Fallen from grace
Kapitel 2
Realisation
Die nächste Begegnung, die Hermine mit Professor Snape hatte, verlief eigenartig. Keiner von beiden wusste anfangs, wie er reagieren sollte, als sie sich im Klassenzimmer gegenüber standen. Unter großen Anstrengungen bemühten sich beide, so normal wie möglich zu handeln, als wäre nie etwas zwischen ihnen vorgefallen. Während des Unterrichts war es nicht besonders schwer, die alten Gewohnheiten wieder aufzunehmen, schließlich war er bekannt dafür, zurückweisend und hart zu sein. Abgesehen davon gingen sie sich gegenseitig aus dem Weg, wann immer es möglich war. Das hieß, es gab keine Gespräche auf dem Gang, keine Blicke und auch keine Begrüßungen mehr. Den Rest der Zeit, den sie nicht mit lernen oder lesen verbrachte, war Hermine mit ihren Freunden zusammen. Mit allen Mitteln versuchte sie, sich von dem eigenartigen Geschehnis in seinem Klassenzimmer abzulenken. Doch zu behaupten, dass sie sich mit der unausgesprochenen Übereinkunft zwischen ihnen zufrieden gegeben hätte, entsprach keinesfalls der Realität. Irgendwann kam der Punkt, an dem sie erkennen musste, dass sie den Vorfall nicht weiter ignorieren konnte, immerhin hatte er seine Finger in dem intimsten Bereich ihres Körpers gehabt und ihre nackte Haut mit seinem Samen benetzt.
Es war eigenartig, aber irgendwie hatte sie das Gefühl, als hätte sich in ihr einiges verändert. Sie war sich nicht sicher was es war und wollte verzweifelt mit ihm darüber reden, doch das Glück schien für viele Tage nicht auf ihrer Seite zu stehen. Immer wieder musste sie sich in Geduld üben und auf einen geeigneten Zeitpunkt warten.
Mit klopfendem Herzen betrat sie dann sein Klassenzimmer und versteckte sich die ganze Stunde über schweigsam hinter ihrem Kessel, während er sich mit langen Schritten durch den Raum bewegte und der Reihe nach seine Schüler zurechtwies. Wenn schon sie vollkommen von der Rolle war, so wollte wenigstens er sich nichts anmerken lassen. Schließlich beobachtete sie ihn dabei, wie er seine Nase über ihren Kessel hielt, um zu überprüfen, ob ihr Trank korrekt gebraut war. Er warf ihr einen kurzen aber tiefgründigen Blick zu, den nur sie sehen konnte und steckte seine Nase wieder in den Kessel. Hermine konnte den angenehmen Duft riechen, der von seinem Körper ausströmte und musste unweigerlich an die Bilder in ihrem Kopf denken, die sich dort eingebrannt hatten, als er seinen harten Penis an ihrem Körper gerieben hatte. Sie krallte sich mit den Händen an der Tischkante fest und spürte, wie ihr Körper dahin schmolz, während sie nicht fähig war, etwas dagegen zu tun.
Ein wohliger Schauder lief ihr den Rücken entlang und Snape hob skeptisch seine Augenbraue an. Dann machte er auf dem Absatz kehrt, fast so, als könne er nicht schnell genug von ihr wegkommen. Mein Gott! Er hatte sie eiskalt erwischt.
Hermine seufzte. Sie hatte wirklich alle Mühe, ruhig auf ihrem Platz hocken zu bleiben, während sie die Säfte ihres Körpers spürte, die deutlich in Wallung waren. Zitternd beobachtete sie ihn dabei, wie er zu seinem Pult hinüber glitt, sich mit gekreuzten Beinen gegen die Kante lehnte und ein Buch in die Hand nahm, ganz so, als wäre nie etwas geschehen. Seinem Blick nach zu urteilen, war ihm jedoch sehr wohl bewusst geworden, was in ihr vorging. Hermine war der Verzweiflung nahe. Es musste etwas passieren, so konnte das nicht weiter gehen.
Gegen Ende der Stunde wartete sie, bis alle das Klassenzimmer verlassen hatten und sie alleine mit ihm zurückblieb. Nervös baute sie sich vor ihm auf und sah ihn an. „Wir müssen reden. Bitte."
Er klappte demonstrativ das Buch zu und legte es neben sich ab. Dann verschränkte er seelenruhig die Arme vor der Brust und blickte mit unleserlicher Mimik auf sie hinunter. „Ja?" In seiner Stimme gab es keinen Hinweis auf eine Veränderung, er klang wie gewöhnlich.
Hermine bezweifelte, dass das ein gutes Zeichen war und kaute angespannt auf ihrer Lippe herum. „Nun ja, ich denke einfach, wir sollten darüber reden, was passiert ist."
Er schnaubte unbeeindruckt. „Nicht jeder hat das Bedürfnis, sich mehr als nötig mit anderen unterhalten zu müssen und Tratsch zu verbreiten."
Ihr entging nicht, dass er es vermieden hatte, ihren Namen zu nennen, was die Situation für sie deutlich komplizierter machte. Sollte sie ihn als ihren Professor oder als Severus ansprechen? Es war nicht unbedingt etwas, was sie ein für alle Mal geklärt hatten, während sie sich aufeinander gestürzt hatten.
„So?", fragte sie schlicht. „Das habe ich auch gar nicht vor."
Er wirkte ein wenig verunsichert, doch nur für einen winzigen Moment, ehe er wieder sein altbekanntes Gesicht zeigte. Seine Augenbrauen rutschten bis zum Anschlag nach oben. „Nicht?"
Sie schüttelte den Kopf. „Nein."
Ihre Stimme war so ernst, dass er es wagte, sich etwas weiter zu öffnen, als es gewöhnlich der Fall gewesen wäre. „Worum geht es dann?"
Die Frage schien einfach zu klingen, für Hermine aber war sie sehr bedeutsam. Sie verstand, dass er sich weiter aus dem Fenster lehnte, als es ihm behagte. Die eigentliche Person des Professors war immer verschlossen gewesen. Es gab nicht besonders viel, das sie über ihn wusste, abgesehen von seinem zurückgezogenen Dasein in den Kerkern von Hogwarts. Doch so richtig war ihr das erst klar geworden, nachdem sie diese intime Erfahrung mit ihm gemacht hatte.
„Ich weiß einfach nicht, was ich jetzt tun soll", gestand sie und strich sich verlegen eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ich weiß nicht einmal, wie ich dich ansprechen soll, Severus ... Professor ..." Sie biss sich auf die Zunge und hoffte, dass er sie nicht dafür rügen würde, dass sie einfach seinen Vornamen benutzt hatte.
Er atmete tief ein und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Es dauerte eine Weile, bis er sich gefasst hatte. Sie konnte förmlich spüren, wie seine Gedanken umher kreisten. „Und ich weiß nicht, was ich dir darauf antworten soll, Hermine." Seine Augen leuchteten ihr eindringlich entgegen. „Was soll ich dir erzählen?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Irgendwas. Es ist nicht leicht für mich, damit umzugehen."
Er räusperte sich, um seine Stimme zu klären, die plötzlich nicht mehr so gewaltig klang, wie sie es von ihm gewohnt war. „Das hätte nicht passieren dürfen ...", murmelte er vor sich hin. Dann stockte er und blickte sie mit seinen tiefschwarzen Augen an. „Das ist dir doch klar, oder?"
Sie wippte verunsichert mit den Füßen auf und ab. „Keine Ahnung. Ich meine, ich bin ziemlich durcheinander deswegen. Anfangs dachte ich, ich komme damit zurecht, aber jetzt … Es fällt mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen und mich auf andere Dinge zu konzentrieren." Sie sah absolut verloren aus, als sie ihm dieses Geständnis ablegte. Und genauso fühlte sie sich auch. „Vielleicht hätte ich nicht damit anfangen sollen, dich zu küssen. Doch irgendwie ist es einfach geschehen. Ich weiß nicht, was über mich kam … aber es hat sich gut angefühlt."
Er hob überrascht seine Brauen an. „Das ist wohl kaum der Punkt, denkst du nicht? Wir dürfen nicht einfach so etwas tun, nur weil es sich gut anfühlt."
Hermine blickte beschämt zu Boden. „Und was jetzt? Ich meine, was werden wir jetzt tun, Severus?" Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals. Sie war ungeheuer angespannt, weil sie nicht sicher war, wie er reagieren würde, oder was er zu ihr sagen würde.
Er seufzte tief und ließ die Arme sinken. „Ich weiß es nicht."
„Severus …" In Hermines Kopf drehte sich alles. Was konnte sie von ihm erwarten? Im Moment war sie sich nicht einmal mehr sicher, warum sie überhaupt angefangen hatte, mit ihm darüber zu reden.
„Ich kann es dir nicht sagen", bestätigte er knapp.
Während er mit den Armen an seinen Seiten herabhängend dastand, sah er nicht so aus, als hätte er eine passende Antwort parat, die beide zufrieden stellen würde. Vorsichtig streckte sie sich nach vorne und legte ihre Hände auf seine Brust. Der Kontakt, den ihre Fingerspitzen mit der schweren schwarzen Kleidung und seiner Wärme machten, ließ sie schaudern. Unbewusst leckte sie sich über die Lippen, dabei war es kein Wunder, dass sein Atem schneller ging. In ihr sah es nicht anders aus, als sie seinen Duft einatmete und ihre Finger wie durch Zufall über die schwarzen Knöpfe strichen.
„Hermine …", murmelte er mit rauer Stimme. Sein Mund war trocken und halb geöffnet, während er nach Worten suchte.
Sie blickte auf und sah ihm in die Augen. Wieder erkannte sie die Ernsthaftigkeit und die Verwirrtheit, die sich darin spiegelten. „Ja?"
„Was ist das?"
Sie legte fragend die Stirn in Falten. „Was, Severus?"
„Ich meine, sieh dich an …" Er schluckte hart. „Was tust du hier? Warum bist du zu mir gekommen?"
„Was meinst du?", wollte sie verunsichert wissen, als hätte sie keine Ahnung, wovon er überhaupt sprach.
„Ich meine das mit uns." Über sich selbst irritiert lockerte er einige der Knöpfe an seinem Hals. Er konnte nicht glauben, was er soeben gesagt hatte. Seit seiner Kindheit hatte es nichts mehr gegeben, das er mit einem anderen Menschen geteilt hatte. Der bloße Gedanke daran, auch nur irgendwie mit ihr in Verbindung zu stehen, erschreckte ihn. Doch er konnte nicht verleugnen, was geschehen war.
„Oh." Sie fühlte, wie sich ihr Puls beschleunigte und schien langsam zu realisieren, dass es eigenartig war, dass sie so nahe bei ihm war. „Ich weiß es nicht", gestand sie überrascht. „Du bist mein Professor, oder nicht?"
Er nickte schwach. „Ja."
„Darf ich nicht zu dir kommen?"
„Ich habe keine Ahnung. Vermutlich hängt es davon ab, was du von mir erwartest." Der Ausdruck auf seinem Gesicht war nur schwer zu deuten. Er wirkte besorgt und planlos zugleich.
„Denkst du, es ist unangemessen, wenn sich eine Schülerin mit ihrem Professor unterhält?"
Severus lachte mit leichtem Sarkasmus in der Stimme auf. „Wenn sie dabei seine Brust berührt … Ja. Dann ist es unangemessen." Er legte den Kopf in den Nacken und stöhnte auf. „Hermine … Was willst du von mir?"
Plötzlich wurden ihre Hände eiskalt. Ja, was wollte sie von ihm? Wie gut kannte sie ihn überhaupt? Immerhin war er ihr Professor. Aber abgesehen davon gab es fast nichts, das sie über ihn wusste. Und dennoch zwang sie etwas in seine Nähe, ganz gleich, wie unerklärlich es auch sein mochte.
Ihre Lippen bewegten sich, doch es dauerte, ehe sie ein Wort hervorbrachte. „Ich … ich glaube, ich will dich, Severus."
Er starrte sie an. Sekunden vergingen, die sich wie Minuten anfühlten, während es ungewöhnlich still zwischen ihnen wurde. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war nach wie vor schwer zu deuten. Mal wirkte er so, als wäre er wütend, dann wieder so, als wüsste er einfach nicht weiter.
„Severus?", fragte sie zaghaft.
„Ja." Es war mehr eine Feststellung, als eine Gegenfrage, was ihr versicherte, dass er darüber nachdachte.
„Ich weiß, das ist merkwürdig", fuhr sie fort. „Du bist mein Professor ... Aber irgendwie fühle ich, dass das nicht alles ist." Sie holte Luft. „Oder?"
Er räusperte sich verlegen. „Hermine … ich bin mir selbst nicht sicher, ob ich mich damit zufrieden geben kann, dass ich nur dein Professor bin." Seine Stimme war leise geworden, kaum mehr als ein Flüstern.
Sie spürte, wie sich ihr Magen verkrampfte. Nicht weil es ihr unangenehm war, was sie gehört hatte. Im Gegenteil! Es war ein unglaubliches Gefühl, so etwas von einem so verschlossenen Mann wie ihm zu hören. „Mir geht es genauso", sagte sie mit einem milden Lächeln auf den Lippen. „Ich weiß nicht, was mit mir geschieht, Severus."
Eine Weile lang schwiegen sie sich an und ließen die Gewichtigkeit der Bedeutung ihrer Worte aufeinander einwirken. Erneut legte sich Stille über den Raum, die nur vom Geräusch des Atmens unterbrochen wurde, bis Hermine ihm ein unerwartetes Lächeln schenkte, das ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen schien. Er schluckte schwer und nahm sie sanft aber bestimmt bei den Schultern. „Hermine … wir können das nicht tun. Wir … wir dürfen das nicht tun."
Sie nickte matt, ohne es so richtig zu realisieren. Der Blick ihrer Augen war völlig unvermittelt leer geworden, das Lächeln verschwunden. Die Situation schien hoffnungslos und eigentlich hätte ihr klar sein müssen, dass er so reagieren würde, doch in ihrem Inneren hatte sie auf eine andere Antwort gehofft. Ihr war bewusst geworden, dass sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen fühlte, auch dann, wenn es alles andere als angemessen war. Aber schon oft hatte sie sich in ihrem Leben über Regeln hinwegsetzen müssen und so wie sie sich kannte, war sie bereit, es jederzeit erneut zu tun. Wenn nötig, auch jetzt.
„Hast du mir zugehört?", fragte er sanft, als sie nicht auf ihn reagierte.
„Ich denke schon. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich das überhaupt hören will."
Er nahm ihr Kinn zwischen seine Finger und schob ihren Kopf nach oben, bis sie ihn zwangsläufig ansah. „Du bist zu jung für das."
„Woher willst du das wissen?" Sie sah ihm in die Augen und verlor sich in den endlosen Tiefen, die ihr daraus entgegen strahlten.
„Weil ich dir nicht das geben kann, was du verdienst. Du verdienst es, deine Erfahrungen mit jemandem zu machen, der genauso alt ist, wie du es bist."
Ein schmerzhafter Stich traf sie in der Brust. „Und wenn das nicht das ist, was ich will? Was ist, wenn ich jemand anders will?" Er schüttelte den Kopf, als wolle er damit verhindern, dass sie etwas sagen würde, was sie später bereuen könnte. Doch sie ließ sich davon nicht beirren.
„Was ist, wenn ich dich will?"
Snape schob seine Hände tief durch die Haare. „Hermine. Das kann unmöglich dein Ernst sein ..."
„Warum nicht? Du bist mein Professor und ich vertraue dir."
„Das genügt aber nicht."
Sie blinzelte ihn voller Erwartung an. „Severus … warum glaubst du, ist das neulich geschehen? Wir sind beide vollkommen außer Kontrolle geraten. Ich habe dich geküsst. Und du hast mich ebenfalls geküsst, wenn du dich erinnerst."
Er seufzte schwermütig. „Ich habe keine Ahnung, wie ich das zulassen konnte ... Ich habe die Kontrolle verloren. Und das darf nicht geschehen."
„Warum nicht?", fragte sie ungläubig, ohne über die Situation nachzudenken, in der sie steckten.
„Ich bin dein Lehrer, Hermine. Du stehst unter meiner Obhut, wie alle anderen Schüler auch." Seine farblosen Wangen hatten einen ihr unbekannten, leuchtenden Farbton angenommen, als er das sagte. „Fest steht jedenfalls, dass es sich nicht wiederholen darf. Verstehst du?"
Er sah sie eindringlich an, als würde er auf eine Bestätigung von ihr warten, doch Hermine konnte nicht vergessen, was sie gefühlt hatte, als sie sich voller Leidenschaft geküsst hatten.
„Aber ich weiß, dass da etwas sein muss", beteuerte sie ernst. „Irgendetwas. Und ich möchte herausfinden, was es ist."
Er kniff die Augen fest zusammen, so als würden ihm ihre Worte Schmerzen bereiten. Hermine konnte eine tiefe Sorgenfalte zwischen seinen Brauen erkennen und wusste, dass es ihm nicht leicht fiel, sich damit auseinander zu setzen.
„Nicht", sagte er ernst. „Mach es nicht schwerer, als es ohnehin schon ist." Sie wusste, wie viel Kraft es ihn kostete, das zu sagen. Wenn sie jemals eines über ihn gelernt hatte, dann die Tatsache, dass er nun wirklich niemand war, der seine Gefühle auf der Zunge trug. „Glaub mir, ich achte dich mehr, als es mir lieb ist. Lass mich das nicht verlieren. Bitte."
„Wie kannst du das sagen?", fragte sie verwirrt und schüttelte ihre Locken.
Er lächelte zaghaft. „Du bist sechzehn."
„Aber im September werde ich volljährig. Und überhaupt, was soll das heißen, ich bin sechzehn? Dass ich nicht gut genug bin? Es gibt Kulturen, da spielt es keine Rolle, wie alt jemand ist, Severus."
Seine Hand streckte sich langsam nach ihr aus und strich ihr zärtlich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Das ist das schlechteste Argument, dass ich je von dir gehört habe, Granger." Ein kaum ersichtliches Lächeln umspielte seine Mundwinkel und ließ ihn deutlich jünger wirken, als gewöhnlich. „Aber das ist nicht alles. Ich hatte nicht viel in meinem Leben, an dem ich festhalten konnte." Mit einem Schlag war das Lächeln verschwunden und einem ernsten, starren Blick gewichen. Hermine hielt den Atem an, als ihr bewusst wurde, was er ihr offenbarte. Es fiel ihm alles andere als leicht, das vor ihr zu gestehen. „Ich habe niemals etwas wie das erlebt. Und ich möchte es nicht zerstören. Vielleicht wird der Tag kommen, an dem ich daran glauben kann, doch nicht, so lange ich in Hogwarts bin."
Sie war verblüfft und starrte ihn auch so an. „Dann hast du also vor, das Unterrichten aufzugeben?"
Er zuckte mit den Achseln. „Eines Tages. Ja. Es war nie mein Wunsch, Lehrer zu sein. Ich bin nicht besonders gut im Umgang mit Menschen."
Hermine krallte sich mit den Fingern an seinen Knöpfen fest. „Aber was wird bis dahin sein? Ich weiß, was ich tue, Severus. Und ich weiß, was ich will. Denkst du vielleicht, ich bin nicht fähig, eine Entscheidung zu treffen, bei der es um meine Zukunft geht?"
„Das sagst du jetzt. Aber ich bin sechsunddreißig, Hermine. Das ist bedeutend älter." Seine Kiefer waren für einen Augenblick fest aufeinander gepresst. Er sah nicht glücklich über diesen Umstand aus.
„Das ist kein Alter für einen Zauberer. Sieh dir Dumbledore an ..."
Ein sarkastisches Grinsen legte sich über sein Gesicht, noch ehe sie ausgesprochen hatte. „Und was wird sein, wenn du meiner überdrüssig wirst? Niemand wird so etwas wie das je verstehen können. Was glaubst du, würde man über dich denken? Menschen urteilen schnell, Hermine. Ich selbst kann es nicht gutheißen. Ich kann mich nicht in etwas hineinstürzen, wenn ich nicht weiß, was mich dabei erwartet. In meiner Position kann ich es mir nicht erlauben, dass mich jemand verletzt."
Sie sah ihn mit einer Aufrichtigkeit an, die ihm eine Gänsehaut über den Körper jagte. „Das werde ich auch nicht tun, Severus. Glaube mir. Ich habe dir gesagt, dass ich weiß, was ich will. Und ich meine es so."
Er schüttelte sich. „Ich möchte es nicht darauf ankommen lassen. Mein Leben ist zu kompliziert für so etwas. Du bist jung und attraktiv und klug. Deine Zeit wird kommen, Hermine. Aber sie wird nicht mir gehören."
Sie starrte ihn entgeistert an. Es traf sie hart. „Severus, bitte … tu das nicht. Es verletzt mich, das zu hören. Denkst du wirklich, ich wäre an einem von den Jungs interessiert? Die sind doch nur darauf aus, jemanden zu finden, der ihnen einen bläst ..." Ein rosiger Schatten streifte ihre Wangen. Ohne dass sie es wollte, musste sie an seinen unerwarteten Höhepunkt denken, der ihre Knie ins Wanken gebracht hatte. Aufgrund seiner Ausstrahlung schien er übernatürlich stark, doch in diesem Moment war er so menschlich gewesen, wie es nur möglich war. „Aber ich will mehr. Ich will, dass es sich richtig anfühlt", sagte sie felsenfest. „Und als ich dir so nahe war, hatte ich dieses Gefühl, das mir keiner von ihnen bisher geben konnte." Sie bearbeitete angespannt mit den Zähnen ihre Lippe, ohne dabei seinen kritischen Ausdruck aus den Augen zu lassen. „Weißt du, die ganze Woche über habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich damit umgehen soll. Aber ich wusste es schlichtweg nicht. Ich fühlte mich verloren, weil ich Angst davor hatte, dass du mich von dir weisen würdest. Und da ging mir ein Licht auf. Mir wurde klar, dass ich mehr wollte ..." Ihre Stimme verstummte plötzlich, als sie den Ernst auf seinem Gesicht sah.
„Hermine, bitte", sagte er leise. „Es steht für uns beide zu viel auf dem Spiel. Das Ministerium hat ohnehin schon ein Auge auf die Schule geworfen. Angenommen, Umbridge kommt dahinter, was denkst du, wäre dann los?"
„Aber niemand muss es erfahren, Severus."
Er lachte bitter auf. „Und was, wenn doch? Du steckst gerade in deinem fünften Schuljahr an Hogwarts. Aber angenommen, es würde sich etwas zwischen uns entwickeln - was absolut verboten wäre - was, wenn das bekannt wird? Sie würden dir den Schulabschluss verwehren und mich nach Askaban schicken."
Er zuckte zusammen, bei dem Gedanken daran, was Hermine nicht entging. Unbewusst wich sie einen Schritt zurück. Er hatte Recht. Wenn jemand sie so sehen würde, wäre alles vorbei. Schon die sanfte Berührung ihrer Hände auf seiner Brust, der offensichtlich erregte Zustand, in dem sie sich immer noch befand, könnte sowohl ihre Zukunft, als auch seine gefährden.
„Und jetzt?", fragte sie leise. „Was denkst du, was ich jetzt tun soll?"
Er verbarg den Kopf in den Händen und atmete tief ein, während Hermine wie gebannt auf seine langen dünnen Finger blickte, die von den sonderbaren schwarzen Haarsträhnen umrahmt waren, die sie magisch anzogen.
„Ich kann es mir nicht aussuchen, Severus. Das, was auch immer es ist, ist einfach passiert."
Langsam ließ er die Hände sinken und faltete sie vor dem Schoß ineinander. „Ich … ich weiß", sagte er gedankenverloren.
Sie legte ihre Hände auf seine und blickte ihn an. Seine Haut zu berühren versetzte sie in einen wohlig warmen Zustand. Ihr Daumen strich sanft über seine Finger. „Severus …"
Seine schwarzen Augen bohrten sich tief in ihre. „Ich kann das nicht tun, Hermine. Nicht in meiner Position. Verstehst du? Ich würde dein Leben ruinieren."
„Ich finde es sehr ehrenwert, dass du so denkst, aber nein, das würdest du nicht. Du würdest es bereichern, Severus. So wie du es in diesem Moment tust."
Sie stellte sich fest entschlossen auf ihre Zehenspitzen und streckte sich zu ihm empor. Ganz plötzlich waren all ihre Bedenken und Ängste verschwunden. Sie sah nur noch seine unbeschreiblichen Augen und hörte auf ihre Gefühle. Ihre Hände griffen zärtlich in seinen Nacken. Sie genoss es, ihre Finger um sein Haar zu schlingen und dabei die kräftige Struktur zu spüren.
Rückblickend hätte sie niemals gedacht, dass er sich so vertraut und wunderbar anfühlen würde. Doch sie hatte sich getäuscht. Es gab einige Dinge, die sie nicht über ihn wusste.
Von Lust ergriffen öffnete sie den Mund und wollte nichts anderes tun, als ihn küssen. Er schluckte, als ihm bewusst wurde, was sie vorhatte und umfasste ihre Hüften. „Hermine …", hauchte er heiser, doch sie legte ihm den Zeigefinger auf den Mund und blickte ihm tief in die Augen. „Bitte … tu das nicht", fuhr er fort. Seine Stimme war kaum noch zu hören.
Hermine spürte, wie ihr Körper auf seine Nähe reagierte. Die Haut seiner Lippen war sanft, weich und verlockend. Sie erinnerte sich sehnsüchtig an ihren ersten flüchtigen Kuss, den sie ihm gegeben hatte. Ohne Zweifel fühlte sie, dass er sie wollte, ebenso, wie er sie letztes Mal auch gewollt hatte, voller Leidenschaft und Begierde. Warum sollten sie sich weiterhin etwas vormachen und so tun, als würde die Anziehungskraft zwischen ihnen nicht bestehen? Ganz gleich, wie unerfahren sie auch sein mochte, ihr entging nicht, was für ein unbändiges Verlangen nach körperlicher Nähe und Geborgenheit sie beherrschte. All das, was in diesem Moment unzweifelhaft in seinem Ausdruck lag, war für sie. Selbst das Zögern, das er ihr entgegenbrachte, denn es zeigte ihr, dass er nicht leichtfertig mit ihr umgehen wollte.
„Severus …", hauchte sie und berührte mit ihren Lippen seinen Mund.
Er schloss die Augen und ließ den Kontakt ihrer weichen Haut auf sich einwirken. Seine Hände umschlossen ihr Gesicht und drückten sie an sich. Ein leises Stöhnen entfuhr ihm. „Hermine …"
Ihre Lippen ließen ihn wohlig schaudern. Sie waren so zärtlich zu ihm und vermutlich war es das schönste Gefühl, das ihm je ein Mensch in seinem entbehrungsreichen Leben beschert hatte. Es weckte seine Sehnsüchte, die tief verborgen in ihm schlummerten.
Sie presste ihren Körper fest an ihn und schlang ihre Arme um seinen Nacken. Die Härte seiner Männlichkeit, die zwischen ihre Beine drängte, schoss ihr zuckende Blitze durch den Unterleib. Feuchtigkeit durchströmte sie, heiße Flüssigkeiten, die nur darauf warteten, ihm Eingang in ihre Körpermitte zu gewähren.
Als er schließlich den Mund öffnete, fühlte sie seine Zunge, die die weiche, geschwollene Haut ihrer Lippen liebkoste. Die Anziehungskraft, die sie beherrschte, war zurückgekehrt. Keiner von beiden konnte sich erklären, was mit ihnen geschah. Und für einen Moment lang schien es auch keine Rolle zu spielen, bis sie nach Luft ringend auseinanderbrachen. Seine Brust bewegte sich schnell auf und ab. Snape keuchte atemlos und sah sie an, als wäre sie ein fremdes Wesen, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Er fühlte sich erregt und verunsichert zugleich. Schon wieder hatte er sich von ihr zu etwas hinreißen lassen, das strikt verboten war.
Auf Hermines Gesicht aber lag ein triumphales Lächeln. Beide hatten deutlich Farbe bekommen.
„Was ist los?", fragte sie unschuldig blinzelnd.
Er legte seinen Kopf an ihre Stirn, noch immer atmete er schwer. „Wir dürfen das nicht tun, Hermine."
Sie nickte. „Ich weiß." Ihre Finger strichen ihm sanft die Strähnen aus dem Gesicht. „Ich werde es niemandem erzählen." Dann näherte sie sich ihm und küsste ihn erneut.
