Fallen from grace
Kapitel 5
About Lily
Es war eine harte Zeit für ganz Hogwarts, wie Hermine feststellen musste. Dennoch war sie so mit sich selbst beschäftigt, dass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte. Sie war sich sicher, dass sie kurz davor gestanden hatte, ihr Erstes Mal zu erleben. Und das mit Severus Snape.
Die Erinnerungen an den Vorfall in seinem Büro hatten tiefe Einschnitte in ihrer Gefühlswelt hinterlassen. Ganz besonders, nachdem sie so unerwartet unterbrochen wurden. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie mit Severus an der Stelle weitergemacht, an der es geendet hatte. Doch es konnte nicht alles im Leben so laufen, wie sie es gerne gehabt hätte. Eine Freundin von Cho Chang hatte ungünstigerweise Dumbledores Armee an Umbridge verraten und damit eine Reihe von unerfreulichen Ereignissen in Gang gesetzt. Seither war der Schulleiter verschwunden und niemand schien zu wissen, wo er steckte, obwohl Hermine das Gefühl hatte, dass Severus sehr wohl etwas darüber wissen müsste. Leider machte er sich seitdem rar, sodass sie keine Gelegenheit hatte, mit ihm darüber zu reden. Alle Lehrer der Schule standen extrem unter Druck und auch Severus sah noch weitaus gestresster als üblich aus.
Ein weiterer Ausbildungserlass erklärte schließlich Umbridge zur neuen Schulleiterin von Hogwarts. Es war eine totale Katastrophe, wie allen bald klar wurde. Harry war außer sich und noch immer hatte Hermine keine richtige Gelegenheit gehabt, sich mit Severus über all die Ereignisse auszutauschen, die sich in letzter Zeit abgespielt hatten.
Zumindest nicht, bis die nächste Zaubertrankstunde bevorstand.
Vollkommen abwesend starrte Hermine während des Unterrichts auf seine schwarze Rückseite. Ihr Kopf war auf die Hände gestützt und wieder einmal verlor sie sich in ihren Gedanken, während sie ihn beobachtete. Seine langen schmalen Finger, die die Kreide hielten, kritzelten ohne Unterlass auf die Tafel. Sie hatte sich so daran gewöhnt, dass er – im Gegensatz zu allen anderen Lehrern – mit vollem Körpereinsatz unterrichtete, dass sie sich kaum noch darüber wunderte, warum er so dünn und ausgemergelt war. Jeder Muskel seines Körpers schien unter Spannung zu sein, dazu kam noch der harte, unnachgiebige Ausdruck auf seinem Gesicht, sobald er sich umdrehte und der Klasse Instruktionen entgegenwarf.
Irgendwann, als er mit schnellen, fahrigen Bewegungen sein Werk vollendet hatte, warf er die Kreide in den dafür vorgesehenen Behälter und wandte sich von der Tafel ab. Hermine konnte für einen winzigen Moment das Feuer in seinen Augen aufblitzen sehen und es kaum noch abwarten, bis die Stunde endlich zu Ende war.
Wie üblich blieb sie unter einem erfundenen Vorwand zurück, um etwas Zeit mit ihm zu verbringen, was an diesen Tagen eine Rarität geworden war.
Snape wirkte zurückhaltend, als er von innen die Tür verriegelte und zu seinem Pult hinüber glitt. Ohne ein Wort ließ er sich auf seinen Stuhl fallen und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Augen ruhten in strenger Manier auf Hermines Gesicht, doch sie wollte sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen und kam mit einem milden Lächeln auf ihn zu.
„Darf ich dich was fragen?", begann sie vorsichtig, während sie sich mit dem Hintern vor ihm auf der Tischkante niederließ.
Er zuckte mit den Schultern. „Was ist, wenn ich nein sage?" Auf seinem Gesicht zeigte sich weder ein Grinsen, noch ein Lächeln, noch etwas anderes, das sie hätte deuten können.
Hermine legte den Kopf schief und sah ihn an. „Warum hast du damals meine Erinnerungen durchsucht?"
Er sah nicht gerade begeistert aus, dass sie ausgerechnet damit ankam und fingerte an den Knöpfen auf seiner Brust herum. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht."
Sie blinzelte überrascht. „Ist das alles?"
„Es war eine Kurzschlussreaktion, Hermine. So etwas kommt vor - ebenso wie dein Kuss."
Sie lächelte verlegen. „Ich gebe zu, dass ich einen Hang dazu habe, im unpassendsten Moment etwas unerwartet zu handeln. Aber du? Das sieht dir nicht ähnlich, Severus."
Ein leises Schnauben entfuhr ihm. „Was? Dass ich impulsiv bin?"
Sie nickte und bearbeitete mit den Zähnen ihre Lippe. „Severus ... was ist mit dir?"
Seine Braue rutschte in die Höhe. „Was meinst du?"
„Du hast mich gemieden", sagte sie leise. Doch die Enttäuschung in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
„Ich war sehr beschäftigt", antwortete er knapp.
„Tatsächlich?" Hermine sah deutlich die dunklen Ränder unter seinen Augen. Er musste noch weniger als üblich geschlafen haben. Trotzdem blieb sie skeptisch.
Er senkte den Kopf, als er das Gefühl hatte, sie würde wieder einmal versuchen, zu tief in ihn hinein zu blicken. „Der Schulleiter ist verschwunden, Hermine. Das stellt uns alle vor neue Probleme."
Sie nickte. „Severus … Ich kann sehen, dass dich irgendetwas belastet. Du siehst müde aus. Was ist los?" Zaghaft streckte sie die Hand nach ihm aus, um sie auf seine Wange zu legen.
„Nicht."
Hermine ließ den Arm sinken. Die Enttäuschung in ihr wuchs mit jeder Minute an. „Ich mache mir langsam Sorgen um dich. Du siehst total überarbeitet aus."
„Du solltest mich nicht bemitleiden", knurrte er und starrte sie unvermittelt an.
„Was?"
„Dein Blick. Ich kann es dir ansehen."
Sie biss sich auf die Zunge. „Schön. Und was jetzt?"
Er hob fragend die Augenbrauen.
„Warum kannst du es mir nicht einfach sagen?"
„Ich …" Er senkte den Kopf, sodass ihm die Haare über die Augen fielen und sie seinen Ausdruck nicht erkennen konnte.
„Du vertraust mir nicht genug, richtig?"
„Ich vertraue niemandem genug. Und du solltest es genauso handhaben. Die Welt, in der wir leben, ist voller Gefahren."
„Unsinn!"
Erneut schnaubte er leise vor sich hin. „Willst du etwa was anderes behaupten?"
„Nun ja … ich würde sagen, das kommt ganz auf den Blickwinkel an. Denkst du nicht?"
Seine Mundwinkel schnellten zurück und entblößten seine Zähne. „Das mit Dumbledores Armee war kein Pappenstiel. Ich konnte nie verstehen, warum Albus nicht eingegriffen hat. Jetzt ist es zu spät. Ihr habt wirklich ganze Arbeit geleistet."
„Oh." Endlich schien seine schlechte Stimmung einen Sinn zu ergeben. „Bist du deswegen sauer, Severus?"
Er schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht sauer. Ich bin nur auf der Hut. Umbridge ist gefährlich, Hermine. Wir haben unseren Schulleiter verloren und im Gegenzug eine Furie bekommen. Ist dir klar, was für Konsequenzen das haben kann?"
Voller Ungeduld kaute sie auf ihrer Lippe herum. „Aber er wird doch wieder zurückkommen, oder?"
Er schob seine Hände tief durch die strähnigen Haare. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich habe keinen Kontakt zu ihm."
Ihre Kinnlade sackte nach unten. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Was?"
Auf seinem Gesicht zeigte sich ein süffisantes Lächeln. „Was? Ist das so unvorstellbar?"
Sie nickte. „Eigentlich ja."
Eine Weile sahen sie sich tief in die Augen und Hermine schöpfte neuen Mut. Zaghaft streckte sie ihre Hände aus und umfing sein Gesicht damit.
Diesmal ließ er sie gewähren. Nachdem er laut hörbar eingeatmet hatte, schloss er die Augen und ließ seinen Kopf nach vorne sinken, bis er in ihrem Schoß zur Ruhe kam.
„Er erzählt mir nicht alles, Hermine", murmelte er gedankenverloren vor sich hin. „Es wundert mich, dass du etwas anderes erwartet hast."
Sie spürte seinen warmen Atem zwischen ihren Schenkeln und fing an, seine Haare zu streicheln und seinen Kopf zu massieren, während er stillschweigend vor ihr hockte und nachdachte. „Ich dachte, du und McGonagall … ihr steht ihm näher."
Ein finsteres Lachen drang aus ihm hervor. „Minerva ist genauso ratlos wie ich. So etwas hat es noch nie gegeben. Jedenfalls nicht, seit ich mich erinnern kann. Und das will was heißen!"
Vorsichtig beugte sie sich zu ihm und drückte ihm einen Kuss aufs Haar.
Snape hob den Kopf und blickte auf. „Wir müssen vorsichtig sein, Hermine."
„Ich weiß, Severus."
Seine Augen waren ihr gegenüber offen und sie erkannte den Ernst darin. Langsam schüttelte er den Kopf. „Das mit uns ist verboten. Wir müssen vorsichtig sein und verhindern, dass noch etwas Schlimmeres passiert."
Sie wirkte zutiefst betroffen, aus Angst, er könnte sie von sich weisen. „Bitte, Severus! Wir sollten nicht zulassen, dass Umbridge alles kaputt macht!"
Mit einem Mal tauchten all die dunklen Sorgenfalten auf seinem Gesicht auf, die er ihr gegenüber so mühsam unter Kontrolle gehalten hatte. „Du weißt genauso gut wie ich, dass das so nicht weitergehen kann, Hermine. Ist dir bewusst, dass wir beinahe miteinander geschlafen hätten, wenn uns Minervas Patronus nicht aufgehalten hätte?"
„Severus … es … Es war wunderschön, oder etwa nicht?" Sie suchte nach den passenden Worten, doch ihr fiel nichts ein, was sie hätte sagen können, um ihn zu beschwichtigen.
„Ja, das war es. Aber trotzdem ist und bleibt es verboten."
„Ich weiß. Und es ist mir egal. Ich möchte, dass es passiert. Ich möchte, dass es mit dir passiert ..."
Seine schwarzen Augen blickten sie eindringlich an. „Warum? Glaubst du, du kennst mich gut genug dafür?"
„Severus, bitte. Was ist los? Liegt es an mir? Habe ich etwas falsch gemacht?"
Er erkannte die Furcht in ihrem Blick und senkte die Stimme. „Nein."
„Was ist es dann?"
„Du solltest damit warten."
„Aber ich bin bereit dazu."
„Ich weiß. Und genau das erschreckt mich."
Ihre Lippen bewegten sich, doch sie zögerte, ehe sie darauf reagierte. „Oh."
Er nickte.
„Was soll ich tun, Severus? Ich möchte nicht mehr warten."
„Aber genau das wirst du, Hermine. Ich habe gewartet, weil ich nicht anders konnte. Und es ist gut so."
Hermine legte die Stirn in Falten. Mit einem Mal wirkte sie verärgert. „Was willst du damit sagen? Dass ich genauso enden soll wie du, einsam und alleine? Ist es das, was du für mich willst? ..." Sie schlug die Hand vor den Mund und verstummte schlagartig wieder.
Seine Augen blitzen auf und instinktiv wusste sie, dass sie zu weit gegangen war. Panisch öffnete sie den Mund, um es wieder gut zu machen. Doch es war zu spät.
„Wie kannst du es wagen?", spuckte er gereizt.
Hermine zuckte zusammen. Sofort schämte sie sich dafür, dass sie so etwas gesagt hatte. „Ich … ich wollte nicht ..."
„Du weißt gar nichts über mich", zischte er, ohne sie ausreden zu lassen. Dann wandte er den Kopf von ihr ab und starrte betreten in den Raum hinein.
„Severus … ich habe es nicht so gemeint."
„Du weißt nicht, was ich durchgemacht oder gefühlt habe", setzte er eisig nach. Seine Nasenflügel bebten, sie hatte ihn vollkommen unerwartet erwischt.
„Nein. Du hast Recht", sagte sie reumütig und suchte seinen Blick. „Aber bitte rede mit mir darüber."
Er knurrte leise. „Und was willst du von mir hören?"
„Die Wahrheit. Verschließe dich nicht vor mir."
„Das ist mein gutes Recht. In meinem Leben sind Dinge geschehen, die du nicht verstehen kannst."
„Ja, das glaube ich dir. Was ich gesagt habe, war falsch und es tut mir leid. Aber warum bist du heute so zurückweisend? Du könntest es mir auch einfach erklären."
Snape senkte den Blick, als er mit rauer Stimme antwortete. „Wozu sollte ich es dir sagen wollen?"
„Weil du mir wichtig bist."
Ungläubig schüttelte er den Kopf und seine Strähnen fielen ihm über die Augen. „Habe ich nicht schon genug mit dir geteilt, Hermine? Musst du immer noch tiefer graben?"
„Das hast du, Severus. Und dafür bin ich dir unendlich dankbar. Doch ich möchte dich verstehen. Und ich fürchte, dass ich das nicht kann, solange ich nicht mehr über dich weiß."
Er seufzte und wischte mit den Fingern seine Haare aus dem Gesicht. „Ich glaube nicht, dass ich das kann."
„Erzähle mir nur das, was ich wissen muss, um nicht wieder in einen Fettnapf zu treten", bat sie sanft. „Zum Beispiel, warum du gewartet hast."
Ein bitteres Schnauben entfuhr ihm. „Das ist keine Kleinigkeit für mich ..."
„Es ist in Ordnung, Severus. Wirklich."
Er machte die Augen zu und lehnte sich zurück. Seine Kiefer waren angespannt, während er nachdachte und Hermine entging nicht, wie vorsichtig er war.
„Ich war immer schon viel allein und es gab nicht viele Gelegenheiten für mich, jemanden kennen zu lernen. So einfach ist das. Die meisten Mädchen hatten kein Interesse an mir und mir ging es mit ihnen nicht anders. Sie langweilten mich. Außerdem gab es nichts, das uns miteinander verbunden hätte."
Hermine konnte gut nachvollziehen, wie er sich gefühlt haben musste. Bevor sie Harry und Ron kennengelernt hatte, war sie genauso einsam gewesen. Doch davon wollte sie jetzt lieber nicht anfangen.
„Genaugenommen gab es nur ein einziges Mädchen, das für mich je interessant gewesen wäre. Schon seit meiner Kindheit hatte ich das Gefühl, dass sie etwas Besonderes war ..."
Es war ein Geständnis, ein tief gehütetes Geheimnis, das sie beinahe zu Fall brachte, als ihr bewusst wurde, was er damit sagen wollte. Seine Hände zitterten und der Anblick sorgte in ihrem Inneren dafür, dass sie sich unwohl fühlte.
„Sie wollte mich nicht."
Nichts davon war je vorherbestimmt gewesen, von jemandem gehört zu werden. Hermine erkannte den Schmerz, der in seinem Blick lag. Er war nicht länger wütend. Er war verletzt. Seine Stimme verlor sich so plötzlich, wie sie aus ihm herausgebrochen war. Er hatte nicht vorgehabt, ihr das zu sagen, denn nach wie vor waren diese Dinge zu persönlich, um sie mit jemandem zu teilen. Trotzdem hatte er es getan.
Sie ahnte, dass er von Lily sprach, noch bevor er ihren Namen in den Mund genommen hatte. Lily. Harrys Mum.
Hermine fühlte einen schmerzhaften Stich in ihrem Herzen, als er den Atem anhielt, in dem Bewusstsein, schon zu viel gesagt zu haben.
„Harry hat sie im Denkarium gesehen", sagte sie leise.
Er stützte seine Hand aufs Knie und bettete den Kopf darauf. Seine schwarzen Augen flackerten auf. Seine Gedanken waren unmissverständlich von den Bildern aus seiner Vergangenheit durchzogen. Hermine konnte deutlich die Präsenz der Qualen fühlen, als sie ihn beobachtete.
„Und natürlich musste er dir davon erzählen", stellte er trocken fest.
Sie legte ihre Finger auf seine Wange, um die Distanz zwischen ihnen zu schließen und die Wärme seiner Haut zu fühlen, nach der sie sich so sehr sehnte.
„Severus … Ich wünschte, ich könnte etwas für dich tun. Aber ich kannte sie nicht und daher steht es mir nicht zu, über sie zu urteilen."
Er nickte kaum merklich. „Was hat er dir gesagt?" Seine Stimme war beherrscht, wenngleich es ihm schwer fiel, sie unter Kontrolle zu halten.
Hermine wusste, dass er und Harry während des gemeinsamen Privatunterrichts, den Dumbledore ihnen aufgezwungen hatte, heftig aneinander geraten waren, was nicht gerade förderlich für die ohnehin schon komplizierte Beziehung zwischen den beiden gewesen war.
„Wie du seine Mutter genannt hast."
Er schluckte. „Es war ein einziges Mal, dass ich so etwas in den Mund genommen habe. Es war ein Fehler. Aber ausgerechnet darauf bildet Potter sich etwas ein." Sein Blick glitt schmerzverzerrt ins Leere.
„Es tut mir unendlich leid", murmelte sie bewegt. Es war nicht schwer, sich zusammen zu reimen, wie er all die Jahre darunter gelitten haben musste, dass Lily ihm diesen Ausrutscher nie verziehen hatte. Unbewusst begannen ihre Finger wieder damit, ihn zu streicheln.
Snape zuckte zusammen, als er den Kontakt wahrnahm. „Tu das nicht. Entschuldige dich nicht bei mir." Träge schüttelte er den Kopf und sie erkannte, dass er hart mit sich kämpfte, sie nicht zurückzuweisen. Doch die Anziehungskraft, die zwischen ihnen herrschte, machte sich einmal mehr bemerkbar und so ließ er sie gewähren.
Hermine fühlte sich elend. „Siehst du?", fragte sie irgendwann. „Das ist ein typisches Beispiel für meine Pietätlosigkeit. Ich kann nicht anders, als alles bis auf die Grundmauern ruinieren."
Ein kaum merkliches Lächeln streifte sein Gesicht und sie glitt vom Tisch hinab und setzte sich auf seinen Schoss. Langsam bewegten sich ihre Hände durch sein Haar und fuhren innig in seinen Nacken hinein.
Snape schloss abwesend die Augen.
„Severus? Bist du immer noch böse mit mir?"
Sein Atem ging schneller. Die Berührungen ihrer Finger auf seiner Haut und die Tatsache, dass sie auf ihm saß, ließen ihn schaudern. Er antwortete nicht. Stattdessen legte er seufzend die Arme um sie und zog sie zu sich, an seine Brust.
Ein leises Gemurmel ließ sie aufhorchen. „Gryffindors."
Hermine lachte verhalten auf. „Ja. Die haben es in sich."
„Aber das wird unsere Probleme nicht lösen."
Sie fühlte sich hilflos, als sie das hörte. Insgeheim hatte sie sich so an ihn gewöhnt, dass es sie traurig machte, dass er kaum einen Raum für eine friedliche Zukunft vor sich sah. Doch erst nach einem Moment begriff sie voll und ganz, was sie mit ihren Worten angerichtet hatte.
„Severus", flüsterte sie leise. „Es tut mir leid. Ich hätte das niemals sagen dürfen."
Ihr Blick glitt ihm tief in die Augen, während sie auf eine Reaktion von ihm wartete. Alles an ihm war auf eine sehr verstörende Art beeindruckend. Alleine sein Gesicht. Der Ausdruck darauf war dunkel und doch flehend zugleich, als würde er sich nach Gesellschaft sehnen, die ihn von seiner Einsamkeit erlösen konnte.
Eine Welle an heißen Blitzen zuckte durch ihren Körper, als sie in seine Augen sah. Erneut waren sie ihr gegenüber offen. Es steckte so viel mehr Leben in ihm, als sie je vermutet hatte. Er wollte nicht alleine sein. Nicht in diesem Moment. Und alles andere spielte keine Rolle.
„Ich werde nicht so leicht aufgeben", flüsterte sie leise in sein Ohr. „Ich wünschte nur, du hättest das nicht durchmachen müssen."
Er lachte bitter auf, ohne dabei unfreundlich zu wirken. „Was für einen Unterschied macht das schon? Bemitleide mich nicht für das, was ich bin."
Sie legte ihre Hände um sein Gesicht und wollte etwas erwidern. Doch er ließ sie nicht zu Wort kommen.
„Hast du überhaupt eine Ahnung, wie das mit uns weitergehen soll? Was erwartest du von mir?"
Sie überlegte. „Wir könnten uns in den Ferien treffen und ausführlicher darüber reden. Vielleicht ist es einfacher für uns, wenn wir etwas Abstand von Hogwarts haben."
„Es ist mir nicht erlaubt, meine Schüler in den Ferien zu sehen", sagte er ernst. Seine Stimme klang so, als würde er nicht viel Raum zum Diskutieren lassen.
Hermine wurde skeptisch. „Was soll das heißen?", fragte sie vorsichtig.
„Hermine, bitte, mach es nicht noch schlimmer. Ich gebe dir Zeit, alles noch einmal zu überdenken. Triff deine Entscheidungen. Befreie deinen Kopf und deine Gedanken. Bitte."
„Soll das heißen, du willst mich nicht sehen?"
Er seufzte und schob seine starken Hände durch sein Haar. „Nein. Ich möchte nur, dass du darüber nachdenkst."
„Das habe ich sowieso schon getan, Severus."
„Ja, ich weiß, aber …"
„Nein. Kein Aber. Ich bin mir sicher."
„Ich weiß, dass du das bist, Hermine." Ein gebrochenes Lächeln erschien auf seinem blassen und viel zu dünnen Gesicht.
„Gut. Dann sollten wir endlich zum vergnüglichen Teil der Unterhaltung übergehen, findest du nicht?" Sie beugte sich zu ihm und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen, ehe er dagegen protestieren konnte. Als sie spürte, dass er den Kuss erwiderte, fuhr sie fort. „Ich werde nicht so schnell aufgeben, Severus. Verlass dich drauf."
„Dessen bin ich mir ganz sicher."
