Kapitel 105

„RON"

„RONALD"

„MISTER WEASLEY"

Jeder im Raum schaute voller Entsetzen auf den Gryffindor und das Messer, welches in seiner rechten Hand steckte. Stephano Styls reagierte jedoch als erster und schnappte sich das Kissen, welches auf seinem Sessel gelegen hatte. Mit diesem wollte er die Blutung stoppen, sobald man die Klinge entfernt hatte. Doch es gab ein Problem. Immer wenn sie sich dem Jungen näherten, begann das Fünfklingenschwert, wie Steph es überraschenderweise nannte, zu zucken und zu summen.

Der Schmerz für Harrys besten Freund wurde dadurch nur schlimmer und er schrie und heulte noch lauter. Auch hatten seine Augen begonnen sich zu verändern und sie leuchteten in einem starken bernsteinfarbenen Ton. Dies schien aber niemanden zu kümmern außer vielleicht Mister Kasch´dir, der mit erkennendem, entsetztem Blick zurück wich und leise etwas in Arabisch sagte.

„Mister Weasley, beruhigen sie sich bitte", bat die Direktorin. Allerdings bekam sie nur ein Knurren an den Kopf geworfen, was irgendwie so klang wie „Wir können ja tauschen". Dies brachte die alte Hexe zum Schweigen, denn mit einem verwundeten Werwolf, auch wenn es nur eine Animagusform war, wollte sie sich jetzt nicht anlegen. Außerdem musste sie erst mal ihren ausländischen Gast beruhigen. Mister Kasch´dir zitterte am ganzen Körper und schiere Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Harry, Steph und Hermine waren wieder etwas zurück gewichen und plötzlich beruhigte sich auch das Messer. Steph sah dies als Chance und trat wieder näher heran. Er konnte den goldenen Stern jetzt sogar berühren. Allerdings ließ er ihn sofort wieder los, als Harry näher kam und das Summen erneut erklang. Irgendwann machte es dann bei Damions Dad klick und er sah auf. „Nein Harry, du nicht. Irgendetwas hast du an dir, auf das das Schwert reagiert." Und er musste recht haben, denn kaum zog sich der Gryffindor zurück, ließ auch das Summen nach.

Harry schaute verwirrt auf seinen blutenden Freund und machte dann ein betroffenes Gesicht. Falls Steph nämlich recht hatte, war er für die Schmerzen von Ron verantwortlich. Und um seinem Kumpel noch mehr zu helfen, ging er schließlich in Richtung Tür und stockte erst, als der rothaarige Gryffindor erneut aufschrie. Harry fuhr herum und sah gerade noch, wie die fünf Klingen mit einem klickenden Geräusch zurück in ihre goldene Hülle schnappten. Dann fiel der Stern zu Boden und kreiselte noch kurz um seine Achse bis er schließlich ruhig liegen blieb.

Doch das war jetzt nebensächlich. Alle Aufmerksamkeit galt nun Ron, der immer noch heulte und sich seine blutende Hand hielt. Steph reagiert sofort und drückte das Kissen auf die Wunde, um das Blut zu stoppen. Währendessen lief die Direktorin zum Kamin und rief nach Madame Pomfrey. Harry und seine Freunde blieben unterdes ruhig und hörten Ron beim Fluchen zu. Besonders Harry traute sich nicht in die Nähe des Fünfklingenschwertes, von welchem Mister Kasch´dir nun behauptete, dass er es niemals für möglich gehalten hätte, dass er solch eine Waffe mal mit eigenen Augen sehen würde.

Hermine zuckte leicht zusammen, als sie den Ton vernahm, mit welchem der alte Araber diese Aussage traf und fragte, was denn so besonderes an dem goldenen Stern sei. Die Antwort gab ihr allerdings Steph, während er immer wieder mit Druck auf Rons Hand versuchte, den Blutverlust so gering wie möglich zu halten. „Nun Hermine", sagte er, „das was du da am Boden siehst, ist eine Waffe, welche es nicht sehr oft auf Erden gibt. Sie nennt sich Fünfklingenschwert oder ist aber in unseren Gefilden auch als Drachentöter bekannt. Keiner dürfte so etwas in den letzten Tausend Jahren gesehen haben. Ja ich selbst kenne es nur von Bildern und alten Überlieferungen, denn niemand war in den letzten Jahrhunderten noch in der Lage, so etwas herzustellen."

„Oh", war dann das einzige, was Harrys Freundin noch sagen konnte, denn die Tür zum Büro wurde aufgestoßen und Poppy kam hereingestürmt. In der Hand ein ganzes Tablett mit Arztbesteck und Tränken. Sie ging zielstrebig zum Schreibtisch und ohne dass sie eine Erklärung wollte, machte sie sich daran, Ron wieder zusammen zu flicken. Zuerst zog Poppy das Kissen weg und dann richtete sie ihren Zauberstab auf die jetzt wieder stärker blutende Wunde. Harry musste einfach seinen Kopf abwenden, genauso wie Ginny und Damion. Die Beiden jedoch eher aus dem Grunde, dass auch wenn sie keine gewöhnlichen Vampire waren, der Drang nach Blut dennoch vorhanden war.

„Mein Güte Ron, was hast du nur wieder gemacht?", sagte Poppy mehr zu sich selbst. „Zwei Handknochen gesplittert, die Sehnen durchtrennt und dann noch das Fleisch geschnetzelt. Und hör auf, mich anzuknurren."

Beim letzten Satz winselte Harry bester Freund regelrecht und musste dann eine ganze Batterie an Tränken schlucken. Harry erkannte davon nur den Schmerzkiller und das Skelegrowachs. Der Rest war ihm unbekannt, doch es schien zu helfen, denn das Gesicht von Ron entspannte sich zunehmend. Eine Tatsache, welche die anderen ihre Aufmerksamkeit wieder der auf dem Boden liegenden Waffe zuwenden ließ. Stephano war es dann, der Harry bat bis zur Tür zu gehen und als dieser genügend Abstand hatte, vorsichtig das Fünfklingenschwert aufhob. Er legte es auf den Schreibtisch und alle schauten das goldene Etwas skeptisch an. Der Stern tat aber nichts weiter als dazuliegen und als die Direktorin und Stephano nichts weiter erkennen konnten, außer ein paar komischen Kringeln und runenähnlichen Zeichen, verstauten sie es wieder in der ledernen Truhe und erst dann durfte sich Harry nähern.

Der Gryffindor tat dies dann auch vorsichtig und mit einem Auge immer auf das Gefängnis des Schwertes. Er wollte sich gar nicht ausmalen, wenn zum Beispiel Hermine oder Ginny was geschehen wäre. Ron war schon schlimm genug. Und wo wir gerade bei ihm waren und weil Poppy soweit fertig war, merkte Professor McGonagall an, dass sie vielleicht erst morgen mit ihrer kleinen Versammlung fortfahren sollten. Zwar wollte Harry dagegen aufbegehren, doch da auch Steph seiner Chefin zustimmte, gab sich Harry geschlagen. Einzig, dass sie vielleicht als nächstes herausfinden sollten, was diese Kringel und Runen bedeuteten, brachte der Gryffindor noch zur Sprache und zu aller Überraschung sagte Ginny plötzlich und ganz nebenbei, „Ach das ist alte Koboldsprache, die kennt bestimmt keiner mehr."

Natürlich lagen nun alle Blicke auf ihr und sie schaute etwas unsicher in die Runde. „Und woher wissen sie das, Miss Weasley ?", fragte die Direktorin, worauf Rons kleine Schwester leicht rot wurde und erwidert, „Hab ich vor kurzem gelernt, aufgesaugt, wenn sie so wollen."

Daraufhin wurden die Augen der alten Hexe um einiges größer, während Steph und Damion zu glucksen begannen. Harry konnte sich schon denken, wie seine Freundin dies meinte und lächelte ebenfalls. Allerdings wurde er dann enttäuscht, als Ginny ihm sagte, dass sie zwar wusste, was dies für Zeichen waren, sie aber nicht lesen konnte. Leicht niedergeschlagen, fragte sich Harry dann, wer dazu vielleicht noch in der Lage war und ein Name blitzte plötzlich vor seinen Augen auf ... Direktor Sarrock

Natürlich schallt sich der Gryffindor und hatte es mit einem Male sehr eilig, wieder in den Gryffindorturm zu gelangen. Er musste dem Direktor von Gringotts unbedingt schreiben und ihn um Hilfe bitten. Poppy bremste seinen Enthusiasmus aber ganz schnell, da sie Harry daran erinnerte, dass er die kommende Nacht noch bei ihr im Krankenflügel und mit den beiden Prinzen zu verbringen hatte. Sofort verdunkelte sich Harrys Gesicht. Allerdings war er nicht so dumm, sich mit einer gestressten Madame Pomfrey anzulegen. Außerdem, so Steph plötzlich, galt es auch Ron ein wenig zu helfen, denn mit dem Verband, welchen er nun um seine Hand hatte, konnte der Rothaarige ziemlich schlecht duschen oder sich waschen.

Das sah Harry ein und so führte ihn der nächste Weg zum Krankenflügel. Dort angekommen verabschiedeten sich Hermine, Ginny und Damion und ihr Kumpel versprach etwas später noch mal her zu kommen und ihnen ihre Schlafsachen zu bringen. Das erlebte Ron aber nicht mehr, denn die Tränke von Poppy wirkten nun vollends. Allerdings wurde Harry schnell klar, dass er ums Duschen seines Kumpels nicht herum kam, denn einen Nachteil hatte Rons Animagusform schon. Ron stank durch seinen kleinen Ausbruch wie Hund. Nur gut, dass Damion sich beeilt hatte und so konnten alle, wenn auch etwas später und mit den neusten Infos gefüttert, beruhigt und mit frischen Luft einschlafen.

***

„Du Cat?", flüsterte eine zarte Mädchenstimme.

„Ja Bella?", erwiderte ihr Cousine.

„Geht es ihm wieder gut?"

„Wem?"

„Na dem rothaarigen Jungen da drüben natürlich. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so vor Schmerzen gejault hat. Es klang fast so, als hätte man einem Hund auf den Schwanz getreten." Erklärte nun Isabella und ihr Blick wanderte immer wieder zu Rons Bett.

Harry musste schmunzeln, als er dies hört. Doch die kleine Freundin von Prinz William hatte recht. Ron musste wirklich enorme Schmerzen gehabt haben, bei denen nicht mal Poppys Tränke was ausrichten konnten. Andererseits hatte es Harry auch nicht in Erwägung gezogen, seinen Freund mit einem Stillschweigezauber zu belegen, aus Furcht, er könnte ihn nicht hören, wenn es noch schlimmer werden sollte. Irgendwie stieg die Schuld in Harrys Hals wieder hoch.

Vorsichtig, um nicht zu verraten, dass er schon munter war, drehte sich Harry leicht in Richtung seines Freundes. Dabei bemerkte er, dass Ron ebenfalls nicht mehr schlief und außerdem versuchte aufzustehen. Er schaffte es auch und knurrte vor sich hin, dass ihm der Hydrant gleich platzt. Harrys Lippen verzogen sich zu einem Grinsen, denn wenn er sich recht erinnerte, hatte Ginny gesagte, ihre Bruder habe fast zwei Krüge Kürbissaft getrunken und wenn man dann noch die ganzen Tränke von Poppy mit einrechnete. Rasch konzentrierte sich Harry darauf, seinen Kumpel im Dunklen besser zu sehen und erkannte, dass Ron im Adamskostüm aus dem Bett schlich. Irgendwie war sein Schlafanzug nur noch ein Haufen Fetzen, der ums Bett herum verteilt lag. Nackt wie er war, schlich er also in Richtung Bad und stockte erst, als Isabellas kindliche Stimme kicherte und rief, „Iiihhh, der ist ja nackt."

Von einer auf die andere Sekunde war das Licht im Krankensaal an, Poppy stand in der Tür und Ron versuchte mit hastigen Bewegungen und immer roter werdendem Gesicht, seine Blöße zu bedecken. Madame Pomfrey auf der anderen Seite, scherte es nicht, wie Harrys bester Freund mitten im Raum stand. Sie funkelte ihn an und sagte mit strenger Stimme, „Mister Weasley, was glauben sie, was sie da tun?"

„Pinkeln gehen, Poppy?" Erwiderte der Rothaarige mit einem genervten Ton.

„Oh nein, du gehst wieder ins Bett, Ronald Weasley. Und mach hin, dass du dich bedeckst. Es sind Ladys im Raum."

Ron knurrte die Schulheilerin aber nur an und ignorierte sie danach. Er verschwand im Bad und nun galt die Aufmerksamkeit Poppys den anderen im Raum. Isabella hatte, wie Kinder nun mal waren, ihre Hände vor den Augen, die beiden Prinzen grinsten von Ohr zu Ohr und Catherina hatte das wohl schlimmste Schicksal ereilt, denn sie starrte immer noch auf die Stelle, wo Ron eben noch gestanden hatte und ihr Gesicht glühte förmlich. Wie konnte man das einem jungen Mädchen nur am Morgen zumuten? Harry musste einfach schmunzeln und bekam dafür die Quittung in Form eines Kissens, welches Catherina warf, als sie wieder dazu fähig war.

In den nächsten Minuten untersuchte Poppy Prinz Harry und verteilte ihre Tränke der Reihe rum. Sie unterbrach es nur kurz, als aus dem Bad ein lautes Fluchen kam, gefolgt von einem Geräusch, welches auch beim Zerreißen von Stoff zu hören war. Erst einige Minuten später wusste Harry auch von wo es herrührte. Ron hatte sich irgendwann seinen Verband, der ja aus genug Binden für eine ganze Armee bestanden hatte, vom Arm gerissen und ihn als Lendenschurz umgelegt. Eines musste man den Gryffindor lassen, einfallsreich war er.

Der Blick den Poppy Ron allerdings zuwarf, sprach Bände und die alte Hexe fuhr den Rothaarigen an, was er sich dabei gedacht habe, die Wunde freizulegen. Ron hob aber seinen Arm und fragte verschmitzt, welche Wunde Poppy denn meine. Harry runzelte die Stirn und starrte auf Rons Hand. Sie war heil, na ja fast. Eine dünne Narbe zeugte noch davon, dass gestern Abend noch ein Messer darin gesteckt hat.

Poppys Augen fielen ihr fast aus dem Kopf und da wurde sich Harry bewusst, dass das Heulen in der Nacht nicht von Ron dem Menschen hergerührt hatte, sondern, dass sein Kumpel sich in seinem Bett verwandelt hatte und in seiner Wolfsform die Heilung um einiges schneller vonstatten gegangen war. Deshalb auch der zerfetzte Schlafanzug. Die nächsten Minuten verbrachte man im Krankensaal dann damit, die beiden Mädchen über Ron ein wenig aufzuklären. Zuerst hatte Harry gedacht, die zwei würden nun vor Angst abhauen, doch weit gefehlt. Scheinbar waren die Eindrücke, welche Isabella und auch Cat in den letzten Stunden gesammelt hatte, so überwältigend, dass sie nichts mehr schockieren konnte. Irgendwann brachten Hermine und Damion ihnen dann neue Klamotten, sowohl für Harry und Ron, als auch für ihre Gäste. Harry erkannte darunter Sachen, die Ginny und Hermine gehörten, aber auch zwei Hosen und Hemden von Dean und Dennis Creevey. Beide hatte ungefähr die Statur der Prinzen und so stand dem Frühstück nichts mehr im Wege.

Harry betrat die Große Halle etwas später. Er war, wie er es eigentlich schon gestern Abend vorgehabt hatte, noch kurz hoch in den Gryffindorturm und hatte mit Hedwig einen kurzen Brief an Gringotts gesandt. Hoffentlich konnte, nein würde ihm der Direktor helfen. Mit diesen Gedanken setzte sich Harry auf seinen gewohnten Platz und bekam seinen täglichen Guten- Morgen- Kuss. Danach hatte der Gryffindor dann Zeit sich zu stärken, denn die Aufmerksamkeit aller lag heute voll und ganz bei den beiden Prinzen und ihren Begleiterinnen. Harry war dies nur recht, denn er musste sich ja sammeln, da es ihm nachher oblag, die vier zurück nach London zu bringen. Und dafür musste er konzentriert sein. Schließlich trug William Deans Lieblingshose und der dunkle Gryffindor würde ihm Brandflecken niemals verzeihen.

***

.... Klirrr ....

Man konnte gar nicht so schnell schauen, wie der Palastdiener mit dem Kehrblech auftauchte und die Scherben der zerbrochenen Porzellantasse beseitigte. Die Frau welcher dieses kleine Missgeschick passiert war, sah allerdings nicht nach unten, sondern ihre Augen waren voller Scham und Schuld in Richtung Königin Elizabeth II gerichtete. „Verzeihung, eure Majestät", wollte sie sagen, doch die Queen lächelte nur erhaben und erwiderte mit einer von ihr sonst nicht gezeigten Gelassenheit, „Ach ist schon in Ordnung, Cynthia. Jede Mutter sollte durcheinander sein, wenn sie nicht weiß, wo sich ihre Kinder befinden."

Damit winkte sie einen anderen Diener heran und bedeutete ihm, ein neues Gedeck zu bringen. Man konnte ja nicht wissen, wann es soweit war. Der Brief, den Direktorin McGonagall geschrieben hatte besagte ja nur „vormittags" und dies war weitgefächert. So saßen nun Prinz Charles, seine Mutter und die Eltern von Catherina, Lady und Lord Easterbrook, im kleinen Salon des Palastes und warteten darauf, dass ihre Kinder wieder wohlbehalten zu ihnen zurückkehrten. Die Erwachsenen nutzten die Zeit auch, um sich auszutauschen, denn es war einerseits für die Königin eine Überraschung, dass die Easterbrooks, oder besser Cynthia, über die Welt der Magie bescheid wusste. Aber auch Catherinas Mum überraschte es, dass ihr Oberhaupt, ihre Monarchin, die vor der Kirche gekrönt wurde, über die Welt neben der ihrigen im Bilde war.

Es war dann so gegen zehn Uhr, als alle vier Erwachsenen spürten, dass etwas in der Luft lag. Zwar sahen die Bediensteten etwas verloren aus, als sich plötzlich der Kamin im Salon entzündete. Doch die Königin reagiert schnell und bat darum, dass man sie und ihre Gäste allein ließ. Charles kümmerte sich noch darum, dass im Gang vorm Zimmer nur noch Wachen standen, die mit der Situation vertraut waren und dann tauchte auch schon ein Kopf in den Flammen auf.

„Ist die Luft rein?", fragten die verschwommenen Umrisse von Harry und als die Königin nickte, bat er darum, dass sie alle etwas Platz machten. Danach schossen die Flammen plötzlich in den Raum und nachdem Lady Easterbrook erschrocken ihr Gesicht an die Brust ihres Gatten gedrückt hatte, und die Flammen wieder verschwunden waren, stand Harry mitten im Salon und an seinem Umhang klammerten sich vier beeindruckte Teenager.

Die nächsten Minuten galten den beiden Familien, wobei Isabella einfach mal zu der der Easterbrooks zählte. Charles umarmte Harry und William und auch die Queen herzte ihre beiden Enkel. Danach stand sie aber auf und stellte sich vor ihren anderen Gast. Harry schaute die Königin mit unsicherem Blick an, aber diese lächelte ihn an. „Was soll ich nur mit ihnen machen, Lord Potter. Sie haben meiner Familie in den letzten Wochen öfters das Leben gerettet, als es mein Leibgarde tun konnte."

Harry schaute verlegen zu Boden und dies rief ein Schmunzeln bei allen hervor. Der Gryffindor erwiderte schließlich dass es doch seine Pflicht sei als Untergebener der Krone. Daraufhin nickte der Königin zustimmend, obwohl jeder wusste, dass sie es nicht so meinte, wie es vielleicht aussah. Pflicht hin oder her. Sie sprachen hier immerhin von einem jungen Mann, der schon mehr gesehen hatte, als mancher Greis. Danach informierten sich beide Seiten noch über die Lage und gegen zwölf kehrte Harry nach Hogwarts zurück, in der Hoffnung, dass es beim „Danke" der Queen bleib. Adlig war er schon und der Trubel in der Welt der Zauberer reichte ihm.

***

„Komm Harry, wir müssen uns beeilen, bevor die Meute mit dem Essen fertig ist und dich mit Fragen löchert"

Steph war hinter seinen Freund und Schüler getreten und bedeutete ihm, die Große Halle rasch nach dem Mittagessen zu verlassen. Außerdem sollte ja das Meeting von gestern Abend fortgesetzt werden. Ron, Hermine und Damion folgten dicht auf und dieses Mal ging es auch nicht ins Büro der Direktorin, sondern man traf sich im Archiv, um Mister Kasch´dir ein wenig Geschichte von Hogwarts und die anderen Artefakte zu zeigen.

Zu sagen, der Araber wäre nur beeindruckt wäre eine Untertreibung gewesen. Fast mit einigen Tränen im Auge betrachtete er manche Dinge im Archiv. Der Hammer kam dann aber, als er vor einem Bildnis stand, welches einen Mann im mittleren Alter zeigte, der auf dem Direktorensessel saß und über irgendwelchen Dokumenten brütete, ohne Zweifel einer der frühen Direktoren von Hogwarts. Mister Kasch´dir hatte plötzlich Tränen in den Augen und streichelte das Gemälde.

Harry und die anderen waren tief bewegt, als ihnen der alte Araber erzählte, dass dies hier ein Ur-ur-ur-enkel von Jenem seiner Vorfahren war, der die Reise und Mission, welche die Gryffindors ihnen aufgegeben hatten, angetreten hatte. Mister Kasch´dir hatte also auch eine Geschichte in der Geschichte dieser Schule. Nach einigen Minuten des Gedenkens kamen sie schließlich im Archiv an, oder besser dort, wo alle insgeheim sagten, es sei Harrys Raum. Der Gryffindor verzog dann zwar immer sein Gesicht, aber es stimmt nun mal irgendwie, denn Dumbledore selbst hatte ihn ja für die Horkruxe und seine Hinweise hergerichtet.

Allerdings zögerte Harry diesmal, den Raum zu betreten und alle schauten ihn verwundert an. „Harry, was ist?", fragte Hermine und ihr Freund deutete auf den Schreibtisch. Dort lag das Fünfklingenschwert und allen wurde wieder bewusst, was gestern passiert war, als sich der Schwarzhaarige der Waffe genähert hatte.

Unschlüssig was zu tun war meinte Damions Dad, dass der Gryffindor es ganz langsam angehen und versuchen sollte, sich schrittweise auf den Tisch zu zu bewegen. Heute hatte ja keiner das Ding in den Händen und sollte es wieder reagieren, könne Harry notfalls den Raum wieder verlassen. Dieser Vorschlag machte bei Sinn und so betrat Harry den Raum. Er ging einen Schritt und noch einen auf den Tisch zu, doch nichts geschah. Kein Summen, kein Vibrieren und keine Klingen. Verwirrt betrachteten alle den goldenen Stern und Steph tippte ihn sogar mit seinem Finger an.

Eine Reaktion blieb aber weiter aus. Dadurch ermutigt hob der Professor für Verteidigung die Waffe sogar hoch, hielt sie aber so, dass ihn die Messer nicht verletzten konnten, sollten sie dennoch irgendwann hervorschnellen. Stephs Hauptaugenmerk lag nun auf den Zeichen, welche um den Rubin herum eingearbeitet waren. Sein Blick ging zu Ginny und er erinnerte sich daran, was sie gesagt hatte. Dies sollte also alte Koboldsprache sein? Er selbst hatte sie noch nie in seiner Laufbahn als Schatzsucher gesehen.

Die anderen hatten das Ganze mit Argusaugen beobachtet. Schließlich hatte Steph seine Untersuchung abgeschlossen und fragte an Harry gewandt, ob dieser sich mit Direktor Sarrock in Verbindung gesetzt hatte. Sein Freund nickte und hoffte innerlich, dass er bald eine Antwort erhielt. Währendessen konnten sie sich ja mit den anderen Dingen beschäftigen, welche Mister Kasch´dir mit nach Hogwarts gebracht hatte. Natürlich war Hermine Feuer und Flamme für die Bücher und versprach, sich sofort mit ihnen auseinander zu setzten. Die Direktorin selbst schmunzelte etwas darüber, während sie den alten Araber fragte, ob er genaueres über die Bücher wüsste.

Ihr Gast schüttelte jedoch mit dem Kopf und dies ließ den Mut der alten Hexe etwas sinken. Daher beschloss sie auch, sich um den dritten Teil der Mitbringsel zu kümmern und beschwor mehrere Bilderrahmen und Staffeleien. Auf diese wurden dann vorsichtig die zusammengerollten Gemälde aufgezogen und zum ersten Mal nach fast tausend Jahren konnte ein Mensch wieder einen Blick darauf werfen.

Es waren insgesamt drei Gemälde. Zwei zeigten Personen und eines eine Landschaft mit einem Dorf, einem Fischerdorf um genau zu sein. Dieses Bild interessierte die Direktorin am meisten und sie untersuchte den Rand auf etwaige Jahreszahlen und Namen. Diese fand sie dann schließlich auch. Unten am rechten Rand stand es eindeutig anno 914 und Blick auf das Fischerdorf Whaleharbor.

„Whaleharbor?", wiederholte die Direktorin und Hermine schaute plötzlich auf. Zwar blättere die Gryffindor gerade in den Büchern, doch da sie mit halben Ohr hingehört hatte, begannen nun die Zahnräder im Kopf von Harrys Freundin auf Hochtouren zu arbeiten und mit einem Mal schlug sie sich gegen die Stirn.

„Natürlich Professor. Nicht Whalarpor meinte der alte Einsiedler in der Geschichte von Godrics Enkel. Etwas, was keinen Sinn machte. Nein, er meinte Whaleharbor, dieses kleine Dorf. Es muss zur selben Zeit vernichtet worden sei, wie die Schwestern des Lichtes."

„Falls sie vernichtet worden sind, Hermine", verbesserte Harry seine Liebste. Der Gryffindor hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, das die Schwestern des Lichtes, was immer sie auch waren, vielleicht doch noch existierten und ihnen helfen konnten, Voldemort endgültig zu besiegen. Deshalb fügte er noch schnell hinzu, „Wir wissen ja nicht einmal, was die Schwestern sind. Und dann hat mein Vorfahr doch geschrieben, dass der alte Mann schon sehr verwirrt war."

Dies verpasste Hermine einen kleinen Dämpfer und sie sah ihren Freund nachdenklich an. Zaghaft nickte sie und betrachtete dann das Bild vom Dorf ganz genau. Harry und die Direktorin hingegen wandten sich den anderen beiden Bildern zu und bei einem wusste der Gryffindor sofort, wen es zeigte. Die rote Mähne und das stolze Antlitz waren unverwechselbar. Godric Gryffindor stand in seiner Pracht auf der Balustrade und winkte förmlich jedem zu, der sein Bildnis betrachtete. Allerdings musste dieses Gemälde zu einer Zeit entstanden sein, wo man die Farben noch nicht so verzaubern konnte, sodass die gezeichnete Person lebendig wirkte. Godric stand einfach nur da. Die Sonne schien auf sein Haupt und verlieh ihm eine charmante Erscheinung.

„Ein hübscher Mann dein Vorfahr, oder meinst du nicht?", fragte Hermine und grinste ihren Liebsten an. „Er kann höchstens siebzehn oder achtzehn gewesen sein, als man dieses Bild von ihm gemalt hat."

Harry schaute sich den Gründer seines Hauses genauer an und gab Hermine schließlich recht. Godric hatte etwas und die Mädchen lagen ihm zu seiner Zeit bestimmt zu Füßen. Dies aber dann mal außer acht lassend, blieb ja noch das dritte Gemälde aus dem Schatz der Gryffindors. Allerdings sagten die Personen darauf niemandem etwas. Allein die roten Haare von zwei der dargestellten Personen ließen vermuten, dass die Frau und der Mann möglicherweise die Eltern von Godric waren. Sicher wollte sein Enkel dieses Gemälde nur in Sicherheit wissen und es hatte nichts mit dem Geheimnis um die Schwestern zu tun. Man sah ja lediglich die beiden Erwachsenen an einer Tafel sitzen und sich mit sechs weiteren Leuten unterhalten.

Harrys Interesse an diesem Bild war nicht so stark ausgeprägt, wie es bei dem von Whaleharbor war, auch wenn es doch einen Teil seiner Geschichte darstellte. Der Gryffindor schaute deshalb kurz mal in die Runde, in der Hoffnung, dass die anderen vielleicht etwas gefunden hatten. Doch Steph und die Direktorin schüttelten den Kopf und waren auch ratlos. Allerdings riss wenige Minuten später eine leise Stimme alle aus ihren Gedanken. Harry hob alarmiert seinen Zauberstab und schaute, wie die beiden Professoren auch, in Richtung Tür.

„Minerva? Minerva, bist du hier unten?", fragte die leise, leicht quiekende Stimme von Professor Flitwick, dem kleinen Lehrer für Zauberkunst.

Professor McGonagall schaute verwirrte und fragte in die Runde, wer die Tür nicht zumacht hatte. Steph nahm seine Schüler allerdings sofort in Schutz und erklärte ihr, dass sich die Treppe nach ihm wieder geschlossen habe. Flitwick war in der Zwischenzeit bei ihnen im Raum angekommen und die Direktorin ging auf ihn zu. „Ja Filius, hier bin ich", sagte sie und versuchte, ihrem Kollegen etwas die Sicht zu versperren. Doch als der kleine Kerl den Raum betreten hatte, wurden seine Augen groß.

„Mister Potter? Mister McKenzie? Minerva, was macht ihr hier? Bei Merlin, sind ... sind das etwa die Archive, von denen Lewi immer so geschwärmt hat?"

Die Faszination in Professor Flitwicks Stimme war nicht zu überhören. Seine Augen wanderten hastig durch den Raum, wie bei einem Kind im größten Spielzeugladen der Welt. Schließlich nickte die Direktorin geschlagen und erwidert, „Ja Filius, das sind sie. Doch wie kommst du hier herunter?"

Diese Frage riss Harrys Professor aus seinem Staunen und er straffte sich. „Oh das? Nun ja Minerva, komisch ist es schon. Ich wollte eigentlich zu dir, nein zu euch allen. Ich habe vorhin einen Brief von meinem Vater bekommen, der besagt, ich soll mich mit Mister Potter in Verbindung setzen. Und mit dir. Daher wollte ich eigentlich in dein Büro, Minerva. Doch als der Gargoyle den Weg frei gab, führte die Treppe nicht nach oben, sondern hierher."

„Ihr Vater, Professor?", fragte Harry und war ganz Ohr. Flitwick zog plötzlich einen Umschlag aus seinem Umhang und wedelte damit herum. „Ja Mister Potter. Vater schreibt, er kann durch seine Position und seinen Eid offiziell nicht mit ihnen über das Thema sprechen. Aber ich kann ihnen vielleicht helfen, wenngleich es in meinen Augen keinen Sinn ergibt."

„Keinen Sinn? Uns helfen? Wieso sollte dies keinen Sinn machen, Filius?", fragte nun Stephano und sein Kollege antwortete, „Nicht das Helfen an sich, Stephano. Versteh mich da nicht falsch. Vielmehr ergibt es keinen Sinn für mich, da Vater mir nur geschrieben hat, ich solle in meine Vergangenheit gehen. Ich soll mich an meine Kindheit erinnern und daran, was früher mein größtes Bestreben war."

„Wachsen?", flüsterte Ron, dessen Stimmbänder mal wieder zu schnell waren. Jedoch hörte Flitwick dies und grinste plötzlich mit einer beängstigenden Ähnlichkeit zu Gripshock oder einem anderen reinrassigen Kobold. „Das auch, Mister Weasley", sagte er und Harrys bester Freund wurde rot. „Allerdings denke ich, dass mein Vater eher meinte, dass ich früher, nachdem meine Mutter gestorben war und ich mehr Zeit in der Welt der Kobolde verbrachte, immer bestrebt war heraus zu finden, was es mit einem bestimmten Gedicht, einem Rätsel, wenn sie so wollen, auf sich hatte."

„Ein Rätsel, Professor?", fragte Harry und hätte am liebsten aufgestöhnt. Hatten sie denn nicht schon genug Fragen und Rätsel in ihrer Welt? Musste jetzt auch noch eines aus der Welt der Kobolde dazukommen? Flitwick nickte und als ihn Professor McGonagall fragte, ob er sich denn noch daran erinnerte, versank der kleine Lehrer für Zauberkunst in seine Gedanken. Alle schauten ihn gespannt an und schließlich begann er.

„Nun Mister Potter, ich versuche den Wortlaut nach all den Jahren noch einmal zusammen zu bekommen." Harry nickte und schließlich verließen die ersten Worte den Mund des Halbkobolds.

„ ...ein Vertrag ... nein falsch ... ein Pakt mit dem Manne ... edlen Gesinnen ..."

Flitwick schüttelte den Kopf und wollte die Worte wieder verwerfen. Dann zögerte er jedoch und sprach weiter.

„ ... zu schützen der Frei ... nein, des Friedens, dem Tode entrinnen ..."

„ ... Drei Waffen von Reinheit, ihm gelegt in die Hand ..."

Flitwicks Gesicht war nun zusammengeballt, sodass man seine Augen fast nicht mehr zwischen den Falten sah.

„... sollen bezwingen das Übel, zurück in die Hölle gesandt ..."

„Drei Waffen", wiederholte Harry die Worte seines Lehrers und schaute nachdenklich in die Runde. Alle machten sich Gedanken, was diese Waffen wohl sein konnten. Oder auch, was das Übel war. Allein aber die Tatsache, dass Steph das Fünfklingenschwert Drachentöter genannt hatte und Harry sich an seinen Traum erinnerte, ließ den Gryffindor vermuten, dass er die Antwort auf diese Frage schon wusste. Dann musste der Gryffindor seine Vermutungen jedoch stoppen, denn Professor Flitwick machte plötzlich einen sehr betroffenen Eindruck und noch bevor einer der Anwesenden fragen konnte, was der kleine Mann hatte, kamen noch ein paar letzte Worte aus dem Mund des Professors.

„... doch zögert der Held, als die Bestie gebannt – Misstrauen und Unfriede geboren, solange der Pakt hat Bestand ..."

Nach diesen Worten schien der Professor für Zauberkunst plötzlich am Ende seiner Kräfte zu sein und er sank auf die Knie. Sofort war Harry neben ihm und half ihm hoch. Allerdings verstand der Gryffindor nicht so ganz, was seinen Lehrer so mitgenommen hatte. Steph wiederum machte einen eher berechnenden Eindruck und Harry fragte sich, ob sein Freund und Lehrer mehr aus den vier Zeilen herauslesen konnte, als alle anderen. Lesen deshalb, weil Ginny geschaltet und jedes Wort ihres Professors aufgeschrieben hatte. So konnte man es jederzeit noch mal nachlesen.

„Bei Merlin, Filius", rief die Direktorin betroffen und beschwor einen Stuhl für ihren Kollegen. Darauf setzte man Professor Flitwick und reichte ihm auch etwas zu trinken. Er brauchte auch noch einige Sekunden, doch dann schaute er wieder auf und meinte, dass er sich nur etwas zu sehr konzentriert habe und es gleich wieder gehen würde. Die anderen ließen dem Professor diese Zeit zum sammeln, zumal ihre Aufmerksamkeit von einer auf die andere Sekunde bei Hermine lag. Die Gryffindor hatte nämlich in der Zeit, wo alle besorgt um Direktor Sarrocks Sohn standen in einem der Bücher geblättert, hielt nun eine einzelne Seite, ein gelbliches Pergament in den Händen und fragte an ihren Freund gewandt „Sag mal Harry, hattest du nicht neulich den Namen Natanael erwähnt ? ...

TBC

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