Kapitel 106

„Wen?", fragte Harry und sah seine Liebste mit verwirrtem Gesicht an. Hermine jedoch kramte in ihren Aufzeichnungen die sie zu ihren Treffen immer mitbrachte und holte einen Zettel hervor.

„Na Harry, ich meine damals, als du Pansy gerettet hast und auf dem Trip warst..." – Der Lockenkopf grinste plötzlich teuflisch. – „... da sagtest du beim Aufwachen, ich solle schnell etwas aufschreiben. Und unter den Begriffen, die du mir zugerufen hast, war auch der Name Natanael."

Harry schaute Hermine an und versuchte sich zu erinnern. Allerdings überkam ihm dabei wieder der Drang, Quidditch zu spielen und er fluchte, da offenbar der Zauber des Vergessens wieder zu wirken begann. Bevor es den Gryffindor aber gänzlich ereilte, schritt Steph ein, der die Anzeichen deutete und er bat Hermine, ihm das Pergament zu geben. Harrys Freundin tat es und nachdem Steph es auf dem Tisch ausgebreitete hatte, konnten alle die alte, verschnörkelte Schrift lesen.

Vierter Tage im Juno im Jahre des Herren, Bekanntmachung einer Geburt

Hiermit wird verkündet, dass am heutigen Tage Natanael, Sohn des Gorden, Lehnsherr über die nördlichen Ländereien und Tochter der Dorothea, das Licht der Welt erblicket hat. Gott möge ihm stets Gesundheit und Kraft geben, damit sein Leben lange währe.

Dann konnten man auf dem Pergament noch so etwas, wie einen Stammbaum, eine Ahnentafel sehen und Hermine keuchte überrascht auf. Natürlich schauten alle überrascht zu Harrys Freundin, welche nun leicht rot wurde.

„Miss Granger, was haben sie?", fragte die Direktorin und Hermine schaute sie mit großen Augen an.

„Nun Professor, so wie es aussieht, haben wir hier so etwas wie eine Geburtsurkunde. Und meine Überraschung kommt daher, weil, soweit ich es weiß, so etwas erst viel später eingeführt wurde. Zumindest in der Zaubererwelt. Aber auch bei den Muggeln gab es zu dieser Zeit diese Art von Bekanntgaben eher selten. Dieser Natanael muss schon ein Kind von Leuten höheren Rangs gewesen sein. Aber er wird niemals irgendwo in der Geschichte erwähnt."

„Weil er tot ist, gestorben in einer Schlacht", sagte Harrys leise Stimme so als wäre sie völlig abwesend und seine Liebste schaute ihn überrascht an. „Was hast du gesagt, Harry?"

Der Gryffindor schüttelte kurz den Kopf und blinzelte verwirrt, „Was Hermine? Ich war kurz mal weg."

„Gestorben Harry. Du hast eben gesagt, Natanael ist in einer Schlacht gestorben." Erklärte der Lockenkopf und Harry schüttelte den Kopf. „Nein habe ich nicht, Schatz. Wieso sollte ich das sagen." Daraufhin zuckte die Gryffindor zurück und betrachtete ihren Freund, als wolle dieser sie veräppeln. Einzig Steph behielt in dieser Situation einen kühlen Kopf und bat Ginny Harrys Worte festzuhalten. Seiner Meinung nach hing es mit dem Vergessenszauber zusammen und Hermine dürfte ihrem Freund keine Vorwürfe machen. Danach stellte er abschließend fest, was sie bisher erfahren hatten.

„Also..." sagte er und zählte mit den Fingern ab. „...Wir haben hier den Namen eines Zauberers, das Gedicht von Filius, welches drei Waffen erwähnt und immer noch das Geheimnis um die Schwestern des Lichtes. Das sind die Dinge mit denen wir uns auseinandersetzen müssen..."

„Allerdings nicht mehr heute, Stephano. Es wird Zeit nach oben zurückzukehren." Mit diesen Worten schaute Professor McGonagall auf ihre Uhr und Harry konnte erkennen, dass die Zeiger sechs Uhr anzeigten. Es war also schon Zeit fürs Abendessen. Außerdem merkte die Direktorin an, dass morgen wieder Unterricht war und die Prüfungen in einigen Wochen begannen. Zwar hatte Harry jede Menge Einwände. Doch dann kamen ihm Dumbledores Worte wieder in den Sinn und dass es das Ministerium und die Prüfungskommission herzlich wenig interessieren dürfte, womit sich Harry im letzten Jahr beschäftig hat. Nur gut, dass sein Unterricht bei Steph und Stormy ihn auf den bestmöglichsten Stand gebracht hatte. Und wo wir bei Stormy waren fiel Harry wieder ein, dass Steph ihm gesagt hatte, dass er eh heute nicht lange bleiben konnte, da er noch was nachzuholen hatte. Beim Gedanken daran wurde Harry allerdings wieder leicht rot.

***

Und die Direktorin hatte recht behalten. Zwei Tage nachdem die kleine Gruppe, welche um Voldemorts Geheimnis wusste sich getroffen hatte, waren in Hogwarts mehrere Ministeriumseulen aufgetaucht und hatten Briefe zugestellt, die den Schülern der Abschlussklassen einen großen Rahmen aufzeigten, welche Themen in diesem Jahr geprüft werden würden. Hermine machte sich natürlich sofort daran, sämtliche Bücher aus der Bibliothek zu organisieren und selbst Ron setzte sich mit Parvati und anderen Mädchen hin und lernte.

Harry schloss sich der Gruppe hin und wieder an. Allerdings hatte er auch immer noch die Gedanken an seine Rätsel im Kopf. Nur jetzt gerade nicht, denn er war auf dem Weg zum Gryffindorturm. Vor wenigen Minuten hatte er Mister Kasch´dir verabschiedet, da der alte Araber in seine Heimat zurückkehren musste. Er hatte, auch wenn es schon sehr lange währte, dort nämlich auch noch ein Leben, eines, welches von nun an um einiges leichter für ihn war, hatte ihm Harry doch für die Aufopferung seiner Familie, und damit meinte er Generationen von Kasch´dirs, für ihre Dienste gedankt und sie von jetzt an von ihren Pflichten entbunden.

Immer noch in Gedanken, schlurfte Harry den Hauptgang von Hogwarts entlang und während er über dies und das nachdacht, riss es dem Gryffindor plötzlich beide Beine weg. „Scheiße", entfuhr es Harry als er mit dem Arsch auf dem Boden landete, welcher nun bei näherer Betrachtung eine regelrechte Eisbahn war. Was war denn hier los? Der Winter war doch längst vorbei und selbst wenn, Hogwarts hatte Zauber, die das Klima im Schloss immer optimal hielten.

Mit etwas Mühe rappelte sich Harry auf und trocknete dann mit seinen Elementarkräften erst einmal seine Klamotten. Danach sah er sich um und sein Blick folgte dem Eis, welches in nördlicher Richtung immer breiter wurde. Offenbar war die Stelle, wo Harry sich überschlagen hatte, das Ende der Eisbahn. Vorsichtig rutsche er den Gang entlang und schließlich hörte er leise Stimmen, die von hinter der nächsten Biegung herrührten. Harry erkannte unter ihnen Neville, Luna und Celine und alle drei schienen mehr als nur aufgeregt. Dann war da die Tatsache, dass der Ort, wo sich die drei aufhielte, genau die Stelle war, wo man sonst die Tür zum Raum der Wünsche fand. Rasch beschleunigte Harry seine Schritte oder vielmehr sein Schlittern und landete dann schließlich bei seinen Freunden.

„Oh gut, dass du kommst Harry. Wir wissen langsam nicht mehr weiter." Sagte Neville und die Nervosität war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.

„Was ist denn los?", fragte der schwarzhaarige Gryffindor und Luna begann zu erklären. „Oh es sind Blaise und Eve. Sie sind da drin und kämpfen."

„Kämpfen? Wieso kämpfen sie, Luna?" Harry war mehr als nur verwirrt. Die blonde Ravenclaw wurde nun leicht rot und ihre Worte kamen nicht mehr ganz so flüssig aus ihrem Mund. „Na ja anfangs war´s ja gar nicht so. Wir haben doch nur geübt. Oder besser Celine, Blaise und Eve haben geübt, ihre Elementarkräfte zu kontrollieren. Vielleicht kann uns das bei den Riesen helfen ..."

„Riesen?" Harry schaute nun nicht mehr verwirrt, sondern skeptisch.

„Ja Harry, Daddy hat im Klitterer einen Artikel verfasst, in welchem Hexen und Zauberer und sogar Muggel berichtet haben, dass es zu komischen Vorkommnissen an der englischen Südküste gekommen ist, was für ihn eindeutig auf Riesen hindeutet. Und da Riesen sehr anfällig auf die Elementarmagie reagieren, sahen wir darin unsere Chance."

Harry schaute die Ravenclaw mit großen Augen an, ließ es aber erst einmal, weiter auf das Thema einzugehen. Vielmehr interessierte es ihn, warum die drei nun hier draußen standen und die beiden Elementare sich da drin bekämpften. Sein Blick ging daher zu Neville und sein Kumpel begann nervös. „Nun anfangs war es nur ein kleines Duell, Harry. Du weißt schon, Blaise nutzt den Wind und Eve duscht ihn. Alle beiden waren total entspannt. Dann aber, ich war mit Luna bei Celine und schauten ihr zu, wie sie einen steinernen Golem erschuf, bekam ich nur noch mit, dass Blaise Eve etwas fragte und sie, auch wenn mich Luna gleich haut, mädchenhaft zickig reagierte und verlangte, dass Blaise aufhörte."

„Ja Harry", sagte nun Celine. „Wir wissen nicht einmal, worum es bei ihrem Gespräch ging. Doch da mein Bruder nicht locker ließ, verschlimmerte er die Sache nur und sie begannen sich regelrecht in die Sache hinein zu steigern. Und als der Schneesturm im Raum der Wünsche zu schlimm wurde, sind wir geflüchtet. Collin ist schon auf dem Weg zu Professor Styls. Hoffentlich kann der uns helfen, denn wir kommen ja nicht einmal mehr in den Raum."

Was kommt noch? Diese Frage beschäftigte Harry die nächsten Sekunden bis er eine Entscheidung fällte. Der Raum der Wünsche war für normal nun mal so konzipiert, dass man nicht in ihn hineinkam, oder ihn fand, wenn schon jemand drin war und der betreffende es nicht wollte. Aber Harry war ja nicht normal und so konnte er dank seiner Phönixmagie natürlich in den Raum hinein. Er teleportierte einfach und so verschwand der Gryffindor mit gezücktem Zauberstab vor den Augen seiner Freunde.

Im Raum der Wünsche glich alles im Moment einer Winterlandschaft. Allerdings war von einem erbitterten Kampf, wie Luna und Neville es beschrieben hatten, nichts zu sehen. Gut, Eve und Blaise waren noch im Raum und bemerkten ihren Besuch noch nicht einmal. Doch das lag wohl daran, dass zwischen ihnen gerade ein anderer Kampf tobte, ein Kampf der Zungen. Blaise lag auf der Australierin und beide küssten und knutschten, als gäbe es kein Morgen. Harry begann zu grinsen und wurde zum ersten Male nicht rot. Vielmehr freute er sich für die Beiden, hieß es doch, dass sie ihre Bedenken und Vorurteile möglicherweise endlich über Bord geworfen hatten. Und da es so aussah, als bräuchten die Zwei noch etwas und das „Wetter" sich beruhigt hatte, verschwand Harry wieder aus dem Raum der Wünsche.

„Und, leben sie noch?", fragte Steph, der wohl wenige Sekunden vorher bei Harrys Freunden erschienen war.

„Jepp, maximal Atemnot ist ihr Problem", erwiderte Harry und legte dann seine Hand auf die Mauer rechts von ihm. Er konzentrierte sich und langsam verschwand das Eis auf dem Korridor wieder. Steph sah den Gryffindor verwundert an und auch Neville und Collin machte kein sehr kluges Gesicht. Einzig dass Celine und Luna seufzten und verträumt sagte, „Oh wie romantisch", ließ die drei männlichen Homo sapiens aufhorchen und wenig später pfiff Neville sogar und meinte „Respekt". Natürlich hatte er nun die Lacher aller auf seiner Seite. Harry hingegen hatte nicht vergessen wie es zu dem ganzen Tumult gekommen war und beschloss sich etwas später noch mal mit Luna zu unterhalten. Die Idee mit den Elementarkräften war ja nicht mal so schlecht. Und was die Riesen betraf, das sollte man vielleicht auch nicht außer acht lassen. Doch jetzt erst einmal hoch in den Gryffindorturm, wo Hermine schon auf ihn warten dürfte.

***

„Bei Merlin, ich könnte Stormy umbringen"

Mit dieser Aussage betrat Ron den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Harry war gewillt seinem Kumpel zuzustimmen, denn nachdem sie in den letzten drei Stunden das erste schriftliche Examen in Verwandlung geschrieben hatten, wusste wohl nicht mehr jeder, ob er Männlein oder Weiblein war. Die Prüfung war der Hammer gewesen und Ems als Aufsicht vermutlich strenger als McGonagall als die noch ihre Tage hatte. (fünf Euro in die Machokasse)

Alle Gryffindors ließen sich auf den Sitzmöglichkeiten ihres Gemeinschaftsraumes nieder und verglichen ihre Antworten und Thesen, was wohl die meisten Punktabzüge geben würde. Einzig Hermine schloss sich den Mutmaßungen nicht an. Harrys Freundin ging noch einen Schritt weiter und zog plötzlich einen Stapel Pergament hervor, etwas, dass Harry gehofft hatte, niemals wieder sehen zu müssen. Es war der Fragebogen von eben. Hermine hatte es geschafft einen zu duplizieren und machte sich nun daran, anhand ihrer Aufzeichnung sich Gewissheit zu verschaffen. Harry musste schmunzeln. So war Hermine nun mal. Sie konnte nicht loslassen, wenn es um eine bestimmte Sache ging. Andererseits würde, wenn die Anspannung von Hermines Schultern abgefallen war, seine Liebste auch wieder lockerer und dass musste sie auch werden, wollte der Gryffindor doch heute Abend die Gryffindor mal wieder verwöhnen. MANN musste die Chancen nutzen, bevor die beste Schülerin Hogwarts damit begann, sich auf das nächste Examen, welches in einer Woche anstand, vorzubereiten.

***

‚Hoffentlich verhaue ich Zaubertränke nicht.' Mit diesem Gedanken packte Harry seine Unterlagen in den Koffer zurück und beschloss ein wenig das Wetter und den Sonnenschein zu nutzen. Morgen stand nun sein absolutes Hassfach an, obwohl er nicht einmal mehr von Severus Snape unterrichtet wurde. Harry hatte einfach nicht das Talent seiner Mum geerbt, um bei Professor Slughorn herausragend dazustehen. Verteidigung lag ihm halt besser. Wie sollte es auch nicht, bei all der Übung. Hermine und Ron konnte er in den nächsten Stunden vergessen. Die beiden übten nur noch Rezepte, Formeln und Tabellen. Etwas, bei dem sich Harry sagte, was ich bis jetzt nicht weiß, lerne ich auch nicht mehr. Mit diesen Worten ließ er den Gryffindorturm hinter sich und lag kurz darauf am Ufer des Sees.

Tausende Gedanken schwirrten ihm durch den Geist. Harry musste sich in den letzten Tagen wirklich sehr konzentrieren, sie alle zu ordnen, sei es nun wegen der Examina oder aber, weil Lunas Vater offenbar recht behalten hatte. Es waren tatsächlich Riesen gewesen, die in Südengland an Land gekommen waren, nachdem sie den Kanal durchquert hatten. Eine wirklich beunruhigende Nachricht. Dann häuften sich auch noch die Berichte über Werwolfattacken. Irgendwie schien Voldemort einen neuen Greyback gefunden zu haben und dieser stellte ein neues Rudel auf. Glücklicherweise gab es aber keine schlechten Nachrichten von der Vampirfront. Konstantine hielt sich an sein Wort und vertrat Ginny sehr gut.

Mit einem Lächeln im Gesicht schloss Harry seine Augen. Er hatte genug die weißen Wolken in ihren unterschiedlichen Formen über sich hinweg ziehen gesehen und überlegte, was wohl als nächsten kommen würde. Wie ginge es weiter, wenn er Hogwarts hinter sich gelassen hatte und wie sah seine Zukunft aus. Eine Zukunft über der immer noch das Schwert des Schicksals in Form von Voldemort hing? Harry wusste es nicht. Er hatte sich bisher nicht damit auseinander gesetzt. Bisher war sein Leben immer aufregend genug gewesen. Und es würde so bleiben, denn wie es aussah, würde Tom keine Ruhe geben. Allein schon die neuen Werwölfe und die Riesen sagten dem Gryffindor, dass es bald soweit war. Voldemort würde Hogwarts angreifen. Hogwarts, das Symbol von magischer Macht mit seinem Geheimnis, welches Harry bisher noch nicht ergründen konnte.

Was war es nur, was Voldemort wollte? Viele Hinweise hatte sie gefunden und doch nichts Greifbares in den Händen. Allein schon das Fünfklingenschwert war so eine Sache. Den einen Tag konntest du dir damit ein Brötchen schmieren und am nächsten reagierte es auf deine Anwesendheit. Harry wollte einfach nicht begreifen, was los war. Gedankenverloren lag Harry am Ufer des Sees und hörte den Wellen zu. Ein zwei Greifvögel kreischten über seinem Kopf und dem Gryffindor kam das Gefühl der Freiheit beim Fliegen wieder in den Sinn. Bevor sich Harry aber an das letzte Mal, als er geflogen war, erinnern konnte, klatschte neben seinem Körper etwas in den Kies und dann schrillten die Alarme Hogwarts durch die Luft.

Von einer auf die andere Sekunde riss Harry seine Augen auf, griff nach seinem Zauberstab und schaute sich um. Sein Blick fiel dabei auf ein schwarzes Stoffbündel, einen Umhang und auf die darin zusammengekauerte Gestalt. Ohne zu zögern sprang Harry auf und eilte auf die Person zu. Schmerzensschreie klangen aus dem Umhang, Laute, die Harry vertraut vorkamen. Bevor er aber die Person umdrehen konnte, um zu sehen, was mit ihr nicht stimmte, schossen zwei Schockzauber durch die Luft und aus einer Entfernung von gut fünfzig Metern rief Stephano Styls lauthals, „Nein Harry,, geh weg von ihm."

Der Gryffindor stockte und sah seine Freund und Lehrer verwirrt an. Dieser hatte, von der Direktorin und Professor Slughorn begleitet, die letzten Schritte zwischen der Stelle, von welcher aus er geflucht hatte, und Harrys Position überwunden und richtete nun seinen Zauberstab auf den immer noch unbekannten verletzten Eindringling.

„Steph, was ist los?", fragte Harry und Damions Dad erwidert, „Er ist ein Todesser. Er trägt das dunkle Mal."

„Nein", schrie der Fremde plötzlich und bäumte sich auf. Dadurch rutschte sein Umhang herab und was Harry erblickte, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Er blickte in das panische Gesicht von Percy Weasley.

„Oh mein Gott ... Percy", rief Harry entsetzt und war versucht, sich Rons Bruder zu nähern. „Wieso?", fragte er noch hinterher und auch die Direktorin verlangte mit einer Mischung aus Mitgefühl und Verständnislosigkeit eine Erklärung. Percy sah die alte Hexe flehend an und entblößte seinen rechten Unterarm. Auf ihm prangte das Zeichen Voldemorts und zwar so, als hätte man es ihm gerade erst eingebrannt.

„Bei Merlin, du bist ein Todesser ..." Harry war entsetzt und tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Vor allem kam dem Gryffindor dabei Molly Weasley in den Sinn und wie sie sich fühlen musste.

„Nein Harry, ich bin unschuldig. Bitte, das musst du mir glauben ... bitte Harry ..."

Percys Gesichtsausdruck war nun eine Mischung aus Schock, Schmerz und Verzweiflung. Und es half auch nicht, dass die Direktorin meinte, dass er das dunkle Mal trug und dass dies wohl der eindeutigste Beweis war. Auch fragte sie, was Percy hier wollte? Ging es ihm um Harry? War dies vielleicht seine Aufgabe gewesen, um den anderen Verbrechern zu beweisen, dass er würdig war?

Percy schaute die alte Hexe entsetzt an und krümmte sich dann vor Schmerzen. Sein Blick ging zu Harry zurück und er flehte den Gryffindor an, ihm zu glauben. Notfalls würde er unter Veritaserum aussagen. Dies ließ Harry aufhorchen und auch Stephano Styls. Der Professor für Verteidigung schaute zu Horace Slughorn und die beiden wechselten mehrere Blicke. Schließlich nickte der Lehrer für Zaubertränke und ging eiligen Schrittes in Richtung Schloss.

Harry, er wusste nicht ob es war, weil Percy zu Rons Familie gehörte, doch er glaubte ihm. Und auch wenn die Direktorin ihn skeptisch anschaute, kniete sich der Gryffindor neben Rons Bruder und nahm ihn in den Arm. Er versuchte seine Schmerzen zu lindern und plötzlich kam ihm etwas in den Sinn. ‚Warum nicht?', dachte er. Das Mal scheint ganz frisch zu sein. Gerade erst hinein gebrannt. Und ohne weiter darüber nachzudenken, verklärten sich Harrys Augen und einige Tränen tropften aus seine Augen. Sie fielen auf das verbrannte Fleisch und Percy schrie vor Schmerzen auf. Er sah entsetzt in Harrys Augen und dann auf seinen Arm, wo der Totenkopf immer weiter verblasste.

Das ganze dauerte fünf Minuten und Professor McGonagall konnte immer noch nicht verstehen, warum Harry dies getan hat. Schließlich kam Professor Slughorn zurück und in seinen Händen hielt er nicht nur die Phiole mit dem Veritaserum. Nein, er hatte auch noch ein Denkarium mitgebracht. Die Direktorin schaute ihren Kollegen verwirrt an und der alte Zauberer mit dem Walrossbart erklärte, „So können wir die Sache abkürzen und müssen ihn nicht mit Fragen löchern. Außerdem können wir es alle auf einmal sehen und dann muss Mister Weasley nicht einmal ins Schloss. Du weißt schon Minerva, der Todesseralarm."

„Richtig", stimmte Steph seinem Kollegen zu und Professor McGonagall schien kurz die Optionen abzuwägen. Dann nickte auch sie und wandte sich an Percy. „Also gut, Mister Weasley. Wir werden es so machen. Doch wagen sie es nicht zu lügen. Ich erkenne eine Lüge sofort und werde nicht zögern, sie dem Ministerium zu übergeben."

„Danke Professor", erwiderte Rons Bruder. Allerdings schien er beim Wort Ministerium zusammenzuzucken und sein Gesicht wurde leicht panisch. Dann kippte er das Veritaserum hinunter und seine Hand ging langsam in Richtung Umhang. Harry und Steph beobachteten dies mit aufmerksamem Blick. Percy holte jedoch nur seinen Zauberstab hervor und tippte damit gegen seine Schläfe. Harry fragte sich woher der Rotschopf wusste, wie man ein Denkarium benutzte. Dumbledore selbst hatte ihm doch mal erzählt, wie selten diese Dinger waren. Doch Percy schien es nun mal zu wissen und als er sich zu erinnern schien, was er Harry und den anderen zeigen wollte, begann sein ganzer Körper zu zittern.

„Percy, was ist los?", fragte Harry.

„Gefahr Harry, wir sind alle in Gefahr. Das Ministerium, es ...es ist.... Der Minister ... er ... er ist ..."

Rons Bruder konnte es nicht aussprechen und Harry stellten sich die Nackenhaare auf. Steph legte seine Hand auf Percys Schulter und versuchte den jungen Mann zu beruhigen. Mit einem Blick zu Harry erklärte er, dass Percy wahrscheinlich noch unter Schock stand. Dies warf bei Harry jedoch die Frage auf, was diesen wohl ausgelöst hatte. Schließlich schaffte es Percy, sich zusammen zu reißen und er zog sich die Erinnerung aus dem Kopf. Die silbrige Substanz landete im Denkarium und gleich darauf tauchten Harry, Steph und die Direktorin in Percys Erinnerung ein. Horace Slughorn folgte ihnen nicht, sondern blieb als Wache im Reich der Realität.

„Wo sind wir?", fragte Professor McGonagall und Harry antwortete rasch, „Im Ministerium, Professor. Ich kenne diese Räume. Dort hinten arbeitet Arthur."

Die beiden Erwachsenen schauten sich um und dann folgten sie Percy, der einige Meter vor ihnen ging, den Gang entlang. „Wer sind diese Leute?", hörte Harry die Gedanken des rothaarigen Ministeriumsangestellten. „Der Minister hat doch heute noch gar keinen Termin."

Neugier ging Rons Bruder weiter und folgte den drei Männern, in ihren schwarzen Anzügen und den Aktenkoffern. Für Harry sahen sie aus wie Anwälte aus der Muggelwelt und so stutzte der Gryffindor. Schließlich verschwanden die Drei im Vorzimmer des Ministers und erst als Percy die Tür durchquert hatte und sein Blick auf der Sekretärin von Rufus Scrimgeour lag, konnte die kleine Reise weiter gehen. „Morgen Alice", begrüßte Percy die junge blonde Frau und sie lächelte zurück. „Oh hey Percy, wie geht es dir? Ist Penny ihre Erkältung wieder los?"

Die Stimme von Rufus Scrimgours Vorzimmerdame war sehr angenehm. Sie erinnerte Harry an eine Moderatorin im Fernsehen, die er früher immer gehört hatte, wenn sie Nachrichten verlas. Sehen konnte er sie damals natürlich nicht, lag er doch meistens unter dem Fenster von Onkel Vernons Haus oder auf dem Treppenabsatz. Seine Gedanken hinter sich lassend, schaute Harry wieder in Richtung Percy, der Alice fragte, wer denn diese Männer gewesen seien, die gerade zum Minister ins Büro gegangen waren. Und hier passierte das erste Ungewöhnliche. Alice schaute Percy an und fragte, wen er bitteschön meinte. Percy starrte die Sekretärin überrascht an und wollte schon sagen, „na die Männer eben." Da fiel ihm aber der komische Glanz in Alices Gesicht auf und er zückte seinen Zauberstab.

„Dedecto oblivate", sagte Rons Bruder und ein gelblicher Strahl traf die junge Frau. Ihre Augen wurden nun blau und alles was man dann noch hörte war, wie Percy sagte, „verdammt". Schnellen Schrittes stürmte er ins Büro, im Hinterkopf den Gedanken, dass sein Chef in Schwierigkeiten war. Und er sollte recht behalten. Rufus Scrimgeour war umringt von den drei Männern und seinen Zauberstab hatte der Minister auch nicht mehr. Er lag zerbrochen auf dem Boden und hörte gerade auf, sich zu bewegen.

„Was geht hier vor?", rief Percy und zielt auf den Eindringling, welcher ihm am nächsten war. Doch er hatte keine Chance. Gleich zwei Zauber trafen ihn in den Brust und er segelte gegen die nächste Wand. Nun hatte er die Aufmerksamkeit aller drei, wobei einer offenbar das Sagen hatte und seinem Komplizen bedeutete, die Tür zu versiegeln. Als dies getan war, kam der wohl größte Schock für Percy, den Minister und auch Harry und seine Begleiter.

Der Anführer verwandelte sich plötzlich. Seine Haut wurde weiß und schuppig und die Nase bildete sich zurück. Dann begannen seine Augen noch rot zu leuchten und jedem im Raum wurde klar, wer hier vor ihnen stand ... Voldemort.

„Hallo Minister, oder darf ich Rufus sagen?", zischte der dunkle Lord und Harry bemerkte, wie Steph und die Direktorin die Luft einsogen. „Wie schön, dass wir uns endlich mal persönlich treffen und sei es nur, um ihren Ruhestand zu besiegeln."

„Ruhestand? Sie sind wahnsinnig Tom", versuchte der Minister noch zu sagen, doch da ereilte ihn schon das Schicksal, welches jedem bevorstand, der den dunklen Lord bei seinem Geburtsnamen nannte. Ein mächtiger Cruciatusfluch traf die Brust von Rufus und er ging schmerzvoll stöhnend zu Boden. Harry fragte sich, warum Voldemort sein Opfer nicht einfach tötete. Vielmehr spielte er mit ihm, bis zu dem Punkt, wo Voldemort seinen Zauberstab erneut hob und den Minister mit einem Gedächtniszauber belegte. Was danach folgte, ließ bei Harry sämtliche Nackenhaare zu Bergen stehen. Tom ergriff den rechten Arm des Ministers und brannte ihm sein Zeichen ein. Das dunkle Mal glühte förmlich vor schwarzer Magie und es tropfte sogar Blut auf den Schreibtisch von Rufus Scrimgeour.

Percy musste dies alles mit ansehen und konnte nichts machen. Die Schocker wirkten einfach noch und er war vollkommen paralysiert. Als dann Voldemort ihm auch noch sein Zeichen einbrannte und meinte, dass dies Arthur und Molly das Herz brechen würde, geschah aber, womit der dunkle Lord nicht gerechnet hatte. Durch den Schmerz aus seiner Starre befreit und nur noch den Gedanken im Kopf Hilfe zu holen, schlug Percy plötzlich um sich und traf mit seinen Fäusten zwei der Todesser. Der dritte war jedoch noch an der Tür und somit außerhalb seiner Reichweite. Allerdings tat Rons Bruder, kaum dass er frei war etwas, dass wohl in die Geschichte eingehen würde, sollte man Tom einst besiegen. Arthurs Sohn wich Voldemorts Todesfluch aus und griff nach dem Zauberstab des dunklen Lords. Er bestand, wie Harry erkannte, aus schwarzem Holz und war viel länger als der, mit welchem sich der Gryffindor auf dem Friedhof duelliert hatte. Steph hatte also nicht gescherzt, als er sagte, James Bond hat den Phönixstab auf dem Gewissen. Und eben diesen neuen Stab des dunklen Lords hatte Percy nun umfasst und mit einem Ruck zerbrach er ihn noch während Tom ihn in den Händen hielt.

Die magische Energie, welche beim Brechen freigesetzt wurde, war enorm und schleuderte alle Anwesenden durch den Raum. Percy hatte Glück, dass er am nächsten zur Tür stand und sich als erster aufgerappelt hatte. Er schubste den Todesser kurzerhand aus dem Weg und kaum, dass er durch die Tür war apparierte er aus dem Ministerium und landete im verbotenen Wald. Dies war dann auch der Punkt, wo Harry und seine Begleiter in die Realität zurückkehrten. Dort wartete auch schon Professor Slughorn und meinte, sie sollten vielleicht ins Schloss zurückkehren, da gerade ein Schwarm Eulen Hogwarts erreicht hatte und sie bestimmt wichtige Nachrichten brachten...

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