Kapitel 115
Eine gespenstige Stille lag über dem Haus Familie Zabini, welches nur wenige Sekunden zuvor vom Schmerzensschrei ihres Gastes, einem jungen Gryffindor durchzogen war. Doch diese Stille, die den Anschein machte, als wäre die Zeit stehen geblieben, hielt nicht sehr lange an und wurde nun ihrerseits vom Lärm einer in Eile aufgeschlagenen Tür durchbrochen. Es waren fünf von Don Guillanos Männern, die besorgt und mit gezogenen Waffen, sei es nun Zauberstab oder Pistole, in die Bibliothek gestürmt kamen, um ihren Job zu tun und ihren Boss zu beschützen.
Und sie würden dies auch tun, mit vollem Körpereinsatz, denn ihr Verhältnis zum Don ging weit über das eines Boss- Angestellten- Verhältnis hinaus. Nein, diese Männer hatten sich ihm verschrieben, hatten dem Boss und der Familie ihr Leben gewidmet. „Ist alles in Ordnung Sir?", rief Alex alarmiert und richtete seine Pistole suchend in jede Richtung. Dabei fiel sein Blick auf den am Boden liegenden Harry und wie sich Blaise und sein Vater über ihn gebeugt hatten.
„Schnell Alex, das Sofa", rief Don Guillano und seine Leute reagierten teils erleichtert, teils besorgt. Zwei von ihnen steckten nun ihre Waffen weg und halfen den beiden Zabinimännern, den Gryffindor aufs Sofa zu legen. Dann befahl der Don nach einem Heiler zu rufen, oder zumindest nach seiner Gattin, da diese in früheren Jahren eine gut ausgebildete Krankenschwester gewesen war. Aber schon in dem Moment und vielleicht durch die ganze Bewegung unterstützt, erwachte Harry und flüsterte leise „nein, nicht nötig".
Der Don und Blaise schauten den Jungen verwirrt, aber auch erleichtert an. Harry jedenfalls brauchte noch einige Sekunden um völlig klar zu werden und dann wanderte sein Blick vorsichtig in Richtung Hand. Sie war noch da. „Merlin sei Dank", flüsterte er leise. Doch insgeheim hatte Harrys dies ja schon gewusst, denn der Schmerz der seinen Körper durchzogen hatte und ihn so laut aufschreien ließ, rührte ja auch nicht vom Handgelenk her. Nein, vielmehr hatte der Gryffindor gerade das Gefühl gehabt, als hätte ihm jemand mit einer dünnen, langen Peitsche oder gar einem Rohrstock, mit voller Wucht, von hinten gegen beide Oberschenkel geschlagen.
Harry brauchte einige Minuten, um dies den Leuten im Raum dies zu erklären, etwas, das besonders die Wachen nicht verstanden, da sie das vorher geschehene nicht mitbekommen hatten. Allerdings begann Blaise nun zu lachen und meinte, dass es für ihn einen Sinn ergab, jedoch verdunkelte sich sein Blick und er meinte, dass es wohl nicht nur Harry weh getan haben wird, sondern auch Hermine. Danach erklärte er, dass es wohl mit der Verbindung der beiden Gryffindors zur Besitzerin der Beine zu tun habe und Harrys Augen weiteten sich.
An seine Freundin hatte er in dem Moment gar nicht gedacht und er wollte sofort los, um nach ihr zu sehen. Blaise meinte aber, sie sollten noch kurz warten und erst einmal nach den Drachenbeinen schauen. Sein Vater gab ihm Recht und so galt ihre Aufmerksamkeit nun dem Schreibtisch. Den majestätischen Anblick des Möbelstücks konnten die drei aber nur noch wenige Momente genießen. Scheinbar hatte das Durchtrennen der Sehnen und Adern der Drachenbeine zur Folge, dass die Magi, welche den Tisch seit über tausend Jahren zusammenhielt, auch verschwand. Schließlich rutschte die Tischplatte unter lautem Getöse von ihrem angestammten Platz und der Don stöhnte auf, als sie beim Aufschlag einen nicht unbeträchtlichen Teil des Parketts vernichtete.
„Oh bitte nicht. Das Parkett ist unbezahlbar. Es hat mich ein Vermögen gekostet und es wird stressig, diesen Schaden wieder zu beheben."
„Stressig, Sir? Ein einfacher Reparospruch sollte doch genügen." Harry verstand nicht ganz, wieso der der Don so niedergeschlagen war. Blaise knuffte ihn aber in die Seite und meinte, „Mensch Potter, dieses Parkett ist ein Original und stammt aus dem Louvre in Paris. Hast du eine Ahnung, was mein Dad für Schmiergelder zahlen musste, um da ran zu kommen. Ganz zu schweigen, dass die Grand Galerie in den nächsten Wochen nicht gerade verlassen sein wird, um sich das Holz zu beschaffen. Es sind bald Ferien und damit Touristenhochsaison."
„Paris?", fragte Harry überrascht und schaute sich das Parkett genauer an. „Heißt das, ihr habt es aus dem Museum geklaut?"
Die beiden Zabinis grinsten vielsagend. „Natürlich nicht, Mister Potter. Das wäre ja unmoralisch und gesetzeswidrig. Nein, wir haben es nur „umgelagert" und vor den vielen Besucherschuhen bewahrt."
„BEWAHRT? Also doch geklaut, oder?", stellte Harry fest und das Grinsen der beiden wurde noch breiter. Schließlich meinte der Don, er stehe nun mal nur auf Originale und dann kam bei ihm der Italiener durch, da er meinte, dass die Bewohner des Landes mit dem Baguettefetisch es eh nie gemerkt haben, dass einige Quadratmeter ihrer geliebten Grande Galerie mit Replikaten ausgelegt worden waren. Kopfschütteln machte sich Harry daran, die Drachenbeine aufzuheben. Er beschwor noch schnell eine Decke, um sie einzuwickeln und nach einer kurzen Verabschiedung und dem Hinweis seitens des Dons, dass sich Harry melden solle, wenn sie Hilfe bräuchten, machten sich die beiden Gryffindors auf den Weg nach Hogwarts zurück.
Zuerst hatte Harry sich überlegt, dass er Blaise und die Drachenbeine nur bis zur Appariergrenze von Hogwarts teleportierte. Aber dann fiel seine Wahl doch auf einen Ort innerhalb des Schlosses. Einerseits um schneller bei Hermine zu sein, denn er sorgte sich wirklich um seines Liebste und andererseits um neugierige Blicke darüber was sie wohl in der Decke mit sich führten zu vermeiden. Und so landeten beide Gryffindors im Westflügel, besser gesagt im dritten Stock selbigen Trakts, da dieser in diesem Jahr mal wieder nicht genutzt wurde.
Allerdings bekamen die Zwei dadurch nur schwer etwas von dem Tumult mit, welcher in Hogwarts, oder besser auf seinen Ländereien wütete. Erst durch die leisen Schreie und vereinzelten Lichtblitze, welche man durch eines der Fenster vereinzelt sehen bzw. hören konnte wurden Harry und Blaise darauf aufmerksam.
„Shit, was ist hier los?", rief Harry überrascht und legte die nicht gerade leichten Drachenbeine erst mal auf dem Boden ab.
„Keine Ahnung, Harry. Aber der eine Blitz war grün und du weißt was das bedeutet." Erwiderte Blaise und beide sahen sich besorgt an. Harry traf schließlich eine Entscheidung und sagte, „OK Blaise, du nimmst die Beine und bringst sie in unseren Schlafsaal. Versteck sie unter meinem Bett. Leg zur Not meinen Tarnumhang darüber. Ich schaute nach, was da unten los ist."
„Potter, du bist so ein Held", grinste Blaise, nickte dann aber und meinte, er würde dann auch gleich nachkommen. Die Drachenbeine hatte jedoch auch eine gewisse Priorität. Damit war es beschlossen und beide trennten sich.
„… meine Babys…", schluchzte eine Frauenstimme. „… Ich will zu meinen Kindern." Dies waren die ersten Worte, welche Harry hörte, als er am Haupttor von Hogwarts ankam. Sie stammten von einer Hexe mit rundlichem Gesicht und schwarz-violetten Haaren, welche ungefähr im Alter von Molly war und die immer wieder versuchte, aus dem Schloss zu gelangen.
„Was ist passiert?", fragte Harry und mehrere Personen, unter ihnen auch die Direktorin, drehten sich um.
„Oh Mister Potter, gut dass sie wieder hier sind. Ich habe schon befürchtet, sie würden ihren kleinen Trip da draußen beenden." Das Gesicht der Direktorin zeigte wirkliche Erleichterung, doch konnte man auch Sorgenfalten entdecken.
„Ja aber, was ist los, Professor?", wiederholte Harry seine Frage.
„Todesser, oder besser Todesser und Werwölfe, Mister Potter. Sie haben an der Appariergrenze gelauert, um Flüchtlinge, die in Hogwarts Schutz suchten, abzufangen. Bisher konnten wir dies immer verhindern, doch heute Morgen versuchte Agnes, Verzeihung Madame Lizzy, mit ihren Kindern aus ihrem Hort für magische Kinde hierher zu gelangen und da haben sie zugeschlagen."
Harry hörte, wie die ältere Hexe erneut schluchzte und Poppy versuchte sie zu trösten. Die Direktorin erklärte unterdes, dass mehrere Väter, die zur Zeit hier in Hogwarts lebten und auch einige Auroren, die nicht mehr fürs Ministerium arbeiteten, versuchte hatten, die Todesser aufzuhalten. Doch sie hatten nur wenig Erfolg. Mindestens zehn Jungen und Mädchen waren verschleppt und fünf Zauberer schwer verletzt worden.
Harry überlegte, was er tun konnte, doch dann wurde er abgelenkt. Hermine erschien in seinem Blickfeld und der Gryffindor eilte zu seiner Liebsten. „Hermine", rief er und zog sie in seine Arme.
„Oh Harry, ihr seid zurück", erwiderte Hermine und nach einem langen Kuss schluchzte sie. „Bei Merlin Harry es war furchtbar. Wir konnten einfach nichts tun. Sie sind wie aus dem Nichts aufgetaucht und als ich dachte, ich würde eines der Kinder aus den Klauen dieses riesigen Wolfes retten können, da hat mich jemand von hinten verhext. Himmel, der Fluch tat echt weh. Es war als wenn mir einer …"
„… mit einem Rohrstock von hinten gegen die Oberschenkel schlägt." Vollendete Harry ihren Satz und sah sich nun einem Paar sehr verwirrter brauner Augen gegenüber.
„Harry woher…?", fragte Hermine überrascht und ihr Freund machte ein betroffenes Gesicht.
„Verzeih mir Schatz, aber das war ich, und zwar als ich die Drachenbeine vom Schreibtisch des Dons entfernt habe. Komm ich erklär es dir."
Bevor Harry dies aber tun konnte, unterbrach seine Freundin ihn. „Später Harry. Wir müssen erst nach Ron und Bill sehen."
„Ron?", entfuhr es dem Gryffindor überrascht.
„Ja Harry. Ron und Bill sind den Werwölfen in den Wald gefolgt, um die Kinder zurück zu holen." Sagte Hermine und sie klang mehr als nur besorgt.
„Na dann los" Harry war fest entschlossen seinem Kumpel zu helfen. Kurz hinter dem großen Tor des Schlosses wurde er jedoch schon aufgehalten und zwar von mehreren Auroren. „Nein Lord Potter, sie können da jetzt nicht raus. Es ist zu gefährlich."
„Aber ich muss. Mein bester Freund ist …"
„Shit, sie kommen zurück", erklang eine Stimme keine drei Meter von Harry entfernt und als sie alle in Richtung Verbotenem Wald schauten, sahen sie, wie mehrere Personen aus ihm gerannt kamen. Es waren zum größten Teil die Kinder und sie rannten um ihr Leben. Dicht hinter ihnen folgten dann vier Werwölfe, wobei zwei davon immer wieder versuchten die anderen Beiden von den Kindern fernzuhalten. Es waren ein großer schwarzer Werwolf und einer mit einem markant roten Fellstreifen auf dem Rücken. Schließlich hatte Bill seinen Gegner erwischt und schnappte sich nun zwei Kinder. Er warf sie einfach über seine Schulter und trieb die anderen vor sich her hin Richtung Schloss.
Die beiden Jungen schrien panisch auf, als Bill sie schnappte und einer Auroren brüllte plötzlich „NEIN, das ist mein Sohn du Monster" und ein roter Lichtstrahl verließ seinen Zauberstab.
„Um Gottes willen nicht …", schrie Harry und reagierte blitzschnell. Er bewegte mit seiner rechten Hand einen riesigen Ast in die Flugbahn des Fluches und fuhr dann die Auroren an. „Nicht auf den schwarzen oder der roten Wolf feuern. Das sind Bill und Ron. Wir dürfen sie nicht gefährden." Entsetzt über diese Aussage schauten ihn alle an, als wäre er verrückt. Allerdings hatte das Eingreifen des einzelnen Auroren zur Folge, dass Bill ausweichen musste und so die beiden Kinder von sich weg schubste, damit sie nicht getroffen wurden. Zu allem Unglück aber stürzten Beide knapp hinter der Appariergrenze ins Gras, was ein bisher unentdeckter Todesser ausnutzte. Noch bevor irgendjemand reagieren konnte, hatte er die beiden Kinder in seiner Gewalt und war mit ihnen appariert.
Minuten später erreichten Ron, Bill und die Kinder das Schloss, wo sie von allerhand helfenden Händen in Empfang genommen wurden. Mütter oder auch nicht, sie alle schlangen ihre Arme um die völlig verängstigten Jungen und Mädchen. Allerdings musste Harry einschreiten und Bill davon abhalten, sich den Auroren vorzunehmen.
„Ganz ruhig Bill. Er wusste es nicht." Sagte der Gryffindor als der schwarze Wolf knurrend auf den Mann in Uniform zuging. Harry stellte sich ihm in den Weg und beschwor erst einmal einen Zaubererumhang. Er reichte ihn dem Wolf und noch während sich Bill verwandelte, schimpfte dieser. „Du Idiot, wir hatten sie. Wir hatten alle zehn befreit und du mischt dich ein."
„Ja Bill, ihr hattet sie und wir holen sie auch wieder zurück", sagte Harry beschwichtigend und wischte sich dann kurz übers Auge. Er hatte nämlich rasch ein paar Tränen produziert, um die Wunden, welche Bill im Kampf davon getragen hatte, zu versorgen. Der Werwolf ließ dies auch dankbar geschehen und danach hieß es ab ins Schloss und das Tor zu. Man durfte jetzt nicht überstürzt handeln und musste notgedrungen abwarten, was Voldemort für die Geisel verlangte. Denn das etwas in der Hinsicht kam war Harry klar, sonst hätten sie die Kinder nicht entführt.
Das Warten war die reinste Qual und mit nichts vergleichbar, was der Gryffindor bisher erlebt hatte. Harry war froh, dass er sich zunächst dahingehend ablenken konnte, indem er der Direktorin alles von seinem Besuch in Italien erzählte. Mit dabei in ihrer kleinen Runde waren auch seine engsten Freunde und ein Großteil der Lehrer. Allerdings fragten sich viele von ihnen, wozu man die alten Drachenbeine benötigte und Harry wurde klar, dass ihr Geheimnis noch sicher bewahrt war.
Stunden waren vergangen und das Mittagessen schon lange vorbei, als Harry seinen Blick über die Menschen in der großen Halle wandern ließ. Tat er hier das Richtige? Konnte er den Leuten das geben, was er versprochen hatte … Sicherheit? Es waren keine Zweifel, die Harrys Gedanken bewegte, nein, vielmehr die Sorge vor dem Ungewissen.
Ein lautes Kreischen ließ den Gryffindor aus seinen Gedanken hochschrecken, ihn und auch viele andere im Raum. Die Laute rührten von einem nahezu schwarzen Waldkautz her und dieser flog direkt auf Harry zu. Vor ihm ließ er dann etwas fallen, ein kugelähnliches Gebilde, welches auf dem harten Steinboden der Halle zerbarst und dadurch einen rötlichen Nebel freiließ. Harry dachte für einen Moment daran, dass es sich um ein Erinner-Mich handelte, so eines, wie Neville es in seinem ersten Jahr bekommen hatte. Doch es musste etwas anderes sein und alarmiert rief Harry, alle sollten einige Schritte zurück und versuchen, den Nebel nicht einzuatmen. Man konnte ja nie wissen.
Allerdings verschwand der Nebel, welcher zwar unangenehm roch ansonsten aber harmlos zu sein schien, sehr schnell wieder und gab den Blick auf etwas anderes, jemand anderen frei und der Lärm in der Halle stieg von einer auf die andere Sekunde. Panik, genau so konnte man es beschreiben, was nun in den Köpfen des Menschen um Harry herum losbrach und die Professoren, allen voran die Direktorin, benötigten einige Zauber um die Massen zu beruhigen. Denn da wo der Nebel gewesen war stand nun der dunkle Lord in voller Pracht und er lächelte zufrieden über die Reaktion, die sein Auftauchen hervorgerufen hatte.
Harry starrte Tom Riddle wütend an und war versucht einen Schockzauber auf ihn zu feuern. Da aber bemerkte er, wie das Abbild flackerte und der Gryffindor erkannte, dass es nicht Tom persönlich war, sondern nur eine Illusion. Und eben dieses wandte sich an die Direktorin.
„Minerva McGonnagal treten sie vor", rief er und schien sich in der Halle umzuschauen. Harrys alte Professorin, die sich gerade um einige Erstklässler gekümmert hatte und nun mit Madame Lizzy sprach, schaute kurz zu ihm herüber, nicht sicher, was sie tun sollte und Harry nickte ihr zu.
„Ich bin hier, Tom", erwiderte sie und Harry musste schmunzeln, da sie sich nicht einschüchtern ließ und Albus Angewohnheit den dunklen Lord mit seinem richtigen Namen zu betiteln angenommen hatte. „Was willst du?"
„Was ich will, Minerva?", erwiderte Tom scheinbar gelassen, doch Harry konnte einen verärgerten Unterton heraus hören. „Die Frage ist doch eher, was möchtest du. Es sei denn, diese beiden hier sind dir egal…" Und mit einer Handbewegung erschienen neben ihm die beiden Silhouetten zweier Kinder, die am Boden kauerten und vor Angst zitterten.
„Mein Sohn", rief der Auror und wollte sich durch die Menge kämpfen. Doch Tom grinste nur. „Ah Auror Forster, ich wusste doch, dass mir das Gesicht bekannt vorkam. Soweit ich mich erinnern kann, wart ihr es, der mich fünf meiner getreuen Freunde gekostet hat? Vielleicht sollte ich meine Meinung noch einmal überdenken…" Die Spannung in der Halle war zum Zerreißen gespannt, da keiner so recht wusste, was hier vor sich ging. Dann aber schüttelte der dunkle Lord leicht seinen Kopf und sagte, „Nein, ich werde meine Meinung nicht ändern und ich werde, wie es sich für einen großen Zauberer gehört, gnädig sein, Minerva. Ihr bekommt sie wieder, wenn ihr MIR dafür etwas gebt."
„Und was soll das sein, Tom?", fragte die Direktorin, ihren Blick immer noch auf die beiden Kinder gerichtet.
„Oh nichts großes, Direktorin. Nur ein kleines Stück von dem, was mir am wichtigsten ist. Ich will lediglich den Siegelstein aus dem Hogwartswappen in der Großen Halle." Der Dunkle Lord lachte förmlich als er sah, wie sämtliche Farbe aus dem Gesicht der Direktorin wich. „Bei Merlin nein", flüsterte sie voller Entsetzen. „Das kann und werde ich niemals tun."
„Aber sicher kannst du es, Minerva. Es ist nur ein Stein, oder? Aber vielleicht brauchst du eine kleine Hilfe zur Entschlussfindung …Crucio." Voller Wonne labte sich Tom in Moment darauf, wie die beiden Kinder vor Schmerzen schrien und sich auf dem Boden wanden. „Aufhören", flehten viele der Hexen und Zauberer im Raum, allen voran die Direktorin den dunklen Lord an. Tom löste darauf den Fluch voller Genugtuung, blickte kurz zum Vater des einen Jungen und sah dann die alte Hexe lauernd an.
Was keiner in der Halle jedoch in diesem Moment tat, war auf Harry zu achten, denn wenn es jemand getan hätte, wäre ihm aufgefallen, dass der Gryffindor stocksteif auf seinem Platz stand und auf einen grauen Nebel starrte, der zwischen den steinernen Platten des Bodens hervorquoll und sich langsam zwischen den Beinen der anderen Schüler auf den Gryffindor zubewegte. Zuerst wollte Harry seinen Zauberstab erheben das fremde Gebilde abwehren. Doch dann hinderte ihn eine innere Stimme daran und als der Nebel regelrecht vom Körper des Gryffindors aufgesogen wurden war, schlich sich ein Lächeln auf Harrys Gesicht. Zwei Minuten später floss der Nebel wieder aus seinem Körper und über den Boden. Kurz bevor er jedoch gänzlich verschwand bildete sich noch schnell ein Gesicht inmitten der grauen Masse und das Abbild von Harrys Vorfahren zwinkerte dem Gryffindor ganz kurz zu.
„Minerva ich warte", sagte der dunkle Lord fordernd und richtete erneut seinen Zauberstab auf die Kinder. Bevor er aber den Cruciatusfluch benutzen konnte, erklang von seiner rechten Seite Harrys Stimme und der Gryffindor sagte, „In Ordnung Tom, du bekommst ihn und wir die beiden Kinder zurück."
„Nein Harry", rief die Direktorin geschockt. „Du weißt nicht, was du da tust."
„Doch das weiß ich, Direktorin. Ich halte mein Versprechen." Erwiderte er mit einer Autorität in der Stimme, welche die alte Hexe zurück weichen ließ. Dann wandte er sich an Tom und dieser schaute ihn überheblich an und sagte, „Bei Merlin Potter, endlich scheinst du dich hinter deinem Schild von Unschuldigen hervor zu trauen. Ich dachte schon, du bist vom Erdboden verschwunden."
„Nicht doch Tom, ich war nur kurz mit meiner Liebsten zugange. Dauert halt etwas länger wenn noch Saft auf dem Füller ist. Oh verzeih, das sind ja böhmische Dörfer für dich."
Das Gesicht des dunklen Lord zuckte vor Wut, doch Harry grinste nur. Er gab sich überheblich hoch zehn und forderte nun seinerseits, dass Tom die Kinder frei ließ, wenn er den Stein bekäme. Voldemort grinste darauf hinterlistig und erwiderte. „Abgemacht Potter. Du übergibst mir heute gegen drei Uhr den Stein im Verbotenen Wald und ich werde dafür den beiden Bälgern nichts tun."
„Sechs Uhr Tom", unterbrach Harry seinen Erzfeind. „Du siehst doch selbst, dass hier unzählige Kinder und Unschuldige im Schloss sind. Hexen und Zauberer, die mit unserem Krieg nichts zu tun haben. Gib mir also drei Stunden mehr Zeit, um sie aus dem Schloss und in Sicherheit zu bringen. Denn wenn du den Stein so sehr willst, dann muss er ja was mit Hogwarts zu tun haben."
„Harry nein", rief Hermine und versuchte ihren Freund zur Vernunft zu bringen. Doch der Gryffindor ignorierte sie einfach und sah Voldemort herausfordernd an. Dieser schien zu überlegen und grinste dann. „Abgemacht Potter, du bekommst deine Zeit um Hogwarts von denen zu säubern, die es nicht wert sind, dort zu leben."
Harrys Miene zeigte unterwürfige Dankbarkeit. Innerlich jedoch grinste er und kurz darauf zerschmolz das Abbild des dunklen Lords. Und als dieser gänzlich verschwunden war, da wurde der Gryffindor von jeder Seite bestürmt, die Direktorin allen voran. „Mister Potter, haben sie den Verstand verloren. Sie haben eben Hogwarts geopfert. Sie haben uns eben alle preisgegeben."
„Ja und Nein, Professor. Das mit Hogwarts stimmt. Doch was das andere angeht, so habe ich einen Eid auf meine Familie geschworen. Haben sie das schon vergessen? Und weil wir viel zu tun haben, würde ich sagen, wir lassen die unteren drei Klassenstufen ihre nötigsten Sachen holen und aktivieren sämtlich Kamine, um sie in Sicherheit zu bringen."
Minerva starrte ihren Schüler an und ein Funken Hoffnung flammte in ihr auf. Harry hatte also doch nicht so überstürzt gehandelt. Allerdings verflog ihr Enthusiasmus im nächsten Moment, als mehrere Alarme im Schloss los gingen und nachdem die Direktorin an die nächste Wand geeilt war, ums sich über ihre Verbindung mit dem Schloss genauere Informationen zu holen, sank sie geschockt zusammen.
„Professor, was ist passiert?", fragte Harry besorgt und eilte seiner alten Lehrerin zu Hilfe. Die Antwort traf ihn wie ein Hammer.
„Sie haben Hogwarts abgeschirmt Harry. Tom hat uns betrogen und das Flohnetztwerk abgeschaltet. Außerdem liegt nun außerhalb von Hogwarts Schutzzaubern eine Barriere, ähnlich unserer eigenen, gegen jegliches Apparieren oder das Reisen mit einem Portschlüssel."
„Verdammt", fluchte Harry und schlug mit seiner Faust wütend gegen die Wand. Der Schmerz, der durch seinen Arm fuhr interessiert ihn gar nicht. Vielmehr fragte er sich, was sie nun tun konnten. Hermine fragte vorsichtig, ob es denn wenigstens Harry noch möglich war zu teleportieren. Ihr Liebster erwiderte jedoch, dass er dies zwar noch konnte. Doch wenn er alle hier raus bringen wollte, dann bräuchte er drei Tage und mindestens einen ganzen im Vesuv, um seine Reserven wieder aufzufüllen. Und Zeit war etwas, dass sie nicht hatten.
Die Minuten verstrichen und immer weitere Vorschläge wurden gemacht. Schließlich stand Harry auf und ging in Richtung des riesigen Wappens der Gründer und betrachtete den zentralen, runden Stein, welchen Tom so unbedingt haben wollte. Er war sozusagen der Schlüssel zum Schloss. Jedenfalls wenn man ihn richtig einsetzte. Eine Hand berührte Harry an der Schulter. Es war Professor McGonagall und sie sah ihren Schüler mit traurigen Augen an. „Es tut mir Leid, Harry. Du konntest doch nicht ahnen, dass der dunkle Lord deine Absichten durchschaut hat. Aber du hast ihm das Versprechen gegeben und nun bleibt uns nichts weiter übrig als es zu halten. Wenn du mir also bitte helfen könntest und mich darauf bringen. Ich möchte den Stein aus dem Siegel entfernen und dir vertraue ich beim Schwebezauber am meisten."
Harry sah die Direktorin leicht überrascht an, bevor er anfing zu lachen. „Oh Professor, wir sind noch lange nicht am Ende. Ich hatte nur gehofft, ich könnte all die Kinder in Sicherheit bringen und müsste sie nicht mitnehmen."
„Mitnehmen? Wohin mitnehmen?" Die alte Hexe war sichtlich überrascht und ein ihr unheimlich anmutendes Lächeln schlich sich auf Harrys Gesicht. „Na in ihr neues Heim natürlich, Professor. Und um dies zu schaffen, sind sie als Direktorin dieser Schule die letzte Person, die den Siegelstein entfernen sollte."
„Was? Wieso Mister Potter? Nur ich kann dies tun. Ich bin mit dem Schloss verbunden …" Bevor Harry aber darauf antworten konnte, entdeckte der Gryffindor etwas zwischen die hohen gewundenen Säulen, welche die Decke der Großen Halle stützten und alarmiert griff er zu seinem Zauberstab.
Von Harrys Aktion aufgeschreckt drehte sich auch die Direktorin um und starrte nach oben. Was sie dann dort entdeckte, ließ die erfahrene Hexe grell aufschreien. Denn zwischen den Säulen der verzauberten Decke befand sich ein Wesen, bei dem sie nicht so genau wusste, was es sein sollte. Es war klein, hatte unheimlich Ähnlichkeit mit der Figur eines Hauselfen und auch dessen große Augen. Dann aber bewegten sich auf seinem Rücken ledrige Schwingen und lange, tödliche Krallen waren dort, wo man bei Dobby oder Winky Hände und Füße finden würde.
„Was ist das, Harry?", fragte die Direktorin und fasst sich erschrocken an die Brust.
„Keine Ahnung, Professor. Ich würde fast sagen eine fliegende Hauselfe. Doch ich wusste nicht, dass es so etwas gibt." Antwortet Harry ehrlich und beobachtete das Wesen, welches zwischen seine Krallen eine Art Lumpen zu halten schien. Auch nahm es seinen Blick keine Sekunden von Harry, ja es fixierte den Gryffindor regelrecht.
„Die gibt es auch nicht…", erwiderte Minerva und fügte hinzu. „... Sollte es zumindest nicht geben. Doch wer weiß, wie weit Tom noch gegangen … wie verrückt er geworden ist."
Im nächsten Moment bewegte sich die Kreatur und stieß sich samt ihrem Paket ab und segelte in Richtung Boden. Sofort kreischten einige Mädchen auf und es wurde noch lauter, als das Ding seine Ladung fallen ließ und der Lumpen keine fünf Meter von Harry und der Direktorin, dumpf auf den steinernen Platten der Großen Halle aufschlug. Sekunden später verschwand die geflügelte Hauselfe oder was es war wieder und ließ jede Menge verwirrter Gesichter zurück.
„Tretet zurück. Keiner fasst es an, was immer es auch ist." Die Stimme der Direktorin erklang in ihrer gewohnten Strenge und all die, welche noch im Umkreis von fünf Metern zu dem abgeworfenen Lumpen standen, wichen zurück.
Harry fasste sich dann als erster ein Herz und trat langsam auf das schwarze Stück Stoff zu. Er stoppte aber sofort wieder, als es begann sich zu bewegen. Was ging hier nur vor? Dies war wohl die Frage, die wohl jeden in der Halle bewegte. Hinzu kam, dass der Lumpen dann auch noch begann ein klapperndes Geräusch von sich zu geben und als es sich dann auch noch aufrichtete, war die Halle wieder kurz vor einer Panik. Jeder Zauberer hatte seinen Stab gezogen und auf den Lumpen, der sich nun als schäbiger alter Zaubererumhang entpuppte, gerichtete. Und dann geschah es. Der Umhang öffnete sich und zum Vorschein kam etwas, dass vor allem die Mädchen dazu brachte, ihre Hände vor Augen und Mund zu schlagen und viele von ihnen übergaben sich sogar.
Ein schlohweißes Skelett stand nunmehr im Raum und klapperte mit den Zähnen. Es schaute sich um und trat dann einen Schritt vor. Das sahen einige als Zeichen des Angriffs und mehrere Zauber schossen über Harrys Kopf hinweg und rissen den menschlichen Überresten beide Arme vom Rumpf. Harry merkte aber sehr schnell, dass dies ein Fehler war. Denn das Skelett klapperte nur weiter mit den Zähnen und dann verbeugte es sich vor Harry, als wollte es ihm für den Angriff danken. Und Harry sah auch warum… denn die abgetrennten Knochen schien plötzlich in einem weißen Licht zu strahlen und dann formten sich aus dem Licht kommend weiterer Knochen. Harry erkannte zuerst das Schulterblatt und dann formten sich Rippen und ehe sich der Gryffindor versah, war das Skelett komplett und nicht dieses, sondern es standen nun drei seiner Sorte da."
„Oh nein", dachte Harry und wollte gerader sagen, dass keiner auf die Skelette feuern sollte. Doch es war zu spät. Reductozauber über Reductozauber flogen so in Richtung Eindringlinge und leistete ganze Arbeit. Die Schreie, die nun durch die Große Halle hallten, waren einfach Panik pur. Und wenn man bedachte, dass der menschliche etwas über zweihundert verschiedene Knochen besaß. Und man von drei Skeletten am Anfang ausgehen konnte, so brauchte man kein Genie sein, um zu wissen, welchem Heer an Untoten sich die Zauberer nun gegenübersahen.
Doch die Skelette griffen nicht an und so belauerten sich beide Fronten, bis eines der Skelette anfing mir seinen Zähnen zu klappern und das so, dass etwas wie ein Rhythmus zu erkennen war. Dem folgte ein dumpfes Brummen aus den Mündern anderer Skelette und als dieser Gesang, wenn man ihn so nennen konnte, seinen Höhepunkt erreichte, fuhr allen Lebenden im Raum ein eisiger Schauer über den Rücken und dann zerfielen die Skelette einfach in Bestandteile. Der ganze Hallenboden war übersät mit Knochen und Schädeln.
Doch wenn Harry jetzt gedacht hatte es war vorbei, so irrte er gewaltig und das entsetzte Keuchen, welches Professor Flittwick ausstieß, ließ den Gryffindor herumfahren und er eilte zu seinem kleinen Professor für Zauberkunst herüber. „Filius, was ist los?", fragte Harry voller Sorge, doch der kleine Halbkobold zitterte nur und deutete auf den Haufen Knochen. Harry folgte seinem Arm und der Mund klappte ihm auf.
Die Überreste der Skelette hatten begonnen sich zu bewegen und wie in einem Ballett begann zuerst die Schädel sich zu formieren. Sie setzten sich unter dem Klappern ihrer Kiefer zu einem riesigen Kreis zusammen. Sie verbissen sich zum Teil und als kein Schädel mehr frei umher kullerte, richtete sich der Kreis aus Schädeln auf und schwebte wie eine riesige Unterlegscheibe im Raum. Ein Schauder überkam Harry und er fragte sich, was wohl folgen würde. Die Antwort sah so aus, dass die restlichen Knochen sich zu einem Podest und so etwas wie einer Brücke zusammensetzten. Diese schwebte vor den Ring aus Schädeln und ab da ahnte Harry, was es wohl am Ende alles ergeben würde.
Bestätigt wurde seine Annahme, als Filius plötzlich zusammen sackte und meinte, sie seien alle verloren. Harry griff sofort nach seinem Professor und half ihm hoch. „Wie meist du das, Filius? Was ist das da?"
Der kleine Professor schaute mit Furcht in den Augen in Richtung des Ringes und erwiderte, „Es ist … ist ein Necro-Portal. Ein Tor ins Reich der Toten. Und wenn Vo … Voldemort ein solches erschaffen kann, dann hat er der Möglichkeit alles hier nach Hogwarts zu schicken. Dämonen, andere Wesen der Unterwelt, Todesser oder aber er selbst kann kommen, sollte er ein zweites Portal erschaffen haben."
Harrys Nackenhaare stellten sich auf als er dies hörte. Dämonen? Monster? Was wollte das Schicksal noch alles von ihnen. Nur um weiteren Gedanken die Möglichkeit zu geben, seinen Geist zu verdunkeln, diese Zeit blieb Harry nicht, denn nach einigen Sekunden der Ruhe kam Bewegung in das Portal, die Schädel schienen eine Beschwörung zu murmeln, die einem jeden die Haare sich aufstellen ließen und jeder im Raum griff angespannt nach seinem Zauberstab …
