Fallen from grace
Kapitel 9
Gerechtigkeit
Hermine atmete auf, als ihr bewusst wurde, dass die Auseinandersetzung vorbei war. Am liebsten wäre sie aufgestanden und ihm nachgeeilt. Doch sie durfte es nicht, ganz gleich, wie sehr sie es wollte. Wenn auch nur irgendjemand Verdacht geschöpft hätte, wie nahe sie Snape inzwischen gekommen war, wäre eine Welle ungeahnter Ereignisse und Gefahren auf sie zugerollt. Das konnte sie unmöglich riskieren.
Ihr Herz klopfte wild. Ihre Hände, die unter dem Tisch versteckt auf ihren Schenkeln lagen, zitterten. Was hatte sie nur getan! Es war alles ihre Schuld gewesen. Vermutlich hätte er das Zimmer nie verlassen, wenn sie nicht den Vorschlag gemacht hätte. Mein Gott! Wie naiv sie doch war, zu glauben, die anderen würden plötzlich anfangen, ihn zu akzeptieren.
Der Rest des Abends verlief sehr schweigsam. Kaum jemand hatte Lust, über das zu reden, was beim Essen geschehen war und Hermine war froh, als sie sich zurückziehen konnte.
Irgendwann ging sie zu Bett, doch so sehr sie es auch gewollt hätte, um ihre Gedanken wenigstens für ein Paar Stunden zur Ruhe kommen zu lassen, konnte sie keinen Schlaf finden.
Frustriert stand sie auf und warf sich in ihre Jeans und einen alten, ausgebeulten Pulli.
Es war mitten in der Nacht, als sie leise an Snapes Zimmertür klopfte. Das Haus war um diese Zeit wie ausgestorben, wenn man bedachte, dass es sonst rund um die Uhr voller Leben war. Von den Wänden her war ein friedliches Schnarchen der alten Familienportraits zu hören und Hermine seufzte melancholisch.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und sie schreckte zurück, als eine schwarze Gestalt mit funkelnden Augen im Türrahmen erschien.
Vor ihr, vom Schein der Kerzen beleuchtet, die im Inneren seines Zimmers brannten, stand Severus, wie immer in seine schwarzen Gewänder gekleidet. Lediglich den Umhang hatte er abgelegt.
„Was willst du hier?", fragte er leise und verschränkte steif die Arme vor der Brust.
Sie blinzelte ihn mit ihren großen braunen Augen an. „Lässt du mich rein?"
Er hob seine Brauen und blickte verwundert auf sie hinab. „Ich denke nicht, dass das angebracht ist ..."
„Bitte", setzte sie flehend nach, bevor er zu Ende gesprochen hatte. „Ich möchte mich bei dir entschuldigen."
Er kräuselte widerwillig seine Mundwinkel und schob sie ins Innere seines Zimmers, was wirklich mehr als unangemessen war, wie ihr erst jetzt bewusst wurde. Hoffentlich hatte niemand sie gesehen...
Leise fiel die Tür ins Schloss und sie hörte, wie sich einige Schutzzauber darüber legten. Verloren ließ Hermine ihren Blick durch den Raum gleiten, den sie nun schon zum zweiten Mal betreten hatte, doch außer einigen geöffneten Büchern, die hier und dort verteilt waren, gab es nicht viel Neues zu sehen.
Snape hatte sich inzwischen mit dem Rücken gegen die Tür gelehnt, die Hände wieder einmal vor der Brust verschränkt.
„Also", sagte er ruhig, während er sie aufmerksam musterte. „Was kann ich für dich tun?"
Ihr entging nicht die Zurückhaltung in seiner Stimme, die so tief und rein war, dass ihr ein kalter Schauder über den Rücken lief. Schnell fasste sie sich wieder.
„Ich … ich möchte mich bei dir entschuldigen, dass ich dich dazu gedrängt habe, nach unten zu kommen." Sie holte Luft und seufzte. „Es war ein Fehler von mir, zu glauben, die anderen könnten damit umgehen."
Er lächelte sarkastisch. „Im Großen und Ganzen lief es doch ganz gut ..."
Sie schüttelte energisch den Kopf und trat näher an ihn heran. Unsicher, wie weit sie nach diesem Erlebnis gehen konnte, blieb sie schließlich eine Armlänge entfernt von ihm stehen. „Was? Das nennst du gut? Sirius ist ein riesiger Idiot! Ich hätte nicht gedacht, dass er so übertrieben reagieren würde. Es – es tut mir aufrichtig leid, Severus. Wenn ich nicht gewesen wäre, wäre das nie passiert."
Zu ihrer Überraschung schmunzelte er verschmitzt und streckte die Hand nach ihr aus. „Mach dir keine Sorgen darüber, ich habe weitaus schlimmere Dinge mit ihm erlebt", sagte er sanft, während seine Finger mit ihren langen Locken spielten.
Sie wusste, dass das wahr war, dennoch fühlte sie sich schuldig. Verlegen betrachtete sie seine schwarzen Pupillen und die geschwungene Form seiner Wimpern. Die tiefe Furche zwischen seinen Brauen wirkte entspannt, nur die kleinen Fältchen um die Augen sahen plötzlich aus, als würden sie zum Leben erwachen.
„Außerdem ...", setzte er nach, „war es doch recht amüsant, findest du nicht?" Ein freches Grinsen erschien auf seinem Gesicht und ließ die Hakennase im Lichtschein noch imposanter wirken, als üblich.
Hermine starrte ihn mit offenem Mund an. „Dann bist du also nicht sauer auf mich?"
Er schüttelte den Kopf und einige seiner langen Strähnen fielen ihm vor die Augen. „Nein. Bin ich nicht."
Sie atmete vor Erleichterung auf. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh mich das macht. Ich habe mich den ganzen Abend furchtbar gefühlt."
Er nickte gedankenverloren, ohne von ihren Haaren abzulassen, die um seinen Zeigefinger gewickelt waren. „Du solltest dich daran gewöhnen, dass ich ein Einzelgänger bin. Ich fühle mich nicht wohl in der Gegenwart von Menschen."
Hermine legte den Kopf schief. „Aber Molly und Arthur waren doch ganz ..."
Ein Schnauben entfuhr ihm. Augenblicklich ließ er von ihren Strähnen ab und der Ausdruck auf seinem Gesicht verhärtete sich. „Hermine, nicht."
Sie hielte inne und wartete, während sich seine langen Finger durch seine Haare schoben. Warum war er nur so verdammt launisch? Und wie schaffte er es, dabei so verführerisch auszusehen?
Als er merkte, dass sie wie versteinert vor ihm stand und ihn nicht aus den Augen ließ, wurde ihm bewusst, dass sie Schwierigkeiten mit seinem Temperament hatte. „Ich bin nicht daran gewöhnt, mit ihnen zu kommunizieren, das ist alles", sagte er ruhig. „Und du wirst das nicht ändern können, ganz gleich, wie sich die Weasleys ins Zeug legen."
Sie nickte. Nur leider zu wenig überzeugend.
„Ich meine das ernst. Ich habe dir gesagt, dass du das nicht ändern kannst."
„Aber das ist so ungerecht, Severus. Du verdienst ihre Anerkennung."
Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Und wenn schon ..." Dann nahm er sie in die Arme und zog sie zu sich. „Entspann dich, Hermine."
Das verruchte Flüstern seiner Stimme an ihrem Ohr löste eine Gänsehaut auf ihrem Körper aus, ihre Knie fühlten sich ganz schwammig an.
„Severus ..."
Seine Lippen bewegten sich zärtlich über ihren Hals, in immerfort laufenden Bahnen hinunter und hinauf, bis sie leise aufstöhnte.
Sie spürte den Druck, mit dem sich seine anschwellende Erregung gegen ihren Unterleib presste. Das Gefühl, die harte Männlichkeit ihres Professors auf diese Weise zu spüren, die so unverschämt verboten war, raubte ihr nach wie vor den Atem.
Sie nahm ihre Hände und umfing sein Gesicht damit, um ihn noch inniger zu sich zu ziehen.
Snape blickte sie liebevoll durch seine schwarzen Strähnen hindurch an und Hermine konnte nicht anders, als sie ihm auf die Seite wischen, um vollends in den Genuss seines verzehrenden Blickes zu kommen, der alleine ihr galt.
„Wirst du endlich nachgeben?", hauchte sie angestrengt atmend.
Er stöhnte ein Nein hervor. „Nicht bevor du deinen Abschluss gemacht hast."
Hermine knurrte enttäuscht. „Das ist nicht fair, Professor."
„Ich weiß. Aber es ist verdammt sexy."
Sie konnte sich ihr Gekicher nicht länger verkneifen und leckte mit der Zunge über seine Lippen, um seinen Geschmack in sich aufzunehmen.
„Warum bist du nur immer so stur?", fragte sie sanft.
Er lächelte aufreizend. „Als dein Lehrer bin ich für dich verantwortlich. Und du kannst nicht von mir erwarten, dass ich dir die Klamotten vom Leib reiße, um dich hier und jetzt zu nehmen."
Ein tiefer Seufzer entfuhr ihr. „Ich weiß. Du bist viel zu verantwortungsbewusst, um so etwas zu tun."
Schon rutschte herausfordernd seine Braue in die Höhe. „Ich verstehe. Einen Orgasmus an deinen Schenkeln zu haben, mit meinen Fingern zwischen deinen feuchten Lippen, ist nichts, was dich aufregt, richtig?"
Sie rollte übertrieben mit den Augen. „Du bist schlecht im Witze reißen, weißt du das?"
„Das ist bekannt. Aber ich denke, dir ist trotzdem klar, was ich meine."
„Fühlst du dich etwa schuldig deswegen?"
Er antwortete nicht.
„Das musst du nicht", versicherte sie ihm. „Ich habe dich zuerst geküsst."
„Das spielt wohl kaum eine Rolle", murmelte er und klang dabei plötzlich wieder vollkommen ernst. „Es ist Grund genug, um mich für immer und ewig in Askaban einzusperren, wie du weißt."
„Aber ich habe nicht protestiert ..."
„Das zählt nicht. Nicht für auch nur einen von ihnen. Sie wären erleichtert, wenn sie mich los hätten. Und sie hätten Recht damit. In meiner Position steht es mir nicht zu, so etwas zu tun."
Das gab ihr zu denken und sie nahm fest ihre Lippe zwischen die Zähne. „Ich bin sicher, Dumbledore würde ein gutes Wort für dich einlegen."
Snape riss die Augen auf und würgte beinahe. Unvermittelt starrte er sie an. „Ich fürchte, ich muss deine Illusionen zerstören, Hermine. Er steht nur solange hinter mir, wie ich nützlich für ihn bin." Seine Hände ruhten inzwischen auf ihren Schultern und sie spürte die gezügelte Kraft, die in seinen Fingern steckte, als sie sich sanft in ihre Haut drückten. „Ich weiß, ihr alle habt die Illusion eines freundlichen alten Mannes in lila Hausschuhen vor Augen, aber da ist so viel mehr, das in ihm steckt. Er hat seine Prinzipien und scheut nicht davor zurück, sich das zu holen, was er haben will. Vor allem aber ist er hervorragend darin, Menschen zu manipulieren, ohne dass sie es merken."
Hermine nickte nachdenklich. Niemand den sie kannte, konnte Menschen so gut einschätzen, wie Severus es vermochte. Und vermutlich war er einer der wenigen, die Dumbledores Motive richtig deuten konnten.
Mal sehen, ob Harry genauso darüber dachte.
xxx
Die Ferien im Grimmauldplatz hatten einen bitteren Nachgeschmack für Hermine hinterlassen. Die Gespräche mit den Jungs ergaben keinesfalls die Ergebnisse, die sie sich erhoffte. Im Gegenteil, je mehr sie nachhakte, umso tiefer ritt sie sich in die Misere.
Doch sie konnte nicht anders. Seit sie gesehen hatte, dass Severus verletzt worden war, musste sie sich eingestehen, dass sie ihn vermisste, wann immer sie nicht bei ihm sein konnte. Je mehr Zeit sie mit ihm verbrachte, umso mehr mochte sie ihn und so sehnte sie sich nach seiner Gesellschaft. Und das nicht nur dann, wenn er sie in seinen Armen hielt, sondern auch dann, wenn sie sich wie zwei ganz normale Leute miteinander unterhielten. Doch die Tatsache, dass er ihr Professor war, machte es nicht gerade leicht für sie, sich über ihre Gefühle klar zu werden. Im Normalfall hätte sie mit jemandem darüber geredet, doch sie musste vorsichtig sein, weil sie sich nicht sicher war, was genau davon sie den Jungs erzählen konnte, ohne zu viel von der Beziehung, die sie zu Snape entwickelt hatte, preiszugeben.
Die Erfahrung, die sie machen musste, ihn in diesem Zustand zu sehen, war eindeutig ein Schock für sie gewesen. Das einzige Mal, an das sie sich erinnern konnte, ihn mit einer Verletzung gesehen zu haben, war während ihres ersten Schuljahres an Hogwarts gewesen. Sein Bein hatte eine Verletzung davon getragen und er hatte gehinkt. Viel mehr Aufmerksamkeit hatte sie ihm damals nicht geschenkt, denn der Stein der Weisen war eindeutig interessanter und wichtiger gewesen, als der zwielichtige Professor Snape.
Sie schüttelte sich bei dem Gedanken daran. Es gab viele Geschichten, die sich um den dunklen Zauberer aus den Kerkern rankten, eigenartige Gerüchte, die unter den Schülern kursierten. Aber hatte sich auch nur einer von ihnen ernsthaft mit der Person befasst, die tatsächlich dahinter steckte? Vermutlich nicht. Hermine selbst war so einfältig gewesen, seine Treffen mit Voldemort als belanglose Routinebesuche einzustufen. Erst jetzt machte sie sich ernsthafte Gedanken darüber, was dabei wirklich vor sich ging.
Irgendwann hielt sie die Ungewissheit nicht mehr aus und platzte drauf los, als sie mit den Jungs zusammen im Wohnzimmer saß und vor Langeweile fast umkam.
„Habt ihr euch nie Gedanken darüber gemacht, welche Rolle die einzelnen Mitglieder des Ordens spielen?", fragte sie, so beiläufig sie konnte.
Beide schüttelten den Kopf, ohne ihre Schachfiguren aus den Augen zu lassen.
Hermine klappte laut hörbar ihr Buch zu, dass es nur so knallte. Endlich rissen sie die Köpfe hoch. „Kommt schon", forderte sie streng, ehe sie Gefahr lief, ihre Aufmerksamkeit wieder zu verlieren. „Das sollte euch interessieren!"
Ron zuckte mit den Schultern. „Warum? Willst du einen Bund zur Rettung der Mitglieder des Phönix-Ordens gründen?"
Harry prustete hinter vorgehaltener Hand los und Hermine schoss ihm einen wütenden Blick zu, der ihn sofort wieder verstummen ließ.
„Wie unglaublich erwachsen von euch! Aber jetzt mal ehrlich: es ist gefährlich, was sie tun. Ihr habt doch gehört, was Snape gesagt hat. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es euch gleichgültig wäre, wenn einer von ihnen in Schwierigkeiten steckt. Oder?"
Die Jungs blinzelten sich verblüfft an.
„Snape?", fragte Harry nach, als hätte er sich verhört. „Du glaubst doch nicht etwa, was dieser Spinner erzählt!"
„Warum nicht?", bemerkte sie irritiert. „Er mag ja ein strenger Lehrer sein, aber ein Lügner ist er bestimmt nicht."
Ron schluckte. „Wie kommst du darauf? Und wieso machst du dir überhaupt Gedanken über ihn?"
Sie biss sich auf die Lippe. „Er war verletzt. Habt ihr das denn nicht gesehen? Es wird schon was dran sein, an dem, was er gesagt hat."
Harry zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon. Ist doch nur Snape."
Hermine nickte nachdenklich. Nur Snape. Da hatte sie es! Mit einem Schlag zerstreuten sich ihre Hoffnungen, sie hätten einfach nur aus Ahnungslosigkeit nicht mitbekommen, was Severus für den Orden riskierte. Stattdessen musste sie feststellen, dass es ihnen gleichgültig war.
Wütend knallte sie ihr Buch auf das Schachbrett, sodass alle Figuren wild auseinander stoben.
„Spinnst du?", brüllte Ron mit hochrotem Kopf. „Ich hätte ihn in wenigen Zügen platt gemacht."
Sie reckte ihr Kinn in die Höhe und ging nicht darauf ein. „Angenommen, Sirius wäre verletzt worden", begann sie, „dann wäre es euch nicht egal gewesen, habe ich Recht?"
Beide nickten eifrig.
„Klarer Fall, Hermine", stimmte Harry zu. „Sirius ist mein Pate. Snape nicht. Außerdem, wer würde sich schon um den Sorgen machen?"
Sie grummelte unverständlich etwas vor sich hin und stand auf.
„Wo willst du hin?", fragte Ron gähnend.
Hermine vermied es, ihn anzusehen. „Ich glaube, ich sollte nach Hogwarts zurückkehren. Die Luft hier wird mir langsam zu dünn."
„Ist das dein Ernst? Wir haben Ferien, du Streberin! Wie kannst du nur so schräg drauf sein?"
„Das kann ich dir sagen", antwortete sie spitz. „Eure Ignoranz stinkt zum Himmel!"
Harry hüstelte. „Das ist jetzt nicht dein Ernst!"
„Oh doch! Snape ist unser Professor. Und er war verletzt. Niemand verdient, dass er so abfällig von Sirius behandelt wird, Harry. Denk mal darüber nach."
Er starrte sie ungläubig an. „Schön! Wenn du streiten willst, von mir aus." Seine Augen wurden zu kleinen Schlitzen. „Das ist das Haus der Familie Black. Es gehört Sirius und er hat das Recht, zu entscheiden, wer hier was tut." Er machte eine kurze Pause und dachte nach. „Und was macht Snape überhaupt hier?", bohrte er verbissen nach. Es war deutlich zu sehen, dass er auf der Seite seines Paten stand.
Hermine schüttelte den Kopf. Sie konnte kaum glauben, dass sie bis vor Kurzem selbst so gedacht hatte. „Er hilft dem Orden", sagte sie steif, „schon vergessen?"
„Nein. Das habe ich nicht vergessen. Doch ich bezweifle stark, dass der Orden wirklich auf ihn angewiesen ist. Sirius behauptet ..."
„Pah!", stieß sie verärgert aus. „Sirius hier. Sirius da! Er ist nicht so unschuldig, wie du vielleicht denkst, Harry. Hast du vergessen, dass er es war, der Snape in die Heulende Hütte gelockt hat, wo Lupin ihn fressen sollte?"
Er hob beschwichtigend die Hände. „Es war ein Streich, Hermine. Kein Grund, sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen. Es ist Jahre her. Und mein Dad hat ihn gerettet. Also, was willst du eigentlich?"
Sie starrte mit offenem Mund zwischen ihren Freunden hin und her, die beide keinen blassen Schimmer hatten, wovon sie eigentlich redete. Ja, was wollte sie damit nur bezwecken? Sie würden ohnehin nichts verstehen. Langsam senkte sie den Blick und schüttelte den Kopf. „Tut mir leid. Ich kann deine Ansicht nicht teilen, Harry. Ich hatte schon immer einen Hang dazu, mir über alles Gedanken zu machen, ganz gleich, ob es sinnvoll war oder nicht." Es stimmte. Für fast alles hatte sie eine Liste, die sowohl positive, als auch negative Seiten aufzeigte. Sie schüttelte sich und seufzte. „Ich wünsche mir nur etwas mehr Gerechtigkeit. Das ist alles."
Mit diesen Worten stapfte sie die Treppe hinauf und packte ihren Koffer.
Kurze Zeit darauf rauschte sie durch den Kamin zurück in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors.
