Fallen from grace

Kapitel 11

Der große Knall

Nachdem die Ferien zu Ende gegangen waren, dauerte es nicht lange, bis Hermine einsah, dass es keinen Sinn hatte, sich weiter mit Harry und Ron darüber zu streiten, ob nun Snape oder Sirius im Unrecht war. Sie wusste, dass jeder Schüler eine gewisse Meinung über Severus hatte, was hauptsächlich damit zusammen hing, dass niemand ihn kannte. Vorerst entschied sie sich, die Sache ruhen zu lassen und versöhnte sich wieder mit ihren Freunden.

Die darauf folgenden Tage verliefen ruhig – zu ruhig. Fast so, als wäre es die Ruhe vor einem Sturm gewesen, denn plötzlich schienen sich die Ereignisse zu überschlagen.

Abgesehen von den Prüfungsvorbereitungen, die Hermine an den Rand eines Nervenzusammenbruchs trieben, gab es etliche weitere Erlebnisse, die Hogwarts und seine Bewohner in Atem hielten.

Fred und George veranstalteten ein riesiges Feuerwerk in Hogwarts, das Umbridge ablenken sollte, damit Harry sich über ihren Kamin mit Sirius unterhalten konnte. Als Folge darauf wurde ein neuer Ausbildungserlass bekanntgegeben, der dem Hausmeister Filch gerade recht kam, da er nun bei Bestrafungen zur Peitsche greifen durfte, wenn Umbridge dies für angemessen hielt.

Allem Anschein nach hatten die Zwillinge daraufhin genug vom Bildungswesen, da sie der Schule postwendend den Rücken zukehrten, um auf ihre Weise ihr Glück zu versuchen.

Vielleicht war es besser so, dachte Hermine bitter. Niemand wusste, was ihnen noch bevorstand. Und zwei wie Fred und George würden auch alleine klar kommen.

Doch damit waren die Probleme in Hogwarts noch lange nicht beseitigt. Umbridge und ihr Einfluss war das beste Beispiel dafür, denn eines Tages wurde Professor McGonagall schwer verletzt, als sie versuchte, die neue Schulleiterin davon abzuhalten, Hagrid von Hogwarts fortzuschicken.

Als Harry dann während seiner Prüfung wieder einmal eine Vision von Voldemort hatte, worin dieser Sirius in seiner Gewalt hatte, gab es keine Zweifel mehr, dass die Schüler etwas unternehmen mussten.

Bei dem Versuch, Sirius zu Hilfe zu kommen, kam es zum Kampf zwischen den Mitgliedern von Dumbledores Armee und einigen Todessern, wobei Sirius starb, als er und andere Helfer des Phönix-Ordens den Schülern aus der Klemme helfen wollten.

Hermine saß zitternd auf den Stufen, die zum Astronomieturm hinaufführten. Alles in ihr schien sich zusammen zu krampfen und sie wollte nichts, als alleine sein.

Was hatte sie getan?

Sie fühlte sich so schuldig, als hätte sie selbst das Leben von Sirius auf dem Gewissen. Dabei war Bellatrix Lestrange es gewesen, die ihn getötet hatte. Was war das nur für ein idiotischer Plan gewesen, den sie sich da ausgedacht hatte? Bestimmt würde Harry ihr nie verzeihen. Alleine beim Gedanken daran verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen und heulte hemmungslos drauf los. Wie konnte sie nur zulassen, Dumbledores Armee in diese Falle laufen zu lassen? Sie hätte es wissen müssen.

Doch es war zu spät. Sirius war tot.

Hermine schluchzte. Das hatte sie nicht gewollt.

„Hermine?"

Sie zuckte zusammen, als sie eine leise, sehr durchdringende Stimme hörte. Dann legte sich eine Hand auf ihre Schulter und sie fuhr herum.

„Severus!"

Er sah sie an und sie konnte auf den ersten Blick erkennen, dass er besorgt war. Anscheinend hielt er es nicht einmal für nötig, ihr etwas vorzumachen. Vermutlich war es sogar besser so.

„Ich hörte, dass du verletzt wurdest."

Sie nickte beschämt.

„Was ist passiert?"

„Es war eine Falle", murmelte sie. „Sie haben uns in eine Falle gelockt."

Er seufzte und die tiefe Furche zwischen seinen Brauen erzitterte. „Wie konntest du nur so leichtsinnig sein? Hatten wir nicht darüber gesprochen, dass du dich aus allem raushältst?", fragte er kopfschüttelnd. „Du hättest dabei sterben können."

Sie starrte verbissen auf die Knöpfe auf seiner Brust und fühlte sich einfach nur unglaublich dumm. Die ganze Sache war unüberlegt und riskant gewesen.

„Hermine?"

Langsam hob sie den Kopf. „Es ist alles meine Schuld."

Er erstarrte. „Was?"

„Sirius ist tot. Fast alle wurden verletzt. Und es ist allein meine Schuld."

Er seufzte tief. Dann warf er mit einem Schwung seinen Umhang beiseite und setzte sich neben sie. „Unsinn. Sirius war schon immer ein Draufgänger, wenn du dich erinnerst."

Sie lachte bitter auf. „Sag das mal Harry! Oder Ron."

Doch Severus ging nicht darauf ein. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis das geschehen würde", sagte er abwesend. „Er hat es unzählige Male darauf angelegt, das Hauptquartier zu verlassen, obwohl er wusste, dass sie ihn suchen. Du bist nicht für ihn verantwortlich gewesen, Hermine."

Sie schluchzte leise auf und er nahm sie in die Arme.

Hermine drückte ihren Kopf an ihn und ließ ihren Tränen freien Lauf. „Ich konnte ihn nicht sonderlich leiden, weißt du? Aber dass er stirbt, wollte ich auch nicht."

Er nickte. „Ich weiß."

„Harry ist total fertig gewesen. Er wollte mich nicht einmal mehr sehen, nachdem wir im Schloss waren." Traurig zog sie die Nase hoch. „Ich hoffe, es geht ihm gut ..."

Als Severus nicht darauf antwortete, blickte sie auf und sah, dass er nachdenklich in die Ferne starrte. Fast hatte sie vergessen, dass er und Harry sich nicht riechen konnten. Dabei wünschte sie sich so sehr, dass die Welt um sie herum einfach nur in Ordnung wäre.

Hermine schmiegte ihren Kopf an seine Schulter. „Was soll ich denn jetzt machen, Severus?", fragte sie traurig.

Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm, als er leise vor sich hinmurmelte. „Gib ihm Zeit. Er wäre ein noch größerer Idiot, als ich glaube, wenn er dir nicht verzeihen würde."

Hermine nickte stumm. Sie musste ihm Recht geben. Harry konnte verdammt stur sein. Doch wenn er immer noch nicht begriffen hatte, wie sehr sie einander brauchten, würde sie ihm nicht helfen können.

Langsam löste er sich aus ihrer Umklammerung und nahm ihr Kinn zwischen seine Finger, um sie anzusehen. „Was macht deine Verletzung?"

Sie rümpfte die Nase. „Geht schon. Madam Pomfrey hat sich darum gekümmert."

Er hob skeptisch seine Brauen. „Was dagegen, wenn ich einen Blick darauf werfe?"

„Meinetwegen." Hermine zuckte gleichgültig mit den Schultern und fummelte an den Knöpfen ihrer Jacke herum. Doch Severus hielt sie zurück.

„Nicht hier." Seine schwarzen Augen glühten mahnend auf. Dann erhob er sich mit anmutigen Bewegungen und streckte ihr die Hand entgegen. „Komm mit."

Sie nickte und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen.

Schweigend wanderten sie mit ausreichend Abstand zueinander durch das Schloss. Auch dann, wenn die Wahrscheinlichkeit, um diese Zeit jemanden anzutreffen, sehr gering war, war es doch seltsam, dass sie so nebeneinander her marschierten.

Hermine konnte fühlen, dass er besorgt und verunsichert zugleich war. Sie wusste nicht, wie er reagieren würde, wenn jemand sie derart friedlich zusammen sehen würde. Doch in diesem Moment war es ihr gleich. Er war bei ihr und das war alles, was für sie zählte.