Fallen from grace
Kapitel 33
Abwehrmechanismen
Das bange Warten auf eine Aussprache mit ihrem Professor wurde für Hermine zu einem Nerven zerreißenden Geduldsspiel. Seit sie und Harry diese unangenehme Unterhaltung im Schulleiter-Büro gehabt hatten, wurde sie das Gefühl nicht los, dass Severus ihr aus dem Weg ging.
Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte Dumbledore ihn darüber in Kenntnis gesetzt, dass Hermine ihr beider Geheimnis an Harry verraten hatte. Schon bald machten sich die wildesten Spekulationen in ihrem Kopf breit. Doch jedes Mal, wenn sie zu ihm wollte, um ihm ihre Situation zu erklären, hatte sie kein Glück. Erst als er dann bei Schulbeginn in sein Klassenzimmer stürmte, bekam sie die Gelegenheit, ihn wiederzusehen.
„Wir werden heute die Abwehrzauber wiederholen, an denen Sie vor den Ferien so kläglich gescheitert sind", verkündete er kalt, auf irgendeinen Punkt über den Köpfen der Schüler starrend, der sich am anderen Ende des Raumes in Hermines und Harrys Rücken befand, was sie ehrlich gesagt ziemlich nervös machte. Dann setzte er sich langsam in Bewegung und schritt, von einem leisen Rascheln seines Umhangs begleitet, durch die Tischreihen auf sie zu.
Etwa in der Mitte der Klasse angekommen, blieb er stehen, sodass sich etliche Schüler die Hälse verrenken mussten, um ihn zu sehen. Snape jedoch verschränkte seelenruhig die langen Finger vor dem Körper ineinander und erklärte: „Einige von Ihnen täten gut daran, diesen Übungen mehr Aufmerksamkeit als bisher zu widmen."
Hermine schluckte, als sie das hörte. Schon wandten sich zwei funkelnde schwarze Augen der Ecke zu, in der sie und Harry ausharrten, als hätten sie gehofft, er würde ihre Anwesenheit nicht bemerken. Keiner von beiden war sonderlich wild darauf gewesen, sich Dumbledores Anschuldigungen anzuhören. Snape aller Wahrscheinlichkeit nach noch weniger.
„Diejenigen, die die letzten Ausgaben des Tagespropheten verfolgt haben, dürften nicht sonderlich überrascht sein, dass es - sagen wir - einige Veränderungen bezüglich der Vorgehensweise des Ministeriums gab, was den Schulleiter dazu veranlasst hat, mich darum zu ersuchen, Sie noch einmal ausdrücklich auf die Wichtigkeit dieses Unterrichtsstoffs hinzuweisen. Es ist eine viel diskutierte Tatsache, dass etliche, die sich damit brüsten wollten, etwas über die Pläne des Dunklen Lords zu wissen, diese törichte Dummheit nun büßen müssen."
Spätestens jetzt hielten alle gebannt den Atem an, um zu erfahren, was es damit auf sich hatte, doch Snape ließ sich Zeit und wanderte weiter. Erst als er seelenruhig zu seinem Pult zurück geschwebt war, drehte er sich erneut der Klasse zu.
„Wie Sie wissen, wurden vom Ministerium in den letzten Wochen vermehrt Durchsuchungen und Festnahmen durchgeführt, die den Zweck haben sollen, außergewöhnliche Aktivitäten der Anhänger des Dunklen Lords betreffend aufzudecken."
Harry hüstelte leise und Hermine verpasste ihm einen Stoß mit dem Ellenbogen. Doch es war zu spät, Snape hatte ihn bereits ins Visier gefasst.
„Sie finden das komisch, Potter?", rutschte es seidenweich aus seiner Kehle hervor.
Ziemlich schmerzhaft grub Hermine ihre Nägel in die Oberschenkel, während Harry neben ihr ein unschuldiges Gesicht aufsetzte.
„Keineswegs, Sir. Ich habe nur gerade daran gedacht, wie der Schaffner des Fahrenden Ritters, Stan Shunpike, jetzt in einer ungemütlichen Zelle in Askaban sitzt, in die ihn die Vorgehensweise des Ministeriums gebracht hat, während andere, die offensichtlich Todesser sind, sich auf freiem Fuß befinden."
Ein leises Gemurmel erfüllte das Klassenzimmer, doch sofort reckte Snape das Kinn in die Höhe, um dem Einhalt zu gebieten.
„Ruhe!", zischelte er unliebsam, woraufhin die Stimmen wieder verstummten.
Kaum hatte er ausgesprochen, setzte er sich in Bewegung und war mit wenigen Schritten bei Hermine und Harry angelangt. Dort angekommen warf er mit einem Schwung seinen Umhang zurück, platzierte seine Hände zu beiden Seiten von Harrys Armen auf der Tischplatte und lehnte sich weit zu ihm vor, sodass ihm etliche seiner ungepflegten schwarzen Strähnen ins Gesicht fielen.
„Sie sind nicht gerade zum Komiker geboren, Potter", sagte er mit vermeintlicher Gelassenheit; Hermine wusste es besser, denn wenn er sich so bedrohlich über ihn gebeugt hatte, wie es jetzt der Fall war, war seine Geduld jenseits von Gut und Böse angelangt. Harrys Anspielung auf Snapes Vergangenheit bzw. Gegenwart als Todesser ließ den Professor nicht ganz so kalt, wie er tat.
„Stan Shunpike wusste offenbar nicht, dass es manchmal klüger ist, den Mund nicht aufzumachen. Ganz besonders dann, wenn man nichts Sinnvolles vorzutragen hat."
Harry starrte ungebrochen in Snapes vor Wut zusammengekniffene Augen. „Ach ja?", fragte er gereizt.
Es wurde still. Erst nach etlichen Sekunden richtete Snape sich zu seiner vollen Größe auf und verschränkte die Arme vor der Brust, ohne Harry aus seinem Blickfeld zu lassen.
„Wie damals schon Ihr Vater schaffen auch Sie es, immer zum unpassendsten Zeitpunkt einen dummen Kommentar abzugeben, nicht wahr? Keine Sorge, Potter, das tut nichts zur Sache. Im Gegensatz zu ihm und Ihrem Paten haben Sie immer noch die Gelegenheit, sich Ihre Hörner abzustoßen."
Hermine blinzelte ihn ungläubig an. Sie war sich sicher, dass, wenn Harry jetzt auch nur einen weiteren Fehler beging, dieser Tag in einer Katastrophe enden würde, also überlegte sie fieberhaft, was sie tun konnte, um diesem Spuk ein Ende zu setzen.
Harry klappte den Mund auf, doch glücklicherweise riss Hermines beunruhigte Stimme ihn aus seinen Gedanken.
„Sir, bitte", sagte sie flehentlich, in der Hoffnung, Snape zum Einlenken bewegen zu können, „würden Sie uns die Abwehrzauber noch einmal gemeinsam durchnehmen lassen?"
Snape riss den Kopf herum und starrte sie wie üblich mit zusammengezogenen Brauen durch die schwarzen Haarsträhnen hindurch an.
„In meinem Unterricht wird nur gesprochen, wenn ich dazu aufgefordert habe", knurrte er leise. „Das gilt auch für Sie, Miss Granger."
Hermine biss sich auf die Zunge und sagte nichts mehr dazu. Lediglich Harry stieß ein abwertendes Schnauben nach dem Motto „ich hab's dir doch gesagt" aus.
Endlich wandte sich der Professor von ihnen ab und schritt zur Mitte des Raumes zurück, wo er erneut die Finger ineinander verschlang.
„Also", fuhr leise fort, als hätte es die Unterbrechung in den letzten Minuten überhaupt nicht gegeben, „wer möchte den Anfang machen."
Eine bemerkenswerte Stille legte sich über die Klasse, was wohl daher rührte, dass seine Worte eher einer Feststellung als einer Frage glichen, womit sich die Begeisterung der Schüler in Grenzen hielt. Niemand, nicht einmal Hermine, schien es darauf anzulegen, ihm in die Quere zu kommen.
Snapes Nasenflügel zogen sich missbilligend zusammen. „Keine Freiwilligen? Nein? Schade." Prompt blitzten seine Augen auf. "Nun, wie wäre es dann mit Potter und Granger", säuselte er süßlich.
Hermine und Harry starrten sich unvermittelt an. Was er damit bezwecken wollte, konnten sie nur erahnen. Doch um sich den Kopf darüber zu zerbrechen, blieb ihnen keine Zeit, denn schon zückte er angriffslustig seinen Zauberstab, scheuchte die versammelte Mannschaft von ihren Plätzen und beorderte Tische und Stühle an die Wände.
Langsam aber sicher bekam Hermine ein mulmiges Gefühl dabei, denn wenn er so reagierte, war offensichtlich, dass er nicht so schnell aufgeben würde, ihnen die Hölle heiß zu machen. Was die Ursache dafür war, war nicht weiter schwer zu erraten, schließlich konnte sie sich denken, dass er nicht gerade erpicht darauf gewesen sein musste, ihretwegen von Dumbledore herangezogen zu werden. Hoffentlich ging das mal gut.
Während Harry neben ihr ein unsagbar finsteres Gesicht machte, zog Snape es vor, sie der Reihe nach mit seinen Blicken auseinanderzunehmen, die unablässig zwischen seinen Strähnen hindurch blitzten.
Spätestens am Ende der Stunde in Verteidigung gegen die Dunklen Künste wusste sie mit Sicherheit, dass sie sich nicht getäuscht hatte: Severus musste stinksauer sein, denn so hart hatte er die Klasse schon lange nicht mehr rangenommen. Ohne Hermine auch nur einen weiteren seiner verborgenen Blicke zuzuwerfen drehte er ihnen den Rücken zu und rauschte mit aufgebauschter Robe davon.
Kaum war er verschwunden, lugte Hermine vorsichtig zu Harry, doch der schüttelte den Kopf. "Sag nichts", murmelte er warnend. "Ich möchte kein Wort von dir hören."
Entgeistert blinzelte sie ihn an. „Was hab ich denn getan?"
„Als ob du das nicht wüsstest!"
„Na hör mal!", stieß sie empört aus. Dann räusperte sie sich und senkte die Stimme. „Ich konnte doch nicht ahnen, dass ... nun, dass er so drauf sein würde."
Harry lachte bitter auf. „Siehst du jetzt, dass ich Recht hatte? Der Typ ist ein Arsch! Und tu ja nicht so, als ob du nicht gewusst hättest, dass er seinen Frust an uns auslassen würde. Das war schon immer so, wenn du dich erinnerst."
Sie war gerade drauf und dran, ihm etwas an den Kopf zu werfen, als Ron sich seinen Weg zu ihnen nach hinten durch bahnte.
„Mann, ist euch Snapes Laune aufgefallen? Der wird immer schräger!"
Harry nickte und schoss Hermine dabei einen wütenden Blick zu. „Ja, haben wir gemerkt. Er war wohl kaum zu übersehen, so wie er über unserem Tisch aufgeragt ist, nicht wahr, Hermine?"
Sie rollte mit den Augen, doch Ron zuckte nur mit den Schultern.
„Ist ja auch egal. Wir sollten uns von dem nicht den Nachmittag versauen lassen. Was ist, wollen wir zu Hagrid? Wir hatten schon lange keine Felsenkekse mehr."
Harry kniff die Pupillen zu engen Schlitzen zusammen. „Das geht nicht, Ron, denn Hermine hat keine Zeit."
„Wieso nicht?"
Während sie verbissen auf ihrer Lippe herumkaute, schließlich fühlte sie sich ohnehin schon mies genug, wurden all ihre Hoffnungen, dass Harry keinen Blödsinn machen würde, zerstreut.
„Weil Hermine einen Freund hat. Und zu dem wird sie jetzt gehen und sich bei ihm darüber ausheulen, was für ein schrecklicher Tag das doch war."
Sie schluckte und würgte ein ungläubiges „Harry!" hervor.
Ron grinste bis über beide Ohren. „Cool! Wer ist es?"
Harry legte den Kopf schief und verschränkte herausfordernd die Arme vor der Brust. „Ja, Hermine! Sag uns doch, wer es ist. Vielleicht können wir alle zusammen mal einen netten Abstecher ins Drei Besen machen. Wäre bestimmt lustig."
Hätte sie Feuer spucken können, hätte sie ihn umgehend in ein Häufchen Asche verwandelt. Da sie jedoch nicht noch weitere Probleme gebrauchen konnte, nahm sie sich mit Mühe und Not zusammen.
„Lass den Unsinn, Harry." Mit einem erzwungenen Lächeln auf den Lippen wandte sie sich an Ron. „Weißt du, wir mögen es eben nicht sonderlich, in der Öffentlichkeit zu stehen. Daher behalte ich es lieber für mich."
Harry lachte vor lauter Schadenfreude auf. Nur Ron schien nichts zu begreifen, als er fragend zwischen ihnen umher blinzelte.
„Was geht denn hier ab?"
Wie gleichgültig zuckte Harry mit den Schultern. „Ach, nicht so wichtig. Früher oder später werden es alle erfahren."
In Hermine staute sich eine ungeheure Wut an. Zeitgleich schossen ihr Tränen in die Augen. „Reiß du ruhig deine Witze, Harry! Aber wiege dich nur nicht zu sehr in Sicherheit."
Traurig zog sie die Nase hoch und stürmte davon. Die nächsten Tage verschanzte sie sich, so gut es ging, in jeder freien Minute hinter den Vorhängen ihres Himmelbettes im Mädchenschlafsaal der Gryffindors. Erst eines frühen Abends, als Ginny vorsichtig an ihren Bettpfosten klopfte, zwang sie sich dazu, ihre Tränen beiseite zu wischen und den Vorhang zu öffnen. Zaghaft streckte sie den Kopf durch den Spalt.
„Alles in Ordnung mit dir?", fragte das Weasley-Mädchen besorgt. „Ich dachte mir, ich sehe mal nach dir, schließlich hast du dich seit Stunden hier versteckt."
Hermine schüttelte den Kopf. „Wenn Harry dich geschickt hat, sag ihm, dass ich ihn nicht sehen will."
Ginny seufzte. „Darf ich mich setzten?"
Kaum merklich nickte sie und rückte ein Stück weg, um Platz zu machen.
„Weißt du", begann Ginny sanft, „er ist manchmal ziemlich auf dem Holzweg. Doch im Grunde genommen ist er der beste Freund, den man sich wünschen kann. Es tut ihm wirklich leid, Hermine."
Sie schnaubte unbeeindruckt und zog die Knie bis unters Kinn, um den Kopf darauf abzulegen.
„Und deshalb schickt er dich vor, um mir das zu sagen? Sehr einfallsreich von ihm."
Ginny schüttelte den Kopf. „Wenn er könnte, wäre er selbst gekommen – du weißt ja, die Jungs können unseren Schlafsaal nicht betreten."
„Es gäbe auch andere Wege für ihn, sich bei mir zu entschuldigen."
„Ja", sagte sie schlicht. „Darum hat er mich gebeten, schon mal ein gutes Wort für ihn einzulegen."
Hermine blinzelte. „Warum machst du das für ihn? Ich meine, versteh das nicht falsch, uns beiden ist doch klar, dass du eigentlich immer noch auf ihn stehst, obwohl du mit Dean zusammen bist."
Ginny wippte nachdenklich mit dem Kopf. „Harry war schon immer meine große Liebe. Von Anfang an. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur manchmal hinkt er eben etwas hinterher. Er glaubt, dass Ron durchdrehen würde, wenn wir was miteinander anfangen."
"Das würde er vielleicht sogar. Doch eigentlich geht es ihn ja überhaupt nichts an."
"Eben. Aber du weißt ja, wie er ist. Er hat schon wegen Dean einen riesigen Aufstand gemacht."
Hermine nickte abwesend. "Für Harry war es mindestens genauso schwer, damit umzugehen, als er davon erfuhr, dass ihr zusammen seid."
"Ja. Und trotzdem konnte er sich bis jetzt nicht dazu überwinden, was zu unternehmen."
Hermine setzte ein gequältes Lächeln auf. "Ich bin mir sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis du ihn so weit hast."
Ginny schnaubte. "Weißt du, ich mag Dean wirklich. Trotzdem ist er einfach nicht Harry."
Hermine nickte. "Ich weiß, was du meinst. Glaub mir, wenn jemand dich darin verstehen kann, dann ich."
"Das dachte ich mir, Mione. Darum wollte ich auch mit dir reden. Ron hat erwähnt, dass du einen Freund haben sollst."
Nervös senkte Hermine den Blick. "Hat er?"
Sie nickte. "Er meinte, dass du nichts verraten wolltest. Also hab ich mir gedacht, dass das vielleicht lieber was ist, was du für dich behalten möchtest." Als sie sah, dass Hermine ein unglückliches Gesicht machte, schüttelte sie den Kopf. "Keine Angst, ich hab nicht vor, dich auszuquetschen. Ich wollte dir nur sagen, wenn du darüber reden willst, bin ich gern bereit, dir zuzuhören."
Erleichtert atmete Hermine auf und nahm ihre Freundin in die Arme. "Danke, Gin. Doch das ist nicht nötig. Ich krieg das schon irgendwie hin."
Ginny grinste schelmisch. "Dachte ich mir. Aber du hast ja immer noch Harry, der in seinem Schlafsaal rumläuft und auf dich wartet."
Sie runzelte die Stirn. "Gut so. Er hat es nicht anders verdient. Weißt du was, wir sollten ihn zur Strafe noch etwas zappeln lassen."
Ginny nickte eifrig. "Da bin ich ganz deiner Meinung." Sie räusperte sich verhalten. "Ich hab ja erst mal auf Lupin getippt, als ich davon erfuhr. Aber da lag ich wohl falsch, oder?"
Verblüfft sperrte Hermine den Mund auf. "Wie kommst du denn auf den?"
Sie zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Ich dachte mir, da du Weihnachten nicht in den Fuchsbau gekommen bist und er und Tonks da waren, wolltest du ihm vielleicht aus dem Weg gehen." Sie wirkte plötzlich ziemlich verschüchtert. "Das ist doof, oder?"
Hermine fiel ein Stein vom Herzen, als sie das hörte. "Nein. Nicht für mich, Gin. Ich bin nur überrascht, das ist alles. Mich würde trotzdem interessieren, wieso du ausgerechnet auf Lupin kamst."
Ginny lächelte verschmitzt. "Ich kenn dich, Hermine. Du passt nicht zu einem ganz normalen Jungen. Das wärst einfach nicht du. Ich meine, sieh dich an! Du bist super intelligent und all das. Bestimmt würde er dich schon nach zwei Tagen zu Tode langweilen, weil er einfach nicht mit dir mithalten kann."
Hermine schluckte. Dass Ginny ihrem kleinen Geheimnis so nahe kommen würde, hätte sie nicht gedacht.
"Ich kann dich beruhigen", sagte sie zaghaft. "Es ist nicht Lupin. Aber im Grunde genommen liegst du mit deiner Einschätzung gar nicht so falsch."
Ginnys Augen blitzten freudig auf, als hätte Hermine ihr ein Stück ihres Lieblingskuchens vor die Nase gesetzt. "Ich wusste es!", rief sie begeistert aus. "Außerdem weiß ich, dass du hundertprozentig auf Männer stehst, also erübrigt sich die Frage nach einer Frau. Ist er älter?"
Hermine grinste verhalten. "So könnte man es durchaus nennen, Gin."
"Ha! War er hier an Hogwarts?"
Mit einem Mal machte sich ein Anflug von Panik in Hermine breit. Noch ehe Ginny auf den Gedanken kommen konnte, die Belegschaft in Erwägung zu ziehen, wehrte sie mit erhobenen Händen ab.
"Weisst du", erklärte sie unbeholfen, "ich würde es lieber erst mal dabei belassen, Gin. Es ist schon schwer für mich, damit klarzukommen, dass Harry jetzt alles darüber weiß."
Ginny zwinkerte. "Schon klar. Nicht dass ich mich einmischen möchte, aber neugierig wäre ich schon – ich plappere gerade zu viel, nicht wahr? Obwohl ich dich ja eigentlich nicht aushorchen wollte ..."
"Nein, tust du nicht", sagte Hermine beschwichtigend. "Es ist nur … Du weißt ja, wir stehen alle schon genug im Zentrum des Geschehens mit Harry und Voldemort."
Ginny nickte zustimmend. "Wem sagst du das!"
"Genau. Sollte alles irgendwann nicht mehr so kompliziert sein, bist du die Erste, die es erfährt. Denn wenn ich es jemandem anvertrauen würde, dann dir, Gin. Bei dir weiß ich, dass du es nicht verraten würdest."
Sichtlich befreit fielen sie sich um den Hals. "Ich glaube, jetzt haben wir ihn lang genug warten lassen, was meinst du?"
Hermine setzte ein beschwingtes Lächeln auf, ehe sie sich voneinander verabschiedeten.
