Fallen from grace
Kapitel 22
Fallen from grace
Sie konnte nicht glauben, was sie da soeben gehört hatte und sperrte entrüstet den Mund auf. „Was sollte das denn gerade sein?"
Seine ganze Haltung versteifte sich nur noch mehr, als er den Unmut in ihrer Stimme heraushörte. „Ich denke, du hast mich sehr wohl verstanden", sagte er klar und deutlich.
Hermine schnaubte aufgebracht und stemmte dabei die Hände in die Hüften. „Würdest du bitte damit aufhören? Du erinnerst mich gerade sehr stark an Harry, wenn er sich in etwas verrannt hat, und das bestätigt meine Vermutungen, dass er vielleicht gar nicht so unrecht damit hat, dass irgendetwas mit Draco faul ist."
Er kräuselte missbilligend die Mundwinkel. „Du vergleichst mich tatsächlich mit ihm?"
„Ja. Wieso nicht? Du übertreibst, wenn es um Draco geht, fast so, als würdest du ihn mit allem beschützen wollen. Dabei ist er keinesfalls ein Unschuldsengel."
„Ich habe dich gewarnt. Draco ist nicht eure Angelegenheit."
Es entfuhr ihm wie ein unliebsames Zischen durch seine fest aufeinander gepressten Lippen hindurch. Hermine wusste instinktiv, dass sie ihn getroffen hatte. Genau deshalb vermied er es sonst immer, sich in derartige Diskussionen verstricken zu lassen. Auch Harry hatte bei seinen Okklumentikstunden erkennen müssen, dass es besser war, gewisse Dinge auf sich beruhen zu lassen, anstatt immer weiter zu drängen, doch genauso wenig wie er konnte Hermine jetzt einfach aufgeben, nach der Wahrheit zu forschen.
„Was ist mit ihm?", drang sie weiter. Der Gedanke, dass Harry Recht haben sollte, ergriff mehr und mehr Besitz von ihr. Wenn Severus seinen Lieblingsschüler tatsächlich so vehement in Schutz nahm, konnte das eigentlich nur eines bedeuten. „Dann stimmt es also? Er ist einer von ihnen geworden? Gott! Und ich dachte wirklich, Harry übertreibt mal wieder, weil es um Draco ging." Sie schüttelte entrüstet den Kopf. „Warum hast du mir nichts davon gesagt?"
Er rollte mit den Augen. „Wieso hätte ich das tun sollen? Es ist nicht gut, wenn du so etwas weißt."
„Was? Aber wir … wir lieben uns. Trotz allem, was zwischen uns steht. Oder willst du mir damit sagen, dass es nicht wahr ist und sich etwas an deinen Gefühlen geändert hat?"
Er schlug hart seine Kiefer aufeinander. „Es ist alles weitaus komplizierter, als es scheint."
„Das ist es", entgegnete sie fauchend. „Und dennoch möchte ich daran festhalten."
Völlig unerwartet flackerten seine Augen auf. „Das möchte ich auch", sagte er ungewöhnlich sanft, „glaub mir. Noch nie zuvor ist mir so etwas passiert. Doch manchmal gibt es keinen Ausweg und wir müssen Dinge tun, die wir nicht tun wollen. Außerdem wissen wir nicht, was noch kommt, also müssen wir uns vorsehen."
„Was soll das nun wieder heißen? Denkst du nicht, dass es irgendwann einen Weg geben wird, ihn endlich zu besiegen?"
„Vielleicht wird es das. Aber das garantiert noch lange nicht, dass ich danach ein freier Mann sein werde. Es gibt so viel, das ich getan habe, so viel, wofür andere mich in Askaban sehen möchten. Und du weißt das. Außerdem ist nicht sicher, was der Dunkle Lord mit uns vorhat. Er ist unberechenbar."
„Was – was meinst du?", fragte sie klamm.
Er seufzte tief und langgezogen. „Es besteht die Möglichkeit, dass er uns nicht gehen lassen wird. Niemand hat es je geschafft, ihm den Rücken zuzukehren."
Ungläubig senkte sie den Blick auf seine Knöpfe. Was er gesagt hatte, entsprach der Wahrheit. Aber konnte sie sich damit zufrieden geben, dass er niemals frei sein würde? Seit sie angefangen hatte, etwas für ihn zu empfinden, hatte sie davon gewusst. Und dennoch hatte sie versucht, es zu verdrängen.
„Und was verlangst du von mir?", murmelte sie bestürzt seine Brust an. „Dass ich bereit bin, es einfach hinzunehmen?"
Er schüttelte den Kopf und unzählige Strähnen fielen ihm vor die Augen, als würde er wieder einmal seinen Ausdruck vor ihr verbergen wollen. Doch Hermine bekam es ohnehin nicht mit. Sie war zu sehr damit beschäftigt, mit ihren Gefühlen für ihn zu kämpfen, als dass sie seine eigene Unsicherheit registriert hätte.
„Sieh mich an", forderte er ernst.
Doch sie wollte nicht. Sie konnte es nicht ertragen, ihn aufzugeben.
Snape nahm seine Hand und umfasste mit den Fingern ihr Kinn, um sie dazu zu bringen, ihm ins Gesicht zu blicken. „Ich bin nur am Leben", sagte er leise und eindringlich zugleich, „weil der Dunkle Lord in dem Glauben ist, dass ich für ihn Dumbledore und den Orden ausspioniere. Was abseits davon eines Tages sein wird, ist ungewiss. Aber solange er überzeugt davon ist, dass ich ihm nützlich bin, wird er an mir festhalten. Alles andere ist hinfällig."
Hermine schauderte. Die Lage war schon dramatisch genug gewesen bei all den unheimlichen Geschehnissen um sie herum. Und jetzt auch noch das. „Du denkst also, er würde dich notfalls töten?", fragte sie mit erstickter Stimme.
„Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das so."
„Aber … warum?"
„Weil er keine Gnade kennt. Und weil er keine Mitwisser braucht, die ihm früher oder später gefährlich werden könnten."
„Nein! Das kann ich nicht glauben. Es darf nicht passieren. Du – du kannst immer noch fliehen und dich verstecken ..."
Er schüttelte träge den Kopf. „Nein. Es wäre nichts als feige."
„Aber du wärst am Leben!"
„Und was für ein Leben wäre das?", fragte er sarkastisch, ebenso wie er es schon unzählige Male im Unterricht getan hatte, wenn ihm bewusst gewesen war, dass er allen anderen mindestens drei Schritte vorausdenken konnte, was sie nicht zu tun vermochten. „Du selbst hast es erkannt, es wäre nicht richtig, daran festzuhalten."
„Das kommt mir vertraut vor", murmelte sie abwesend. „Sirius muss sich ebenso gefühlt haben, nicht wahr?"
Sanft mit dem Kopf wippend nickte er. „Ich kann nicht sagen, dass er mir leid getan hätte, doch in diesem Punkt hast du Recht."
Hermine schnaubte bitter.
„Aber er war nicht gebrandmarkt. Ich hingegen schon, denn ich trage das Dunkle Mal. Es hätte keinen Sinn, sich zu verstecken. Dem Ruf des Mals kann man sich so gut wie nicht entziehen. Es brächte einen vor Schmerz um den Verstand."
Fröstelnd stürzte sie nach vorne und schlang die Arme um seinen Leib, noch ehe beiden so recht in den Sinn kam, was sie damit zwischen ihnen auslöste. „Das ist alles zu unecht, um real zu sein, nicht wahr? Ich wünschte, ich könnte irgendetwas tun. Aber ich weiß nicht, wie es weitergehen soll ..."
Er legte behutsam seine Hände auf ihren Rücken. „Das hast du schon. Du hast viel mehr für mich getan, als sonst jemand. Und genau deswegen möchte ich nicht, dass du dir ständig Sorgen machen musst. Du solltest das Recht haben, unbeschwert zu leben."
Hermine schluchzte auf, dann löste er sich mit sanfter Gewalt von ihr los und griff nach ihren Schultern.
„Hör zu, was wir hatten, war unbeschreiblich. Aber es kann nicht gut gehen bei dem Leben, das ich führe. Und wenn du tief in dich gehen würdest, würdest du es verstehen."
Sie schüttelte vehement ihre wilde Mähne. „Sag das nicht. Es klingt schon wieder nach Abschied und das kannst du nicht von mir verlangen."
Er holte tief Luft und blickte eindringlich auf sie hinab. Dann hob er den Zeigefinger und hielt ihn unmittelbar vor ihr Gesicht. „Du wirst zu niemandem ein Wort über Draco sagen, verstanden?"
Hermine schluckte. Irgendwie behagte ihr diese Situation überhaupt nicht. Sollte sie sich mit ihrer Beharrlichkeit ernsthaft schon wieder zwischen die Fronten gedrängt haben, was bedeuten würde, sich zwischen ihm und ihren Freunden entscheiden zu müssen?
„Wie stellst du dir das vor?", fragte sie benommen. „Harry ist mein Freund. Ich kann ihm das nicht vorenthalten. Vor allem aber sollten wir es Dumbledore sagen. Er muss etwas tun ..."
Er schüttelte energisch den Kopf. „Das hätte wohl kaum einen Sinn, denn er weiß es längst."
Ihr sackte die Kinnlade zu Boden. „Was?"
Kaum merklich nickte er. „Er weiß alles, was hier vor sich geht. Und du solltest es dabei belassen."
„Aber ..."
Sichtlich aufgebracht wandte er sich von ihr ab. „Hör auf!", dröhnte seine Stimme durch den Raum, sodass sie sofort wieder verstummte. „Denkst du, er ist ein seniler Greis? Da hast du dich gewaltig geirrt. Er ist keineswegs so, wie du ihn dir vorstellen magst."
„Das habe ich auch schon gemerkt, keine Sorge. Ich bin schließlich nicht blöd."
„Nein, bist du nicht", lenkte er ein. Doch noch immer konnte sie sehen, dass sich seine Brust vor Aufregung schneller als gewöhnlich bewegte.
„Gut. Denn dann kannst du unmöglich von mir erwarten, dass ich nichts tun werde. Wenn es dir so wichtig ist, werde ich nichts zu Harry sagen. Aber egal was es auch kosten mag, ich werde einen Weg für uns finden. Da kannst du Gift drauf nehmen!"
Mit zittrigen Fingern wischte sie sich über die Augen. Dann hörte sie das sanfte Rascheln seiner Gewänder und fand sich auch schon in seinen Armen wieder.
„Ich bin überzeugt davon, dass du nicht aufgeben wirst, denn das sähe dir auch gar nicht ähnlich", murmelte er leise in ihr Ohr, während er mit seinen Fingern ihr wirres Haar zerteilte. „Aber du musst mir versprechen, dich nicht selbst dafür aufzugeben."
Sie schüttelte den Kopf, ohne ihn dabei anzusehen. Stattdessen krallte sie ihre Hände in den schwarzen Stoff seines Umhangs, der seinen Rücken bedeckte.
Vorsichtig brachte er sie auf Abstand zu sich und sah sie an. Dann streckte er seine Finger nach ihr aus und umfing damit ihre Wange. „Nein, natürlich nicht", bestätigte er sanft. „Aber ich musste es wenigstens versuchen ..."
Sie blinzelte verunsichert zu ihm hinauf. „Habe ich dir je gesagt, dass ich dich liebe, Severus?", fragte sie mit gebrochener Stimme.
Beinahe schmunzelnd blitzten seine Augen auf. „Nicht auf diese Art. Aber ich weiß, dass du es tust."
Hermine wollte am liebsten laut aufheulen. Ihre ganze Welt schien zum Stillstand zu kommen, als sie ihn so vor sich sah. Er war alles was sie wollte. Und das so sehr, dass sie das Gefühl hatte, sich in ihm verkriechen zu müssen.
Snape schien zu spüren, was in ihr vorging. Es brachte ihn schier um den Verstand und Hermine konnte einen Schauder durch seinen Körper jagen sehen.
„Schick mich heute Nacht nicht fort", bat sie eindringlich. „Nicht diesmal. Ich – ich brauche dich."
Er seufzte tief und brummte mit rauer Stimme eine unverständliche Bemerkung, dann hob er sie mit einer schwungvollen Bewegung auf seine Arme. Hermine schmiegte sich an ihn; so brachte er sie zu einer Tür und in sein Schlafzimmer hinüber, welches zu ihrer Überraschung immer noch an sein Büro in den Kerkern angegliedert war, obwohl er schon längst nicht mehr Zaubertränke unterrichtete.
Kaum hatte er sie auf seinem Bett abgelegt, begannen sie damit, sich auszuziehen. Als Hermine dann seinen nackten Oberkörper vor sich aufragen sah, schlang sie die Arme um seinen Nacken und zog ihn zu sich. Seine Hände vergruben sich in ihrem Haar, seine Lippen senkten sich auf ihre hinab. Langsam trafen sie aufeinander und schmeckten die vertrauten Aromen des jeweils anderen. Nicht lange darauf öffnete er den Mund und drang mit seiner Zunge in ihren. Instinktiv öffnete sie sich ihm, um ihm Einlass zu gewähren und ihn in sich aufzunehmen. Zu lange hatten sie sich nacheinander gesehnt, zu viel Zeit schien vergangen, seit sie sich derart innig einander hingegeben hatten. Es war keine Frage, dass sie das wollten. Es musste einfach so kommen. Und so unterschied sich die Art und Weise, wie sie sich in dieser Nacht liebten, deutlich von ihrem gemeinsamen Ersten Mal. Ihre Bewegungen waren wild und ungestüm. Die Leidenschaft, die diesmal in ihnen steckte, war zugleich geprägt von einer tiefen Sehnsucht, die sie beide gleichermaßen verspürt und unterdrückt hatten. Der Reiz des Verbotenen lag über ihnen und dennoch konnten sie sich einander nicht länger entziehen. Hermine spürte, wie sehr er sie brauchte und ließ sich von ihm forttragen in eine Welt, die für kurze Zeit etwas Vollkommenes offenbarte, so wie sie es sich schon seit langem gewünscht hatte. Mit ihren Fingern erkundete sie seinen Körper aufs Neue und spürte das Beben in ihm, als er sich in sie schob. Ihre Blicke trafen sich für einen Moment tief und innig, dann stieß er zu und füllte sie aus. Sein tiefes Stöhnen durchdrang den Raum und Hermine schauderte wohlig. Dass er sich so gehen ließ, bestätigte, wie einsam er ohne ihre Nähe gewesen war. Vollkommen überwältigt krallte sie ihre Nägel in seinen Rücken und schlang ihre Beine fest um seine Hüften. Dann reckte sie ihr Becken empor, jede seiner Bewegungen tief in sich aufnehmend. Sie hatten einander so sehr vermisst, dass es unmöglich schien, es zu beschreiben. Doch jetzt, wo sie endlich wieder zusammen waren, brannten sie förmlich vor Leidenschaft füreinander.
Einen Augenblick hielt er inne und blickte ungläubig auf sie hinab, fast so, als würde er nicht verstehen, dass sie tatsächlich unter seinem Körper begraben auf seinem Bett lag und ihre Hände mit seinen verschlungen hatte. Wie befreit lugte Hermine zu ihm hinauf. Ihre Hand griff nach seinem Nacken und so angelte sie ihn sich, um ihn zu küssen. Snapes Zunge fuhr wild in ihren Mund, sein Körper aber zog sich für einen Moment zurück, nur um im nächsten wieder in sie einzutauchen. Laut hörbar stöhnte er in ihrem Mund auf, empfangen von ihrer begierigen Zunge. Alles an ihrem Unterleib schien sich zusammenzuziehen, um ihn in sich aufzunehmen. Mit jedem seiner Stöße brachte er sie näher an den Rand der Besinnung. Sein eigener Körper bewegte sich dabei so vollkommen zu ihrem, dass ihre Muskeln vor Anspannung zu reißen drohten. Hermine wusste, dass er nicht mehr lange durchhalten würde, aber es war ihr gleich. Sie wollte ihn, wollte, dass er für sie kam. Für sie allein, ebenso wie es vom ersten Moment an zwischen ihnen gewesen war, als sie sich selbst vergessen hatten, um übereinander herzufallen. Erschöpft und glücklich blieben sie derart vereint beieinander, bis sich ihre Atmung wieder beruhigt hatte.
Als er sich dann erschlafft aus ihr zurückzog, fing sie zu protestieren an. Sie wollte nicht, dass er sich je wieder von ihr loslöste, doch bevor sie weiter dringen konnte, legte er ihr sanft seine Hand auf den Mund, um sie zum Schweigen zu bringen. Er hatte Recht, der Moment war zu kostbar, um ihn auf diese Art zu ruinieren. Ermattet rollte er sich von ihr und schlüpfte hinter sie, ihre Körper wie zwei Löffel aneinander schmiegend. Seine Finger vergruben sich mit ihren und seine Lippen verteilten zärtliche Küsse auf ihrem Nacken. So verbrachten sie die Nacht miteinander, ohne viele Worte, einzig und alleine sich einander hingebend und liebend, bis sie endlich einschliefen.
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In den frühen Morgenstunden erwachte sie und sah ihn auf seinen Ellenbogen gestützt über sich gebeugt, sie abschätzig betrachtend.
„Morgen", gähnte sie verschlafen.
Seine Brauen zogen sich fest zusammen und sofort merkte sie eine eigenartige Anspannung an ihm. Dennoch war da sein Körper, der bereit war, ihr zu gehören. Sie konnte es ohne Zweifel fühlen, schließlich drückte sich sein halb erigierter Penis von hinten an sie.
Snape seufzte und senkte den Kopf in ihren Nacken hinein, um sie lang und innig auf die Halsbeuge zu küssen. Dann hielt er plötzlich inne. „Albus wird nicht erfreut sein", murmelte er mit rauer Stimme zu ihr hinab.
Hermine wollte schon fast auflachen, biss sich aber schnell auf die Zunge. Sie konnte nicht länger widerstehen und drehte den Kopf zu ihm herum, um erneut in sein so vertrautes Gesicht zu blicken. Ihre Augen trafen sich, dann hörte sie ihn scharf einatmen. Sein Ausdruck dabei war schwer zu beschreiben. Sie wusste, dass er es nicht bereute, sich ihr hingegeben zu haben, dafür hatte er zu viel Sehnsucht in sich gehabt. Trotzdem war ihr klar, wie schwer es ihm fiel, sie jetzt nicht fortzuschicken.
Ihre Lippen streckten sich nach seinen und sie war überrascht, als er ihr entgegenkam. Ihre Münder begannen, sich im Einklang zu bewegen, seine Zunge schoss hervor und schlang sich um ihre. Sanft aufstöhnend reckte Hermine ihr Becken in seine Richtung und drückte sich dabei innig gegen seine harte Erregung. Es war, als würden sie nach Hause kommen, denn schon glitt er in ihren feuchten Unterleib.
Hermine erzitterte, als sie spürte, wie leicht es ihm fiel, in sie einzudringen. Sie war so von Lust ergriffen, dass sie es ihm ohne Umschweife erlaubte, sie ein weiteres Mal zu nehmen. Willig schlang sie ihre Finger um sein schwarzes Haar, um ihn so nahe wie möglich an sich zu ziehen.
„Ich liebe dich, Severus", hauchte sie schwer atmend, woraufhin er mit einem tiefen Stoß antwortete.
Für eine Sekunde schloss er die Augen und sie wusste, dass er dasselbe fühlte, obwohl er nicht imstande war, es zu äußern. Voller Erwartung schob er sich ein weiteres Mal in sie, zitternd und lauernd. Er wollte sie so sehr, dass Hermine das Gefühl hatte, sie würde dahinschmelzen. Schon wurden die Bewegungen aus seiner Hüfte schneller und härter, dann kam er und schoss tief grollend, mit langen, kräftigen Schüben seinen Samen in sie. Erneut wurde sie bis in ihr Mark erschüttert, es schien ihr unbegreiflich, den Mann, den sie liebte, ihren Professor, so fest in sich begraben zu haben. Hermines Verlangen, ihn für immer festzuhalten, war ungebrochen. Sie fühlte seinen sich unruhig hebenden und senkenden Brustkorb und hörte, wie er ihren Namen flüsterte. Gemeinsam verschlangen sie ihre Finger ineinander und nickten erneut ein.
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Als Hermine schlaftrunken die Augen öffnete und Dumbledores Gestalt vor sich erblickte, dachte sie, es wäre ein übler Scherz. Doch noch immer konnte sie Snape an ihrer Rückseite spüren, der offenbar tief und fest schlummerte. Vorsichtig verpasste sie ihm einen Stoß mit dem Ellenbogen in die Rippen, ohne das Gesicht ihres Schulleiters aus den Augen zu lassen, da rührte er sich endlich und knurrte sie an.
„Was?"
Hermine räusperte sich verlegen. Sie ahnte bereits, dass ihr Kopf hochrot angelaufen war.
„Wach auf!", zischte sie ihm warnend zu. Dann trat für wenige Sekunden eine unheilvolle Stille ein, ehe er senkrecht im Bett saß.
„Albus!"
Der Schrei, der aus den Tiefen seiner Kehle kam, gellte durch das ganze Zimmer und Hermine zuckte verschreckt zusammen; wenigstens war er jetzt wach.
Dumbledore schüttelte mit versteinertem Gesicht den Kopf (die Enttäuschung darin war nicht zu übersehen), dann wandte er sich ab und schritt auf den Kamin zu, um sich mit vor dem Körper ineinander verschränkten Fingern dagegen zu lehnen.
„Habe ich dir nicht gesagt, du sollst vorsichtig sein?", fragte er bitter.
Hermine konnte sich nicht erinnern, ihn je so außer sich gesehen zu haben. Jede seiner unzähligen Falten wirkte angespannt, seine Augen schienen zu glühen. Rundum waren all die verschiedenen Ausdrücke, die er widerspiegelte, so ungewöhnlich für einen scheinbar gutmütigen alten Mann, dass sie für einen Moment ganz vergaß, dass sie selbst der eigentliche Grund für die ganze Misere war, denn wäre sie nicht in Snapes Bett gewesen, hätte es keinen Anlass für diesen Auftritt gegeben.
Snape schluckte, brachte aber keinen Ton hervor. Vermutlich war es das erste Mal überhaupt, dass Hermine ihn derart sprachlos erwischte.
„Habe ich oder habe ich nicht?", wiederholte Dumbledore klar und deutlich.
Snape nickte knapp. Er schien es für das Beste zu halten, lieber den Mund zu halten, um abzuwarten, bis sich der erste Sturm gelegt hatte.
Am liebsten wäre Hermine unter der Bettdecke verschwunden, bereit, die beiden sich selbst zu überlassen, doch nach einer so versöhnlichen Nacht wie dieser brachte sie es nicht übers Herz, Severus zu verraten.
„Wie konntest du nur?", bellte Dumbledore vorwurfsvoll, als Snape noch immer nichts dazu geäußert hatte. „Du weißt, was das für Folgen haben kann?"
Der Ausdruck der Enttäuschung auf seinem verwitterten Gesicht wandelte sich und glich mit einem Mal dem eines sehr niedergeschmetterten und auch sehr verzweifelten Mannes, sodass Hermine fast ein schlechtes Gewissen bekam, obwohl bis vor wenigen Minuten alles noch so wunderbar gewesen war.
„Ich habe mich deinetwegen schon zu weit aus dem Fenster gelehnt. Hast du das vielleicht vergessen?"
Snape schüttelte wortlos den Kopf. Langsam schien ihm auch noch der letzte Rest Farbe von seiner immerwährend fahlen Haut zu weichen.
„Du kennst das Gesetz, wenn es um ein solches Vergehen geht. Und sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Du hattest eine zweite Chance und hast sie hiermit vertan. Noch einmal lasse ich mich nicht von dir zum Narren halten!"
Wieder nickte Snape und Hermine bekam es allmählich mit der Angst zu tun. Sie war es nicht gewohnt, dass er so stillschweigend nachgab, ohne dabei auch nur ein Fünkchen seines berüchtigten Sarkasmus aufzufahren. Nicht einmal Umbridge gegenüber hatte er sich so verhalten, obwohl sie eine Gefahr für ganz Hogwarts dargestellt hatte.
„Zieh dir gefälligst was an", dröhnte Dumbledore weiter. „Ich erwarte dich in meinem Büro." Seine Augen funkelten auf und schossen erbarmungslos in Hermines Blickfeld. „Und Ihnen, Miss Granger, kann ich nur sagen, dass Sie keine Ahnung haben, was Sie damit angerichtet haben."
Noch ehe einer der beiden protestieren konnte, war er auch schon herumgewirbelt und in einer zornigen grünen Stichflamme durch den Kamin verschwunden.
Für einige Sekunden wurde es still im Raum, dann schlug Snape wie ein Irrer die Decke zurück und sprang mit einem Satz aus dem Bett.
Hermine starrte ungläubig hinter ihm her, wie er seine Sachen auf dem Boden zusammensuchte. „Was hast du vor?", fragte sie vorsichtig.
Er fuhr herum, als hätte er ihre Anwesenheit ganz vergessen. Deutlich verstört hielt er inne und blinzelte sie an.
„Du hast ihn gehört, Hermine."
Sie schauderte, als sie seine Stimme so belegt hörte. „Aber wozu soll das gut sein?", stieß sie verdattert aus. „Ich meine … was glaubst du, wird er tun?"
Beinahe sah es so aus, als würde er auflachen, doch noch ehe es dazu kommen sollte, hatte er sich wieder gefasst.
„Was er tun wird?", presste er gequält hervor, während er sich in seine Hose schälte. „Das kann ich dir sagen! Er wird mich dafür zur Verantwortung ziehen." Sein Unterkiefer bebte vor Anstrengung, auch sein Atem ging deutlich unruhig. Trotz allem schien er sich langsam wieder zu sammeln und reckte steif seinen Oberkörper empor, um ihr gegenüber wenigstens den letzten Rest seiner sonst so penibel gepflegten Selbstbeherrschung zur Geltung kommen zu lassen. „Er ist der Schulleiter", sagte er klipp und klar. „Es wäre sein gutes Recht, mich auffliegen zu lassen oder mich nach Askaban zu bringen, weil ich ungehorsam war und das bedeutendste Tabu, das es in meiner Position überhaupt gibt, gebrochen habe."
Sie sperrte die Augen auf. Dass er von ihrer gemeinsam verbrachten Nacht gesprochen hatte, war offensichtlich.
„Aber Severus! Er weiß, dass du sonst nicht etwas Derartiges tust. Ich kann mir keinen Menschen vorstellen, der sich so vor anderen verschlossen hat, wie du es all die Jahre getan hast."
Seine Braue rutschte in die Höhe. „Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Ausflüchte."
„Schön, dann eben nicht. Doch du glaubst nicht wirklich, dass er .. dass er dir etwas antun wird. Oder?"
Verunsichert klemmte sie ihre Lippe zwischen die Zähne und wartete auf seine Antwort. Er aber schüttelte nur den Kopf und knöpfte mit flinken Fingern sein Hemd zu. Erst als er damit fertig war, nahm er die Hände hoch und fuhr sich in langen Bahnen damit durch die Haare.
„Wir werden sehen", sagte er leise. Aus Hermines Sicht klang es einfach erschreckend resigniert. „Doch ich bin mir fast sicher, dass mich dieser Vorfall teuer zu stehen kommen wird. Sehr teuer. Genau genommen könnte es mich meinen Kopf kosten. Und nicht nur das." Er schnaubte. „Er hat mich um einen Gefallen gebeten. Einen Gefallen, der mein Ansehen, meinen Ruf ... einfach alles zunichte machen wird, wenn er darauf besteht, das von mir zu fordern, was er schon vor einigen Wochen von mir verlangen wollte. Und diesmal hat er mich endgültig in der Hand."
Sie schluckte zutiefst getroffen. „Wie – wie meinst du das?"
Schaudernd senkte er den Blick und etliche Strähnen fielen ihm vor die Augen. „Mich ihm zu beugen, ist die einzige Wahl, die ich habe."
