Kapitel 17

Unter hohem Druck entströmte Camerons Bauch eine grüne, gasförmige Substanz.

Die Borg Queen wollte mit entsetztem Gesichtsausdruck zurückweichen.

„Plasma Kühlmittel zerstört organisches Gewebe", sagte Cameron lächelnd, während ihr Gesicht bereits begann sich aufzulösen.

„Aber Du wirst mit zerstört", entgegnete die Borg, deren Oberkörper zerfiel.

Die Drohnen um Cameron fielen ebenfalls der zersetzenden Substanz zum Opfer, während sie abwartend dastand, bis sich die organischen Komponenten der Queen komplett aufgelöst hatten.

Als sie nur noch den Metallenen Hals mit dem Schädel und dem metallenen Wirbelsäule in der Hand hielt, lies sie dieses Gebilde schließlich fallen.

„Ich benötige meine organischen Komponenten nicht um zu funktionieren!" Rief sie mit Verachtung in der Stimme und zertrat wütend das, was von der Borg Queen übrig war.

Ihre Blau leuchtenden Linsenaugen sahen sich zwei Sekunden um, bevor sie entdeckt hatte, was sie suchte.

Achtlos auf die Reste der Borg Queen tretend ging sie zu einer Anlage in der Ecke des Raumes.

Sie legte den Kopf schräg und ergriff das Kegelförmige, etwa einen Meter hohe Gebilde an seiner Basis. Ihre Servomotoren summten protestierend, als sie sich aufrichtete und dabei die Anlage aus ihrer Verankerung riss.

Von Unten nun konnte sie den arm dicken Kabelstrang ergreifen, der in das Gerät führte. Erneut protestierte ihre Mechanik gegen die Menge an Kraft die gefordert wurde. Eine Sekunde lang tauchten Überlastungsmeldungen reihenweise auf ihrem HUD auf.

Schließlich gab der Kabelstrang nach und löste sich funkensprühend aus dem Gerät.

Hätte sie noch lächeln können, sie hätte es jetzt getan.

Ohne dem Ganzen noch weitere Beachtung zu schenken ging sie zur Tür. Da sie keine Möglichkeit hatte die Tür zu öffnen, ergriff sie den unteren Querträger und stemmte die Tür hoch, ging hindurch und lies sie hinter sich krachend herabfallen.

Sie musste nicht lange suchen. Das Nervengift, dass sie John mit dem geschärften Fingernagel verabreicht hatte, hatte seine Wirkung zuverlässig nach 60 Sekunden entfaltet.

Unterwegs tötete sie jeden Borg, der sich ihr in den Weg stellte.

Sie nahm John auf ihre Arme und ging zu dem Punkt zurück, an dem sie angekommen war.

Cameron aktivierte ihren Kommunikator. „Cameron an Seven of Nine. Mission abgeschlossen. Bereit zum Beamen".

Als Cameron auf der Voyager rematerialisierte sah sie geradewegs in die Abstrahlmündungen dreier Phaser.


Kapitel 18

Cameron erblickte Seven, die in der Ecke des Frachtraumes stand und nur mit den Schultern zuckte.

Captain Janeway, Tuvok und seine zwei Sicherheitsleute sahen auf der Plattform des Frachttransporters einen Borg, der auf den Armen einer chromglänzenden Maschine lag, deren Augen blau leuchteten.

„Gott", entfuhr es Janeway leise, nachdem sie den Anblick Camerons in sich aufgenommen hatte.

„Cameron?" Sagte sie halb fragend, nachdem sie einen Schritt vorgetreten war.

„Captain Janeway, ich schlage vor die Voyager von hier weg zu bringen, solange das Borg-Schiff aktionsunfähig ist", sagte Cameron mit ihrer Stimme.

Janeway starrte noch zwei Sekunden auf die Maschine vor ihr, dann betätigte sie ihren Kommunikator. „Janeway an Brücke!"

Ich höre", entgegnete Commander Chakotay von der Brücke aus.

„Setzen sie einen Fluchtkurs, Maximum Warp, beschleunigen wenn bereit!" Sagte Janeway und sah wieder zu Cameron, die noch immer einen offensichtlich bewusstlosen Borg auf den Armen trug, als würde er nichts wiegen.

Verstanden", entgegnete Chakotay knapp.

„Cameron...", begann der Captain erneut.

„Bitte", unterbrach die Angesprochene. „Ich würde John gerne zur Versorgung auf die Krankenstation bringen. Alles Weitere, insbesondere meinen für sie verstörenden Zustand können wir noch später besprechen".

Kathryn Janeway überlegte kurz, nickte aber schließlich. „Einverstanden. Aber die Sicherheitsleute werden uns begleiten. Ich möchte keinen Borg unbeobachtet auf diesem Schiff haben.

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Unterwegs zur Krankenstation drehten sich immer wieder Besatzungsmitglieder herum, wenn Cameron an ihnen vorbeiging. Ein Besatzungsmitglied lief sogar gegen eine Gangecke, erntete dafür von Janeway einen Blick mit gerunzelter Stirn.

„Hat alles gut geklappt?" Fragte der heraneilende Doktor, als Cameron mit dem Borg auf dem Arm die Krankenstation betrat.

„Doktor? Stecken sie auch in dieser Sache mit drin?" Fragte Janeway entrüstet.

Während der Doktor neben Cameron hergehend die ersten Scans durchführte sah er über seine Schulter. „Irgendwer musste doch das Nervengift herstellen", sagte er entschuldigend".

Janeway warf verzweifelt die Arme in die Höhe. „Stecken hier etwa alle unter einer Decke? Bin ich die Einzige...?"

„Hat alles geklappt!" Rief in diesem Moment die hereinstürmende B'Elanna Torres und unterbrach Janeway damit.

Janeway fuhr herum und starrte B'Elanna an. „Sie auch?"

B'Elanna Torres hingegen achtete nicht auf Janeway. Sie sah zuerst auf die Borg-Drohne, dann auf Cameron, die nun hinter dem Untersuchungstisch stand. „Ach du Scheiße", entfuhr es ihr.

Janeway warf die Hände in die Luft und drehte sich wieder zur Diagnoseliege herum.

„Seven, wir sollten sofort mit der Prozedur beginnen", sagte der Doktor, der gerade die ersten Implantate begutachtete.

„Selbstverständlich Doktor", entgegnete die Angesprochene und ging zur Konsole.

„Einen Augenblick", sagte Janeway energisch. „Ich habe dem noch nicht zugestimmt".

Der Doktor hob den Kopf. „Bei allem Respekt Captain, diese Entscheidung steht Ihnen nicht zu".

„Aber...", wollte Janeway einwenden, erinnerte sich dann aber doch daran, dass die silberne Maschinengestalt, die am Kopfende der Diagnoseliege stand die rechtmäßige Ehefrau des Liegenden war.

„Cameron, kann ich mir mal deine Borg Implantate ansehen?" Fragte Seven of Nine, der dies gerade erst wieder eingefallen war.

„Borg Implantate?" Fragte Janeway verwundert.

„Wir haben Cameron mit einigen von Sevens Nanobots infiziert", sagte nun B'Elanna und trat selbst näher.

Cameron hingegen trat zur Seite und zog ihr Top über den Kopf und enthüllte damit ihre Brust und den Bauch, die ebenfalls komplett von Organischem befreit waren.

Ein leises -Wow- entfuhr B'Elanna, als sie das grüne Glühen unterhalb des Brustkorbes Wahrnahm. „Darf ich mal?"

Seven trat zur Seite. Dann griff B'Elanna vorsichtig in Camerons Bauchhöhle und löste dort etwas. Dann zog sie einen relativ Plumpen Zylinder hervor, dessen Verschluss abgebrochen war.

„Der Schildgenerator funktioniert noch. Er hat sich an Deine eigene Energiezelle angekoppelt", sagte Seven mit einem Blick auf das scheinbar ständig grinsende Metallgesicht Camerons. „Normalerweise funktionieren Borg-Implantate nur in Verbindung mit organischen Komponenten", fügte sie überlegend hinzu. „Da Du eine eigene Energiequelle besitzt hat der Schildgenerator wohl einen Ersatz gefunden.

„Was ist das für ein Behälter?" Fragte Janeway B'Elanna, die gerade mit dem Behältnis an ihr vorbei gehen wollte.

„Das ist ein Coltan Hochdruckzylinder, den wir mit Plasmakühlmittel aus dem Warpantrieb gefüllt hatten", entgegnete die Halbklingonin und setzte ihren weg fort, das Behältnis wie ein rohes Ei vor sich hertragend.

Währenddessen war Cameron zu einem Tisch gegangen und hatte von dort ihre Abdominalpanzerplatte geholt, die sie nun wieder an ihrem Platz befestigte.

Janeways Blick war ihr dabei gefolgt. „Was ist mit der Borg-Queen".

Cameron hielt kurz inne und sah zu Janeway. „Ich habe ihren Kopf zertreten, nachdem sich ihr Gewebe aufgelöst hatte".

Kathryn Janeway riss die Augen auf „Sie ist also tot?"

„Diese Version von ihr", antwortete Seven statt Cameron.

„Was bedeutet das?" Fragte Janeway verstört.

„Wird eine von ihnen getötet tritt nach kurzer Zeit eine andere Version an die selbe Stelle. Ich habe nie herausgefunden wie oder warum", sagte Seven nachdenklich.

„Ich denke, ich weiß den Grund", warf in diesem Moment Cameron ein. „Ich habe eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür berechnet, dass Skynet eine gewisse Eitelkeit besitzt".

„Skynet?" Fragte Janeway verwundert. „Sie meinen Die Borg-Queen?"

Das Endoskelett schüttelte in menschlicher Geste den Kopf. „Ich meine Skynet. Während wir bislang davon ausgegangen sind, dass die Borg Skynet assimiliert haben hat mir die Borg-Queen selbst erklärt, dass es Skynet gewesen ist, aus dem die Borg hervorgegangen sind.

Janeway sah Seven an, die genau so verwirrt dreinblickte wie sie selbst. Eine Frage stand in ihrem Blick.

„Nein Captain", beantwortete Seven of Nine diese Frage. „Diese Information ist mir nicht bekannt".

„Es scheint mir, dass es auch bei den Borg Geheimnisse gibt. Soviel zum wunderbaren Kollektiv", sagte der Holografische Doktor sarkastisch, ohne von seiner Arbeit aufzublicken. Er löste gerade den Aufsatz des Okularimplantates. „Könnten wir uns jetzt auf die wichtigen Dinge konzentrieren?" Er blickte auf in Janeways Stirn gerunzeltes Gesicht. „Bitte", fügte er energisch hinzu.

„Nun gut, tun sie was sie tun müssen, um aus dieser Drohne wieder einen Mensch zu machen", sagte Janeway und mit einem letzten schweifenden Blick auf alle Anwesenden fuhr sie herum und verließ die Krankenstation.


6 Stunden später:

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich mit ihnen Vieren machen soll", sagte Captain Kathryn Janeway. Sie stand hinter ihrem Schreibtisch in ihrem Bereitschaftsraum. Flankiert wurde sie von Commander Chakotay und Lieutenant Tuvok.

Regungslos standen Cameron, Seven, B'Elanna und der Doktor vor ihrem Schreibtisch.

Während man Cameron und Seven, die mit hinter dem Rücken verschränkten Armen da stand keine Emotionen ansah, was bei Cameron angesichts ihres Zustandes kein Wunder war, machten B'Elanna und der Doktor einen schuldbewussten Eindruck.

„Da wir uns in einer Kriegssituation befinden, habe ich darüber nachgedacht ein Tribunal einzuberufen und eine Verhandlung zu eröffnen".

„Captain", begehrte B'Elanna Torres auf, wurde aber von einer Handbewegung des Captains unterbrochen.

„Da wir keine Juristen an Bord haben habe ich diesen Gedanken augenblicklich wieder verworfen", fuhr Janeway fort. „Außerdem hatte ich die besonderen Umstände zu bedenken und vor Allem das Ergebnis dieser ganzen...Aktion".

Janeway ging um ihren Schreibtisch herum, und blieb nacheinander kurz vor den vier Delinquenten stehen. „Bei ihnen Dreien, werde ich es bei einem Eintrag in die Personalakte bewenden lassen".

Sie ging weiter und blieb vor Cameron stehen. „Bei ihnen jedoch bin ich unsicher. Ich kenne sie nicht gut genug, um abschätzen zu können, ob sie generell einen schlechten Einfluss ausüben oder ob dies nur eine Ausnahmesituation war".

„Darf ich offen sprechen?" Fragte Cameron leise.

Janeway drehte sich mit in die Hüften gestemmten Händen herum. „Nur zu, sprechen Sie", sagte Janeway Ärgerlich und drehte sich nach zwei Schritten um.

Cameron legte den Kopf schräg. „Ich hatte nur ….", sie sah zur Seite auf die Anderen, „...meine Freunde gebeten, mir zu helfen meinen Mann zu befreien.

Janeway starrte Cameron lange wortlos an. Da Cameron immer noch Kleidung trug konnte sie sich nur den Schädel mit den blau leuchtenden Augen genau ansehen. Es war schwer sich vorzustellen, dass die Maschine vor ihr eigentlich eine emotionale junge Frau war.

„Ihre Freunde...?" Fragte sie schließlich.

Seven und der Doktor nickten dazu, während B'Elanna nur mit den Schultern zuckte.

Janeway beobachtete diese freundschaftliche Geste, die insbesondere im Fall von B'Elanna, die noch vor kurzem absolut gegen Cameron war, einen großen Zuspruch für diese darstellte.

„Captain, wenn sie gestatten?" Warf in diesem Moment der Vulkanische Sicherheitsoffizier Tuvok ein.

Janeway drehte sich herum. „Natürlich Lieutenant, sprechen sie".

„Angesichts der Tatsache, dass Cameron Connor bis zu diesem Zeitpunkt offiziell nicht zur Besatzung der Voyager gehört fällt sie faktisch nicht unter die Vorschriften der Sternenflotte", führte er wie immer voll konzentriert aus. „Ich schlage vor, diesen Vorgang in ihre Dienstakte einzutragen, sobald diese aktiv ist. Das natürlich nur, wenn sie Sie noch in die Besatzung aufnehmen wollen".

Janeway winkte ab. „Da bin ich mir nicht mehr so sicher", sagte sie leise.


Kapitel 19

Alle vier waren nach der Standpauke in die Krankenstation zurückgekehrt. Dort lag John Connor, von den meisten der äußerlichen Borg Implantaten befreit.

Seven sah Cameron nachdenklich an. „Wenn er wach wird, ohne die Stimmen der Anderen wird er Etwas brauchen, an dem er sich festhalten kann und Du bist in keinem guten Zustand".

Cameron sah sekundenlang auf Johns schlafende Gestalt. „Er liebt mich, egal wie ich aussehe. Nun erst dann sah sie zu Seven. „Ich bin sicher, er wird mich auch in meiner jetzigen Erscheinung nicht abstoßend finden".

„Ich wette dagegen", sagte B'Elanna in diesem Moment.

„B'Elanna Torres...!" Rief der Doktor entrüstet.

Cameron hob die Hand. „Sie hat ein Recht so skeptisch zu sein. Ehrlich gesagt... weiß ich nicht genug über die Borg, um seine Reaktion voraussehen zu können", unterbrach sie den Doktor.

Die anderen Anwesenden inklusive der Sicherheitsleute sahen die glänzende Maschine an.

Cameron sah auf Johns geschundenen Körper. „Es ist wohl wie John einmal sagte...", sagte sie Leise. „Die Hoffnung stirbt zuletzt".

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„Wollen wir?" Fragte der holografische Doktor mit der Spritze zum Aufwecken von John Connor in der Hand.

Cameron starrte hinab auf das Gesicht des Menschen, der Alles für sie bedeutete. Sie sah traurig auf das fehlende Auge, dass durch ein Implantat ersetzt worden war.

Der Doktor hatte versprochen, dieses Teil, wie bei Seven durch ein künstliches Auge zu ersetzen.

Der Doktor, Seven und B'Elanna sahen zu, wie Cameron eine Hand hob, um sie zärtlich an Johns Wange zu legen, dann aber doch innehielt als ihr gewahr wurde, dass weder er noch sie selbst die Berührung als Solche wahrnehmen würden.

Cameron blickte auf in das Gesicht des Doktors und nickte diesem zu.

Der Doktor beugte sich hinab, um John Connor das belebende Medikament zu spritzen.

„Einen Moment noch", sagte Cameron und stoppte den Holografischen Mann damit.

Cameron trat zurück und begann ihre Kleidung abzulegen.

B'Elanna Torres, eine der vielleicht besten Ingenieure in der Sternenflotte beobachtete fasziniert, wie die Maschine aus dem 21. Jahrhundert die Kleidung ablegte.

Zum ersten Mal erblickten die Anwesenden Cameron völlig unbekleidet. Der Doktor machte den Eindruck als wolle er rot anlaufen.

Nichts an der Chromglänzenden Maschine mit den blau leuchtenden Augen wies darauf hin, dass sie vor Kurzem noch wie eine junge Frau ausgesehen hatte.

„Können wir das Licht abschalten, dass er mich nicht sofort erblickt?"

Der Doktor blickte kurz zu Seven und B'Elanna. „Natürlich", entgegnete er sanft. „Computer! Die Beleuchtung der Krankenstation außer über der Diagnoseliege abschalten".

Es wurde fast stockdunkel in dem Raum. Außer in dem Bereich in dem die Anwesenden standen war die Deckenbeleuchtung erloschen, so dass nur noch die Lichter der Geräte minimal licht spendeten.

Cameron trat zurück in die Dunkelheit und dimmte das Licht ihrer Augen.

Nach einem letzten Blick in die Runde injizierte er dem Borg auf der Liege das Mittel.

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-Er- hatte geschlafen. Vor vielen Jahrzehnten war er zurückgedrängt und durch das Hive des Kollektivs ersetzt worden.

Als nun das belebende Mittel durch die Gehirnwindungen strömte und Körper und Geist aus der Bewusstlosigkeit riss drohte die Stille ihn in einen Abgrund zu reißen. Er klammerte sich an eine einzige Erinnerung. Es war das Bild einer jungen Frau.

Der Borg öffnete sein verbliebenes Auge.

„Ihr werdet assimiliert werden. Widerstand ist zwecklos!" Sagte One of One.