nicht so ernst gewesen, hätten Hermine und Co bestimmt losgelacht. Doch so entschieden Harrys Freundin, Ginny, Damion und auch Ron im Geiste einfach nur, still zu sein und der Heilerin zu folgen. Zwar wollte die Direktorin sie noch aufhalten, doch dann schüttelte sie leicht den Kopf und ließ die vier ziehen. Diese Schüler waren eh schon zu tief in die Sache verwickelt, als das sie als Vorsteherin von Hogwarts noch viel tun konnte. Wozu sie aber in der Lage schien, war die Tatsache, dass sie die anderen Schüler, diejenigen welche aus plötzlicher Neugier die Halle verlassen wollten, aufzuhalten. Und dies tat sie auch. Besonders einige Ravenclaw schienen unbedingt wissen zu wollen, was denn los war. Harry hatte ja auch nicht gerade den konventionellen Weg der Nachrichtenübertragung benutzt.
Normalerweise brauchte man gut zehn Minuten, um von der Großen Halle zum Krankenflügel zu gelangen, doch wie gesagt, normalerweise und als Schüler. Poppy hingegen war schon so lange in Hogwarts tätig und da schon Albus Dumbledore wusste, das Zeit manchmal das wichtigste war, wenn es um Menschenleben ging, gab es für Poppy im Schloss einige Passagen, die sie nutzen konnte um eben die entscheidenden Minuten zu bekommen.
So trat die alte Heilerin keine drei Minuten nachdem sie die Große Halle verlassen hatte, plötzlich hinter einem mächtigen, sehr alt aussehendem Wandvorhang gegenüber ihrem Reich hervor und ging danach schnellen Schrittes in den Krankenflügel. Zwar schüttelte der auf dem Teppich verewigte Ritter noch wütend seine eiserne Faust, weil ihn die alte Hexe geweckt hatte, doch das ließ Poppy kalt, anders als der Anblick welcher sie erwartete. Dieser war doch schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Überall roch es noch nach Qualm, zwei drei Laken hatte Harry auch angekohlt und während etwas weiter hinten im Raum zwei Mädchen mit fast vollständig verbrannten Sachen hockten und weinten, waren Harry Potter und Prinz William dabei, den immer noch bewusstlosen jüngeren Bruder vom William auf Harrys Stammbett zu legen.
„Oh mein Gott, eure Hoheit", rief Poppy aus und rannte förmlich zu ihrem Patienten. Am Bett angekommen stockte sie jedoch entsetzt und blickte auf das Stück Holz, welches in der Schulter steckte. Harry sah zu ihr auf und sagte voller Sorge, „Ich hab es drin gelassen Poppy. Ich wusste nicht ob ich es entfernen kann."
Poppy nickte und erwiderte, „das war völlig richtig Harry, allerdings hat dein Feuer es etwas stark aufgeheizt und nun muss es raus." Mit diesen Worten zückte die Heilerin ihren Zauberstab und richtete ihn auf den Prinzen. Sie sprach einige Diagnosezauber und dann bat sie beide Jungen, sie sollten Prinz Harry ganz fest aufs Bett drücken. Der Gryffindor nickte und auch der ältere Sohn von Charles wollte alles tun, damit sein Bruder wieder gesund wurde. Dann war es soweit und Poppy umfasst das Tischbein. Sie blickt die zwei Jungen noch mal fest an und mit einem lauten „Jetzt", zog sie das Holz aus der Schulter.
Das nächste was den Raum durchschnitt war ein Schmerzensschrei seitens Prinz Harrys und das Weinen der beiden Mädchen. Doch auf diese konnten sie jetzt nicht eingehen. Williams Bruder war erwacht und wand sich vor Schmerzen. Rasch warf Poppy das Tischbein weg und griff sich das Bettlaken vom Nebenbett. Dieses drückte sie auf klaffende Wunde und versuchte damit die Blutung zu stoppen. Ohne Zweifel waren eine oder mehrere Arterien verletzt und der kleine Junge blutete nun wie ein Schwein.
„Harry schaffst du es, seine Wunde zu schließen?", fragte Poppy, immer noch auf die Wunde pressend und schaute den Gryffindor dabei besorgt an. Immerhin hatte auch Harry seine Kräfte in den letzten Stunden stark beansprucht.
„Ich werde es versuchen Poppy. Doch dazu musst ich ihn loslassen." Erwiderte Harry und das konnte ein Problem darstellen, da sie den Verletzten nicht auf magische Weise ruhigstellen konnten. Immerhin bestand ja die Gefahr, dass er nicht wieder aufwachte. Dann war da noch William, dessen Kräfte auch nicht mehr voll da waren. Immerhin hatte Voldemort sich mit ihm vergnügt und der Cruciatusfluch verlangte einem schon eine Menge ab.
Zum Glück ging in diesem Moment die Tür auf und Harrys Freunde kamen herein. Sie alle eilten zum Bett, die Sorge in ihrem Gesicht ganz deutlich zu sehen. Aber noch bevor sie sich über Harrys Wohl erkundigen konnten, wurden alle vier eingespannt. „Du", sagte Poppy und zeigte auf Ron. „Du löst Prinz William ab und hältst seinen kleinen Bruder ganz fest. Nutze zur Not deine besonderen Kräfte. Mach ihn aber nicht kaputt. Und du Damion machst das gleich auf Harrys Seite. Ginny und Hermine, ihr kümmert euch um die Mädchen. Ich denke sie können etwas Fürsorge gebrauchen "
„Welche Mädchen?", fragte Ron und schaute sich um. Sein Blick traf auf die beiden verängstigten Gesichter und dann schaute er irritiert zwischen Harry und dem fremden Mädchen hin und her. Er bemerkte nicht einmal den Zustand der Beiden bzw. ihrer nicht vorhandenen Sachen. Poppy unterbrach die kurze Stille und holte den Werwolf aus seinen Gedanken. Man schritt zur Tat. Damion und Ron umklammerten den sich immer noch vor Schmerzen windenden Prinzen und Harry konzentrierten sich, kaum dass er seine Hände frei hatte, darauf, so viel Tränen wie möglich zu produzieren. Diese fing er in einer kleinen Schale auf und reichte sie schließlich Poppy, die damit die Wunde versorgte.
Minuten verstrichen und nur langsam hörte die Blutung auf. Immer wieder hörte man Poppy leise vor sich hinbeten und erst jetzt konnte Harry mal aufatmen. Er schloss kurz die Augen und versuchte sein Herz zu beruhigen. Dann öffnete er sie wieder und wurde sich zum ersten Male gewahr, dass seine Teleportation doch noch nicht so perfekt war. Irgendwie schien er sich in Stresssituationen nicht richtig zu konzentrieren und daher hatte er sein Feuer nicht ganz so unter Kontrolle. Na jedenfalls zückte der Gryffindor seinen Zauberstab und beschwor einen schwarzen Umhang. Diesen überreichte er Prinz William, damit dieser seine Blöße bedecken konnte. Etwas, dass der Prinz im Moment wohl als allerletztes wahrgenommen hatte. Aber Prinz war Prinz und die Prinzenrolle sollte ein wohlgehütetes Geheimnis bleiben.
Hermine und Ginny hatten in der Zwischenzeit auch getan worum man sie gebeten hatte und ihre Umhänge den Mädchen gereicht. Außerdem hatte Hermine ihren Arm um Catherina gelegt, um sie zu beruhigen und Ginny kümmerte sich liebevoll um die jüngere Isabella. Die Angst stand beiden ins Gesicht geschrieben und die beiden Mädchen fassten nur langsam Vertrauen. Dann aber bemerkten sie, dass William sich sichtlich wohler fühlte und die Leute hier zu kennen schien und dies half ohne Zweifel.
Schließlich atmete auch Poppy auf und sagte allen leise, dass sie es geschafft hatten. Prinz Harrys Krämpfe und Schmerzen flauten ab und jetzt konnte man dem Jungen auch einige Tränke geben. Danach reinigte Madame Pomfrey den Körper des Prinzen und bat Harry ihr zu helfen, seinen Namensvetter richtig ins Bett zu legen, damit er sich gesund schlafen kann. Danach war der ältere Prinz dran und auch dieser konnte Poppys Art nicht widerstehen und schlief Minuten später.
Als letztes kümmerte sich die Schulheilerin um Catherina und Isabella, doch dies nicht weil sie die Prinzen bevorzugen wollte, nein, sie tat es aus rein medizinischer Sicht und weil Hermine und Ginny wirklich ein Händchen hatten. Beide Mädchen weinten nicht mehr und die Angst war auch aus ihren Gesichtern gebannt. Allerdings wurde es im Krankenflügel wieder etwas lauter als Poppy versuchte die beiden Freundinnen zu trennen und jede in ein Bett zu legen. Isabella wollte einfach nicht loslassen und daher gab Poppy kurz darauf nach und so schliefen die zwei Cousinen zusammen in einem Bett, nachdem sie ihren Beruhigungstrank genommen hatten.
Blieben also nur noch Harry und der Gryffindor wurde nun von Hermine bestürmt. Sie sah seinen Zustand und küsste ihn überall. Immer wieder sagte sie, dass er dies niemals wieder tun sollte, fragte, ob er wüsste, was sie durchgestanden habe. Bevor Harry jedoch so richtig auf seine Liebste eingehen konnte, wurde Hermine von ihm weggezogen und der Gryffindor sah sich dem strengen Gesicht von Madame Pomfrey gegenüber. „Mister Potter", sagte sie mit harter Stimme. „Wer gibt ihnen das Recht, mich herum zu kommandieren? Ich könnte ihre Großmutter sein und ..." Weiter kam auch Poppy nicht in ihrer nicht wirklich ernst gemeinten Tirade, denn Harry ereilte so etwas wie ein kurzer Schwächeanfall und dieser brachte Poppy dazu, in den Profimodus zu wechseln und ihren Lieblingsschüler auf ein Bett zu drücken. Seins war ja nicht frei und so musste das nächstbeste herhalten. Danach noch einen Trank und alles Flehen und Gutreden seitens Harrys half nicht mehr. Der Gryffindor glitt ins Reich der Träume.
„Mein Gott, ist der Junge störrisch", sagte Poppy und steckte ihren Zauberstab wieder weg. Dann blickte sie in Richtung Hermine und den anderen und fragte leise, wer so etwas nur tat. Wer folterte ein Kind mit dem Cruciatusfluch? Die Antwort kam von der Tür her und in Form von Stephano Styls Stimme. „Wie wär´s mit Voldemort, Poppy?", fragte er und trat, begleitet von der Direktorin in den Raum.
„Vol ...Voldemort", sagte Hermine entsetzt und schaute zwischen Harry und ihrem Professor hin und her. Steph nickte und stellte dann erst einmal die Truhe auf einen der Tische im Krankensaal. Danach zog er seinen Umhang aus und bat, obwohl es eigentlich nicht so seine Art war, Poppy darum, das sie ihm etwas gegen eine leichte Verbrennung gab. Die Wunde rührte aber nicht von Harry her, sondern von James Bonds Barretta. Der MI6 Agent hatte sie aus Versehen beim Apparieren gegen Stephs Unterarm gedrückt und da der Schalldämpfer durch seinen Dauereinsatz fast glühte, hatte er sich in der Haut des Zauberers verewigt.
Als die Wunde versorgt war, wandte sich Steph wieder an seine Schüler und erzählte ihnen in groben Zügen, was im Hotel Savoy passiert war. Die Gesichter seiner Zuhörer sprachen Bände und selbst die Direktorin konnte nur mit dem Kopf schütteln. Alles was sie noch sagen konnte war, dass Harry wirklich eine ganz besondere Person war und dann machte sie sich auf den Weg in ihr Büro. Die Queen musste unbedingt verständigt werden. Sie musste erfahren, dass es ihren beiden Enkeln gut ging. Und da die Hauptbeteiligten eh alle schliefen mussten die Verhöre sowieso warten. Ebenso wie die kleine Aussprache, welcher sich Harry noch stellen musste, im Bezug auf sein Verhalten im Umgang mit dem Todesser. Aus diesem Grunde verließen kurz darauf auch Hermine und die anderen Gryffindors den Krankenflügel und konnten im Laufe des Tages nur darauf warten, dass Harry sich ausgeschlafen hatte.
***
Er blinzelte einmal, er blinzelte zweimal und dann öffnete Harry seine Augen. Seim Kopf hämmerte, doch das war nach dem letzten Tag ja wohl keine Überraschung. Schließlich aber blendete der Gryffindor den Schmerz aus und schaute sich im Raum um. Sein Blick ging zu den Betten der beiden Prinzen, die jedoch noch fest zu schlafen schienen und dann schaute Harry zu Catherina und Isabella hinüber. Die zwei Mädchen waren wach und schauten immer noch leicht unsicher in den Raum. Harry konnte es ihnen nicht verdenken und wollte die ältere schon ansprechen, doch drang eine andere Stimme an sein Ohr. Es war der sanfte, dunkle Klang von Mister Kasch´dirs Worten, die seine Aufmerksamkeit erregten.
„Mister Potter?", fragte der alte Araber und Harry drehte sich nun so, dass er ihn besser sehen konnte. Schließlich begegneten sich beider Blicke und eine Träne bildete sich in den alten, müden Augen des Mannes. „Danke", flüsterte er und schien dann wieder in den Schlaf aufzudriften. Harry erwiderte ebenso leise „gern geschehen", worauf die Augen von Mister Kasch´dir wieder etwas munterer wurden und sein Blick schließlich zu den beiden Prinzen ging. Ungläubig fragte er in den Raum, aber eigentlich an Harry gewandt, „Sind dies dort drüben, die für die ich sie halte?" und Harry nickte, „Ja Mister Kasch´dir, das sind die Enkelsöhne der Queen. Ich hab sie aus der Gefahrenzone gebracht, als Voldemort aufgetaucht ist, um ihre Kiste oder vielleicht auch mich in seine Gewalt zu bringen."
„Die Truhe, oh nein. Die Waffe, er darf sie nicht erhalten." Die Stimme des alten Mannes bebte und er versuchte sich aufzurichten. Doch die Verletzungen, welche die Todesser ihm zugeführt hatten, waren doch beträchtlich und er sackte wieder zusammen. Harry rief ihm zu, dass sie die Kiste in Sicherheit gebracht hatten und hoffte, das es auch an dem war. Harry hatte ja nicht mehr mitbekommen, wie Steph in Hogwarts eingetroffen war und Poppy hatte die Truhe in ihr Büro geschafft, nachdem sie nicht wusste, was sie darstellte und sie außerdem einen Tisch blockierte.
Diese Worte schienen bei Mister Kasch´dir einen riesigen Stein von dessen Herz fallen zu lassen und jetzt gestattete sich der alte Mann es auch, wieder einzuschlafen. Harry allerdings schwirrten nun die Worte „Truhe" und „Waffe" im Kopf herum und dies verstärkte seine Kopfschmerzen um einiges. Sein Blick ging wieder durch den Raum und er bemerkte, dass durch seinen kurzen Wortwechsel Prinz William aus seinem Schlafe erwacht war und nun zu ihm herüber schaute. Dann senkte der Prinz plötzlich seinen Kopf und sagte, „Danke Harry, ohne dich wären wir nicht mehr am Leben."
Natürlich wurde der Gryffindor rot und senkte verlegen seinen Kopf. Harry brauchte dies nicht immer wieder zu hören und winkte ab. Er meinte, dass die beiden Prinzen und ihre Freundinnen ohne ihn vielleicht nicht einmal in Gefahr gewesen wären. Doch da meldete sich William zu Wort und meinte, das Voldemort direkt zu ihnen ins Zimmer gekommen war und gesagte hat, dass ihn etwas in Catherina dorthin geführt habe.
Harry schaute zu den beiden Mädchen rüber und musterte der ältere genau. Da aber wurde die Tür geöffnet und Poppy kam in Begleitung von Steph und der Direktorin rein. „Guten Morgen Herrschaften", sagte die alte Heilerin und stellte jedem einen Becher mit einer grünlich schimmernden Flüssigkeit hin. „Ich denke, es geht allen soweit gut und nun haben die Direktorin und auch später zwei Beamte des Ministeriums noch einige Fragen an euch."
Man merkte deutlich, dass Poppy es überhaupt nicht mochte, dass man ihre Patienten schon nach so kurzer Zeit belasten wollte. Doch irgendetwas schien die alte Hexe dazu zu zwingen und Harry fragte sich was dies war. Die Direktorin allein konnte dies nicht sein, doch hielt Professor McGonagall die Antwort in ihren Händen und zwar in Form einer Zeitung, einer Muggelzeitung. Diese reichte sie Harry und schon als er die Titelseite aufschlug, weiteten sich seine Augen.
ANGRIFF AUF DAS KÖNIGSHAUS – KRONZPRINZ UND SEIN BRUDER VERSCHLEPPT
Harry wollte seinen Augen nicht trauen und schaute schockiert zur Direktorin auf. Diese jedoch machte nicht wirklich einen besorgten Eindruck und bat Harry, den Artikel erst einmal zu lesen. Der Gryffindor nickte und breitete dann die Zeitung vor sich aus, damit er auch alles im Blick hatte.
... sie lesen richtig liebe Leser und Leserinnen. Heute Morgen ist es in London, unserem kulturellen Zentrum Britanniens zu einem Zwischenfall gekommen, der bisher als so unvorstellbar galt, dass es unserer Nation nun den Atem raubt. Wie wir aus sicherer Quelle wissen, kam es heute morgen im Hotel Savoy zu einem ernsten Zwischenfall, der mit einer kurzen Schießerei begann und schließlich in einem Brand endete. Dies allein ist schon eine Tragödie. Doch wie wir erfahren haben, befanden sich im Hotel Savoy die beiden Prinzen Harry und William um mit guten Bekannten eine kleine Feier zu begehen. Und von eben unseren beiden Prinzen fehlt seit dem jede Spur. Zwar hat der Buckingham Palast noch nichts bestätigt oder dementiert. Aber es war für alle, die vor Ort waren, offensichtlich, dass etwas nicht stimmte, denn sowohl der Geheimdienst als auch die Polizei ist mehr als nur aufgeregt und hat eine totale Nachrichtensperre verhängt.
Hoffen wir, dass sich alles zum Guten wendet und es den Prinzen gut geht. Sollten sie wirklich verschleppt worden sein, ständen wir am Rand einer Katastrophe, denn die Queen wird es sich nicht gefallen lassen, dass man ihrer Familie Gewalt antut. Weiteres lesen ais auf den Seiten 2,3 und 4....
„Das ist nicht deren Ernst, oder Professor?", fragte Harry ungläubig und starrte die Direktorin an. Doch McGonagall nickte und erwiderte, „Doch Harry, aber denk dir nicht so viel dabei. So ist nun mal die Presse. Und da gibt's auch keinen Unterschied zwischen dem Tagespropheten und der Muggelpresse."
„Ja aber was können wir tun, Professor? Das können wir doch nicht so stehen lassen?", fuhr Harry auf und bereute es im nächsten Moment. Der Schmerz in seinem Kopf stach fürchterlich. Die Direktorin bedachte ihren Schüler mit einem besorgten Blick und drückte ihn wieder aufs Bett.
„Es bleibt ja auch nicht so stehen, Harry. Ich persönlich habe mich mit der Queen in Verbindung gesetzt und ihr alles erklärt. Sie will noch heute Abend eine Erklärung abgeben. Die Presse wollte halt nur nicht darauf warten und hat sich ihre eigene Story zusammengesponnen. Ich soll dich auch von der Königin grüßen und dir ihren Dank übermitteln. Sie wird auf alle Fälle ..."
Weiter kam die Direktorin nicht, da sie ein Klopfen vom Fenster her unterbrach. Poppy schaute hoch und öffnete einen der Flügel für eine wunderschöne Schneeeule, von der man denken konnte, sie sei Harrys Hedwig. Doch sie war es nicht und der Vogel flog auch nicht zu Harry oder gar zur Direktorin. Nein, die Schneeeule landete direkt vor Catherina, welche das Tier skeptisch und mit großem Respekt beäugt.
„Was soll das? Eine Eule als Briefbote?", fragte Catherina und deutete auf das zusammengerollte Pergament am Beine des Vogels. Ihre Cousine war allerdings ganz anderer Natur und streichelte die Eule ohne Scheu, was sich das Tier auch gefallen ließ.
„Nun ja, Miss ...", die Direktorin wollte ihr nun erklären, was es mit der Briefzustellung in der Zaubererwelt auf sich hatte, doch sie wusste ja noch nicht einmal den Familiennamen von Catherina.
„Meine Name ist Catherina Easterbrook, Ma´am", stellte sich das blonde Mädchen vor und die Augen von Professor McGonagall hatten plötzlich einen Glanz der Erkenntnis. Sie musterte Prinz Williams Freundin und fragte dann, „Und ihre Mutter hört auf den Namen Cynthia, richtig?"
„Jawohl, Madame, Cynthia Easterbrook. Lady Easterbrook, sollten wir offiziell unterwegs sein. Doch woher wissen sie das?" Fügte sie noch hinzu und schaute zu den beiden Prinzen. Die Direktorin lachte kurz und meinte dann, dass Catherina vielleicht den Brief lesen sollte. Er würde ohne Zweifel von ihrer Mutter sein. Das blonde Mädchen schaute zwar noch etwas unsicher und verwirrt, kam der Aufforderung aber nach und schon nach den ersten Sätzen weiteten sich ihre Augen.
Professor McGonagall wandte sich in der Zwischenzeit an die anderen und erklärte ihnen wie sie die Sache sah und was sie wusste. „Nun Harry, ich denke die liebe Catherina erfährt gerade, woher ihre Mutter stammt. Lady Easterbrook wurde nämlich als Hexe geboren und ist sogar hier zur Schule gegangen. Du kannst Poppy fragen, sie erinnert sich bestimmt auch noch an sie. Damals hieß sie Cynthia Donavan und sie war eine von Lily Potters Freundinnen."
„Von Mum?", fragte Harry und sein Herz machte einen Hüpfer. „Aber warum lebt sie nun in der Muggelwelt."
„Das liegt wohl an den Erfahrungen, die sie gemacht hat. Soweit ich mich erinnern kann, hatte es alles mit Voldemorts erster Machtergreifung zu tun und dass ihr damaliger Verlobter eines der ersten Opfer war, welches wir zu der Zeit zu beklagen hatten. Viele von uns sind damals aus der magischen Welt geflohen. Sei es nach Amerika oder aber in die Muggelwelt. Doch wir können unsere Herkunft nicht verleugnen oder gar vergessen."
Der Blick von Professor McGonagall lag nun wieder auf Catherina und Isabella. Das ältere Mädchen hatte Tränen im Gesicht und hielt den Brief krampfhaft in ihren Händen. Isabella versuchte nun auch etwas auf dem Pergament zu erkennen, doch es war schon zu zerknittert. Schließlich legte sie ihren Arm um ihre Cousine und meinte, dass alles gut werde. Harry fragte sich allerdings, wie es nun mit den beiden weitergehen sollte, denn dass Catherina magisch war, hatte ihnen Voldemort selbst bestätig und dass ihre Cousine keine einfache Muggel war bewies die Tatsache, dass sie Harry, Poppy und Hogwarts überhaupt sah.
Es war dann die Direktorin, welche beschloss, dass die beiden Prinzen und auch die Mädchen hier im Schloss blieben, bis vor allem der kleine Harry vollkommen genesen war. Sie würde notfalls die Verantwortung gegenüber der Queen übernehmen und so ordnete sie nur noch an, dass Harry sich mit ihr am Abend traf, damit sie ihre nächsten Schritte planen konnten und man sich auch mit Mister Kasch´dir zusammensetzte und redete. Harry sagte zu und dann stand der Rest des Tages im Zeichen des Erklärens. William, Catherina und Isabella hatten eine Menge Fragen die es zu beantworten gab, doch mit ein wenig Hilfe von Hermine und Ginny war dies keine wirkliches Problem.
***
Es war so gegen vier Uhr am Nachmittag, als Harry in seinen Erzählungen unterbrochen wurde, da die beiden Auroren aus dem Ministerium, welche die Direktorin am Morgen erwähnt hatte, in Hogwarts eingetroffen waren. Harry hatte sich schon die ganze Zeit gefragte, wen Rufus Scimgeour schicken würde und was sie wissen wollten. Denn nach dem Desaster im Herbst hatte der Minister ja nicht mehr wirklich viel Auswahl an Leuten, die sich frei in Hogwarts bewegen konnten. Zu Harrys Überraschung betraten dann Tonks und Kingsley den Krankensaal und beide funkelten den Gryffindor verschwörerisch an.
„Hey Kleiner", rief Tonks und umarmte Harry, das Protokoll und ihre Aufgabe mal vergessend, während ihr Partner sich vor Prinz Harry verbeugte und ihn nach seinem Befinden fragte. Als dann die Höflichkeiten erledigt waren, wollten die beiden Auroren natürlich ganz genau wissen, was geschehen war. Harry spürte aber, dass es mehr persönliches Interesse, als dienstliche Neugier war. So erzählte der Gryffindor ihnen alles frei heraus, jedoch den Grund für seinen Besuch in London verschwieg er vorsorglich.
Allerdings verursachte Harry kurz darauf allen einige Momente des Lachens, denn als Tonks es sich etwas bequemer machte und ihre Uniformjacke auszog, starrte der Gryffindor ihr plötzlich unvermittelt auf die Brust. Er merkte dies nicht einmal, bis ihn Tonks neckend darauf ansprach. Schließlich hatte er durch Hermine, die in den letzten Wochen auch noch an Weiblichkeit zugelegt hatte, nicht wirklich ein Defizit an Busen. Doch der Spruch, welchen die eh schon manchmal verrückte Hexe auf ihrem T-Shirt stehen hatte, ließ den armen Harry einfach nicht los. In großen Lettern prangte über der nicht wirklich kleinen Oberweite von Tonks ... Fühl dich sicher – Schlaf mit eine Aurorin.
Harry verschluckte sich förmlich und schaute zu Boden. Kingsley jedoch konnte nicht anders und fragte den Gryffindor, ob ihm ihre neuen T-Shirts gefielen. Sie gehörten zwar nicht zur offiziellen Uniform, doch die Auroreneinheit um den schwarzen Leibwächter des Premiers war halt eine eingeschworene Familie und verstand auch eine Menge Spaß. Dies zeigte dann auch Kingsleys T-Shirt, welches er nun präsentierte und darauf stand ... Büro des Ministers, die Nummer, die sie rufen – Zentrale der Auroren, die Leute, die auch kommen.
Harry war sich sicher, dass Rufus dieser Spruch besonders aufstoßen würde, wenn er ihn irgendwann las. Schließlich klärten Tonks und Kingsley mit Harry noch einige Dinge, welche sie als offizielle Erklärung für die Sache im Savoy als Pressefutter vorbereitet hatten. Und hierbei fragte Harry Tonks auch, ob sie nicht auch was wegen der Muggelpresse tun konnten. Tonks schaute zu ihrem Kollegen und dessen Gesicht wurde ein wenig grimmig. Er blickte Harry direkt in die Augen und sagte, „Ist schon in Arbeit Harry. Ich habe zwei Leute darauf angesetzt, die sichere Quelle der Reporter zu finden und glaub mir, derjenige, der das zu verantworten hat, kann morgen den Wagen des Ministers waschen."
„Den Was waschen?", fragte Harry verwirrt und Tonks sagte mit erklärender Stimme, „Es heißt, er ist gefeuert."
„Ach so", sagte Harry, auch wenn er es nicht wirklich verstand. Kingsley meinte daraufhin, dass dies so eine Redewendung unter den Auroren war. Es hing mit einem alte Brauch der Aurorenzentrale zusammen, der besagte, ein jeder Auror beginnt als Neuling seine Laufbahn mit dem Waschen des Ministerwagens und daher sollte dies auch die letzte Tätigkeit eines scheidenden Beamten im Dienste des Ministeriums sein. Es sei denn, er stirbt in Ausübung seines Dienstes.
Harry verstand nur Bahnhof und Tonks fügte hinzu, „Das musst du nicht verstehen, Harry. Es ist halt ein Brauch, der auf eine Zeit zurück ging, wo es die Leute noch als Ehre ansahen, für das Ministerium zu arbeiten und nicht nur als Job. Auch sah man damals den Minister noch mit anderen Augen. Doch dazu äußere ich mich jetzt nicht weiter. Denk einfach so, ein jeder Auror möchte vor seinem Ruhestand, dass alles in Ordnung ist und er ruhigen Gewissens die Tür hinter sich zumachen kann."
Harry nickte und lächelte Tonks an. Danach fragte er die beiden Auroren, wie sie darüber dachten, was mit den beiden Prinzen und ihren Begleiterinnen geschehen sollte. Tonks hatte hierbei scheinbar nicht wirklich etwas zu melden. Ganz im Gegenteil zu Kingsley, welcher meinte, er würde in einer Stunde eh wieder bei Tony Blair sein und die Sache schon regeln. Hier in Hogwarts wären William und Co wohl am sichersten und das war alles was zählt. Harry sah die Sache auch so und kurz darauf waren die Jugendlichen wieder unter sich. Harry nutzte die Zeit, um sich noch einige Gedanken zu machen. Schließlich hatte er am Abend noch ein wichtiges Gespräch zu führen...
