Kapitel 104

Harry hatte sein Abendmahl gerade beendet und schluckte die letzte Pille, welche Poppy allen auf den Teller gelegt hatte herunter. Angewiderte verzog er sein Gesicht, denn der Geschmack der Medizin war einfach nur eklig. Doch er war nicht der einzige im Raum, der so dachte. Nein auch Hogwarts Gäste schluckten die Pillen nur widerwärtig, William mit einem Gesicht kurz vor dem Übergeben und Prinz Harry eher mit Schmerz verzogenen Gesicht, denn das Schlucken tat ihm noch sehr weh.

Gegen sieben Uhr dann zog Harry sich seine Hose an und bereitete sich darauf vor, ins Büro von Professor McGonagall zu gehen. Mister Kasch´dir hatte den Krankenflügel schon einige Stunden zuvor verlassen und machte sich in Begleitung von Steph ein wenig mit der Schule vertraut. Ein letzter Blick zu Prinz William und das Versprechen, nachher wieder zu kommen und dann konnte es auch schon losgehen. Allerdings wurde Harry an der Tür noch mal aufgehalten, da Poppy sich lautstark mit jemandem unterhielt. Na ja man konnte auch sagen, dass sie stritt. Jedenfalls wurde ihre Stimme immer lauter, da sie es nicht gewohnt war, dass man ihr, mit Ausnahme einiger einschlägig bekannten Schüler, widersprach.

Neugierig ging Harry einige Schritte in Richtung Tür und lauschte. Dabei hörte er nun auch mal die andere Stimme und diese gehörte einem Mädchen. „Ich will doch nur wissen, ob er wirklich hier ist und ob es ihm gut geht, Madame Pomfrey. Und ob, sollte es so sein, sie ihm das hier geben könnten."

„Miss Swany, ich weiß nicht wie sie darauf kommen? Oder woher sie die Informationen ha ..."

„Harry?" – Prinz William unterbrach das Lauschen des Gryffindors und dieser drehte sich um „Ja?" – „Könntest du Madame Pomfrey sagen, dass ich sie sehen möchte. Ich ... ich ..."

Harry musste nun lächeln, als er das leicht rote Gesicht des Prinzen sah. Hatte William etwa eine kleine Hexe als Freundin? Der blonde Junge deutete sehr schnell das Grinsen in Harrys Gesicht und seine Züge strafften sich. „Es ist nicht so, wie du denkst, Harry. Lisa ist meine Brieffreundin. Ich weiß noch nicht einmal, wie sie aussieht. Also in natura. Wir haben uns bisher nur geschrieben und auf dem Foto, welches sie mir mal geschickt hat, war sie nicht ganz so deutlich zu erkennen."

Ein Geräusch lenkte Harry etwas ab. Es war ein leichtes Kichern, welches vom Bett der Mädchen her kam. Catherina und Isabella machte eindeutige Gesten in Richtung William. Die eine formte die Lippen zum Kuss und die andere tat so, als würde sie schmachtend dahinfließen. Ein Kissen beendet das Schauspiel dann aber. William hatte es nach ihnen geworfen. Allerdings hatte sein Gesicht nun die Farbe einer reifen Tomate, wodurch Harry beschloss seinem adligen Freund zu helfen. Er richtete seine Hand auf die beiden kichernden Mädchen und ein kleiner Wasserstrahl ließ ihnen das lachen vergehen.

Danach ging er zur Tür und mischte sich in das Wortgefecht zwischen Poppy und Lisa ein. Er sah das Mädchen an und sagte, „William möchte jetzt aber keinen Brief von dir haben." Sofort entgleiste dem Mädchen das Gesicht und Madame Pomfrey machte ein siegessicheres. „Er möchte dich mal persönlich kennen lernen. Sorry Poppy, aber gegen einen Prinzen bin ich machtlos."

Die alte Heilerin starrte ihren Lieblingspatienten mit großen Augen an und Lisa nutzte ihre Chance. Sie schlüpfte durch die Tür und Harry zog sie hinter sich rasch zu. So konnte er Poppy ja vielleicht noch ein wenig aufhalten. Die alte Hexe seufzte jedoch nur und wandte sich dann mit einem sarkastischem „na wenn der Prinz es so will", ab und ging in Richtung Wandteppich. Harry schaute ihr nach und überlegte was dies sollte. Da aber bemerkte auch Poppy, was sie hier tat und überlegte, wie sie Schadensbegrenzung betreiben könnte. Harry hatte aber seine Schlüsse gezogen und seine Brillengläser verdunkelten sich. „So ist das also", dachte er für sich und meinte dann an Poppy gewandt, „Ich werde es niemanden verraten Poppy. Alte Leute sollte auch so ihre Geheimnisse haben."

„Pass auf was du sagst, Harry. Du könntest mal wieder in einem meiner Betten liegen." Erwiderte Poppy und verschwand hinter dem Wandteppich. Harry grinste und machte sie nun endlich auf den Weg zum Büro der Direktorin. Er wollte auf gar keinem Fall Mister Kasch´dir oder die anderen warten lassen. Demzufolge beschleunigte er seine Schritte und kam keine fünf Minuten später vor dem Gargoyle vor Professor McGonagalls Büro an.

***

In Dumbledores altem Büro war schon ein geschäftiges Treiben. Sowohl Harrys Freunde, als auch Steph und die Direktorin saßen um den großen Schreibtisch herum und lauschten den Geschichten des alten Arabers. Und da waren sie nicht die einzigen. Nein, auch die meisten Portraits hörten mit zu, allen voran Albus Dumbledore. Doch er war der einzige, der auch mal etwas dazu sagte oder Abdul Kasch´dir etwas fragte.

Dann wurde Harrys Anwesendheit bemerkt und Hermine sprang auf. Sie rannte zu ihrem Freund du umarmte ihn stürmisch. „Oh Harry, schön dass es dir wieder besser geht", flüsterte sie ihm ins Ohr, bevor sich ihre Lippen trafen und beide in einem langen Kuss versanken. Dieser wurde aber schließlich von einem „Hmm Hmm" seitens Professor McGonagall unterbrochen, worauf Harry Freundin ein schnippisches „Neidisch?" entrutschte. Sofort wurde Hermine rot und schaute entsetzt in McGonagalls Gesicht. Die alte Hexe mochte ihre Schülerin jedoch so sehr, dass sie den kleinen Ausrutscher verzieh. Was sie aber nicht durchgehen ließ, war das Lachen von Ron, Steph und Damion. Diese drei ernteten einen bösen Blick, welcher sie sofort verstummen ließ.

Die kleine Unterbrechung außer acht lassend, erzählte Mister Kasch´dir noch schnell den Schluss seiner letzten Begebenheit aus den Orient und dann stand der alte Mann auf und kam auf Harry zu. Er verbeugte sich kurz und dankte dem Gryffindor noch einmal für seine Rettung. Harry wollte dies allerdings gar nicht. Er sah es nun mal als seine Pflicht an, einem Menschen in Not zu helfen. Ganz zu schweigen davon, dass er sich schon wieder im Rampenlicht sah und rot wurde.

Viel lieber wollte er wissen, was die anderen bisher besprochen hatten und hier war es Ron der seinem Kumpel sagte, dass ihnen der alte Araber bis jetzt nichts zu den Dingen, welche Harrys Vermächtnis betrafen verraten hatte. Lediglich Geschichten aus dem Morgenland hatte er erzählt und Harrys bester Freund fügte hinzu, dass er gerade manche Dinge gehört hatte, wogegen die Geschichten von Bill aus seiner Zeit in Ägypten nichts waren. Mister Kasch´dir schmunzelte, als er dem Rothaarigen zuhörte. Er merkte offenbar, dass Ron es manchmal brauchte, dass er auch etwas zu erzählen hatte. Schließlich war auch er mal jung gewesen und hatte im Schatten mehrerer Brüder gestanden.

Harry lächelte über Rons Bemerkung und nahm letztlich auf dem freien Stuhl neben Hermine platz. Dann sah er zur Direktorin und sein Blick sagte eindeutig, dass er einige Antworten wollte. Bevor Harry jedoch den Grund für Mister Kasch´dirs Besuch, nämlich das gryffindorsche Geheimnis, ansprechen konnte, erhob Professor McGonagall das Wort und zog zusätzlich eine Zeitung aus einer der Schreibtischschubladen. Sie reichte die sorgfältig gefaltete Abendausgabe eines Muggelblattes an den Gryffindor weiter und lächelte irgendwie geheimnisvoll. „Hier Harry, das könnte dich interessieren", sagte sie noch und der Schwarzhaarige begann rasch zu lesen.

William und Harry in Sicherheit – Schutzengel rettete die Prinzen vor dem Tode

Harry fragte sich, ob er nach dieser Überschrift überhaupt weiterlesen wollte, denn wenn die Muggelreporter nur annähernd so arbeiteten wie die vom Tagepropheten, dann würde man ihn bestimmt noch heute nach Rom schleifen, zur Heiligsprechung. Mit leicht säuerlichem Gesicht schaute Harry seine Freundin an und spürte, wie diese seine Hand unter dem Tisch ergriff. Dann lächelte sie ihm aufmunternd zu und Harry las weiter.

... Ja liebe Leser, sie haben es richtig gelesen. Den beiden Prinzen, von denen man heute Morgen gedacht hatte, sie seien im Zuge des Überfalls auf das Hotel Savoy, verschleppt worden, sind in Wirklichkeit in Sicherheit. Wie ein Sprecher des Palastes uns vor wenigen Minuten bestätigte, befinden sich die beiden Söhne von Prinz Charles derzeit auf dem Anwesen eines Freundes der Familie. Es handelte sich dabei um den noch ziemlich jungen Lord Harry James Potter, einem Teenager, der erst vor wenigen Wochen seinen Adelstitel durch die Queen zurückerhalten hat.

Grund hierfür war das rechtzeitige und besonnene Handeln von Lord Potter, als es vor wenigen Wochen bei einem Bankett im Buckingham Palast zu einer Störung der Heizungsanlage und einer daraus resultierenden Explosion kam. Lord Potter schritt damals mutig und heldenhaft ein und konnte verhindern, dass unsere Königin Elizabeth II zu Schaden kam.

Viele werden sich nun fragen, wer dieser Lord Potter ist, doch auch wir hier in der Redaktion wissen bisher nur sehr wenig. Die Familie der Potters wurde laut Historikern schon seit Jahrhunderten nicht mehr erwähnt, doch ich glaube, nein ich weiß, dass wir ihnen, liebe Leser, noch in dieser Woche einige Fakten zu diesem jungen Mann liefern können. Bis dahin wünschen wir unseren beiden Prinzen eine gute Heimreise, von wo sie auch immer beginnen mag. Und unser Dank gilt auch Lord Potter, dafür, dass er einmal mehr zur Stelle war und die Enkel der Königin so schnell in Sicherheit gebracht hat.

Am Ende unseres Berichtes gibt es aber noch den Hinweis, dass Scotland Yard sie, liebe Leser, um ihre Mithilfe bittet. Unsere Polizei appelliert an jeden Mitbürger, Hinweise im Bezug auf den Vorfall im Hotel Savoy in der Hauptgeschäftsstelle abzuliefern, damit man schnell zu einer lückenlosen Aufklärung des Angriffs auf unser Land kommt...

Harry stöhnte und zerknüllte die Zeitung fast. Allein Hermines beruhigende Hand verhinderte Schlimmeres, zumal das Papier schon zu qualmen begann. „Ist schon gut, mein Held", flüsterte Harrys Liebste und legte ihm demonstrativ den Arm um die Schulter. Die Gryffindor wusste einfach, wie sie Harry beruhigen konnte und sei es, indem sie ihren Freund etwas aufzog. Allerdings machte Mister Kasch´dir das ganze wieder zunichte, denn der alte Zauberer wandte sich nun an Harry und sagte mit großväterlichem Ton, „Mister Potter, es gibt keinen Grund, nicht auf das, was man getan hat, stolz zu sein. Sie haben immerhin einige Menschenleben gerettet und dies bei Gefahr für ihr eigenes Leben. Nehmen sie es doch einfach als Dank hin."

Harry schaute den alten Mann an und wollte schon erwidern, dass er das alles gar nicht wollte, doch Kasch´dirs Lächeln, welches in plötzlich so an Dumbledore erinnerte, hatte eine ganz andere Wirkung auf ihn. Harry akzeptierte mit einem Male, dass er nun mal den von Hermine einst erwähnten Rette- Mensch- Tick hatte und so schluckte er seine Worte runter. Es gab schließlich wichtigeres und somit platzte es dem Gryffindor auch gleich heraus und er fragte an Mister Kasch´dir gewandt, „Die Waffe, sie sagten, in der Truhe sei eine Waffe."

Vom plötzlichen Stimmungswandel des Gryffindors überrascht, musste der alte Araber erst mal seine Gedanken ordnen. Dann aber nickte er und schaute in Richtung des Regals, welches rechts hinter der Direktorin stand. Dort erkannte Harry sofort die ominöse lederne Truhe und auch noch einige andere Dinge. Unsicher blickte er nun zwischen dem Regal und Mister Kasch´dir hin und her und es war Steph, der den ersten Schritt machte. Damions Dad stand nämlich auf und breitete die verschiedenen Sachen aus dem Besitz ihres Gastes auf dem Schreibtisch aus. Harry erkannte nun diverse Bücher, welche wohl von Hermine in nächster Zeit in Beschlag genommen werden würden, dann drei lange, lederne Röhren, in denen Maler oft ihre bemalten Leinwände transportierten und schließlich die kleine Truhe, welche die Todesser nicht öffnen konnten.

„Was ist das alles, Mister Kasch´dir ?", fragte Harry und schaute neugierig in Richtung des alten Mannes.

„Das sind die Dinge, welche ich seit dem Raub wieder beschaffen konnte. Es handelt sich dabei um drei Gemälde, einige Log- oder Tagebücher und um eben diese Truhe, von der meine Vorfahren immer sagten, sie würde eine gefährliche Waffe in sich bergen."

„Aber was es ist, das wissen sie nicht, oder?", fragte Stephano Styls und Mister Kasch´dir schüttelte traurig den Kopf. „Nein, das weiß ich nicht. Niemals hat es jemand geschafft, die Truhe zu öffnen. Irgendein Zauber liegt auf ihr und keiner meiner Vorfahren konnte ihn brechen, geschweige denn, dass es einer mit seinem ganzen Willen versucht hat. Wir waren die Hüter, Stephano. Wir sollten das Geheimnis wahren, nicht es erraten."

Mit diesen Worten lagen die Augen des alten Arabers wieder auf Harry, der dies aber gar nicht mehr mitbekam. Nein, die ganze Aufmerksamkeit galt nun der Truhe und der Möglichkeit etwas zu besitzen, was man gegen Voldemort einsetzen konnte. Harry musterte die Truhe ganz genau und begutachtete das braune Leder, aus dem sie gefertigt war. Er fragte sich, ob es von einem Tier stammt, was es heute vielleicht nicht mehr gab. Die Maserung erinnerte nämlich sehr stark an eine Echse und dann wider nicht, weil es auch Ansätze von Fell gab.

Schließlich wanderten Harry Finger über den Tisch zur Truhe und er zog sie zu sich hin. Die Direktorin wollte ihn zwar aufhalten, denn man wusste ja nicht, ob vielleicht eine Gefahr von ihr ausging, doch Harry war schneller und hielt den ledernen Behälter kurz darauf ganz fest in seinen Händen. In seinem Kopf rauschte es und er fragte sich, wie man nur an den Zaubern vorbeikam. Er streichelte die Truhe und während er dies tat, wurde er von Ron gefragte, ob er schon eine Idee hatte. Durch seinen Freund abgelenkt, bemerkte Harry nicht, dass sich sein Daumen unbewusst über den Deckel der Truhe bewegte und schließlich auf etwas Spitzes traf. Es war ein hinter einer ledernen Falte versteckter Dorn.

„Autsch", rief Harry und ließ die Truhe erschrocken los. Jeder sah den Gryffindor überrascht an und wie dieser den Tropfen Blut, der sich auf seinem Daumen bildete, besah. Und noch während Harry laut fragte, wer so blöd war, an so einer Stelle eine metallene Spitze einzuarbeiten, kam ihm plötzlich eine Idee. Harry drückte mit der anderen Hand den verletzten Daumen so stark zusammen, dass noch mehr Blut hervortrat und tropfte dieses dann auf die Truhe.

Seine Freunde wollten noch schockiert fragen, was das solle und ihn aufhalten, doch gingen ihre Proteste unter, als die lederne Truhe mit einem Male zu vibrieren begann und dann der Deckel mit einem Zischen aufschnappte. „Oh mein Gott", waren die Worte von Hermine und Ginny, während bei Mister Kasch´dir ein mehr oder weniger ersticktes „Bei Allah" zu hören war.

Einzig Steph blieb unbeeindruckt und murmelte etwas von Blutzaubern und wahrer Erbe. Die Direktorin schaute ihren Kollegen überrascht an und Steph erklärte mit kurzen Worten, wie er diese Sache jetzt deutete. „Versteht ihr nicht. Leute? Die Truhe und die anderen Artefakte wurden vor tausend Jahren versteckt, damit kein anderer jemals das Geheimnis der Gryffindors, oder besser Godric Gryffindors, ans Licht bringen konnte. Nur die Gryffindors selbst konnten den Zeitpunkt, sollte es jemals einen geben, bestimmen und so haben Harrys Ahnen, das was auch immer in der Truhe ist, so beschützt, dass nur ein wahrer Gryffindor sie öffnen kann. Und die bester Möglichkeit besteht darin, Blutmagie einzusetzen."

„Aber Blutzauber sind verboten, Professor", rief Hermine, wurde aber sogleich von Steph unterbrochen, da dieser leicht spitz meinte, dass diese Gesetze lange nach der Zeit der Gründer in Kraft getreten waren. Außerdem fügte er mit einem Grinsen noch hinzu, dass der Todesfluch auch verboten sei und trotzdem noch Verwendung fand. Darauf konnte Harrys Freundin nichts erwidern und kollektiv schauten alle nun auf den kleinen Spalt zwischen Truhenkorpus und Deckel. Es war dann Harry, der selbigen anhob und diese vor Schreck wieder fallen ließ, da Hermine kurz entsetzt quiekte. Grund hierfür war, dass sie als erste in die Truhe geschaute hatte und ihr Blick dabei auf einen ziemlich großen, schwarzen Skorpion fiel.

Das Tier war jedoch nicht mehr lebendig. Wie auch, wenn man die Truhe seit Jahrhunderten nicht mehr geöffnet hatte. Offenbar sollte der Skorpion als kleine Falle für Langfinger während der ersten Überfahrt dienen. Nun allerdings gab es nur noch seine sterblich Hülle, welche auf einer Art in Samt gebetteten Stein thronte. Harry hatte den Deckel wieder geöffnet und sein Herz sank in die Hose, als er den Stein sah. Keine Waffe, war sein erster Gedanke und dann schlich sich die Enttäuschung in sein Herz. Auch die anderen schienen seine Gedanken zu teilen. Alle, bis auf einen. Stephano betrachtete den Stein ganz sorgfältig und nahm ihn sogar heraus. „Lava", sagte er und Harry schaute auf und betrachtete den Klumpen in Steph Händen nun auch genauer.

Sein Freund hatte recht, es war erstarrte Lava. Die poröse Oberfläche, das kräftige Schwarz und auch das Gewicht, wenn man mal bedachte, dass Damions Dad den Brocken mit eher wenig Kraft in den Händen hielt, all dies deutete darauf hin, dass der Stein einst geschmolzenes Gestein war. Doch wie passte das ganze hier rein? Warum sollte Godric Gryffindor diesen Brocken Fels verstecken? Was war sein Sinn oder Geheimnis?

Dies wollte wahrscheinlich auch Ron erfahren und nahm Steph den Brocken ab. Allerdings war dem Gryffindor seine Enttäuschung noch mehr anzusehen, als dies bei Harry der Falle war. Ginny Bruder hielt den Stein in seinen Händen und führte ihn immer mal wieder ganz nah an sein Gesicht. Schließlich seufzte er geschlagen und sagte, „Tja, Pech gehabt. Keine Waffe also. Aber hey Harry, wenn du willst, kannst du ja Voldemort mit dem Ding den Schädel einschlagen." Und um seiner Enttäuschung noch mehr Nachdruck zu verleihen, tat Ron etwas, wofür ihn die Direktorin später noch belangen würde. Er nahm den Felsbrocken und knallte ihn auf den Schreibtisch. Allerdings hatte der Rothaarige vergessen, dass er seit einigen Monaten etwas stärker war, als früher und so passierten zwei Dinge. Zum Einen platzen von McGonagalls Schreibtisch einige Holzsplitter ab und dann zerbröselte die Lava und etwas goldenes kam zum Vorschein.

„Bei Merlin", rief Harry und deutete auf das Gebilde im Inneren der Lava. Ron schaute nach unten und griff nach dem Gold. Er nutzte dabei weiter seine Kraft und befreite das Versteckte restlos von seinem steinernen Mantel. Dann hob er es hoch und alle konnten nun erkennen, dass es sich dabei um einen goldenen Stern handelte. Bei nähere Betrachtung verbesserte sich Harry in Gedanken aber, denn es war nicht nur ein Stern, sondern es sah aus wie ein Fossil, wie ein vergoldeter einst verknöcherter Seestern, in dessen Zentrum man einen hühnereigroßen Rubin eingearbeitet hatte. Harry streckte seine Hand nach dem Stern aus und bat Ron, ihn rüber zu reichen. Doch als sich Harrys Hand näherte, begann der Stern zu summen und dann durchschnitt ein schmerzliches Heulen das Büro und das Schloss. Harry zuckte zurück und sah dann nur noch, wie Blut in alle Richtungen spritze. Es stammte von Ron und kam aus seiner rechten Hand, durch die nun eine gut zehn Zentimeter lange, gekrümmte Klinge ragte. Entsetzt schaute Harry zwischen Rons Gesicht und der Hand hin und her. Er vergaß den verdammten Stern an dessen Zacken jetzt jeweils ein Messer funkelt. Jetzt zählte nur noch Ron ...

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