Fallen from grace

Kapitel 3

Annäherung

Snape schnaubte vor Wut. Es war nicht gerade ein Vergnügen für ihn, als Dolores Umbridge zur Inspektion in seinem Klassenzimmer auftauchte. Der kleine Giftpilz in seinem pinkfarbenen Kostüm hatte es innerhalb der letzten Monate geschafft, die ganze Schule in Aufruhr zu versetzen. Im ersten Moment fürchtete er, dass sie ihn für etwas verdächtigte, was sie bei allen anderen Lehrern auch getan hatte. Sogar jemand wie er, der es besser als irgendwer sonst verstand, seine Gefühle zu verbergen, kam in ihrer Gegenwart ins Schwitzen.

Mit gefletschten Zähnen und hinter dem Rücken verschränkten Händen ließ er ihre Neugier über sich ergehen, während sie lauernd ihre Kreise um ihn zog. Aufgrund seiner Größe und mithilfe seines schwarzen Umhangs, der sich bei seinen flinken Bewegungen wie ein Schutzschild hinter ihm aufbauschte, war es nicht weiter schwer für ihn, der zu kurz geratenen Lehrerin mit den stämmigen Beinen immer wieder die Sicht zu blockieren. Langsam fand er Gefallen daran und so machte er sich einen Spaß daraus, wie ein Wirbelsturm durch die Klasse zu brausen, um sie zum Narren zu halten. Eine ganze Weile ging das gut, bis sie anfing, ihn mit spitzen Fragen zu bombardieren.

„Sie haben sich für Verteidigung gegen die Dunklen Künste beworben, ist das richtig?"

Ein in die Länge gezogenes „Ja" kam über seine dünnen Lippen.

„Mit Aussicht auf Erfolg?"

„Offenbar nicht."

Seine Kiefermuskeln arbeiteten angestrengt. Als wären ihre dummen Fragen nicht schon brüskierend genug gewesen, hörte er zu allem Überfluss auch noch das unterdrückte Gelächter seiner Schüler, insbesondere das einer ganz bestimmten Schülerin. Mein Gott, Granger, nimm dich zusammen! Er warf ihr einen finsteren Blick zu, um sie daran zu erinnern, mit wem sie es in dieser Stunde zu tun hatten. Umbridge war nicht umsonst gefürchtet, vielleicht sogar noch mehr als er. Das Leben hatte ihn gelehrt, vorsichtig zu sein. Ganz besonders jetzt, nach den neuesten Ereignissen, die sich im Verbotenen abgespielt hatten, war es angebracht, auf der Hut zu sein, um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken.

Er konnte Hermine zwar schlecht für ihr Verhalten zur Rechenschaft ziehen, schließlich hasste er das Ministerium, Umbridge hasste er sogar noch mehr, dennoch behagte ihm die Tatsache nicht, dass sie so unachtsam mit der Situation umging. Hoffentlich würde er es nicht bereuen…

Die ganze Klasse atmete auf, als die seltsame Frau endlich das Weite suchte. Hermine war knallrot angelaufen. Sie konnte es kaum abwarten, bis endlich alle davon gestürmt waren und sie alleine mit ihrem Professor zurückblieb. So langsam aber sicher wurde es zu ihrer Gewohnheit, ihn nach der Stunde aufzusuchen, um Zeit mit ihm zu verbringen.

Nachdem sie ihre Notizen eingesammelt hatte, vergewisserte er sich, dass niemand außer ihr hier war und verriegelte von innen die Tür. Es war eine durchaus notwendige Vorsichtsmaßnahme, die er sehr ernst nahm, sobald er mit Hermine alleine war.

Kaum hatte er ihr den Rücken zugekehrt, äffte sie Umbridge nach und brach in lautes Gelächter aus.

Snape rollte mit den Augen, als er durch das Zimmer glitt, gefolgt vom sanften Rascheln seines Umhangs. „Du findest das komisch? Das war es keineswegs." Mit verschränkten Armen und steifem Blick lehnte er sich an sein Pult und atmete durch. Noch immer war er wütend über ihr Verhalten, sie konnte es deutlich an seiner Stimme hören. „Was hast du dir dabei nur gedacht?"

Hermine grinste verhalten. „Ich weiß. Und es tut mir leid, Severus. Aber ihre Gegenwart macht mich wahnsinnig. Was sie Harry mit ihrer Schreibfeder angetan hat, war die reinste Folter. Sie ist eine Schlampe von einer Hexe." Er sah sie mit erhobenen Brauen an, ohne darauf zu antworten. „Komm schon, Severus! Das musst du doch zugeben, oder etwa nicht?"

Er zuckte mit den Schultern und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. „Sie ist sogar noch schlimmer."

„Ha! Ich wusste es!"

Sie genoss den kleinen Triumph, ihm dieses Geständnis entlockt zu haben und schlenderte auf ihn zu. Gedankenverloren legte sie ihre Arme um seine Hüften, als wäre es das normalste auf der Welt, das zu tun. Er versteifte sich und sah mit einem unleserlichen Ausdruck seiner schwarzen Augen auf sie hinab. Es war immer noch ungewöhnlich für ihn, jemanden so nahe an sich heran zu lassen. Doch langsam musste er zugeben, dass er ihre Anwesenheit zu schätzen lernte. Sie war die einzige Person, die so unerschrocken auf ihn reagierte und ihn nahm, wie er war. Und das, obwohl er sich ihr gegenüber nicht im Griff gehabt hatte. Hermine schmiegte sich eng an seine Schulter und atmete den Duft von Seife und verschiedenen Chemikalien ein, der ihn umgab. Er schüttelte ungläubig den Kopf, als er sie beobachtete. Es war nicht seine Art, die Beherrschung zu verlieren. Doch dieses eine Mal, als er in ihrer unmittelbaren Gegenwart ejakuliert hatte, hatte er sich von seinem Verlangen leiten lassen. Seither war sie allgegenwärtig in seinen Gedanken, mit den Bildern, die aus ihrem Traum aufblitzten und mit dem Erlebnis, das er mit ihr geteilt hatte. Dazu kam die Erinnerung an ihr süßes, weiches Fleisch, das ihn dazu veranlasste, sich warm und erregt zu fühlen. Endlich wurde ihm bewusst, dass das Leben mehr zu bieten hatte, als das zurückgezogene Dasein, das er kannte.

Langsam entspannte er sich und erwiderte ihre Umarmung.

Hermine seufzte tief und zufrieden. Mit einem Schlag schien die ganze Anspannung von ihr abzufallen. Sie genoss die Wärme, die von seinem Körper aufstieg und ließ die Berührung auf sich einwirken. „Ich weiß zwar, dass das Ministerium für Umbridges Anwesenheit verantwortlich ist", murmelte sie vor sich hin. „Aber warum hat Dumbledore sich so geweigert, dir den Posten für Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu geben, obwohl du ihn immer haben wolltest? … Das wolltest du doch, oder nicht?"

Voller Erwartung blickte sie auf.

Ein unbehagliches Gefühl durchzog ihn und er presste die Lippen aufeinander, bis sie zu der berüchtigten dünnen Linie verschmolzen, jener Eigenart, die seinem Ruf weit vorauseilte. Die Gerüchte, die unter den Schülern über ihn kursierten, behagten ihm keineswegs. Trotzdem wollte er ihre Meinung erfahren, was wohl an dem Umstand liegen musste, dass sie sich langsam aber sicher in den Teil seines Lebens einschlich, der über das Dasein als Lehrer und Mentor hinausging.

„Du weißt, dass es mir verboten ist, mich mit meinen Schülern über Dinge zu unterhalten, die nichts mit dem Unterricht zu tun haben", bemerkte er steif.

Sie rollte mit den Augen. „Und das fällt dir jetzt ein?"

Er grinste sie an und Hermine fand den Anblick einfach nur umwerfend. „Ich wollte nur sicher gehen, dass du mir folgst."

„Sollte das ein Test sein? Wenn du vorhast, mich abzulenken, muss ich dich leider enttäuschen. Ganz so leicht lasse ich mich nicht aus der Bahn werfen."

„Vielleicht ja doch."

Sie seufzte. „Ausbildungserlass Nummer sechsundzwanzig. Zufrieden?" Er nickte und Hermine strich ihm eine Strähne hinters Ohr, die ihm über die Augen gefallen war. „Wirst du mir jetzt meine Frage beantworten?"

„Mich würde viel mehr interessieren, was du darüber denkst", antwortete er so beiläufig, wie nur irgend möglich.

Hermine dachte angestrengt nach und bearbeitete mit den Zähnen ihre Lippe. „Ich bin davon überzeugt, dass er seine Gründe hat, schließlich bist du der Zaubertränkemeister. Und der ist nun mal schwer zu ersetzen. Trotzdem denke ich nicht, dass er sich richtig entschieden hat, wenn man sich die Lehrer ansieht, die wir in den letzten Jahren hatten. Es fällt mir schwer, zu sagen, wer schlimmer war, obwohl ich zugeben muss, dass Lockhart am Anfang durchaus punkten konnte." Sie lächelte verträumt, als ihr Bewusst wurde, wie sehr sie damals darauf aus war, vor ihm Eindruck zu schinden. „Er war ein Schönling. Mehr nicht ..." Ihr Gesicht wurde puterrot und so blinzelte sie ihn verlegen an. „Ich kann nicht glauben, dass ich das gesagt habe!"

Severus erinnerte sich nur ungern daran. Fast alle Schülerinnen der Schule hatten deutliches Interesse an Lockhart gehabt. Und es war einfach lästig gewesen. Nachdenklich legte er seinen Kopf an ihre Stirn und ließ seine Handflächen sanft über ihren Rücken gleiten.

Hermine spürte ein angenehmes Kribbeln auf ihrer Haut, das bis zu ihrer Körpermitte hin ausstrahlte. Sie nahm jede seiner Berührungen in sich auf, auch dann, wenn sie noch so zurückhaltend und vorsichtig waren. Ihr entging nicht, dass er all seine Schritte mit Bedacht wählte. Vermutlich war er von der Einsamkeit, die ihn umgab, so stark beeinflusst, dass er nicht anders handeln konnte.

„Was weißt du noch über den Posten?", fragte er abwesend.

Sie zögerte, ehe sie antwortete. „Nun ja, der Job ist verflucht." Hermine blinzelte ihn an. „Glaubst du an so einen Unsinn?"

„Ich weiß es nicht", entgegnete er mit den Schultern zuckend. „Immerhin haben wir kontinuierlich jeden Lehrer verloren, der die Stelle hatte."

„Ehrlich, Severus, sie waren alle furchtbar. Und Umbridge ist das beste Beispiel dafür. Niemand kann sie leiden."

Er grinste sie schief an. „Sie mögen mich genauso wenig."

„Abgesehen von mir natürlich."

„Das ist mir aufgefallen."

Sie musste unweigerlich lächeln, als sie seinen Sarkasmus hörte. „Aber es wäre nicht richtig, dich mit Umbridge zu vergleichen. Du unterrichtest uns wenigstens, im Gegensatz zu ihr. Sie versucht mit allen Mitteln, die Wahrheit zu beschönigen."

„Wie dem auch sei, du solltest das nächste Mal vorsichtiger sein, wenn du in ihrer Gegenwart bist. Und das gilt für alle anderen genauso. Aufmerksamkeit zu erregen ist nicht immer eine erstrebenswerte Eigenschaft."

xxx

Es war leichter gesagt, als getan, sich so zu geben, als wäre nie etwas zwischen ihnen vorgefallen. Hermine war sich zwar nicht sicher, was genau sie mit Snape verband, er war nicht gerade ein typischer erster fester Freund. Trotzdem stieß sie mehr als einmal an ihre Grenzen, als sie vorsichtig versuchte, ihn vor ihren Freunden in Schutz zu nehmen. Für einen Moment sah es so aus, als würde ein heftiger Streit zwischen ihnen entbrennen. Doch zum Glück waren Harry und Ron schnell wieder abgelenkt und gingen nicht näher auf das ein, was sie gesagt hatte. Binnen kurzer Zeit war alles wieder vergessen und der Alltag holte sie ein. Seit diesem Erlebnis gab sie sich Mühe, Snape als Gesprächsthema zu meiden. Schon bald aber musste sie feststellen, dass sehr zu ihrem Leidwesen nicht alles so glatt lief. Die Anwesenheit von Umbridge an der Schule sorgte immer wieder für Ärger, der nur den Vorteil hatte, dass sowohl die Lehrer, als auch die Schüler enger zusammenrückten, um gegen sie und das Ministerium aufzubegehren.

Verschiedene Ereignisse, wie Harrys Rendevouz mit Cho Chang und sein Interview mit Rita Kimmkorn, sorgten für Wirbel. Dazu kamen noch die Trainingsstunden mit Dumbledores Armee, die viel Zeit und Kraft in Anspruch nahmen und dazu führten, dass Hermine zwischen ihren Freunden und Severus hin und her gerissen war. Ihre Freundschaft zu den beiden Jungs war das wichtigste, was sie in den letzten Jahren besessen hatte. Es war nur logisch, dass sie das nicht verlieren wollte. Trotzdem fühlte sie sich immer noch stärker von Severus angezogen, als es angemessen gewesen wäre.

Nur mit Mühe und Not schaffte sie den Spagat zwischen ihren Gefühlen und ihrem Verantwortungsbewusstsein ihren Freunden gegenüber.

Harry wurde einmal mehr zur Zielscheibe, als seine Meinung über Voldemorts Auferstehung im Klitterer erschien, sehr zum Missfallen des Ministeriums, was das Inkrafttreten eines weiteren Ausbildungserlasses zur Folge hatte. Umbridge hatte die Schule fest in der Hand und griff hart durch, sobald sie die Gelegenheit fand.

Auf den Korridoren von Hogwarts wurde es unwahrscheinlich ruhig und Hermine musste vorsichtig sein, wenn sie außerhalb des Unterrichts zu Severus schleichen wollte. Harry war so sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt, dass es ihm nicht auffiel, wie oft sie sich aus dem Gemeinschaftsraum davonstahl. Ron war ohnehin zu blind, um etwas zu ahnen, aber dafür waren Filch und Mrs Norris gefährlicher denn je. Natürlich war Severus nicht angetan davon, dass sie das Risiko auf sich nahm, trotzdem musste er über ihre Kühnheit schmunzeln, als sie mit allen möglichen Tricks zu ihm ins Büro kam, um wie üblich Zeit mit ihm zu verbringen. Er musste sich eingestehen, dass er sich an ihre Gegenwart gewöhnt hatte und so saßen sie sich oft stundenlang ohne ein einziges Wort gegenüber und lasen in ihren Büchern, oder hielten sich auf seinem Sofa in den Armen und er erzählte ihr die neuesten Anekdoten aus dem Lehrerzimmer. Es war, trotz der neuen Veränderungen um sie herum, eine wunderbare Zeit, die sie näher zusammenbrachte.

Jedes Mal aufs Neue fühlten sie die unerklärliche Anziehungskraft, die sie umgab, sobald sie sich gegenübertraten; ganz besonders dann, wenn sie alleine waren. Ihre Umarmungen wurden inniger und ihre Unterhaltungen zwangloser. Sogar Severus, der anfangs schwer mit sich zu kämpfen hatte, wurde langsam besser darin, unbefangen mit ihr herumzualbern. Ohne Vorwarnung zog er sie zu sich auf das Sofa und nahm sie mit etwas zu viel Schwung in seine Arme.

„Severus!" Hermine blieb die Luft weg, als sie mit den Brüsten gegen seinen dürren Oberkörper prallte.

Sie hörte sein tiefes Lachen, das ihr inzwischen sehr vertraut geworden war und fühlte seinen warmen Atem an ihrem Ohr. „Was ist?", fragte er mit unschuldiger Mine.

Behutsam legte sie ihm ihre Hand auf die Wange und sah in seine glühenden Augen. Sie konnte zweifelsohne die Leidenschaft in den dunklen Tiefen seiner schwarzen Pupillen erkennen, die sie bereits zuvor zu spüren bekommen hatte.

Langsam beugte sie sich zu ihm und küsste ihn. Ein wohliger Schauder durchfuhr ihren Körper, als er darauf reagierte und den Kuss erwiderte.

Seine Hände vergruben sich in ihren Haaren und sie fühlte deutlich die Erektion seines Unterleibs, die sich gegen ihren Bauch drückte. Die Küsse wurden stürmischer und seine Hände schienen überall zugleich zu sein. Schwer atmend brachen sie auseinander. Beide hatten deutlich Farbe auf den Wangen bekommen.

„Ich brauche eine Pause", erklärte er heiser.

Sie grinste ihn schelmisch an. „Wozu?"

Schon sauste seine Braue in die Höhe. „Das weißt du genau. Ich kann nicht verantworten, dass mehr passiert als das."

Hermine wurde noch rosiger, als sie es schon war. Genau genommen hatte er Recht. Sie waren ohnehin schon zu weit gegangen, doch die Hormone, die ihr Körper verströmte, verrieten ihr deutlich, dass sie nicht mehr lange darauf warten wollte, ihn in sich zu spüren.

„Ich habe das Gefühl, bald verrückt zu werden!", gestand sie offen und fingerte an den zahllosen Knöpfen auf seiner Brust herum.

Als sie dann die ersten geöffnet hatte, nahm er ihre Hand und hielt sie fest.

„Für mich ist es genauso schwer, das kann ich dir versichern. Aber du bist noch nicht bereit dazu. Und ich bin es auch nicht."

„Das hast du schon erwähnt."

„Und es stimmt. Du solltest das nicht überstürzen. Wenn es geschehen ist, gibt es kein Zurück mehr."

„Ist das der Grund, warum du noch nie … ich meine, hast du dich deshalb zurück gehalten?"

Er wirkte plötzlich ganz ernst, als er sie ansah. „Nein. Sicher nicht. Aber hier geht es um dich."

„Oh." Sie senkte gedankenverloren den Blick und drückte ihren Kopf in die Beuge an seiner Schulter. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass sie nicht weiterbohren sollte und so hielten sie sich stillschweigend in den Armen und dösten vor sich hin.

Hermine war nicht entgangen, dass er erschöpft war und es war nur zu offensichtlich, dass er an Schlafmangel litt. Die dunklen Ringe unter seinen Augen gehörten genauso zu ihm, wie die tiefe Falte zwischen seinen Brauen. Sie wollte ihm seine Ruhe gönnen, doch nach einer Weile siegte die Neugier in ihr und verdrängte das Schweigen.

„Kann ich dich was fragen?"

Er stutzte und rieb sich die Augen. „Wenn du so anfängst, steckt bestimmt etwas Ernstes dahinter."

Sie nickte. „Was denkst du, wird passieren, wenn Voldemort stärker wird?"

Die Erleichterung darüber, dass sie nicht das andere Thema vertiefen wollte, war ihm ins Gesicht geschrieben. Er war noch nicht bereit dazu, so etwas mit ihr zu teilen. Seine Vergangenheit war ein wundert Punkt in seinem Dasein, den er nicht gerne berührte. Für niemanden. „Darüber kann ich nur mutmaßen", sagte er knapp.

„Aber du triffst ihn, oder?" Sie blinzelte ihn erwartungsvoll an, Severus aber blickte leer in den Raum hinein. Es war eine deutliche Untertreibung, Voldemorts Rufe mit einem Treffen gleichzusetzen, doch er behielt es für sich, um ihr nicht unnötig Angst einzujagen. Hermine war ohnehin zu aufgeregt, um auf seine Antwort zu warten. „Als wir im Sommer im Grimmauldplatz waren, habe ich dich gesehen. Fred und George haben mir ihre Langziehohren gegeben und ich konnte einige Dinge verstehen, die ihr besprochen habt. Die anderen waren nicht gerade freundlich zu dir. Warum ist das so?"

Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Es wundert mich, dass du nicht schon eher damit angefangen hast", bemerkte er schläfrig. „Ich kann es dir nicht verübeln, wenn du skeptisch bist."

„Das bin ich nicht, Severus."

Er lächelte sanft. „Lass mich trotzdem versuchen, es zu erklären. Hinterher kannst du dir immer noch deine Meinung darüber bilden, in Ordnung?"

Sie nickte.

„Ich bin auf der Seite des Ordens, auch dann, wenn es nicht danach aussieht. Und auch dann, wenn sie mich nicht gänzlich akzeptieren." Aus den Augenwinkeln konnte er deutlich die Fragen erkennen, die auf ihrer Zunge lagen. Sie hatte wie üblich ihre Lippe zwischen die Zähne genommen und wartete ungeduldig darauf, dass er fortfahren würde. „Sie haben ihre Gründe", versicherte er ihr. „Lupin und Black wissen, dass Dumbledore zu einem Teil hinter mir steht. Nur vertraut er mir eben nicht genug, um ihre Zweifel zu zerschlagen."

„Aber das ist ungerecht!", platzte sie dazwischen.

Er zuckte mit den Schultern. Es war erstaunlich, dass sie so unbeeinflusst auf ihn reagierte, obwohl sie wegen der Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren mit ihm gemacht hatte, allen Grund gehabt hätte, ihm zu misstrauen, genauso wie jeder es tat.

„Sie wissen, dass ich ihre einzige Verbindung bin, die sie zum Dunklen Lord haben."

Hermine schüttelte sich und kuschelte sich eng an seine Brust. „Denkst du, es wird je ein Ende nehmen?"

Seine Kiefermuskeln arbeiteten angespannt, als sich das Gespräch um Voldemort drehte. „Er hat Gestalt angenommen und in ihm brodelt es", sagte er kühl. Seine Haltung war plötzlich hart, ebenso wie im Unterricht. „Ich denke nicht, dass die Welt da draußen so bald ihren Frieden haben wird. Der Ausbruch der Todesser aus Askaban war erst der Anfang, der Angriff auf Arthur Weasley vielleicht nur eine Warnung."

Obwohl das Leben nicht sorglos an ihnen vorüber zog, genossen sie ihre gemeinsame Zeit, ohne sich große Gedanken über die Zukunft zu machen. Es war noch zu früh dafür. Beide wussten, dass Veränderungen anstanden. Schon alleine die Tatsache, dass das Ministerium in die Geschehnisse von Hogwarts eingegriffen hatte, war ein deutliches Zeichen für den Wandel der Zeit. Alles andere musste sich ergeben.