Kapitel 109
Harry war sauer. Nein, vielmehr bestand seine Stimmung aus einer Mischung aus Wut, Verständnislosigkeit und Enttäuschung, als sich sein Körper in der Nähe von Hogwarts, besser gesagt an der Appariergrenze des Schlosses, materialisierte. Neben dem Gryffindor tauchten auch seine Freunde auf und sahen den Schwarzhaarigen überrascht an. Nicht einmal Hermine hatte gewusst oder geahnt, womit sich ihr Freund in den letzten Wochen beschäftigt hatte. Besorgt schaute sie auf die Wunde in Harrys Handfläche und trat näher an ihn heran.
„Oh Harry, was machen wir jetzt nur?", fragte Hermine unsicher und der Gryffindor lächelte für einen Moment. „Hoch ins Schloss gehen, Schatz. Die Direktorin muss Bescheid wissen und dann glaube ich, dass Poppy sich meine Hand mal ansehen sollte. Es brennt fürchterlich und selbst meine Tränen scheinen keine Wirkung zu haben."
Dies überraschte und erschreckte Hermine und sie nahm Harrys Hand in die ihrigen. Der Schnitt war schon sehr tief und auch wenn er nicht mehr blutete, war damit nicht zu spaßen. Daher beeilte sich die Gruppe auch ins Schloss zu laufen. Harry hatte bewusst darauf verzichtet mit seinen Phönixkräften zu reisen. Es mussten ja nicht alle von seinen Fähigkeiten wissen.
Auf dem Weg zum Haupttor von Hogwarts, bemerkten alle, dass etwas in der Luft lag und jeder schaute sich wachsam um. Als erstes bemerkte es Ron und alarmiert rief der Rothaarige, „Seht, Hagrids Hütte, sie ist weg."
„Wie weg?", fragte Steph und schaute in die Richtung, wo man das Heim ihres großen Freundes vermuten sollte. Doch der Platz war leer. Alles war verschwunden und nicht einmal der riesige Holzstapel, welchen Hagrid für seinen Kamin aus dem verbotenen Wald herangeschleppt hatte, war mehr zu sehen. Voller Unruhe beschleunigte Harry seine Schritte und sie trafen kurz darauf auf die nächste Absonderlichkeit. Das Tor zu Schloss war nicht mehr unbewacht. Nein, es standen plötzlich zwei riesige Rüstungen davor und aus ihren Augenschlitzen leuchtete es gefährlich und Unheil verheißend rot.
Mit äußerster Vorsicht traten Harry und seine Freunde näher und alle zückten vorsichtshalber ihre Zauberstäbe. Doch sollten sie diese nicht brauchen, denn kaum, dass Steph und Harry zeitgleich bei den Wachen ankamen, traten diese zur Seite und verneigten sich kurz mit einem metallisch kratzenden Geräusch. Die Gruppe nutzte die Gelegenheit und betrat den inneren Hof des Schlosses, wobei einigen der Mund aufklappte, denn mitten im Hof neben der peitschenden Weide, die nun aber ziemlich ruhig dastand, strahlte ihnen Hagrid samt seiner geliebten Hütte entgegen.
„Hallo Harry ... schön dich zu sehen...", rief der Halbriese und winkte sie heran. Harry wurde umarmt und musste Hagrid mehrfach bitten, ihm nicht sämtliches Blut aus den Adern zu pressen.
„Hagrid, was ist hier los? Wie kommt deine Hütte hier her?", fragte Hermine und schaute verwundert auf das steinerne kleine Gebäude, welches nun innerhalb der massiven Schlossmauern stand und irgendwie gar nicht so hier passen wollte.
„Hat Hogwarts gemacht. Sagt zumindest Professor McGonagall. ... Irgendwer hat das Schloss in Alarmbereitschaft versetzt. Wusste nicht mal, dass man das kann. Aber selbst Dumbledore hat immer gesagt, dass das Schloss ein Ort voller Geheimnisse sei. War aber ein ganz schöner Tumult. Wollte eigentlich gerade baden und steh plötzlich vor ´ner Gruppe Ravenclaws. Und dann noch die beiden Slytherins und die Sache mit den Rüstungen ... War nicht schön ..."
Man konnte nun ganz deutlich einen leichten Rotschimmer unter Hagrids dickem Bart erkennen. Stephano interessierte jedoch brennend, was der Halbriese damit meinte, als er die Angehörigen seines früheren Hauses erwähnte. Hagrid sah Steph an und zögerte. „Vielleicht sollte dir das Professor McGonagall selbst sagen." Dann meinte Harry großer Freund noch, dass die Direktorin eh schon ganz durch den Wind war und erst mal alle in die Große Halle beordert hat. Sie oder aber auch Dumbledore wollte eine Erklärung abgeben. Dies ließ Harry aufhorchen und sie beschlossen sich rasch zu ihren Mitschülern zu begeben, um auch die Neuigkeiten zu hören.
„ ... und daher befinden sie sich nun alle unter der Obhut von Hogwarts..."
Professor McGonagall hatte ihre Erklärung gerade beendet, als die kleine Gruppe die Große Halle betrat und sofort lagen alle Blicke auf Harry und seinen Freunden. Jeder schien zu wissen, wie ihre Mission im Ministerium ausgegangen war und hoffte nun auf etwaige Informationen aus erster Hand. Doch was sollte Harry sagen? Er selbst wusste ja noch nicht einmal, wie es weiter gehen sollte. Schließlich wurde die Aufmerksamkeit der Schülerschaft von ihm abgelenkt, da sich zwei drei Ravenclaws aus Harrys Jahrgang erneut an die Direktorin wandten und fragten.
„Aber was ist dann mit den Prüfungen, Professor? Wie sollen sie vonstatten gehen, wenn ... wenn Hogwarts nichts mehr mit dem Ministerium zu tun hat?"
Alle Augen lagen nun auf der Direktorin und die alte Hexe schien mit dieser Frage schon gerechnet zu haben. Ohne Zweifel hatte sie sich mit ihrem alten Mentor, oder besser mit seinem Portrait unterhalten und so wandte sich McGonagall an ihre Schülerin. Es war die jüngere Schwester von Percys Schulfreundin Penelope. „Nun Miss Clearwater, für ihre Prüfungen ist gesorgt. Die Aufgaben sind seit Wochen fertig und liegen in meinem Büro. Hogwarts hat seit jeher, seine Absolventen selbst bewertet. Und auch wenn die meisten Prüfer und Prüfungsbeisitzenden vom Ministerium gestellt waren, so galt ihre Anwesenheit meist nur der Sicherstellung, dass man niemandem unterstellen konnte, dass ein Lehrer nicht objektiv genug war."
„Heißt das, dass unsere Abschlüsse den selben Stellenwert haben, wie einer, bei dem das Ministerium mitberaten hat?", fragte die Ravenclaw zurück und hier meldete sich Albus Dumbledore mit seiner gewohnt sanften, großväterlichen Stimme zu Wort.
„Ohne Zweifel, meine Liebe, wenn nicht noch mehr. Hogwarts kann mit recht stolz sein, die besten Voraussetzungen für junge Leute zu bilden und in Angesicht der Tatsache, dass das Ministerium nicht mehr unter der Vorherrschaft der freien Zaubererwelt steht, wird es für euch nur von Vorteil sein, eure Prüfungen ohne Leute abzulegen, die sich vor einem Minister verantworten müssen, einem Minister, der wie ich von einem meiner Portraitfreunde erfahren habe, gerade vereidigt wurde und dessen erste Anweisung war, Auroren zu verhaften, die in seinen Augen gefährlich sind."
„Auroren? Verhaften? Ist der irre?", fragte Harry und schaute alarmiert auf. Kurz darauf ballte sich auch schon eine Menge magischer Energie über ihren Köpfen zusammen und die Luft begann sich in einer Mischung der verschiedensten Farben zu verwirbeln. Harry hatte dies schon irgendwo gesehen. Und als dem Gryffindor klar wurde, dass dies bei seiner ersten Reise mit einem Portschlüssel war, tauchten auch schon die ersten Personen inmitten der Großen Halle auf. Es handelte sich dabei um Tonks, Kingsley und Remus, gefolgt von einigen Männern in Aurorenuniformen, die sich leicht verwirrt und unsicher umschauten. Offenbar waren sie vom plötzlich Hierher kommen überrascht worden und mussten sich erst einmal orientieren. Dann erklangen aber die ersten Stimmen und sie gehörten zwei Erstklässlern, die überrascht ihre Väter erkannten.
Die Halle war im nächsten Moment erfüllt von solchen Rufen, denn immer mehr Zauberer und Hexen tauchten auf. Ingesamt wurden es fünfzehn Familien, die so wieder vereint wurden und Harry fragte sich, was dies zu bedeuten hatte. Die Antwort kam von Professor McGonagall, welche sich nun auf ihrem Platz erhoben hatte und sich an ihre Schüler und Gäste wandte.
„Liebe Schüler, werte Gäste von Hogwarts", begann sie förmlich. „Es ist etwas eingetreten, wovor ich persönlich mich am meisten gefürchtet habe. Doch wie es scheint, ist unsere Gemeinschaft in einen Konflikt, einen Krieg geraten, der dunkle Schatten über unser Land wirft. Das Ministerium steht nicht mehr unter der Kontrolle eines Mannes, dem man bedingungslos vertrauen kann. Vielmehr denke ich, nein alle, die wir Lehrer sind und die Verantwortung für euch haben, dass der dessen Name nicht genannt werden darf, hinter dem Minister die Fäden zieht."
Ein Raunen ging durch den Raum, gefolgt von ängstlichem Lufteinziehen. Das war dann der Punkt, wo Harry sich einmischte und lauthals verlangte, dass man Voldemort beim Namen nannte. Zwar stieß dies etwas auf Unverständnis, doch die Direktorin gab ihrem Schüler Recht und verbesserte sich.
„Ja, Mister Potter hat Recht. Wir sollten keine Angst vor einem Namen haben, zumal Voldemort, wie er sich gerne selbst nennt, auch nur ein Mensch ist. Ein böser und abgrundtief schlechter Mensch, aber eben ein solcher, der es nicht einmal verkraftet, zu seiner Herkunft als Halbblut zu stehen."
Mit dieser Aussage hatte die Direktorin natürlich die Aufmerksamkeit aller und erklärte in kurzen Schritten, wie es weiter gehen sollte. Sie bat um Verständnis, dass die Hogsmeadewochenenden gestrichen waren und auch darum, dass es im Schloss ein wenig voller sein würde, als man es sonst gewohnt war. Dies hing damit zusammen, dass Harry durch sein Auftreten in der Winkelgasse Hogwarts zu einem Hort des Friedens und der Zuflucht erklärt hat und die eben eingetroffenen Auroren wahrscheinlich erst der Anfang waren. Ohne Zweifel würden weitere Leute folgen, um in der bevorstehenden Schlacht zu helfen. Doch bis dahin musste man abwarten und versuchen, dass Schulleben aufrecht zu erhalten.
„Aber was ist mit den Wachen?", fragte Collin und drückte Celines Hand leicht.
„Nun Mister Creevey, die sind zu unserem Schutz da. Ich weiß zwar nicht, woher sie kommen und was sie in das Geschehen hat eingreifen lassen, doch ich bin froh, dass ihre Magie, die offenbar aus den Tiefen von Hogwarts selbst stammt, uns hilft. Hier sind Zauber am Werk, Mister Creevey, die selbst mir fremd sind. Und doch haben sie, wie wir alle beobachten konnte, uns vor zwei Verrätern aus unseren Reihen bewahrt."
Harry fragte sich, wie dies zu verstehen war und erinnerte sich, dass er vorhin gehört hatte, dass Hagrid einen Zwischenfall mit zwei Slytherins erwähnt hatte. Dann ging sein Blick durch die Halle und landete schließlich bei Remus und Tonks. Zu ihnen ging er dann auch kurz und begrüßte sie herzlich. Danach wies die Direktorin die Schülerschaft an, erst einmal zu essen und dann würde man weiter sehen. Natürlich kamen alle dieser Anweisung nach, auch wenn die unterschiedlichsten Themen beim Essen behandelt wurden.
Harry blieb allerdings still und versank in Gedanken. Sie brauchten eine Lösung und zwar schnell. Voldemort würde bald vor den Mauern stehen und somit waren alle in Gefahr. Mit diesen Gedanken, aß der Gryffindor seinen letzten Bissen und entschuldigte sich bei Hermine und seinen Freunden. Er wollte allein etwas nachdenken und seine Freundin bedachte ihn mit einem nachdenklichen Blick.
Zehn Minuten später war Harry im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Er schaute sich um und atmete tief durch. Was sollte er nur tun? Wie konnten sie Voldemort besiegen, wenn er es noch nicht einmal geschafft hatte, Nagini zu töten. Es war zum Verzweifeln und Harry beschloss er brauchte etwas Luft. Vielleicht konnte er ein wenig fliegen. Doch um den Blicken seiner Freunde zu entgehen, holte er erst einmal seinen Tarnumhang. Bei der Gelegenheit griff er sich auch gleich den goldenen Armreif und steckte ihn in seinen Umhang.
‚Nun aber los', sagte Harry leise und machte sich auf den Weg zum Astronomieturm. Von dort aus konnte er ja ohne Probleme starten und seine Runden drehen. Doch komischerweise trugen Harry Beine ihn nicht zu seinem Ziel, sondern er landete plötzlich vor dem Gargoyle und der Treppe zum Archiv. Was war hier los? Warum war er hierher gegangen? Immer noch diese Fragen im Kopf erreichte der Gryffindor schließlich den Raum mit den Artefakten und ohne weiter darüber nachzudenken, griff er sich das Fünfklingenschwert, die alten Manuskripte und Logbücher, und schließlich die Lederröhren mit den Gemälden. Dies alles unter dem Arm, führten ihn seine Schritte schließlich zu seinem ursprünglichen Ziel und leicht verwirrte stand Harry nun auf dem Astronomieturm und schauten in den herrlichen blauen Frühlingshimmel.
Wie lange Harry die Wolken beobachtet hatte, vermochte der Gryffindor später nicht mehr zu sagen. Allein aber, dass eine große Anzahl von Schülern sich auf den Wiesen in der Nähe des Schlosses tummelte sagte Harry, dass einige Zeit vergangen war. An Fliegen war nicht mehr zu denken und so setzte sich der Schwarzhaarige auf eine der kleinen Ziermauern und betrachtete die Dinge in seinen Händen. Zuerst streichelte er den Umhang seines Vaters und dann das Schwert seines Vorfahren. Harry hatte es immer noch am Gürtel und gedankenverloren erinnerte er sich daran zurück, wie er es zu ersten Male gesehen oder besser gespürt hatte. Er erinnerte sich, wie er das Schwert aus dem sprechenden Hut gezogen hatte, um sich gegen Toms Haustier, gegen Slytherins Basilisken zu wehren.
‚Das Schwert war schon eine imposante Waffe' dachte Harry und mit dem letzten Gedanken fielen ihm wieder die Worte von Professor Flitwick ein. Drei Waffen von Reinheit, hieß es in dem Vers und Harry überlegte, ob das Schwert seines Vorfahren vielleicht eine davon war. Doch was wären dann die anderen beiden? Oder besser die letzte, denn Harry und seine Freunde waren sich ja einig, dass das Fünfklingenschwert auch dazu gehörte.
Sich dieser Überlegung hingebend öffnete Harry das nächste Artefakt, nämlich die Truhe, für die der Gryffindor sogar bis nach London gereist war, um dort ein weiteres Abenteuer zu erleben. Doch kaum, dass der Deckel offen war, summte der goldene Stern und Harry ward versucht, das Gefängnis des Schwertes wieder zu schließen. Da bemerkte der Gryffindor, dass das Fünfklingenschwert nicht das einzige war, was summte, sondern es vibrierte auch in Harrys Umhang. Überrascht griff Harry hinein und ertastete plötzlich den goldenen Armreif, von welchem er bisher nicht wusste, wofür er da war. Was war hier los? Harry konnte nur vermuten und mehr aus einem Instinkt heraus, streifte der Gryffindor sich das Schmuckstück über.
Das hatte allerdings zur Folge, dass das Fünfklingenschwert gänzlich austickte und sich plötzlich wie von Geisterhand in die Luft erhob. Es schwebte nun gut dreißig Zentimeter über der Truhe und während es dort anfangs nur zuckte, wie ein Zahnrad, welches sich verklemmte hatte, so kam einige Sekunden später erst so richtig Bewegung in den Stern. Wie ein Frisbee surrte und dreht es sich um seine eigene Achse, eine Bewegung, die bei einer Berührung der sich nun blitzschnell bewegenden Klingen nur tödlich enden konnte. Dann nahm das Summen an Lautstärke zu und es ging über in ein eher pfeifendes Sirren, welches Harry an Damions Boomerang erinnerte. Kurz darauf schoss das Schwert los und verfolgte eine Taube, welche von einer der Zinnen aufgestiegen war und ihren Schwarm niemals erreichen sollte. Die Klingen machten kurzen Prozess und eine Wolke bestehend aus Federn und Blut sank in die Tiefe.
Die anderen Tauben flogen panisch schreiend und so schnell es ging in alle Richtungen, sodass sich das Fünfklingenschwert sich ein neues Ziel suchte und zwar Harry. Dieser sah mit Entsetzen in den Himmel und machte sich bereit zu fliehen. Bevor er dies aber tun konnte, verstärkte sich das Vibrieren des Armreifs und eine Harry unbekannte Kraft hob seine linke Hand nach oben. „Nein", rief der Gryffindor panisch und wollte den Arm wieder senken. Er brauchte diese Hand schließlich um zaubern zu können. Nicht auszudenken, wenn sie der rotierenden Scheibe zum Opfer fiel. Doch er schaffte es einfach nicht. Harry stand mit ausgestrecktem Arm da und bekam nun so richtig Schiss.
Unausweichlich schoss das Fünfklingenschwert auf den Gryffindor zu und Harry rechnete mit dem Schlimmsten. Er kniff die Augen zu. Aber nur, um sie im nächsten Moment wieder aufzureißen, denn ein komischen Gefühl umgab seine Hand. Es fühlte sich an, als wenn sie in warmes Wasser getaucht war. Ohne Zweifel sein Blut, welches aus dem Stumpf sprudelte, beschloss der Schwarzhaarige für sich. Doch an dem war es nicht. Kein Schmerz und kein Blut war zu sehen, sondern nur ein leuchtendes Gold. Der Armreif hatte sich verwandelt und eine Substanz, wie flüssiges Metall hatte sich wie ein Handschuh um seine linke Hand gelegt und davor rotierte nun das Schwert wie ein Propeller bei einem Flugzeug.
Es kribbelte in Harrys Fingerspitzen und der Gryffindor starrte ungläubig auf das Schauspiel, während die wirrsten Gedanken seinen Geist umspielten. Dann merkte er jedoch, dass er seine Hand wieder bewegen konnte und erschrak etwas, dass das Schwert seinen Bewegungen folgte, als wäre die Hand ein Magnet. Vorsichtig, nein eher skeptisch drehte Harry seinen Arm nach unten, aufmerksam darauf bedacht, das Messer soweit weg wie möglich vom Körper zu halten und siehe da, die rotierenden Klingen hingen nun unterhalb der goldenen Hand.
‚So funktioniert das Ding also', traf Harry die Erkenntnis und er schaute über seine Hand hinweg in Richtung einer Pflanze, die wie Unkraut sich erdreisstete, aus dem Mauerwerk des Schlosses zu wachsen. „Warum nicht?", fragte Harry sich schließlich und tat so, als würde er das Schwert wegschleudern. Dabei konzentrierte er sich auf die Pflanze und zwei Sekunden später war die rosa Blüte von ihrem kräftigen, saftigen Stängel getrennt. Danach kehrte das Fünfklingenschwert zu seinem Herren zurück und Harry fing es gekonnt auf.
Ein Lächeln umspielte den Mund des Gryffindor und etwas Stolz schwellte in seiner Brust. Er hatte also eine neue Waffe gemeistert. Allerdings versteinerte Harry im nächsten Augenblick und er musste sich verbessern. Von gemeistert konnte keine Rede sein, denn es blieb noch die Frage, wie er die Waffe wieder ablegte. Er konnte ja schlecht so durch die Hallen von Hogwarts laufen, geschweige denn sich seiner Liebsten wieder nähern.
Dass die Antwort auf diese Frage aber so leicht war, nun dies überrascht den Gryffindor. Er versuchte es mit dem Einfachsten. Und kaum dass eine deutliches„Stopp" aus seinem Mund erklang, stoppte binnen einer Millisekunde die Rotation. Harry war überrascht und fast wäre ihm das Fünfklingenschwert zu Boden gefallen. Allerdings konnte er sich auf seine Sucherreflexe verlassen und griff nach dem Stern ohne sich zu schneiden. Offenbar diente der goldene Handschuh als Schutz. Außerdem schnappten die Klingen zurück in ihre Hülle, kaum dass Harry den Stern berührte und dies nutzte er, um das Schwert zurück in die Kiste zu legen und sie zu schließen.
Kaum hatte er dies geschafft und seinen Blick nun auf seine linke Hand gerichtet, veränderte sich das Gold dort auch schon und zog sich, nein floss regelrecht zurück in die Form des Armreifs und seiner kleinen, verketteten Fingerfreunde. Harry war einfach nur baff und versuchte zu verstehen, was eben geschehen war. Er hatte ein weiteres Rätsel gelöst und musste dies unbedingt seiner Freundin und auch den anderen berichten. Allerdings musste dies warten, denn plötzlich durchfuhr Harrys Kopf ein stechender Schmerz und er presste seine Hände dagegen.
Der Stich verschwand aber genauso schnell wie er gekommen war. Und es hatte auch nichts mit den Schmerzen zu tun, die er früher hatte, als seine Verbindung zu Voldemort noch bestand. Nein, dies hier war eher befreiend, doch es änderte nichts daran, dass sich Harry kurz setzen musste. Er sank zu Boden und atmete mehrmals tief durch. Sein Blick ging dabei gen Himmel und zu dem Schwarm Tauben, der immer noch aufgeregt umher flatterte.
Zwei Minuten später dann senkte Harry seinen Kopf wieder und schaute zu Boden. Dabei bemerkte er dann aber etwas, dass sein Herz aussetzen ließ. Ruckartig sprang er auf und beugte sich zu seinen Sachen. Doch es war zu später. Irgendwie hatte Harry nicht bemerkt, wo er sich niedergelassen hatte und nun passierte etwas Furchtbares, etwas, das er sich niemals verzeihen würde. Harry wusste nicht wieso, doch irgendwie schien der Armreif seinen eigenen Wille zu haben und ohne das Harry es mitbekommen hatte, musste sich der Gryffindor aus seinen Tarnumhang gesetzt und abgestützt haben und die Berührung zwischen den beiden magischen Gegenständen hatte zu einer Reaktion geführt.
Voller Entsetzten musste Harry mit ansehen, wie sein Umhang, das Geschenk seines Vaters, der fließende, magische Stoffe immer weiter von einem goldenen Schimmer überzogen wurde. Zwar hatte Harry seinen Arm rasch weggezogen. Doch es schien zu spät zu sein. Sein Umhang war versaut. „Verdammt", rief Harry aus einer Mischung aus Wut und Verzweiflung und er legt den Umhang um, damit er feststellen konnte, ob noch was zu retten war. Doch es geschah nichts. Er blieb sichtbar und ein stechender Schmerz breitete sich in Harrys Brust aus. Tränen traten ihm in die Augen und unendliche Schuld. Er hatte versagt. Er hatte sein Erbe, dass Geschenk seines Vaters zerstört und unwiderruflich kaputt gemacht.
Zusammengekauert dachte Harry über sein Pech nach und wieder kamen ihm die wirrsten Gedanken in den Sinn. Einer davon beschäftigte sich sogar mit der Tatsache, dass Harry sich sicher war, es musste eigentlich so sein und dass er diesen Umhang, diesen goldenen Umhang schon mal gesehen hatte. Harry verwarf dies aber sehr schnell und beschloss, dass dies nur seinem Gehirn dienen wollte, um seine Schuld zu mildern. Allerdings schien eine Person, eine andere Seele in seiner Nähe, sehr stark etwas gegen diese Entscheidung dass Harry sich immer die Schuld gab zu haben und so hörte der Gryffindor in seinem Geiste plötzlich das Trillern eines Phönix. Sofort wusste er, dass dies von Arcan kam. Bevor Harry seinem zweiten Ich aber sagen konnte, er solle still sein, durchfuhr ihn erneut ein Schmerz, diesmal aber begleitet von einer Vision, einer Erinnerung und Harry sah darin sich, wie er in der Luft schwebte, den goldenen Umhang um seinen Körper gelegt und mit einem Jungen kämpfen.
Und in diesem Moment wurde Harry klar, dass er den goldenen Umhang wirklich schon einmal gesehen hatte. Er wurde damals von seinem Ahnen, von Godric Gryffindor getragen, als dieser in seinen Übungskampf mit Natanael verwickelt war. Harry versuchte sich so gut es ging daran zu erinnern und stellte überrascht fest, dass er dieses Mal keinen plötzlichen Drang nach Quidditch verspürte. Dies nahm der Gryffindor als Zeichen und stellte einige Überlegungen an. Alles hatte also mit dem Gründer von Hogwarts zu tun. Und mit dieser Feststellung durchforstete Harry seinen gesamten Geist nach Dingen, die mit Gryffindor zu tun hatte.
Und weil man im Sitzen schlecht nachdenken konnte, war Harry aufgestanden und ging nun einige Schritte auf dem Astronomieturm hin und her. Langsam trug er alles zusammen, was er wusste. Harry nahm sogar das Fünfklingenschwert und das richtige Schwert wieder in die Hand, mit der Meinung, sich so besser konzentrieren zu können. Und was ihn überraschte, war das Gefühl, welches ihn dabei umspülte, war ein Zwiespalt ohne gleichen. Er fühlte sich irgendwie vollkommen und dann wieder nicht. Irgendetwas sagte Harry, dass noch etwas fehlte. Doch was es war, kam dem Schwarzhaarigen einfach nicht in den Sinn.
Aus diesem Grunde legte Harry die beiden Waffen auch wieder ab und betrachtete sie genauer. Ihr Gold schien noch einige Nuancen heller zu sein als sie es sonst waren. Und das, obwohl die Sonne gerade von der einzigsten kleinen Schäfchenwolke verdeckte wurde, die es am ganzen blauen Himmel heute gab. Doch Harry kam es auch nicht so vor, als läge es am Licht. Nein, vielmehr schien es fast so, als hätte der Schmied die beiden Stücke gerade erst vollendet. Harry sagte aber zu sich selbst, dass er sich dies vielleicht auch nur einbildete. Daher ließ er auch von den zwei Waffen ab und wandte sich seinem Umhang zu. Er fluchte innerlich. Wie sollte der Umhang mit all diesem goldenen Überzug jemals wieder richtig funktionieren. Total in Gedanken streichelte Harry den Stoff. Etwas, das er früher zwar auch, aber niemals bewusst getan hatte. Er ließ das kühle Material über seine Fingerkuppel gleiten, legte ihn zusammen und entfaltete ihn danach wieder, bis er zu einer Stelle kam, die ihn etwas verwirrte.
Harry stockte in seinen Bewegungen und besah sich eine Stelle am oberen Ende des Umhangs genauer. Es war der Kragen und er wies einige Verletzungen des Stoffs auf. Erschrocken zuckte Harry zusammen, da er diese noch nie bemerkt hatte. Vielleicht war es aber auch erst durch das Gold sichtbar geworden und Harry ließ seinen Finger über den Riss gleiten. Wann konnte er den Mantel beschädigt haben? Diese Frage schoss den Gryffindor durch den Kopf. Doch bei genauerer Betrachtung sah es nicht so aus, als wäre Harry irgendwo hängen geblieben. Nein, vielmehr machte es für ihn den Anschein, als wäre hier etwas von seinem Umhang abgetrennt, abgerissen worden.
Doch wann sollte dies geschehen sein? Harry war sich sicher, dass der Umhang, als Dumbledore ihn ihm geschenkt hatte, schon in diesem Zustand war. War es sein Dad gewesen? Oder aber ein anderer Vorfahr? Aber warum? Immer weiter dachte Harry zurück, bis er schließlich in der Zeit der Gründer und damit bei Godric Gryffindor landete. Hatte sein Vorfahr es getan, um das Geheimnis zu wahren? Aber wo war das fehlende Teil dann geblieben? Mister Kasch´dir hatte jedenfalls nichts von einem goldenen Lappen erwähnt. Ebenso wenig die Aufzeichnungen von Gryffindors Enkel. Sollte das Geheimnis denn für alle Zeiten eines bleiben? Nicht mal die besten Historiker wussten doch etwas über den Namensgeber von Harrys Haus. Alles was sie wussten waren Überlieferungen und selbst Dumbledore hatte ihm doch gesagt, dass die einzigen beiden Artefakte aus dem Besitz von Godric die bekannt waren sich hier in Hogwarts befanden. Es waren das Schwert zu Harrys Füßen und ...- Harry wurde mit einem Male blass - ...der sprechende Hut.
„Potter, du bist so was von blind", rief Harry lauthals in den Himmel und bestimmt hatten ihn einige seiner Mitschüler Hunderte von Metern entfernt noch gehört. Und ohne darüber nachzudenken, sagte der Gryffindor „Accio sprechender Hut". Dabei hatte er seine rechte Hand nach vorn ausgestreckt und musste im nächsten Moment lachen, als er den erschreckten spitzen Aufschrei der Direktorin hörte. Dieser war einen Klirren gefolgt, welches wohl vom zerspringen ihres Fensters herrührte, durch welches der alte Hut geflogen war, kurz bevor er in Harrys Hand landete.
Vor Erregung bebend betrachtete Harry das braune Leder in seiner Hand und mit einer zitternden Bewegung versuchte er seine Theorie zu überprüfen. Vorsichtig führte er den sprechenden Hut an die Beschädigung seines Tarnumhanges und keuchte auf, als dieser auf den Millimeter genau daran passte. Fast hätte er beides fallen lassen, aber nur fast und im nächsten Moment überlegte Harry, ob er einen einfachen Reparo benutzen konnte. Dies war aber gar nicht nötig, denn sobald sich die beiden Stoffstücken berührt hatten, geschah das, was mit Harrys Tarnumhang und dem goldenen Armreif geschehen war erneut. Gold floss vom Umhang auf den Hut über und sie fügten sich zusammen wie Quecksilber, das auf seinesgleichen traf.
Harry erstarrte und irgendwie dämmerte es ihm, dass er es geschafft hatte. Er hatte die drei Waffen von Reinheit wieder vereint und es gab ein Rätsel weniger. Und ohne darüber nachzudenken, warf er sich den Umhang über, griff sich die beiden Schwerter und zog als letztes den Hut auf sein Haupt. Eine Sache, die ihm im Nachhinein noch einmal leid tun sollte, denn kaum hatte er alles angelegt, durch fuhren seine Glieder und seinen Kopf Schmerzen, die einem Cruciatusfluch Konkurrenz machen konnten. Außerdem durchfluteten seinen Geist Bilder in solch einer Geschwindigkeit, dass selbst Arcan vor Schmerzen schrie.
Das ganze dauerte gut fünf Minuten und erst die Stimme von Hermine brachte Harry wieder zur Besinnung. Seine Freundin hatte, nachdem sie mit Ron und Damion etwas auf dem Gelände von Hogwarts spazieren gewesen war, Harry Stimme vom Astronomieturm gehört und beschlossen zu ihn hoch zu gehen. Allerdings war ihr der Schock noch ins Gesicht geschrieben. Denn nachdem sie den Weg hinter sich gebracht hatte war das Erste was sie sah ihr Freund, der sich vor Schmerzen auf dem Boden wand.
„Harry, Schatz, ist alles in Ordnung? Sag doch was", rief die besorgt und schüttelte ihren Freund damit er sie wahr nahm. Dies wirkte, denn Harry beruhigte sich und schaute seine Freundin aus leuchtend grünen Augen an.
„Ja Hermine, es geht wieder", log Harry leicht, denn immer noch stach es in seinem Kopf. Vielleicht nicht mehr so stark, doch das Gefühl war ohne Zweifel da. Dann bemerkte er den verwunderten Blick seiner Freundin, wie dieser über Harrys ungewöhnliche Aufmachen wanderte und der Gryffindor begann zu lächeln. „Ich hab´s geschafft Hermine. Ich habe die dritte Waffe gefunden. Es war mein Umhang, mein Tarnumhang."
„Dein Umhang Harry? Aber wieso sollte das Geschenk deines Vaters etwas mit den verschollenen Waffen zu tun haben. Tarnumhänge sind zwar selten, aber nicht ungewöhnlich. Selbst Mad Eye hat einen, wenn du dich erinnerst." Hermine war in ihren, wie Harry es gern nannte, Lehrermodus gewechselt und darüber konnte der Gryffindor nur schmunzeln.
„Das stimmt, Liebes", erwiderte Harry und küsste sie kurz auf den Mund, um diesen zu schließen. „Aber meiner ist was Besonderes, gehörte er doch einst Godric Gryffindor."
„Wirklich?", fragte Hermine überrascht und Harry nickte. „Ja, tat er, und er war nicht vollständig. Einen Teil hatte der Gründer von seinem Umhang abgeschnitten um das Geheimnis zu wahren und diesen Teil dann hier in Hogwarts verwahrt, wo er seit über tausend Jahren immer zu Beginn des Schuljahres seinen großen Auftritt hat."
Man konnte förmlich hören, wie die Rädchen in Hermines Kopf ratterten und ihre Augen wurden immer größer. „Du meinst ... meinst den sprech ...en ...den ...Hut?"
Harry nickte grinsend und deutete auf das obere Ende des Umhangs, wo der alte Hut nun in goldenem Glanz erstrahlte. „Oh Harry, du bist ein Genie", rief Hermine voller Stolz und küsste ihren Freund zur Belohnung lang und voller Liebe auf den Mund. Danach zeigte Harry ihr noch die Sache mit dem Fünfklingenschwert und obwohl sich seine Freundin erst sträubte, brachte Harry Hermine sogar dazu, den goldenen Handschuh anzulegen und selbst einmal die Klingen herumwirbeln zu lassen. Aus irgendeinem Grund wusste Harry, dass ihr nichts geschehen konnte.
Er saß nun wieder auf der kleinen Mauer und beobachtete, wie Hermine ehrfürchtig das Schwert durch die Luft sausen ließ, etwas, das die Tauben, auch wenn nicht anvisiert, mit einen empörten Aufflattern und Gekreischt quittierten. Hermine hatte wirklich Geschick bei der Sache und Harry lächelte, während seine Gedanken wieder etwas abschweiften. Sie wanderten zum nächsten große Rätsel und der Gryffindor rief sich vor seinem geistigen Auge das Gedicht seines Ahnen wieder in den Sinn.
... Die Schwestern des Lichtes, als Gabe der Alten gedacht. Wo die Eine birgt Wissen, hält die andere die Macht. Das Tor zur Welt, aus Feuer entstanden, beschützt Gottes Kinder auf Erden vor des Teufels Gesandten...
Was konnte dieses Rätsel nur bedeuten? Was oder wer waren die Schwestern? Waren sie mächtige Zauberinnen, die Godric in der Zeit vor Hogwarts gekannt hatte? Zumindest hatte dies ja die das Manuskript von Helga Huffelpuff gemeint. Es besagte ja, dass Gryffindors Jugend der Schlüssel zu ihnen sei. Harry schob sich die Brille leicht nach oben und massierte seinen Nasenrücken, wie es Dumbledore immer getan hatte. Was war es, was ihnen der alte Zauberer nicht sagen konnte, nicht sagen durfte.
Harry atmete erneut tief durch und schaute dann zu seinen Füßen. Da seine Brille aber noch nicht wieder richtig saß, sah Harry noch etwas verschwommen und so erkannte er nicht sofort, worauf sich sein Blick konzentrierte. Zwei Sekunden später rutschte sein Okular in die richtige Position, seine Sicht wurde klarer und auch die Umrisse der braunen, ledernen Röhre, worin sich die Gemälde befanden.
Harry stockte der Atem und ein komischer Gedanke durchzuckte ihn. Konnte das sein? War das die Antwort? So einfach? Harry beugte sich vor, hob einer der Röhren hoch und entnahm das Gemälde seines Vorfahren. Er entrollte es und hielt es etwas von seinem Körper weg, damit er es besser betrachte konnte. „Was ist dein Geheimnis, Godric?", fragte Harry leise. Dann schaute er zu Hermine, die sich immer noch fasziniert mit dem Fünfklingenschwert beschäftigte. Ein Lächeln seitens des Gryffindors war nicht zu vermeiden. Dann aber galt Harrys Aufmerksamkeit wieder dem Gemälde und er betrachtet den rothaarigen Zauberer ganz genau. Er trug ein sehr edel aussehendes Gewand, seine Haare wallten im Wind und er stand auf einem steinernen Turm. Sein Gesicht wirkte sehr jung. Harry war sich sicher, dass der Gründer Hogwarts zum Zeitpunkt der Erschaffung seines Bildnisses gerade mal siebzehn oder achtzehn Jahre alt war und winkte dem Betrachter direkt ins Gesicht.
Doch das ließ Harry erst einmal außer Acht und betrachtete vielmehr das Drumherum. Sein Blick wanderte über die Landschaft welche hinter Godric dargestellt war. Er betrachtete das gemalte Bergmassiv und den darunter liegenden See, bis hin zu den vereinzelten Gebäuden, die kaum unter dem erhobenen Arm des Gründers, durch die Achseln hindurch zu erkennen war. Doch Harry stockte plötzlich. Er erkannte die eng beieinander stehen Gebäude und seine Augen wurden immer größer, denn das konnte nicht sein? Das passte einfach nicht. Diese Türme waren völlig an der falschen Stelle. Von dieser Perspektive die hier dargestellt wurde, konnte man sie nicht so sehen. Das war nicht möglich, zumindest bis Harrys Kopf ein weiterer Schmerz durchfuhr und es bei ihm klick machte. Sein Kopf schoss herum und er sagte laut „Oh ... mein ... Gott".
Hermine hatte das Fünfklingeschwert gerade gefangen und schaute alarmiert zu ihrem Liebsten. Dieser stand allerdings völlig erstarrt da und schien über sie hinweg zu schauen. Das entsetzte Hermine aber nicht mal annähernd so sehr, wie die Tatsache, dass ihr Freund plötzlich immer durchsichtiger wurde. „Harry, was passiert mit dir?", rief sie und kam zu ihm herüber. Sie wollte ihn berühren und aus seinem Schock holen, doch ihre Hand ging plötzlich durch ihn hindurch und dann verschwand Harry samt Gemälde gänzlich von der Bildfläche. Das Letzte was sie noch hörte, waren die Worte „Ich hab sie gefunden". Doch Harrys Stimme verhallte und zurück blieb nur die lederne Röhre, welche Harry aus den Händen geglitten war, als ihn die Erkenntnis, der Schock mit voller Wucht getroffen hatte...
TBC
