Kapitel 113
Es kam zwar selten vor, doch heute war einer dieser Tage, wo sich Professor McGonagall die Brille hoch schob und sich, wie damals Albus auch immer, den Nasenrücken massierte. Doch wo ihr alter Freund und Mentor dies immer tat, um angestrengt nachdenken zu können, hatte die derzeitige Direktorin von Hogwarts einfach nur Kopfschmerzen. Es war ja auch nicht leicht, all die Informationen und Geschehnisse der letzten Tage zu verkraften. Manchmal fragte sie sich, ob sie jemand testen wollte.
Am meisten aber beschäftigten die alte Hexe die letzten Stunden vor ihrem zugegeben sehr kurzem Schlaf und das, was es mit den Ereignissen im Bad der Vertrauensschüler auf sich hatte. Besonders was Steph gesagt hatte, bereitete ihr Kopfschmerzen und ließ sie an ihrem Wissen und der Erfahrung zweifeln. Seiner Meinung nach waren sie beide am gestrigen Abend Zeugen von etwas geworden, was es bestimmt noch nie in der Geschichte der Magie oder der Menschheit an sich gegeben hatte, nämlich einer Verbindung zweier äußerst kraftvoller magischer Wesen. Eine Hochzeit der Magie, wie sich der Professor für Verteidigung gewagt hatte auszudrücken. Und mittendrin ihre beiden Lieblingsschüler, von denen Minerva nicht sagen konnte, wie sie die Sache überstanden hatten. Harry und Hermine lagen oben im Krankenflügel, genau wie Eve und Blaise Zabini, welche durch ihr Handeln Hogwarts zwar sehr gut geschützt hatten, dabei aber auch an ihre Grenzen gegangen waren.
Minerva schmunzelte sogar etwas als sie im nächsten Moment an die Worte von Don Guillanos Sohn dachte und überlegte doch glattweg, den beiden Elementaren ein Wochenende frei zu geben, damit sie …. Nein, die Direktorin brach den Gedanken ab und tadelte sich selbst, dass sie allmählich weicher wurde, was die Erziehung ihrer Schüler anging. Allerdings erklang auf diesen Gedanken hin ein Kichern hinter ihrem Rücken und als sie sich umdrehte, lächelte Albus Portrait sie an und sagte „Willkommen in meiner Welt, Minni. Ich sehe, du machst dich und erkennst langsam, was es heißt den Jugendlichen ein wenig Freiraum zu lassen."
„Ach Albus, du hast leicht reden. Hast du eine Ahnung, was in den letzten Stunden passiert ist? Ich meine Harry, Hermine und dann diese ganzen Rätsel? Wenn mir Harry doch nur wenigsten schon etwas verraten hätte. Einen Anhaltspunkt, irgendetwas. Aber so. Was ist, wenn er sich nicht erholt?" Die Stimme der alten Hexe war voller Sorge und ihr alter Freund versuchte sie zu beruhigen.
„Alles wird gut, Minni. Harry und auch Hermine sind stark und werden es überstehen. Du musst nur etwas Geduld haben. Ich weiß es und würde dir ja so gerne etwas über die Geheimnisse verraten. Doch du weißt, ich darf es nicht. Vertrau einfach deinen beiden Schülern und auch Steph. Sie werden es schon deichseln." Mit diesen Worten verabschiedete sich der ehemalige Direktor und meinte, er mache sich jetzt auf den Weg in eines der Bilder im Krankenflügel. Die ersten Patienten seien am aufwachen und Minerva sollte sich auch langsam dorthin begeben. Professor McGonagall dankte Albus für den Tipp und machte sich auch auf den Weg.
***
Harrys Glieder schmerzten, als würde man sie ihm über die eigentliche Dehnbarkeit hinaus verbiegen. Allerdings sagte ihm der Geruch, welcher ihm in die Nase stieg, dass er sich in guten Händen befand, nämlich in denen von Madame Pomfrey. Ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht des Schwarzhaarigen und im Geiste machte Harry einen Strich auf seiner persönlichen Rekordliste. Dann aber öffnete er seine Lider und das erste was seine Augen erblickten waren zwei käferschwarze Seelenspiegel, die ihn anfunkelten, als wollten sie den Gryffindor erdolchen.
„Was ist los Blaise? Sexuell nicht ausgelastet?" Harry konnte sich nur dunkel an das erinnern, was vor seinem Vollbad mit Hermine geschehen war. Doch das Kissen, welches sein Mitschüler quer durch den Krankensaal warf, brachte seine Erinnerungen auf Vordermann.
„Potter, ich hab was bei dir gut, verstanden? Du hast ja keine Ahnung wie weh das tut, wenn du mitten im …" Harry ließ seinen Kumpel gar nicht ausreden, sondern fiel ihm ins Wort. „Schon gut Zabini, du hast was gut. Allerdings verschone mich mit Einzelheiten. Ich will gar nicht wissen, was ihr da im Wasser gemacht habt. Und außerdem brauche ich dich ja noch. Wir beide müssen unbedingt zu deinem Vater, da …"
Weiter kam Harry nicht, da sich einerseits Hermine im Bett neben ihm regte und dann außerdem die Tür zum Zimmer aufging und eine ziemlich müde dreinblickende Direktorin selbiges betrat. Hinter ihr folgte Steph, der ein Grinsen im Gesicht hatte, als wäre er gerade von Ems (oder vielleicht auch mit) gekommen. Und als er dann noch in Richtung Blaise und Eve lächelte, hoffte Harry, dass nicht im nächsten Moment ein anderes Kissen im Gesicht des Professors landete.
„Oh ihr seid wach", sagte Minerva und trat zwischen die Betten von Harry und Hermine. Den Blick hatte sie dabei allerdings mehr auf ihre Lieblingsschülerin gerichtet und vor allem schienen sie die Augen der Gryffindor zu interessieren. Hermine schaute noch etwas verschlafen hoch und bedachte die Direktorin mit einem fragenden Blick.
„Geht es dir gut, Hermine?"
„Natürlich Professor. Ein bisschen groggy vielleicht, meine Schulter brennt noch etwas und der Schritt ist leicht wund. Doch ansonsten geht's mir gut." Und noch bevor Hermine den Satz beendet hatte, war sie voll wach und erkannte, was und vor allem wem sie dies gerade gesagt hatte und ein nicht zu übersehender Rotschimmer bemächtigte sich ihres Gesichtes. Allerdings schaute auch die alte Hexe etwas verlegen, was Steph zum Glucksen brachte und nicht nur ihn. Nein auch Poppy musste grinsen, machte sich dann aber daran, die Schulter von Harrys Freundin zu untersuchen. Man kam halt nicht jeden Tag dazu, eine solche Körperverzierung zu betrachten und jetzt, da das ganze Blut und auch die Wundschwellungen verschwunden bzw. abgeklungen waren, strahlte der goldene Phönix umso mehr in den Raum.
„Wow Hermine, Harry weiß wie man Eindruck hinterlässt", sagte Steph und schaute dann zu seinem Schüler der gerade dabei war sein Zeichen der Unterwerfung … ähm ... ich meine natürlich sein Äquivalent zum Trauring zu präsentieren. „Wow", entfuhr es Damions Dad und nicht nur ihm, denn der goldene Drache war im Vergleich zum Phönix nun wirklich eine Augenweide und er hatte etwas von filigraner altchinesischer Kunst, auch wenn der Drache von dem es stammte nicht mal annähernd etwas mit einem Feuerball zu tun hatte.
Nachdem die beiden Wunden dann begutachtet waren, kam man zur eigentlichen Fragestunde und hier schaltete Poppy sehr rasch und beschwor mehrere Sichtschirme um die Betten der vier Schüler herum. Schließlich gab es noch andere Patienten und die sollte ja ruhen und außerdem nicht wirklich was von den Unterredungen mitbekommen. Auch wollte die Direktorin zuerst, dass auch Blaise und Eve von der Versammlung ausgeschlossen wurden. Doch da erhob Harry Einspruch und meinte, dass diese beiden eh die Wahrheit noch erfahren müssten. Als Professor McGonagall jedoch wissen wollte, wieso ausgerechnet die Zwei, da hob Harry nur die Hand und meinte „später".
Unter sich war dann die erste Frage der Direktorin, was denn nun mit Hermines Augen geschehen war. „Sie sahen so gefährlich, so animalisch aus", waren die Worte der alten Hexe und Hermine zwinkerte sie kurz an. „Wie animalisch? So in etwa?", fragte sie mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken und kurzzeitig blitzten die Drachenaugen in ihrem Gesicht auf.
„Ja, genau so", entfuhr es der Direktorin etwas unsicher und sie wich sogar einige Zentimeter zurück und Hermine antwortete kryptisch, wie vom Großmeister Albus selbst gelernt „Nun dazu müssen wir sie erst noch ein wenig mehr einweihen, Professor. Ich sage hier nur so viel, ich bin nicht mehr nur Hermine." Damit ließ sie eine sehr überraschte Minerva McGonagall im Raum stehen. Die leicht ungewöhnliche Ruhe wurde nur durch Steph unterbrochen, der sich bestätigt fühlte und meinte, dass es dann wahr wäre. Dass sie sich vereint hatten.
Das Wörtchen „vereint" im Bezug auf die letzte Nacht zu nennen ließ die beiden Schüler allerdings etwas rot werden und Steph fragte, ob er es lieber Hochzeit nennen solle und was sie sich als Geschenk wünschten. „Einen Satz Bettwäsche vielleicht?", versuchte er Harry zu striezen. Doch der Gryffindor funkelte seinen Professor nur an und erwiderte, „Nein Steph, das hab ich doch schon. Außerdem so denke ich, lassen wir das mit der Hochzeit lieber mal weg, denn besonders Jane würde mich umbringen, wenn ich sie darum gebracht hätte, das Zepter für diese Feier zu schwingen. Nein, das Thema Hochzeit hat noch Zeit, soweit bin ich mir mit Hermine einig. Aber es steht nicht außer Zweifel, dass das was wir gestern erlebt haben außergewöhnlich war. Eine Verschmelzung zweier Magiearten, die hat es noch nie gegeben. Ein weiteres Highlight um die Geschichte der Schwestern des Lichtes. Und wenn du mir weiter solche Vorschläge machst, denn bleibst du hier und erfährst nie was über sie."
Und damit waren sie endlich beim Thema. Sofort horchten alle ums Bett herum auf und die Direktorin fragte ohne Umschweife, was Harry denn nun herausgefunden habe. Der Gryffindor grinste daraufhin und erwiderte, „Professor, das wird ein Schock für sie und vielleicht lassen sie sich von Poppy ein paar Herztabletten mitgeben. Alle anderen, sprich Hermine und Steph würde ich doch bitten, nachher, wenn wir alle gefrühstückt haben unten in der Eingangshalle zu warten, denn dann wird das Geheimnis gelüftet.
„Was? Mister Potter sie können doch nicht? Ich meine, sagen sie doch endlich was sie gefunden haben. Erst verschwinden sie … dann tauchen sie wieder auf und holen Miss Granger. Dann sind sie beide weg und kehren verletzt zurück … und jetzt … ich verlange einfach, dass …" Die alte Hexe verstummte, doch nicht weil es ihr die Sprache verschlagen hatte, sondern weil eine mächtige Kraft sie daran hinderte. Und der Zauber kam nicht von Harry, da dieser selbst überrascht war. Nein es war Hermine, deren Augen golden leuchteten und sie sagte etwas von, „Und ich dachte Ungeduld ist eine Eigenschaft der Jugend." Allerdings war ihre Tonlage so, dass man nicht unbedingt sagen konnte, dass Hermine hier selbst sprach. Harry erkannte die Stimme aber sehr wohl. Sie klang alt, amüsiert und weiblich und war die des Drachens.
Alle Blicke lagen nun auf Harrys Freundin und diese wurde etwas rot. Dann aber schien ihr zweites Ich sich wieder zurück zu ziehen und Hermine entschuldigte sich für ihr Handeln. Harry fand aber dass sie Recht hatte und schickte sich an, sein Schlafanzugoberteil zu öffnen, als Zeichen, dass sie sich umziehen wollten. Steph grinste wie schon die ganze Zeit, Poppy schüttelte den Kopf und die anderen drehten sich zum Gehen um. Einzig Blaise und Eve wussten nicht so recht, wie es nun weiter gehen sollte und so meinte Harry, dass er es ihnen erklären würde, wenn sie zurück wären. Bis dahin bat er aber die zwei Elementare Stillschweigen zu bewahren. Sie verstanden und nickten. Damit war dies geklärt und dem Frühstück stand nichts mehr im Wege.
***
„Du genießt das, oder Harry?", fragte Stephano als sich die beiden Lehrer in der Eingangshalle eingefunden hatte und der Gryffindor gemächlichen Schrittes durch selbige kam. Neben ihm Hermine, die nicht minder schadenfroh lächelte und schließlich ihrem Freund etwas ins Ohr flüsterte.
„Jepp", antwortete Harry und wandte sich dann an die Direktorin. „Kommt wohl von meiner Nähe zu Albus. Der schien dies ja auch immer sehr genossen zu haben. Doch ich will mal nicht so sein. Auf geht`s." Mit diesen Worten bat er Steph und Professor McGonagall in Richtung Innenhof und dort die Treppen hoch, welche zur alten Palisade führte. Auf der mächtigen Mauer angekommen stellte er sich zwischen die beiden Erwachsenen und meinte sie sollten nach oben in den Himmel schauen.
Neugierig und voller Erwartungen taten die zwei Professoren dies auch. Allerdings stockten sie in ihren Bewegungen, denn sie schauten ja lediglich in den Himmel über dem See, der dalag wie immer. Steph drehte sich zu Harry um und bedachte ihn mit einem Blick, als wolle dieser ihn veräppeln. Doch der Gryffindor lächelte nur und mit einem „dort" deutete er noch oben und in Richtung eines Storches, der vom See gestartet war und nun an Höhe gewann. Gespannt scannten wieder zwei Augenpaare den Himmel. Nur dieses Mal legte Harry, der ja zwischen den beiden stand, jeweils eine Hand auf die Schultern und löste für die beiden Professoren die Schutzauber auf.
„Oh mein Gott", entfuhr es der Direktorin als sich vor ihren Augen eine riesige Burg auf dem Gebirgszug gegenüber von Hogwarts wie aus dem Nebel erhob. Und auch Steph schien seinen Augen nicht zu trauen. Ja selbst Harry schluckte, hatte er das Gemäuer welches nun wirklich doppelt so groß war wie Hogwarts, so noch nie gesehen, sondern nur einen Teil und diesen von innen.
„Ich darf Vorstellen, Professor, die größere Schwester des Lichtes", erklärte Harry mit ein wenig geschwellter Brust. „Sie war in den früheren Jahren auch als Gryffindor Castle bekannt."
„Mister Potter … das … das ist ja unglaublich." Professor McGonagall fasste sich an ihre Brust. Doch sie fing sich auch sogleich wieder und fragte mit weiten Augen. „Und wo ist die kleine Schwester, wenn dies da die große ist?"
Die Antwort kam aber von Steph, da dieser sehr schnell geschalten hatte und Damions Dad sagte mit wacher Stimme. „Es ist Hogwarts. Ich hab doch recht Harry, oder?"
Der Gryffindor lächelte und nickte. „Stimmt Steph, es ist Hogwarts, die Schwester des Wissens."
„Dann ist das, was Voldemort haben will, dort drüben. Stimmt´s Mister Potter?", fragte nun die Direktorin und hier war es Hermine, die antwortete und erwidert, „Ja das ist es, Professor. Doch seien sie unbesorgt. Voldemort wird die Macht, welche Gryffindor Castle birgt niemals bekommen. Dafür ist gesorgt."
„Wie?", fragte Professor McGonagall leicht unsicher, das dies hier alles doch sehr an ihre Grenzen ging.
„Durch mich und Harry und die letzten Stunden. Mehr will ich ihnen noch nicht verraten." Diese Bemerkung von Harrys Freundin ließ die alte Hexe die Stirne runzeln und Harry glaubte ein leises „verflucht seiest du Albus" aus dem Munde der Direktorin zu hören. Dann aber bat Hermine ihren Liebsten, ob er nicht den Chauffeur spielen möchte und zwei Sekunden später fanden sich alle vier in der großen Halle von Gryffindor Castle wieder. Und hier ging das Staunen der beiden Erwachsenen erst richtig los. Nun ja, bis zu dem Moment, wo Godric meinte die Gäste zu begrüßen und Professor McGonagall mit einem grellen Schrei der Ohnmacht verfiel. Sie brauchten gut drei Versuche, die alte Hexe wieder auf die Beine zu bekommen und danach benahm sich die Direktorin wie ein Groupie beim Take That Konzert.
Harry musste immer wieder lächeln, wenn seine alte Lehrerin den Geist der Gründer ansah und sich bewegte, als wäre er Merlin oder Gott persönlich. Doch nach einiger Zeit legte sich dies auch wieder und während Godric eine kleine Führung durch das Schloss gab, führte sie ihr Weg auch zum Zugang der Höhle. Hier allerdings wollte Harry noch kurz warten, denn ihm war etwas in den Sinn gekommen. Daher wandte er sich auch an Godric und fragte den Geist, ob die Möglichkeit bestand, der Direktorin auch Rechte für dieses Schloss hier zu übertragen. Nur für den Notfall und falls man die Schüler aus Hogwarts evakuieren müsste.
Godric überlegte und fand daran nichts Falsches. Natürlich wäre dies eine gute Maßnahme, denn man konnte ja nie wissen. Der Geist blickte Harry in die Augen und sagte, „Harry, im Prinzip weißt du ja, wie es geht. Du hast ja bereits die Macht über das Schloss und musst Professor McGonagall nur an es binden."
„Binden, Mister Potter?", fragte die alte Hexe und in Harrys Augen funkelte es mit einem Male teuflisch. „Na binden eben, Professor. So wie ich auch Hermine an Gryffindor Castle gebunden habe."
Die Augen der alten Hexe wurden immer weiter und sie bemerkte nicht den Schalk in Harrys Nacken. „MISTER POTTER, das glauben sie doch nicht im ernst?" Totale Röte schoss ihr ins Gesicht und sie schüttelten den Kopf. Der Gryffindor ging aber nicht auf den Ausbruch der Direktorin ein und trat ganz nah an sie heran. „Professor vertrauen sie mir. Wir sind doch erwachsene Menschen. Ich verspreche ihnen auch, es wird nicht wehtun und ich werde ganz vorsichtig machen."
Die Direktorin stand kurz vor der Ohnmacht als ihr Schüler immer näher kam und noch bevor sie zurückweichen konnte, hatte Harry blitzschnell seinen Finger auf ihre Hand gerichtet und leise „sectusempra minimalis" gemurmelt. Sofort bildete sich ein kleiner Schnitt an der Hand der Direktorin, Blut trat hervor und tropfte auf den steinernen Boden, der den Lebenssaft wie ein Schwamm aufsog.
„So schon fertig", grinste Harry und konzentrierte sich darauf die Bindung zu besiegeln und die kleine Wunde zu schließen. Und er musste sich wirklich konzentrieren, denn das Gesicht der alten Hexe und das Glucksen von Steph und Hermine brachten auch Harry fast dazu loszulachen. Professor McGonagall starrte ihn dafür nur an und wurde erst durch eben jenes Glucksen von Stephano wieder in die Realität geholt. Allerdings spürte man im nächsten Moment, wie sich die Magie um die alte Hexe herum leicht veränderte und dann erstarb das Grinsen in Stephs Gesicht. Und nicht nur bei ihm, nein auch bei Harry und Hermine. Denn die Augen der Direktorin funkelten im nächsten Moment voller Wut und mit nach vorn gerichtetem Zauberstab sagte sie laut „Mörder".
„Was?", rief Damions Dad und musste im nächsten Moment auch schon ausweichen.
„Stupor", donnerte die Direktorin los und das laute „NEIN" von Harry ging unter. Außerdem fuhr ihn die alte Hexe an und befahl „Schweigen sie Mister Potter. Zu ihnen komme ich noch. Haben sie überhaupt eine Ahnung, wer da vor ihnen steht? Hat er sie etwa verzaubert?"
Harry wusste nicht so recht, was er erwidern sollte und fragte sich vielmehr, was gerade geschehen war. Sein Blick ging dabei zum Geist von Godric und dieser schien sich selbst etwas zusammen gereimt zu haben und flüsterte seinem Nachfahren zu. „Kann es sein Harry, dass die Direktorin unter einer Art Zauber stand? Wenn ja, dann hat einer der alten Schutzzauber diesen bei der Bindung neutralisiert. Es sollte so in den alten Zeiten verhindert werden, dass zum Beispiel bei einer Hochzeit, bei der ja die Braut automatisch in das Haus des Bräutigams einheiratet, dies unter dem Imperiusfluch oder so geschieht."
Harry begriff und nickte leicht. „Ja Sir, sie stand unter einem Gedächtniszauber, da Steph und ich eine Vergangenheit haben, mit der wir eigentlich unseren Frieden geschlossen und sie damit begraben hatten."
„Oops, das hätte ich wissen müssen. Dann hätte ich dich gewarnt, Harry", kam es leicht entschuldigend von Godric, doch Harry winkte nur ab. Er hatte ein viel größeres Problem, denn Steph schien allmählich müde zu werden und dann traf ihn schließlich einer der Flüche der Direktorin. Es war ein Fesselfluch und Damions Dad kippte wie Neville in seinem ersten Jahr nach hinten um und rührte sich nicht mehr. Allerdings schien dies der alten Hexe nicht zu genügen und mit gezücktem Zauberstab trat sie an Stephano heran und wenn man ihre Wut bedachte, konnte es sehr gut möglich sein, dass die Direktorin gleich etwas tat, was sie später bereuen würden.
„Tun sie es nicht Professor", flehte Hermine, da sie das gleiche ungute Gefühl wie Harry beschlich. Doch Minerva warf ihr nur einem zornigen Blick zu, welcher eindeutig aussagte, dass sie enttäuscht von Hermines war und sich von ihrer Lieblingsschülerin ebenfalls verraten fühlte. Harry unterdes überlegte, ob er seine Professorin nicht einfach überwältigen sollte. Doch das brauchte er gleich darauf gar nicht mehr zu tun, denn Roumas Geist übernahm wieder die Kontrolle über den Körper seiner Freundin und einen Augenaufschlag später war es die Direktorin, die sich aufgrund der Macht des Drachens erneut nicht mehr rühren konnte.
Entsetzt starrte sie auf Hermine und die Gryffindor machte den Anschein, als täte ihr ihre Tat mehr weh, als sie es zugeben würde. Traurigkeit stand in ihren Augen, doch das war nichts im Vergleich zum Gesicht der Direktorin. Minerva schaute nämlich noch einiges trauriger und geschlagen blickte sie zum Boden. Für sie war klar, dass es hier zu einem Wendepunkt gekommen war. Ein Punkt wo sich ihr Schicksal entschied. Denn eines wusste sie genau, Severus Snape hatte etwas mit ihren Schülern gemacht und nun wandten sie sich gegen sie und all das, was sie und Albus verband und das sie versucht hatten, gerade diesen beiden Schülern, ihren Gryffindors beizubringen.
„Professor McGonagall, geht es ihnen gut?", fragte Harry besorgt, während er gleichzeitig mit seinem Zauberstab Steph von seinem Fluch befreite. Damions Dad nutzte die Chance auch gleich und war sofort auf den Beinen. Und auch ohne zu zögern ging er zu Professor McGonagall herüber und wandte sich an sie. „Minerva verzeih mir bitte deine Situation. Aber du musst mir vertrauen und zuhören." Und als Zeichen des Friedens bat Damions Dad Hermine, sie mögen auch die Direktorin befreien. Als dies dann geschehen war gab er ihr sogar seinen Zauberstab, welchen Minerva wenn auch leicht zitternd annahm.
„Und jetzt?", fragte die alte Hexe unsicher, da ihr klar war, dass sie nicht wirklich die Macht besaß, dort fortzufahren, wo sie vor einigen Momenten aufhören musste. „Immerhin sind sie ein Mörder Severus Snape." Beim letzten Satz musterte sie den Mann vor sich ganz genau. Und als dieser zusammenzuckte, fühlte sie sich bestätigt."
„Jetzt Professor, so denke ich, wird es Zeit für die Wahrheit und eine kleine Reise in die Vergangenheit." Mit diesem Satz wandte sich der Professor für Verteidigung an Harry und fragte, ob dieser vielleicht schnell mal sein Denkarium holen könnte. Doch da wurde er von Godric Gryffindor unterbrochen. „Nun, ich denke das wird nicht nötig sein, Sir."
„Echt? Gibt es denn ein Denkarium hier im Schloss?", fragte Harry überrascht, obwohl ihm dies eigentlich hier an diesem Orte nicht mehr passieren sollte.
„Ein Denkarium?", sagte Godric leise. „Nein so etwas gibt es hier nicht. Doch wir haben dafür was viel besseres, nämlich einen Spiegel."
„Einen Spiegel? So wie der Spiegel Nerhegeb?", mischte sich Hermine in das kleine Gespräch mit ein und Godric lächelte, „Ja so in etwa. Es ist sein Zwillingsbruder, wenn du so willst, meine Liebe."
„Sein Zwilling? Ja aber dann nützt er uns doch nichts." Wandte Harry ein und Godric schüttelte den Kopf. „Doch doch Harry, das tut er. Er zeigt uns ja nicht das, was wir ersehnen, sondern das, was wir verloren. Daher heißt er ja auch der Spiegel des Vergessens."
„Und damit können wir der Direktorin zeigen, was wir wollen?", fragte Stephano, ein Auge sicherheitshalber immer noch auf seiner Chefin.
„Ja das könnt ihr. Ihr müsst nur alle beide in den Spiegel eintauchen und euch dann darauf konzentrieren, was ihr zeigen wollt." Erwiderte der Geist des Gründers und die vier Sterblichen schauten in mit großen Augen an. Kurz darauf war die Direktorin auch einverstanden und Godric führte sie einige Gänge entlang tiefer ins Schloss. Vergessen war erst einmal das viel größere Geheimnis von Gryffindor Castle, denn jetzt zählte es, das Vertrauen der Direktorin zurück zu bekommen.
Unterwegs erklärte Godric noch ein wenig von der Geschichte des Schlosses und seiner Ahnen, bis ihm noch was Wichtiges einfiel. „Ach ja, ihr Zwei …", sagte er mahnend. „Wenn ihr gleich in den Spiegel eintaucht, betretet ihr sozusagen zusammen euere beide Geister. Ihr solltet also vorsichtig sein, woran ihr denkt, euch konzentrieren auf das, was ihr wollt. Einerseits um die Privatsphäre des anderen zu respektieren und andererseits, um nicht zu viele Information selbst aufzunehmen. Das kann einem Kopfweh bereiten. Glaubt mir, ich wollte damals nicht wissen, was Sal und Helga als Jugendliche im Wald getrieben haben, als ich mit ihr mal in den Spiegel gegangen war."
Die letzte Bemerkung brachte alle ein wenig zum Lachen und lockerte die Spannung und schließlich erreichten sie eine schwere Eichentür hinter der sich so etwas wie ein Archiv befand. Und in ihm, mitten im Raum, stand ein riesiger Spiegel, der dem Spiegel Nerhegeb zum Verwechseln ähnlich sah. Vor diesen bat Godric die zwei Erwachsenen sich zu stellen und dann berührte seine Geisterhand den reichlich verzierten hölzernen Rahmen des Spiegels. Zuerst geschah nichts und Harry befürchtete, dass der Zahn der Zeit daran genagt hatte, doch dann begann sich die Oberfläche des Spiegels zu verändern und sie glich wenige Sekunden später einer ruhenden Wasseroberfläche, welche man senkrecht aufgestellt hatte. (Na woher kennen wir das wohl?).
„Dort müsst ihr durch, Minerva", flüsterte Godric als wolle er keinen Lärm machen, der die Spiegeloberfläche bewegen könnte. Die Direktorin schaute den Geist skeptisch an und es war Steph der ihr die Entscheidung abnahm und meinte, dass sie die Wahrheit haben wollte. Und so ergriff er beherzt die Hand der alten Hexe und zog sie mit sich in den Spiegel. Zurück blieben Harry, Hermine und Godric Gryffindor, wobei letzterer ein breites Grinsen auf den Lippen hatte.
„Und jetzt?", fragte Hermine. „Sollen wir hier warten?"
„Ich denke mal ja, meine Liebe. Die Zeit im Spiegel vergeht anders und die beiden dürften nicht sehr lange brauchen." Erwiderte der Geist und sein Grinsen wollte einfach nicht aus dem Gesicht weichen. Harry, der dies bemerkte und dem dies ein wenig sonderbar vorkam, sprach ihn mit leicht genervtem Ton daraufhin an. „Was?", fragte er und Godric schaute ihm tief in die Augen. „Ich fasse es einfach nicht, Harry. Von all den Lebewesen dieser Welt vereinst du als mein Erbe dich mit dem, welches am mächtigsten ist und das ich mein ganzes Leben lang gejagt habe, um es zu vernichten. Also wenn das nicht Ironie des Schicksals ist?"
Harry dachte über diese Worte nach und ergriff dann Hermines Hand. „Und doch wird uns diese Vereinigung helfen, die Zukunft zum Guten zu wenden, Sir."
„Oh daran habe ich keinen Zweifel, mein Junge. Eure Liebe ist wie ein Feuer. Ach wo wir gerade beim Feuer sind, welches von euch beiden ist denn nun eigentlich stärker. Phönixfeuer oder Drachenfeuer?"
Die beiden Gryffindors schauten sich an und wussten für einen Moment nicht, was sie antworten sollten. Godric stutzte über dieses Zögern und fragte dann, „Jetzt sagt nicht, ihr habt das noch nicht herausgefunden. Ich meine, ihr habt doch jede Menge Wissen erhalten, als ihr euch vereinigt habt."
„Wissen? Feuer Sir?", fragte Hermine und Godric lächelte. „Na ich meine dich Hermine. Ich meine die Macht in dir, deine elementaren Kräfte?"
Harry hörte den Worten des Geistes zu und ihm wurde bewusst, dass seine Freundin mehr als nur einen Teil von Roumas Seele bekommen hatte. Hermine hatte also jetzt, genauso wie er selbst, die Macht über das Feuer. Nur eben als Drachenfeuer und damit machte die Frage seines Ahnen plötzlich Sinn. Wer war nun mächtiger, er oder seine Liebste? Bei näherer Betrachtung Hermine, denn gegen ihren Blick war der Gryffindor ja machtlos. Und mit einem Lächeln gestand sich dies der Schwarzhaarige auch ein.
Zehn Minuten später dann rührte es sich wieder an der Spiegeloberfläche und zwei mehr oder weniger nachdenkliche Professoren traten zurück in die Realität. Steph war vermutlich aufgewühlt da er ja eigentlich mit der Vergangenheit und Severus abgeschlossen hatte und die Direktorin schien so als wäre eine Welt für sie zusammengebrochen. Harry schaute beide erwartend an und es war schließlich Professor McGonagall, die die Stille durchbrach.
„Ich glaub ich werde zu alt für so etwas und ich denke jemand oder besser ein bestimmtes Portrait hier im Schloss hat mir nachher eine Menge zu erklären." Damit schien die Sache für die alte Hexe scheinbar erledigt zu sein, doch genau darin hatte sich Harry mächtig getäuscht. Denn plötzlich wandte sich die Direktorin an ihn und sagte mit einer Strenge, bei der man nicht wusste, ob sie ernst gemeint war, „Ach und Mister Potter, zwanzig Punkte von Gryffindor für das Belegen eines Lehrkörpers mit einem Gedächtniszauber."
Harry starrte die alte Hexe an und bemerkte erst etwas später wie sich deren Gesicht zu einem Lächeln verzog. Dem Gryffindor fiel ein Stein vom Herzen und er nahm die Strafe mit einem entschuldigenden Nicken an. Danach kam sie allerdings wieder zum eigentlichen Grunde ihres Besuches und nach einem kurzem Marsch in die Höhle unter der Burg traf die beiden Professoren der nächste Schock und Harry und Hermine brauchten eine Weile um ihnen alles zu erklären. Auch schafften sie nicht alles, denn immer wieder schüttelte Minerva den Kopf du meinte, dies könne nicht sein. Doch sie mussten ja auch nicht alles sofort wissen und verstehen. Über manches musste man halt auch mal schlafen und daher bleib der Besuch in Roumas Höhle relativ kurz und die vier kehrten nach Hogwarts zurück.
