Fallen from grace
Kapitel 23
The headmaster
„Ist Ihnen vielleicht schon einmal in den Sinn gekommen, dass ich das nicht länger tun möchte?", fragte Severus mit deutlichem Sarkasmus in der Stimme. „So brillant Ihr Verstand auch sein mag, Schulleiter, stimme ich diesmal nicht mit Ihnen überein." Schwer atmend hielt er inne und schluckte. Seine Kehle schien vor Zorn zu brennen.
„Wer soll es sonst tun?", fragte Dumbledore energisch.
Kaum hatte er ausgesprochen, war ein lautes Rascheln zu hören.
Er fuhr herum und schüttelte sich unbewusst, als er Fawkes auf seiner Stange erblickte, der seine Flügel streckte. „Albus, das Mädchen ... sie – sie ist alles was ich habe ..."
„Ja. Und du hast mir geschworen, alles zu geben."
Sein Gesicht wurde noch bleicher als gewöhnlich. Die Worte trafen ihn weitaus schlimmer als ein harter Schlag, noch während ihm überhaupt bewusst wurde, was das für Auswirkungen haben würde. Selbst Dumbledore hatte Mühe, den gequälten Anblick seines Gegenübers zu ertragen.
„Aber sie ist tot", murmelte er matt, die Augen wie leblos auf den Schreibtisch seines Mentors gerichtet.
„Ihr Sohn jedoch lebt. Und du weißt, dass er das nicht alleine durchstehen kann."
Die Hände zu Fäusten geballt, wandte Severus sich von Dumbledore ab und stand auf. Vom Rascheln seines langen Umhangs begleitet, die Schultern tief vornüber gebeugt, glitt er zum Fenster hinüber und starrte hinaus in die aufgehende Sonne.
„Wann, Albus?", durchbrach seine markante Stimme schließlich die bedrückende Stille des Raumes.
Dumbledore atmete ein. „Wenn Draco seine Aufgabe nicht erfüllen kann. Und das wird er mit Sicherheit nicht tun." Severus zuckte wie von Schmerz durchzogen zusammen, doch der Schulleiter fuhr fort, wenn auch nicht mehr ganz so hart. „Es ist der einzige Weg für dich, um voll und ganz Toms Vertrauen zu erlangen."
Er schnaubte unliebsam, die Brauen fest zusammengezogen, sodass sie die altbekannte Furche in ihrer Mitte zur Geltung brachten. „Es ist der einzige Weg, um mich endgültig zu ruinieren, Albus. Sie wissen das. Es käme einem Mord gleich und würde meine Seele ein für alle Mal in die Hölle befördern."
Dumbledore schüttelte gemächlich den Kopf. „Deine Seele hast du Voldemort verkauft, nicht mir."
Er riss den Mund auf und wollte etwas sagen, doch zugleich wusste er, dass es sinnlos gewesen wäre, weiter zu drängen. Und so gab er sich geschlagen. „All die Jahre habe ich getan, was Sie von mir verlangt haben. Also wird es auch jetzt so geschehen, nicht wahr?"
Der Ausdruck auf seinem ausgemergelten Gesicht hatte etwas Flehendes, als er zu seinem Vorgesetzten hinüber blickte.
Dumbledore lehnte sich über seinen Tisch nach vorne und verschränkte die Finger ineinander. „Ich wünschte wirklich, wir hätten einen anderen Weg gefunden", sagte er müde.
Wäre Snape nicht so verzweifelt gewesen, hätte er erkannt, dass er es aufrichtig meinte, doch dazu kam es nicht, denn er ließ sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen und verbarg den Kopf in seinen Händen, die dünnen Finger fest in seine langen Strähnen gegraben.
„Wirst du es ihr sagen?", fragte Dumbledore schließlich.
Er schreckte auf, dann ließ er die Hände sinken und starrte ihn mit geweiteten Augen an. „Was sagen? Dass ich Sie töten werde? Wie soll ich das anstellen?"
„Severus", setzte er eindringlich an, „ich weiß, dass du dazu tendierst, dich zurückzuziehen und zu verschließen. Aber wenn sie dir wirklich so viel bedeutet, solltest du es in Erwägung ziehen."
„Sie würde es nicht verstehen", antwortete er steif. „Außerdem ist es zu riskant. Wir wissen nicht, was geschehen wird, denn selbst dann, wenn ich die Leitung der Schule haben werde, wird sie nicht länger hier sein. Potter braucht sie, nicht wahr?"
Dumbledore nickte abwesend und stützte den Kopf auf die Hand. „Ja, das wird er."
Severus brummte. „Sehen Sie? Es ist besser so, denn wenn sie nichts weiß, wird sie der Schule fernbleiben, ganz so, wie es beabsichtigt ist. Sie, Potter und Weasley müssen untertauchen, nur dann können wir davon ausgehen, dass ihnen eine Chance bleibt, ihm nicht in die Finger zu laufen."
„Aber ..."
„Nein, Albus. Wenn wir das durchziehen, gibt es kein Zurück. Und ich habe ganz sicher nicht vor, in Askaban zu verrecken, wenn ich im Gegenzug die Möglichkeit habe, etwas gegen ihn auszurichten."
Dumbledore räusperte sich. „Vielleicht war ich etwas voreilig mit meinen schnellen Worten. Doch, vergib mir, du musst verstehen, dass ich dieses Techtelmechtel zwischen einem Professor und seiner Schülerin an Hogwarts nicht einfach so dulden kann. Ich hatte noch nie die Absicht, dich nach Askaban zu schicken. Und das weißt du tief in deinem Inneren."
Severus nickte abwesend, entgegnete aber nichts darauf.
„Es ist vielmehr dein eigenes Schuldbewusstsein, das dir im Wege steht", setzte Dumbledore überraschend nach. „Das war schon immer so."
Er legte abschätzig den Kopf schief. „Worauf wollen Sie hinaus?"
„Darauf, dass du schon damals bei Lily versucht hast, es wieder gut zu machen, sie dir aber nie verziehen hat, dass du sie Schlammblut genannt hast. Oder darauf, dass du zu mir kamst, als du erfahren hast, dass sie und ihre Familie in Gefahr waren."
Er schluckte. „Weil ich es war, der sie in Gefahr gebracht hat."
„Oh ja. Doch es war nicht dein Verrat, der sie getötet hat, sondern Peter Pettigrews."
„Das ändert gar nichts", zischte er bitter.
Dumbledore legte die Stirn in Falten. „Nein? Vielleicht solltest du die Sache noch einmal überdenken und dich fragen, wo wir ohne deine Arbeit stehen würden."
„Wozu? Ich habe mich falsch verhalten und Grenzen überschritten, die ich niemals hätte überschreiten dürfen."
„Ah", sagte er milde. „Jetzt kommen wir der Sache näher. Und in diesem Punkt muss ich dir Recht geben. Du wusstest, dass es falsch war und hast dich trotzdem gehen lassen."
Severus verzog die Mundwinkel. Dass das Gespräch in Miss Grangers Richtung abdriftete, behagte ihm keineswegs, doch er wusste, dass es sich nicht umgehen ließ.
„Ich war einsam, Albus. Und das viel zu lange. Ist es da wirklich eine so große Überraschung, dass das passiert ist?"
„So gesehen nicht. Aber was ist mit deiner Verantwortung ihr gegenüber? Oder wenn jemand anders als ich euch entdeckt hätte?"
Er lachte auf. „Und wer hätte das sein sollen?"
„Minerva? Filius? Vielleicht auch Dolores Umbridge im letzten Schuljahr?"
Angestrengt kniff Severus die Augen zusammen, sagte aber nichts darauf. Es war schon entwürdigend genug gewesen, zuzugeben, dass die Sache bereits etwas länger lief.
„Sie hätte nicht gezögert, dich den Dementoren vorzuwerfen. Du kennst die Gesetze."
„Das weiß ich selbst. Es ist nicht nötig, mich darauf hinzuweisen, Albus."
„Gut", entgegnete Dumbledore matt. „Du warst mir gegenüber offen und ehrlich, also hat es keinen Sinn, weiter darauf herumzureiten. Du weißt, dass es verboten ist, eine Liaison mit einer Schülerin einzugehen. Aber, wie dem auch sei, wenn du dir sicher bist, solltest du darüber nachdenken, mit Miss Granger zu reden. Es kann nicht schaden, jemanden auf deiner Seite zu haben, wenn ich nicht mehr hier bin."
Missbilligend rollte er die Mundwinkel zurück. „Und sie da auch noch mit hineinziehen? Wie soll das gutgehen? Wenn der Plan funktionieren soll, dürfen wir keine Mitwisser haben."
„Das ist richtig. Aber ich kenne dich und vertraue darauf, dass du es nicht an die große Glocke hängen wirst. Und was Miss Granger anbelangt, so denke ich, dass sie ebenfalls darüber schweigen wird. Sie ist allen anderen in ihrem Alter weit voraus. Das war sie schon immer. Außerdem erweckt Harry nicht den Eindruck, als wüsste er von euch, was mich darauf schließen lässt, dass sie niemandem davon erzählt hat."
„Natürlich hat sie es keinem erzählt!", schnaubte er. „Es wäre ja auch irrsinnig."
„Siehst du jetzt, worauf ich hinaus will?"
Severus schüttelte den Kopf. „Wir werden sehen, Albus. Vielleicht sollte ich es tun. Doch fürs Erste möchte ich ihr diesen Kummer ersparen. Was mit Black passiert ist, hat sie mitgenommen. Ich möchte nicht wissen, was geschieht, wenn sie erfährt, dass ich Ihren Schulleiter ermorden soll."
„Ganz zu schweigen davon, wenn sie nicht eingeweiht ist und denkt, du hast es absichtlich getan", kommentierte Dumbledore trocken.
Er nahm seine Hände hoch und fuhr sich damit durch die Haare. „Ich werde es mir überlegen."
„Gut. Und jetzt solltest du gehen. Ich denke, du wirst erwartet. Aber halte dich zurück, verstanden?"
Mit den Augen rollend stand er auf und schwebte zur Tür hinüber, einen abschätzigen Blick auf den Phönix werfend, der sich seelenruhig das Gefieder putzte und vorgab, nichts von dem Gespräch gehört zu haben.
