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Bekanntlich und bekennend gehöre ich zu denen, die die HP Bücher unzählige Male vom Anfang bis zum bitteren Ende durchforstet haben. Für mich sind sie sehr bedeutsam, da sie so viel Wahrheit enthalten, die bei uns bzw. von der Gesellschaft im 'realen' Leben gern mal übergangen oder übersehen wird.
Snape als kauziger, schwieriger Charakter ist die Paradefigur schlechthin. Er hat viele Facetten. Snape ist kein Feigling. Er hat die Suppe, die er sich eingebrockt hat, selbst ausgelöffelt; unter der Anleitung Dumbledores. So habe ich mir eine recht kritische Meinung vom guten Albus gebildet.
Der Satz aus der Unterhaltung zwischen Harry und Dumbledore, als letzterer sagt "Armer Severus" hat mich nachdenklich gestimmt, so quasi nach dem Motto, ein kurzes Bedauern und gut war's. Größtenteils hat er vieles hingenommen (so wie in jungen Jahren seine Suche nach dem Größeren Wohl). Für mich als Leser der Bücher wäre ein anderer Ausgang für Snape versöhnlicher gewesen. Aus Sicht von jemandem, der FFs schreibt, ist dennoch das Opfer gewisser Figuren unumgänglich, um eine Geschichte nicht zu süßlich wirken zu lassen.
Fettnapf lässt grüßen … Ich weiß, einige von euch werden mir nie verzeihen, was ich in meiner Story "Counting stars" mit Snape und Hermine geschehen ließ. Andere aber fanden die Wandlung vom relativ derben Anfang über Kapitel 5 und 6, wo nach diesem (nicht nur) sexuellen Desaster zwischen beiden eine deutliche emotionale Annäherung stattfand, bis hin zu den letzten beiden Kapiteln ausschlaggebend, sie zu mögen. Für mich ist sie eine meiner bedeutendsten Geschichten. Es geht hoch und runter wie im wahren Leben. Es sei denn, man zählt zu den Glückspilzen, bei denen alles aalglatt verläuft. Ich denke mal, jeder sieht die Dinge in einem anderen Licht. Ein versteckter Bote der Aussöhnung war deshalb am Ende des letzten HP Buchs das Gespräch zwischen Harry und seinem Sohn "Albus Severus", obwohl ich den Epilog überhaupt nicht leiden konnte.
In diesem Kapitel von FFG gibt es eine kleine Unterhaltung rund um den Weihnachtsbaum, in der ich Hermines (teils) kindliche Naivität durchblitzen lassen wollte. Trotz ihrer Gefühle für Snape, der ja eine nicht ganz so einfache Persönlichkeit und einen obendrein reicheren (nicht auf sein Sozialverhalten bezogen, das ich selbst als nicht sonderlich gut ausgeprägt zu beziffern wage) Erfahrungsschatz besitzt, bedeutet das noch lange nicht, dass sie damit von heute auf morgen allen Problemen und Widrigkeiten des Lebens gewachsen ist.
Dabei stellt sich mir die Frage: wann hört das Kind sein auf? Blicken wir nicht alle mit Wehmut auf irgendwas zurück? Selbst wenn es nur die Sehnsucht nach Geborgenheit oder Unbeschwertheit ist; manchmal habe ich ohnehin das Gefühl, nie gänzlich erwachsen geworden zu sein. Ich flüchte mich in meine Storys, um abzutauchen und durchzuatmen. Eine andere Welt, interessante Persönlichkeiten, die einen begleiten. Ja, ich bin ein Träumer. Aber wenigstens mangelt es mir nicht an Fantasie.
houseghost
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Fallen from grace
Kapitel 32
Enthüllung
„Können wir ihn nicht behalten?"
„Nein", entgegnete Severus mit tiefer Stimme.
Hermine blinzelte ihn unschuldig an. „Bitte."
Er kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. „Er ist kein Haustier, Hermine."
Sie kuschelte sich an ihn und seufzte verträumt, ohne ihr Geschenk, das sie vom Sofa aus bestens im Blick hatte, aus den Augen zu lassen.
„Warum nicht? Er ist perfekt."
„Er ist stachelig."
„Genau wie du, Severus. Außerdem, wo du doch fast nie hier bist, sollte er dich kaum stören."
Ein leises Schnauben entfuhr ihm. „Trotzdem kann ich es nicht gebrauchen, dass er überall seine Nadeln verliert."
„Das würde er nicht", versicherte sie ihm ernst. „Ich habe mir überlegt, ihn mit einem Zauber zu belegen, damit er seinen strahlenden Glanz behält."
„Natürlich hast du das", murmelte er gelangweilt von diesem Thema.
„Komm schon. Du musst zugeben, die Idee ist brillant. Das würde nämlich bedeuten, dass er keine einzige Nadel verliert."
Wenig begeistert von ihrem Einwand setzte er sich auf und schob seine Finger durch die langen Strähnen.
„Ich hätte es wissen müssen. Kaum reicht man dir den kleinen Finger, erhebst du Anspruch auf die ganze Hand."
Hermine zuckte gelassen mit den Schultern. „Wir können ihn ja vorübergehend schrumpfen, wenn er dich stört."
Er hüstelte gequält. „Vorübergehend?"
„Ja, bis nächstes Jahr." Als sie sah, dass er kurz davor war, einen Wutanfall zu bekommen, lenkte sie schnell ein. „Schön, dann eben bis Ostern. Oder bis ich dich das nächste Mal besuchen komme."
„Das ist nicht dein Ernst! Du willst ihn tatsächlich behalten?"
Sie nickte.
„Warum?"
„Weil er von dir ist."
Vehement schüttelte er den Kopf. „Das ist - und du hast allen Ernstes behauptet, ich sei übergeschnappt!"
„Wieso? Ich glaube, Krummbein würde ihn mögen."
Severus brummte unzufrieden. „Als ob ich auf die Meinung dieses Straßenkaters Rücksicht nehmen müsste!"
Hermine ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und reckte steif ihr Kinn in die Höhe. „Es ist mein Baum, also entscheide ich, was mit ihm passiert. Wenn du ihn nicht hier haben willst, nehme ich ihn eben mit nach Hogwarts."
Ungläubig starrte er sie an. Dann legte er die Stirn in Falten. „Gut. Meinetwegen kannst du ihn hier lassen. Wenn wir abreisen, wirst du ihn schrumpfen."
Hermine stieß einen Freudenschrei aus und fiel ihm glücklich um den Hals. „Danke! Siehst du? Wenn du dir nur ab und zu einen Ruck gibst, werden wir noch die besten Freunde."
Er hob eine seiner Brauen. „Tatsächlich? Du erwartest doch nicht etwa von mir, dass ich in allem nachgebe."
„Nein, keinesfalls. Wenn wir so weitermachen, sind wir auf dem besten Weg, ein ganz normales Paar zu werden."
„Du meinst", äußerte er mit einer gehörigen Portion Sarkasmus in der Stimme, „wir werden wie alle anderen durchgeknallten Leute auch unseren Lebensabend damit verbringen, über das Fernsehprogramm zu streiten."
Hermine grinste zufrieden. „Genau."
Er beugte sich über sie, bis er ihr ganz nahe war. Dann nahm er ihr Kinn zwischen seine Finger und sah sie an. „Du vergisst, dass wir nach Hogwarts zurückmüssen."
Sie seufzte. „Ich weiß. Es war so schön hier. Lass mich noch ein wenig von einem ganz normalen Leben ohne Voldemort träumen."
Er nickte kaum merklich, legte sich zurück aufs Sofa und machte die müden Augen zu. Sollte es eines Tages wirklich dazu kommen, würde er nicht zögern, nach diesem normalen Leben zu greifen. Ganz gleich, was für verrückte Dinge sie noch von ihm verlangen würde.
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Nach diesen einschneidenden Erlebnissen wieder in Hogwarts zu sein, kam Hermine merkwürdig vor. Das ganze Schloss machte einen verlassenen Eindruck. Nur die wenigsten Schüler waren in den Ferien geblieben, womit sie auf der Suche nach Harry den Gemeinschaftsraum der Gryffindors erst einmal gänzlich leer vorfand. Obwohl sie solchen Mist gebaut hatte, hatte sie doch das Gefühl, weiter gekommen zu sein. Die Worte ihres Professors klangen einleuchtend. Ganz besonders die Dinge, die Harry betrafen. So, wie er manchmal reagierte, war es besser, ihm die Fakten Stück für Stück zu präsentieren. Außerdem wussten sie nicht, wann und ob Voldemort es wagen würde, ein weiteres Mal in seinen Geist einzudringen. Doch da ihr bester Freund nun einmal nicht darum herum kam, sich ihm eines Tages zu stellen, stand für sie fest, dass sie dringend mit ihm reden musste, um ihn nicht ganz im Dunkeln tappen zu lassen. Wenigstens, was die Sache mit der Abmachung zwischen Severus und Dumbledore anbelangte. Sie mussten einander vertrauen, wenn sie Voldemort besiegen wollten. Doch das bedeutete auch, Severus nicht einfach seinem Schicksal zu überlassen. Leider sah Harry den Informationen nicht ganz so offen entgegen, wie sie gehofft hatte, wodurch das Gespräch mit ihm einen etwas unangenehmen Verlauf nahm.
„Verstehe ich das richtig?", fragte er kühl. „Snape soll Dumbledore töten, weil der sowieso sterben wird?"
„Ja. Hast du ihn dir in letzter Zeit mal richtig angesehen? Auf diesem Ring, den er sich angesteckt hat, lag ein Fluch."
„Das hat Snape ja schön eingefädelt!"
„Harry, nein! Du irrst dich!"
„Ach ja?"
„Ja!"
„Woher willst du wissen, dass das alles so stimmt? Hat Snape dich am Ende seiner Stunde etwa beiseite genommen und dir das erzählt?"
„Nicht direkt", murmelte sie verunsichert.
Er schnaubte. „Das dachte ich mir schon. Er ist nun nicht gerade jemand, der frei aus dem Nähkästchen was über sich ausplaudert."
Hermine biss sich auf die Lippe. „Vertrau mir einfach, Harry. Okay?"
„Das würde ich ja gern. Aber die Geschichte, die du mir hier auftischst, klingt nicht gerade glaubwürdig. Vor allem für jemanden wie dich."
„Genau wie die, dass du ein Zauberer bist, nicht wahr?"
„Das ist etwas völlig anderes", entgegnete er steif.
„Ach ja?"
Harry verzog das Gesicht. „Hör auf damit. Ich will jetzt sofort wissen, was hier los ist!"
„Das habe ich dir gesagt. Dumbledore benutzt Professor Snape für seine Zwecke."
„Aber woher – woher willst du das wissen?", hakte er eisern nach.
Außer sich vor Verzweiflung warf sie ihre wilde Mähne zurück. Die Überlegung, wie weit sie gehen konnte oder sollte, ihn von der Wahrheit zu überzeugen, wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf.
„Wenn du mir nicht glaubst, frag ihn einfach."
„Wen?", stieß er ironisch aus. „Snape? Da kannst du lang drauf warten!"
„Nein. Nicht Snape, sondern Dumbledore. Er hat schließlich diesen bescheuerten Plan eingefädelt."
„Das kannst du nicht wissen!"
„Doch, glaub mir, kann ich. Ich werde jedenfalls nicht dabei zusehen, wie sie jemanden zu seinem Mörder abstempeln, der ihm auf seinen eigenen Wunsch hin einen qualvollen Tod erspart hat."
„Das heißt, du glaubst Snape?"
„Ja, das tue ich."
„Ich … warum?"
Sie senkte den Blick. „Das ist kompliziert, Harry."
„Ha! Was du nicht sagst! Ich wusste ja immer, dass du maßlos übertreibst, als du versucht hast, ihn zu verteidigen ..."
„Was? Fang doch nicht wieder damit an! Ich glaube, du hast vergessen, dass auch Dumbledore ihm vertraut."
„Nun, ich vertraue ihm nicht. Damals mit Sirius hast du dich auch auf seine Seite geschlagen, obwohl mir wirklich schleierhaft war, wie du das tun konntest."
„Das ist nicht wahr!"
„Wirklich?"
„Nein! Ich versuche nur zu helfen."
„Helfen? Ausgerechnet Snape?"
„Ja", sagte sie leise. „Auch er verdient es, nicht mit Schmutz beworfen zu werden."
„Du hörst dich an, als hättest du dich in ihn verknallt!"
Hermine spürte, dass ihre Wangen erröteten. Sie senkte den Kopf. Doch um es vor ihm zu verbergen, war es zu spät. Sofort riss Harry die Augen auf.
„Oh mein Gott! Ist es das? Ist das wirklich wahr?"
Sie konnte es nicht länger vor ihm geheim halten. Nicht, wenn sie Severus helfen wollte.
Kaum merklich nickte sie. „Es ist nicht nur das, Harry. Ich liebe ihn."
Ihre Worte waren nicht mehr als ein Flüstern, doch für Harry genügte es. Aufgebracht sprang er auf die Füße, als hätte ihn irgendetwas gebissen.
„Ich wusste es!", dröhnte es wütend aus ihm hervor. „Der Kerl macht Ärger, wo er geht und steht!"
„Das ist nicht wahr!"
Er lachte kommentarlos auf. Dann sah sie ihm verbissen dabei zu, wie er vor ihr umher rannte und sich die Haare raufte.
„Setz dich wieder, Harry. Bitte! Du machst es für mich nicht gerade leichter, wenn du jetzt durchdrehst."
„Das werde ich nicht!", zischte er zurück.
„Dann hör mir wenigstens zu", bat sie flehentlich.
Sein Körper bebte vor Wut, als er endlich zum Stillstand kam und mit einer Mischung aus Wut und Unverständnis auf sie hinabblickte.
„Verstehst du jetzt, warum ich etwas für ihn tun muss? Und wenn ich es dafür selbst auf mich nehmen muss, Dumbledore zu erlösen, dann soll es so sein."
„Untersteh dich! Das wirst du schön bleiben lassen!", knurrte er zurück. „Was hat Snape getan, dass du bereit bist, dich für ihn ins Unglück zu stürzen?"
Hermine zog die Brauen zusammen. „Er hat nichts getan. Es ist meine Entscheidung."
„Das ist verrückt!"
„Ja, da hast du ganz Recht. So ist es nun mal."
„Soll das heißen, ihr treibt es miteinander? Denn wenn er das tatsächlich gewagt hat, wird er dafür in Askaban landen!"
„Nein, Harry!", keifte sie erschüttert. „Ich gebe zu, dass die Vorstellung vielleicht etwas seltsam wirkt, aber ich bin nicht unschuldig daran, dass es so weit gekommen ist."
Er schluckte. „Ihr – ihr hattet tatsächlich Sex?"
Sie nickte kleinlaut, als sie das entsetzte Gesicht ihres Freundes vor sich sah. Obwohl es ihr unangenehm war, die Sache zur Sprache zu bringen, hatte es wohl keinen Sinn, es weiter vor ihm geheim zu halten.
„Ja."
„Aber ..."
„Lass es, Harry! Ich bin alt genug, um selbst zu entscheiden, was ich will. Du verstehst das doch nur nicht, weil du ihn nie mochtest. Ich hatte ehrlich gesagt auch nichts anderes von dir erwartet. Genau darum habe ich es dir verschwiegen."
„Ich konnte ja nicht ahnen, dass es um Snape geht, als du von diesem Typen gesprochen hast."
Sie stöhnte auf. „Deine Vorurteile ihm gegenüber sind wirklich grausam. Trotzdem bitte ich dich, keine Dummheiten zu machen, denn gleich, was auch immer du damit erreichst, es wird auch mich betreffen."
„Ich und Dummheiten machen?"
„Ja, du. Wir wissen doch beide, dass du ihn am liebsten für immer und ewig los haben möchtest."
Er rümpfte die Nase. „Das ist noch weit untertrieben."
Erschöpft von dem Wortgeplänkel sackte sie in die Sofakissen hinein und verbarg den Kopf hinter den Händen.
„Wie dem auch sei … tu es für mich. Gib dir einen Ruck, Harry. Bitte."
Er konnte es kaum ertragen, sie anzusehen. Dennoch zwang er sich dazu, nicht schnurstracks auf den Kamin loszustürmen, um Dumbledore zu informieren, was sein mutmaßlicher Spion mit seiner Schülerin im Schilde führte.
Hermine holte Luft und ließ die Arme sinken. „Ich weiß, was du jetzt denkst, Harry", sagte sie traurig. „Du willst Dumbledore einschalten, richtig?"
„Woher willst du das wissen? Hat er dir etwa beigebracht, wie du in meine Gedanken eindringen kannst?"
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Glaub mir, wenn du das jetzt überstürzt, machst du einen gewaltigen Fehler."
„Ich? Du denkst, ich mache einen Fehler?"
Sie nickte. „Ja. Severus ist auf unserer Seite. Vergiss das nicht, wenn er das nächste Mal seinen Kopf hinhält, um dich zu beschützen."
Bei Harry sträubten sich die Nackenhaare. „Severus?"
Sie sah ihn streng an, doch er wandte den Blick ab.
„Gott! Das, was auch immer er mit dir tut, ist verboten, ist dir das klar? Du bist seine Schülerin! Und wenn das Ministerium davon erfährt ..."
„Wir wissen beide, worauf wir uns eingelassen haben. Aber ihn würden sie weitaus schlimmer als mich bestrafen. Genau deshalb darf niemand etwas erfahren. Außerdem, wenn du auf jemanden wütend sein solltest, bin ich es, schließlich habe ich damit angefangen, nicht er."
Ungläubig schüttelte er sich. „Wie – wie kam es überhaupt dazu?"
„Du meinst, wie wir uns näher gekommen sind?"
Er legte ungeduldig die Stirn in Falten. „Auf Spielchen habe ich im Moment keine Lust. Wenn du also versuchst, die Sache zu beschönigen, bitte ich dich, es zu lassen."
Sie setzte ein zaghaftes Lächeln auf.
„Tja, weißt du, irgendwie lag da so eine Spannung zwischen uns ..."
„Eine was?"
„Eine Spannung. So wie bei dir und Ginny."
Er stöhnte auf. „Das kann man doch gar nicht vergleichen!"
„Und woher willst du das wissen? Ich denke sehr wohl, dass du es ernst mit ihr meinst. Um einfach nur rumzumachen bist du nämlich nicht der Typ."
Harry blinzelte sie an. „Woher willst du das wissen?"
„Glaub mir. Wenn jemand dich kennt, dann ich."
Wenig überzeugt rollte er mit den Augen, doch Hermine ging ohnehin nicht näher darauf ein. Der Moment der Wahrheit war gekommen. Und das bedeutete unweigerlich, dass sie ihn überzeugen musste, bevor er es sich anders überlegen und sein ursprüngliches Vorhaben, jemanden einzuweihen, in die Tat umsetzen konnte.
„Jedenfalls haben wir beide gemerkt, dass da irgendwas zwischen uns ist. Es war nicht nur das übliche, eigenartige Kribbeln. Wir haben entdeckt, dass wir gut miteinander auskommen. Auf gewisse Weise sind wir uns ja auch sehr ähnlich."
Harry würgte unbewusst.
„Das ist nicht dein Ernst!"
„Doch. Severus ist sehr gebildet, Harry. Auch dann, wenn du das abstreitest."
„Ich sage nicht, dass er dumm ist. Er ist nur einfach ..."
„Wir sind einander ebenbürtig", setzte sie nach. „Nur für den Fall, dass du etwas richtig fieses sagen willst. Genauso wie ich es immer war, ist auch er ein sehr zurückgezogener Mensch."
Irritiert starrte er sie an. „Komm schon, Mione, du willst dich doch nicht wirklich mit ihm gleichsetzen? Er ist ein alter Mann im Vergleich zu dir."
„Wieso nicht? Ich war nie sonderlich gesellig oder beliebt, wenn du dich erinnerst. Außerdem, wie würdest du das nennen, was Tonks und Lupin miteinander haben?"
„Sie arbeiten zusammen für den Orden."
„Jaah. Aber nicht nur das. Und er ist auch älter."
„Das ist etwas ganz anderes! Er war schließlich nicht ihr Professor, als sie was miteinander angefangen haben. Abgesehen davon ist Lupin echt cool. Er ist einer von ..."
„Von was?", schnaubte sie mit einem Mal fürchterlich erregt. „Von den Guten?"
Er ließ die Kiefer knacken. „Er ist in Ordnung. Snape hingegen ist ein Arsch."
„Zu dir vielleicht."
„Zu jedem, der nicht in Slytherin steckt."
Sie seufzte.
„Ihr hattet von Anfang an einen schlechten Start. Und du warst auch nicht immer ein Engel, so wie du dich ihm gegenüber verhalten hast. Oder hast du vergessen, dass du dich unerlaubt über seine persönlichen Erinnerungen hergemacht hast, die er im Denkarium vor dir und deiner Neugier verbergen wollte?"
Harry schoss ihr einen wütenden Blick zu. „Würdest du endlich aufhören, ihn in Schutz zu nehmen? Das macht mich noch ganz krank!"
Ein weiterer, sehr tiefer Seufzer entfuhr ihr. „Hör zu, Harry. Ich kann es selbst nicht glauben, okay? Mir gegenüber ist er wirklich anders. Du kennst ihn nicht so ...", sie stockte, „so fürsorglich. Er will, dass es mir gut geht. Außerdem ist er nicht unser Feind, wie wir immer gedacht haben."
Harry verdrehte missmutig die Augen und grummelte leise vor sich hin. Für eine Weile wurde es still zwischen ihnen, ehe Hermine ein anderes Thema aufgriff, das ihn auf andere Gedanken bringen sollte.
„Wie war es eigentlich bei den Weasleys?"
Er legte den Kopf schief. „Hmm. Dasselbe könnte ich dich fragen. So wie du eben bis über beide Ohren grinst, vermute ich mal, du warst gar nicht bei deinen Eltern."
Hermine wurde knallrot im Gesicht. „Genau darum wollte ich, dass du mich verstehst. Ich möchte dich nicht anlügen, Harry. So wie du manchmal reagierst, ist es nicht besonders leicht, dich in gewisse Dinge einzuweihen."
„Ach ja?", fragte er gereizt. „Wie reagiere ich denn?"
„Aufbrausend."
Harry schüttelte den Kopf. „Ich möchte dich mal sehen, wenn du mit solchen Nachrichten konfrontiert wirst."
Sie verzog die Mundwinkel. „Gut, ich gebe zu, dass das vielleicht etwas viel auf einmal war."
Er legte die Stirn in Falten. „Etwas?"
„Na ja, wir sollten einfach das Beste daraus machen."
Ungläubig starrte er sie an. „Wie stellst du dir das vor? Es ist immer noch Snape, um den es hier geht."
„Das weiß ich", entgegnete sie streng, was deutlich besagte, dass sie bereit war, ihren Professor zu verteidigen. „Wenigstens du solltest langsam begreifen, dass er auf unserer Seite ist, sonst würde er es wohl kaum auf sich nehmen, von der ganzen Welt verstoßen zu werden."
„Er war schon immer ein Außenseiter", murmelte er ungerührt. „Meinst du, dass sich dadurch so viel für ihn ändert?"
Entrüstet schnaubte sie ihn an. „Dafür, dass er seinen Kopf für dich hinhält, bist du ziemlich undankbar."
Harry zerzauste sich nachdenklich mit den Fingern die Haare und stand, gefolgt von ihren fragenden Blicken, auf.
„Das ist mir ehrlich gesagt egal. Nur weil du mit ihm schläfst, muss ich ihn noch lange nicht mögen."
Sie starrte ihn mit offenem Mund an, doch er zuckte wie gleichgültig mit den Schultern.
„Es ist, wie es ist. Ich geh jetzt erst mal zu Dumbledore."
Alarmiert sprang sie auf die Beine.
„Was hast du vor?"
„Das wirst du schon sehen."
Damit brauste er davon und sie beeilte sich, ihm nachzukommen.
„Du weißt doch nicht einmal, ob er im Schloss ist", fiel ihr plötzlich ein, als sie aus dem Portraitloch der Fetten Dame geklettert waren.
„Wo soll er denn sonst sein?"
Hermine senkte den Blick. „Ach, weißt du, das ist nur so ein Gefühl."
Harry sah sie von der Seite her giftig an. „Ein Gefühl also?"
Sie nickte bedröppelt. „Ja. Er war in letzter Zeit doch häufiger fort ..."
Schlagartig wirbelte er herum und schnappte sich ihren Arm, um sie zum Stehen zu bringen. Am ganzen Körper bebend, funkelte er sie mit seinen leuchtenden Augen an.
„Gibt es da vielleicht noch mehr, was ich wissen muss?"
Sie schluckte. Jetzt war es soweit, dachte sie verbissen. Wenn sie jetzt die Sache mit den Horkruxen ausplaudern würde, wären sie ein für alle mal geliefert.
„Nein", sagte sie mit brüchiger Stimme, was jedoch keineswegs überzeugend klang, so dass Harry wohl kaum darauf hereinfallen würde. Eigenartigerweise hatte sie nicht einmal so schwach geklungen, als Severus auf sie wütend gewesen war.
Harry schnaubte sie an. „Hör auf damit! Du warst noch nie eine gute Lügnerin."
Sie fühlte einen Stich in ihrer Seite und zog die Nase hoch. „Das kannst du nicht von mir verlangen, Harry. Bitte. Wir müssen damit warten, bis Dumbledore soweit ist, es dich wissen zu lassen. Andernfalls bringen wir damit Severus in Gefahr.
Er sperrte ungläubig die Augen auf. „Severus? Na toll! Ich kann das langsam nicht mehr hören! Denkst du vielleicht, mir macht es Spaß, so im Mittelpunkt zu stehen?"
„Nein, natürlich nicht!", stieß sie der Verzweiflung nahe aus.
Doch Harry hörte nicht zu. Brodelnd vor Wut setzte er sich wieder in Bewegung und ließ sie stehen. Hermine rang nach Luft. Irgendwie war das alles zu viel für sie. Doch wer hatte gesagt, dass es einfach werden würde, sich zwischen ihren Professor und ihren besten Freund zu stellen? So schnell sie konnte, rannte sie ihm hinterher und holte ihn im Laufschritt ein.
„Harry, bitte", drang sie flehentlich. „Du bist noch nicht soweit, das allein durchzustehen. Wir brauchen einen Plan!"
Er lachte auf. „Natürlich. Darum dachte ich ja eigentlich auch, dass wir befreundet sind. Wie es aussieht, habe ich mich da getäuscht. Du schläfst lieber mit Snape und schmiedest heimlich hinter meinem Rücken Pläne mit ihm und Dumbledore, anstatt mich einzubeziehen."
Schockiert von seiner Anschuldigung packte sie ihn an der Schulter und hielt ihn zurück.
Harry ballte die Hände zu Fäusten. „Lass mich los! Was willst du eigentlich noch von mir? Geh doch zu Snape, der weiß schon, was er tut."
Sie ließ den Arm sinken und blinzelte ihn durch die Tränen hindurch an, die ihr in die Augen schossen.
„Das ist nicht fair, Harry. Du weißt, dass ich alles für dich tun würde. Jedoch habe ich Severus mein Wort gegeben, es niemandem zu verraten. Die Zukunft von uns allen hängt davon ab. Verstehst du denn nicht! Wir müssen damit warten, glaub mir. Außerdem ist es nicht sicher, dass das, was ich herausgefunden habe, wirklich zutrifft. Wir brauchen noch mehr Informationen, bevor wir uns darin verrennen."
Harry fummelte betrübt an seiner Brille herum und Hermine nutzte die Pause, um nachzudenken. Dass er nicht nur lediglich Wut empfand, machte die Sache nicht gerade besser. Auch die aufkommende Stille zwischen ihnen hatte etwas Unheimliches an sich; so sehr sogar, dass sie nicht sagen konnte, wann er zuletzt so enttäuscht von ihr gewesen war. Dann, nach einer Weile, stieß er einen tiefen Seufzer aus.
„Vielleicht sollten wir trotzdem unser Glück bei Dumbledore versuchen. Wenn er nicht da ist, können wir nichts machen. Doch so wie er neulich ausgesehen hat, glaube ich nicht, dass er besonders lange verreist sein kann. Du hattest Recht. Irgendwas stimmt nicht mit ihm. Er ist extrem geschwächt in letzter Zeit."
Erleichtert über seine Bereitschaft zum Einlenken, atmete sie auf, und so setzten sie ihren Weg durch das Schloss fort. Als Harry dann, dicht gefolgt von Hermine, in das Büro des Schulleiters platzte, warf Dumbledore postwendend einen für seine Verhältnisse finsteren Blick in ihre Richtung. Sofort fiel ihr auf, dass er wieder einmal ziemlich mitgenommen aussah, was ihre Besorgnis in Bezug auf seinen Gesundheitszustand nur noch untermauerte.
„Nun, Miss Granger", sagte er mit vorgetäuschter Ruhe. „Ich hoffe, Sie sind jetzt zufrieden mit dem, was Sie und Severus durch ihr Techtelmechtel erreicht haben."
Harry sperrte entrüstet den Mund auf.
„Sie – Sie wussten davon?"
„Wenn du das heimliche Verhältnis zwischen Professor Snape und Miss Granger meinst, dann muss ich dem zustimmen, Harry."
„UND SIE HABEN NICHTS GETAN?", bellte er ungläubig. „Sie hätten eingreifen müssen!"
Dumbledore funkelte ihn gebieterisch über den Rand seiner Brille hinweg an. „Ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich Professor Snape vertraue. Und ich tue es noch." Langsam hob er den Arm und richtete den Blick auf seine geschwärzten Finger. „Severus ist meine rechte Hand, Harry."
Er schluckte schockiert, als würde er gar nichts mehr begreifen, obwohl Hermine ihn mit dem Schicksal ihres Schulleiters betraut hatte.
„Aber … Wieso?", brachte er kläglich hervor. „Hat er hiermit nicht deutlich bewiesen, dass er Ihres Vertrauens nicht würdig und absolut unfähig ist?"
„Im Gegenteil", äußerte Dumbledore felsenfest, der sich von Harrys Auftritt keineswegs beeindrucken ließ. „Es zeugt von seiner Menschlichkeit, dass er nach all den Jahren der Isolation schwach geworden ist."
„WAS?"
„Lass mich ausreden, Harry", sagte er streng.
Doch Harry sah keineswegs so aus, als hätte er seine Wut unter Kontrolle. Bebend vor Zorn verschränkte er die Arme vor der Brust und starrte die Tischplatte an, während Dumbledore seine ungebetenen Gäste mit seinen Blicken dazu aufforderte, Platz zu nehmen. Nur widerstrebend gehorchte Harry. Hermine hingegen tat, wie ihr geheißen, um es nicht noch schlimmer zu machen.
„Nun", begann Dumbledore in gemäßigtem Tonfall an Hermine gewandt, „ich muss zugeben, dass mich Ihre Fähigkeit, vorausschauend zu denken und zu kombinieren, einmal mehr überrascht hat, Miss Granger."
Sie schluckte. Seine Worte klangen keinesfalls nach einem Kompliment. Außerdem hatte sie keine Ahnung davon, wie sie das Severus beibringen sollte.
